Café Engel
 - Marie Lamballe - Taschenbuch

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10,00

inkl. MwSt.

Bastei Lübbe
Taschenbuch
Saga
559 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-404-17748-6
Ersterscheinung: 28.02.2019

Café Engel

Eine neue Zeit
Roman

(36)

AUFTAKT DER GROSSEN CAFE-ENGEL-SAGA Wiesbaden, 1945. Die junge Hilde kann ihr Glück kaum fassen: Der Krieg ist zu Ende, und das Café Engel blieb wie durch ein Wunder verschont. Gegen alle Widerstände will sie den Familienbetrieb wieder zu jenem glanzvollen Treffpunkt schillernder Persönlichkeiten machen, als der er einst berühmt war. Doch schon bald trüben erste Konflikte den jungen Frieden: Als eine schöne junge Frau das Café betritt und sich als ihre Cousine Luisa vorstellt, ist Hildes Misstrauen geweckt. Wer ist diese rätselhafte Frau, die sich von Ostpreußen bis nach Wiesbaden durchgekämpft hat? Wachsende Rivalität zwischen den beiden Frauen droht die harmonische Atmosphäre im Café zu vergiften. Bis Hilde und Luisa begreifen, dass sie etwas gemeinsam haben: ein Geheimnis aus Kriegszeiten, das sie bis heute fürchten …
DIE FESSELNDE GESCHICHTE EINER CAFEHAUSDYNASTIE IM WANDEL DES 20. JAHRHUNDERTS – BAND 2 ERSCHEINT AM 28. JUNI 2019



Rezensionen aus der Lesejury (36)

tinstamp tinstamp

Veröffentlicht am 11.03.2019

Hat noch Luft nach oben

Zu Beginn des ersten Bandes dieser Trilogie lernen wir Hilde und Luise als Kinder im Jahr 1935 kennen. Hildes behütete Kindheit im Café Engel in Wiesbaden steht im Gegensatz zu Luises Leben, die auf Gut ... …mehr

Zu Beginn des ersten Bandes dieser Trilogie lernen wir Hilde und Luise als Kinder im Jahr 1935 kennen. Hildes behütete Kindheit im Café Engel in Wiesbaden steht im Gegensatz zu Luises Leben, die auf Gut Tiplitz in Ostpreußen aufwächst. Sie ist die uneheliche Tochter des Gutsherren und wird nach dessen Tod gemeinsam mit ihrer Mutter vom Gutshof vertrieben. In Stettin bauen sie sich eine neue Existenz auf bis die Russen während des Krieges anrücken und beide wiederum Richtung Westen flüchten müssen. Bis Hilde und Luise aufeinander treffen sind zehn Jahre vergangen und 3/4 des Romans bereits gelesen - wieder einmal führt der Klappentext eines Romans den Leser in die Irre....!

Kernpunkt dieser Geschichte ist das titelgebende Café Engel samt seinen Besitzern und Bewohnern. Es ist ein Künstlercafé, das gerne von Schauspielern, Mitarbeiter der Requisite und Musikern des gegenüberliegenden Theaters besucht wird. Inhaber Heinz Koch ist ein Kunstliebhaber und fördert den Besuch seiner Gäste. Während des Zweiten Weltkrieges muss das Café allerdings geschlosen werden. Als das Ende des Krieges in greifbare Nähe rückt, möchten Hilde und ihre Mutter das Cafè wiedereröffnen, während Vater Heinz, der noch zum Volkssturm eingezogen wurde, in Kriegsgefangenschaft gerät. Doch die Lebensmittelvorräte sind so gut wie aufgebraucht und die wenigsten Menschen haben das Geld, um sich in ein Café zu setzen. Doch so schnell gibt Hilde nicht auf....

Der Roman spielt vorwiegend in der Nachkriegszeit und spart nicht mit Themen wie zerbombte Städte, Flucht und dem Leben unter den Besatzern. Die Menschen hungern und der Schwarzmarkt blüht. Im Café Engel begleiten wir nicht nur Hilde und ihre Mutter Elsa, sondern auch die Jüdin Julia, die im Hause Koch versteckt wurde, Jean-Jacques, einem französischen Zwangsarbeiter, dem die beiden Frauen zur Flucht verhelfen und wir lesen auch aus der Sicht von Heinz im Gefangenenlager. Dadurch gibt es viele Perspektivwechsel, die nicht bei allen Leserinnen der Leserunde bei der Lesejury gut ankamen. Ich fand diese allerdings gut gewählt und hatte keinerlei Probleme damit - im Gegenteil. Ich finde, dass man damit einen viel besseren Einblick in die Gedanken und in die Gefühlswelt der einzelnen Charaktere hatte. Leider trug der etwas irreführende Klappentext auch zu einigen Enttäuschungen in der Leserunde bei. Die angegebenen Differenzen von Hilde und Luise sind erst am Ende eingetroffen. Das groß angekündigte Geheimnis gab es nicht. Die beiden jungen Frauen waren auch nicht unbedingt die Hauptprotagonisten des Romans....
Besonders beeindruckt hat mich der Abschnitt von Heinz im Gefangengenlager. Gut übermittelt wurden auch die Gefühle von Jean-Jacques, der sich in einer Zwickmühle befindet und dem ich sein Gefühlsregungen sehr gut verstehen konnte.
Die Charaktere sind sehr facettenreich beschrieben. Leider wirken einige davon am Ende etwas unglaubwürdig, denn sie verändern sich dramatisch. Dieser Umschwung war mir zu drastisch, um glaubwürdig zu wirken. Das ist schade, denn im ersten Drittel mochte ich vorallem Hilde sehr, die mit viel Power, Einfallsreichtum und Mut an die Wiedereröfnung des Café herangeht.

Die Handlungsorte sind realistisch und sehr bildhaft dargestellt. Ich hatte immer das Gefühl die wunderbare Atmosphäre des Café Engel zu spüren, litt mit Jean-Jacques in seiner französischen Heimat in den Weinbergen oder begleitete Luise auf ihrer aufregenden und leidvollen Flucht. Aber auch die Bombardierungen und die Skepsis gegenüber den neuen Besatzern, den Amerikanern, wird sehr überzeugend geschildert.

Gut fand ich, dass es zum Ende hin keinen Cliffhanger gab, der zu viele Handlungsstränge offen lässt. Der Roman ist fast in sich abgeschlossen und kann auch gut als stand-alone gelesen werden. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn zum Schluss vieles offen bleibt oder oft sogar mitten in der Geschichte abgebrochen wird. Das empfinde ich als Kaufzwang für den nächsten Band der Reihe bzw. als Veräppelung des Lesers.

Ob ich den zweiten Teil lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Es gibt so viele interessante Bücher zu diesem Thema, die gerade die Buchhandlungen nur so überschwemmen. Da es sich um mein momentanes Lieblingsgenre handelt, muss ich hier natürlich auch genau überlegen welche Bücher ich lesen werde...

Schreibstil:
Marie Lamballe hat ihre Geschichte rund um das Café Engel sehr detailreich und lebendig erzählt. Sie schreibt flüssig und leicht. Die Kapitel sind eher kurz gehalten.
Durch den etwas unglaubwürdigen Wechsel einiger Charaktere zum Ende hin, konnte ich zu einigen Figuren keine richtige Beziehung aufbauen.

Fazit:
Ein Roman, der mich nicht ganz zufrieden zurücklässt und bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob ich den zweiten Teil lesen werde. Mit der Bewertung tu ich mir etwas schwer, denn mir hat die Geschichte insgesamt gut gefallen. Das Ende war mir allerdings zu sehr auf Happy End getrimmt und die überzogenen Charakterwechsel fand ich unglaubwürdig. Hingegen fand ich die vielen Perspektivwechsel interessant und aufschlussreich, sowie die atmosphärischen Beschreibungen gelungen. Ich vergebe 3 1/2 Sterne für diesen ersten Teil der Trilogie.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

nellsche nellsche

Veröffentlicht am 10.03.2019

Konnte mich nicht richtig packen

1945: Das Café Engel in Wiesbaden hat den zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden. Hilde Koch, die das Café schon immer liebte, will es gemeinsam mit ihrer Mutter Else trotz aller ... …mehr

1945: Das Café Engel in Wiesbaden hat den zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden. Hilde Koch, die das Café schon immer liebte, will es gemeinsam mit ihrer Mutter Else trotz aller Schwierigkeiten wiedereröffnen. Doch als Luisa, Hildes geflüchtete Cousine aus Ostpreußen, ankommt, wächst zwischen ihnen eine Rivalität, die die Atmosphäre im Café zu zerstören droht.

Dies ist der erste Teil einer Trilogie, was mir zu Beginn nicht bewusst war und sich erst im Laufe des Buches ergab. Ich bin von einem abgeschlossenen Roman ausgegangen.
Der Schreibstil ließ sich sehr gut und flüssig lesen. Die Beschreibungen der Geschehnisse, der Umgebungen und der Personen war detailliert und realitätsnah. Die Atmosphäre wurde sehr gut eingefangen und ich war in der Lage, alles gut mitzuerleben.
Die Personen wurden anschaulich beschrieben und ich hatte ein gutes Bild von ihnen vor Augen. Sie wurden charakterlich gut ausgearbeitet und hatten ihre speziellen Eigenschaften, durch die ich sie auseinanderhalten konnte. Teilweise konnte ich ihre Handlungen aber nicht nachvollziehen und auch einige Entwicklungen im Verhalten fand ich zu sprunghaft und damit zu unrealistisch. Das war sehr schade.
Die Geschichte wurde in verschiedenen Strängen und Perspektiven erzählt. Dies erforderte schon eine gewisse Konzentration, damit ich mich zurecht fand. Teilweise musste ich gedanklich erstmal ordnen, von wem ich denn nun lese. Das brachte mich manchmal kurz aus dem Lesefluss.
Die unterschiedlichen Szenarien wie das Café, die Flucht, die Kriegsschauplätze, der Schwarzmarkt etc. fand ich sehr atmosphärisch beschrieben. Das alles und die Gefühle und Gedanken, die die jeweiligen Personen durchlebten, wurden wirklich sehr gut transportiert.
Was ich dagegen schade fand, war, dass die Geschichte um Hilde und Luisa, die ja laut Klappentext einen präsenten Platz in der Geschichte hat, erst spät und dann wenig und teils unglaubwürdig stattfand. Hier hätte ich mir viel mehr gewünscht.

Leider konnte mich dieser Roman nicht so richtig packen, auch wenn ich die Einblicke in die Vergangenheit sehr gelungen fand. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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BuecherqueenA BuecherqueenA

Veröffentlicht am 10.03.2019

Café Engel

Inhalt

Hilde, Anfang der 1920er Jahre geboren, wächst zusammen mit zwei Brüdern in Wiesbaden auf und erlebt eine recht unbeschwerte Kindheit. Ihre Eltern betreiben in Wiesbaden das Café Engel, beliebter ... …mehr

Inhalt

Hilde, Anfang der 1920er Jahre geboren, wächst zusammen mit zwei Brüdern in Wiesbaden auf und erlebt eine recht unbeschwerte Kindheit. Ihre Eltern betreiben in Wiesbaden das Café Engel, beliebter Treffpunkt von Musikern, Sängern, Schauspielern und Künstlern jedweder Art.

Luisa, ihre Cousine, verbringt ihre überwiegend sorglose Kindheit auf einem Gutshof in Ostpreußen. Einzig ihre strenge Großmutter verhält sich ihr und ihrer Mutter gegenüber distanziert und abweisend, denn Luisas Eltern sind nicht verheiratet. Nach dem viel zu frühen Tod ihres schwerkranken Vaters müssen sie und ihre Mutter das Gut verlassen.

Der Krieg bricht aus und für alle beginnt eine schwere Zeit. Doch sowohl Hilde in Wiesbaden, als auch Luisa, die immer wieder gezwungen ist zu flüchten, geben nicht auf und überstehen so mancherlei Unbill.

Im Jahr 1945 kommt Luisa schließlich in Wiesbaden an und findet bei Onkel und Tante Unterschlupf und liebevolle Aufnahme. Nur Hilde ist zunächst von ihrem Auftauchen nicht begeistert und begegnet ihr mit Misstrauen.

Meine Meinung

"Café Engel - Eine neue Zeit" ist der Auftakt einer geplanten Trilogie. Die Handlung dieses ersten Teils spielt überwiegend im Jahr 1945, als der 2.Weltkrieg sich dem Ende neigt.

Die Geschichte wird aus den verschiedenen Perspektiven der zahlreichen Protagonisten erzählt. Dabei gibt es auch in der Chronologie immer wieder kleine Zeitsprünge. Das bedarf ein aufmerksames Lesen, auch wenn die einzelnen Kapitel entsprechend übertitelt sind. Gleichzeitig bringen diese ständigen Wechsel der Sichtweisen aber auch sehr viel Abwechslung und beleuchten das Geschehen von mehreren Seiten. Mir hat das gut gefallen.

Der Schreibstil selbst ist sehr detailreich und bildhaft. Außerdem merkt man die sehr gute Recherchearbeit der Autorin. Man bekommt einen intensiven Einblick in diese schwierige Zeit und eine Ahnung davon, was die Menschen damals alles durchmachen mussten.
Allerdings ist dadurch die gesamte Atmosphäre im Buch eher bedrückend.

Die einzelnen Charaktere sind sehr vielschichtig angelegt und ihre Wesenszüge sind gut herausgearbeitet. Ich konnte mir die Personen gut vorstellen und ihr Handeln und Denken gut nachvollziehen. Einzig mit Hilde hadere ich ein bisschen. Am Anfang war sie mir richtig sympathisch und ich glaubte, eine toughe junge Frau vor mir zu haben. Das änderte sich jedoch mit dem Auftauchen von Luisa. Ich konnte Hildes ablehnendes Verhalten ihrer Cousine gegenüber kaum verstehen. Irgendwie passt in dieser Beziehung ihr Verhalten gar nicht zu ihr.

Am Ende des Buches ging mir dann alles zu glatt. Gefühlt lösen sich alle Probleme in Wohlgefallen auf und es herrscht überall - wie man so schön sagt - Friede, Freude, Eierkuchen. Das passte für mich so gar nicht zu der ansonsten durchaus ernsten und nachdenklich stimmenden Geschichte.

Fazit

Ich habe diesen vielschichtigen Roman insgesamt sehr gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir ein klein wenig mehr Leichtigkeit gewünscht, auch wenn es hier um schwierige Zeiten geht. Ich freue mich nun schon auf die Fortsetzung, in der es dann hoffentlich etwas leichter und wieder fröhlicher zugeht. Das Ende dieses ersten Bandes lässt zumindest darauf hoffen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

KimVi KimVi

Veröffentlicht am 10.03.2019

Interessanter Auftaktband

Das Café Engel in Wiesbaden ist der ganze Stolz von Heinz und Else Koch. Viel Arbeit und Herzblut steckt darin. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn das Café ist Treffpunkt schillernder Persönlichkeiten. ... …mehr

Das Café Engel in Wiesbaden ist der ganze Stolz von Heinz und Else Koch. Viel Arbeit und Herzblut steckt darin. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn das Café ist Treffpunkt schillernder Persönlichkeiten. Besonders Heinz Koch genießt diesen Status. Tochter Hilde liebt das Café und die besondere Atmosphäre, die dort herrscht. Sie träumt von Kindesbeinen an davon, es einst zu übernehmen. Der Zweite Weltkrieg sorgt allerdings dafür, dass die Türen des Cafés geschlossen bleiben. In den letzten Kriegstagen wird Wiesbaden das Ziel schwerer Bombenangriffe. Else und Hilde Koch bangen um das Café. Doch das Schicksal meint es gut mit ihnen, denn es bleibt beinahe unversehrt. Am Ende des Krieges eröffnen die beiden Frauen das Café wieder. Der erneute Start verläuft allerdings alles andere als reibungslos, denn es gilt etliche Schwierigkeiten zu überwinden. Doch Hilde wächst in dieser Zeit über sich hinaus. Sie riskiert einiges, um dem Café wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Nach und nach kehren nicht nur die alten Stammgäste zurück, sondern auch vermisste Familienmitglieder. Hilde muss ihren Status nun behaupten. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihr dabei ihre Cousine Louisa, denn Hilde fühlt sich nach deren Ankunft zurückgesetzt. Die angespannte Situation droht die Atmosphäre des Cafés zu vergiften.....

Es handelt sich bei diesem Roman um den ersten Band der "Café Engel-Saga". Im Zentrum der Handlung steht die Familie Koch, die das Café Engel im Wiesbadener Kurviertel führt. Zum Einstieg blickt man in das Jahr 1935 zurück. Hier lernt man nicht nur Tochter Hilde kennen, sondern kann außerdem einen Blick in das erfolgreiche Café werfen. Die besondere Atmosphäre dieses Lokals ist dabei sofort spürbar. Außerdem erfährt man in dieser Einführung, wie Hildes Cousine Louisa ihre Kindheit auf einem ostpreußischen Gut verbringt. Die eigentliche Handlung startet dann in den letzten Kriegsmonaten und wird aus häufig wechselnden Perspektiven betrachtet. Da diese immer mit dem Namen des Protagonisten, der gerade im Zentrum der Ereignisse steht, dem entsprechenden Datum und dem Handlungsort gekennzeichnet sind, fällt es leicht, den Überblick zu behalten.

Am Anfang muss man sich mit den unterschiedlichen Charakteren vertraut machen, die nach und nach in die Handlung eingeführt werden. Es gibt einige Perspektiven, die zunächst parallel verlaufen, um sich dann allerdings miteinander zu verknüpfen. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Handlungsorte mühelos vorstellen und deshalb entspannt in die Geschichte eintauchen. Die unterschiedlichen Perspektiven sind durchgehend interessant, denn dadurch kann man das Ganze aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Auch wenn die besondere Atmosphäre des Cafés stets zwischen den Zeilen schwebt und neugierig auf den weiteren Verlauf macht, hat man bei der Einführung der Charaktere zuweilen das Gefühl, dass man ein wenig auf der Stelle tritt und dass es nicht so richtig voran geht. Dennoch sind diese ausführlichen Schilderungen notwendig, um die einzelnen Akteure und ihre Verbindungen untereinander, besser einschätzen zu können. Die Protagonisten wirken zwar recht lebendig, dennoch hat man zwischendurch das Gefühl, dass man etwas auf Distanz gehalten wird. Die einzelnen Schicksale und die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit werden allerdings glaubhaft beschrieben.

Auch wenn ich gestehen muss, dass ich die Protagonisten, für meinen Geschmack, etwas zu distanziert betrachtet habe und deshalb nur selten richtig mitfiebern konnte, habe ich diesen doch recht umfangreichen Roman innerhalb eines Tages durchgelesen. Denn die besondere Caféhaus-Atmosphäre hat ihren Reiz auf mich ausgeübt und dafür gesorgt, dass ich unbedingt erfahren wollte, wie es mit dem Café und den Personen, die damit verknüpft sind, weitergeht.

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Trafalgar_Anni Trafalgar_Anni

Veröffentlicht am 09.03.2019

Ein Café als Kontrast zum Krieg

„Café Engel – Eine neue Zeit“ ist der neue Roman von Marie Lamballe. Dieses Mal entführt uns die Autorin in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges und vor allem in das Jahr nach Kriegsende. Ein Ort ist das ... …mehr

„Café Engel – Eine neue Zeit“ ist der neue Roman von Marie Lamballe. Dieses Mal entführt uns die Autorin in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges und vor allem in das Jahr nach Kriegsende. Ein Ort ist das heimelige Café Engel in Wiesbaden: Ein Treffpunkt für Künstler aller Art und das Zuhause von Hilde, einer dynamischen, starrköpfigen jungen Frau, die während des Krieges nicht nur ihr Herz an einen französischen Arbeiter verliert. Zusammen mit ihren Eltern Else und Heinz (der an die Front muss und in Kriegsgefangenschaft gerät) und den Künstlern Addi und Frau Künzel verstecken sie die Jüdin Julia bei ihnen – trotz der Gefahr, die das Verstecken mit sich bringt und der Tatsache, dass sie es direkt vor den Augen von einem der größten Naziverfechtern Wiesbadens machen, der zu ihrem Leidwesen zu ihnen ins Haus ziehen musste.
Neben der Familie Koch im Café Engel spielt Luisa Koch eine große Rolle. Es wird ihre Geschichte erzählt: die Kindheit als uneheliches Kind eines Adeligen, die Abneigung der Großmutter und schließlich die Flucht – zunächst aus familiären Gründen, später aufgrund des Krieges. Ihr Weg führt sie schließlich nach Wiesbaden zum Café Engel und es verbindet sie mit Hilde mehr als nur der gemeinsame Aufenthalt.

Hilde und Luisa stehen im Mittelpunkt der Handlung, doch nicht allein. Es wird zwischen verschiedenen Perspektiven gewechselt, um möglichst viele Facetten aus der Zeit abzudecken. Zusammen mit Julia erlebt der Leser das Versteckspiel und später die ungewohnte Freiheit; mit Heinz gelangt man in französische Kriegsgefangenschaft; mit Jean-Jacques (Hildes große Liebe) kehrt man zurück nach Frankreich zum Weinanbau. Überall wird versucht, den Krieg zu verarbeiten und irgendwie wieder in den Alltag zurückzukehren. Jedem gelingt es mehr oder weniger erfolgreich. Jeder erlebt Schicksalsschläge und irgendwann kreuzen sich alle Wege der Protagonisten.

Der Roman ist nicht leicht zu lesen. Das liegt nicht an dem Schreibstil, der sehr flüssig und angenehm ist, oder an den häufigen Perspektivwechseln, die nicht jedermanns Sache ist, sondern schlicht und ergreifend an der Tatsache, wann die Handlung spielt und was alles passiert. Es ist kein heroischer Kriegsroman oder eine romantische Geschichte im Schatten des Krieges. Nein, es sind Geschichten, die so oder so ähnlich hätten passieren können, die vielleicht sogar passiert sind. Es wirkt authentisch. Die Thematik ist jedem bekannt; die Gräueltaten und unterschiedlichen Schicksale kennt jeder. Das sorgt dafür, dass die Handlung durchaus harter Toback ist. Man muss schlucken und das Buch häufiger zur Seite legen, um das Gelesene erst einmal zu verdauen. Dennoch lohnt es sich durchaus, den Roman zu lesen. Die Entwicklung der Charaktere ist interessant zu beobachten und das Café Engel lädt trotz allem zum Entspannen ein – es ist der absolute Kontrast zum Rest der Geschichte. Als Leser fühlt man sich in der
gemütlichen Atmosphäre wohl.

Das Café Engel ist ein Besuch wert – und da der Roman der erste Teil einer Trilogie ist, wird es auch häufiger besucht werden. Die Familie Koch heißt jeden Besucher jedenfalls aufs herzlichste Willkommen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Marie Lamballe

Marie Lamballe - Autor
© fotostudio marlies, Bad Camberg

Marie Lamballe  studierte Französisch und Russisch auf Lehramt, wurde dann aber durch absoluten Einstellungsstopp vor einer Karriere als Gymnasiallehrerin bewahrt. Stattdessen widmete sie sich ihrem Mann und den beiden Kindern und begann zu schreiben. Zuerst ganz vorsichtig für die Schublade, später kleine Geschichten für Literaturzeitschriften, und schließlich gelangten die ersten Bücher zur Veröffentlichung. Inzwischen ist das Schreiben ihr Beruf geworden, der zwar viel Zeit und …

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