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Autorin

Pixie Turner

Pixie Turner hat jeden Ernährungstrend mitgemacht – und sich selbst damit nur unglücklich. Heute bloggt die Ernährungswissenschaftlerin als Plantbased Pixie über Rezepte und Diätmythen, sie tritt als Speakerin auf und scheut nicht die Konfrontation mit Influencern, die ihre Follower vornehmlich mit schlechtem Gewissen an sich binden.

Interview

"‚Superfood‘ ist keine wissenschaftliche Bezeichnung, sondern ein Marketingbegriff." | 08.05.2020

Sie sind studierte Biochemikerin und Ernährungswissenschaftlerin und zeigen uns, wie ausgewogene und gesunde Ernährung möglich ist. Außerdem plädieren Sie dafür, dass wir gerne gut essen sollten. Aber Sie rebellieren auch. Warum und gegen wen?Ich rebelliere gegen die Diät- und Gesundheitsindustrie, ...

Sie sind studierte Biochemikerin und Ernährungswissenschaftlerin und zeigen uns, wie ausgewogene und gesunde Ernährung möglich ist. Außerdem plädieren Sie dafür, dass wir gerne gut essen sollten. Aber Sie rebellieren auch. Warum und gegen wen?
Ich rebelliere gegen die Diät- und Gesundheitsindustrie, die so wertend ist und so viel Druck auf uns ausübt, 'perfekt' zu essen. Und ich rebelliere gegen all die Fehlinformationen, die sie verbreitet. Sie will damit verletzliche Menschen ausnutzen und macht ihnen falsche Hoffnungen, indem sie vermeintliche Wundermittel verkauft, die nicht wirken.
Sie haben jeden Ernährungstrend selbst mitgemacht. Was hat Sie zu der Erkenntnis gebracht, dass es höchste Zeit ist, einen neuen Ansatz für gesunde Ernährung zu finden?
Als ich in Australien arbeitete, saß ich mit ein paar anderen Gesundheits-Bloggern in einem Auto, und eine sagte, sie würde nie im Traum daran denken, ihre künftigen Kinder impfen zu lassen. Alle anderen stimmten ihr zu. Das schockierte mich wirklich. Ich dachte mir, wenn diese Leute an solche schrecklichen und falschen Informationen glauben, was mache ich dann überhaupt hier? Welchen Unsinn vertreten sie noch, bei dem ich vielleicht sogar mitgemacht habe?
Und so begann ich meine Vorstellungen über Essen und Gesundheit zu überprüfen und neu darüber nachzudenken.
Was ist eigentlich „Clean Eating“?
Clean Eating ist eine bestimmte Ernährungsweise. Dabei gibt es eine Liste von Regeln, was man essen darf und was nicht, doch diese variieren sehr, je nachdem wen man fragt. Aber alle Clean-Eating-Philosophien haben etwas gemeinsam: Sie moralisieren das Essen sehr stark. "Gute" und "saubere" Produkte machen dich zu einem guten, sauberen Menschen. „Schlechtes", "unsauberes" Essen macht dich zu einem schlechten Menschen. Nichts könnte falscher sein. Essen hat nicht die Macht, aus dir einen guten oder schlechten Menschen zu machen. Darüber hinaus ist es eine äußerst schädliche Sprache, da sie uns Schuldgefühle dafür vermittelt, dass wir Nahrungsmittel essen, die wir zum Leben brauchen, und weil sie uns das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein. Das ist falsch. Du bist gut genug!
In Ihren Kapiteln analysieren Sie weit verbreitete Ernährungsmythen wie zum Beispiel Basenfasten, Rohkost und Superfoods. Wie super sind Superfoods denn eigentlich?
‚Superfood‘ ist keine wissenschaftliche Bezeichnung, sondern ein Marketingbegriff. Wissenschaftlich gesehen hat er keine Bedeutung. Superfood-Pulver wie Maca oder Açaí sind eine komplette Geldverschwendung, denn sie enthalten nichts, das man nicht einfacher und billiger aus ‚normalen‘ Lebensmitteln gewinnen könnte. Superfood-Lebensmittel sind ein interessantes Feld, weil man sich damit beschäftig, welche Nährstoffe man braucht. Grünkohl wird zum Beispiel als Supernahrungsmittel angesehen, aber er ist völlig nutzlos, wenn man versucht seine Omega-3-Aufnahme zu erhöhen.
Wer sollte Ihr Buch lesen?
Jeder, der schon einmal eine Diät gemacht hat, jeder, der schon einmal seltsame Ernährungstrends wie Superfoods oder Saftreinigung ausprobiert hat, und auf jeden Fall jeder, der mehr Freude am Essen haben möchte.
Sie schreiben, dass Ihre Mutter auf die deutsche Familientradition bestand, gemeinsam am Abendbrottisch zu sitzen. Wie sahen denn Ihre Abendessen aus? Kennen Sie auch Blutwurst und Leberwurst?
Meine Mutter wuchs in Deutschland auf und brachte viele dieser Rezepte wie Hühnerfrikassee und Eier in Senfsoße mit nach England. Wir haben auch Weihnachten immer am 24. und nicht am 25. Dezember gefeiert und tun dies auch heute noch alle zusammen.
Als Kind haben wir jedes Jahr unsere Familie in Deutschland besucht, und ich habe immer noch viele Familienmitglieder in Deutschland, einschließlich meiner wunderbaren Oma, sodass ich mit allen Arten von Wurst sehr vertraut bin! Currywurst mit Pommes ist ein Muss bei jedem unserer Besuche!
Was ist Ihr Tipp für eine schnelle Mahlzeit nach einem langen Arbeitstag?

Nudeln kochen, Pesto (natürlich aus dem Glas) einrühren, Tomaten dazugeben, mit geriebenem Parmesan bestreuen (ich habe immer welchen im Gefrierfach) und genießen! 15 Minuten von Anfang bis Ende.

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