Washington Black
 - Esi Edugyan - eBook

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17,99

inkl. MwSt.

Bastei Entertainment
Sonstige Belletristik
512 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-7842-9
Ersterscheinung: 30.08.2019

Washington Black

Roman

(49)

Die Flucht ist nur der Anfang
Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler – und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar entkommt in einem selbst gebauten Luftschiff von der Plantage. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird. 
Eine Geschichte von Selbstfindung und Verrat, von Liebe und Erlösung. Und eine Geschichte über die Frage: Was bedeutet Freiheit? 

Rezensionen aus der Lesejury (49)

Fornika Fornika

Veröffentlicht am 29.11.2019

Guter Anfang, zäher Verlauf

Wash wird in die Sklaverei geboren und muss schon als kleiner Junge auf einer Plantage schuften. Seine Mutter hat er nie kennen gelernt, ein bisschen Trost erfährt er durch die ältere Sklavin Big Kit. ... …mehr

Wash wird in die Sklaverei geboren und muss schon als kleiner Junge auf einer Plantage schuften. Seine Mutter hat er nie kennen gelernt, ein bisschen Trost erfährt er durch die ältere Sklavin Big Kit. Doch sein grausiges Schicksal scheint sich zu ändern, als der Bruder des Plantagenbesitzers auftaucht. Titch ist ein Forscher und Entdecker, tüftelt für sein Leben gern, und erkennt in dem kleinen Sklavenjungen ein großes Talent. Oder ist der doch nur Mittel zum Zweck?

Washs schwerer Start ins Leben nimmt einen als Leser sofort mit. Die harte Arbeit unter der sengenden Sonne von Barbados, die Grausamkeiten die seinen Alltag bestimmt, die Willkür seines Masters… schwer vorzustellen wie man das als Kind überleben kann. Ich fand die Schilderungen der Autorin sehr gut gewählt, sie beschönigt nichts, verweilt aber auch nicht übertrieben lange bei all dem Schrecklichen. Big Kit als Lichtblick bleibt irgendwie unnahbar, erfüllt ihre Funktion aber durchaus. Wash selbst mochte ich sehr, zumindest in der ersten Hälfte. Denn die Handlung entwickelte sich zunehmend unerwartet, wurde langatmig und zäh. Ich konnte mich nicht so recht auf den Umschwung einlassen und habe ein wenig die Leselust verloren. Auch mit dem Ende der Geschichte hadere ich etwas, sodass meine anfängliche Begeisterung doch sehr abgekühlt wurde. Insgesamt ist Washington Black eine recht eigentümliche Mischung aus Sklavenroman, Entdeckerabenteuer und… keine Ahnung was das am Schluss sollte. Eine gute Idee, die zu einer unrunden Geschichte wurde.

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Literaturgarten Literaturgarten

Veröffentlicht am 12.11.2019

Grausame Sklaverei,,,

Meine Meinung:
Barbados im Jahre 1830 . Die Begebenheiten und Lebensumstände der Sklaven auf einer Zuckerrohr Plantage werden im ersten Teil des vierteiligen Buches drastisch und schonungslos dargestellt. ... …mehr

Meine Meinung:
Barbados im Jahre 1830 . Die Begebenheiten und Lebensumstände der Sklaven auf einer Zuckerrohr Plantage werden im ersten Teil des vierteiligen Buches drastisch und schonungslos dargestellt. Brutale körperliche und psychische Gewalt gegen die farbigen, abhängigen Sklaven sind an der Tagesordnung. Das Leben des Jungen *Washington Black* wird dennoch behütet von einer starken Frau mit dem Namen Big Kit, bis zu dem Augenblick, indem das Kind in das Herrenhaus geholt wird. Es geht ihm gut bei seinem Besitzer Christopher Wildes und er lernt sehr viel, sogar mit viel Mühe ein wenig Lesen und Schreiben. Doch sein grösstes Talent ist das Zeichnen und Darstellen des Lebens um ihn herum. Christopher, (Titch) genannt, erkennt das und fördert dieses Talent des Jungen. Er mag ihn und ist gegen die Sklaverei seiner Zeit. Dieser erste Teil des Buches hat mich unglaublich gefesselt und wenn ich oben vom *Besitzer* geschrieben habe, krampft sich beim Lesen dieses Begriffes immer wieder mein Herz zusammen vor Entsetzen. Die Autorin hat Washington Black als Ich-Erzähler sein Leben von klein auf erzählen lassen mit beeindruckenden Kopfbildern, die sich durch ihren packenden und bunten Schreibstil entwickelt haben.

Der Ich-Erzähler *Washington Black* erstaunte mich allerdings öfter durch seinen immerwährenden Gleichmut und seine Sichtweise der Dinge, die manchmal etwas monoton erschien und sich oft wiederholte. Die Glaubwürdigkeit des Erzählstil zu Beginn der Geschichte wird längst nicht durchgehalten bis zum Ende des Buches. Merkwürdig fand ich, dass er nie richtig lesen und schreiben gelernt hat, sich aber aber dennoch schriftlich und mündlich mit vielen Wissenschaftlern ausgetauscht haben soll. Dieser Roman erschien mir manchmal wie ein erfundenes, fiktives Märchenleben und ich konnte zu vielen wichtigen Protagonisten keine wirkliche Lesebeziehung aufbauen, da ich nicht viel aus deren Vergangenheit und von ihren Charakteren erfuhr.

Die anderen Teile des Buches führen den Leser und die Hauptprotagonisten in die Arktis, Nova Scotia und bis nach England. Betroffen hat mich die immer zu Tage tretende, durchscheinende psychische Abhängigkeit von *Wash* zu seinem *Herrn* Titch. Doch Titch verlässt ihn irgendwann, schenkt ihm seine angebliche Freiheit, was allerdings nicht stimmt! *Wash* leidet durch diesen Verlust der emotionalen Liebe und Geborgenheit seines Herrn und Freundes. Er wird durch die Welt gejagt von einem Sklavenfänger. Ein jahrelanger Alptraum für ihn beginnt. Als entlaufener Farbiger ist er gebrandmarkt für sein Leben, untrüglich gekennzeichnet durch eine schreckliche Verstümmelung des Gesichts durch einen tragischen Unfall auf Barbados in seiner Kindheit durch den *Wolkenkutter*, einem erfundenem Fluggerät von Christopher Wildes, welches sich noch in der Erprobung befand.

Nach dem Ende der Kindheit und jahrelanger einsamer Odyssee durch die Welt als Jugendlicher erfährt er trotzdem als erwachsener junger Mann die Liebe und Zuneigung zu einer Frau. Durch die damals übliche Rassentrenuung wird die Beziehung leider eher zu einer Geheimhaltungsangelegenheit. Die Frau Tanna Goff und deren Vater, ein Meeresbiologe, knüpfen eine intensive Beziehung zu ihm und Washington Black hat die Idee zum Bau eines Ozean Museums. Doch was ist aus Titch geworden? Ist er tatsächlich in der Arktis ums Leben gekommen wie sein Vater? Und was waren die Beweggründe von Christopher Wildes sich so intensiv um ein junges 11jähriges Sklavenkind zu kümmern - um ihn dann als Jugendlichen anschliessend rücksichtslos zu verlassen?
Die Beantwortung dieser vielen offenen Fragen müsst ihr Euch selber erlesen....
Meine Bewertung: VIER **** STERNE für dieses ungewöhnliche und interessante Buch!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Bastei Lübbe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares !

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wiechmann8052 wiechmann8052

Veröffentlicht am 03.11.2019

Weg aus der Sklaverei

Klappentext

Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, ... …mehr

Klappentext

Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler - und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar entkommt in einem selbst gebauten Luftschiff von der Plantage. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird.

Meinung

Bücher über die Sklaverei gibt es viele, alle hinterlassen einen bleibenden Eindruck und das Gefühl Gott sei Dank es ist vorbei. In diesem Buch kommt noch etwas mehr hinzu. Die Frage was macht die Sklaverei aus den Menschen die nicht Opfer sind, sondern Täter, Zuschauer, Nutznießer und Gegner sind.
Diese Empfindungen beschreibt die Autorin sehr feinfühlig und treffend.
Etwas was es schon immer gab, kann nicht verkehrt sein oder Änderungen dauern bis sie in den Köpfen der Menschen angekommen sind.
Gleichzeitig beschreibt sie den Weg des jungen Sklaven Wash aus der Sklaverei in die Freiheit. Wie das Wissen ich bin ein Mensch. mit einer anderen Hautfarbe und ihn zu einer ungewöhnlichen Persönlichkeit macht. Die Menschen die ihn auf diesem Weg treffen bleiben hinter dieser ungewöhnlichen Figur zurück.

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Mightynina Mightynina

Veröffentlicht am 01.11.2019

Suche nach Freiheit.

Angst. Die ersten 80 Seiten umtreibt mich schlicht die Angst, denn Grausamkeit und Willkür bestimmen nahezu körperlich spürbar das Leben des elfjährigen Sklavenjungen Washington Black auf Barbados im Jahre ... …mehr

Angst. Die ersten 80 Seiten umtreibt mich schlicht die Angst, denn Grausamkeit und Willkür bestimmen nahezu körperlich spürbar das Leben des elfjährigen Sklavenjungen Washington Black auf Barbados im Jahre 1830. Er ist Feldsklave auf einer Zuckerrohr-Plantage in den britischen Kolonien, wo man immer mehr afrikanische Sklaven unter härtesten Bedingungen heranschafft, um den steigenden Zuckerkonsum der reichen Oberschicht im Britischen Empire zu decken.

Die Plantagenbesitzer haben die Macht über alles und jeden auf der Insel, und nach dem Ableben des alten Masters stellt sich der neue als das personifizierte Böse heraus: Erasmus Wilde, so blass und weiß, dass er fast durchscheinend wirkt und so unglaublich grausam, dass man mit dem Schlimmsten rechnet, sobald er auf den Plan kommt. Wash, wie George Washington Black gerufen wird, ist mittendrin, nur leidlich geschützt von der mütterlichen Sklavin Big Kit. Und so überträgt sich sein Gefühl, jede Sekunde wachsam bleiben zu müssen, und wird erst allmählich erträglicher, als des Masters Bruder die Plantage besucht:

Christopher Wilde, seit Kindertagen Titch genannt, verkörpert als Entdecker und Erfinder den Freigeist eines Alexander von Humboldt und setzt sich genau wie dieser für die Abschaffung der Sklaverei ein. Als der kauzige, aber rechtschaffene Mann den Sklavenjungen zu seinem Assistenten ernennt, bringt er ihn damit erst einmal in relative Sicherheit – und entreißt ihn der einzigen Welt, die der auf der Plantage geborene Junge bislang kannte. Zum ersten Mal ist Wash, der von nun an wissenschaftliche Illustrationen anfertigen darf, mehr als eine Kreatur ohne Persönlichkeit.

„Und in dieses Leben war Titch hereinspaziert, hatte mich mit seinen ruhigen Augen angesehen und an mir etwas erkannt, eine Neugier für die Welt, eine Intelligenz, ein Talent für Bilder, von dem ich selbst bis dahin nichts gewusst hatte.“

Als sich aber zwei Unglücksfälle ereignen und Wash zum Spielball zwischen den subtil verfeindeten Brüdern zu werden droht, fliehen der Entdecker und sein Schützling in einem selbst gebauten Luftschiff. Sie brechen auf in ein jahrelanges Abenteuer, das sie bis in die Arktis und in aller Herren Länder führt.

Und doch ist der imposante Roman der Kanadierin Esi Edugyan, die selbst afrikanische Vorfahren hat, nicht nur ein Abenteuerroman: Er ist eine Geschichte, die als Flucht beginnt und als Suche ihren Lauf nimmt. Anfangs gejagt sucht der langsam erwachsen werdende Wash nach einem Leitbild, einer inneren und äußeren Heimat, die für ihn aber scheinbar nie zu erreichen ist. Auch der rastlose Tish vermag ihm diese Heimat nicht zu geben, und so bleibt die Erinnerung an Big Kits raue Hand auf Washs kindlicher Wange lange Zeit der einzige weiche Anflug von Geborgenheit in einem harten Leben.

Auch nach der Abschaffung der Sklaverei, die im Buch fast nebensächlich erwähnt wird, wendet sich nicht alles zum Guten, denn mit den abwandernden Sklaven beginnen die sozialen Probleme, und Ausgrenzung und Erniedrigung lösen sich keinesfalls in Luft auf. Doch Wash ist ein Ziehkind der Wissenschaft, und letztendlich ist es immer diese Faszination, die ihm eine Richtung gibt. Der Funke, den Titch im Inneren des elfjährigen Jungen gezündet hat, erweist sich auch als Leitstern im Erwachsenenleben.

„Und plötzlich wusste ich, was ich wollte – was ich unbedingt wollte: genau das. Ich wollte mit meinen Händen eine Welt erschaffen können.“

Washington Black ist ein sprachlich beeindruckender Roman, der mich von Anfang an sehr gefesselt hat – aufgrund seiner gelungenen Übersetzung, des krassen Gegensatzes von Grausamkeit und poetischer Sprache, der Lebendigkeit der Gedanken sowie der Orte und fast versessen detailreicher Figuren.

Es fällt mir trotzdem schwer, ein Fazit zu ziehen, ohne das Ende des sehr lesenswerten und übrigens schon von außen bildschönen Romans vorweg zu nehmen. Daher ein paar Fragen, die ich mir nach dem Zuklappen gestellt habe: Ist Freiheit möglich ohne Einsamkeit? Hat ein Mensch nicht immer mehr als nur ein menschliches Motiv für seine Taten? Und: Ist das Leben eine Reise oder eine Landkarte? Auf jeden Fall lesen.

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FroileinWonder FroileinWonder

Veröffentlicht am 25.10.2019

Ein meisterhaft erzählter Roman

Beschreibung

1830. Der Sklavenjunge Washington Black lebt und arbeitet unter schlechten Bedingungen auf einer Zuckerrohrplantage auf Barbados und fürchtet sich wie jeder Sklave vor den gewalttätigen ... …mehr

Beschreibung

1830. Der Sklavenjunge Washington Black lebt und arbeitet unter schlechten Bedingungen auf einer Zuckerrohrplantage auf Barbados und fürchtet sich wie jeder Sklave vor den gewalttätigen Ausbrüchen ihres erbamungslosen Masters. Als Christopher, der jüngere Bruder des Plantagenbesitzers, zu Gast ist, bietet sich Washington eine einmalige Gelegenheit. Der Wissenschaftler und Erfinder macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Sklaverei und wählt zufällig Washington aus, um ihm bei seiner Arbeit zur Hand zu gehen. Gemeinsam arbeiten sie an Christophers Wolkenkutter, welchen Sie schließlich zur Flucht von der Plantage nutzen. Eine gefährliche Reise nimmt ihren Lauf…

Meine Meinung

Als ich zum ersten Mal von dem Roman »Washington Black« von Esi Edugyan hörte, war ich gleich Feuer und Flamme für diese abenteuerliche Geschichte über einen Sklavenjungen, der Ende des 19. Jahrhunderts den Fängen seines Masters in eine ungewisse Zukunft entflieht. Passenderweise ist auf dem wunderschön gelbgold-glänzenden Buchcover ein Luftschiff abgebildet, welches überhaupt erst die Flucht ermöglicht. Da für ein gutes Leseabenteuer eine angenehme Begleitung unabdingbar ist, habe ich mich mit der lieben Gabriela von Buchperlenblog zusammengeschlossen und das Werk gemeinsam durchschmökert.

»Washington Black« ist bereits der dritte Roman der kanadischen Schriftstellerin Esi Edugyan, die bereits einige rennomierte Literaturpreise einheimsen konnte. Für mich ist es zwar das erste Buch aus ihrer Feder, aber sicherlich wird es nicht das Letzte gewesen sein! (Ihr preisgekrönter Roman »Half-Blood-Blues« (dt. »Spiel’s noch einmal«) ist gleich auf meiner Wunschliste gelandet.)

Die Autorin erzählt ihre rein fiktive Geschichte über den Sklavenjungen Washington Black (kurz: Wash) in einem leicht verständlichen Schreibstil und stellt ihr Können mit einem wahrhaft meisterhaften Storytelling unter Beweis.

Cliffhanger zieren die Kapitelabschlüsse, so dass sich eine unglaubliche Spannung aufbaut und man wie gebannt Seite um Seite umblättert und regelrecht durch die Story zu fliegen beginnt. Nüchtern und erschreckend zugleich zeichnet Edugyan das Leben der Sklaven auf einer Zuckerrohrplantage und man wird Zeuge der schrecklichen Gewalt, die Plantagenbesitzer nutzen um ihre Machtposition zu untermauern.

Kontrastreicher Gegensatz zu dem äußerst brutalen Master der Faith Plantage, dem es an Empathie und emotionaler Kompetenz fehlt, ist sein jüngerer Bruder Christopher Wilde, der von allen nur Titch genannt wird und sich durch seine wissenschaftliche Offenheit sowie seine gegensätzliche Meinung zur Sklaverei auszeichnet. Nachdem Titch den jungen Wash als seinen Assistenten auserkoren hat entspinnt sich eine besondere Beziehung zwischen diesen höchst unterschiedlichen Protagonisten. Schnell wächst Titch in die Rolle des Mentors hinein und wird für den Sklavenjungen fast zu einer Art Vaterfigur, die nun sein weiteres Leben bestimmen wird.

Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil wird das Leben auf der Faith Plantage und die isolierte Kindheit des Hauptprotagonisten Washington Black herausgearbeitet, während im zweiten Teil die abenteuerliche Flucht von Titch und Wash im Mittelpunkt stehen und mündet schließlich in einen dritten Teil, der sich mit Washs Leben als freier Mann und seiner Selbstfindung befasst.

Die Hauptprotagonisten sind mit wunderbar feinen Pinselstrichen gezeichnet, so dass ein äußerst reales Bild der Charaktere vor dem geistigen Auge entsteht. Außerdem fühlt sich die Geschichte durch und durch authentisch an, obwohl es sich hierbei um einen erdachten Lebensweg geht. Die lebhaften Hintergrundkulissen der Handlung (von der Zuckerrohrplantage auf Barbados über eine waghalsige Reise über den Ozean) sorgen für eine perfekte Untermalung des Kopfkinos, so dass ich mir eine Verfilmung der Geschichte nur zu gut vorstellen könnte.

»Washington Black« hat mich fasziniert, berührt und von der ersten Seite an einfach total umgehauen. Während des Lesens hat sich meine Begeisterung zu einem richtigen Höhenflug entwickelt, doch am Ende stand eine recht harte Landung an, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Der Abschluss von Washington Blacks Geschichte ist recht offen gehalten und fühlt sich für mich, die über so viele Seiten mit dem Jungen mitgefiebert und um ihn gebangt hat, viel zu harsch an. Dieses Ende mag zwar für viele passend erscheinen, ich persönlich fühle mich allerdings um ein “wegweisendes” Happy End betrogen. Deshalb gibt es von mir für dieses meisterhafte literarische Kunstwerk einen minimalen Abzug in der B-Note.

Fazit

Ein meisterhaft erzählter Roman über Freiheit und Selbstfindung, der tief berührt und Wurzeln in den eigenen Gedanken schlägt.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Esi Edugyan

Esi Edugyan - Autor
© Tamara Poppit of Poppy Photography

Esi Edugyan lebt in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Washington Black ist ihr dritter Roman und wurde von Publikum und Kritik gefeiert. Er stand auf der Shortlist für den Man Booker Prize 2018 und wurde mit dem Giller Prize ausgezeichnet.

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