Der Glanz der neuen Zeit
 - Fenja Lüders - PB
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16,00

inkl. MwSt.

Bastei Lübbe
Paperback
Saga
381 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-2685-3
Ersterscheinung: 30.10.2020

Der Glanz der neuen Zeit

Speicherstadt-Saga
Band 2 der Reihe "Die Kaffeehändler"

(49)

Hamburg in den 20er Jahren. Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde hat den Weltkrieg und die Inflation überstanden, wenn auch angeschlagen. Dass Mina sich nach Frederiks Rückkehr wieder aus dem Geschäft zurückziehen musste, gefällt ihr gar nicht. Zumal sie feststellt, dass Frederik spielt und Schulden macht. So beginnt Mina in aller Heimlichkeit, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. 

Pressestimmen

„Spannend und unterhaltend“ Edith Rabenstein, Passauer Neue Presse, 25.02.2021

Rezensionen aus der Lesejury (49)

JanaBabsi JanaBabsi

Veröffentlicht am 07.12.2020

Hamburg, Speicherstadt, 1919

Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Firma Kopmann & Deharde hat sowohl den Krieg als auch die nachfolgende Inflation überstanden, im Kaffeekontor befindet sich jedoch nicht mehr eine einzige Kaffeebohne. ... …mehr

Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Firma Kopmann & Deharde hat sowohl den Krieg als auch die nachfolgende Inflation überstanden, im Kaffeekontor befindet sich jedoch nicht mehr eine einzige Kaffeebohne. Auch wenn der Krieg vorbei und die Seeblockade der Engländer aufgehoben ist, gibt es nur wenige deutsche Handelsschiffe, die Waren liefern und da vor allen Dingen Produkte des täglichen Lebens und keine Luxusgüter wie Kaffee. Trotzdem gehen Mina und ihre Schwester Agnes jeden Tag ins Kontor um nach dem Rechten zu sehen.

In Kürze wird Frederik Lohmeyer, Minas Ehemann, aus Berlin zurückerwartet. Mina und Frederik haben kurz vor dem Tod von Karl Deharde geheiratet, weil das die einzige Möglichkeit war, die Firma in der Familie halten zu können, denn Mina hat als Frau keinen Zutritt um an der Kaffeebörse zu handeln.

Frederik Lohmeyer hält sich noch immer in Berlin bei der Armee auf, fordert jedoch regelmäßig seine ihm zustehende Apanage. Darüber hinaus interessiert er sich eher nicht dafür, wie es seiner Frau und seiner Tochter geht bzw. ob und wie die Geschäfte wieder anlaufen.

Mina möchte endlich wieder mit Kaffee handeln und so bittet sie ihren Schwiegervater in Guatemala um Hilfe. Schließlich muss es ja irgend einen Nutzen haben, dass ihr Ehemann der Sohn eines Kaffeeplantagenbesitzers ist. Frederik Lohmeyer ist über diese Kooperation nicht sehr erfreut und als ihm Mina dann auch noch den Geldhahn zudreht, zeigt sich endlich sein wahrer Charakter.

Mit Hilfe von guten Freunden schafft Mina es jedoch auch weiterhin, die Zügel der Firma nicht aus der Hand zu geben.

„Der Glanz der neuen Zeit“ ist der 2. Band der Speicherstadt-Saga. Das Buch ist Teil einer Trilogie, kann aber durchaus auch für sich alleine gelesen werden. Um die Hintergründe zu verstehen – und weil die Geschichte so schön ist - empfiehlt es sich jedoch, zuvor Band 1 zu lesen.

Die Autorin hat es auch hier wieder geschafft, den Charakter ihrer Protagonisten authentisch und lebensecht zum Leser zu transportieren.

Mina ist zu einer starken Frau herangewachsen und lässt sich kein X für ein U vormachen. Sie ist Mutter einer 20 Monate alten Tochter. Ella wird von Fräulein Brinkmann betreut, die schon die Erzieherin von Agnes und Mina war und die im Hause Deharde eine ganz besondere Stellung eingenommen hat.

Minas Vater hat immer gesagt, sie habe den Kaffee im Blut und so wundert es nicht, dass die Kooperation zwischen Vater Lohmeyer und Mina zustande kommt und Mina alle Hebel in Bewegung setzt, dass der Kaffee den weiten Weg von Guatemala nach Hamburg auf einem Schiff antreten kann. Zur damaligen Zeit war nicht nur der Handel an der Kaffeebörse für Frauen untersagt, nein, auch für Bankgeschäfte brauchten sie die Erlaubnis ihres Ehemannes. Mina schafft es auch ohne ihren Ehemann, einen Kredit zu bekommen.

Das Leben wäre jedoch sehr viel schwerer zu ertragen, wenn Mina nicht gute Freunde hätte. Da ist Heiko, der Bruder von Edo, mit dem Mina schon seit vielen Jahren in tiefer Freundschaft verbunden ist.

Irma von Gusnar, ihre beste Freundin aus dem Mädchenpensionat, quartiert sich für einige Zeit bei Mina und ihrer Familie ein und ist ihr sowohl in geschäftlichen, als auch in Herzensangelegenheiten eine große Hilfe.

Das Verhältnis zu ihrer Schwester Agnes ist sehr eng. Im Gegensatz zum 1. Buch „Der Duft der weiten Welt“ gibt es dieses Mal keine Eifersucht auf den jeweils anderen und die beiden Frauen ergänzen sich sehr gut. Agnes hat den besseren Draht zu Großmutter Hiltrud, was hin und wieder von Nutzen ist.

Auch Großmutter Hiltrud hat eine Wandlung durchgemacht. Sie ist sehr viel sympathischer als in Band 1 und sie stärkt sowohl Mina als auch Agnes den Rücken. Gerade mit ihrem Verhalten bezüglich Frederik Lohmeyer hat sie mich überrascht – aber .. die Zeiten ändern sich und damit auch die Menschen.

Auch Edo taucht wieder auf. Kurz nachdem er Deutschland verlassen hat um nach Amerika auszuwandern, wurde auch er an die Waffen gerufen. Leider war der Krieg nicht gnädig mit ihm und er kehrt als menschliches Wrack nach Hamburg zurück. Gerade der Handlungsstrang von Edo war es, bei dem ich öfter mal darüber nachdachte, ob sich das wirklich so zugetragen haben könnte. Mir erschien hier die eine oder andere Sache etwas unglaubwürdig, das kann aber durchaus auch subjektiv sein.

Alles in allem ist „Der Glanz der neuen Zeit“ wieder ein tolles Buch, geschrieben von der Autorin Fenja Lüders. Der Schreibstil ist einfach zu gut zu lesen, die Geschichte entwickelt sich fortlaufend weiter und man möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Der 3. Teil „Der Traum von Freiheit“ erscheint leider erst am 25.06.2021, bis dahin muss ich mich gedulden.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

KerstinTh KerstinTh

Veröffentlicht am 05.12.2020

Tolle Einblicke in die Kaffeewelt der 1920er

Hamburg, Anfang der 1920er Jahre. Mina Lohmeyer führt in der männergeprägte Kaffeebranche ein Kontor. Der Krieg ist zwar vorbei, dennoch befindet sich die Kaffeewelt noch im Tiefschlaf. Doch Geld braucht ... …mehr

Hamburg, Anfang der 1920er Jahre. Mina Lohmeyer führt in der männergeprägte Kaffeebranche ein Kontor. Der Krieg ist zwar vorbei, dennoch befindet sich die Kaffeewelt noch im Tiefschlaf. Doch Geld braucht die Familie trotzdem. Eigentlich sollte Minas Mann im Kontor mitarbeiten und die Geschäfte führen, doch auf ihn ist kein Verlass – er treibt sich lieber rum und wirft mit Geld um sich. Wird Mina sich durchsetzen und allen Widerständen zum Trotz das Kontor wieder voranbringen?

Dieses Buch ist der zweite Band der Speicherstadt-Saga. Das habe ich aber erst nach dem Lesen festgestellt, als ich so begeistert war, dass ich gern eine Fortsetzung gelesen hätte. Dass ich den ersten Band nicht gelesen habe, störte mich beim Lesen nicht. Der Band steht für sich allein. Ein bisschen bekommen wir Einblicke in die Vergangenheit. Die damaligen Geschehnisse werden so weit angerissen, dass man sich denken kann, was geschah. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen und es gibt eine gewisse Grundspannung. Erzählt wird aus Minas Sicht, somit steht sie auch im Mittelpunkt der Geschichte. In diesem Buch gibt es einige starke Frauen. Die Männer sind mittlerweile tot oder wie Minas Mann nicht zu gebrauchen. Mina lebt zusammen mit ihrer Großmutter und Schwester in der Kaffeevilla. Ihre Eltern sind beide schon verstorben. Mina und Hiltrud wissen was sie wollen, und wie sie es erreichen können. Agnes ist noch recht jung, aber auch sie wird sicherlich eine selbstständige Frau werden. Auch Minas Freundin Irma weiß, was sie will. Eigentlich gibt es keine einzige Frau in diesem Roman, die nicht stark ist – selbst unter den Bediensteten. Das ist schon fast komisch und fällt mir erst jetzt auf. Für die 20er Jahre doch sehr beeindruckend. Was ich ganz herzig fand, ist, dass Mina sich sehr zum Personal hingezogen fühlt und sehr bodenständig ist. Das machte sie umso sympathischer. Die Ganze Geschichte wirkte sehr realistisch und authentisch. Die Frauen haben gerade das Wahlrecht bekommen und werden etwas mehr anerkannt, dennoch sind sie ohne Mann nicht geschäftsfähig. Und langsam macht sich schon die neue politische Richtung bemerkbar, in der die Frauen wieder nur noch hinter dem Herd stehen sollen.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht durch die Kaffeewelten Hamburgs zu schlendern und ich werde mir die beiden anderen Bände sicherlich noch ansehen. Ich vergebe volle fünf von fünf Sterne.

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MarySophie MarySophie

Veröffentlicht am 19.11.2020

Der Glanz der neuen Zeit

Handlung
Hamburg in den 1920er Jahren
Der Erste Weltkrieg ist vorbei und mit kleinen Schritten erholt sich die Wirtschaft und der Handel wird langsam wieder aufgenommen. Mina hat es geschafft, die Kaffeeimportfirma ... …mehr

Handlung
Hamburg in den 1920er Jahren
Der Erste Weltkrieg ist vorbei und mit kleinen Schritten erholt sich die Wirtschaft und der Handel wird langsam wieder aufgenommen. Mina hat es geschafft, die Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde zu erhalten und hofft auf neue Geschäfte, die auch aus finanziellen Gründen dringend benötigt werden. Dazu hat sie eine besondere Idee, die ihrem Gemahl Frederik aber gar nicht gefällt.
Und als dieser schließlich endgültig wieder nach Hamburg zurückkehrt, möchte er, dass sich Mina aus dem Geschäft zurückzieht. Eine Forderung, über die Mina gar nicht nachdenkt. Schließlich sieht sie, dass Frederik allerhand Schulden macht und der Firma nur schadet. Zusammen mit guten Freunden und der Unterstützung ihrer Familie nimmt Mina in aller Heimlichkeit die Zügel in die Hand und lernt dabei, wie wichtig Loyalität ist.

Meinung
Das Cover hat eindeutig Ähnlichkeiten mit dem des ersten Bandes. Es zeigt, dass es sich bei dem Buch um einen historischen Roman handelt und hat einen historischen Charakter erhalten. Darauf deuten nicht nur die etwas verblassten Ecken hin, sondern auch die Mode der Dame. Sie ist klassisch und sehr edel gekleidet, zeigt, dass sie einer gehobeneren Gesellschaftsklasse angehört und ich habe sie immer mit Mina in Verbindung gebracht. Zudem ist es mir so leichter gefallen mir vorzustellen, was die Damen gerade tragen. Als nettes Detail empfinde ich die rote Farbe des Titels, welche sich auch in dem Mantel und Hut der Frau wiederfindet. Ergibt ein rundes und stimmiges Bild.
Im Hintergrund gibt es wieder eine Abbildung der Speicherstadt. Passt natürlich nicht nur perfekt zu der Handlung, sondern auch zu dem Untertitel „Speicherstadt-Saga“. Insgesamt empfinde ich das Cover als sehr stimmig und schön anzusehen. Es hat viel Charakter, ist auffallend und gefällt mir richtig gut!

Seitdem ich vor gut einem Jahr den ersten Band im Rahmen einer Leserunde bei der Lesejury gelesen habe, ist meine Freude und Spannung auf die Fortsetzung immer weiter gewachsen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Mina und dem Kontor weitergeht, wie sie sich weiterhin gegen die Konventionen durchsetzt und für ihre Ziele und Hoffnungen kämpft. Daher habe ich mich sehr auf einen dem ersten Teil ebenbürtigen und interessanten zweiten Band der Speicherstadt-Saga gefreut und dem Erscheinungstermin entgegengefiebert. Und dieser wurde mir freundlicherweise vom Bastei Lübbe Verlag zur Verfügung gestellt, wofür ich ein herzliches Dankeschön aussprechen möchte!

Einen kleinen, sogar den einzigen Kritikpunkt möchte ich direkt voranstellen, ansonsten werdet ihr in meiner Rezension nur positives zu dem Buch lesen! Mir hat ein Personenverzeichnis gefehlt. Es ist, wie ich bereits erwähnt hatte, ein gutes Jahr her, seitdem ich den ersten Band gelesen hatte. Und seitdem habe ich viele andere Bücher gelesen und mir sind einige Personen entfallen. Hier hätte ich es als sehr sinnvoll empfunden, eine Auflistung der Personen beizufügen, so kann man bereits vor dem Beginn des Romans die Erinnerungen auffrischen und es wäre ein leichterer Start in die Geschichte gewesen.

Ein paar Seiten habe ich schon benötigt, um mich auf die Handlung einzulassen und auch um mich darin wieder zurechtzufinden. Je mehr Seiten ich allerdings gelesen habe, desto mehr Details aus dem ersten Band sind mir wieder eingefallen und ich konnte der Geschichte immer flüssiger folgen. Und nach vielleicht 30 Seiten hatte ich dann absolut keine Probleme mehr und musste nicht mehr nachdenken, welche Zusammenhänge es gab, was im ersten Teil passiert ist, sondern bin in der Handlung angekommen und konnte das Lesen genießen.
Von der ersten Seiten an hat ein sehr angenehmer, sich flüssig lesender und anschaulicher Schreibstil durchgesetzt, der schließlich auch dazu beigetragen hat, dass die Lektüre zu einem puren Vergnügen wurde. Es liegt eine natürliche Sprache zugrunde, nur selten werden Fachbegriffe genutzt und dabei gab es ganz wunderbare Beschreibungen von Orten, Situationen und den Protagonisten. Vieles konnte ich mir ganz hervorragend vorstellen und oft fühlte es sich an, als würde ich die wahre Geschichte von einer Person lesen. Dadurch wurde die Geschichte noch lebhafter und authentischer und es hat einfach Spaß gemacht, immer weiterzulesen. Außerdem hatte ich anhand der genauen Personenzeichnung das Gefühl, diese besser einschätzen zu können und dadurch Sympathien aufzubauen.

Ich hatte mir gerade noch mal meine Rezension zum ersten Band durchgelesen und in dieser habe ich bemängelt, dass mir die Spannung zu wenig war. Und die Handlung dadurch etwas vorhersehbar wurde. Und glücklicherweise kann ich diesmal sagen, dass ich diesmal nicht so empfunden habe. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen, die Neues in die Geschichte bringen und dieser eine andere Richtung geben. Oft hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es mit den Protagonisten weitergehen könnte, nur selten trafen meine Vermutungen zu. Vielleicht weil es diesmal einen interessanten Antagonisten gibt, bei dem man nie weiß, was er als nächstes geplant hat. Und ich glaube, dieser hat auch die Spannung weit oben gehalten und war ein gelungener Gegenspieler. Diesmal war ich also sehr zufrieden mit der Spannung und ich hoffe, dass sie sich auch im letzten Band auf einem so guten Niveau befindet. Und wenn ich mir die Inhaltsangabe für den dritten Band durchlese, wird sie das sicherlich sein!

Je weiter die Handlung fortgeschritten ist, desto mehr konnte ich mir die Settings vorstellen und desto lebhafter wurden sie auch in ihrer Beschreibung. Sie erschienen immer belebter und ansprechender und man merkte, dass sie erst durch die Anwesenheit von den Figuren richtig zum Leben erwachen, so wie es auch schon Michel de Certeau in seinem Werk „Die Kunst des Handelns“ beschrieben hat.
Ich finde, dass der Fokus diesmal eindeutig auf der Villa der Großmutter, sowie dem Kontor liegt. Es gibt kaum andere Handlungsorte und dementsprechend kurz wurden sie beschrieben und haben nur eine geringe Bedeutung erhalten. Im Gegensatz dazu kann man sich die anderen beiden genannten Orte hervorragend vorstellen, sie sind mit vielen und ausmalenden Worten dargestellt und haben irgendwie einen Charakter bekommen. Zudem war es interessant, wie sich die Stimmungen anhand der Anwesenheit mancher Protagonisten ändert. Die Figuren haben also einen nicht geringen Anteil daran, wie man die Orte wahrnimmt und bewertet.
Besonders gefallen hat mir die Weite, mit der die Speicherstadt dargestellt wurde. Sie hat eine ganz tolle Zeichnung erhalten und man konnte herauslesen, dass sie wie eine kleine Stadt mit ihren eigenen Regeln ist. Zudem ist ein starker Wandel im Vergleich zum ersten Band zu sehen, somit wurden die Folgen des Krieges noch einmal auf eine andere Art gezeigt.

Obwohl es sich bei dem Buch um einen Roman mit der Handlung in der Vergangenheit handelt, wird man als Leser nicht mit Informationen und Fakten geflutet. Im Grunde sieht man vor allem durch das Leben der Figuren, sowie anhand der Firma von Mina, welche Folgen der Krieg hinterlassen hat und wie die Figuren lernen, damit zu leben, das Beste aus den Situationen herauszuholen und an die Vergangenheit anzuknüpfen. So kann man sich ein solides und authentisches Bild über das Leben und den Alltag der Menschen nach dem Ersten Weltkrieg machen und ab und an wurden geschickt Fakten eingemischt, die man direkt verarbeiten und einordnen kann und man fast schon nebenbei wahrnimmt. Man wird an keiner Stelle in der Handlung davon erschlagen und dadurch ist es einfach, der Geschichte zu folgen und sich darauf einzulassen.
Anhand vieler Szenen zeigt sich die genaue und überzeugende Recherche der Autorin und ich mag es sehr, wie sie es schafft, die Handlung lebendig und abwechslungsreich zu gestalten. Ich konnte mir wirklich gut vorstellen, dass die Geschichte auch Realität hätte sein können und ich empfand es als ganz hervorragend, wie sie die Handlungszeit gezeichnet hat!

Ich finde, dass teilweise sehr geschickt Stimmungen eingebunden wurden, die stets an den passenden Textstellen vorkamen und der Handlung noch einen besonderen Touch gegeben haben. Ich habe diese besonders stark im Zusammenhang mit einer Person gespürt, die ganz überraschend wieder auftaucht, als auch bei den Szenen mit Minas Mann. Oft waren die Stimmungen sehr ehrlich und mich haben sie vor allem im traurigen und ängstlichen Sinne berührt. Auf jeden Fall wurden dadurch sowohl manche Ereignisse, als auch die Protagonisten nochmals lebendiger und ich konnte an vielen Stellen noch besser mit den Figuren mitfühlen.

Vor allem im Zusammenhang mit dem langsam wieder in Schwung kommenden Handel in der Speicherstadt werden historische Details eingebunden. Man kann hautnah erleben, wie der Handel wieder anläuft und sich die Wirtschaft langsam stabilisiert. Wie Kontakte geknüpft werden und mit welchen Mitteln es den Unternehmern damals gelungen ist, neue Geschäfte abzuschließen. In diesem Aspekt kann der Roman stark punkten, vielleicht wären ein paar Einstreuungen über die politische Lage noch ganz nett gewesen. Alles in allem bin ich damit aber sehr zufrieden, man wird als Leser von den Fakten nicht überhäuft und daher bin ich noch immer der Meinung, dass sie die Speicherstadt-Saga hervorragend für Leser eignet, die sich langsam an Romane, die in der Vergangenheit spielen, herantasten.

Wie ich eingangs schon erwähnt hatte, würde mir ein Personenverzeichnis gut gefallen. Allerdings muss ich sagen, dass ich, nachdem mir viele Details aus dem ersten Band wieder eingefallen sind, immer weniger Probleme hatte und die Anzahl der Figuren am Ende als überschaubar empfinde. Daher werde ich das fehlende Verzeichnis, was ich anfangs etwas vermisst habe, auch nicht negativ bewerten, es wäre ein netter und hilfreicher Zusatz gewesen, ändert aber nichts an der Klasse des Romans.
Im Grunde dreht sich fast die komplette Handlung um Mina und ihre Familie, oft tauchen noch eine Handvoll Freunde von ihr auf und im Grunde war es das auch schon. Man sieht also sofort, auf welchen Personen der Fokus liegt und kann anhand ihrer Darstellung feststellen, dass sich wirklich ausführlich mit ihnen befasst wurde. Sie zeigen verschiedene Züge ihrer Person, sind mit besonderen Merkmalen ausgestattet und Kinder ihrer Zeit. Besonders die Großmutter empfinde ich als sehr interessanten Charakter, anhand ihrer Person kann man gut nachverfolgen, wie ihre Generation aufgezogen wurde, auf welche Aspekte Wert gelegt wurde und wie sich die Erziehung über die Jahre geändert hat.
Ein jeder Charakter kann also auf seine Weise überzeugen, egal, ob er sympathisch oder unsympathisch erscheint. Sie wurden mit so einem besonderen Wesen ausgestattet, dass man sie gut einschätzen kann und es spannend war zu verfolgen, was im Folgenden geschehen wird.

Fazit
Wie man bereits herauslesen konnte: ich habe keinen Kritikpunkt, den ich dem Roman in irgendeiner Weise negativ anlasten könnte. Ich mochte die Schreibweise sehr, konnte mich gut in die Geschichte einfühlen, es gab immer wieder Überraschungsmomente, die Protagonisten haben überzeugen können. Und anhand all dieser aufgezählten und weiter oben erwähnten Punkte, entsteht ein toller und stimmiger Roman, der sich hervorragend lesen lässt, viel Lust auf die Fortsetzung macht und den ich absolut weiterempfehlen kann!

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CarinaPatri CarinaPatri

Veröffentlicht am 15.11.2020

Eine starke Frau macht ihren Weg

Zwischen dem 1 und 2 Teil der Speicherstadt Saga liegen ein paar Jahre.
Mina bekommt keinen Kaffee mehr geliefert. Ihr Mann ist noch beim Militär und versucht ihr Steine in den Weg zu legen. Mina aber ... …mehr

Zwischen dem 1 und 2 Teil der Speicherstadt Saga liegen ein paar Jahre.
Mina bekommt keinen Kaffee mehr geliefert. Ihr Mann ist noch beim Militär und versucht ihr Steine in den Weg zu legen. Mina aber findet immer eine Lösung.
Das Buch war einfach toll zu lesen. Für die damalige Zeit war Mina eine bemerkenswerte Frau. Sie hat gearbeitet und setzt sich durch. Auch wenn so mancher ihr das Leben schwer machen will.
Ich freue mich schon auf den dritten Teil.

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Island Island

Veröffentlicht am 12.11.2020

Eine starke Frau geht ihren Weg

Über das Erscheinen des zweiten Teils der Speicherstadt-Saga um Mina und ihre Familie habe ich mich sehr gefreut.
Es sind keine allzu guten Zeiten für Minas Kontor, da als Kriegsfolge Nachschub ausbleibt ... …mehr

Über das Erscheinen des zweiten Teils der Speicherstadt-Saga um Mina und ihre Familie habe ich mich sehr gefreut.
Es sind keine allzu guten Zeiten für Minas Kontor, da als Kriegsfolge Nachschub ausbleibt und sie so nichts mehr hat, womit sie handeln kann. Außerdem hat sie mit ihrem Ehemann Frederik wirklich kein Los gezogen, in jeder Hinsicht. Zum Glück kann sie sich aber auf ihre Schwester und ihre Oma und auch ihre engsten Freunde verlassen und es gibt dann doch immer wieder Anlass für neue Hoffnung.

Der erste Teil um die Mina, die einen Weg einschlägt, der damals noch alles andere als selbstverständlich für Frauen war, hat mir schon sehr gut gefallen. Auch diesmal war sie mir wieder sehr sympathisch, wie sie es schafft, den Betrieb trotz widriger Umstände weiter am Leben zu halten und gleichzeitig für ihre Familie da zu sein. Ich mag auch die Atmosphäre der Speicherstadt kurz nach dem 1. Weltkrieg. Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut lesbar und anschaulich. Auf den letzten Band der Trilogie bin ich daher auch schon sehr gespannt.

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"Starke Frauen in bewegten Zeiten"

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Autorin

Fenja Lüders

Fenja Lüders - Autor
© Foto- und Bilderwerk

Fenja Lüders, Jahrgang 1961, ist eine waschechte Friesin. Als Jüngste von vier Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof direkt an der Nordseeküste auf. Für ihr Studium der Geschichte und Politik zog sie nach Oldenburg, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Neben dem Schreiben ist klassische Musik ihre große Leidenschaft.

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