Zurück zur Übersicht
Jessica Martínez, Foto: © Jennifer Craiker

Erzählen Sie uns doch bitte ein bisschen über sich.
Ich habe massenhaft Hobbies: Stricken, Backen, Laufen, Schreiben, Lesen, um nur einige zu nennen. Viel kreative Energie zu haben, mag sich toll anhören, aber es kann definitiv außer Kontrolle geraten. Früher habe ich diese Energie beim Violine spielen verbraucht, heute mache ich alles Mögliche. Mein Mann hat mich sogar ein Mal eindringlich darum bitten müssen, mein Strickzeug nicht auch noch auf den Fußballplatz mitzunehmen, weil er Angst davor hatte, angepöbelt zu werden.

Wie oft spielen Sie Violine – nachdem Sie jetzt Ihr erstes Buch geschrieben haben?
Es ist zugegebenermaßen schwer für mich, beides zur gleichen Zeit mit der gleichen Intensität zu tun. Derzeit spiele ich genug Geige, um mein Können nicht zu verlieren und habe kleine Auftritte hier und da, aber mein Fokus liegt auf dem Schreiben.

Mutter, Musikerin, Autorin: Das sind ja drei Leben! Sie müssen 100 Jahre sein.
Ich bin 32 – wow! Jedes Mal, wenn ich das sage, denke ich: Nein, ich bin doch erst 16! Manchmal verhalte ich mich übrigens auch immer noch wie eine 16-Jährige …

Sie begannen bereits mit drei Jahren, Violine zu spielen. Glauben Sie, dass Sie das geprägt hat?
Auf jeden Fall! Ich wollte meine Erfahrungen mit nichts auf der Welt tauschen – auch die schlechten nicht. Sie haben mich gelehrt, hart zu arbeiten, sich zu konzentrieren, kreativ zu sein und nach einem Sturz immer wieder aufzustehen.

Würden Sie es unterstützen, wenn Ihre Kinder professionelle Musiker werden wollten?
Sicher! Wenn sich herausstellen sollte, dass die beiden talentiert sind und es möchten, dann sollen sie das auch tun. Wenn sie Musik aber nur als Hobby haben wollen, wäre ich möglicherweise sogar eher erleichtert.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie Ihr Buch in Händen gehalten haben?
Um ehrlich zu sein, nicht so, als halte ich die Krone meiner Schriftstellerkarriere in Händen. Es war ein besonderer Moment, keine Frage, aber eigentlich mag ich den Prozess lieber als das Produkt. Das ist beim Violinespiel ähnlich: Mir zu überlegen, wie ich ein Stück musikalisch angehe, ist für mich die eigentliche Herausforderung – auch wenn es toll ist, auf der Bühne zu stehen.

Lassen Sie uns über Virtuosity reden: Wie kamen Sie auf die Geschichte?
Es begann mit einem Bild im Kopf: Ein Mädchen steht auf einem Balkon und überlegt, ob sie die Stradivari in ihrer Hand über die Brüstung fallen lassen soll. Ich war fasziniert von diesem Gedanken: Warum sollte sie das tun? Für mich war schnell klar, dass ihre Handlungen in direktem Zusammenhang mit den Menschen um sie herum stehen müssen – insbesondere mit ihrer Mutter. Und dann fing ich an zu schreiben.

Was ist aus Ihrer Sicht besonders an Virtuosity?
Wenige Romane handeln von klassischer Musik, und möglicherweise ist mein Buch das einzige unter diesen, das von jemandem geschrieben ist, der die klassische Musikbranche aus eigener Erfahrung kennt. Außerdem denke ich, dass es mehr als ein Musikbuch und mehr als ein Liebesroman ist. Diese Elemente machen es spannend, aber eigentlich geht es um ein Mädchen, das aus ihren Zwängen ausbricht und sich befreit. Man hat immer eine Wahl!

Haben Sie viel mit Carmen gemeinsam?
Ich habe keine Drogenerfahrung oder eine Mutter, die Druck aufbaut (meine ist toll!). Aber ich kenne das Lampenfieber, die Versagensängste. Ich saß auch in diesem Dampf-Kochtopf der klassischen Musik auf höchstem Level und spürte deutlich die Erwartungshaltung der anderen auf meinen Schultern. Ich ging auf eine besondere Schule für Sportler und Musiker mit Rücksicht auf deren Abwesenheiten. Das war super für meine Karriere, aber nicht für mein Sozialleben. Manchmal fühlte ich mich wie zwei Personen: Violinen-Jessica und das Mädchen, das ich war, wenn ich nicht Violinen-Jessica sein konnte.

Gibt es Jeremy wirklich?
Er ähnelt einem Violinisten, den ich als Teenager kannte. Er sah gut aus und war unglaublich begabt. Wir waren Freunde, aber niemals ein Paar. Seufz!

Welche Figur mögen Sie am liebsten?
Oh, nein! Muss ich mich tatsächlich für eine entscheiden? Natürlich liebe ich Carmen, aber eigentlich ist es ihre Mutter Diana – für die ich Abscheu und Mitleid zugleich empfinde. Ich hasse, was sie ihrer Tochter antut, aber ich kann die Gründe verstehen, die sie zu ihren Handlungen bringen. Außerdem hoffe ich, mit Diana einen richtig guten Bösewicht geschaffen zu haben.

Wer sollte Virtuosity auf jeden Fall lesen?
Carmens Probleme – oder einen Teil davon – erleben viele Jugendliche: eine starke Mutter, Drogenerfahrung, nicht einschätzen können, ob der Andere einen wirklich mag. Deshalb denke ich, mein Buch ist nicht nur interessant für Leser, die sich in der klassischen Musikbranche auskennen. Jeder, der Druck oder übermäßige Kontrolle erlebt hat, wird sich mit Carmens Geschichte identifizieren können.


  • Gewinnspiel Maciel
  • App: Klaus Baumgart - Lauras Sternreise
  • Teaser Kinderreporter stellen vor: Arlo braucht eine Brille