Arnaldur Indriðason - Autor
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Autor

Arnaldur Indriðason

Arnaldur Indriðason, 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und war Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunbladid.

Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavik und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Arnaldur Indriðasons Vater war ebenfalls Schriftsteller.

1995 begann er mit Erlendurs erstem Fall, weil er herausfinden wollte, ob er überhaupt ein Buch schreiben könnte. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten. Seine Kriminalromane "Nordermoor" und "Todeshauch" wurden mit dem "Nordic Crime Novel’s Award" ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt der meistverkaufte isländische Autor für "Todeshauch" 2005 den begehrten "Golden Dagger Award" sowie für "Engelsstimme" den "Martin-Beck-Award", für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden.

Arnaldur Indriðason ist heute der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane werden in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt. Mit ihm hat Island somit einen prominenten Platz auf der europäischen Krimilandkarte eingenommen.

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Interview

„Das Buch ist sicherlich international, aber auch sehr isländisch, und ich denke, das ist eine seiner Stärken“ | 23.04.2024

Lieber Herr Indriðason, „Der König und der Uhrmacher“ ist Ihr erster historischer Roman. Was hat Sie dazu inspiriert?Die Inspiration für „Der König und der Uhrmacher“ war ein Bericht, den ich über die Ereignisse im 18. Jahrhundert in Breiðafjörður, im äußersten Westen Islands, gelesen habe. Ich erka...

Lieber Herr Indriðason, „Der König und der Uhrmacher“ ist Ihr erster historischer Roman. Was hat Sie dazu inspiriert?
Die Inspiration für „Der König und der Uhrmacher“ war ein Bericht, den ich über die Ereignisse im 18. Jahrhundert in Breiðafjörður, im äußersten Westen Islands, gelesen habe. Ich erkannte eine der Personen in der Geschichte sofort wieder: den Uhrmacher Jón Sívertsen, dessen Vater durch königlichen Erlass wegen außerehelicher Beziehungen hingerichtet wurde. Ich hatte Jón in einem Buch über Kopenhagen gefunden. In der Stadt soll er die berühmte astronomische Uhr von Isaac Habrecht repariert haben – eine Aufgabe, an der die führenden Uhrmacher der Welt gescheitert waren. Ich hatte sofort die Idee, die beiden zusammenzubringen: Christian VII., den Sohn des Königs, der das Urteil in der Gerichtsverhandlung verkündete, und den Uhrmacher, den Sohn des Hingerichteten, vor der Habrecht-Uhr im königlichen Palast in Dänemark. Und Jón sollte dem König über die Ereignisse in Island Bericht erstatten. Die Uhr war im Besitz des Königs. Ideal, um den Roman teilweise am königlichen Hof anzusiedeln, wo Jón dem König seine Erzählung vorträgt, und teilweise in Island, wo die Ereignisse stattgefunden haben.
Der Roman spielt in Island und in Dänemark. Die Figuren kommen aus verschiedenen sozialen Schichten, haben aber unterschiedliche Gemeinsamkeiten. Glauben Sie, dass der dänische König und der isländische Uhrmacher sich je in Kopenhagen begegnet sind?
Ich glaube nicht. Gerade deshalb war diese Inszenierung sehr interessant für mich. Ich konnte nicht widerstehen, diese Männer zusammenzubringen, die beide eine schwierige Familiengeschichte und fortschrittliche Denker als Freunde hatten. Vor der Uhr im Schloss Christiansborg wollte ich ihnen die Möglichkeit geben, einander besser zu verstehen. Ihre Beziehung ist sehr speziell, und Jóns Position als Erzähler ist natürlich problematisch. So geht die Geschichte zum Teil um das Erzählen von Geschichten, das Erzählen von Ereignissen, und sie handelt von Wahrheit und Lüge, den Streitpunkten der gesamten menschlichen Geschichte. Soll Jón vor dem Monarchen die ganze Wahrheit sagen? Wie zügelt er sich selbst? Hat er den Mut, nichts auszulassen? Wie verhindert er, die Monarchie zu beleidigen und sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen? Als Jón Habrechts Uhr zusammensetzt, muss er auch entscheiden, wie er seine Geschichte für den König zusammensetzt.
In Ihren früheren Büchern stützen Sie sich in gewissem Maße auf historisches Material. Haben Sie viel recherchiert, um dieses Buch zu schreiben?
Das musste ich, und es hat mir Spaß gemacht. Ich habe schon oft viel Recherche in meine Bücher gesteckt, aber ich bin noch nie so weit in die Vergangenheit gegangen oder habe mich so tief in historische Quellen vertieft. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto schwieriger ist es, Quellen zu finden, und in diesem speziellen Fall gibt es nicht viele.
Einige habe ich online gefunden, andere in Büchern, die ich in Bibliotheken ausgegraben habe. So habe ich versucht, ein realistisches und überzeugendes Bild von Island im 18. Jahrhundert zu zeichnen. Für mich als Schriftsteller war es sehr interessant, weit in die Vergangenheit zu reisen und mehr über die Menschen zu erfahren, die in der Geschichte eine Rolle spielen, ob sie nun König Christian oder dem Uhrmacher Jón nahestanden. Spannend war es auch, mehr über das Leben auf dem Lande in Island zu jener Zeit herauszufinden. Das Buch ist sicherlich international, aber auch sehr isländisch, und ich denke, das ist eine seiner Stärken.
Es ist eine alte und zugleich neue Geschichte, dass Grausamkeit und Zerbrechlichkeit zum menschlichen Wesen gehören. Zum Beispiel ist es fast unerträglich, die Grausamkeiten zu lesen, die Guðrún in der Stunde ihres Todes erleiden muss. Zugleich ist ihre Würde in diesem entscheidenden Moment so bewundernswert.
Guðrún fand natürlich Kraft in ihrem Glauben. Aber die Behandlung der sogenannten „gefallenen Frauen“, die außereheliche Kinder bekamen, war von der Grausamkeit geprägt, die in allen Zeiten auftaucht und immer unerträglich ist. Die Isländer lebten unter einem äußerst strengen, umfassenden Gesetzeswerk, das sich mit den Beziehungen zwischen den Geschlechtern befasste und sehr unbarmherzig in seinen Strafen war. Guðrún war eine von vielen Frauen, die unter diesem Gesetz zu leiden hatten. Auch Sigurður, der Vater des Uhrmachers Jón, bekam die volle Wucht dieser Gesetze zu spüren, obwohl er verzweifelt versuchte, einer Bestrafung zu entgehen.
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