Autorin

Claudia Hagge

Claudia Hagge ist seit 33 Jahren als Journalistin, Autorin und Medienberaterin tätig. Sie hat für alle großen Zeitungsverlage in Deutschland gearbeitet. Sie war Reporterin, Autorin und Ressortleiterin bei BILD. Sie schrieb für das People-Magazin BUNTE. Sie war Chefredakteurin der ersten Zeitschrift für Frauen 50plus, die sie entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht hat. Heute arbeitet sie selbständig als Journalistin und schreibt Bücher. Sie lebt in der Nähe von Hamburg.

Interview

„Es schadet niemandem, sich um andere Gedanken zu machen.“ | 18.12.2019

Worum geht es in Ihrem Buch „Unter uns Pastorentöchtern“? Wie beschreiben Sie das Buch, wenn Sie Bekannten davon erzählen?Es handelt von meiner Kindheit und Jugend als Pastorentochter. Ich erzähle, wie es sich anfühlt, im Haus eines Geistlichen groß zu werden. Wie idyllisch ich aufwuchs, voller Wär...

Worum geht es in Ihrem Buch „Unter uns Pastorentöchtern“? Wie beschreiben Sie das Buch, wenn Sie Bekannten davon erzählen?
Es handelt von meiner Kindheit und Jugend als Pastorentochter. Ich erzähle, wie es sich anfühlt, im Haus eines Geistlichen groß zu werden. Wie idyllisch ich aufwuchs, voller Wärme und Liebe. Und wie wild, verrückt und komisch es auch war. Vollkommen anders also, als man es von Pfarrerskindern vermutet.
Was hat Sie bewegt, über dieses Thema zu schreiben?
Schon als Mädchen habe ich gemerkt, dass viele Leute eine falsche Vorstellung von einem Pastor und seiner Familie haben. Speziell um Pfarrerstöchter ranken sich Mythen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Ich wollte einmal zeigen, dass man als Kind in einem „heiligen“ Haus sehr viel vom realen Leben erfährt, vielmehr als jedes andere sogar. Und damit wollte ich auch dem Vorurteil begegnen, dass ein Pfarrhaus „fern von Gut und Böse“ sei.
Sie schreiben ganz zu Beginn Ihres Buchs, es sei Ihnen als Kind schwergefallen, den Job Ihres Vaters zu begreifen. Wann und wodurch hat sich das geändert?
Das war ein langsamer Prozess. Je älter ich wurde, desto mehr bekam ich mit, wieviel Trost und Hilfe ein Pastor vermitteln kann. Es waren die Momente, in denen es an der Tür klingelte und fremde Menschen leise über ihre Probleme klagten. Als sie mit neuer Zuversicht wieder gingen, begriff ich am eindrucksvollsten seinen Job.
Was macht den Beruf des Pastors so außergewöhnlich?
Er „geht“ nicht zur Arbeit, er ist viel zuhause. Er ist rund um die Uhr ansprechbar, es gibt keine klassischen Arbeitszeiten. Er beschäftigt sich mit den vielfältigsten Schicksalen von Menschen – und muss ihre Erwartungen und Hoffnungen erfüllen, zumindest es versuchen. Er ist grundsätzlich jedem – ohne Vorbehalte – sehr zugewandt. Er hat ein hohes soziales Bewusstsein, das vollkommen unabhängig von jeder parteipolitischen Präferenz ist. Und dieser Beruf mit allen Facetten mischt sich mit seinem persönlichen Leben. Es gibt wenig Abgrenzung zwischen seinem Dienst und dem Privaten.
Sie schreiben über Ihre eigene Kindheit, das Buch ist voll ganz persönlicher Erinnerungen. Was teilen Sie mit allen anderen Pastorenkindern?
Alles das, was den Beruf des Pastors ausmacht. Was ich erlebt habe, hat jedes andere Pastorenkind auch erfahren – natürlich jedes in seinen ganz eigenen besonderen Ausprägungen. So unterschiedlich wie Wohnorte und die jeweilige Gesellschaft dort sind, so divers gestaltet sich natürlich auch der Alltag in einem Pfarrhaus. Und natürlich spielt auch die Persönlichkeit eines Pastors eine Rolle. Aber die besondere Haltung, nämlich offen auf Menschen zugehen zu können, teile ich sicher mit allen anderen Pastorenkindern.
Lassen sich Ihre Erfahrungen überhaupt auf das Leben außerhalb der Pfarrhäuser übertragen?
Die Erfahrungen sind natürlich schon sehr speziell. Aber übertragen ließe sich, wenn man es wollte, dass man anderen Menschen offen begegnet und sich verantwortlich fühlt und nicht nur um sein eigenes Ego kreist. Es schadet niemandem, sich um andere Gedanken zu machen, und zu erkennen, dass man selbst viel Grund hat, dankbar zu sein. Und umgekehrt ist meine Erfahrung in meinem Pastorenelternhaus, dass man auch sehr für sich selbst verantwortlich ist – in jeder Hinsicht. Zur Nächstenliebe gehört nämlich auch die Selbstliebe.
Alle Verlage