Autor/Sprecher

Johann König

Johann König, geboren 1972 in Soest, ist der Poet unter den Komikern. Neben seinen Live-Auftritten ist er regelmäßig in TV-Sendungen zu Gast. Auch kennt man ihn als langjährigen Nachbarn der TV-WG "Zimmer frei". König wurde bereits mehrfach ausgezeichnet mit u.a. dem Deutschen Comedypreis, Bayerischen Kabarettpreis und dem Publikumspreis "Die Wühlmäuse". Mit Kinder sind was Wunderbares – das muss man sich nur immer wieder sagen erscheint nun sein drittes Buch.
 

 

Interview

"Wenn ich abends im Bett lag, hatte ich keine Möglichkeit mehr, mir Sachen auszudenken, die nichts mit dem Familienalltag zu tun haben. Weil er alles überlagert hat." | 09.03.2016

In Ihrem Buch „Kinder sind was Wunderbares – Das muss man sich nur IMMER WIEDER sagen“ schreiben Sie über den ganz normalen Wahnsinn einer fünfköpfigen Familie. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über das Leben mit Kindern zu schreiben?Als das dritte Kind anfing zu laufen, - was ja erfah...


In Ihrem Buch „Kinder sind was Wunderbares – Das muss man sich nur IMMER WIEDER sagen“ schreiben Sie über den ganz normalen Wahnsinn einer fünfköpfigen Familie. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über das Leben mit Kindern zu schreiben?
Als das dritte Kind anfing zu laufen, - was ja erfahrungsgemäß eine stressige Zeit einläutet, weil es ständig aufsteht, wegläuft und hinfällt - da merkte ich, dass das Familienleben im Grunde alle anderen Ideen platt walzt. Und dass es damit fast automatisch selbst zur Idee wird. Und zum Ideengeber.
Die Zeit, die Muße und die Langeweile, die früher den Rhythmus meiner Geschichten bestimmt und angetrieben haben, waren in der Form schon lange verschwunden. Jetzt sind es die Kinder gewesen, die alles bestimmen. Wenn ich abends im Bett lag, hatte ich keine Möglichkeit mehr, mir Sachen auszudenken, die nichts mit dem Familienalltag zu tun haben. Weil er alles überlagert hat. Und so wurden die erlebten Momente des Tages Ausgangspunkt für die gedanklichen Verläufe und Wendungen, die lustig, böse, wirr, zwanghaft und natürlich voller Liebe durch meinen Kopf waberten. Und „Aufschreiben!“ riefen.
Wie viel Autobiografisches aus der Familie König steckt in den Geschichten?
Auf jeder einzelnen Seite des Buches gibt es unfassbar viele sehr wahre, halbwahre, unwahrscheinlich wahre und unwahre Beschreibungen, so dass eine exakte Auflösung im Nachhinein unmöglich ist. Und unnötig. Sinnlos. Sinnlos wie einem Eichhörnchen hinterherzulaufen. Mit eins. Die erinnerte Wahrheit und die wahre Wahrheit, - nicht zu verwechseln mit der Ware Wahrheit!- die sind sowieso zwei verschiedene Paar Handschuhe. Handschuhe, die wir beide haben, aber nicht auf Anhieb unterscheiden können. Oder einen gar nicht finden. Aber man kann sich sicher sein, dass vieles in dem Buch genau so passiert sein könnte.
Was war der schönste Moment, den Sie bislang mit Ihren Kindern erlebt haben?
Das war der Moment, als ich sie für drei Wochen bei der Oma abgegeben habe. Das Winken der Kinder, die Tränen der Oma, meine Abschiedsfreude. Unvergessen.
Gab es auch Momente, bei denen Sie dank Ihrer Kinder am liebsten vor Scham im Erdboden versunken wären? Welches war der schlimmste Moment?
Solch einen Moment gab es tatsächlich noch nie. Um auch mal wieder ernsthaft zu antworten. Die Kinder sind ja tatsächlich top erzogen. Sie hören aufs Wort, sind höflich und man kann sie problemlos auch unangeleint mitnehmen. Scham empfinde ich eher auf mich bezogen. Also nach Situationen, in denen ich ungeduldig, körperlich, laut oder unverhältnismäßig aggressiv wurde.
Können Sie mittlerweile darüber lachen?
Nein.
Viele Eltern erzählen selbst den besten Freunden nur die schönen Dinge, wenn es um ihre Kinder geht und nicht die, in denen die Sprösslinge ihnen den letzten Nerv rauben. Was glauben Sie, woran liegt das?
Das liegt an der Scham, die sie haben. Scham vor den schlechten Gedanken und Gefühlen für das eigene Kind. Das ist aber natürlich und ganz normal. Davon bin ich überzeugt.
Wie haben Sie sich das Elternsein vor der Geburt Ihres ersten Kindes vorgestellt? Ist alles so eingetreten? Was ist ganz anders als gedacht?
Ich habe schon gedacht, dass es schön wird mit drei Kindern. Aber dass es so schön wird, das hätte ich wirklich nicht gedacht. Das hätte ich in meinen schlimmsten Träumen nicht für möglich gehalten. Nein, mal im Ernst. Es ist wirklich schön. Genauso schön, wie ich es vorher gedacht habe. Sehr sehr schön. Das muss man sich einfach nur immer wieder sagen.
Was ich tatsächlich nicht so gedacht hätte, ist das Phasenhafte ihres und damit auch meines Lebens. Und ich meine jetzt nicht die Trotz- oder Alles-in-den-Mund-stopf-Phase. Sondern eher das phasenweise gute Benehmen, gerne in die Kita gehen, lustvoll essen, untereinander nett sein, friedlich miteinander spielen, die Eltern nicht permanent anbrüllen. Und diese Phasen wechseln sich immer wieder und plötzlich ab mit dem genauen Gegenteil. Bei allen dreien. Sehr spannend, um es mal positiv zu beschreiben.
Was machen Sie wirklich, wenn die Kinder nach Ihnen rufen und Sie zurück rufen, dass Sie gleich kommen, aber erst noch etwas „arbeiten“ müssen?
Dann notiere ich die Sachen, die mir in der letzten Stunde aufgefallen sind: Dass die Kleine sich Rosinen in die Nase gestopft hat und meine Frau mit einer Pinzette versucht hat, sie wieder herauszuholen, dass die Mittlere mich gefragt hat, warum ich mir oben auf dem Kopf ein „Loch in meine Haare geschneidet“ habe, und dass der Große erzählt hat, dass Jesus ja vor 2.000 Jahren angekreuzt wurde. Wenn das keine Arbeit ist ...
Lesen Sie ab und zu auch Erziehungsratgeber, wenn Sie das Gefühl haben, dass es so überhaupt nicht mehr weitergeht?
Nein, so verzweifelt war ich noch nie. Das kommt vielleicht noch. Die Kinder sind ja noch klein. Wie heißt es noch gleich? Kleine Kinder, kleine Probleme, große Kinder, große Probleme. Ich freu mich drauf!
Trotz all der Momente, bei denen Sie am liebsten im Erdboden verschwunden wären: Graut Ihnen schon vor dem Moment, wenn die lieben Kleinen nicht mehr klein und aus dem Haus sind? Welche heimlichen Pläne schmieden Sie für diese Zeit?

Es wird plötzlich still sein im Haus. Unerträglich still. Unerträglich schön still. Dann werde ich anfangen zu lesen. Oder noch ein Buch schreiben. Holz hacken. Einen Jagdschein machen. Vegetarier werden. Oder jagen. Feuer machen und gegen die Stille ansingen. In 15 Jahren ist das jüngste Kind 18. Dann muss es raus. Und wenn es der Garten ist. Zelt liegt im Keller. Ich helfe auch.

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