Insel der blauen Gletscher
 - Christine Kabus - Taschenbuch

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9,99

inkl. MwSt.

Bastei Lübbe
Taschenbuch
Landschaftsromane
622 Seiten
ISBN: 978-3-404-17154-5
Ersterscheinung: 15.01.2015

Insel der blauen Gletscher

Norwegenroman

(8)

Zwei Frauen, eine atemberaubende Landschaft und ein dunkles Geheimnis, das hundert Jahre unter dem Eis verborgen lag ...
Spitzbergen, 2013. Um für eine Reisereportage zu recherchieren, begibt sich die Journalistin Hanna auf den einsamen Archipel jenseits des Polarkreises. Dort lernt sie den Polarforscher Kåre Nybol kennen, dessen humorvolle Art ihr sogleich sympathisch ist. Gemeinsam erkunden sie die einzigartige Landschaft Spitzbergens – und kommen sich dabei allmählich näher. Doch als sie eine längst verlassene Bergbausiedlung am Kongsfjord besichtigen, macht Hanna im geschmolzenen Gletschereis einen grausigen Fund, hinter dem sie eine spannende Story wittert. Gemeinsam mit Kåre taucht sie tief in die Vergangenheit des entlegenen Archipels ein …
Ruhrgebiet, 1907. Statt dem Wunsch ihrer Eltern zu folgen und sich einen Ehemann zu suchen, schließt die burschikose Emilie einen Pakt mit ihrem jüngeren Bruder Max: Sie wird an seiner Stelle an der geplanten Arktisexpedition teilnehmen. Als Mann verkleidet schließt sie sich der Expeditionsgruppe an. Doch schon bald ahnt sie, dass sie nicht die einzige ist, die etwas zu verbergen hat. Ganz offensichtlich nehmen die Männer aus ganz unterschiedlichen Motiven an der Reise teil – und mindestens einer von ihnen hütet ein dunkles Geheimnis, dessen Aufdeckung er um jeden Preis zu verhindern sucht …

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Pressestimmen

„Intensiver Norwegenroman“
[...] ist ein spannender Roman über zwei Frauen, der in der herrlichen Landschaft Spitzbergens spielt."

Rezensionen aus der Lesejury (8)

tigerbea tigerbea

Veröffentlicht am 05.03.2017

Wunderschön

Die junge Emilie fühlt sich in ihrer Welt im Jahre 1907 eingeengt. Sie möchte Reisen machen und Abenteuer erleben. Doch das ist für eine junge Dame dieser Zeit höchst unpassend. Da kommt es ihr sehr gelegen, ... …mehr

Die junge Emilie fühlt sich in ihrer Welt im Jahre 1907 eingeengt. Sie möchte Reisen machen und Abenteuer erleben. Doch das ist für eine junge Dame dieser Zeit höchst unpassend. Da kommt es ihr sehr gelegen, daß ihr jüngerer Bruder Max zu einer Expedition in die Arktis geschickt werden soll. Max fürchtet sich vor dieser Reise und läßt sich von Emilie gerne überreden, ihre Rollen zu tauschen. So beginnt für Emilie ein Abenteuer voller Gefahren.

Hanna wird im Jahr 2013 von ihrem Mann verlassen. Deshalb muß sie ihr Leben vollkommen verändern und arbeitet wieder als Reisejournalistin. Ihr erster Auftrag führt sie nach Spitzbergen. Dort lernt sie den Polarforscher Kare kennen und entdeckt mit ihm gemeinsam eine Gletschermumie. Hanna ahnt, daß eine unheimliche Geschichte dahinter steckt und begibt sich auf Spurensuche.

Die beiden nebeneinander laufenden Geschichten sind interessant und verknüpfen sich zum Schluß auf verblüffende Art und Weise. So, wie die Autorin die Landschaft der Arktis beschreibt, kann nur jemand schreiben, der sich in diese Welt im Norden verliebt total verliebt hat. Das spürt man bei jeder Zeile dieses Romans. Ich kenne jetzt alle Bücher von Christine Kabus und bin immer wieder erstaunt, wie genau sie die Leser auf die Reise schickt. Ich glaube, man könnte die Bücher auch als Reiseführer verwenden. Die Geschichte um die beiden Frauen, Emilie und Hanna, zeigen deutlich, wie sehr sich das Leben in 100 Jahren geändert hat. Und trotzdem ändert sich manches nie, z.B. die Erwartung, daß Frauen viel verzeihen und einfach wegstecken. Zum Glück beweisen unsere Hauptpersonen, daß es nicht so sein muß-

Ich finde, das Buch ist rundum gelungen und empfehle jedem, der auf Abenteuerreise vom Sessel aus gehen will, es zu lesen!

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

kaeferchen kaeferchen

Veröffentlicht am 26.10.2016

packender Roman, der das Fernweh weckt



2013: Nach der Trennung von ihrem Mann will Hanna wieder in ihrem alten Beruf arbeiten und begibt sich zur Recherche nach Spitzbergen. Unterwegs lernt die Reisejournalistin den Polarforscher Kåre Nybol ... …mehr



2013: Nach der Trennung von ihrem Mann will Hanna wieder in ihrem alten Beruf arbeiten und begibt sich zur Recherche nach Spitzbergen. Unterwegs lernt die Reisejournalistin den Polarforscher Kåre Nybol kennen, der ihr die verborgenen Schönheiten der nordischen Landschaft zeigen kann. Gemeinsam machen sie einen lange verborgenen Fund.
1907: Emilie fühlt sich eingeengt und von ihren Eltern bevormundet. Um ihrem Bruder zu helfen, begibt sie sich an seiner Stelle auf eine Arktisexpedition. Das Abenteuer, das ihr endlich etwas Freiheit gibt, birgt aber auch große Gefahren.

„Insel der blauen Gletscher“ schildert das Leben von zwei Frauen, die in völlig unterschiedlichen Zeiten leben, aber mir beide aufgrund ihres Verhaltens schnell sympathisch geworden sind. Emilie wehrt sich gegen die engen Ketten ihrer Zeit und tritt mutig für ihren Bruder ein, obwohl sie mit dem ständigen Risiko ihrer Entlarvung ein großes Wagnis eingeht. Sie ist tapferer und tüchtiger als die meisten Männer und scheut keine Gefahren.
Hanna erleidet einen schweren Schlag. Doch statt sich zu verkriechen und in Selbstmitleid zu versinken, will sie ihr Leben wieder in die Hand nehmen und alte Träume verfolgen, die sie lange zurückgestellt hat. Allein begibt sie sich auf die Reise in das weit entfernte Land, um unter extremen Bedingungen ihre alten Talente wieder hervorzuholen.

Beide Geschichten sind sehr interessant, wobei gerade die historischen Einblicke spannend sind – nicht nur, was Emilies Leben in Deutschland angeht, sondern vor allem der Weg nach Spitzbergen, das zu dieser Zeit noch viel weniger besucht und besiedelt war als heute.
Christine Kabus schmückt ihre Erzählung mit allerlei detaillierten Landschaftsbeschreibungen, die es ermöglichen, sich das fremde Land bildhaft vorzustellen.
Darüber hinaus gibt es Einblicke in die Geschichte Spitzbergens, die vor allem aus Hannas Recherchen resultieren.

Insgesamt ergibt sich eine abwechslungsreiche Mischung aus Handlung, Landschaftsbeschreibung und geschichtlichen Einblicken. Nur an wenigen Stellen hätten die historischen Fakten für mich etwas knapper ausfallen dürfen, weil ich viel lieber wissen wollte, welche Abenteuer die Frauen als nächstes erwarten.
Zudem hätte es mich gefreut, wenn der Weg nach Spitzbergen etwas kürzer gewesen wäre und dafür die Zeit im Eis, die ich bei beiden Frauen unglaublich faszinierend fand, länger gedauert hätte.

Lange laufen beide Erzählstränge parallel ohne Verbindung nebeneinander her, sodass man sich immer mehr fragt, an welcher Stelle beide Geschichten einen Verknüpfungspunkt bekommen werden. Immer Kapitelweise wird zwischen dem Leben der beiden Frauen gewechselt, wobei am Ende jeweils ein kleiner Cliffhanger steht, der stets die Neugier weckt, was als Nächstes passieren mag.
Erst ganz am Ende fügen sich die zwei Geschichten in vielen Details sehr stimmig und teils überraschend zusammen und sogar der Prolog, der zunächst nicht so recht ins Bild passen wollte, erschließt sich.

„Insel der blauen Gletscher“ ist bereits der dritte Norwegenroman von Christine Kabus. Ich kenne bisher nur den ersten, „Im Land der weiten Fjorde“, und habe mich sehr gefreut, dass Namen von früheren Figuren wieder auftauchen. So habe ich von bereits bekannten Charakteren gelesen, die in Beziehung zu den aktuellen stehen, was mir zunächst gar nicht bewusst war, aber ein schönes Gesamtbild ergibt, da auch immer wieder auf kleinere vergangene Begebenheiten eingegangen wurde.

Zwei starke, mutige Frauen, zwei spannende Geschichten und eine eindrucksvolle Landschaft. Christine Kabus erschafft eine abwechslungsreiche Mischung, die trotz der Buchdicke von über 600 Seiten an die Geschichte zu fesseln vermag und zu keiner Zeit langweilig wird. Nur an sehr wenigen Stellen hätte ich mir ein etwas höheres Erzähltempo anstelle der historische Einblicke gewünscht.

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Gudrun67 Gudrun67

Veröffentlicht am 08.10.2016

Der hohe Norden ist allemal eine Reise wert.

Die Gliederung der beiden Geschichten um Hanna und Emilie, die in den Jahren 2013 und 1907 spielen, hat Christine Kabus so vortrefflich spannend geschildert, dass ich den Norwegerroman am Liebsten in einem ... …mehr

Die Gliederung der beiden Geschichten um Hanna und Emilie, die in den Jahren 2013 und 1907 spielen, hat Christine Kabus so vortrefflich spannend geschildert, dass ich den Norwegerroman am Liebsten in einem Rutsch "verschlungen" hätte.



Die einzelnen, sich abwechselnden Abschnitte, die sich in den oben genannten Jahren abspielen, decken Stück für Stück das Rätsel und die Hintergründe um einen Toten und die anderen Zusammenhänge schlüssig - und super in die jeweiligen Zeiten eingegliedert - auf.



Christine Kabus schafft es hierbei, die realen Gegebenheiten der Land- und Ortschaften sowie der dort ansässigen Persönlichkeiten mit ihren typischen Merkmalen immens lebensnah darzustellen.



Wie ich an den Protagonistinnen erkannt habe, ist es niemals gut, den Kopf in den Sand zu stecken, im Gegenteil (wie auch ein Zitat aus dem Buch S. 73 anspricht): "Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe."



Zu den ohnehin schon lebensnah dargestellten Charakteren, lässt die Autorin den Leser an den Gedanken der Mitwirkenden teilhaben, was ihnen zusätzlich Tiefe verleiht.



Die interessanten Informationen zu den unterschiedlichsten Themen, die real stattgefunden oder auch über die Persönlichkeiten, die gelebt haben, wurden von Christine Kabus hervorragend in die fiktive Geschichte integriert.



Mein Fazit: Der hohe Norden ist allemal eine Reise wert.

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Svanvithe Svanvithe

Veröffentlicht am 15.09.2016

Reise in ein neues Leben

Auf den ersten Blick vereint die beiden Protagonistinnen des dritten Romans „Insel der blauen Gletscher“ von Christine Kabus wenig. So sehr unterscheiden sie sich in Alter, Herkunft, Lebenszeit und -weise. ... …mehr

Auf den ersten Blick vereint die beiden Protagonistinnen des dritten Romans „Insel der blauen Gletscher“ von Christine Kabus wenig. So sehr unterscheiden sie sich in Alter, Herkunft, Lebenszeit und -weise. Und doch ist ihnen eines gemeinsam: Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung und suchen ihren eigenen Weg für ein erfülltes Dasein.

Elberfeld im Rheinland, Mai 1907. Emilie, die behütete Tochter des Fabrikanten Gustav Berghoff, feiert gerade ihren 21. Geburtstag und sieht sich den typischen Zwängen ihrer Zeit ausgesetzt: Nicht nur dass sie sich tatsächlich in ein Korsett pressen muss, sich während der Schulzeit lediglich mit Handarbeiten, Auswendiglernen und Abschreibeübungen in Schönschrift beschäftigen durfte. „Wir werden hier nicht über Gebühr mit Wissen belastet. Das hat immerhin den Vorteil, dass wir unseren solcherart geschonten Verstand nachher noch haben werden.“ (Seite 442), schlussfolgert eine Mitschülerin treffend. Sondern es ist auch für Emilie trotz ihrer Intelligenz und ihres vorhandenen Talents nicht vorgesehen, dass sie eine Ausbildung macht. Stattdessen besteht nach Anschauung ihres Vaters das Ziel darin, sie gut zu verheiraten. Damit folgt er dem klassischen Modell, wonach eine Frau versorgt werden sollte. Beklemmende Aussichten für eine Frau von Emilies Format...

Doch dann bietet sich ihr eines Tages die Gelegenheit, zumindest für eine Zeit aus ihrer gewohnten Tristesse auszubrechen. Weil Emilies hochsensibler, schöngeistiger, aber gleichwohl lebensuntüchtiger Bruder Max, Student der Biologie, auf Grund seiner ihn beherrschenden Versagensängste nicht in der Lage ist, an einer Expedition nach Spitzbergen teilzunehmen, tritt sie an seine Stelle. Verkleidet als fescher junger Mann, wobei ihre burschenhafte Figur, die buschigen Augenbrauen und ihr tiefer Stimmentimbre sich als Vorteil erweisen, beginnt sie das Abenteuer ihres Lebens.

Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz, Juli 2013. Hanna hat gerade ihren Sohn Lukas zum Flughafen gebracht und sich für ein Jahr, das er als Helfer in einem bolivianischen Waisenhaus verbringen will, von ihm verabschiedet. Bei der Rückkehr nach Hause überrascht sie ein Brief ihres Mannes Thorsten, in dem er ihr offenbart, dass er sie verlässt, um nicht länger unzufrieden sein Leben aufzuschieben, sondern entgegen seinem sonstigen Bedürfnis nach Sicherheit und Beständigkeit neue Wege gehen will.

Nach dem ersten – verständlichen Schock – rafft sich Hanna – auch auf Grund des aufmunternden Zuspruchs ihres guten Freundes Heiko auf und lässt ihr bisheriges Dasein hinter sich, um zu ihren beruflichen Ursprüngen zurückzukehren. Einst hatte sie für ihre Familie ihren erfolgreichen Job als Reisejournalistin an den Nagel gehängt. Jetzt bietet sich ihr die Gelegenheit, für ihre alte Redaktion nach Spitzbergen zu fliegen.

Christine Kabus ist eine ausgezeichnete Erzählerin. Die sich abwechselnden Geschichten der beiden Frauen sind detailliert und mit viel Hintergrundwissen gefüllt. Umfangreiche Informationen geschichtlicher, örtlicher, baulicher oder technischer Natur fügen sich gekonnt in den Text ein und sind für den Leser wissenserweiternd. Bis zur Zusammenführung der beiden Handlungen gibt es berührende, spannungsreiche, geheimnisvolle und nachdenkliche Momente zu entdecken. Da der Humor das eine oder andere Mal ebenfalls nicht zu kurz kommt, ist das Lesen insgesamt ein Vergnügen.

Wie schon in den Vorgängerromanen der Autorin, spielt bei Norwegen eine Hauptrolle. Insbesondere steht Spitzbergen im Fokus der Geschichten von Emilie und Hanna. Zwei Landkarten lassen hierbei eine gute Orientierung zu.

_Spitzbergen ist mit einer Fläche von fast 38.000 km² die größte Insel der gleichnamigen Inselgruppe im Arktischen Ozean und als einzige bewohnt. 2.500 Menschen halten es hier im arktischen Klima aufgeteilt auf fünf Dörfer aus. Zu ihnen gesellen sich 3.000 Eisbären, 10.000 Spitzbergen-Rentiere, ein paar Tausend Walrosse, Robben und Polarfüchse. Die Küsten Spitzbergens sind stark gegliedert und bilden zahlreiche Fjorde, die im westlichen Teil wegen des Golfstroms im Winter oft nicht zufrieren. Der größte und zugleich bekannteste Fjord ist der Isfjord, der weit ins Zentrum der Insel reicht und mit geschützten Lagen die günstigsten Bedingungen für menschliche Besiedlung bietet.
Spitzbergen liegt nördlich der Permafrostgrenze. Das bedeutet, dass der Boden an den Küsten ständig zehn bis vierzig Meter, im Hochland des Inselinneren sogar mehrere hundert Meter tief gefroren ist. Daher sind Geburten und Sterbefälle auf Spitzbergen nicht erlaubt. Eigentlich. Ab und an geschieht es trotzdem. Und im Hinblick auf das Ableben ist das eine heikle Sache: Wegen des Permafrostes kann niemand beerdigt werden, die Leichen werden konserviert..._

Beeindruckend sind die Schilderungen der majestätischen und bezaubernden Landschaft. So kann der Leser mit Emilie den erhabenen Anblick erleben, mit dem Schiff durch grünblaues Wasser auf die auf den Gipfeln mit Schnee bedeckten Berge und blauen Gletscher zuzugleiten.

_Über die Hälfte der Landfläche von Spitzbergen ist von Gletschern in vielerlei Gestalt bedeckt - manche sehen aus wie gewaltige Tafeln, andere wiederum ähneln bizarren Berglandschaften. Sie sind zwar ständig in Bewegung, dies aber auf Grund der niedrigen Temperaturen und geringen Niederschläge nur sehr langsam. Lediglich in den feuchteren Küstengebieten verändern die Gletscher ihre Lage um zehn bis dreißig Meter pro Jahr. In der Regel sind die Kolosse strahlend weiß. Manchmal gibt es jedoch auch blaue Eisberge. Ihre Farbe beruht ganz simpel auf Physik, nämlich den optischen Eigenschaften des Eises. Tiefblau schimmert ein Eisberg nur, wenn er sehr wenige Luftbläschen enthält._

Oder er lässt mit Hanna gern den "Blick über den Fjord zum gegenüberliegenden Ufer schweifen, in dessen schwarzen Felsen hunderte Seevögel" (Seite 316) nisten, in deren Rufe sich das leise Rauschen des Windes mischt, wo blaue von einem Gletscher abgebrochene Eisstücke über das Wasser und an den Strand treiben. Wenn sie wie Diamanten zwischen bunten Steinen glitzern, mag man nur an die traumhafte Kulisse und die friedliche Atmosphäre denken und nicht daran, dass der Mensch selbst die größte Bedrohung für das alles ist. Es ist wunderbar, wie die Autorin das beschreibt. Dadurch entstehen lebhafte Bilder, gemalte Momente: "Der Himmel wölbte sich tiefblau über ihnen, die Sonne stand über den Hügeln und ließ das rötliche Gestein leuchten. Vom gegenüberliegenden Steilufer trug eine sanfte Brise die Rufe der Vogelkolonie herüber." (Seite 334)

Dazu passt das wunderschöne Cover mit dem hellen Licht der aufsteigenden Sonne über den blauen Gletschern hervorragend.

Christine Kabus hat ihre Figuren, allen voran Emilie und Hanna mit viel Feingefühl entwickelt.

Emilie ist warmherzig und mutig. Die Abenteuerlust lockt sie. Sie verfügt über einen messerscharfen Verstand. So schnell haut sie nichts um. Keine stürmische Fahrt übers Meer, schießwütige Kerle, die Aussicht, vielleicht riesigen Eisbären zu begegnen.

Sie möchte selbst ihren Weg suchen und nicht ausnahms- und meinungslos tun, was von ihr erwartet wird, sich nicht all den Regeln, Vorschriften und Zwängen ohne Aussicht auf persönliches Glück unterwerfen. Im Verlaufe der Reise entwickelt sie sich, verinnerlicht die Rolle ihres Bruders mehr und mehr, auch wenn es zwischendurch ein paar Momente gibt, in denen sie alten Gewohnheiten folgt. Tatsächlich stellt sie fest, dass es nicht leicht ist, Verhaltensmuster, die einen jahrelang geprägt haben, durch neue zu ersetzen, in erster Linie, wenn es unbekannte männliche Gebaren sind. Aber Emilie kommt immer besser zurecht und schätzt die damit verbundenen Freiheiten. Unter anderem, nicht mehr das abhängige und fremdbestimmte sich Leben einer Frau zu führen, die Möglichkeit zu haben, einen anderes Stück der Welt kennen zu lernen. Sie macht die Erfahrung, Teil einer Gruppe zu sein, die Hand in Hand miteinander arbeitet und gemeinsam den Gefahren die Stirn bietet, dass dies ein befriedigendes Gefühl ist. Gebraucht zu werden. Ein sinnvolle Tätigkeit auszuüben.

Hanna dagegen scheint mit 45 Jahren schon auf Grund ihrer Lebenserfahrung gefestigter. Doch der Eindruck täuscht. Denn auch Hanna hat ihr Päckchen zu tragen. Sie ist eine Frau mit einem großem Einfühlungsvermögen. Allerdings drängt sie ihre eigenen Gefühle zurück, sobald jemand, der ihr nahesteht, emotional ihre Unterstützung benötigt.

Am Beginn ihrer Reise steht sie vor den Trümmern ihrer Ehe. Weil sie viel zu lange nicht wahrhaben wollte, dass sie und Thorsten schon seit Jahren nebeneinander her leben und sie aus Bequemlichkeit oder auch aus Furcht vor den Konsequenzen ihre Unzufriedenheit verdrängt und meine Wünsche und Vorstellungen von einem erfüllten Leben unterdrückt hat. Doch schlussendlich bietet sich ihr nun eine Chance, an der Reihe zu sein. Sie muss kein schlechtes Gewissen mehr haben und Rücksicht nehmen, kann das tun, was sie möchte.

Neben Emilie und Hanna hat die Autorin den Nebenfiguren viel Raum und Charakter gegeben.

Da ist zum Beispiel Kare, gutaussehender Einzelgänger, der bislang nirgendwo Wurzeln geschlagen hat und feste Bindungen einging, gleichwohl jedoch einfühlsam, umgänglich, bescheiden ist, bleibt in Erinnerung als einer der seltenen Menschen, die lieber zuhören, weder fordernd noch besitzergreifend sind, sondern aufmerksam und zugewandt. Es macht Spaß zu lesen, dass er an Hannas Seite wie ausgetauscht wirkt. Sie tut ihm sichtlich gut. Und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Emilies Tante Fanny, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, das sie keinesfalls streng und steif sieht, schließt der Leser ins Herz, weil sie ihre Nichte in ihrem Bestreben auf Selbstbestimmung unterstützt.

In der Gegenwart des sympathischen Engländers William fühlt sich jeder unbeschwert. Nicht nur Emilie. Er hat Humor und interessiert sich aufrichtig für andere Menschen.

Dann sei noch Arne erwähnt, die „Inkarnation eines Wikingerhäuptlings", dem wenige Worte ausreichen und der nicht so zugänglich, sondern eher ungehobelt und mürrisch erscheint.

Natürlich bekommen außer den vorgenannten weitere interessante, freundliche oder gar unleidliche Protagonisten ihren Auftritt. Sie alle beleben den Roman, und wer ihnen, vor allem aber Emilie und Hanna und der großartigen Natur Spitzbergens begegnen möchte, dem sei die Lektüre des Romans an Herz gelegt.

Diese Reise lohnt sich auf jeden Fall!

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leseratte1310 leseratte1310

Veröffentlicht am 15.09.2016

Frauen gehen ihren Weg

Insel der blauen Gletscher
1907: Emilie kommt langsam in das heiratsfähige Alter. Ihre Tante Fanny soll sie in Berlin in die Gesellschaft einführen. Emilies Bruder Max kann den strengen Anforderungen des ... …mehr

Insel der blauen Gletscher
1907: Emilie kommt langsam in das heiratsfähige Alter. Ihre Tante Fanny soll sie in Berlin in die Gesellschaft einführen. Emilies Bruder Max kann den strengen Anforderungen des Vaters nicht gerecht werden. Nun soll er für seinen Professor bei einer Expeditionstour nach Norwegen Aufgaben übernehmen, fühlt sich der Aufgabe aber nicht gewachsen. So reist seine Schwester verkleidet als Max mit.
2013: Hanna muss feststellen, dass sie sich etwas vorgemacht hat und dass ihre Ehe längst nicht so perfekt ist, wie sie das angenommen hat. Ihr Mann tritt mit einer jüngeren Frau eine Weltreise an und informiert Hanna kurz mit einem Zettel. Die geschockte Hanna will ihr Leben nun selbst in die Hand nehmen und in ihrem früheren Job arbeiten. Von jetzt auf gleich reist sie nach Norwegen.
Die Geschichte wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Lange hatte ich den Eindruck, ich lese parallel zwei Geschichten. Erst ziemlich am Ende gibt es eine Verknüpfung, die zwar schlüssig ist, die aber dennoch ruhig ein wenig ausführlicher sein dürfte.
Emilie entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die ihre Mutter von einem wohlerzogenen Mädchen hat. Es fällt Emilie schwer, den Erwartungen gerecht zu werden, denn sie ist sehr direkt und hat ihren eigenen Kopf. Gut, dass ihre Tante Fanny sie unterstützt, als Emilie sie in Berlin besucht. So kann sie beweisen, dass eine beherzte Frau manchem Mann etwas vormachen kann.
Hanna hat sich ganz der Familie gewidmet. Als ihr Mann sie verlässt, erkennt sie, dass sie sich selbst aufgegeben hat. Nur kurz lässt sie den Schmerz zu, dann nimmt sie Ihr Leben in die Hand. Weil sich bei ihrem alten Arbeitgeber keiner gefunden hat, der die Berichterstattung von Spitzbergen übernehmen will, erhält Hanna gleich eine Chance und packt sie. In Norwegen lernt sie dann den sympathischen Kåre kennen, der ihr viel über die Landschaft und Geschichte Spitzbergens erzählen kann.
Zwei Frauen zu unterschiedlichen Zeiten, die sympathisch sind und sich durch das Schicksal nicht entmutigen lassen. Sie packen an und nehmen ihre Chancen wahr. Beide sind in diesem Buch authentisch dargestellt.
Der Schreibstil ist den dargestellten Zeiten angepasst und lässt sich angenehm flüssig lesen.
Die Landschaft war sehr schön beschrieben, so dass ich mich direkt dorthin versetzt fühlte. Auch über die Geschichte habe ich einiges erfahren und nebenbei auch über Umweltprobleme.
Ein unterhaltsamer Roman mit einem Schuss Romantik.

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Autorin

Christine Kabus

Christine Kabus - Autor
© Stefan Thomas

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die …

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