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#DerApotheker

#DerApotheker schreibt unter einem Pseudonym, denn er spricht immer Klartext und das mögen nicht alle. Er hat Pharmazie studiert und arbeitet seit etwa zehn Jahren als approbierter Apotheker. Der Autor bloggt unter https://publikum.net/author/derapotheker/. Außerdem verfasst er medizinische Artikel für DocCheck.com und ist als @ApothekerDer auf Twitter aktiv.

Interview

"Man sollte sich auch mal auf ein Beratungsgespräch einlassen, obwohl man meint, sich bereits mit dem Arzneimittel auszukennen." | 26.05.2021

Sie haben auf Twitter begonnen über Ihren Berufsalltag zu berichten. Gab es ein Schlüsselerlebnis oder wie kamen Sie dazu?Ich bekam mit, wie Natalie Grams und Christian Lübbers als Ärzt:innen bei Twitter über die Homöopathie aufklärten. Ich dachte mir, dass ich das vielleicht auch aus der Sicht eine...

Sie haben auf Twitter begonnen über Ihren Berufsalltag zu berichten. Gab es ein Schlüsselerlebnis oder wie kamen Sie dazu?
Ich bekam mit, wie Natalie Grams und Christian Lübbers als Ärzt:innen bei Twitter über die Homöopathie aufklärten. Ich dachte mir, dass ich das vielleicht auch aus der Sicht eines Apothekers machen könnte. Aber natürlich war mein Ziel nicht nur über die Homöopathie und andere Pseudomedizin aufzuklären, sondern auch über richtige Arzneimittel. Außerdem wollte ich den Menschen Einblicke in den Apothekenalltag gewähren, in dem ich mit ihnen Geschichten und Dialoge aus der Apotheke teile.
Sie schreiben unter Pseudonym – weshalb?
Hauptsächliches deshalb, weil ich mein Berufsleben nicht mit meinem Privatleben vermischen möchte.
Sie decken viele Mythen über Medikamente auf. Woran könnte es liegen, dass so viel – teilweise gefährliche – Unwissenheit herrscht?

Ich denke, das größte Problem ist, dass Ärzt:innen und Apotheker:innen häufig keine Zeit haben, alles anzusprechen und die Patient:innen oft meinen, bereits alles ausreichend über ihr Arzneimittel zu wissen.

Mein Lieblingsbeispiel ist hier L-Thyroxin. Sobald ich auch nur eine Beratung dazu anbiete, werde ich unterbrochen und informiert, dass man ausreichend darüber Bescheid weiß. Trotzdem erwähne ich das Wichtigste immer, dass man L-Thyroxin mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einnehmen muss und in der halben Stunde weder essen noch trinken darf. Und schon gar keinen Kaffee mit Milch. Gar nicht mal so selten bekomme ich daraufhin als Antwort zu hören: Das hat mir noch nie jemand gesagt! Meistens wird dann ziemlich schnell danach der berüchtigte Kaffee mit Milch getrunken, was eben dazu führt, dass das L-Thyroxin nicht richtig aufgenommen wird.
Welche drei Fakten zu Medikamenten und was man bei deren Einnahme beachten muss, möchten Sie hervorheben?
  1. Bitte immer darauf achten, ob das Arzneimittel vor oder nach dem Essen genommen werden muss. Das kann große Unterschiede in der Wirkung machen.
  2. Wenn man Tabletten teilen muss/möchte, bitte immer darauf achten, ob die Tabletten auch wirklich teilbar sind. Eine Kerbe auf der Tablette heißt nicht automatisch, dass sie geteilt werden darf.
  3. Viermal täglich heißt alle sechs Stunden, dreimal täglich alle acht Stunden, zweimal täglich alle 12 Stunden und einmal täglich alle 24 Stunden.
Sie beschreiben erzählerisch Ihren Arbeitsalltag von morgens bis abends. Dabei treten viele exemplarische Kund:innen mit vielen verschieden Fragen und Bedürfnisse auf. Sie haben die Situationen schon mehrfach erlebt, aber in welchen Momenten werden Sie noch überrascht?
Ganz ehrlich: Mich überrascht schon lange nichts mehr. ;-)
Was amüsiert Sie bei der Arbeit in der Apotheke?
Ich weiß nicht, ob amüsiert das richtige Wort dafür ist, aber manche Gespräche mit den Kunden sind einfach sehr angenehm.
Und was ärgert Sie?
Unvernunft im Hinblick auf Corona. Wenn die Menschen ihre Masken unter der Nase tragen oder ohne Maske die Apotheke betreten mit dem Argument, sie wollen ja eine kaufen.
Welchen Tipp möchten Sie den Leser:innen mitgeben, den sie beachten sollten, wenn sie das nächste Mal in eine Apotheke gehen?
Einerseits sollte man sich auch mal auf ein Beratungsgespräch einlassen, obwohl man meint, sich bereits mit dem Arzneimittel auszukennen, andererseits muss man in manchen Apotheken aufpassen, dass einem nichts verkauft wird, das keine Wirkung hat, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Was da alles dazugehört, steht im Buch.
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