XXL-Leseprobe: Die letzte Reise der Meerjungfrau
 - Imogen Hermes Gowar - eBook

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inkl. MwSt.

Bastei Entertainment
Sonstige Belletristik
50 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-6522-1
Ersterscheinung: 13.04.2018

XXL-Leseprobe: Die letzte Reise der Meerjungfrau

oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde
Roman
Übersetzt von Angela Koonen

(47)

XXL-Leseprobe zu Imogen Hermes Gowars "Die letzte Reise der Meerjungfrau":
"Eine unglaublich eindrucksvolle Lektüre. Gowars Gespür für anschauliche und sinnliche Details ist erstaunlich." The Bookseller

Ein Wunder, raunen die einen. Betrug, rufen die anderen. Für den Kaufmann Jonah Hancock zählt nur eines: Die Meerjungfrau, die sein Kapitän aus Übersee mitgebracht hat, versetzt ganz London in Staunen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Kunde in den Kaffeehäusern, Salons und Bordellen der Stadt. Jonah steigt in die obersten Kreise der Gesellschaft auf und verkauft seine Meerjungfrau schließlich für eine schwindelerregende Summe. Nur die Gunst der Edelkurtisane Angelica Neal bleibt unerschwinglich für ihn, denn als Beweis seiner Liebe fordert Angelica eine eigene Meerjungfrau. Jonah setzt alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Doch Wunder haben einen hohen Preis.

Ein preisgekröntes Romandebüt über Menschen, Meerjungfrauen und das ewige Streben nach mehr. Imogen Hermes Gowar erweckt das London des 18. Jahrhunderts zum Leben – schillernd, faszinierend und facettenreich.
Diese Leseprobe enthält außerdem noch einen Autorensteckbrief sowie ein Interview mit Imogen Hermes Gowar zu ihrem Roman "Die letzte Reise der Meerjungfrau".
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Rezensionen aus der Lesejury (47)

Buecherliebe99 Buecherliebe99

Veröffentlicht am 21.05.2018

Ein gutes Buch, bei dem ich mir jedoch mehr Meerjungfrau gewünscht hätte.

Wir befinden uns im Jahr 1785 und begleiten den verwitwete Mr. Hancock. Er ist Kaufmann und ist selten mal ein Risiko eingegangen. Dies muss er aber gezwungenermaßen tun, als sein Schiffskapitän nach einer ... …mehr

Wir befinden uns im Jahr 1785 und begleiten den verwitwete Mr. Hancock. Er ist Kaufmann und ist selten mal ein Risiko eingegangen. Dies muss er aber gezwungenermaßen tun, als sein Schiffskapitän nach einer langen Reise wieder zurück kommt und statt dem versprochenen Schiff voller Güter aus aller Welt mit nichts geringerem als einer Meerjungfrau zurück kehrt. Mr. Hancock ist schockiert, da er viele seiner Kunden enttäuschen muss, eine ganze Schiffsladung und ein Schiff für das leblose Wesen verloren hat. Durch das Zureden seines Kapitäns beschließt Hancock, von der Meerjungfrau zu profitieren und ist in wenigen Wochen so reich wie nie zuvor. Durch sein neues Geld und die Meerjungfrau lernt er Angelica kennen, deren Beruf man heute vermutlich mit einem Escort-Girl gleichstellen könnte, und Hancock versucht, ihre Gunst zu gewinnen. Damit diese ihm aber Aufmerksamkeit schenkt, verlangt Angelica eine neue Meerjungfrau, ganz für sich alleine.

Mr. Hancock war ein Protagonist, dessen Handlungen zwar nicht mit Action durchgeführt wurden, aber er konnte mich trotzdem für sich gewinnen. Er ist kein gerissener Geschäftsmann, der sich sein Geld durch Betrügereien verschafft, sondern ehrlich dafür arbeitet und auch sein Glück kaum fassen konnte, als er auf einmal ein reicher Mann war. Er wurde zwar etwas hilflos und seltsam dargestellt, war mir persönlich allerdings am sympathischsten im ganzen Buch.

Angelica ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sich aber in fast jede Situation sehr dramatisch gezeigt hat. Sie durchläuft im Laufe des Buches einen unfassbaren Wandel, legt aber einen fundamentalen Trotz an den Tag, mit dem ich nicht so recht warm werden wollte. Ohne sie wäre die Geschichte aber wirklich nicht vorstellbar und ich muss zugeben, dass sie mir gegen Ende hin sogar ein klein wenig ans Herz gewachsen ist.

Das Buch trägt den Zweittitel „Oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde“, was meiner Meinung auch sehr viel besser zum Buch passt. Die Meerjungfrau war nicht die gesamte Handlung über präsent, sondern tauchte mal hier mal da immer wieder im Laufe der Geschichte auf. Etwas unsicher würde ich die Meerjungfrau als roten Faden der Geschichte bezeichnen. Wenn man das außer Acht lässt, hat sich das Buch allerdings wirklich für mich gelohnt. Ich habe selten ein so detailliertes Portrait einer vergangenen Zeit in den Händen gehalten wie ich es hier von Imogen Hermes Gowar präsentiert bekommen habe. Zu sehen, wie sich die Gesellschaft damals verhielt, was tatsächlich erlaubt war und was nicht und wo die Grenzen des guten Benehmens waren, hat mich unfassbar fasziniert und ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr hinaus.

Ein letztes Wort zum Schreibstil: Ich würde ihn als einfach und leicht verständlich beschreiben. Er hat mir gut gefallen, war meiner Meinung nach unkompliziert und hat mich an das Geschehen fesseln können. Ich habe mir London und alle beschriebenen Orte genau vorstellen können.

Das Buch ist im übrigen auffällig schön gestaltet, wobei ich mich nicht nur auf das Cover beziehe. Es fühlte sich unfassbar hochwertig an und ist selbst ohne Schutzumschlag ein wahres Schmuckstück.

Meine Bewertung: 4/5

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Curin Curin

Veröffentlicht am 28.04.2018

Eine Meerjungfrau, die in der Geschichte zu kurz kommt

London 1785: Der verwitwete Mr. Hancock bekommt bei der Rückkehr eines Kapitäns eine seltsame Kreatur, die eine Meerjungfrau sein soll. Als Ausstellungsobjekt bringt sie ihm eine Menge Geld ein und bekommt ... …mehr

London 1785: Der verwitwete Mr. Hancock bekommt bei der Rückkehr eines Kapitäns eine seltsame Kreatur, die eine Meerjungfrau sein soll. Als Ausstellungsobjekt bringt sie ihm eine Menge Geld ein und bekommt damit auch die Aufmerksamkeit einflussreicher Leute. Über die Kupplerin Mrs. Chappell lernt er die Prostituierte Angelica Neal kennen, die etwas von ihm fordert, was er ihr kaum geben kann: Eine eigene Meerjungfrau... .
Imogen Hermes Gowar hat hier einen ungewöhnlichen Roman geschrieben, indem sie das historische London im 18. Jahrhundert und vor allem dessen Gesellschaft darstellt und einige wenige fantastische Elemente eingebaut hat.
Anders als der Titel des Buches verspricht, kommt die Meerjungfrau im Buch etwas zu kurz und spielt fast nur im Hintergrund eine tragende Rolle. Jedoch hat mir gut gefallen, wie selbstverständlich das Wesen in die Geschichte eingearbeitet worden ist. Man vergisst beim lesen zwar nicht, dass es eigentlich keine Meerjungfrauen gibt, aber Frau Gowar schafft es dennoch, sie glaubhaft darzustellen.
Mit Mr. Jonah Hancock hat die Handlung einen besonderen und wie ich finde, außergewöhnlichen Protagonisten. Er wirkt zwar gerade am Anfang etwas seltsam und oft hielt ich ihn für naiv, aber im Laufe der Handlung zeigt sich immer wieder, dass er die richtigen Entscheidungen treffen kann, auch wenn dabei etwas unbeholfen vorgeht.
Angelica konnte ich dagegen lange nicht einschätzen und konnte nicht so recht mit ihr warm werden. Man merkt aber gerade zum Ende des Buches, dass sie doch eine Entwicklung durchgemacht hat und in der Lage ist, sich selbst, Mr. Hancock und auch mich als Leserin zu überraschen.
Imogen Hermes Gowar schreibt unglaublich stilsicher und gut lesbar. Ihr ist ein interessantes Gesellschaftsporträit des 18. Jahrhunderts gelungen, wobei sie aus meiner Sicht den Fokus der Geschichte viel zu sehr auf Bordelle und somit auf Prostitution lenkt. Manchmal wird die Handlung dadurch so obszön und grotesk, dass ich das Buch schon zur Seite legen wollte.
Insgesamt ist ,,Die letzte Reise der Meerjungfrau oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde" ein spannender historischer Roman, indem die Meerjungfrau den Leuten im Buch, als auch den Lesern gleichermaßen vorenthalten wird. Auch wenn ich einige Kritikpunkte habe, konnte mich die Geschichte doch letztendlich überzeugen und unterhalten. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

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Winniehex Winniehex

Veröffentlicht am 26.04.2018

Eine neue Literaturart

Ein Wunder, raunen die einen. Betrug, rufen die anderen. Für den Kaufmann Jonah Hancock zählt nur eines: Die Meerjungfrau, die sein Kapitän aus Übersee mitgebracht hat, versetzt ganz London in Staunen. ... …mehr

Ein Wunder, raunen die einen. Betrug, rufen die anderen. Für den Kaufmann Jonah Hancock zählt nur eines: Die Meerjungfrau, die sein Kapitän aus Übersee mitgebracht hat, versetzt ganz London in Staunen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Kunde in den Kaffeehäusern, Salons und Bordellen der Stadt. Jonah steigt in die obersten Kreise der Gesellschaft auf und verkauft seine Meerjungfrau schließlich für eine schwindelerregende Summe. Nur die Gunst der Edelkurtisane Angelica Neal bleibt unerschwinglich für ihn, denn als Beweis seiner Liebe fordert Angelica eine eigene Meerjungfrau. Jonah setzt alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Doch Wunder haben einen hohen Preis. (Quelle: Amazon)

Der Roman ist mal was ganz anders, er ist meiner Meinung nach gut. Aber schon eine andere Art der aktuellen Literatur, was ich persönlich aber wirklich gut finde muss ich gestehen. Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert in England/London. Durch doch sehr detailverliebte Darstellung kann man sich gut in das Buch einbinden. Klar man darf nicht vergessen, ist es immer noch eine fiktive Story.

Was mir wirklich sehr schwer viel war, dass die Stimmung im Buch doch sehr verwirrend war. Es geht hoch und runter und das an einem Stück, man könnte sagen es hat schon depressive Züge. Aber ich muss auch den anderen Stimmen Recht geben, der Sinn oder die Rolle der Meerjungfrau bleibt zum größtenteils unberührt.

Schönes Buch, anstrengend zum Lesen aber trotzdem klare Leseempfehlung.

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Judiko Judiko

Veröffentlicht am 26.04.2018

Leider nicht das, was ich erwartet habe

Stets auf der Suche nach der ultimativen Geschichte, nach etwas, was es so noch nirgends gab, etwas Neues…

…und da war es. Der Debüt-Roman „Die letzte Reise der Meerjungfrau…“

Wie habe ich mich gefreut, ... …mehr

Stets auf der Suche nach der ultimativen Geschichte, nach etwas, was es so noch nirgends gab, etwas Neues…

…und da war es. Der Debüt-Roman „Die letzte Reise der Meerjungfrau…“

Wie habe ich mich gefreut, als ich dieses Buch entdeckte. Lange schon nicht mehr habe ich einen historischen Roman gelesen und dazu sollte es darin auch noch um eine Meerjungfrau gehen. Eigentlich mag ich keine Fantasy Bücher. Doch schnell war klar, dass es sich hierbei auch nicht um solch eines handelt. Die Leser sprachen eher von Märchen, Highlight und man solle sich unbedingt den Autorennamen merken.

Voller Vorfreude habe ich zu lesen begonnen…

Wir befinden uns in England im 18. Jahrhundert, als dem Kaufmann Jonah Hancock das Schicksal eine Meerjungfrau beschert. Hancock folgte dem Rat die Meerjungfrau zur Schau zu stellen, um Profit daraus zu schlagen. Und so geschah es tatsächlich. London war fasziniert und Hancock wurde reicht und berühmt. Eines Tages, als alles aber zu eskalieren drohte, verkaufte er sie.

Des Weiteren lernen wir die „egoistische“ Prostituierte Angelica kennen, in die sich Hancock verliebt hat. Sie verlangt von ihm, er möge ihr eine eigene Meerjungfrau besorgen. Ob er bereit ist, das für die Liebe zu tun, müsst ihr selbst erfahren.

Dass die Meerjungfrau sich letztendlich als hässliches, totes Etwas herausstellte, fand ich noch gut, ebenso den Schreibstil, der an die damalige Zeit angepasst ist und mir nur hin und wieder etwas schwer fiel.

Vielmehr hatte ich meine Schwierigkeiten mit der Geschichte an sich. Wahrscheinlich, weil ich etwas ganz anderes erwartet hatte. Mehr Spannung, eins sein mit den Protagonisten, mitfiebern, mitfreuen und mitleiden. Leider erfüllte sich meine Erwartung in keinerlei Hinsicht. Nicht mal mit den Protagonisten konnte ich warm werden. Im Gegenteil Angelica war mir sogar unsympathisch und somit erwies sich die Geschichte, die zwar auch eine schöne Botschaft vermittelte, eher enttäuschend. Da waren die 550 Seiten, für mich, einfach zu lang. Gerade im Mittelteil zog sich die Geschichte, sodass ich mich oft zum Weiterlesen zwingen musste.

Eins kann ich aber auch sagen, was „Anderes“ war diese Geschichte allemal und mit meinem Empfindungen, gehöre ich auch eher zu den Ausnahmen, weswegen jeder, der Interesse an historischen Romanen hat, welche nicht der Norm entsprechen, vielleicht diesem Buch eine Chance geben sollte.

Mich konnte die Geschichte leider nicht überzeugen und somit war dies „die letzte Reise“ für mich, in solch eine Richtung.

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Svanvithe Svanvithe

Veröffentlicht am 23.04.2018

Die Meerjungfrau und die Kurtisane

Eine Meerjungfrau ist ein gefährlicher Fang. Genauso wie eine Kurtisane. Diese Erfahrung muss eines Tages Jonah Hancock, ein gut situierter, etwas korpulenter Kaufmann mittleren Alters, machen. Bislang ... …mehr

Eine Meerjungfrau ist ein gefährlicher Fang. Genauso wie eine Kurtisane. Diese Erfahrung muss eines Tages Jonah Hancock, ein gut situierter, etwas korpulenter Kaufmann mittleren Alters, machen. Bislang ist Jonah Hancock seinen Weg ehrlich und stringent gegangen. Aber seit dem Tod seiner Frau und seines Sohnes, dessen Geist er manchmal begegnet, ist er einsam. Er sehnt sich nach jemandem, mit dem er sein Leben teilen kann, vergräbt sich statt sich auf die Suche zu begeben, in seine Arbeit. Als endlich der Kapitän seines sehnlichst erwarteten Frachtschiffs Calliope eintrifft, folgen der anfänglichen Freude nicht nur Ernüchterung, sondern auch Entsetzen. Denn Captain Jones hat das Schiff verkauft. Für eine Meerjungfrau. Eine tote Meerjungfrau. Was bitteschön soll er, Jonah Hancock, seriöser Geschäftsmann mit tadellosem Ruf, mit solch einer wilden Kreatur?

Jonah Hancock lässt sich überreden, die Meerjungfrau auszustellen, und tatsächlich entpuppt sich dieses über alle Maßen hässliche und groteske Wesen – wie von Captain Jones vorausgesagt – als wahre Goldgrube. Die Menschen stehen Schlange, um es zu sehen, bezahlen dafür, und die Truhen von Jonah Hancock füllen sich.

Die Ausstellung ruft Beth Chappell auf den Plan, ihres Zeichens Betreiberin eines erstklassigen Bordells. Sie überredet Jonah Hancock, ihr die Meerjungfrau zu leihen, und der Kaufmann lässt sich darauf ein.

Anlässlich der Präsentation der Meerjungfrau im Haus von Mrs. Chappell mit Aristokraten und Politikern begegnet Jonah Hancock der Kurtisane Angelica Neal. Einst hat Angelica für die Wirtin gearbeitet, und diese lässt nichts unversucht, Angelica zur Rückkehr zu bewegen. Nach dem Tod ihres Gönners, eines Herzogs, ist Angelica darauf angewiesen, einen neuen Mann zu finden, der sie versorgt. Denn ihre Unabhängigkeit von Beth Chappell möchte sie nicht aufgeben.

Jonah ist von der üppigen, temperamentvollen Schönheit begeistert. Gleichzeitig wird sein bürgerliches Empfinden von unanständigen Szenen im Bordell auf Tiefste erschüttert. Er verlässt das Haus angewidert, fordert die Meerjungfrau zurück und verkauft sie.

Angelica kann er hingegen nicht vergessen und bemüht sich um sie. Diese hat sich zwischenzeitlich dem adligen, aber mittellosem George Rockingham zugewandt, wird allerdings von jenem fallengelassen, als es darum geht, ihre Auslagen und Schulden zu zahlen. Wie soll sie diesem Dilemma entkommen? Jonah Hancock ist rettend zur Stelle. Er erhält eine Ehefrau, Angelica die gewünschte Absicherung und ein respektables Leben. Das ist ihre Chance auf Glück. Doch existiert ein solches für Angelica wirklich? Es ist gefährlich, aus seiner Welt gerissen zu werden. Das gilt für eine Kurtisane als auch für eine Meerjungfrau...


Für ihren Debütroman „Die letzte Reise der Meerjungfrau oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde“ hat Imogen Hermes Gowar drei Jahre lang recherchiert, geforscht und gelernt, im Sprachduktus des 18. Jahrhundert zu schreiben.

Der Aufwand und die Arbeit haben sich gelohnt. Die Autorin bewegt sich mit ihrem opulenten Stil des Inszenierens auf herausragenden Niveau. Sie findet mit außergewöhnlich gutem Gespür den Ton der Zeit und gibt ihn in nuancierter Art und Weise wieder, so dass das Lesen und folglich Eintauchen in eine vergangene Realität zum Erlebnis werden. Dabei nutzt sie in wunderbarer Kunstfertigkeit die Art der Kommunizierens im London des zweiten Drittels des 18. Jahrhunderts. Zurückhaltend und distanziert und damit ein wenig ungewohnt, indes bei der Lektüre überhaupt nicht hinderlich.

Hinzu kommt, dass durch das Erzählen in der Gegenwart eine Präsens entsteht, die uns unmittelbar in die Geschichte hineinzieht und einbindet. So befinden wir uns mitten in einem Geschehen, das historische Gegebenheiten wie die Ungleichheit zwischen den Klassen, Geschlechtern und Hautfarben thematisiert und diese mit dem Mythos und der Legende der Meerjungfrau mittels eingeflochtener lyrischer Passagen verknüpft.

Noch zu berücksichtigen ist der feinsinnige Humor, der den Zeilen das eine oder andere Mal entströmt. Hierbei gelingt es der Autorin, mit unseren Zweifeln zu spielen. Existieren Meerjungfrauen oder nicht? Wir wissen, dass es diese Geschöpfe nicht gibt. Aber wir lassen uns gern auf dieses Spiel der Phantasie ein, geben uns der Illusion hin, dass es möglich kann. Wir möchten, dass es so ist und vergessen für einen Moment die Wirklichkeit.

Faszinierend ist außerdem das Können von Imogen Hermes Gowar, das Milieu und die Umstände auf den Punkt zu schildern, insbesondere die Abhängigkeit der Frauen von den Männern zu beleuchten.

Das überträgt sich auf die Protagonisten. Die Autorin hat bemerkenswerte, mit Brillanz ausgearbeitete Figuren geschaffen, deren Tiefgründigkeit sich langsam, dann jedoch mit Wucht offenbaren.

Da ist zum einen Jonah Hancock, ein aufrichtiger, empfindsamer Mann, mit einem einfachen Herzen voller Sehnsucht, und trotzdem und erstaunlicherweise bereit, etwas Neues zu wagen. _„Ich habe mein Leben bisher nicht ausgeschöpft… Und jetzt wurde mir etwas Großes aufgezeigt. Ich wäre ein Narr, wenn ich nicht mehr für mich erstreben würde…“_ (Seite 121)

Und wir lernen Angelica Neal kennen, eine Frau, die auf den ersten Blick eitel, seelenlos und unmoralisch wirkt, gleichzeitig über eine unwiderstehliche Schönheit und eine gewisse Wahrhaftigkeit verfügt und durchaus Parallelen zu einer Meerjungfrau aufweist.

_„Denn eine Meerjungfrau ist ein höchst unnatürliches Wesen und ihr Herz ohne Liebe."_ (Seite 90)

Im Grunde ist Angelica ein Geschöpf der Umstände, und bei genauerer Betrachtung, versucht auch sie nur, das Bestmögliche aus eben diesen zu machen. Sie steht zu ihrem Handeln, und sie möchte Unabhängigkeit, zumindest von Mrs. Chappell, ihrer einstigen Bordellwirtin. Denn wirklich frei wird sie nie sein können, weil sie immer auf die Gunst eines Mannes angewiesen ist. Ob als Kurtisane oder als Ehefrau...


Imogen Hermes Gowar meistert eine anspruchsvolle und eindringliche Darstellung von Sein und Schein, Realität und Mythos. Einfach grandios!

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Imogen Hermes Gowar

Imogen Hermes Gowar - Autor
© Mandy Lee Jandrell

Imogen Hermes Gowar hat Archäologie, Anthropologie und Kunstgeschichte studiert und anschließend in verschiedenen Museen gearbeitet. Inspiriert von den Ausstellungsstücken hat sie erste fiktionale Texte geschrieben und 2013 ein Stipendium bekommen, um an der Universität von East Anglia Kreatives Schreiben zu studieren. Für ihre Dissertation, aus der der Roman Die letzte Reise der Meerjungfrau entstanden ist, wurde sie mit dem Curtis-Brown-Preis ausgezeichnet. Imogen Hermes Gowar lebt und …

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