Tristan Horx - Autor
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Autor

Tristan Horx

Tristan Horx, Jahrgang 1993, ist Trend- und Zukunftsforscher beim Zukunftsinsitut und untersucht aus Perspektive der jüngeren Generationen die Themen Digitalisierung und Ökologie.

Interview

»DIE HÜTTE BRENNT!« | 24.08.2021

In Deinem Buch und auch in Deinem Job als Trendforscher beschäftigst Du Dich mit den Generationen unserer Zeit. Was sind heute die wirklich relevanten Trennlinien zwischen den Alten und den Jungen?Die Trennlinien sind gar nicht so scharf, wie man vermuten würde. Es ist innerhalb der älteren Generati...

In Deinem Buch und auch in Deinem Job als Trendforscher beschäftigst Du Dich mit den Generationen unserer Zeit. Was sind heute die wirklich relevanten Trennlinien zwischen den Alten und den Jungen?
Die Trennlinien sind gar nicht so scharf, wie man vermuten würde. Es ist innerhalb der älteren Generation zwar schon fast ein Reflex, schlecht über die Jugend zu sprechen: zu digital, verdummt, zu weich, undankbar. Oder für die Jüngeren, bei jeder Gelegenheit ein „OK, Boomer“ rauszuhauen. Aber eigentlich sind wir uns über die Generationen hinweg ähnlicher denn je, und wir stehen als Gesamtgesellschaft schlicht vor zu großen Herausforderungen, um übereinander herzuziehen. Der Wandel verlangt nach Solidarität.
Der Titel des Buchs „Unsere Fucking Zukunft“ liest sich einigermaßen wütend – was macht Dich so wütend am Mit- oder Gegeneinander der Generationen?
Wütend macht mich vor allem, dass wir tatsächlich eine Menge Scheinkonflikte austragen. Wir leben doch in einer fantastischen Welt. Wenn die Generationen ordentlich miteinander reden würden, könnten wir diese Welt gemeinsam in eine noch bessere Zukunft steuern. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern einfach lernen, konstruktiv zu streiten.
Heute gehen die Jungen für das Klima auf die Straße – und die Eltern wählen grün. Ist da überhaupt eine echte Rebellion der Jugend zu erwarten? Warum findest Du, wir „müssen für den Wandel rebellieren“?
Klimaschutz ist de facto die Grundvoraussetzung dafür, dass wir überhaupt eine Zukunft haben – wir alle, egal wie alt, müssen da einem Strang ziehen, aber dieses gemeinsame Ziel hat eben auch das Potenzial, die Generationen zusammenzubringen. Mir geht es da ja gar nicht um eine Rebellion GEGEN die Alten, sondern FÜR den Wandel. Und es muss sich noch eine Menge tun in Sachen Digitalisierung, Wohlstandsverteilung, Wohnen, Arbeiten. Da brennt die Hütte!

Wie sahen und sehen die Konflikte bei Dir zu Hause aus? Matthias Horx ist Dein Vater UND Gründer des Zukunftsinstituts, für das Du arbeitest – worüber streitet Ihr am meisten?
Ich habe meine Rebellion eigentlich schon hinter mir, habe vor allem in der Pubertät versucht, von dem ganzen Zukunftsforschungszeug zu distanzieren. Aber da er ein alter Hippie ist, fand er all meine Rebellionsversuche eigentlich charmant, war sogar im Nachhinein betrachtet unterstützend. Natürlich streiten wir auch heute ab und zu, aber meistens produktiv.
Wo siehst Du derzeit Chancen im Sinne einer besseren Verständigung zwischen Alt und Jung? Was könnte unser gemeinsamer Nenner sein, über alle Generationen hinweg?
Zuerst brauchen wir eine gesunde Dosis radikaler Ehrlichkeit. Über alle Generationen hinweg sollten wir uns mal so richtig die Meinung sagen, befreit von Verletzung und Motzerei. Eine Zukunft, die sich für alle lohnt, kann nur entstehen, wenn alle mitmachen. Nur wenn wir das endlich hinkriegen, können wir eine bessere Nachwelt schaffen – auch für die Generationen, die wir niemals kennen lernen werden.
Was sind Deine zentralen Wünsche oder sogar Forderungen an uns oder auch an die Politik, um die Generationen zusammenzubringen?
Die jüngeren Generationen fühlen sich vom politischen System oft völlig entfremdet: bei den Fridays-Demos geht es um die Rettung der Welt, der Horizont der meisten Politiker:innen endet oft mit der aktuellen Legislaturperiode. Gerade in Fragen der Bildung sehen wir, wie sehr da die Weitsicht fehlt. Das muss sich ändern.
Wem empfiehlst Du Dein Buch?
Dem Boomer, der Sorgenfalten bekommt, weil tiktok seine geliebten Kinder verdummen könnte.
Dem Generation Xler, der sich vergessen fühlt.
Dem Millenial, der das Homeoffice schon vor Covid-19 geil fand.
Dem Generation Zler, der verunsichert in die Zukunft schaut.
Der Generation Corona, die gerade geboren wird.
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