Hubertus Meyer-Burckhardt - Autor
© Oliver Betke

Autor/Sprecher

Hubertus Meyer-Burckhardt

Hubertus Meyer-Burckhardt, 1956 in Kassel geboren, betrat bereits im Alter von 15 Jahren die Bühne des dortigen Staatstheaters und wusste gleich, dass er einmal "irgendetwas mit Unterhaltung" machen wollte. Was lag da näher, als in München die Hochschule für Fernsehen und Film zu besuchen. Er wurde TV-Produzent. Es folgten viele Filme – und viele Preise, und danach Jahre im Vorstand der Axel Springer AG sowie bei ProSieben Sat1 und später eine Professur an der Hamburg Media School. Er hofft, seinen beiden Kindern bisher ein guter Vater gewesen zu sein und empfiehlt im Übrigen die Liebe nie und nimmer zu suchen, sofern man sie finden möchte. Er wohnt in Hamburg und ist dauernd unterwegs.

Interview

Interview | 24.11.2014

Ihnen ist mit »Die kleine Geschichte einer großen Liebe« eine sehr schöne und zum Nachdenken und Träumen anregende Love Story gelungen. Glauben Sie persönlich, dass man mit über fünfzig noch die Liebe seines Lebens finden kann?Ich bin davon überzeugt, dass man mit über 50 die Liebe seines Lebens fin...

Ihnen ist mit »Die kleine Geschichte einer großen Liebe« eine sehr schöne und zum Nachdenken und Träumen anregende Love Story gelungen. Glauben Sie persönlich, dass man mit über fünfzig noch die Liebe seines Lebens finden kann?
Ich bin davon überzeugt, dass man mit über 50 die Liebe seines Lebens finden kann. Sofern man sie nicht sucht! Ich habe beispielsweise ein fast erotisches Verhältnis zum Alleinsein und war insofern der Liebe nicht bedürftig (als ich sie traf).

Wie ist die Idee zum Buch entstanden? Gab es hierfür vielleicht sogar einen autobiographischen Auslöser?
Ich bin zwischen zwei sehr starken Frauen aufgewachsen, meiner Mutter und meiner Großmutter. Ich hatte früh in meinem Leben das Gefühl, dass Frauen eigentlich die spannenderen und vielschichtigeren »Wesen« sind. Insofern ist irgendwann der Gedanke gereift, mich vor den Frauen zu verbeugen.

Ihr Protagonist Simon Kannstatt ist 56 Jahre alt, als er sich Hals über Kopf in die 51jährige Susan Knight verliebt. Als Beweis seiner Liebe geht er zu Fuß von Hamburg nach Zürich. Was war das beeindruckteste, das Sie bisher aus Liebe getan haben?
Das schönste was ich in letzter Zeit aus Liebe getan habe, ist einen Roman zu schreiben, mit einer Danksagung an Dorothee Röhrig.

»Unser Bedürfnis nach Liebe ist so groß, dass wir jede drittklassige Begegnung zu Liebe hochstilisieren, nur um sagen zu können, dass wir lieben.« – so heißt es im Buch. Warum ist es Ihrer persönlichen Einschätzung nach so?
Manche Menschen sind eher in die Liebe verliebt, als in den Menschen, von dem sie es behaupten. Auf so einer Liebe liegt kein Segen. Denn wenn man nicht allein sein kann, redet man sich eine Liebe in den 7. Himmel (und da gehört sie nicht hin).

Die Figuren im Buch sind sehr liebevoll und brillant skizziert. Woher nehmen Sie hier die Inspiration? Gibt es reale Vorbilder?
Zum einen gab es gute Frauen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und auf deren Hilfe ich angewiesen war, zum anderen bin ich es als Produzent gewöhnt, Drehbücher zu lesen und manchmal auch zu bearbeiten. Das »Personal« in einem guten Drehbuch kann unterschiedlicher nicht sein, im Hinblick auf Charakter, Milieu, Mentalität. Das schult vielleicht.

Ihr Protagonist Simon sagt an einer Stelle Ihres Romans »Ich bin sechsundfünfzig. Glauben Sie, ich möchte noch Anstrengungen unternehmen, um jemandem zu gefallen?« Warum müssen wir Ihrer Meinung nach erst älter werden, um sein zu können, wer und wie wir sind?
Wenn ich morgens in den Badezimmerspiegel schaue, und sehe nicht gut aus, dann bin ich zutiefst davon überzeugt, dass der Spiegel schuld ist. Frauen hingegen gehen überkritisch mit ihrem Äußeren um, auch wenn dazu gar kein Anlass besteht. Ich möchte also mit diesem Buch den Frauen zurufen: gefallt Euch selbst, denn ihr seid schön.

Ihr Protagonist Simon schreibt in »Die kleine Geschichte einer großen Liebe« gerade an einem Roman mit dem bezeichnenden Titel »Der Mann, der versuchte, die Frauen zu verstehen«. Was ist da so schwer zu verstehen?
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, eine Frau lebt, denkt und fühlt in einem völlig anderen Kosmos als der Mann, das hat genetische, aber auch anerzogene Gründe.

Allerdings diesen anderen Kosmos zu erkunden macht Spaß und Freude und führt bei mir meist dazu, dass ich Frauen in ihrer Verletzbarkeit und gleichzeitig Stärke bewundere. Das gelingt mir bei Männern selten oder nie.

Ihr Name ist sozusagen ein Synonym für das Wort Karriere: vom ehemaligen Vorstandsmitglied der Axel Springer AG über den preisgekrönten Fernsehproduzenten zum Hochschulprofessor, erfolgreicher Talkshow-Moderation und Autor. Sie haben einmal gesagt, was Sie antreibe, sei die Endlichkeit des Lebens. Sind Sie, mit zunehmendem Alter, gelassener geworden im Job und in der Liebe?
Lassen Sie es mich so sagen: mit Ende 50 sieht man die Landebahn und hat Demut und Respekt vor der knapper werdenden Lebenszeit. Insofern wird man gelassener (und in jedem Fall lebensfroher).

Was dürfen Ihre Fans als Nächstes von Ihnen erwarten?
Ich denke über zwei Buchprojekte nach: einen Stoff, der sich thematisch an „Fegefeuer der Eitelkeiten“ von Tom Wolfe anlehnt (»Die kleine Geschichte einer großen Lüge«). Ein Mensch der stolpert und alles verliert. Ich finde es spannend, zu sehen wie hart wir in unsere Gesellschaft mit denen umgehen, die einen Fehler machen.
(Oder vielleicht ein Buch mit dem Titel »Der Mann, der versuchte die Frauen zu verstehen«.)

Alle Verlage