Charlotte Lucas - Autor
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Autor

Charlotte Lucas

Charlotte Lucas ist das Pseudonym von Wiebke Lorenz. Geboren und aufgewachsen in Düsseldorf, studierte sie in Trier Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft und lebt heute in Hamburg. Gemeinsam mit ihrer Schwester schreibt sie unter dem Pseudonym Anne Hertz Bestseller mit Millionenauflage. Auch ihre Psychothriller „Allerliebste Schwester“, „Alles muss versteckt sein“ und „Bald ruhest du auch“ sind bei Kritik und Publikum höchst erfolgreich. Mit „Dein perfektes Jahr“ begibt sie sich auf die Suche nach den Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Lebens.

Interview

Im Interview: Charlotte Lucas über ihren Roman "Wir sehen uns beim Happy End" | 09.11.2017

Sie wagen sich mit dem Pseudonym Charlotte Lucas bereits zum zweiten Mal in das Genre „Happy Tears“ vor, was man vielleicht am ehesten als „humorvolle Frauenunterhaltung mit Tiefgang“ übersetzen kann. Worin liegt dabei für Sie der besondere Reiz?Ich langweile mich schnell und möchte ständig etwas Ne...

Sie wagen sich mit dem Pseudonym Charlotte Lucas bereits zum zweiten Mal in das Genre „Happy Tears“ vor, was man vielleicht am ehesten als „humorvolle Frauenunterhaltung mit Tiefgang“ übersetzen kann. Worin liegt dabei für Sie der besondere Reiz?
Ich langweile mich schnell und möchte ständig etwas Neues ausprobieren. Schließlich esse ich auch nicht jeden Tag Pizza. Als Journalistin und ausgebildete Drehbuchautorin habe ich gelernt, unterschiedlichste Formate zu bedienen, habe für Frauenzeitschriften, Tageszeitungen, Online-Redaktionen sowie fürs Fernsehen Spielfilme, Serien und Comedy geschrieben. Da ist es nur konsequent, wenn ich mich auch als Schriftstellerin „austobe“. Einzige Ausnahme: Einen historischen Roman, den werden Sie von mir nie lesen. Das Genre „Happy Tears“, wie Sie es nennen, reizt mich vor allem, weil es eben keine reine Komödie ist. Da spielt Humor zwar durchaus eine große Rolle, aber auch die ernsteren, leiseren Töne – und diese Mischung macht das Schreiben spannend, es ist eine Herausforderung.
Wovon handelt Ihr neuer Roman „Wir sehen uns beim Happy End“?
Emilia Faust, genannt Ella, hat eine „Macke“: Sie kann es nicht ertragen, wenn eine Geschichte – ob Roman, Erzählung oder Film – schlecht ausgeht. Dann muss sie selbst ein Happy End schreiben, das sie in ihren Blog „Better Endings“ einstellt. Ihr Motto: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“. Bei Ella flittern „Romeo und Julia“ in Venedig, die „Titanic“ legt sicher im New Yorker Hafen an ... Eines Tages trifft Ella auf einen Mann, dessen Leben ein einziges Trümmerfeld ist. Sie beschließt, ihm ein Happy End zu verpassen – ob er will oder nicht.
Wie kamen Sie darauf?
Durch die Serie „Dexter“, die ich echt geliebt habe. Aber der letzte Teil der finalen Staffel war eine Frechheit! Über dieses Ende habe ich mich tierisch geärgert, ich konnte danach kaum schlafen. Und schließlich habe ich mir überlegt: Was soll das? Ich bin Autorin, ich schreibe mir mein Ende selbst! Das habe ich dann zwar nicht gemacht, aber so entstand die schöne Idee zu „Wir sehen uns beim Happy End“.
Ella ist überzeugt davon, dass das Leben aller Menschen viel schöner wäre, wenn es mehr Happy Ends im Universum gäbe und jeder Mensch dementsprechend ‚positiv‘ handelt. Ist das eine Einstellung, nach der wir alle unser Leben ausrichten sollten?
Teilweise schon. Je älter ich werde, desto mehr glaube ich daran, dass ein Mensch, der mit positivem Blick durchs Leben geht, auch mehr positive Erfahrungen macht.
Welchen Büchern und Filmen hat Ella in den vergangenen vier Jahren, seitdem ihr Blog existiert, bereits ein anderes Ende verpasst?
„Romeo und Julia“ und „Titanic“ erwähnte ich ja schon. Dann zum Beispiel noch „Unterwegs nach Cold Mountain“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und „Ein ganzes halbes Jahr“.
Ihre Vorliebe für Happy Ends hat sie von ihrer schon früh verstorbenen Mutter übernommen. Wie war die Beziehung der Beiden zueinander?
Sehr innig und nah. Fast ein wenig symbiotisch, denn ihren Vater hat Ella nie kennen gelernt. Allerdings war die Mutter-Tochter-Konstellation auch nicht ganz unproblematisch – warum, kann ich leider nicht verraten ...
In Ihrem Roman geht es zentral auch um das Thema Identität. Oscar de Witt, einer der Hauptcharaktere, verliert in Folge eines Unfalls sein Gedächtnis. Unser Gedächtnis ist auch eng an unsere persönliche Identität geknüpft. Wie geht er mit dieser Situation um?
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es ja so schön bei Hermann Hesse. Und so erschreckend die Erfahrung eines kompletten Gedächtnisverlustes auch sein muss, ist die Vorstellung, sich noch einmal ganz neu erfahren oder sogar „erfinden“ zu können, auch ungemein reizvoll. Keine belastenden Gedanken aus der Vergangenheit, kein Päckchen, das man mit sich herumschleppt. Oscar de Witt erhält – zunächst oberflächlich – die Chance, noch einmal ganz von vorn anzufangen.
Was hat Sie an dem Thema Gedächtnis- und Identitätsverlust besonders gereizt?
Mich hat die Frage gereizt, wer wir ohne Vergangenheit eigentlich sind. Immer noch derselbe Mensch? Oder jemand vollkommen anderes? Wie sehr prägt uns das Bild, das wir durch unsere Erfahrungen und unser Umfeld von uns haben? Wenn das auf einmal nicht mehr da ist, verändern wir uns dann und kehren zu unserem „Ursprungswesen“ zurück?
Ella ist nicht nur süchtig nach Happy Ends, sie ist auch sehr abergläubisch. Sie will Oscar zu einem Happy End verhelfen, damit sie selbst vom Schicksal mit einem Happy End beschenkt wird. Somit gibt sie die Verantwortung für eigenes Glück ans Universum ab. Durch die Bekanntschaft mit Oscar sieht sie sich plötzlich mit dem Leben eines fremden Menschen konfrontiert über dessen Schicksal sie bestimmt. Wie verändert das ihre Sicht auf die Dinge?
Das ist schwer zu erklären. Ella leidet an so genanntem „Magischen Denken“. Darunter versteht man den kindlichen Aberglauben, den Lauf der Dinge durch seine Gedanken oder bestimmte Ritualhandlungen (z. B. auf dem Gehweg nicht auf die Fugen zwischen zwei Steinplatten treten) beeinflussen zu können. Das ist natürlich Unsinn und die Frage ist, ob die Erfahrungen, die sie mit Oscar macht, sie von diesem „Irrglauben“ heilen. Wer das herausfinden will, liest einfach den Roman!
In „Wir sehen uns beim Happy End“ treffen wir zwei alte Bekannte Jonathan Grief und Hannah Marx aus „Dein perfektes Jahr“ wieder. Werden wir auch Ella und Oscar in einem Ihrer nächsten Romane wieder begegnen?
Das weiß ich noch nicht. Lassen wir das Schicksal entscheiden!
Ella ist ein großer Fan von Kalendersprüchen, die sie auf ihrem Blog mit ihren Followern teilt. Ihr Lieblingsspruch ist: Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Haben Sie einen Lieblingsspruch, der Sie durchs Leben begleitet?
Ich hatte viele Jahre lang einen: „If I got rid of my demons, I’d lose my angels“ von Tennessee Williams. Mittlerweile stimmt der für mich überhaupt nicht mehr, heute halte ich das eher für pubertär. So nach dem Motto „The poet needs the pain“. Quatsch! Ich brauche weder „demons“ noch „pain“, ich will ein glückliches und erfülltes Leben führen, vor allem für meine kleine Tochter. Solche Bukowski-Gedanken sind doch eher was für jüngere Leute.
Haben Sie einen Lieblingsplatz zum Schreiben? Was lieben Sie an ihm besonders?
Da bin ich ganz „old school“: Ich sitze zu Hause in meinem Büro am Schreibtisch. Und mein Lieblingsplatz ist das Sofa im Wohnzimmer während der Arbeitspausen.
An welchen neuen Projekten arbeiten Sie als nächstes?
Gerade fange ich wieder einen neuen Psychothriller an und arbeite bereits an Charlotte Lucas Nummer drei.
Was würden Sie eigentlich tun, wenn Sie keine Schriftstellerin wären?
Dann wäre ich gern Erzieherin und hätte so einen Kinderladen wie Hannah Marx in „Dein perfektes Jahr“. Ernsthaft.

Interview

Im Interview: Charlotte Lucas über ihren Roman "Dein perfektes Jahr" | 26.08.2016

Sie sind erfolgreiche Journalistin, Kolumnistin, Drehbuch- und vor allem Bestseller-Autorin in den unterschiedlichen Genres. Als Anne Hertz schreiben Sie zusammen mit Ihrer Schwester höchst erfolgreich romantische Komödien, als Wiebke Lorenz hochgelobte Psychothriller. Nun wagen Sie sich mit einem n...

Sie sind erfolgreiche Journalistin, Kolumnistin, Drehbuch- und vor allem Bestseller-Autorin in den unterschiedlichen Genres. Als Anne Hertz schreiben Sie zusammen mit Ihrer Schwester höchst erfolgreich romantische Komödien, als Wiebke Lorenz hochgelobte Psychothriller. Nun wagen Sie sich mit einem neuen Pseudonym in das Genre „Happy Tears“ vor, was man vielleicht als „humorvolle Frauenunterhaltung mit Tiefgang“ übersetzen kann. Worin liegt da für Sie der besondere Reiz?
Da ich mich relativ schnell langweile, muss in meinem Leben immer etwas los sein – und bei der Arbeit auch. Die Tatsache, dass ich durch die verschiedenen Textformen und Genres springe, hat schlicht damit zu tun, dass ich die Abwechslung liebe. Man kann es vielleicht damit vergleichen, dass wir ja auch nicht jeden Tag Lust auf Spaghetti Bolognese haben – manchmal dürfen es auch Fischstäbchen mit Kartoffelpüree oder ein Spargelrisotto sein. So ungefähr geht es mir mit dem Schreiben: Nach der Vollendung eines Psychothrillers (im übertragenen Sinne ein blutiges Steak ;-)) ist mir dann meist nach einem schönen Frauenbuch (ein Stück süße Sachertorte). Ist das Bild schief? Egal, für mich stimmt’s!
In „Dein perfektes Jahr“ ist der 42jährige Jonathan auch nach fünf Jahren noch nicht darüber hinweg, dass seine Ex-Gattin Tina ihn zugunsten seines besten Freundes verlassen hat. Am Neujahrsmorgen findet er an seinem Fahrrad eine schwarze Nylontasche, in der ein Filofax steckt. Was hat es mit dem Filofax auf sich und wie verändert dieses das Leben von Jonathan?
Das Filofax, das Jonathan findet, bezieht sich auf das kommende Jahr – und irgendjemand hat darin schon vom 1. Januar bis zum 31. Dezember für jeden Tag handschriftliche Einträge vorgenommen. Von schönen Unternehmungen wie ans Meer zu fahren über Sinnsprüche bis hin zu konkreten Aufgaben wie z. B. der, an jedem Tag drei Dinge zu notieren, für die man dankbar ist. Jonathan ist nahezu besessen von der Idee, den Besitzer – und damit Verfasser – des Kalenders ausfindig zu machen. Und deshalb fängt er an, nach den Terminen des Kalenders zu leben, denn er geht davon aus, dass der Besitzer ihm dann über kurz oder lang über den Weg laufen wird. Das passiert allerdings nicht – stattdessen steht Jonathans bisher so geordnetes Leben auf einmal Kopf.
Die Handschrift in dem geheimnisvollen Filofax erinnert Jonathan an die seiner Mutter Sofia. Was ist das Besondere an dieser Mutter-Sohn-Beziehung? Und wie beeinflusst diese Beziehung seinen Umgang mit anderen Menschen? Was gibt ihm den Anstoß sein Leben radikal zu ändern?
Jonathans Mutter zog als junge Frau für dessen Vater Wolfgang von ihrer Heimat in der sonnigen Toskana hoch ins kalte Hamburg. Richtig wohl gefühlt hat sie sich im Norden nie, die Liebe zu ihrem Sohn schien das Einzige zu sein, was sie glücklich machte. Doch als Jonathan gerade mal neun Jahr alt war, hat sie die Familie verlassen, um zurück nach Italien zu gehen. Diese Trennung hat er nie richtig verwunden – vor allem hat er sie nie verstanden: Was bringt eine Mutter dazu – Heimweh hin, Heimweh her – ihr einziges Kind zurückzulassen? Und später auch noch komplett den Kontakt abzubrechen? Ohne, dass es Jonathan bewusst wäre, leidet er seit dieser Erfahrung unter schrecklichen Verlust- und Bindungsängsten. Was ihm letztlich den Anstoß dazu gibt, sein Leben umzukrempeln – das muss sich schon jeder selbst „erlesen“.
Mit Ihrem männlichen Protagonisten ist Ihnen eine Figur gelungen, die das Zeug zu einem Serienhelden hat. Jonathan N. Grief ist ein von Zynismus zerfressener Erbsenzähler, der einem trotzdem – vielleicht aber auch gerade deshalb – von Anfang an sympathisch ist. Wie kommt man als Autor auf so einen Menschen, oder gibt es eine reale Vorlage für die Figur?
Sind wir nicht alle tief in unserem Innern dann und wann pedantische Erbsenzähler? Wenn wir uns zum Beispiel darüber aufregen, wie der „Depp“ vor uns Auto fährt? Oder wenn wir mitten auf dem Bürgersteig über einen Hundehaufen stolpern? Wenn wir sehen, wie jemand Glasflaschen einfach in der Restmülltonne entsorgt oder ein Jugendlicher auf dem Behindertenplatz im Bus rumlungert – da kommt in vielen von uns der kleine, engstirnige Blockwart durch. Und eben, weil in jedem von uns ein bisschen Jonathan N. Grief steckt, mag man ihn. Hoffe ich jedenfalls. Damit habe ich bereits die Antwort nach der „realen Vorlage“ gegeben: Er lauert in jedem von uns! Auch in mir. Wenn jemand mit seinem Wagen zwei ganze Parkplätze blockiert, muss ich immer an mich halten, ihm nicht einen Beschwerdezettel unter den Scheibenwischer zu stecken ... Vielleicht ist das ja typisch deutsch. Manchmal befürchte ich das sogar. Zum Glück kann ich mich damit trösten, dass es auch im europäischen Ausland jede Menge Blockwarte zu geben scheint: Die erste Übersetzungslizenz ging nach Italien, sechs weitere Länder folgten bisher.
Hannah ist seit drei Jahren mit dem festangestellten Journalisten Simon Klamm liiert, der ihren Entschluss, sich mit einer eigenen Freizeit-Agentur für Kids selbstständig zu machen, für eine Kamikazeaktion hält. Welche zwei Lebensweisen prallen bei den beiden eigentlich aufeinander? Und welche Haltung haben Sie dem Leben gegenüber?
Na ja, ich würde sagen: unerschütterliche Optimistin und verzagter Schwarzseher. Ich selbst pendele meist zwischen diesen beiden Extremen hin und her.
Simon träumt insgeheim davon, sich eine berufliche Auszeit zu nehmen, um seinen großen Roman zu schreiben. Was ja viele Journalisten irgendwann einmal tun wollen. Ihnen ist das schon in jungen Jahren gelungen. Warum, meinen Sie, bleibt es für so viele Ihrer Kollegen ein unerfüllter Traum?
Hmmm, das müssen Sie die Kollegen fragen. Keine Ahnung. Meiner Meinung nach ist Schreiben ein Handwerk, und jeder, der das kann, kann auch ein Buch verfassen. Vielleicht trauen sich viele nicht „ran“, weil sie Angst vor der Textlänge haben, denn ein Buch von mehreren hundert Seiten ist natürlich etwas anderes als ein Artikel. Dabei funktioniert ein Roman genauso wie ein kürzerer Text: Man fängt mit dem ersten Wort an und hört mit dem letzten auf. Dazwischen sitzt man halt nur etwas länger auf seinem Stuhl. Das heißt, ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass ein pointierter Artikel viel schwieriger zu schreiben ist als ein dickes Buch.
Ihr Roman „Dein perfektes Jahr“ weist eine besondere Zeitstruktur auf. Wie sind Sie beim Schreiben der verschiedenen Zeitebenen vorgegangen?
Relativ simpel: Ich habe alle Ereignisse im Roman in den Kalender auf meinem Computer eingetragen, um beim Hin- und Herspringen nicht aus der Kurve zu fliegen.
Haben Sie einen Lieblingsplatz zum Schreiben? Was lieben Sie an ihm besonders?
Da bin ich ganz „Old School“: Ich sitze zu Hause in meinem Büro am Schreibtisch. Und mein Lieblingsplatz ist das Sofa im Wohnzimmer während der Arbeitspausen.
An welchen neuen Projekten arbeiten Sie derzeit?
Momentan lasse ich mir wieder ein blutiges Steak schmecken. Will sagen: Ich schreibe an einem Psychothriller, der nächstes Jahr im S. Fischer Verlag erscheinen wird. Allerdings freue ich auch schon wieder auf mein nächstes Stück Sachertorte und suche da schon einmal die Zutaten zusammen. Die ersten Planungen und Ideen laufen nämlich bereits.

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Trailer zu "Dein perfektes Jahr"

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