XXL-Leseprobe: Ich, Eleanor Oliphant
 - Gail Honeyman - eBook

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inkl. MwSt.

Bastei Entertainment
Frauenromane
80 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-4336-6
Ersterscheinung: 02.03.2017

XXL-Leseprobe: Ich, Eleanor Oliphant

Roman
Übersetzt von Alexandra Kranefeld

(64)

XXL-Leseprobe zu Gail Honeymans "Ich, Eleanor Oliphant":
Wie Eleanor Oliphant die Liebe suchte und sich selbst dabei fand
Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen.
Mit ihrem Debüt "Ich, Eleanor Oliphant" ist Gail Honeyman ein anrührender Roman mit einer unvergesslichen Hauptfigur gelungen. Ihre erfrischend schräge Sicht auf die Dinge zeigt uns, was im Leben wirklich zählt. Liebe. Hoffung. Ehrlichkeit. Und vor allen Dingen die Freundschaft.
„Absolut mitreißend.“ Jojo Moyes
 
Diese Leseprobe enthält zusätzlich ein Interview mit Gail Honeyman zu Ihrem Debutroman sowie einen Autorensteckbrief.

Rezensionen aus der Lesejury (64)

Buchpfote Buchpfote

Veröffentlicht am 14.07.2017

Man muss mit Eleanor erst warm werden

„Ich, Eleanor Oliphant“ ist der Debütroman der britischen Autorin Gail Honeyman und erschien 2017 im Verlagshaus Lübbe. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Einzelgängerin Eleanor, die viel zu kritisch ... …mehr

„Ich, Eleanor Oliphant“ ist der Debütroman der britischen Autorin Gail Honeyman und erschien 2017 im Verlagshaus Lübbe. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Einzelgängerin Eleanor, die viel zu kritisch und wenig gelassen mit ihrer Umwelt umgeht. Doch alles ändert sich, als sie IHN trifft und damit beginnt etwas ganz Neues. Aber dann steht sie sich selbst im Weg und nur noch die Freundschaft kann ihr noch helfen.

Das Buch fiel mir bereits in einer Vorschau von Bastei Lübbe auf. Schon allein aufgrund des farbenfrohen Covers und des Titels hätte ich mir das Buch gekauft. Leider führt das Äußere dann doch in die Irre. Das soll es wahrscheinlich auch. Denn ich rede hier nicht von einer Liebesgeschichte aller Jojo Moyes oder Cecilia Ahern. Nein! Ganz zu schweigen von einer Komödie. Es ist ein Drama mit vielen kritischen Gesichtspunkten. Nur Eleanors interessante Wahrnehmung lockert es ab und an auf.
Und damit wären wir auch schon bei der 30-jährigen Buchhalterin Eleanor Oliphant. Aus der Ich-Perspektive schildert sie uns ihre Sicht der Dinge - eine ungewöhnliche, spezielle Sicht. Ich hatte meine Schwierigkeiten mit ihr warm zu werden. Eleanor ist kein mitfühlender Mensch, sondern sozial inkompetent. Dennoch intelligent, direkt und vor allem eins: Einsam. Es weckte teils Mitleid, teils Unverständnis in mir, dass sie sich selbst für kaum existent hielt. Die Frage, ob sie je jemand vermissen würde, konnte sie nicht beantworten. Liebe? Fehlanzeige. Warum? Zum Beispiel, weil „Mummy“ ein Biest ist und Eleanors Leben bestimmt ohne überhaupt in der Nähe zu sein. Wieso lässt sie sich nur die Lebensfreude nehmen? Die Brotkrumen zu dieser Antwort werden Stück für Stück bis zum überraschenden Ende gesät!
Dazu zählt auch die Ansprache eines gesellschaftlichen Fiaskos: Depressionen und deren Folgen. Sehr detailliert und in Eleanors trockener Art beschreibt die Autorin über geplante Ausflüge in die Stille und Leere. Grausam, aber wahr: Die dazugehörigen Kapitel fallen unter die Überschrift „gute Tage“.
Im Buch folgen, Gott sei Dank, noch glückliche Momente. Zum einen gesellt sich ihr Schwarm dazu, der bei Eleanor die schockierende Naivität eines Groupies auslöst. Was übrigens nicht zum Rest von Eleanors Charakterzügen passt.
Zum anderen erscheint das komplette Gegenteil auf der Bildfläche: Ihr Kollege Raymond. Eine wirklich geniale Idee der Autorin! Traum und Realität in Form der Männer gegenüber zu stellen.
Schritt für Schritt, wenn auch teils widerstrebend, lernt Eleanor durch die Beiden die „Außenwelt“ kennen. Dabei lässt der Umgang mit Menschen und das Taktgefühl noch zu wünschen übrig. Für den Leser allerdings gibt es den ein oder anderen Schmunzler, weil Eleanors neuen Erfahrungen und Abenteuer für den „normalen“ Menschen nichts Besonderes sind, für sie aber um so mehr.
Ich bin mit Eleanor nicht nur durch „gute Tage“, sondern weiter durch „schlechte““ und „bessere Tage“ getaucht. Zum Schluss kann ich sagen, dass ich mich mit ihr angefreundet habe. Aber der Weg dahin war schwer, da ich sie manchmal schütteln und zu ihr sagen wollte: „Mädchen, das kann auch anders funktionieren“. Ihr psychischer Zustand ist schon recht starker Stoff, was es wiederum interessant und nervenaufreibend zugleich macht.

Fazit: Definitiv nichts für Lovestory-Leser. Die Einsamkeit, ihre Folgen und wie man es besser machen kann, wurden wortwörtlich in Form der Eleanor Oliphant personifiziert. Das Buch ist etwas für anspruchsvolle Leser, die Verständnis für schwierige Charakterzüge haben.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Amacky Amacky

Veröffentlicht am 12.07.2017

Außergewöhnlich -anders

Ich bin wirklich froh, dass ich vorm lesen dieses Buchs keinerlei Rezensionen dazu gelesen habe. Ich war also völlig unvoreingenommen und dadurch war auch gut so.
Der Schreibstil der Autorin ist unfassbar ... …mehr

Ich bin wirklich froh, dass ich vorm lesen dieses Buchs keinerlei Rezensionen dazu gelesen habe. Ich war also völlig unvoreingenommen und dadurch war auch gut so.
Der Schreibstil der Autorin ist unfassbar gut. Anspruchsvoll und trotzdem witzig. Sehr klug, aber trotzdem wunderbar leicht zu lesen. Sie hat mich einfach fast von der ersten Seite an gefesselt.
Eleanor ist ein sehr außergewöhnlicher Charakter. Das mag sowohl an ihrer Vergangenheit liegen, aber auch an dem einsamen leben, dass sie sich selbst ausgesucht hat. Sie ist oft sehr einsam und hat irgendwie gar keine Ahnung von dem "normalen" Leben. Sie hat weder ein smartphone noch kennt sie sich mit Umgangssprache aus. Sie nutzt weder Facebook noch Twitter. Sie hat generell Probleme, mit anderen Menschen ganz normal zu kommunizieren. Teilweise versteht sie deren verhalten gar nicht. Und genau aus dieser Unwissenheit und ihrem denken, dass eigentlich die anderen komisch sind und nicht Sie, ergaben sich so einige witzige Szenen. Ich habe bestimmt oft lauthals gelacht, weil es manchmal einfach so grotesk war.
Natürlich wollte man auch unbedingt wissen, was es mit ihrer Mutter auf sich hat. Und wie sich die Geschichte mit dem Sänger entwickeln wird.
Ich wusste ab und an nicht, ob ich lachen oder weinen soll, weil Eleanor einfach absolut keine Ahnung vom Leben und der Gesellschaft hat. Es war schön echt kurios.
Es war aber toll zu sehen, wie sie sich mit Raymonds Hilfe entwickelt. Wie sie dazulernt und langsam einen Weg ins normale leben findet.
Meiner Meinung nach ist dies ein sehr außergewöhnliches und eigentlich trauriges Buch über einen sehr einsamen und gebrochenen Menschen. Die Autorin zeigt absolut grandios auf, was solche Dinge mit Menschen machen können und wie sie darunter leiden. Einziges Manko dieser Geschichte war, dass mich relativ wenige intensive Gefühle erreicht haben. Auch wenn ich mich gut in Eleanor einfühlen und sie verstehen konnte, so blieb der große knall aus.
Trotzdem war es absolut lesenswert und ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Von mir gibt es 4 von 5 Schmetterlingen.

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Lilli33 Lilli33

Veröffentlicht am 07.07.2017

Ein ruhiges Buch mit einem besonderen Blick auf die Menschen

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth) (24. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3431039788
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Preis: 20,00€
auch als E-Book ... …mehr

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth) (24. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3431039788
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Preis: 20,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein ruhiges Buch mit einem besonderen Blick auf die Menschen

Inhalt:
Eleanor Oliphant arbeitet als Debitorenbuchhalterin. Es ist kein besonders aufregender Job, aber genau deshalb passt er zu ihr. Denn auch Eleanor wirkt zunächst recht trocken und langweilig. Erst als die 30-Jährige sich plötzlich verliebt, kommt etwas Schwung in ihr Leben. Auch die Kontakte zu ihrem Kollegen Raymond tun ihr gut. Er holt sie aus ihrem Schneckenhaus. Es gelingt Eleanor immer mehr, sich der Welt und auch ihrer Vergangenheit zu öffnen.

Meine Meinung:
Anfangs tat ich mich mit dem Schreibstil sehr schwer, ich musste immer wieder Pausen einlegen. Eleanor erzählt in der Ich-Form, wodurch man einen tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle bekommt. Allerdings gibt es leider nur sehr wenige Dialoge, sodass das Ganze wie ein Monolog wirkt und einige Längen aufweist. Mir war das einfach zu trocken. Auch störte es mich anfangs, dass vieles vorhersehbar ist. Witzigerweise fand ich genau das später sehr charmant.

Eleanor ist eine ganz besondere Person. Aufgewachsen in vielen Pflegefamilien, hatte sie zwar immer zu essen und ein Dach über dem Kopf, aber die Liebe einer Familie hat sie nie erfahren. In der Folge kann sie mit menschlichen Emotionen schlecht umgehen. Sie wirkt fast ein bisschen autistisch, Empathie ist ihr fremd. Auch mit vielen gesellschaftlichen Gepflogenheiten kann sie nichts anfangen. So ist sie zum Beispiel sehr irritiert über die (Un-)Sitte, bei Einladungen später zu kommen als zur genannten Zeit. Ironie und Sarkasmus erkennt sie nicht, sondern nimmt alles für bare Münze. Dadurch tritt sie oft ins Fettnäpfchen, was zu (für den Leser) witzigen Situationen führt. So hat sie mich oft zum Schmunzeln gebracht.

Schnell wird klar, dass es eine Sache in Eleanors Vergangenheit gibt, die sie verdrängt und die ihr immer noch das Leben schwermacht. Erst ganz allmählich lernt sie, sich zu erinnern und sich damit auseinanderzusetzen. Hier ging die Autorin sehr einfühlsam vor, was mir hervorragend gefallen hat.

Ich mochte Eleanor mit ihrer schrulligen und etwas naiven Art von Anfang an. Und auch Raymond war mir sofort sympathisch. Die beiden ergänzen sich toll, wobei sie sehr gegensätzlich sind. Auch einige andere Charaktere habe ich im Lauf des Buches liebgewonnen.

Gail Honeyman hat in ihrem Debütroman geschickt Eleanors Entdeckung der sozialen Welt dargestellt und mit Szenen aus der Vergangenheit verwoben. Durch Eleanors unverstellten, offenen Blick auf ihre Umwelt sieht man selbst diese auch mit ganz anderen Augen. Viele alltägliche Dinge werden hier genau unter die Lupe genommen, Kleidungsstile, gesellschaftliche Rituale usw. und man macht sich als Leser unwillkürlich Gedanken über deren Sinn oder Unsinn.

Fazit:
Nach einer anfangs etwas öden, fast monologartigen Erzählung gewinnen die Protagonisten und die Handlung im weiteren Verlauf immer mehr an Charme. Eleanors Weltfremdheit bringt einen immer wieder zum Schmunzeln, ihre traurige Geschichte kann aber auch zu Tränen rühren. Mir wird Eleanor sicher noch lange in Erinnerung bleiben, sie ist schon sehr besonders.

★★★★☆

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LisaReadable LisaReadable

Veröffentlicht am 27.06.2017

Eine neue beste Freundin!

Eleanor Oliphant braucht den routinierten Alltag in ihrem Leben.
Ihr Tagesablauf sieht immer gleich aus, durch ihr rationales Handeln hat sie keine Freunde, aber all das stört sie nicht.
Sie kennt es ... …mehr

Eleanor Oliphant braucht den routinierten Alltag in ihrem Leben.
Ihr Tagesablauf sieht immer gleich aus, durch ihr rationales Handeln hat sie keine Freunde, aber all das stört sie nicht.
Sie kennt es nicht anders und findet auch keinen Grund überhaupt etwas zu ändern.
Ihr Leben steht jedoch plötzlich auf dem Kopf, als Raymond in ihr Leben tritt. Während sie aus der neugewonnen Freundschaft einen Nutzen zieht, schafft er es, Eleanors Mauern nach und nach einzubrechen. Bietet die Freundschaft vielleicht mehr, als es beide zu glauben wagen?

Eleanor schließt man sofort ins Herz. Man belächelt ihr Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen, aber man leidet auch mit ihr, wenn es um ihre Vergangenheit geht. Eine Figur, die man sich trotz ihres Verhaltens als treue Freundin nur wünschen kann!

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

JanaBabsi JanaBabsi

Veröffentlicht am 26.06.2017

Eleanor Oliphant

Eleanor Oliphant hatte keine schöne Kindheit. Sie verbrachte die meiste Zeit in Heimen und Pflegefamilien, wo zwar ihre körperlichen Grundbedürfnisse wie Wärme, Essen und Schutz, nicht jedoch ihre emotionalen ... …mehr

Eleanor Oliphant hatte keine schöne Kindheit. Sie verbrachte die meiste Zeit in Heimen und Pflegefamilien, wo zwar ihre körperlichen Grundbedürfnisse wie Wärme, Essen und Schutz, nicht jedoch ihre emotionalen Bedürfnisse nach Liebe, Nähe und Zuneigung gedeckt wurden. Aufgrund dieser mangelhaften Prägung ist Eleanor sozial inkompetent, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihnen Empathie entgegenzubringen.

Mit 17 ist sie in eine kleine Sozialwohnung eingezogen in der sie, 13 Jahre später, immer noch wohnt. Den Wohnraum teilt sie sich mit ihrer Papageienschnabelblume namens „Polly“, die sie vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekam und die in der Regel ihr einziger Gesprächspartner ist.

_Und wenn eine Frau, die ganz allein ist, gelegentlich mit einer Topfpflanze spricht, gilt das dann als Lebenszeichen oder als Zeichen der Unzurechnungsfähigkeit? Ich glaube, dass es ganz normal ist, hin und wieder mit sich selbst zu reden. Es ist ja nicht so, als würde ich eine Antwort erwarten. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Polly eine Zimmerpflanze ist. (Position 913)_

Um ihrem Leben Struktur zu geben, läuft jeder Tag wie der vorherige ab – von Montag bis Freitag arbeitet sie tagsüber als Debitorenbuchhalterin in einer kleinen Firma, abends hört sie interessante Sendungen im Radio und löst Kreuzworträtsel und von Freitag Abend bis Sonntag betrinkt sie sich mit Wodka und verschläft den Rest vom Wochenende.

In ihrem bisher eher ereignislosen Leben passiert dann aber doch etwas, was ihre Scheuklappensicht nach und nach verändert. Sie lernt ihren Arbeitskollegen Raymond kennen, vor ihren Augen bricht ein Mann auf der Straße zusammen und sie gewinnt eine Eintrittskarte zu einem Konzert. Drei auf den ersten Blick voneinander unabhängige Ereignisse, die jedoch den täglichen Trott von Eleanor durchbrechen und den Weg ebnen, doch noch ein einigermaßen normales Leben führen zu können, in dem sowohl eigene Emotionen als auch die Gefühle anderer Menschen eine Rolle spielen. Doch bis zu diesem Punkt ist es ein langer und harter Weg.

Die Geschichte wird von Eleanor in der Ich-Form erzählt. Generell mag ich es eher weniger, wenn der Protagonist von sich selbst erzählt – hier war es jedoch genau der richtige Stil. Gerade weil Eleanor über sich selbst spricht, erfährt der Leser jedes auch noch so kleine Detail ihrer Denkweise und was gerade in ihr vorgeht. Der Schreibstil der Autorin trägt ein Übriges dazu bei, dass man sich als Leser wirklich sehr genau vorstellen kann, was gerade in Eleanors Kopf vor sich geht

_Ich fragte mich, ob ich mich unter Umständen auch für eine Feuerbestattung entscheiden würde. Der Gedanke zu verbrennen behagte mir nicht sonderlich. Am liebsten wäre es mir, man würde meine sterblichen Überreste im Zoo verfüttern. Das wäre eine nachhaltige, umweltschonende Methode und zudem ein schöner Leckerbissen für die fleischfressenden Zootiere. Konnte man in seinem Testament eine entsprechende Verfügung machen? Ich nahm mir vor, bei Gelegenheit den WWF anzuschreiben und nähere Informationen einzuholen. (Position 3590)_

Der Charakter Eleanor ist jetzt nicht unbedingt von Anfang an ein Sympathieträger. Im Gegenteil – ich brauchte einige Zeit, bis ich mit ihr warm werden konnte. Die meisten Dinge, die ihr begegnen und die sie nicht kennt, werden ausgiebig unter die Lupe genommen und hinreichend kritisiert. Ich hoffe meine Großmutter dreht sich nicht im Grabe um, wenn ich das jetzt schreibe, aber irgendwie kam Eleanor mir anfangs wie meine Oma vor – an allem und jedem gibt es etwas auszusetzen. Wenn man dann jedoch die allwöchentlichen Gespräche mit „Mummy“ verfolgt, dann erschließt sich einem sehr schnell, warum Eleanor so ist wie sie ist und meine anfängliche Abwehr wandelte sich zuerst einmal in Mitleid um. Je besser ich Eleanor dann kennen lernte, desto mehr fing ich an, sie zu mögen.

Raymond, ihr Arbeitskollege aus der IT-Abteilung, ist der typische Nerd. Vom Äußeren her etwas ungepflegt und am liebsten spricht er über Computer und was man damit alles machen kann. Sein Kleidungsstil wird von Eleanor natürlich auch unter die Lupe genommen:

_„Er trug Jeans, die unerfreulich tief auf seinen Hüften hingen; wenn er einem den Rücken zuwandte, konnte man einen Streifen Unterhose erkennen – weinrot, ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen – und blasse, mit Sommersprossen gespenkelte Haut. Ich fühlte mich an das Fell von Giraffen erinnert, die ja eine ganz ähnliche Musterung haben, wenngleich in deutlich größerem Maßstab. (Position 1316)_

Aber auch er entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem wirklich liebenswerten Typen. Er ist für die Entwicklung von Eleanor unwahrscheinlich wichtig und hilfreich und schon gleich zu Anfang der Geschichte dachte ich mir, dass die 2 zum Ende des Buches sicherlich ein Paar sein werden. Ob das auch so eingetroffen ist? Das verrate ich natürlich nicht.

Eine andere wichtige Person in der Geschichte ist Sammy. Er ist der Mann, der vor den Augen von Eleanor und Raymond auf der Straße zusammengebrochen ist. Auch er spielt eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozess von Eleanor.

Zu „Mummy“ möchte ich gar nicht viel schreiben, sie ist die Person, die an allem Ungemach in Eleanors Leben Schuld ist und zum Ende der Geschichte ist Dr. Maria Temple diejenige, die den Knoten bei Eleanor endgültig zum Platzen bringt.

Mir hat lange Zeit beim Lesen die Spannung gefehlt. Die Geschichte plätschert eigentlich nur so vor sich hin. Es passiert immer etwas, auch Dinge, die einen zum Schmunzeln bringen, aber es passiert nix wirklich mitreißendes. Trotzdem wollte ich das Buch zu Ende lesen um zu wissen, was genau in Eleanors Kindheit passiert ist, was sie so hat werden lassen, wie sie ist.

Auf den letzten Seiten wird es dann wirklich richtig spannend, aber auch traurig und jetzt, nach ein paar Tagen Abstand, muss ich zugeben, dass mir das Buch doch besser gefallen hat als ich zuerst dachte.

Eleanor Oliphant – die Geschichte einer Frau, die 30 Jahre ihres Lebens in einem gefühlsarmen Raum gelebt hat, und dann das Leben mit all seinen Emotionen für sich entdeckt.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Gail Honeyman

Gail Honeyman - Autor
© Philippa Gedge Photography

Gail Honeyman lebt und arbeitet in Glasgow. Sie bekam bereits mehrere Preise für ihr Schreiben. Ich, Eleanor Oliphant ist ihr erster Roman.

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