Johanna Romberg - Autor
© Wolfgang Michal

Autorin

Johanna Romberg

Johanna Romberg, Jahrgang 1958, wuchs im Ruhgebiet auf. Sie studierte Schulmusik und Hispanistik in Köln und Sevilla, bevor sie 1985/1986 die Henri-Nannen-Journalisten-Schule besuchte. Seit 1987 ist sie Redakteurin und Autorin des Magazin GEO. Für ihre Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 1987 bekam sie den Egon-Erwin-Kisch-Preis (2. Preis) für eine Geschichte über die Emscher, ein Nebenfluss des Rheins. 1993 den dritten Preis für das Porträt einer Moskauer Gemeinschaftswohnung. 2013 folgte der Georg-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus und 2015 der Journalistenpreis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Johanna Romberg hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Mann in der Lüneburger Heide.

Steckbrief

Autorensteckbrief: Johanna Romberg über ihr Buch "Federnlesen"

Lieblingssatz aus dem Buch„Die Heckenbraunelle ist, um es ganz direkt auszudrücken, einer der schärfsten Feger der Vogelwelt.“Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben warKapitel 11 Seite 266: Der Versuch, die Erstbegegnung mit einer Blauracke mit einem spirituellen Erleuchtungserlebnis ...

Lieblingssatz aus dem Buch
„Die Heckenbraunelle ist, um es ganz direkt auszudrücken, einer der schärfsten Feger der Vogelwelt.“
Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war
Kapitel 11 Seite 266: Der Versuch, die Erstbegegnung mit einer Blauracke mit einem spirituellen Erleuchtungserlebnis zu vergleichen.
Der optimale Soundtrack zum Buch
Das Vogelstimmenkonzert in einem alten Laubmischwald an einem windstillen Morgen Ende April/Anfang Mai. Oder der Monumentalchor aus hunderten Gänse- oder Kranichkehlen in einer Feuchtwiesenlandschaft auf dem Höhepunkt der Zugzeit.
Der perfekte Ort, um das Buch zu lesen
Gartenbank, Hängematte, Sofa, Bahnhofswartehalle, Zugabteil. Eigentlich überall dort, wo es ruhig genug ist, um Vogelstimmen entweder direkt zu hören oder sich ihren Klang zumindest vorstellen zu können.
Welchem Prominenten würden Sie Ihr Buch gern überreichen und welche Widmung stünde drin?
Allen amtierenden und künftigen Umwelt- und Landwirtschaftsministerinnen. „Egal, was in Ihrem Parteiprogramm steht - bitte machen Sie eine Politik, die den Vögeln das Überleben sichert.“
Was darf beim Schreiben auf keinen Fall fehlen – abgesehen von Rechner, Schreibmaschine oder Stift?
Fernglas. Es steht immer griffbereit auf dem Schreibtisch, damit kein Vogel unidentifiziert meinen Garten verlässt.
Was ist schöner den letzten Satz zu Ende gebracht zu haben oder das fertige Buch in Händen zu halten?
Beides ist schön, das erste noch einen Tick schöner, weil mit großer Erleichterung verbunden.
Wer oder was hilft, wenn es mal schwierig ist, weiterzuschreiben?
Raus auf den Balkon, durchatmen. Und kurz horchen und gucken, was so draußen rumfliegt.
Was war zuerst da: die Story oder eine Figur aus dem Buch?
Die Vögel natürlich. Alles andere kam später.
Wie wichtig sind Freunde, Familie, Berater beim Schreiben?
Unschätzbar. Schon deshalb, weil sie einen ertragen.
Lieber akkurat durchplanen oder erstmal drauflosschreiben?
Das zweite. Der Plan ergibt sich unterwegs.
Welche Farbe hätte das Cover auf keinen Fall haben dürfen und warum?
Lila hätte ich zumindest seltsam gefunden, weil mir kein heimischer Vogel einfällt, der diese Farbe trägt.
Wer das Buch liest, fühlt sich nach der letzten Seite…?
Beflügelt, hoffentlich!

Interview

Im Interview: Johanna Romberg über ihr Buch "Federnlesen" | 14.02.2018

In Ihrem Buch „Federnlesen“ begleiten wir Sie in die erstaunliche und faszinierende Welt der Rotkehlchen, Mauersegler und anderer Vögel. Was macht für Sie diese Faszination aus, was ist das „Glück des Beobachtens“, von dem Sie schreiben?Ach, da kommt so viel zusammen! Die immer wieder neue Vorfreude...

In Ihrem Buch „Federnlesen“ begleiten wir Sie in die erstaunliche und faszinierende Welt der Rotkehlchen, Mauersegler und anderer Vögel. Was macht für Sie diese Faszination aus, was ist das „Glück des Beobachtens“, von dem Sie schreiben?
Ach, da kommt so viel zusammen! Die immer wieder neue Vorfreude auf das, was ich unterwegs entdecken werde – ob beim Spaziergang vor der Haustür oder bei der Exkursion durch ein Naturschutzgebiet. Die Detektivarbeit beim Identifizieren eines noch unbekannten Flugobjekts. Die Euphorie, wenn plötzlich ein Vogel auftaucht, nach dem ich seit Jahren vergebens Ausschau gehalten habe. Die Freude über die Begegnung mit „alten Bekannten“, Allerweltsvögeln, an denen ich trotzdem immer wieder neue Seiten entdecke. Die ersten vertrauten Stimmen, die im Vorfrühling erklingen. Und, nicht zuletzt: die Erfahrung, beim gespannten Hinsehen und Hinhören immer wieder die Welt um mich herum zu vergessen, mich selbst eingeschlossen. Das ist vielleicht das Beste überhaupt an der Vogelguckerei.
Sie stellen uns auf knapp 300 Seiten vorwitzige, stille, laute, musikalische, glamouröse und ganz bescheidene Exemplare aus der Vogelwelt vor. Welcher ist Ihnen der liebste und wieso ist ausgerechnet der Ihnen so sympathisch?
GANZ schwere Frage! Die kann ich nur mit einer längeren Aufzählung beantworten. Also: Die Singdrossel, weil ihr Gesang so hinreißend ist, dass ich ihr Stunden zuhören könnte (für die Nachtigall gilt dasselbe). Spatzen, Blau- und Kohlmeisen, weil sie die einzigen sind, die täglich meinen Garten besuchen. Blauracke und Bienenfresser, weil sie so unglaublich blau sind. Die Heckenbraunelle, weil sie ein unscheinbares Äußeres mit einem, sagen wir, extrem eigenwilligen Paarungsverhalten verbindet. Der Silberreiher, weil er – groß und schneeweiß – einer der wenigen Vögel ist, die ich bei Tempo 120 von der Autobahn aus bestimmen kann, und der Mauersegler, weil er der einzige Alien ist, der mit uns Menschen unter einem Dach wohnt. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig - und erweitert sich von Jahr zu Jahr.
Und wenn Sie selbst ein Vogel wären, was für einer wären Sie wohl?
Eine Schnepfe natürlich, vorzugsweise eine Uferschnepfe. Das sind sehr schöne, grazile Watvögel, die mich immer an Balletttänzer erinnern. Leider geht es ihnen in Mitteleuropa nicht besonders gut, weil sie als Wiesenbrüter unter der Intensivierung der Landwirtschaft leiden. Deswegen würde ich, könnte ich es mir aussuchen, auf Island aus dem Ei schlüpfen. Auf den Mooren und Schafweiden da oben geht es Watvögeln noch richtig gut.
„Birding“, also das Beobachten von Vögeln, erfährt dieser Tage eine immerhin bemerkbare Renaissance. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Ob es eine „Renaissance“, also eine Wiedergeburt gibt, weiß ich nicht: So richtig populär war das Vogelbeobachten bei uns in Deutschland ja noch nie, anders als in Großbritannien und den USA, wo es fast schon Volkssport ist. Eine mögliche Antwort: Je mehr die Natur aus unserer Alltagsumgebung verschwindet, desto größer wird auch die Sehnsucht nach ihr. Und wenn man sich häufiger draußen aufhält und die Sinne auf die Umgebung richtet, wird man früher oder später fast zwangsläufig auf Vögel aufmerksam. Weil sie, von allen Wildtieren, die Auffälligsten sind, optisch wie akustisch, und weil sie sich relativ leicht bestimmen lassen – anders als etwa Insekten, bei denen allein schon die Zahl der Arten in die Zehntausende geht.
Für wen ist „Federnlesen“ das perfekte Geschenk und warum?
Für alle, die Natur lieben – es müssen nicht speziell Vögel sein. Für alle, die sich nicht nur von Natur selbst berührt fühlen, sondern auch von Naturbeschreibungen. Für alle, die seit Jahren über den Kauf eines Fernglases oder Bestimmungsbuchs nachdenken, sich aber bislang nicht dazu entschließen könnten. Und schließlich für Leute, die mit Vogelliebhabern befreundet oder verheiratet sind und immer schon mal wissen wollten, was diese Leute eigentlich antreibt.
Wenn Sie in Ihrer Lieblingsbuchhandlung die Regale einräumen dürften, neben welches Buch würden Sie „Federnlesen“ legen?
In meiner Lieblingsbuchhandlung gäbe es, natürlich, sowohl eine Abteilung mit naturkundlichen Sachbüchern als auch eine mit Romanen und Erzählungen, in denen Natur eine besondere Rolle spielt. Zu den normalen Geschäftszeiten läge „Federlesen“, wie es sich gehört, bei den Sachbüchern und Biografien – zum Beispiel neben den „Naturkunden“ von Matthes und Seitz, neben „H wie Habicht“ von Helen McDonald, Feral“ von George Monbiot oder „Menschenzeit“ von Christian Schwägerl. Nach Ladenschluss aber würde es auf leisen Papierflügeln in die Belletristikabteilung hinübergleiten und die Nacht, zum Beispiel, neben Kerstin Ekmans „Geschehnissen am Wasser“ verbringen, neben „Sturmhöhe“ von Emily Brontë oder neben „Brand’s Haide“ von Arno Schmidt.

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