Lioba Werrelmann - Autor
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Autor

Lioba Werrelmann

Lioba Werrelmann, Jahrgang 1970, stammt aus dem Rheinland, hat Politische Wissenschaften studiert, volontierte und ist seit 1989 für verschiedene Tageszeitungen, Radio- und TV-Anstalten (WDR/ARD) als Redakteurin und Kommentatorin tätig, vor allem in Köln und Berlin. 2014 erschien ihr autobiografisches Sachbuch „Stellen Sie sich nicht so an“. „Hinterhaus“ ist ihr erster Kriminalroman.

Steckbrief

Autorensteckbrief mit Lioba Werrelmann zu ihrem Krimidebüt "Hinterhaus"

Name: Lioba WerrelmannTitel des Buchs: HinterhausLieblingssatz aus dem Buch: Der erste: „Das kleine Schwein ist noch da.“Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war: Ohne zu viel zu verraten: Gegen Ende habe ich die Hauptfigur in eine Lage gebracht, die zu meinen persönlichen Top-Horro...

Name:
Lioba Werrelmann
Titel des Buchs:
Hinterhaus
Lieblingssatz aus dem Buch:
Der erste: „Das kleine Schwein ist noch da.“
Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war:
Ohne zu viel zu verraten: Gegen Ende habe ich die Hauptfigur in eine Lage gebracht, die zu meinen persönlichen Top-Horrorphantasien zählt. Das habe ich dann selber kaum ausgehalten.
Der optimale Soundtrack zum Buch:
David Bowie, „Where are we now“. Berlin-Sehnsucht pur.
Der perfekte Ort, um das Buch zu lesen:
In einem Berliner Café natürlich! Und selbstverständlich auch überall sonst.
Welchem Prominenten würden Sie Ihr Buch gern überreichen und welche Widmung stünde drin?
Ich habe es nicht so mit Prominenten, das Buch ist meiner Freundin Natalie gewidmet, gestorben mit 47 an Krebs. Sie hat mich immer ermuntert, Krimis zu schreiben, und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.
Was darf beim Schreiben auf keinen Fall fehlen – abgesehen von Rechner, Schreibmaschine oder Stift?
Ruhe! Alles andere ist egal.
Was ist schöner: den letzten Satz zu Ende gebracht zu haben oder das fertige Buch in Händen zu halten?
Beides ist verschieden schön. Den letzten Satz zu schreiben hat etwas Magisches. Ein Gänsehaut-Moment, in dem ich die Luft anhalte. Wenn ich dann das fertige Buch in den Händen halte, springe ich kreischend vor Freude in die Luft.
Wer oder was hilft, wenn es mal schwierig ist, weiterzuschreiben?
Aufstehen und etwas anderes machen. Spazierengehen, einkaufen, Freunde treffen. Auf keinen Fall am Schreibtisch sitzenbleiben und krampfhaft weiterschreiben, dabei kommt nur Murks raus.
Was war zuerst da: die Story oder eine Figur aus dem Buch?
Die Story. Die Figuren folgten ihr quasi auf dem Fuße.
Wie wichtig sind Freunde, Familie, Berater beim Schreiben?
Sehr wichtig! Nicht nur, dass eine Autorin einfach wochenlang abtaucht, um zu schreiben. Sie verlangt auch noch übermäßiges Lob, übervorsichtige Kritik und permanenten Zuspruch - das ist für die Menschen drumrum eine echte Herkulesaufgabe.
Lieber akkurat durchplanen oder erstmal drauflosschreiben?
Ein bisschen Plan muss sein. Der Rest ergibt sich.
Welche Farbe hätte das Cover auf keinen Fall haben dürfen und warum?
Gelb, orange, himmelblau. Es musste düster sein, und es ist herrlich düster.
Wer das Buch liest, fühlt sich nach der letzten Seite…?
Hoffentlich glänzend unterhalten und im besten Fall auch ein wenig angerührt.

Interview

"Ich bin durch ein vergessenes Außenklo auf die Idee zum Roman gekommen." | 16.05.2019

Ihre Hauptfigur, die Journalistin Carolin, führt ein angenehmes Leben. Sie lebt in Berlin mit ihrer großen Liebe, einem attraktiven Arzt, hat eine schöne Wohnung, einen nicht sehr anstrengenden Job, reichlich Zeit für Yoga. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Was geschieht?Carolins angenehmes...

Ihre Hauptfigur, die Journalistin Carolin, führt ein angenehmes Leben. Sie lebt in Berlin mit ihrer großen Liebe, einem attraktiven Arzt, hat eine schöne Wohnung, einen nicht sehr anstrengenden Job, reichlich Zeit für Yoga. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Was geschieht?
Carolins angenehmes Leben fliegt ihr um die Ohren. Ihr Freund haut ab, die Wohnung hatte er schon vor Monaten gekündigt, ihre Chefin schmeißt sie raus. Carolin ist von jetzt auf gleich allein, arbeitslos und ohne Obdach. In diesem desolaten Zustand holt eine geheimnisvolle Nachbarin sie zu sich ins Hinterhaus. Und in diesem Hinterhaus, genauer gesagt im Außenklo, stolpert Carolin über eine Leiche.
Wie würden Sie Ihre Hauptfigur beschreiben?
Sie ist ein bisschen naiv und in sich gekehrt, sie versucht, möglichst sanft durchs Leben zu gleiten. Als sie klein war, hat sie unter mysteriösen Umständen ihre Mutter verloren, seitdem mag sie keine Geheimnisse. Sie ist eine echte Anti-Heldin, eine, die extrem über sich selbst hinauswachsen muss, wenn sie das „Hinterhaus“ jemals lebendig verlassen will.
Das HINTERHAUS ist nicht nur namensgebend für Ihren Roman, das Haus führt auch fast ein Eigenleben, von vorne so einladend, ist es hinten unheimlich, unübersichtlich, dunkel und geheimnisvoll. Gab es ein Vorbild für das Haus?
Das Vorbild ist das Hinterhaus, in dem ich fünf Jahre lang in Prenzlauer Berg gelebt habe. Es war dunkel und kalt und feucht, doch ich habe es geliebt. Da waren so viele Geschichten! Wenn die Nachbarn von früher erzählten, konnte ich gar nicht genug kriegen. Ich hatte das Gefühl, jede Mauer, jeder abgegriffene Türknauf birgt ein Geheimnis. Und dann diese Trennung zwischen Vorderhaus und Hinterhaus, die seit über hundert Jahren fortbesteht. Vorne scheinbar alles schick, hinten alles ein bisschen kaputter, hässlicher, geheimnisvoller. Der perfekte Ort für einen Krimi, in dem es auch um deutsch-deutsche Geschichte geht.
Im Haus wohnen auch jede Menge skurriler Gestalten, mit denen sich Carolin in ihrer neuen Situation arrangieren muss. Wie kamen Sie auf all diese Personen?
Die sind alle frei erfunden. Wobei sie nicht alle extra für diesen Krimi erfunden wurden, einige dieser Gestalten hatte ich schon jahrelang im Kopf. Und plötzlich wusste ich, wo sie hingehören – ins „Hinterhaus“. Willi Schneider, der Hausmeister, ist einer davon. Er hat lange auf seinen Auftritt gewartet. Andere sind typische Prenzlauer Berg-Bewohner, möglichst liebevoll überzeichnet. Ich mag dieses Prenzlauer Berg-Bashing nicht, aber ich spiele damit. Carolin mag keine Mütter und keine Kinder, und damit ist sie in Prenzlauer Berg nicht gut dran. Aber wie sich zeigen wird, hat sie dafür gute Gründe.
Haben Sie unter den Nebencharakteren eine Lieblingsfigur?
Ja, Adrian, Carolins Kollege, den sie hasst, ohne den sie aber komplett aufgeschmissen wäre. Adrian ist brillant, ein Superhirn, das jede Aufgabe löst. Nur einmal ist er abgelenkt, und das hat fatale Folgen ... Zugleich ist Adrian sehr dick, eine Masse von Mann. Das Lustige ist: Mehrere Männer um mich herum denken, sie seien das Vorbild für Adrian. Mal sind sie begeistert wegen des Superhirns, mal bedrückt, weil sie denken, ich finde sie zu dick. Ich kann sagen, was ich will, keiner glaubt mir, dass ich diesen genialen Typen frei erfunden habe. Ist aber so.
Können Sie Ihre Story kurz skizzieren?
Im Hinterhaus stolpert Carolin über die Leiche eines seit zwanzig Jahren vermissten Jungen. Weil sie leider eine sehr untalentierte Journalistin ist und sowieso sehr traurig wegen ihres Ex´, will sie sich damit eigentlich nicht befassen. Doch sie ahnt nicht, wie nahe sie dem Mörder bereits ist. Und so wird das „Hinterhaus“ auch für sie zur tödlichen Falle.
Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Roman?
Durch ein Außenklo. Ich habe es zufällig entdeckt, als ich meine Berliner Nachbarn im vierten Stock besuchte. Eine niedrige Tür im Treppenhaus, und dahinter ein seit Jahrzehnten unbenutztes, scheinbar bei den Sanierungsarbeiten vergessenes Außenklo. Wow, dachte ich, was könnte in so einem Außenklo alles stecken, ohne dass es jemand bemerkt! Und schon war der Plot für den Krimi da.
Sie sind Journalistin, haben einige Zeit in Berlin gelebt. Gibt es weitere Parallelen zwischen Ihnen und Ihrer Hauptfigur?
Ich hoffe nicht! Nein, ich wollte eine Figur erschaffen, die nichts mit mir zu tun hat, die völlig anders ist. Und Carolin wurde dann so anders, dass ich mich manchmal selbst über sie gewundert habe.
Gibt es ein Vorbild für Ihren Cold Case?
In den neunziger Jahren ist tatsächlich in Prenzlauer Berg ein Junge verschwunden, der wenige Tage später tot aufgefunden wurde. Der Mörder wurde nie gefasst. Das Schicksal dieses Kindes und seiner Familie hat mich sehr berührt. Was mich besonders verstört, ist, dass es offensichtlich keine brauchbaren Zeugenaussagen gab: Ein Junge verschwindet am helllichten Tag, und keiner will etwas mitbekommen haben. Das verstehe ich nicht, und das ist auch Thema im „Hinterhaus“. Ansonsten ist meine Geschichte eine völlig andere, die mit dem wahren Fall nichts zu tun hat.
Für wen haben Sie das Buch geschrieben? Wer soll Ihr Leser, Ihre Leserin sein?
Ich habe den Krimi geschrieben für Menschen, die sich gerne unterhalten lassen. Ich mag keine Bücher, wo man über jeden Satz nachdenken muss, wo man sich von Seite zu Seite quält. Meine Bücher sollen den Kopf frei machen, an andere Orte entführen, die Leser mitnehmen auf neue Abenteuer. Mein Krimi ist kein Kunstwerk, das man sich mühsam erschließen muss. Er ist zum Verschlingen gedacht, am besten in einem Rutsch, so wie Gummibärchen oder Schokolade.
Wie lange haben Sie an HINTERHAUS gearbeitet?
Sehr lange, wenn ich die Zeit mitrechne, in der ich überlegt habe, ob ich das überhaupt kann, einen Krimi schreiben. Zum Glück habe ich es irgendwann einfach getan. Ab da ging alles ganz schnell: Nach wenigen Wochen war das „Hinterhaus“ fertig. Ich war wie im Rausch, total kreativ, total glücklich.
Sie haben bereits ein Sachbuch geschrieben. Wie kam nun der Wechsel zum Krimigenre?
Das Sachbuch „Stellen Sie sich nicht so an! Meine Odyssee durch das deutsche Gesundheitssystem“ ist meine eigene Geschichte. Ich habe es geschrieben, um Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern eine Stimme zu geben. Denn was mir passiert ist auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod, war eine Katastrophe. Es war befreiend, dieses Buch zu schreiben, und es hat für Öffentlichkeit gesorgt, aber danach wollte ich so krasse Geschichten lieber nur noch erfinden.
Lesen Sie selbst gerne Krimis?
Viel zu gerne! Es ist ein bisschen peinlich, wenn ich von kundigen Literatur-Fans gefragt werde, was ich gerade lese, aber ich lese fast nur Krimis. Ich liebe es, glänzend unterhalten zu werden, und das gelingt mir mit Krimis am allerbesten.
Haben Sie literarische Vorbilder?
Nein, ich glaube auch nicht an Vorbilder, grundsätzlich nicht.
Wie arbeiten Sie, erst akribisch durchplanen oder drauflos schreiben?
Weder noch. Ich habe links vom Computer ein DIN-A4-Blatt liegen, darauf ist die Handlung skizziert, das ganze Buch, in winzig kleiner Schrift. Was muss wann geschehen, damit der Plot funktioniert. Der Rest ist in meinem Kopf. Und wenn mir etwas Neues, etwas Besonders einfällt, schreibe ich es auf einen kleinen Post-it-Zettel und klebe den auf meinen Schreibtisch. Der bleibt da kleben, bis die Idee aufgegriffen oder verworfen wurde, dann kommt er in den Papierkorb.
Gibt es neue Buchprojekte?
Ja, und ich hoffe, dass sie bald spruchreif sind.
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