Christian Humberg - Autor
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Autor

Christian Humberg

Christian Humberg verfasst Romane, Comics, Theaterstücke und Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Er schrieb unter anderem bereits für Star Trek und Perry Rhodan Neo, und seine Werke wurden in mehr als ein halbes Dutzend Sprachen übersetzt und vielfach für die Bühne adaptiert. Seine Kolumnen und Artikel erscheinen bundesweit in der Presse.
Christian Humberg ist häufig auf Conventions zu finden. Noch häufiger zu finden ist er vor seinem PC-Monitor, der ihm die Sicht auf den Mainzer Dom versperrt. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse erhielt er 2015 den Deutschen Phantastik-Preis.

Interview

"An der Küste trifft das entspannte Urlaubsfeeling auf die raue und mitunter auch kalte Natur, verbinden sich Genuss und Gefahr." | 09.03.2022

MÖRDERISCHE BRISE ist der erste Fall für Pfarrerin Clara Clüver. Was erwartet die Leser:innen in dem Krimi?Ich hoffe, sie erwarten einige spannende Lesestunden an einem meiner absoluten Lieblingsorte – und mit vielschichtigen Charakteren, die sich echt anfühlen und die mir in den vielen Monaten der...

MÖRDERISCHE BRISE ist der erste Fall für Pfarrerin Clara Clüver. Was erwartet die Leser:innen in dem Krimi?
Ich hoffe, sie erwarten einige spannende Lesestunden an einem meiner absoluten Lieblingsorte – und mit vielschichtigen Charakteren, die sich echt anfühlen und die mir in den vielen Monaten der Arbeit an diesem Projekt schon sehr ans Herz gewachsen sind. Clara Clüver und ihr Weg nach Travemünde beschäftigen mich seit langer Zeit, und ich bin sehr glücklich, sie nun endlich mit dem Rest der Lesewelt teilen zu dürfen. Auf nach Travemünde!
Ihre Protagonistin Clara Clüver, frisch geschiedene Großstadtpfarrerin aus Wiesbaden, wagt in Travemünde den Neuanfang. Was hat Sie ausgerechnet zu dieser Ermittlerfigur inspiriert?
Ein guter Krimi lebt in meinen Augen (nicht nur, aber definitiv auch) von der Ermittlerfigur. Sie ist es, mit der wir uns ins Abenteuer stürzen. Sie – nicht der Täter – ist es, mit der wir Leser unsere Zeit verbringen möchten. Und interessante Figuren bringen meist emotionales Gepäck mit. Clara ist genau das. Sie hat sich endlich von einem belastenden Mann in ihrem Leben befreit, wagt zaghaft den Neustart – und dann verschlägt es sie ausgerechnet nach Travemünde, in die Heimat ihres verstorbenen Vaters und somit des nächsten „belastenden Mannes“ aus ihrer Vergangenheit. Dass dann auch noch ein Mord geschieht, für dessen Aufklärung die junge Pfarrerin erstaunlich geeignet ist, hätte selbst sie so wohl nie erwartet.
Als Kulisse für Ihren Spannungsroman haben Sie verschiedene Schauplätze an der Ostsee gewählt. Was macht die Küste zu einem geeigneten Krimi-Schauplatz?
An der Küste trifft das entspannte Urlaubsfeeling auf die raue und mitunter auch kalte Natur, verbinden sich Genuss und Gefahr. Das ist für mich als Autor natürlich besonders reizvoll, weil es diese Kombination kaum anderswo so gibt. Es ist unsere Aufgabe, sie dann mit interessanten Charakteren und einer spannenden Geschichte zu bespielen. Ich hoffe, genau das ist mir mit MÖRDERISCHE BRISE gelungen.
Ihr Krimi überzeugt durch packende Spannung, jede Menge Lokalkolorit und sympathische Charaktere. Darüber hinaus bekommen wir einen Einblick in die Gastronomieszene der Ostseeküsten-Küche. Wie sah Ihre Recherche zu dem Buch aus?
Ich kenne und liebe die Lübecker Bucht schon sehr lange und habe nicht zuletzt in den jüngeren Jahren viel Zeit dort verbracht. Entsprechend konnte ich auch meine Ortskenntnis und das „originale“ Küstenfeeling in Clara Clüvers ersten fiktiven Fall einfließen lassen. Derartige Details sind mir bei der Arbeit an einem Manuskript sehr wichtig, vor allem bei realen Schauplätzen wie diesem. Jeder Ort bringt nämlich eine ganz eigene Atmosphäre mit sich, die auf die dort spielende Geschichte abfärbt, und die gelungensten Storys wären so an keinem anderen Ort der Welt möglich. Ich hoffe, die Leserinnen und Leser von „Mörderische Brise“ stimmen mir da zu: Travemünde ist im Grunde die zweite Hauptfigur des Romans.
Als Autor sind Sie sehr erfahren, haben Romane, Comics, Sachbücher und sogar schon für Hollywood-Produktionen geschrieben. Warum haben Sie sich jetzt für einen Krimi entschieden?
Ich mag es sehr, zwischen den einzelnen Genres und Publikationsformen zu wechseln. Diese kreative Vielfalt macht den Beruf des Schriftstellers für mich aus, und ich bin der festen Überzeugung, dass sie mir bis heute dabei hilft, interessante und frische Ideen, Charaktere und Konzepte zu erschaffen. Sie hält mich geistig wach, und das überträgt sich hoffentlich auch auf meine Arbeiten. Das Genre des Kriminalromans hat mich dabei bereits lange gereizt, vermutlich schon länger als jedes andere. Ich bin ein großer Freund von Krimis in allen Präsentationsformen und schreibe unter dem Pseudonym Johann Simons auch schon die erfreulich beliebten Cozy-Crime-Abenteuer der Reihe „Herr Heiland ermittelt“ für Lübbe und Lübbe Audio. Es ist schön, dass ich meine mörderischen Leidenschaften nun auch in anderer Färbung und mit Clara Clüver ausleben darf.
Küstenkrimis, ob sie nun an der Nord- oder Ostsee spielen, sind bei den Leser:innen nach wie vor sehr beliebt. Warum ist das so?
Weil sie uns an malerische Orte entführen, die trotz aller Schönheit auch stets eine gewisse Melancholie oder Düsternis transportieren. An der Küste sieht man weit, und wer aufs Meer blickt, blickt stets auch ein Stück weit auf sich selbst zurück. Dann können Wahrheiten zu Tage treten, die einem nicht zwingend gefallen – und die mitunter sogar gefährlich werden. Auch Clara Clüver muss diese schmerzhafte Erfahrung machen, sogar in mehrfacher Hinsicht. Genau darauf fußt ihr erster großer Fall.
Was macht einen guten Krimi grundsätzlich aus?
Die gelungene Mischung aus faszinierenden Figuren und einem spannend geschilderten Rätsel, das zum Mitfiebern einlädt. Krimis spielen mit den Lesern, ohne ihre Geduld zu strapazieren. Sie kitzeln unsere „kleinen grauen Zellen“ und entführen uns zu Figuren, denen wir im Idealfall immer wieder begegnen möchten. Wenn dann auch noch ein toller Schauplatz und ein gewisses Urlaubsfeeling wie beim Küstenkrimi hinzukommen, hat man als Leser doch im Grunde schon gewonnen.
Welche Krimiautor:innen lesen Sie privat gerne?
Hui, wieviel Zeit haben wir? Scherz beiseite: Ich bin ein BEGEISTERTER Leser und habe mich schon in Jugendjahren mit großer Freude durch u.a. viele Klassiker des Genres gearbeitet, denen auch modernere Größen folgten. Dabei bin ich bis heute an kein Subgenre des Krimis gebunden und finde meinen privaten Lesespaß genauso gut bei einem traditionellen Whodunit wie bei einem rasanten Thriller. Von Agatha Christie bis zu Ellery Queen, von Ed McBain bis zu Friedrich Ani, von Ralf Kramp bis Jens Schumacher – meine Hausbibliothek enthält, kurz gesagt, die unterschiedlichsten Schätze, und sie alle sind mir lieb und teuer.
Darüber hinaus lese (und schreibe) ich selbstverständlich auch andere Genres. Die beste Inspiration für einen neuen Roman finde ich regelmäßig in „themenfremder“ Lektüre. Ich glaube, nur der regelmäßige Blick über den Tellerrand weckt das kreative „Was wäre, wenn?“ in uns Autoren so richtig, und genau das benötigen wir, um neue Ideen zu entwickeln.
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