Das Finkenmädchen
 - Nicole Trope - eBook

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8,99

inkl. MwSt.

Bastei Entertainment
Frauenromane
351 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-5596-3
Ersterscheinung: 25.05.2018

Das Finkenmädchen

Roman
Übersetzt von Carola Fischer

(25)

Fünfundzwanzig Jahre hat Felicity ihre ehemalige Nachbarin Rose nicht mehr gesehen. Aber an jedem einzelnen Tag hat sie an sie gedacht, und mit jedem Tag ist ihre Wut größer geworden. Denn Felicity war damals klein, und Rose war groß. Rose hätte sie beschützen und ihr helfen müssen. Stattdessen hat sie einfach weggesehen, und jetzt scheint sie sich an nichts mehr zu erinnern. Aber Felicity wird ihrer Erinnerung schon auf die Sprünge helfen – und dafür sorgen, dass sie für ihre Fehler bezahlt ...

Rezensionen aus der Lesejury (25)

Terminator Terminator

Veröffentlicht am 14.06.2018

Eine bewegende Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema

„Das Finkenmädchen“ ist ein sehr spannendes Buch, das zwei Perspektiven eines schlimmen Verbrechens zeigt. Es gibt nicht nur die primären Opfer eines Verbrechens, sondern auch die sekundären Opfer, nämlich ... …mehr

„Das Finkenmädchen“ ist ein sehr spannendes Buch, das zwei Perspektiven eines schlimmen Verbrechens zeigt. Es gibt nicht nur die primären Opfer eines Verbrechens, sondern auch die sekundären Opfer, nämlich die Familie des Täters, die sich damit auseinandersetzen muss, ob sie das Verbrechen hätte verhindern können oder nicht. Die Liebe macht die Menschen bekanntlich blind. Doch in wie weit hat man als eine nahestehende Person die Verantwortung für die Taten seines Liebsten? Die Autorin schafft es eine spannende und von Selbstzweifeln und Schuld beladene Welt von Rose und eine immer noch mit der Vergangenheit hadernde, wütende und rachsüchtige Welt von Birdy darzustellen. Birdy ist das Produkt ihrer Vergangenheit und würde sich am liebsten an allen rächen, die weggeschaut haben, als ihr großes Leid zugefügt wurde. Die Frage ist nur, ob die Rache sie tatsächlich glücklicher machen wird, oder ihr Leben noch mehr zerstört...

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

leseratte_bookworm leseratte_bookworm

Veröffentlicht am 14.06.2018

Eine Geschichte voller Gefühl, die jeden zum Nachdenken anregen sollte

TRIGGERWARNUNG: Missbrauch (detailliert, häufig) und Essstörung (kurze Erwähnung) – bitte lies das Buch nicht, wenn dich diese Themen triggern könnten!

„Das Finkenmädchen“ von Nicole Trope durfte ich ... …mehr

TRIGGERWARNUNG: Missbrauch (detailliert, häufig) und Essstörung (kurze Erwähnung) – bitte lies das Buch nicht, wenn dich diese Themen triggern könnten!

„Das Finkenmädchen“ von Nicole Trope durfte ich im Zuge einer Leserunde der Lesejury vorablesen. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass mir diese Ehre zuteilwurde und muss sagen, dass meine erste Leserunde bei der Lesejury Spaß gemacht hat.

Klappentext:
„Fünfundzwanzig Jahre hat Felicity ihre ehemalige Nachbarin Rose nicht mehr gesehen. Aber an jedem einzelnen Tag hat sie an sie gedacht, und mit jedem Tag ist ihre Wut größer geworden. Denn Felicity war damals klein, und Rose war groß. Rose hätte sie beschützen und ihr helfen müssen. Stattdessen hat sie einfach weggesehen, und jetzt scheint sie sich an nichts mehr zu erinnern. Aber Felicity wird ihrer Erinnerung schon auf die Sprünge helfen – und dafür sorgen, dass Rose für ihre Fehler bezahlt.

Ein packender Roman über Kinder, die um ihre Kindheit betrogen werden. Über Wut, Rache und die Macht der Versöhnung.“

Felicity ist im Gefängnis. Als sie erfährt, dass auch Rose, die sie aus ihrer Kindheit kannte, in dasselbe Gefängnis kommen muss, sieht sie ihre Chance für Rache gekommen. Denn in Felicitys Kindheit passierte etwas so Schlimmes, das Felicity niemals vergessen können wird. Und Rose war die einzige Person, die dies hätte verhindern können – aber es nicht getan hat. Und so wuchs Felicitys Wut, Unverständnis und Verzweiflung über Roses damaliges Verhalten, dass sie als einzige Möglichkeit, um mit all dem jemals abschließen zu können, die Rache an Rose sieht.

Rose steht vor Gericht. Ihr Mann starb – und Rose scheint damit etwas zu tun zu haben. Sie wird verurteilt und muss ins Gefängnis. Rose hat ein sehr gutes Leben geführt, sie ist Entbehrungen und Einschränkungen nur aus ihrer Kindheit und den Anfängen ihrer Ehe gewohnt. Dass sie nun ins Gefängnis, und dort auf all den Luxus verzichten, muss, ist für sie nicht einfach, aber sie gibt ihr Bestes, um sich anzupassen. Sie weiß, dass sie ihre Strafe verdient hat und sträubt sich nicht gegen ihre Haft.

Nicole Tropes Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie schreibt, immer abwechselnd, aus der Sicht von Felicity und Rose. Man kann durch die jeweilige Art zu schreiben deutlich erkennen, wie unterschiedlich die beiden Frauen sind, ohne dass Nicole Trope es irgendwo groß hätte erwähnen müssen. Genau das zeigt, finde ich, dass Nicole Trope einiges vom Schreiben versteht. Ich hatte nie Schwierigkeiten damit, mich in die beiden Protagonistinnen einzufühlen, ihre Gedanken nachzuvollziehen und ihre Gefühle zu verstehen.

Ich war oft sehr gefesselt und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Da war es manchmal schon doof, dass ich den aktuellen Leseabschnitt beendet hatte und noch ein paar Tage warten musste, bis ich weiterlesen konnte. Aber das spricht ja nur für die Geschichte und den Schreibstil – wenn man unbedingt wissen möchte, was als nächstes passiert, dann ist das Buch gut.

Was mir nicht gut gefallen hat, war das Ende, sowohl aufbautechnisch als auch inhaltlich. Die letzten Kapitel werden so schnell runtergerattert, dass es, für mich, den Lesespaß etwas zunichte gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch jetzt so schnell wie möglich zum Schluss gebracht werden muss, egal, wie sehr die Geschichte und vor allem die Art zu schreiben darunter leiden.

Ich persönlich hätte mir auch eine andere Art des Endes gewünscht – aber gut, das ist meine Meinung und die Autorin hat sich natürlich nur nach ihrem Empfinden zu richten.

Was mir allerdings auch übel aufgestoßen ist, war eine fehlende Triggerwarnung oder die Info, dass es um (Kindes)Missbrauch geht.
Einerseits fand ich es genial, dass das Buch mit Cover und Inhaltsangabe eigentlich ganz fröhlich wirkt, man den Eindruck bekommt, dass es vielleicht um einen Streit zwischen Kindern oder alten Freundinnen geht und man dann mit dem eigentlichen Thema überrascht wird.
Andererseits wird im Buch Kindesmissbrauch sehr deutlich beschrieben, was mich, als nicht Betroffene, sehr mitgenommen hat. Stellenweise musste ich das Buch ein paar Tage aus der Hand legen.
Ich bin sensibler als andere, mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich empfindlicher auf solche Themen und Beschreibungen reagiere, als ein „Durchschnittsmensch“ es täte. Aber wenn ich, als Person, die keinerlei persönlich Erfahrungen mit Missbrauch hat, schon so intensiv auf die Beschreibungen reagiert, dann kann ich mir nicht vorstellen, wie sehr das erst Betroffene mitnehmen muss.

Ich hätte mir wirklich genug Weitsicht gewünscht, dass irgendwo eine kleine Info diesbezüglich gestanden hätte. Zumal Missbrauch, leider, häufig passiert und viele Menschen betroffen sind, was ja auch gerade in Bezug auf die aktuelle #metoo-Debatte sehr präsent und keine neue Information sein sollte.

Ich empfehle das Buch trotzdem weiter – denn die Geschichte hat mir gefallen und transportiert eine sehr wichtige Nachricht. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass man einander zuhört, dass man auch auf die kleineren und schwächeren Mitglieder der Gesellschaft hören und achten muss. Dass man sich aus seiner eigenen Blase befreien muss und auch unangenehme Wahrheiten akzeptieren muss. Dass man Menschen zuhören muss, wenn sie um Hilfe bitten. Dass niemand das Recht hat, etwas zu verdrängen oder nicht zu beachten, nur weil es nicht in das eigene Bild einer Person passt. Auch augenscheinlich wunderbare, fehlerfreie Menschen können nicht ganz so toll sein, wie sie scheinen.

Ich gebe 3,5/5 Sternen.

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Kittyzer Kittyzer

Veröffentlicht am 14.06.2018

Bedrückendes, wichtiges Thema

Es macht mir nichts aus, Fettkloß genannt zu werden. Ein Fettkloß ist da, das weiß man. Man kann nicht so tun, als wäre er nicht da. Als ich leicht und klein war, gab es viele Dinge, die mir Angst machten. ... …mehr

Es macht mir nichts aus, Fettkloß genannt zu werden. Ein Fettkloß ist da, das weiß man. Man kann nicht so tun, als wäre er nicht da. Als ich leicht und klein war, gab es viele Dinge, die mir Angst machten. Jetzt bin ich ein Fettkloß, und manchmal haben die Leute Angst vor mir.
Ich frage mich, wovor sie wohl Angst hatte. Ich frage mich, ob sie vor ihm Angst hatte. Ich frage mich, ob sie Angst hat, hierherzukommen.
Es ist sowieso nicht wichtig. Es interessiert mich nicht, was sie denkt und fühlt. Es interessiert mich nicht, was sie getan hat oder nicht.
Das Einzige, was mich interessiert, ist, was ich ihr antun werde.
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INHALT:
Felicity hätte nicht gedacht, dass sie ihre ehemalige Nachbarin Rose noch einmal wiedersehen würde - erst recht nicht, seit sie eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Doch dann begeht eben jene Rose, Ehefrau eines bekannten Moderators, selbst eine unverzeihliche Tat und landet am selben Ort wie Felicity. Diese kann ihr Glück kaum fassen, denn endlich ist sie ihrer Rache näher. Rache, weil Rose damals, in ihrer Kindheit, einfach weggeschaut hat. Weil sie ihr nicht geholfen hat. Und weil sie zugelassen hat, dass Felicitys Leben zerstört wird...

MEINE MEINUNG:
Die australische Autorin Nicole Trope ist auf ihrem Heimatkontinent sehr bekannt - bekannt vor allem für ihre Familiendramen, die wichtige und oftmals aktuelle Themen ansprechen. Trotzdem wäre beim "Finkenmädchen" wohl angebracht, im Vorhinein zu sagen, worum es genau geht: Um Kindesmissbrauch nämlich. Damit wird nicht groß gespoilert, weil diese Information recht früh Einfluss findet, aber um Leser nicht zu triggern, wäre hier eigentlich prinzipiell der Verlag in der Pflicht, dies deutlich zu machen. Erzählt wird der Roman aus den zwei Perspektiven von Rose und Felicity. Diese werden nicht mit Namen abgegrenzt, wechseln sich aber ab, und weil die Autorin auf beeindruckende Weise mit Sprachmustern und Beschreibungen arbeitet, ist immer direkt klar, wer von beiden gerade zu Wort kommt.

Rose ist die Ehefrau eines bekannten Moderators des australischen Fernsehens und lebt seit Jahren in Reichtum und ohne Sorgen. Doch etwas ist passiert. Etwas, das zum Tod ihres Mannes geführt hat und dazu, dass sie nun eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen muss. Es wird schon nach wenigen Seiten klar, dass sie etwas zu verbergen hat - dass sie vor allem ein Geheimnis ihres Mannes zu verbergen hat -, aber es braucht lange, bis sie sich ihre Fehler, ihre Zweifel und Ängste endlich eingesteht. Bis dahin gibt sie einen Einblick in ihr Leben, das sie komplett ihrer Familie gewidmet hat, und ihre Persönlichkeit, die sich nie richtig entwickeln konnte. Felicity ist etwa 30 Jahre jünger und hat als Kind neben Rose und ihrer Familie gelebt. Sie ist schon von Geburt an langsamer als andere ihres Alters, ist dafür aber eine ruhige Zuhörerin und seit einigen Jahren auch liebende und hingebungsvolle Mutter. Nur ihre Vergangenheit lässt sie nicht los. Einerseits will sie für ihre Tochter da sein, andererseits ist sie getrieben von Hass und den Verletzungen frühen Missbrauchs - was sie auf einen gefährlichen Pfad führt.

Beide Erzählerinnen haben denselben Bekanntenkreis, weshalb man durch ihre Augen die Nebenfiguren gut kennen lernt. Insbesondere Roses Mann - den sie anfangs vor allem als perfekt darstellt. Schnell jedoch wird klar, dass sie, die diesen Mann mit 16 Jahren geheiratet hat, nie die Chance bekam, sich zu einer eigenständigen Person zu entwickeln. Durch die schiere Abneigung, die man ihm bald entgegen bringt, versteht man auch Felicity immer besser. Die ganze Handlung hat wenige große Überraschungen und besteht größtenteils aus Rückblicken auf die letzen 20 bis 30 Jahre für beide Frauen, in denen sich insbesondere Rose des Öfteren wiederholt. Die Ereignisse sind jedoch erschreckend und bedrückend, trotz fehlender wirklich detailreicher Beschreibungen auch definitiv nichts für schwache Nerven. Nachdem sich die Autorin viel Zeit gelassen hat, um Situation und Figuren zu etablieren und den Leser in den Bann zu ziehen, wird die Handlung am Ende leider etwas zu schnell, etwas zu einfach abgehandelt. Davon abgesehen ist der Schluss jedoch passend gewählt, um beiden Protagonisten einen gebührenden Abschluss zu geben.

FAZIT:
Nicole Trope greift in "Das Finkenmädchen" ein wichtiges, leider immer aktuelles und betroffen machendes Thema auf - eine Triggerwarnung wäre bei Kindesmissbrauch aber wohl angebracht. Teilweise hat das Ganze ein paar zu viele Längen, um dann zum Schluss gehetzt zu wirken, davon abgesehen wird das Ganze aber sensibel und authentisch angegangen. Gute 3,5 Punkte.

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lesewurm44 lesewurm44

Veröffentlicht am 13.06.2018

ein sehr lesenswertes Buch

Das Finkenmädchen

Klappentext :

Fünfundzwanzig Jahre hat Felicity ihre ehemalige Nachbarin Rose nicht mehr gesehen. Aber an jedem einzelnen Tag hat sie an sie gedacht, und mit jedem Tag ist ihre Wut ... …mehr

Das Finkenmädchen

Klappentext :

Fünfundzwanzig Jahre hat Felicity ihre ehemalige Nachbarin Rose nicht mehr gesehen. Aber an jedem einzelnen Tag hat sie an sie gedacht, und mit jedem Tag ist ihre Wut größer geworden. Denn Felicity war damals klein, und Rose war groß. Rose hätte sie beschützen und ihr helfen müssen. Stattdessen hat sie einfach weggesehen, und jetzt scheint sie sich an nichts mehr zu erinnern. Aber Felicity wird ihrer Erinnerung schon auf die Sprünge helfen – und dafür sorgen, dass Rose für ihre Fehler bezahlt …

Ein packender Roman über Kinder, die um ihre Kindheit betrogen werden. Über Wut, Rache und die Macht der Versöhnung.


Dieses Buch halt lange in mir nach!
Es kommt selten vor , das der Buchtitel sowie das Cover zu 100 % passt ; genau dies ist hier der Fall!

Es ist leicht zu lesen , es " hüpft " zwischen den beiden Hauptcharakteren hin und her und wie zarte Fußabdrücke so sind die Hinweise , worum es geht , ganz leicht und sanft angedeutet .

Obwohl es ein sehr schweres Thema ist , hat die Autorin einen Weg gefunden ,mich als Leser behutsam und sanft zu dem Schrecken zu leiten um völlig unvoreingenommen und wertfrei die einzelne Person zu begutachten und zu bewerten!
Sie zeigt auf , das eben nicht alles schwarz und weiß ist und oft der erste Eindruck täuscht.... mich hat dieses Buch echt umgehauen!

Mein Fazit:

Kein Thema für jedermann , aber ein Thema was uns alle angeht !Vielleicht wird der ein oder andere etwas sensibilisiert und erkennt , dass es immer besser ist, zweimal hin zu schauen!

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Buechernarr Buechernarr

Veröffentlicht am 12.06.2018

Aktuelles Thema einfühlsam aus Opfersicht

Bei diesem Buch fällt einem zuerst einmal sofort das Cover auf. Es ist wunderschön und verspielt, aber total irreführend. Man erwartet irgendwie ein fröhliches, leichtes Buch und das ist hier ganz und ... …mehr

Bei diesem Buch fällt einem zuerst einmal sofort das Cover auf. Es ist wunderschön und verspielt, aber total irreführend. Man erwartet irgendwie ein fröhliches, leichtes Buch und das ist hier ganz und gar nicht der Fall. In diesem Buch geht es um ein sehr wichtiges Thema und ich finde es wahnsinnig gut, dass es hier angesprochen wird. Und dass es aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, die beide gleichermaßen ungewöhnlich sind. Bei beiden Perspektiven wird sehr einfühlsam aus der Opfersicht erzählt. Also nicht vom Cover irreführen lassen, aber trotzdem unbedingt lesen! Das ist kein Roman für zwischendurch, sondern einer, mit dem man sich beschäftigen muss, der nachhallt.

Als Rose in das Gefängnis verlegt wird, in dem auch Birdy ihre Strafe absitzt, scheint sie sich an diese nicht erinnern zu können. Birdy aber trägt eine Wut und einen Hass auf Rose in sich, seit sie ein kleines Mädchen ist. Sie will Rose an sich erinnern, an die Fehler die sie gemacht hat, als sie noch ihre Nachbarin war. Sie will sie dafür büßen lassen, dass sie ihr nicht geholfen hat, als sie die Chance dazu hatte. Nach und nach erfährt man als Leser in Rückblenden und Erinnerungsfetzen, was damals vorgefallen ist und auch, was seither passiert ist, warum beide Frauen im Gefängnis sind.

Besonders ist der Charakter von Birdy. Sie wird sehr kindlich, beinahe naiv dargestellt, ist aber so voller Wut, dass es zunächst nicht ganz leicht fällt, sie sympathisch zu finden. Sie ist geistig zurückgeblieben und Nicole Trope gelingt es mit ihrem Schreibstil, der in Kapiteln, in denen Birdy erzählt, einfach gehalten ist, diese Eigenschaft von ihr glaubhaft zu vermitteln. Schon auf den ersten Seiten lernt man Birdy als jemanden kennen, der „ schlau genug [ist], zu wissen dass [sie] langsam [ist] (S.8). Bei ihr scheint „die Tür zu ihrem Gehirn immer offen zu stehen“, was sie zu einem noch leichteren Opfer macht als andere Kinder, weil ihren Aussagen noch weniger Glauben geschenkt werden als denen der anderen. Sie scheint das Geschehene auch weniger prozessieren zu können wie andere Betroffene und die Darstellung ihrer Gedanken, ihrer Erinnerungen und ihrer Wut lassen einen als Leser geschockt, sprach- und hilflos zurück.
In den Kapiteln, in denen Rose in der Ich-Perspektive erzählt, ist die Sprache gewählter, komplexer und hochtrabender, sodass der Unterschied der beiden Charaktere schon durch den Schreibstil deutlich wird. Dennoch ist es gerade zu Anfang etwas schwierig, herauszufinden, wer in welchem Kapitel gerade spricht, eine kurze Überschrift hätte da vielleicht nicht geschadet, aber man findet als Leser sehr schnell den Rhythmus heraus.

Rose wird zunächst eher als ein mütterlicher Typ dargestellt und man fragt sich lange, wie die Tat, die sie angeblich begangen haben soll, mit ihrem zivilisierten Auftreten in Einklang gebracht werden soll. Nach und nach zeigt sich, dass sie sehr unselbstständig ist und von ihrem Mann auch bewusst so unselbstständig gehalten wurde. Auch sie legt eine Naivität und Blauäugigkeit an den Tag, vor allem, wenn es um ihren Mann Simon geht. Sie scheint bewusst die Augen verschlossen zu haben, um ihr Leben nicht zu gefährden und ja nichts von ihrem Lebensentwurf in Frage stellen zu müssen. Die Beschreibungen, die sie von Simon gibt, sind zwar nur subjektiv, zeigen aber doch, dass er einen Großteil der Schuld daran trägt, dass sie geworden ist, wie sie ist. Sie hat diesem Mann blind vertraut und ihr ganzes Leben auf ihn ausgerichtet. Als das dann zu zerbrechen droht, weigert sie sich sehr lange, die Augen zu öffnen. Man verzweifelt während des Lesens beinahe an ihr. Man möchte sie schütteln und sie anschreien, dass wegschauen nur dem Täter/den Tätern hilft, andererseits hat man natürlich Mitleid mit ihr, da ihr ganzes Leben auseinanderbricht und sich alles als eine Lüge und Täuschung herausstellt. Als dann langsam feststeht, was passiert ist, fragt man sich, warum sie nicht endlich die Wahrheit sagt, wen sie zu schützen versucht.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die beiden Töchter von Simon sind sehr spannende, da sehr unterschiedliche Charaktere, daher hätte ich gerade bei den beiden noch gern gelesen, wie sie am Ende mit der Situation umgehen. Schade, dass dazu wenig erwähnt wird, aber natürlich liegt der Fokus des Romans vor allem auf den Charakteren Birdy und Rose.

"Ein packender Roman über Kinder, die um ihre Kindheit betrogen werden. Über Wut, Rache und die Macht der Versöhnung." Aber auch viel mehr als das: Ein Roman darüber, wie leicht etwas übersehen wird, wie leicht wir uns von Menschen täuschen lassen und wie bereitwillig wir manchmal die Augen verschließen. Ein Thema, dass so aktuell ist und so öffentlich diskutiert wird wie selten, wird in dem Roman sehr einfühlsam aus einer gänzlich anderen, oft vergessenen Perspektive erzählt.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Nicole Trope

Nicole Trope - Autor
© Ofer Levy

Nicole Trope hat ihr Jurastudium abgebrochen, weil ihr Professor nach ihrer ersten juristischen Abhandlung betonte: „Das soll keine Geschichte sein“. Stattdessen wurde sie Lehrerin und nutzte ihre Ferien, um an ihrer Karriere als Schriftstellerin zu arbeiten und ein Studium der Kinderliteratur abzuschließen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes blieb sie zu Hause und widmete sich dem Schreiben. Die Wahrheit über meine Tochter ist ihr dritter Roman, und der erste, der auf Deutsch erscheint. …

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