Britta Sabbag - Autor
© Jurate Jablonskyte

Autor

Britta Sabbag

Britta Sabbag, geboren 1978 in Osnabrück, studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Pädagogik in Bonn. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums arbeitete sie sechs Jahre als Personalerin in mehreren großen Firmen. Als die Krise zuschlug, nutzte sie die Chance, um das zu tun, was sie schon immer wollte: schreiben. Heute schreibt und lebt sie immer noch in Bonn.

Interview

Interview | 14.04.2014

Nachdem sich Britta Sabbag mit dem humorvoll-amüsanten Roman »Pinguinwetter« und dessen Nachfolgeband »Pandablues« als Bestseller-Autorin etabliert und in die Herzen der Leserinnen geschrieben hat, erscheint nun ihr neuer Roman »Das Leben ist (k)ein Ponyhof« – eine lustige Hommage an das Leben und d...

Nachdem sich Britta Sabbag mit dem humorvoll-amüsanten Roman »Pinguinwetter« und dessen Nachfolgeband »Pandablues« als Bestseller-Autorin etabliert und in die Herzen der Leserinnen geschrieben hat, erscheint nun ihr neuer Roman »Das Leben ist (k)ein Ponyhof« – eine lustige Hommage an das Leben und den Mut, es völlig auf den Kopf zu stellen. Im Interview erzählt die Autorin u.a., was es mit Walter auf sich hat, wie wichtig ein roter oder besser ein bunter Faden im Leben ist und wie viel ihrer eigenen Persönlichkeit in ihren Figuren steckt.
Wie kann man Ihren neuen Roman gegenüber jemandem, der ihn noch nicht kennt, am Besten zusammenfassen?
Es geht um den berühmten roten Faden im Leben, der uns allen ab und an abhanden kommt, und darum, dass das auch völlig in Ordnung so ist, sogar zum Leben dazugehört. Oft erschrecken wir uns oder haben Angst vor dem Ungewissen, aber manchmal ist es wichtig, Dinge neu zu ordnen. So geht es Antonia, die von heute auf morgen ihr ganzes Leben umwerfen muss, um auf ihren leicht senilen Stiefvater aufzupassen. Durch ihn erkennt sie, dass der Faden im Leben nicht immer geradeaus verlaufen muss und nicht immer rot ist, sondern manchmal auch zackig und bunt.
Welche Aspekte des Buches sind Ihnen wichtig?
Es ist wieder eine romantische Komödie und trotz des wichtigen und ernsten Themas kein Drama. Aber wenn wir ehrlich sind, gehört ja beides zum Leben dazu: Das Lustige und das Dramatische. Ich baue alle meine Komödien aus Tragödien, denn nur mit Humor kann man dem Leben etwas entgegen stellen, wenn es hart wird. Und so möchte ich auch, dass man die Geschichte sieht – weder als nur lockere Komödie noch als nicht allzu ernste Tragödie, sondern als eine Liebeserklärung an das Leben.
Wie ist die Idee zum Buch entstanden?
Diesmal war es die heimliche Hauptfigur, Walter, die eines Tages einfach bildlich auf meinem Sofa saß. Er war einfach „da“, in seinem gestreiften und gebügelten Herrenpyjama, und wartete auf mich und darauf, dass ich seine Geschichte erzähle. So irre sich das anhört, aber es war so.
Walter ist für Antonia im übertragenen Sinne der „Schlüssel zum Glück“. Gibt es jemanden, der Sie bezüglich dieser Figur besonders inspiriert hat? Oder jemanden, der Ihnen gezeigt hat, was wirklich wichtig ist im Leben?
Mich inspirieren immer wieder Menschen und Erlebnisse, jeden Tag. Das Schreiben hat mir noch einmal mehr gezeigt, was für mich im Leben wichtig ist, denn damit setzte ich mich über meine Figuren und Geschichten ja täglich auseinander. Wenn ich eine Figur entscheiden lasse, was für sie wichtig im Leben ist, muss ich mich das ja konsequenterweise auch immer wieder fragen. Das Schreiben bringt einen sehr nah zu sich selbst, es ist wie eine Art Spiegel der Seele.
An einer Stelle im Roman heißt es: „Das Leben ist aus so vielen Fäden gewoben (…). Und nicht zur einer davon ist rot.“ Was kann man, Ihrer Meinung nach, jemandem raten, dem es schwer fällt sich für einen Weg zu entscheiden?
Ich bin kein Freund von allgemeingültigen oder pauschalen Ratschlägen, denn ich erlebe immer wieder, wie unterschiedlich Lebenswege verlaufen und wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen umgehen. Aber meist stimmt es schon, dass fast alles, was wir uns ersehnen, Mut bedarf. Die Stärke, uns, unser Leben oder etwas anderes zu verändern, besitzen wir alle, nur oft fehlt der Mut zum ersten Anstoß, etwas zu bewegen.
In »Das Leben ist (k)ein Ponyhof« wird im letzten Kapitel mit viel Sekt und in netter Runde darauf angestoßen, keinen Plan für das Leben zu haben. Ist Ihnen persönlich diese Einstellung sympathisch oder brauchen Sie klare Strukturen?
Beides. Ich brauche in meiner abgeschlossenen Schreibwelt zum Beispiel Strukturen, ich kann schlecht im Zug oder unterwegs schreiben. In meinem Leben ganz allgemein bin ich vor 5 Jahren aus den festen Strukturen ausgebrochen und vom Angestelltendasein in die Freiberuflichkeit gewechselt. Das bedeutet nicht nur mehr Freiheit, sondern auch mehr Ungewissheit. Ich kann zum Beispiel nicht sagen, was ich in 5 Jahren mache. Und das ist auch gut so ;-)
Wie würden Sie sich selbst mit wenigen Worten beschreiben?
Verwirrt.
Hand aufs Herz: Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und einer der Figuren in Ihrem Roman?
Es gibt immer Charakterzüge, Gedanken, Wünsche und Macken, die ich von mir auf meine Figuren übertrage, aber keine davon ist „ich“. Ich verteile das gut dosiert auf alle.
Was ist das Besondere an Ihren Büchern?
Sie sind witzig und emotional, beides zur selben Zeit. Immer wenn es zu romantisch wird, breche ich Situationen mit Humor auf und andersrum. Das liegt irgendwie in mir, es nicht zu eindimensional zu halten. Ein bekannter Kritiker nannte das mal „charmant“.
Sie sind auf Facebook wahnsinnig gut vernetzt. Gab es die eine oder andere schöne oder witzige Leserstimme zu Ihren Büchern, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?
Das Schönste war wohl, dass eine Leserin die Babyelefantenschlafhose der Protagonistin Charlotte aus Pinguinwetter, meinem ersten Roman, nachgenäht hat. Das war eine echte Ehre und was ganz Besonderes.
Gibt es schon ein neues Romanprojekt an dem Sie arbeiten? Falls ja, dürfen Sie uns schon verraten, wovon es handeln wird?
Ich arbeite zurzeit an meinem zweiten Jugendroman, der Anfang 2015 erscheinen wird, und mir unbezahlbare Freude macht: ich kann wieder 15 sein!

Interview

"Ich schreibe immer die Geschichten, die zu mir kommen, das heißt, ich suche sie nicht." | 06.10.2015

Nach fünf Bucherfolgen innerhalb von drei Jahren ist „Herzfischen“ Ihr erster Roman, den Sie nicht allein, sondern in Zusammenarbeit mit Ihrer Ko-Autorin Maite Kelly geschrieben haben. Wie sind Sie einander begegnet und wie ist die Idee zu dem Roman entstanden?Ich habe ein Filmkonzept für eine Telen...


Nach fünf Bucherfolgen innerhalb von drei Jahren ist „Herzfischen“ Ihr erster Roman, den Sie nicht allein, sondern in Zusammenarbeit mit Ihrer Ko-Autorin Maite Kelly geschrieben haben. Wie sind Sie einander begegnet und wie ist die Idee zu dem Roman entstanden?
Ich habe ein Filmkonzept für eine Telenovela für RTL geschrieben. Der damalige Produzent fragte mich, welche Schauspielerin für die Hauptrolle in Frage käme, und ich antwortete ihm, dass ich mir Maite gut vorstellen könnte. Der Produzent fragte Maite für ein Treffen an, und so lernten wir uns kennen. Das war 2011 und noch vor Maites Let´s dance Gewinn. Ab der ersten Sekunde bestand eine gute Chemie zwischen uns, so dass mich der Produzent später fragte, ob wir uns nicht doch schon kannten. Einige Zeit später rief sie mich an und sagte: „Ich habe eine Buchidee.“ Und ich antwortete: „Ich auch.“ Und so hatten wir gleich zwei Projekte.
Wenn man mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit so erfolgreich ist, wie das bei Ihnen der Fall ist, und daran gewöhnt ist, alles allein zu entscheiden und entsprechend umzusetzen: Was war bei der Zusammenarbeit für Sie persönlich die größte Herausforderung?
Es ist natürlich eine riesige Umstellung, nicht einfach immer das schreiben zu können, was man gerade will, sondern sich immer abzustimmen. Noch dazu in Zeitfenstern, die begrenzt sind. Oft liefen Maites Kinder um uns herum, es war nicht mehr so still, wie wenn ich alleine in meinem Schreibzimmer sitze und nur das Tippen der Laptop-Tasten höre. Das war eine große Herausforderung für mich, aber auch für Maite, die im Grunde ja auch seit vielen Jahren eigene Projekte hat.
Wie darf man sich die Zusammenarbeit denn vorstellen? Haben Sie beispielsweise bei der Dialog-Entwicklung verschiedene Rollen übernommen, i.e., Sie waren Simon und Maite Kelly war Josefine oder umgekehrt?
Wir haben vorab über ein Jahr über die Figuren und den Plot gesprochen, so dass wir beide die Figuren gleich gut kannten und uns in sie hineinversetzen konnten. Was grundsätzlich neu war, war, dass ich zum ersten Mal auch aus der Sicht eines Mannes geschrieben habe. Das hat mich persönlich sehr bereichert, eben alles mit anderen Augen, denen eines Mannes eben, zu betrachten. Viele Dinge waren auf einmal sehr klar und nachvollziehbar für mich. Ich glaube, in der Zeit hatte ich keinen einzigen Streit mit meinen Partner über die Mülltrennung.
„Herzfischen“ ist eine romantische Komödie mit Krimi-Touch. Sprich: Was Ihre Protagonistin Josefine am Anfang der Geschichte treibt, ist kriminell und auch moralisch fragwürdig. Trotzdem – vielleicht aber auch gerade deshalb - ist sie eine äußerst liebenswerte Figur. Wie schwierig war es, das so hinzubekommen, und wo lagen die größten Probleme?
Menschen haben Schwächen, sie machen Fehler, niemand ist davon ausgenommen. Josefine ist keine eindimensionale Figur, die immer nur witzig oder komisch ist. Ich denke, es ist gerade diese Vielschichtigkeit, die die Hauptfigur zum wahren Leben erweckt, und man fühlt mit ihr, leidet mit ihr, liebt mit ihr.
Ihr männlicher Protagonist Simon ist nicht minder komplex angelegt. Er erklärt zwar jeder Frau von vornherein, dass er aus Überzeugung Single ist und das auch bleiben will, aber alle wollen sie ihn ändern. Das ist ja auch im wirklichen Leben so. Je unerreichbarer der Mann, desto begehrenswerter wird er für viele Frauen. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Es gibt ja einen wahren Trend zu „Bad Boys“ – viele Frauen wünschen sich – zumindest im Traum – oft so jemanden. Aber Simon ist eigentlich gar kein echter Bad Boy, sondern ein ganz liebeswerter Kerl. Das weiß er nur noch nicht. Dank Josefine findet er es heraus.
Josefine sucht und findet Ablenkung auf der Internet-Dating-Site edelpartner.de Haben Sie sich zwecks Recherche in Internet Chatrooms umgetan, und wenn ja, was hat Sie dabei am meisten verblüfft und am meisten erschreckt?
Was mich am meisten erschreckt, ist, dass die Menschen im Internet oft so unehrlich sind, und eine Vision von ihrem Selbst dort erschaffen, die im realen Leben nicht existiert. Das „Online-Selbst“ ist immer schöner, witziger, redegewandter und toller. Diese Version hält dem Alltag aber nicht dauerhaft stand, und so scheitern viele am Online-Dating. Diese Schere ist meiner Meinung nach noch zu groß, und sollte geschlossen werden.
Gegen Ende des Buches wird „Herzfischen“ derart rasant, dass es an einen Actionthriller erinnert. Haben Sie da ganz neue Talente in sich entdeckt, und würde es Sie reizen, sich auch mal an einem völlig anderen Genre zu versuchen?
Ich schreibe immer die Geschichten, die zu mir kommen, das heißt, ich suche sie nicht. Ich zwänge mich nicht in Genre und bin deswegen ganz frei und offen, so dass es zum Beispiel ganz einfach war, mich im Kinder- und Jugendbuch Bereich zu probieren, dem ich auch weiterhin treu bleiben werde. Ich schließe deswegen nichts aus – wobei einen blutrünstigen Thriller kann ich mir bei aller Fantasie für mich nicht vorstellen.
Sie haben einmal in einem Interview behauptet, Sie seien dermaßen tollpatschig, dass Sie froh wären, ohne größere Katastrophen einen Tag zu überstehen. Woran liegt das? Sind Sie immer nur körperlich anwesend und in Gedanken beim Schreiben?
Als Schriftsteller lebt man immer in zwei Welten – der echten und der im Roman. Doch oft tauschen sich diese Welten aus, und man empfindet – gerade in der Kernschreibphase in der man nichts anderes macht außer zu schreiben – die erfundene Welt als die echte. Gerade bei den Chats mit Simon in „Herzfischen“ habe ich mich dabei erwischt, dass ich abends, wenn mein Partner nach Hause kam, ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber hatte, weil ich tagsüber mit Simon fremdgeflirtet habe. Ich musste mich regelrecht daran erinnern, dass Simon aber ja eine erfundene Figur war, und darüber kam ich ins Schmunzeln. Daran sieht man, wie real diese Welten sind.
Es gibt einen wunderschönen Satz, der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman zieht: „Vielleicht muss man das loslassen, was man war, um das zu werden, was man ist.“ Sie haben vor sieben Jahren eine solide Existenz aufgegeben, um sich mit dem Schreiben einen Traum zu erfüllen, und die Rechnung ist mehr als aufgegangen. Was würden Sie Menschen raten, die heute noch zögern, einen Sprung ins kalte Wasser zu wagen?
Es ist immer schwer, pauschale Ratschläge zu geben, denn für jeden ist ein anderer Weg richtig. Für mich war es perfekt und auch mehr als überfällig, meiner Berufung zu folgen. Ich denke aber, was immer zutrifft, ist, seine Entscheidungen nie aus Angst oder Bequemlichkeit zu treffen. Ein Sprung ins kalte Wasser und ein Neustart wie ich ihn hatte fordert aber eben auch einen hohen Preis, viel Disziplin und Entschlossenheit. Deswegen kann es für andere auch richtig sein, Veränderungen in kleinen Schritten zu wagen. Trau dich immer, Neues zu wagen – egal in welcher Form – das würde ich raten.
Sie sind eine fleißige Autorin, nicht nur von Erwachsenenliteratur, auch von Kinder- und Jugendbüchern. Auf was dürfen Ihre Fans sich als Nächstes freuen?

Es wird im Frühjahr eine Fortsetzung unseres Kinderbuchs geben und 2016 ebenfalls einen neuen Roman von mir. Dazu sind mehrere Projekte in Planung, die sehr vielversprechend sind und mit denen ich mich auf neues Terrain wage – ich freue mich schon wie verrückt darauf, sie mit meinen Lesern zu teilen!

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