Uwe Hauck - Autor
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Autor

Uwe Hauck

Uwe Hauck arbeitet als Softwareentwickler für einen IT-Dienstleister. Er betreibt ein Blog unter dem Titel „Living the Future“ und hat zwei Bücher zur Zukunft unserer Gesellschaft veröffentlicht. Uwe Hauck ist Vater dreier Kinder und lebt mit seiner Familie im eigenen Haus in Schwaben. Neben der Arbeit als Autor und Blogger liebt er es, Fahrrad zu fahren und engagiert sich in der Förderung des Verständnisses für psychische Krankheiten, insbesondere Depressionen.

Interview

Autorensteckbrief: Uwe Hauck "Depression abzugeben" | 01.01.2017

Lieblingssatz aus dem Buch:Eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war:Das Erwachen in der Klinik am Morgen nach dem Suizidversuch. In diesem Moment dachte ich, alles verloren...

Lieblingssatz aus dem Buch:
Eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.
Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war:
Das Erwachen in der Klinik am Morgen nach dem Suizidversuch. In diesem Moment dachte ich, alles verloren zu haben.
Der optimale Soundtrack zum Buch:
Florence and the Machine
Der perfekte Ort, um das Buch zu lesen:
Auf einer Couch. Einer der liebsten Rückzugsorte mit Depressionen
Welchem Prominenten würden Sie Ihr Buch gern überreichen und welche Widmung stünde drin?
J.K. Rowling „Your Dementors taught me that one needs a powerful Patronus to win against them.“
Was darf beim Schreiben auf keinen Fall fehlen – abgesehen von Rechner, Schreibmaschine oder Stift?
Musik, Kaffee und ein kleines bisschen unglücklich sein, um die Gefühle wieder aufleben lassen zu können, die einen in der Geschichte begleitet haben.
Was ist schöner: den letzten Satz zu Ende gebracht zu haben oder das fertige Buch in Händen zu halten?
Das fertige Buch, weil ich erst dann wirklich daran glaube, dass da wirklich ein Buch entstand
Wer oder was hilft, wenn es mal schwierig ist, weiterzuschreiben?
Meine Familie, die immer wieder neugierig aufs nächste Kapitel ist.
Was stand am Anfang des Buchs: das Thema oder ein bestimmtes Ereignis oder Erlebnis?
Zuerst waren die Tweets da, die quasi den Rahmen bilden für das, was im Buch erzählt wird.
Wie wichtig sind Freunde, Familie, Berater beim Schreiben?
Sie sind sehr wichtig als Korrektiv und Testleser, was sie nicht mögen muss neu geschrieben werden, wenn sie sagen, es fehlt etwas, wird es aufgenommen. Sie haben mich in der ganzen Zeit aufmerksam beobachtet.
Lieber akkurat durchplanen oder erstmal drauflosschreiben?
Durchplanen, es gab so viel zu erzählen, dass ohne Planung sicher die wichtigsten Aspekte der Geschichte vergessen worden wären.
Welche Farbe hätte das Cover auf keinen Fall haben dürfen und warum?
Grau. Grau war die Farbe, die mein Leben in der Vergangenheit am besten beschrieb. Die Farbenvielfalt kehrt erst ganz langsam zurück.
Wer das Buch liest, fühlt sich nach der letzten Seite…?

Hoffentlich gut informiert und gut unterhalten. Auch wenn meine Geschichte mit einer dramatischen Wende meines Lebens beginnt, hatte die Rückkehr ins Leben durchaus amüsante Momente.

Interview

"Für mich war schnell klar, dass auch ein Vater mit Depressionen ein sehr guter Vater sein kann." (Katja Hauck) | 20.03.2019

Sie behandeln in Ihrem Buch ein ernstes Thema, über das selten offen gesprochen wird: Depressionen. Wann und warum haben Sie sich entschieden, das Buch zu schreiben?Katja: "Die Idee zu dem Buch ist durch das große Interesse entstanden, das dem Buch meines Vaters entgegenbracht wurde. Außerdem hat me...

Sie behandeln in Ihrem Buch ein ernstes Thema, über das selten offen gesprochen wird: Depressionen. Wann und warum haben Sie sich entschieden, das Buch zu schreiben?
Katja: "Die Idee zu dem Buch ist durch das große Interesse entstanden, das dem Buch meines Vaters entgegenbracht wurde. Außerdem hat mein Vater mich sehr nett gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit an solch einem Buch zu schreiben."
Uwe: "Schon während der Entstehung von „Depression abzugeben“ habe ich gespürt, dass gerade die Angehörigen noch nicht so zu Wort kommen, wie es eigentlich nötig wäre. Die Grundidee spukte also schon eine geraume Zeit in meinem Kopf herum, aber als dann auch meine Leserschaft monierte, dass in „Depression abzugeben“ die Sicht der Angehörigen zu kurz gekommen wäre, fassten wir den Entschluss, auch die Angehörigen von Betroffenen zu Wort kommen zu lassen."
Warum sind psychische Krankheiten ein solches Tabuthema? Und warum ist es Ihnen wichtig, trotzdem darüber zu schreiben und zu sprechen?
Katja: "Ich denke, dass es ein Tabuthema ist, weil es sehr lange als eine Bedrohung wahrgenommen wurde. Daher ist es mir wichtig, über so etwas zu schreiben, denn ich habe gemerkt, dass auch in der Schule nicht genug über diese Themen gesprochen wird."
Uwe: "In der Öffentlichkeit, insbesondere in den Medien, kann man mittlerweile häufiger über psychische Krankheiten lesen, hören oder sehen. Sobald das Ganze sich aber ins Private bewegt, schrecken viele vor einem offenen Umgang zurück, aus Angst vor beruflichen oder privaten Konsequenzen. Manche denken wohl auch, man würde sie dann für gefährlich und verrückt halten. Zudem hat die Psychiatrie noch heute mit den Fehlern aus der Vergangenheit zu kämpfen, die sie oft in einem falschen Licht dastehen lassen. Wir beide wollen deshalb aufklären, damit mehr Menschen den Mut aufbringen, sich helfen zu lassen. Und das gilt eben auch für Angehörige, die ebenso ein Recht auf Hilfe und Unterstützung haben, wie die Betroffenen selbst."
In Ihrem Buch schreibt Katja Briefe, die ihr Vater Uwe beantwortet – warum haben Sie beide sich für diese Form entschieden?
Katja: "Wir hatten uns auch vor dem Briefwechsel für das Buch schon Briefe geschrieben, außerdem konnte ich so besser und offener über das Thema schreiben, ohne die Angst haben zu müssen, meinen Vater zu verletzen."
Uwe: "Ich bin gerade im Umgang mit schwierigen Themen jemand, der sich lieber mit Hilfe des geschriebenen Wortes ausdrückt als im direkten Gespräch. Die Briefform bot uns beiden die Möglichkeit, länger und intensiver zu reflektieren und so bedachter an das Thema heranzugehen. Ich habe gespürt, dass sowohl Katja als auch mir es leichter fiel, manch unangenehme Wahrheit niederzuschreiben, als sie im direkten Gespräch zu vermitteln."
Wie war die Zusammenarbeit zwischen Vater und Tochter? Haben Sie viel diskutiert und wenn ja, worüber?
Katja: "Ich habe schon sehr oft mit meinem Vater über das Thema des Buchs gesprochen. Aber das habe ich generell mit vielen anderen auch und musste im Laufe der Zeit so einige Fragen anderer beantworten."
Uwe: "Um die Briefe so authentisch wie möglich zu lassen, habe ich es zu vermeiden versucht, inhaltlich oder stilistisch in Katjas Texte einzugreifen. Wir haben eher darüber gesprochen, welche Themen wir denn noch für aufgreifenswert halten oder uns gegenseitig an Ereignisse erinnert, die wir bereits verdrängt hatten. Es war weniger ein Diskurs als ein Austausch, eine Reflektion über die vergangenen drei Jahre."
Zu Ihrer Familie gehören ja auch Katjas Mutter und Brüder. Inwiefern waren auch sie am Schreibprozess beteiligt?
Katja: "Ich habe mich insbesondere mit meiner Mutter oft zusammengesetzt, um die Erinnerungen aufzufrischen, das viel mir mit meiner Mutter leichter, so konnte ich mir bereits Verdrängtes wieder klarmachen. Meine Brüder haben in einigen Briefen, insbesondere bei Geschehnissen, die ich nicht oder nur bruchstückhaft erlebt oder erinnert habe, ihre Sicht der Dinge einfließen lassen."
Uwe: "Mir war es wichtig, mit Katja eine Stimme zu haben, die einen klaren Dialog mit mir führt. Aber es war uns beiden auch wichtig, dass ihre Brüder und meine Frau zu Wort kommen, da sie noch mal zu bestimmten Ereignissen ihre eigene Sicht beitragen oder lückenhaftes ergänzen konnten."
Was war das schwierigste Kapitel im Buch?
Katja: "Für mich war es insgesamt sehr schwer, die alten Erinnerungen wieder aufzugreifen. Deshalb gibt es kein speziell schweres Kapitel. Alle waren nicht leicht."
Uwe: "Es waren vor allem die ersten Briefe, die ich als schwierig empfunden habe. Das langsame Herantasten, das Eingestehen des eigenen Fehlverhaltens, der Schuldgefühle. Als Katja mir dann einiges ihrer Sicht gespiegelt hatte, konnte auch ich etwas leichter an die Sache herangehen."
Was raten Sie Familien, die in einer ähnlichen Situation stecken wie Sie?
Katja: "Ich habe gelernt, dass wenn ein Familienmitglied an einer Depression erkrankt, die Familie auf jeden Fall versuchen soll, dem Betroffenen zu helfen. Für mich war schnell klar, dass auch ein Vater mit Depressionen ein sehr guter Vater sein kann. Mit diesem Buch möchte ich meine Sicht der Dinge als Angehörige und Tochter darlegen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Geschichte anderen helfen kann, damit sie nicht durch Fehleinschätzungen und Vorurteile den Betroffenen alleine lassen."
Uwe: "Für mich sind zwei Dinge ganz wichtig: Man sollte offen und ehrlich miteinander umgehen, das gilt für Angehörige wie Betroffene. Für mich war es eine überraschende und ein bisschen erschreckende Erkenntnis, dass unser Kinder von Anfang an gespürt haben, dass hier etwas sehr dramatisches passiert sein muss. Gott sei Dank wurden sie dadurch aufgefangen, dass sie stets ein wichtiger Teil der Familie blieben. Das ist die zweite Erkenntnis. Ehrlichkeit und ein gerüttelt Maß an Selbstschutz, damit nicht auch die Familie als coabhängig erkrankt. Alle im Freundes- und Familienkreis sollten wissen, worum es geht, was es bedeutet, um damit in Krisensituationen vernünftig umgehen zu können."
Wem würden Sie gern ein Exemplar von „Lieber Papa, bist du jetzt verrückt?“ überreichen und welche Widmung stünde drin?
Katja: "Ich persönlich werde ein Buch meiner besten Freundin schenken, die auch schon mit dem Thema konfrontiert war. Als Widmung würde im Buch „Gib nie auf“ stehen oder etwas ähnliches."
Uwe: "Vermutlich bekommt eines der ersten Bücher die Mitpatientin aus der Reha Klinik, die im ersten Buch „Anne“ heißt. Sie war es, die mir auf dem Weg die entscheidenden Impulse gegeben hat und mich mit aus dem Tal der Depression geholt hat. Als Widmung würde ich wohl schreiben: 'Für einen Menschen, der mit mir ein Schicksal geteilt und mir eine bessere Sicht der Welt geschenkt hat'."
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