Berit Paton Reid - Autor
© Ineke Zondag

Autorin

Berit Paton Reid

Berit Paton Reid, Jahrgang 1964, studierte in Berlin Sportwissenschaften. Sie lebte danach in Hamburg und im Taunus, bevor sie im Jahr 2000 Deutschland verließ. Ihre Stationen führten sie über Genf nach Dubai und Hongkong. Seit 2003 leitete sie in Dubai erfolgreich eine eigene Immobilienfirma, bis sie 2011 entschied, sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen und damit ihre langjährige Leidenschaft zum Beruf zu machen. Berit Paton Reid hat einen erwachsenen Sohn und lebt mit ihrer Familie in Dubai. Im Schatten der Lombardis ist ihr erster Roman.

 

Interview

"Mein Buch ist eine Mischung aus Wirtschaftsthriller, Familiensaga und Liebesroman in der illustren Welt des Banking." | 05.11.2015

Die Themen Ihres Debütromans, Finanzen, Macht und Vergangenheit, sind sehr spannend. Was hat Sie zu einem Finanzthriller inspiriert?Zur Erklärung muss ich etwas ausholen. Mein Buch ist eine Mischung aus Wirtschaftsthriller, Familiensaga und Liebesroman in der illustren Welt des Banking.2003 sah ich ...


Die Themen Ihres Debütromans, Finanzen, Macht und Vergangenheit, sind sehr spannend. Was hat Sie zu einem Finanzthriller inspiriert?
Zur Erklärung muss ich etwas ausholen. Mein Buch ist eine Mischung aus Wirtschaftsthriller, Familiensaga und Liebesroman in der illustren Welt des Banking.
2003 sah ich die einmalige Chance, die der neu geöffnete Immobilienmarkt in Dubai bot: Ich fasste den mutigen Entschluss, noch im selben Jahr mit viel Enthusiasmus und wenig Erfahrung mein Immobilienbüro in Dubai zu eröffnen. Es herrschte eine euphorische Atmosphäre in der Stadt, die mich geprägt hat. Unglaublich intensive und erfolgreiche Jahre folgten. Diese Phase endete abrupt und überraschend an einem Wochenende im Sommer 2008. Plötzlich ging kein Geschäft mehr, der Markt stürzte in einer nie gesehenen Geschwindigkeit ein. Die Finanzkrise hatte Dubai erreicht. Wir beobachteten das Geschehen fassungslos, denn die Immobilienkrise zog strudelförmig alle anderen Branchen mit nach unten. Den Diskussionen über die Ursachen und dem Warten auf bessere Zeiten nach zwei Jahren überdrüssig, fragte ich mich eines Abends erschöpft, warum ich nicht endlich meinen Traum verwirkliche und mit dem Schreiben beginne.
Wie entstand die konkrete Idee zu einem solch umfangreichen und vielschichtigem Thema?
Ideen hatte ich ausreichend gesammelt, ich bin von Natur aus neugierig und kann auf ein aufregendes Leben in Metropolen der Welt zurückblicken, hatte dabei interessante Menschen getroffen und delikate Situationen erlebt. Über die Jahre beobachtete ich, dass Gespräche mit Kunden und Freunden, unabhängig von Alter, Religion oder Nationalität, sich am Ende um wiederholende Sujets drehten: Gesundheit, Glück, Liebe und Familie, Geld und Investments sowie moralische Werte in unserer Zeit. Die Idee zum Buch entstand also aus Lebenserfahrung, dem aktuellen Thema Finanzkrise und meiner Kreativität.
Wie realistisch sind die Ereignisse Ihres Thrillers?
Mein Buch ist natürlich Fiktion, aber sehr nah an der Realität. Ich habe vergleichbare Charaktere in meinem Leben getroffen, ähnliches Verhalten erlebt. Die Deals geschehen in manchen Punkten sogar in viel größeren Dimensionen. In Romanen geht es aber zuerst immer um Charaktere, die sich in ihrer Lebenssituation mit einem bestimmten Problem auseinandersetzen und es lösen müssen. Es geht um große Themen, die uns alle emotional bewegen: Liebe, Familie, Vertrauen, Freundschaft und moralische Werte. Am Ende bildet die Finanzgeschichte nur den Hintergrund der Geschehnisse.
Banken, Geld und Korruption sind spannende, aber komplizierte Themen. Haben Sie sich selbst in die Materie eingearbeitet oder sich Insider-Tipps geholt?
Jeder kennt das geflügelte Wort „Geld regiert die Welt“. Geld und Finanzen sind Themen, die Menschen berühren, egal ob man viel oder wenig davon besitzt. In den letzten fünfzehn Jahren lebte ich in Städten, Genf, Hongkong und Dubai, in denen diese Industrie tonangebend ist, habe Banker privat und geschäftlich getroffen. Viele Abende diskutierten wir in der Familie oder mit Freunden über die Verquickung von Geld und Macht sowie den Einfluss auf unser Leben. Gleichzeitig startete ich intensive Nachforschungen und holte mir natürlich auch Insidertipps. Das Dinner in Hongkong, wo zwei Top-Banker – Giuliano aus London und sein Counterpart Steven aus New York – den Kredit über 1 Milliarde Dollar in einem Rollenspiel knallhart, intensiv und real verhandelt haben, werde ich nie vergessen. Und ich greife ja nur wenige Themen auf, die in meine Geschichte passen. Die müssen natürlich korrekt recherchiert sein, mehr braucht ein Roman nicht.
Behandelt das Buch ein Thema, welches Sie auch privat interessiert?
Ich kann nur über Themen oder Menschen schreiben, die mich berühren, interessieren, betreffen, faszinieren oder neugierig machen, also auf verschiedene Weise Eintritt in mein Leben gefunden haben. Wie sonst könnte ich mich freiwillig jahrelang damit beschäftigen?
Welche Figur ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?
Pascal Lombardi. Ich habe an diesem Charakter über drei Jahre intensiv gearbeitet. Er ist der Banker, der das System hinterfragt, Dinge anders machen will und dabei vieles durcheinanderwirbelt ... und ein Mann, der zugegeben unkonventionell, aber ehrlich nach Liebe sucht. Pascal existiert zwar nur in meiner Fantasie, aber auf eine Art haben wir täglich kommuniziert. In intensiven Arbeitsphasen wird es schwer, Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden. Und ich mag die Frauen in meinem Buch. Ich habe viel Zeit in Francesca, Judith und Audrey investiert und es sind moderne, sympathische Frauen-Charaktere mit Ecken und Kanten entstanden, die sich in dieser Welt behaupten und um ihre Träume kämpfen, sei es Unabhängigkeit, Familie, Liebe oder guten Sex. Hier war sicher mein weiblicher Freundeskreis in Dubai inspirierend.
Wie lange haben Sie insgesamt an dem Buch gearbeitet?
Von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung sind fünf Jahre vergangen, davon habe ich drei Jahre intensiv an dem Buch geschrieben.
Werden Sie weiterhin Thriller schreiben oder hätten Sie auch Ideen für zum Beispiel einen Liebesroman?
Man sollte niemals nie sagen ... Ein Liebesroman ist unwahrscheinlich, aber eine witzige Beziehungsgeschichte mit einem Zwinkern erzählt, durchaus vorstellbar. Die wechselnden Rollen zwischen den Geschlechtern beschäftigen mich. Auf jeden Fall spielt die Liebe in ihren unterschiedlichen Facetten in meinen Büchern immer eine Rolle. Was wäre unser Leben ohne Liebe?
Mein nächstes Buch, erneut ein Thriller, ist bereits zu 2/3 geschrieben. Der Auslöser ist ein Mord an einer bekannten Persönlichkeit, der wirklich geschehen ist ... Das Buch wird wieder eine Mischung zwischen realen Geschehnissen, historischen Fakten und Fiktion und spielt in Monaco.
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