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Dean Nicholson

Ende 2018 hatte der Schotte Dean Nicholson die Nase voll von seinem Job, stieg auf sein Fahrrad und radelte nach England, dann weiter nach Holland, Frankreich, die Schweiz und so fort. Irgendwo zwischen Bosnien und Montenegro adoptierte er ein Kätzchen, nannte es Nala, nach der Freundin von Simba aus seinem Lieblingsfilm König der Löwen, und reist seither zu zweit. Wohin die beiden kommen, verbreiten sie Freude und Hoffnung.

Interview

"Ich wusste, dass wir Freunde fürs Leben sein würden." | 24.09.2020

Sie trafen Nala ganz unerwartet irgendwo zwischen Montenegro und Bosnien. Was war der Moment, als Ihnen klar wurde, dass Sie beide Freunde fürs Leben sein würden?Ich war hin- und hergerissen, als ich sie zum ersten Mal am Straßenrand in den Bergen fand. Mein Kopf sagte, es sei verrückt, eine Katze z...

Sie trafen Nala ganz unerwartet irgendwo zwischen Montenegro und Bosnien. Was war der Moment, als Ihnen klar wurde, dass Sie beide Freunde fürs Leben sein würden?
Ich war hin- und hergerissen, als ich sie zum ersten Mal am Straßenrand in den Bergen fand. Mein Kopf sagte, es sei verrückt, eine Katze zu adoptieren und zu versuchen, sie mit um die Welt zu nehmen. Wie würde ich mich um sie kümmern? Es war eine zu große Verantwortung und brachte meine Pläne durcheinander. Aber mein Herz sagte, ich könne sie einfach nicht am Straßenrand zurücklassen. Sie war zu verletzlich. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ihr etwas passiert wäre. Letztendlich gewann mein Herz. Und als wir anfingen, Rad zu fahren und sie auf meine Schulter sprang und da wie meine Co-Pilotin saß - das war es dann wirklich. Ich wusste, dass ich sie behalten würde. Ich wusste, dass wir Freunde fürs Leben sein würden.
Wie hat Nala Ihr Leben verändert?
Sie hat mich beinahe augenblicklich beeinflusst. Bevor ich Nala traf, hatte ich es eilig, so schnell wie möglich nach Griechenland und weiter in den Fernen Osten zu kommen. Als ich Nala traf, merkte ich schnell, dass ich nicht in diesem Tempo vorankommen würde. Sie hat mich gelehrt, langsamer zu werden und die besonderen Momente zu genießen, die wir gemeinsam erleben. Es geht nicht darum, einmal um die Welt zu reisen, sondern darum, wie ich reise, was ich auf meinem Weg erlebe. In gewisser Weise sehe ich die Welt jetzt durch ihre Augen. Es ist die Welt von Nala - und ich lebe einfach darin.
Was ist so besonders an der Verbindung zwischen Ihnen und Nala?
Wir sind uns in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich, Abenteurer auf einer gemeinsamen Reise, im Herzen sehr jung, genießen den Augenblick. Wir sind beide recht mutig, würde ich sagen. Die Verbindung zwischen uns ist etwas Besonderes, weil sie so vertrauensvoll und bedingungslos ist. Es ist nicht wie eine menschliche Freundschaft. Sie ist viel direkter und einfacher als das. Wir wissen einfach, dass wir zusammen sind, und das war's. Ohne mich geht sie nirgendwo hin, sie sieht mich wohl als ihren Beschützer. Wenn ich jetzt Entscheidungen treffe, dann basieren sie darauf, was für sie am besten ist. Sie steht an erster Stelle. Ich weiß, dass ich für sie auch an erster Stelle stehe. Ein paar Mal hat sie mich jetzt schon vor Situationen gewarnt - in der Türkei, als sich ein Bär an unser Zelt heranpirschte, und noch einmal in der Slowakei, als jemand versuchte, mich auszurauben. Beide Male hat Nala Alarm geschlagen. Sie sorgt sich auch um mich, wenn ich krank bin. Es ist, als wüsste sie, dass es mir nicht gut geht.
Warum wollten Sie Ihre Geschichte erzählen, sowohl auf YouTube als auch jetzt in einem Buch?
Die Reaktion auf unser kleines Abenteuer war auf Instagram und YouTube so positiv und stark, dass ich das Gefühl hatte, ein Buch sei der natürliche nächste Schritt. Die Leute stellen so viele Fragen, aber ich hatte auch so viele Geschichten, die ich erzählen wollte, so viele Lebenslektionen, die ich teilen wollte. Ich wollte auch etwas, auf das wir in der Zukunft mit Nala an meiner Seite zurückblicken können, wenn ich es lese und sage: "Ja, das ist wirklich passiert".
Erkennt man Sie, wenn Sie auf Tour sind?
Seit YouTube und Instagram werden wir überall in den Städten erkannt, aber auch auf beliebigen Radwegen mitten im Nirgendwo. Ich glaube, wir fallen ein bisschen auf. Ein großer tätowierter Kerl mit einer süßen kleinen Katze, die vorne auf seinem Fahrrad sitzt. Aber die Leute sind immer so nett zu uns, bringen Nala Leckereien und bieten mir ein oder zwei Bier an. Das war eine der größten Lektionen, die ich auf der Straße gelernt habe. Die Freundlichkeit von Fremden hört nie auf, mich zu erstaunen, und ich bin so froh, die Geschichten dieser wunderbaren Menschen in dem Buch erzählen zu können.
Wie reagieren die Menschen auf Ihren kleinen pelzigen Passagier?
Katzen sind großartige Eisbrecher. Kleine soziale Superhelden. Völlig Fremde kommen herüber und sprechen offen mit uns. Als ob wir uns schon seit Jahren kennen würden. Es ist unglaublich.
Sind Sie schon immer ein Katzenmensch gewesen oder hat alles mit Nala angefangen?
Als Kind war ich eher ein Hundemensch, obwohl ich eine Schwäche für die meisten Tiere hatte. Ich kümmerte mich um alles, von Schweinen und Insekten bis hin zu einer Möwe, die ich einen Sommer lang gesund pflegte. Sie saß immer auf meiner Schulter. Ich war Katzen gegenüber etwas misstrauisch eingestellt. Ich dachte, sie wären unabhängig und ein bisschen hinterhältig, aber Nala war von dem Moment an, als wir uns kennen lernten, anders.
Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?
Wir mussten natürlich meine Route wegen des Coronavirus anpassen, aber wir haben unseren Gesamtplan nicht geändert. Ich möchte weiterhin mit Nala um die Welt reisen. Deshalb bleibe ich bei meinem ursprünglichen Plan, den ich vor dem Lockdown hatte, nämlich nach Russland zu fahren und die etwa sechstausend Meilen durch Sibirien und den Rest des Landes nach Wladiwostok zu radeln, wo wir eine Fähre nach Südkorea oder Japan nehmen können. Ich hatte gehofft, auf dem Weg dorthin in der Mongolei und vielleicht in Kasachstan Halt machen zu können. Von Japan und Korea aus werden wir den Rest Südostasiens erkunden und uns auf den Weg nach Australien machen. Ich hoffe, dass wir das immer noch tun können, aber die Situation ändert sich so schnell wegen des Coronavirus, wer weiß schon, wo ich landen werde? Solange Nala und ich zusammen sind, spielt das eigentlich keine Rolle. An der Wohltätigkeitsfront plane ich die Einführung eines Kalenders für 2021, um mehr Geld für karitative Zwecke zu sammeln. Ich hatte das Glück, mehr als 100.000 Pfund zu sammeln, die ich bisher an Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt verteilt habe. Ich möchte auch weiterhin Gutes tun.
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