XXL-Leseprobe: NSA - Nationales Sicherheits-Amt
 - Andreas Eschbach - eBook

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inkl. MwSt.

Bastei Entertainment
Sonstige Belletristik
55 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-6924-3
Ersterscheinung: 17.09.2018

XXL-Leseprobe: NSA - Nationales Sicherheits-Amt

(80)

Sie wissen ALLES, was du tust!

XXL-Leseprobe zu Andreas Eschbachs "NSA - Nationales Sicherheits-Amt":
Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im NSA, dem Nationalen-Sicherheitsamt, und entwickelt dort Komputer-Programme, mit deren Hilfe alle Bürger überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, widersetzt Helene sich. Dabei muss sie nicht nur gegen das Regime kämpfen, sondern auch gegen ihren Vorgesetzten Lettke, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet ...

Diese Leseprobe enthält außerdem noch ein Interview mit Andreas Eschbach über seinen neuen Roman "NSA - Nationales Sicherheits-Amt".
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Rezensionen aus der Lesejury (80)

Salome Salome

Veröffentlicht am 16.12.2018

echt tolles Buch

Eschbach kenne ich schon von anderen Büchern, bis jetzt hat mir jedes gefallen. Bei diesem hier war ich eher skeptisch, erstens wegen der Länge und zweitens wegen dem Thema- da ich mich in meinem Leben ... …mehr

Eschbach kenne ich schon von anderen Büchern, bis jetzt hat mir jedes gefallen. Bei diesem hier war ich eher skeptisch, erstens wegen der Länge und zweitens wegen dem Thema- da ich mich in meinem Leben nicht wirklich für Geschichte, Kriege usw. interessierte. Aber wegen der vielen guten Rezensionen gab ich dem Buch eine Chance.
Helene Bodenkamp arbeitet als Programmiererin 1942 in Weimar für das nationale Sicherheits-Amt. Sie tut diesen Job mit großer Liebe, sie lebt daheim bei ihren Eltern und erst als sie mit ihren Programmen auch ihre Liebe in Gefahr bringt- denkt sie nach, was sie alles anrichten kann. Was wäre, wenn es schon im 2. Weltkrieg Internet, E-Mails usw. gegeben hätte und man hätte die Menschheit total überwachen können. Eine tolle Story hat Herr Eschbach sich da ausgedacht und ich habe das Buch schnell lesen können, am Anfang hab ich schon eine Weile gebraucht- um rein zu kommen aber dann war ich begeistert.
Das einzige was mir nicht so gefallen hat, war der Schluss. Alles in allem ist das Buch aber wirklich zum weiter empfehlen....

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

PMelittaM PMelittaM

Veröffentlicht am 15.12.2018

Wenig gelungene Alternate History

Was wäre wenn Charles Babagge im 19. Jahrhundert seine Analytical Engine zu Ende entwickelt hätte und sich schon damals daraus der Computer, das Internet und alles damit Verbundene entwickelt hätte? Dann ... …mehr

Was wäre wenn Charles Babagge im 19. Jahrhundert seine Analytical Engine zu Ende entwickelt hätte und sich schon damals daraus der Computer, das Internet und alles damit Verbundene entwickelt hätte? Dann hätten die Nazis im Dritten Reich womöglich eine ganz andere Möglichkeit der Überwachung gehabt und sich die Geschichte ein bisschen anders entwickelt.

Wie das hätte aussehen können, versucht Andreas Eschbach in diesem Roman zu erzählen. Er hat dafür die einschlägigen Worte eingedeutscht, der Computer wird zum Komputer, das Internet ist das Weltnetz und das Passwort heißt Parole, aber im Grunde ist es mit dem, was wir heute kennen, identisch. Nicht identisch ist das Drumherum, so ist Programmieren ausschließlich Frauensache, da es dem Kochen und dem Stricken ähnele und daher den Frauen besonders liege, Programmieren wird daher auch Stricken genannt und die Programmiererinnen sind Strickerinnen. DAS Lehrbuch dazu ist dem weiblichen Wesen gemäß in rosa und mit Blümchen gestaltet. Männer dagegen können ihrem Wesen nach am besten analysieren, haben aber keine Ahnung, wie ein Programm funktioniert – nun ja. Da mittlerweile auch das Bargeld abgeschafft wurde, gibt es eine nahezu nahtlose Überwachung und das Nationale Sicherheitsamt (NSA!), schon im Kaiserreich existent, zeigt seinen Nutzen nun dadurch, dass es versucht, aus den Daten bestimmte Erkenntnisse zu ziehen, die dem Reich nutzen, z. B., indem es versucht Untergetauchte (Juden, Deserteure) zu lokalisieren,

Beide Protagonisten des Romans arbeiten für das NSA, und nutzen das im Laufe des Romans auch für ihre eigenen Zwecke. Helene Bodenkamp ist eine der Strickerinnen des Amtes, wahrscheinlich sogar die beste von ihnen. Daneben ist Helene eher schüchtern, wenig selbstbewusst, und in ihren Augen so wenig attraktiv, dass sie wohl nie einen Mann finden wird, besonders, da es durch den Krieg ja immer weniger gibt – sie ist als ein graues und nebenbei naives Mäuschen, das aber brillante Programme stricken kann. Mehr muss man über sie nicht wissen, außer, dass ihr Elternhaus schon sehr früh nationalsozialistisch geprägt war, und ihre Eltern sie baldmöglichst verkuppeln wollen, damit sie ihre Pflicht als Frau erfüllen kann. Was ihre Eltern nicht wissen: Eigentlich hat sie im Laufe des Romans bereits jemanden gefunden, der sie liebt, aber leider nicht gesellschaftsfähig ist, er musste nämlich untertauchen. Für ihn nutzt Helene auch ihr Wissen bei ihrer Arbeit im NSA. Dass sie mit ihrer Arbeit vielen Menschen schadet, reflektiert sie kaum.

Ganz anders Eugen Lettke, einziger Sohn eines gefallenen Kriegshelden, seinen Vater lernte er nie kennen, wohnt noch bei seiner Mutter, die ihn nervt, und hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu Frauen. Das rührt u. a. daher, dass ihn ein paar in seiner Jugend sehr gedemütigt haben. Neben seiner Rache an diesen jungen Frauen, übt er auch Rache an den Frauen an sich, wozu er im Netz schädliche Informationen sucht, mit denen er Frauen erpressen und nötigen kann, was ihm nur auf Grund seiner Arbeit beim NSA möglich ist.

Beide Charaktere werden eher oberflächlich gezeichnet und wirken wie Klischees, hier naiv, dort abgrundtief böse. Auch für Helene konnte ich keine positive Gefühle entwickeln, als ein potentieller Ehekandidat sie nur wegen seiner körperlichen Beeinträchtigungen anekelt, verlor sie meine Sympathie endgültig. Auch viele der anderen Charaktere sind reine Klischees, Sympathie konnte ich nur für wenige entwickeln, eigentlich nur für Helenes Freundin Marie und deren Mann Otto, die für mich am ehesten die Helden in dieser Geschichte sind.

Der Roman basiert im Grunde auf den Lebensgeschichten der beiden Protagonisten, so dass wir viele Seiten lang ihre Geschichte von Kindheit an lesen „müssen“. Die parallele deutsche Geschichte ist bis zur Machtergreifung der Nazis im Wesentlichen dem tatsächlichen Verlauf ähnlich, nur der Krieg endete bereits 1917. Später gibt es etwas mehr Unterschiede, wobei hier auch historische Ereignisse einbezogen werden. Ist Anne Franks Schicksal noch fast identisch, gibt es bei der Weißen Rose oder Georg Elser deutliche Unterschiede, die der Arbeit des NSA zugesprochen werden. Auch die Verpflegung der Bevölkerung z. B. ist besser aufgestellt – allerdings treten politische und soziale Entwicklungen hinter die Geschichte Helenes und Eugens zurück. Warum der Autor seinen Roman ausgerechnet auf diesen beiden aufbaut, ist mir ein Rätsel, man hätte sicher interessantere und authentischere Charaktere entwickeln können, die den Roman insgesamt glaubhafter gemacht hätten.

Das Ende wirkt auf mich teilweise wie ein schlechter Scherz, vor allem was die Geschichte der beiden Protagonisten angeht, die Geschichte des Dritten Reiches dagegen passt durchaus zur Entwicklung, wie sie dargestellt wird.

Was soll ich sagen, den interessanten und tiefgehenden Roman, der eine gelungene Alternate History erzählt, den ich erwartet habe, habe ich leider nicht bekommen. Spannung entstand für mich lediglich in der Frage, ob Marie und Otto das Ganze unbeschadet überstehen. Der Roman hätte deutlich gestrafft werden können, vieles wiederholt sich. Dass Anne Franks Schicksal, zudem schon so früh im Roman, ausgeschlachtet wurde, hat mich ein wenig entsetzt. Sollte der Roman einen Anteil zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte beitragen oder gar aktuelle Gesellschaftskritik sein, wurde das Thema weit verfehlt, schade, man hätte so viel daraus machen können. So ist es nur ein nicht besonders gute Geschichte mit schlecht ausgearbeiteten Charakteren, auf die man getrost verzichten kann. Ich kann den Roman leider nicht weiterempfehlen.

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Josia-Jourdan Josia-Jourdan

Veröffentlicht am 10.12.2018

Wichtig und dazu noch genial geschrieben

Das Buch beginnt mit einer schockierenden Szene. Mit Hilfe von Datenüberwachung wird die Familie Frank gefunden, viel früher als im , das Tagebuch von Anne Frank wird zerstört und die Familie direkt ins ... …mehr

Das Buch beginnt mit einer schockierenden Szene. Mit Hilfe von Datenüberwachung wird die Familie Frank gefunden, viel früher als im , das Tagebuch von Anne Frank wird zerstört und die Familie direkt ins KZ abgeschoben. Und das nur mir einigen wenigen Klicks und Computerdaten. Bereits da ist mir klar geworden, dass das ein ganz aussergewöhnliches Buch werden würde, welches mich noch lange begleiten würde.

Nach diesem Anfang gibt es einen Zeitsprung zurück und über mehrere Kapitel werden uns die beiden Protagonisten Helene Bodenkamp und Eugen Lettke vorgstellt. Beide sind Deutsche Bürger und beide erleben die politischen Veränderungen anders. Doch beide machen bereits früh Erfahrungen mit Daten und Computern. Eugen weiss genau, wie er Daten nutzen muss um andere Menschen zu erpressen, auszuspionieren oder finden kann. Beide beginnen im Nationalen Sicherheits-Amt in Weimar zu arbeiten. Zu Beginn von Hitlers Regierungszeit nimmt es keine grosse Rolle ein und das ändert sich auch lange nicht, bis der Wert von Daten erkannt wird. Helene dagegen ist zu Beginn sehr naiv und obwohl sie ein ausserordentliches Talent fürs Programmieren zu haben scheint, realisiert sie erst nach und nach, was sie eigentlich tut. Denn sie macht viel. Von Überwachung der Deutschen Bürger über Geheimdienstarbeiten in Amerika. Mit Computern und Daten lässt sich die ganze Welt kontrollieren.

Mit 800 Seiten ist das Buch ein Wälzer und ich bin immer seh skeptisch gegenüber dicken Büchern. Aber dieses Buch benötigt jede einzelne Seite, denn Andreas Eschbach will dem Leser die Welt in der Helene und Eugen leben zuerst vorstellen. Dafür benötigt er Zeit und während dieser Zeit stellt er uns auch gleich seine zwei komplett verschiedenen Protagonisten vor. Beide begleiten wir von ihrer Kindheit bis ins NSA. Von beiden bilden wir uns schnell eine Meinung. Eugen ist ein unsympathischer, rachsüchtiger, missbrauchender und unsympathsicher Charakter (Das soll nicht negativ klingen! Die Geschichte würde ohne ihn nicht funktionieren.) Helene ist die sympathische junge Frau, welche schon immer gerne alles hinterfragte und mit klaren Vorstellungen durchs Leben geht. Ich habe beide Sichten extrem gerne gelesen, denn der Autor erweckt diese Personen zum Leben und schafft es, dass ich mich mitten ins Geschehen versetzt fühle. Allgemein schreibt Eschbach grossartig. Ganz anders als alles, was ich sonst kenne. Aber genau das macht ihn so besonders!

Aber kommen wir zur Handlung & Idee dieses dystopischen Historikroman (Es gibt keine wirklich Genrebezeichnung). Denn das ist hier das wirklich grosse Thema. Andreas Eschbach hat sich ein geniales Konzept überlegt. Computer während des zweiten Weltkriegs. Er hat sich alles genaustens durchdacht, geschichtliche Folgen überlegt und einen schockierenden Roman geschrieben. Denn dieser Roman zeigt ganz deutlich auf, wie überwachbar wir eigentlich sind. Gleichzeitig zeigt er auch, wie unwissend wir sind und dass man mehr hinterfragen sollte. Denn Helene programmiert nicht selten ein Programm und denkt sich nichts schlechtes dabei und schlussendlich ist sie mitverantwortlich, dass tausende Juden entdeckt werden. Dieses Buch umfasst so viele Themen. Es ist erschreckend, wie man teilweise selbst vergisst, in welchem Verhältnissen Deutschland zu dieser Zeit steckt. Denn Helene wächst sehr privilegiert auf und Eugen macht sich nie Gedanken über den Krieg. Auch als Leser fokussiert man sich so auf das Geschehen des Romans, die privaten Schicksale der Protagonisten und erst gegen Ende wird einem selbst bewusst, was sie getan haben.

Fazit

Andreas Eschbach hat ein Meisterwerk geschrieben. Von der Idee über die Umsetzung zu den Charakteren hin stimmt alles. Er trifft einen Zeitgeist und schreibt über ein hochaktuelles Thema. Digitalisierung, rechte Parteien und Überwachung sind für uns auch heute noch ein Thema und auch wenn Eschbach das Gedankenexperiment in der Vergangenheit spielen lässt, ist Fiktion nahe an Realität und das ist beängstigend. Eine geniale Geschichte, bei der jedes Wort sitzt, jedes Detail durchdacht ist und ich nicht selten schockiert worden bin. «NSA» trifft einen wunden Punkt und rüttelt wach. Gleichzeitig bin ich bestens unterhalten worden und habe nicht nur die grosse Gesamtgeschichte interessiert mitverfolgt, auch die persönlichen Geschichten der Protagonisten haben mich fasziniert. Auf emotionaler Ebene hat dieser Roman ebenfalls überzeugt, denn ich habe regelrecht mitgefiebert und gehofft, dass alles gut kommt. Das stärkste und wichtigste Buch, welches ich 2018 gelesen habe. Ich kann es euch allen nur ans Herzen legen und vergebe 5 von 5 Sterne für diesen aussergewöhnlichen Roman, dem ich mit dieser Rezension nicht im geringsten gerecht geworden bin. Lest es!

Ist NSA von Andreas Eschbach empfehlenswert? JA! JA! JA! Ein wichtiges Thema verpackt in einer genialen Geschichte. Schreibstil top!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Lübbe Verlag für mein Exemplar!

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Daggi Daggi

Veröffentlicht am 09.12.2018

Fällt mir schwer, zu bewerten

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Helene Bodenkamp ist Programmiererin beim NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt. Sie uns ihre Kolleginnen sorgen mit ihren Programmen dafür dass die Menschen im Dritten ... …mehr

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Helene Bodenkamp ist Programmiererin beim NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt. Sie uns ihre Kolleginnen sorgen mit ihren Programmen dafür dass die Menschen im Dritten Reich völlig überwacht werden können. Als ihre große Liebe Fahnenflucht begeht, unternimmt sie alles, was in ihrer Macht steht, um ihn zu schützen.

Eugen Lettke ist der Antiheld. Ein machtgeiler Unsympath, der sein Wissen geschickt ausnutzt, um ans Ziel zu gelangen. Er will mit allen Mitteln vermeiden, eingezogen zu werden und an der Front kämpfen zu müssen.

Meine Gedanken zum Buch

Auf den ersten Seiten beschreibt Andreas Eschbach auf welchem technischen Stand die Welt in seiner Geschichte ist. Man darf sich das so vorstellen, dass er eine Ebene geschaffen hat, in der das Dritte Reich auf die Technologie der heutigen Zeit trifft. Computer (Komputer), das Internet (Weltnetz), Smartphones (Volkstelefon) und einiges mehr existieren und sogenannte Programmstrickerinnen sorgen dafür, dass mittels Datenauswertungen die totale Überwachung möglich ist.

Im ersten Part des Buches zeigt der Autor z.B. auf erschreckende Weise auf, wie es mit dieser Technik ein Leichtes gewesen wäre, herauszufinden, welche Familien Juden verstecken. Achtung Spoiler: Als im Roman dadurch das Versteck von Anne Frank und ihren Eltern auffliegt, ist mir die Verknüpfung von Realität und Fiktion das erste Mal so richtig bewusst geworden. Auch im weiteren Verlauf des Romans hat Andreas Eschbach immer wieder tatsächliche Ereignisse in die Handlung einfließen lassen.

Soweit, so gut, danach folgt ein Rückblick auf das bisherige Leben der beiden zukünftigen Protagonisten, der für mein Empfinden viel zu ausschweifend war und mich stellenweise gelangweilt hat, so dass ich damit begonnen habe, einige Passagen nur noch quer zu lesen.

Später konnte Andreas Eschbach mich wieder faszinieren. Er arbeitet unter anderem mit der Beklemmung, die ein Roman, der das Dritte Reich thematisiert, wahrscheinlich automatisch mit sich bringt, erzählt die Geschichte zweier völlig unterschiedlicher Protagonisten und von den Problemen dieser Welt, wie wir sie von damals aber auch heute kennen. Leider gibt es auch hier wieder Längen.

Das Gegenteil ist allerdings am Ende der Fall. Dort macht der Autor einen Rundumschlag und lässt seine Geschichte dann innerhalb von wenigen Seiten enden. Zu dem Zeitpunkt habe ich mir die Frage gestellt, ob die maximale Seitenzahl vielleicht bei 800 lag und das Buch deswegen so Knall auf Fall zum Schluß kam. Außerdem war ich fast schon bestürzt darüber, wie der Autor seine Geschichte enden lässt und musste das Finale erst einmal verdauen.

Mit fällt es schwer, NSA zu bewerten. Die Idee hinter diesem Buch hat mich sehr fasziniert, weswegen ich sehr neugierig war. Aber die Umsetzung hat meine Erwartungen nur phasenweise erfüllen können. Auch die Längen des Romans und das Ende für mich unbefriedigende Ende haben einen faden Beigeschmack hinterlassen, der meine zeitweise Begeisterung zum Teil noch überlagert hat.

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Weltenwanderer Weltenwanderer

Veröffentlicht am 09.12.2018

Beängstigendes Gedankenspiel, packend erzählt

Ich mag ja die Bücher von Andreas Eschbach immer sehr und mache können mich so richtig begeistern - und mit diesem hier ist ihm mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen!

Es beginnt in Weimar im ... …mehr

Ich mag ja die Bücher von Andreas Eschbach immer sehr und mache können mich so richtig begeistern - und mit diesem hier ist ihm mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen!

Es beginnt in Weimar im Jahr 1942. Die NSA ist an sich eine eher kleine, wenig beachtete Anlage im Deutschen Reich, die sich auf die Programmierung und Auswertung von Daten per Komputer spezialisiert hat. Ja, Komputer. Denn der Autor hat hier das Konstrukt gezeigt wie es hätte sein können, wenn es damals schon dieses Medium gegeben hätte. Und verbindet damit unsere aktuellen Bedenken der Datensammlung in Bezug auf die Auswirkungen, die das ganze in Kriegszeiten gegeben haben - und eben auch in Zukunft geben könnte!

Denn natürlich kann man mit den Daten der Menschen eine Menge herausfinden und welche schlimmen Folgen das hat zeigt er gleich zu Beginn mit einem ganz einfachen Experiment.

Danach geht es aber erstmal zurück in die Vergangenheit von Helene Bodenkamp. Sie wird später eine große Rolle spielen in der NSA als eigentlich "kleine" Programmstrickerin, denn die Programmierungen sind in dieser Zeit den Frauen vorbehalten - warum das so ist erklärt er übrigens sehr anschaulich und mit amüsanter Überzeugung.

"Die Frau, deren naturgegebene Aufgabe die Sorge für die Familie ist,
muss hierzu eine Vielzahl von sich immer wiederholenden Arbeiten verrichten,
und je besser es ihr gelingt, diese in zweckdienlicher Weise zu organisieren,
desto mehr erleichtert sie sich den Alltag.
Daher ist jede Hausfrau und Familienmutter von Natur aus eine Programmierin,
sie weiß es meist nur nicht, denn es ist nicht ein Komputer, den sie programmiert,
vielmehr programmiert sie sich selbst." S. 157

Ebenfalls zeigt er das Leben von Eugen Lettke, der auch eine wichtige Stellung im Nationalen Sicherheits-Amt haben wird und der Lebensweg von ihm sind machen sehr deutlich, wie sich in diesen Zeiten negative Auswirkungen entwickeln können.

"Stärke war sein eigener Beweis und seine Rechtfertigung, denn stark war er,
der sich nehmen konnte, was er begehrte, und es schaffte,
der Welt seinen Willen aufzuzwingen ..." S. 106

Diese beiden Gegensätze ergeben ein sehr gutes Bild von der mitfühlenden Helene, die sich immer wieder sträubt, den Judenhass zu unterstützen und dem machtbesessenen Eugen, der seinen Kontrolltrieb mit allen möglichen perfiden Mitteln auslebt. Sie stehen auch im Mittelpunkt der Geschichte, die natürlich auch den Aufstieg Hitlers und die vielen großen wie kleinen Konsequenzen aufzeigt, die damals den Lauf der Dinge beeinflusst haben.
Es gibt viele bekannte Details im Rahmen von Namen, prägnanten Ereignissen und Erfindungen die man kennt und einen Bezug dazu schaffen; eben mit der Besonderheit der fortschrittlichen Technik, die er perfekt mit eingebaut hat. Wie eben die Komputer, Elektrobriefe (Emails), bewegliche Telephonie (Handys), Parolen (Passwörter) oder das Weltnetz (Internet).

Die Sammlung von Daten und was damit gemacht wird und werden kann ist ja schon lange ein aktuelles Thema - und auf welche Ideen Eschbach hier kommt lassen einem wirklich die Haare zu Berge stehen vor allem wenn man daran denkt, dass diese Möglichkeiten mit Sicherheit schon irgendwo genutzt werden! Ich frage mich dann wirklich welche kranken Köpfe tatsächlich Gebrauch davon machen und den Menschen an sich auf diese Informationsquellen reduzieren, denn Helene hat hier eine ganz eigene, wichtige Einsicht dazu:

"Wahrscheinlich, dachte sie, liegt es daran, dass man einen Menschen, egal,
wie viele Daten man über ihn sammelt, doch niemals wirklich erfasst,
sodass immer Unklarheiten und Widersprüche bleiben, ja, womöglich sogar erst
durch den Umstand der Zergliederung in Daten entstehen." S. 364

Man trifft ja tagtäglich unzählige Entscheidungen, die meist nur kleine Auswirkungen haben, manche aber dann plötzlich ungeahnte Dimensionen annehmen. Auch ein Punkt der hier sehr klar hinterfragt wird und die beiden Charaktere, wie auch die Nebenfiguren, sind sehr klar strukturiert aber auch in ihren Feinheiten sehr gut gezeichnet. Ängste, Hoffnungen, Ohnmacht und Tatendrang, das alles im Wechselspiel der Gefühle macht sehr deutlich, wie schwierig es oft ist, sich für "das Richtige" zu entscheiden.

"Wenn es um wichtige Dinge geht, wählt man nicht <frei>, sondern man wählt die Option,
die man für die bessere hält - und das Problem ist, dass man das meistens nicht weiß." S. 552

Insgesamt war es immer flüssig zu lesen und es wechselte zwischen den Perspektiven von Helene und Eugen, so dass man beide Werdegänge und die Zusammenhänge sehr gut verfolgen konnte. Es entstand eine große Intensität zur Handlung und eine ununterbrochene Spannung ohne große Dramatik, aber mit einer fesselnden Anspannung, die mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autor

Andreas Eschbach

Andreas Eschbach - Autor
© Olivier Favre

Andreas Eschbach, geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma. Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung "für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs" schrieb er seinen ersten Roman "Die Haarteppichknüpfer", der 1995 erschien und für den er 1996 den …

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