Max Seeck - Autor
© Mikko Rasila 

Autor

Max Seeck

Max Seeck war zunächst im Vertrieb und Marketing einer finnischen Firma tätig. Mittlerweile widmet er sich jedoch ganz dem Schreiben. Mit großem Erfolg: HEXENJÄGER war sein internationaler Durchbruch, und er ist inzwischen der erfolgreichste Thriller-Autor Finnlands. Als einer von wenigen europäischen Autoren stand er auf der NEW-YORK-TIMES-Bestsellerliste. Max Seeck lebt mit seiner Familie in Helsinki.

Interview

»Ich wollte darüber schreiben, wie die sozialen Medien ihre dunkle Seite auf brutalste Art und Weise zeigen können.« | 27.09.2021

In TEUFELSNETZ erfahren wir endlich, wie es mit der Ermittlerin Jessica Niemi und ihrem Team weitergeht. Können Sie kurz beschreiben, wovon das Buch handelt?Jessica Niemi steht vor einem neuen Rätsel: Zwei berühmte Blogger verschwinden spurlos, und auf ihren Accounts wird ein seltsames Foto von eine...

In TEUFELSNETZ erfahren wir endlich, wie es mit der Ermittlerin Jessica Niemi und ihrem Team weitergeht. Können Sie kurz beschreiben, wovon das Buch handelt?
Jessica Niemi steht vor einem neuen Rätsel: Zwei berühmte Blogger verschwinden spurlos, und auf ihren Accounts wird ein seltsames Foto von einem alten Leuchtturm auf einer felsigen Insel gepostet. Unter dem Foto steht ein Gedicht, das den Tod der beiden beschreibt. Im Zuge ihrer Ermittlungen stößt Jessica schließlich auf ein gemeinsames Geheimnis der zwei Blogger, die in etwas sehr Mysteriöses und Dunkles verwickelt wurden.
Der neue Fall dreht sich also um die Welt der sozialen Medien. Was fasziniert Sie als Thriller-Autor an diesem Thema?
Soziale Medien bieten uns allen viele Chancen, aber sie bergen auch gewisse Risiken. Ich wollte darüber schreiben, wie die sozialen Medien ihre dunkle Seite auf brutalste Art und Weise zeigen können.
Eine wesentliche Erkenntnis der Ermittlungen lautet: Wenn du etwas ins Netz stellst, ist es für immer und ewig dort. Sie selbst sind auch in den sozialen Medien aktiv – sind Sie durch Ihr eigenes Buch vorsichtiger geworden?
Ich bin schon immer sehr sorgfältig damit umgegangen, was ich online veröffentliche und was nicht. Ich denke, man kann aktiv sein, aber gleichzeitig auch vorsichtig. Ich würde nichts posten, von dem ich nicht möchte, dass es für immer im Netz bleibt. Deshalb teile ich zum Beispiel auch keine Bilder von meinen Kindern auf öffentlichen Accounts.
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven verschiedener Polizist:innen erzählt. Versetzen Sie sich beim Schreiben demnach eher in die Rolle der Ermittler:innen oder auch in die der Täter:innen?
Ich bin immer auf der Seite der Guten. Ein Polizist zu sein, kann ich mir durchaus vorstellen, aber ich kann mich nicht als Mörder sehen. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, die Dinge aus der Perspektive eines Ermittlers zu betrachten.
Gibt es eine Figur, deren Sichtweise Sie besonders gern einnehmen oder mit der Sie sich besonders gut identifizieren können?
Ich bin keine meiner Figuren und gleichzeitig jede. Das bedeutet, dass fast jeder der »guten« Charaktere eine Fähigkeit, ein Gefühl, eine Angst oder eine Überzeugung besitzt, die eigentlich meine ist. Im Grunde habe ich meine eigenen Gedanken auf all diese Charaktere aufgeteilt – und vielleicht auch auf die bösen. Da ich keine eindimensionalen Figuren erschaffen möchte, versuche ich, auch in den bösen Charakteren etwas Gutes zu sehen.
Mit Jessica Niemi haben Sie eine komplexe und facettenreiche Figur erschaffen. Wie würden Sie Ihre Protagonistin charakterisieren?
Für meine Bücher wollte ich eine Protagonistin erschaffen, die klug ist, gut in ihrem Job und glaubwürdig. Doch gleichzeitig sollte sie auch in vielerlei Hinsicht emotional gebrochen sein. Ich wollte nicht nach irgendeiner Form von Perfektion streben – ganz im Gegenteil. Jessica hat schreckliche Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen, sie hat psychische Probleme und eine Menge zu verarbeiten. Aber gleichzeitig ist sie auch jemand, den ich im echten Leben gerne kennen lernen würde.

Die psychischen Probleme der Ermittlerin zeichnen sich in HEXENJÄGER bereits ab, in TEUFELSNETZ werden sie stärker. Wussten Sie von Beginn an, dass dieses Thema ein so wichtiger Teil Ihrer Bücher sein würde oder ergab sich diese Entwicklung im Schreibprozess?

Die psychischen Probleme bildeten schon von Anfang an einen wesentlichen Teil dieses Charakters und ich hatte vor, ihn noch weiter auszubauen. Um mehr über diese Art von psychischen Krankheiten zu lernen, habe ich viel recherchiert. Das ist ein sehr komplexes Thema und sogar eine Art Tabu in der Gesellschaft. Deshalb dachte ich auch, dass es für Personen mit psychischen Krankheiten hilfreich sein könnte, ein Buch mit einer weiblichen Heldin zu lesen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Das ist ja durchaus sehr verbreitet, es wird nur nicht so viel darüber gesprochen.
Ihr Buch weist auch viele Bezüge zur Manga-Kunst und zur japanischen Kultur auf. Haben Sie selbst eine persönliche Verbindung zu diesen Themen?
Nein, aber ich finde beides wirklich interessant. Ich schreibe sehr gerne über Themen und Phänomene, mit denen ich noch nicht so vertraut bin. Das macht mich neugierig und führt dazu, dass ich sehr viel recherchiere und eine Menge dazu lerne. Ich denke, dass sich diese sorgfältige Recherche im Buch bemerkbar macht.
Ihre Bücher erscheinen auch als Hörbücher. Sie sprechen Deutsch – kennen Sie das deutsche Hörbuch von HEXENJÄGER? Was für ein Gefühl ist es, Ihre Geschichte in einer anderen Sprache anzuhören?
Als HEXENJÄGER erschien, habe ich mir einige Teile davon angehört. Meinen Roman auf Deutsch anhören zu können, war für mich sicherlich einer der Höhepunkte meiner Karriere. Es war einfach unglaublich und die Sprecherin ist großartig. Ich liebe die deutsche Sprache und bin so dankbar dafür, dass meine Arbeit ins Deutsche übersetzt wird und dass die Leute dort meine Bücher lesen und hören können.

Interview

„Ich schreibe nur über Dinge, die mir selbst Angst machen. Auf diese Weise versetze ich mich in eine unheimliche Stimmung, die für den Schreibprozess wichtig ist und ich denke, der Leser kann das am Ende auch spüren“ | 17.12.2020

In „Hexenjäger“ werden Morde aus der fiktiven „Hexenjagd“-Trilogie nachgeahmt und die Ermittler müssen sich mit den Inhalten der Bücher befassen, um den Verbrechen nachzugehen. Der Leser hält also sozusagen einen „Thriller im Thriller“ in den Händen. Wie sind Sie auf diese außergewöhnliche Idee geko...

In „Hexenjäger“ werden Morde aus der fiktiven „Hexenjagd“-Trilogie nachgeahmt und die Ermittler müssen sich mit den Inhalten der Bücher befassen, um den Verbrechen nachzugehen. Der Leser hält also sozusagen einen „Thriller im Thriller“ in den Händen. Wie sind Sie auf diese außergewöhnliche Idee gekommen?
Für mich war die Vorstellung, dass jemand fiktive Verbrechen kopiert, immer sehr beängstigend. In den Medien wurde viel darüber diskutiert, ob Unterhaltungsmedien wie Videospiele, Filme oder sogar Bücher manche Menschen dazu verleiten könnten, Verbrechen zu begehen. Ich glaube, das war der Ausgangspunkt für meinen Schreibprozess. Die Idee hat mir wirklich Angst gemacht.
Ihr Thriller HEXENJÄGER ist voll von unerwarteten Wendungen. Planen Sie alles im Voraus, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen oder ergeben sich manche Wendungen auch spontan im Schreibprozess?
Ich würde sagen, beides trifft zu. Aber die meisten Wendungen tauchen eher spontan während des Schreibprozesses auf. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass ein abwechslungsreicher, unvorhersehbarer Plot sehr wichtig ist, damit das Buch zu einem echten Pageturner wird, den der Leser nicht mehr aus der Hand legen kann.
Ein großer Teil der Spannung wird in Ihrem Buch auch dadurch erzeugt, dass sich der Leser oftmals nicht sicher sein kann, welche Figuren vertrauenswürdig sind. Würden Sie das als zentrales Element für einen packenden Thriller beschreiben?
Ja, ich denke eines der zentralen Elemente einer guten Krimi- bzw. Thriller-Handlung ist es, dass sich der Leser nicht sicher sein kann, wer gut und wer böse ist. Als Schriftsteller kann ich zwar versteckte Hinweise geben, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht... Ob ich mich am Ende daran halte, oder lieber die ganze Sache auf den Kopf stelle, das bleibt allein mir überlassen.
Was ist für Sie sonst noch wichtig, um Spannung aufzubauen?
Ein Roman lässt dem Leser – im Vergleich zum Film – viel mehr Raum für die eigene Fantasie. Daher kann schon die Beschreibung eines Schauplatzes mit all den kleinen seltsamen Details Spannung erzeugen und den Leser misstrauisch machen. Und auch was die Figuren sagen und wie sie sich verhalten, all das ist Teil des Gesamtbildes.
Zu Beginn des Buches wird der „Hexenjagd“-Autor einmal gefragt, ob er sich vor dem fürchtet, was er schreibt. Fürchten Sie sich manchmal vor den Dingen, die Sie selbst erfinden oder kann Ihnen als erfahrenem Thriller-Autor nichts mehr Angst einjagen?
Doch, in der Tat. Ich schreibe nur über Dinge, die mir selbst Angst machen. Auf diese Weise versetze ich mich in eine unheimliche Stimmung, die für den Schreibprozess wichtig ist und ich denke, der Leser kann das am Ende auch spüren.
Lassen Sie sich selbst von Bücher und Filme inspirieren oder schreibt das echte Leben die besten Geschichten?
Ich bin ein großer Film-Fan und würde sogar sagen, dass ich dort die meisten Inspirationen bekomme. Und ich liebe Filmmusik und neige dazu, während des Schreibens ständig Film-Soundtracks zu hören. Beim Schreiben von „Hexenjäger“ habe ich zum Beispiel Horrorfilm-Soundtracks gehört. Aber das wirkliche Leben bringt auch eine Menge Inspirationen mit sich. Ich würde sagen, dort bekomme ich die meisten Ideen für meine Figuren und Dialoge. Viele der Charaktere sind lose an jemanden angelehnt, den ich kenne oder irgendwann einmal kennen gelernt habe. Und manchmal, wenn ich eine gute Geschichte oder etwas Eingängiges höre, füge ich es vielleicht meinem Dialog hinzu. Ich frage natürlich immer zuerst nach der Erlaubnis.
Die Filmrechte Ihres Buchs wurden an Hollywood verkauft. Wie ist die Vorstellung, Ihre Figuren von echten Schauspielern verkörpert auf der Leinwand sehen zu können?
Damit ging definitiv einer meiner größten Träume in Erfüllung. Ich bin wirklich gespannt, wie der Film schlussendlich sein wird und ich habe volles Vertrauen, dass das Unterhaltungsfirma Stampede Venture das Projekt großartig umsetzen wird. Ich bin einfach sehr neugierig und kann mir nicht vorstellen, am Ende enttäuscht zu sein.
Sie beziehen sich in „Hexenjäger“ auf einige historische und auch medizinische Hintergründe. Wie gehen Sie bei der Recherche zu einem neuen Buch vor?
Normalerweise gehe ich so vor, dass ich zuerst ein paar Bücher über das zentrale Thema lese. Im Fall von „Hexenjäger“ habe ich Bücher über die Hexenjagd gelesen, die vor einigen Jahrhunderten stattfand. Wenn es beispielsweise um Details in der Polizeiarbeit oder um medizinisches Wissen geht, nehme ich gewöhnlich mit den jeweiligen Experten Kontakt auf. So haben mir schon Polizeibeamte, Detektive, Ärzte, Anwälte, Lehrende, Hacker und sogar Ex-Kriminelle bei meinen Recherchen geholfen.
Neben der Mordermittlung geht es in einem parallelen Erzählstrang auch um die Vergangenheit der Hauptermittlerin, Jessica Niemi. Wie wichtig ist es Ihnen, nicht nur auf die Persönlichkeiten der Täter oder Opfer, sondern auch auf die der Ermittler einzugehen?
Ich denke, es ist sowohl für den Autor als auch für den Leser sehr interessant, so viel wie möglich über die Vergangenheit der Protagonisten zu erfahren. Warum die Person so geworden ist, wie sie jetzt ist. Was ihre jeweiligen Motive sind und warum sie auf diese oder jene Weise handelt. Mir ist es aber auch wichtig, nicht alles zu genau zu erklären, damit über das Erzählte hinaus auch die Phantasie des Lesers angeregt wird.
Nicht nur Jessica Niemi lernt der Leser im Laufe der Handlung gut kennen, sondern auch einige der anderen Ermittlerfiguren. Können Sie uns vielleicht schon verraten, ob es eine Fortsetzung mit diesem Team geben wird?
Ja, es gibt bereits eine Fortsetzung. Diese ist in Finnland bereits vor wenigen Wochen erschienen, ganz nach dem Motto: „Gleiches Team, neues Verbrechen“.
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