Die Hungrigen und die Satten
 - Timur Vermes - Taschenbuch

ab
31.10.2019
erhältlich

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12,90

inkl. MwSt.

Bastei Lübbe
Taschenbuch
Sonstige Belletristik
ISBN: 978-3-404-17886-5
Ersterscheinung: 31.10.2019

Die Hungrigen und die Satten

Roman

(19)

Ein Bundesinnenminister aus Bayern, der menschenfreundlich und pragmatisch handelt. Ein karrieregeiler Staatssekretär, der Küchenkataloge lesen muss und am alljährlichen Sommerloch leidet. Ein Kanzler, der kein Merkel mehr ist. Nie war Deutschland hilfloser. Ausgerechnet in dieser prekären Lage entdeckt eine Trash-TV-Moderatorin ihr Herz für Arme und will die Welt zu einem besseren Ort machen. Und jetzt?
Aktuell und brisant, radikal und von schneidendem Witz. Komisch und beklemmend zugleich.

Rezensionen aus der Lesejury (19)

Sadie Sadie

Veröffentlicht am 14.05.2019

Eine schier unglaubliche Geschichte

Eine schier unglaubliche Geschichte, die mich - ich kann es nicht besser beschreiben - ziemlich mitgenommen hat. Im Sinne von: gepackt, abgeholt, beeindruckt. Ganz kurz umschrieben geht es vordergründig ... …mehr

Eine schier unglaubliche Geschichte, die mich - ich kann es nicht besser beschreiben - ziemlich mitgenommen hat. Im Sinne von: gepackt, abgeholt, beeindruckt. Ganz kurz umschrieben geht es vordergründig um die nahe, leider nur allzu vorstellbare Zukunft, in der Europa seine Grenzen abgeschottet hat und Millionen Menschen in Riesenflüchtlingslagern in Afrika vor sich hin vegetieren. Ohne Perspektive oder Hoffnung auf irgendwas nutzen 150.000 von ihnen die Anwesenheit eines deutschen Fernsehstars, um medienwirksam in Richtung Europa zu marschieren.

Ich hatte von Beginn an 1.000 Fragen, die sich, neben dem ganz allgemeinen wieso, weshalb, warum, so ziemlich alle mit der Logistik dieses Unterfangens beschäftigten. Und fast alle Fragen wurden im Laufe dieses Buches mehr oder weniger ausführlich beantwortet oder zumindest soweit erklärt, dass ich zufrieden war. Allein das hat mich schon sehr beeindruckt.

Das Buch wird oft als Satire beschrieben, doch das trifft es für mich nicht ganz. Auch würde ich es nicht in erster Linie als "Humor" einsortieren. Natürlich sind fast alle Charaktere sehr überspitzt gezeichnet, an der Grenze zum Albernen, und ich kann durchaus nachvollziehen, dass das vielen Lesenden auf die Nerven gegangen ist - hatte ich in anderen Büchern auch schon so. Hier nicht, aus zwei Gründen: Zum einen finde ich, als medieninteressierter Mensch, die grotesken Zeichnungen der Medienschaffenden herrlich absurd. (Allein die Gedankengänge einer Astrid von Roëll sind so verbogen, abgedreht und treffsicher neben allem, was guten Geschmack oder gesunden Menschenverstand ausmacht, dass es fast zu schön ist, um wahr zu sein - und dann surft man ein wenig auf www.topfvollgold.de und denkt sich "ach ne, geht noch schlimmer". Die Passagen der von Roëll gehören übrigens für mich auch für die am besten gelesenen Kapitel von Christoph Maria Herbst, wie er das vorträgt, ist allergrößtes Kino.)

Der zweite Grund, warum ich auch nach 300+ Seiten das gruselige Englisch und die grenzenlose Naivität von Nadeche Hackenbusch ertragen konnte: Sie ist dadurch auch ein bisschen mein "Engel im Elend" geworden, mein kleiner Lichtblick, der zum leicht genervten Augenrollen, aber eben auch leicht verschmitzen Grinsen inmitten all dieses Trübsals animiert. Denn das große Ganze, das eigentliche Thema dieses Buches, ist alles andere als lustig. Deshalb konnte ich auch nicht wirklich laut lachen, an keiner Stelle - was allerdings nicht als negative Kritik zu verstehen ist! Ein paar amüsante Running Gags haben mir durchaus Freude bereitet (die Ergüsse der von Roëll, oder die "eigentlich zuverlässige Anke"...), aber "Lol"? Dafür war es mir zu ernst, zu "real", zu bedrohlich, zu "wie soll das ausgehen"? Dafür brauchte ich Nerv-Nadeche und Co., zur Auflockerung von meinen düsteren Gedanken, die diese Thematik, diese Idee, diese Beschreibung in mir ausgelöst hat. So gesehen empfand ich das absurd-alberne hier sehr willkommen.

Oben habe ich geschrieben, dass es vordergründig um den Zug geht. Der Zug als Symbol für Menschen, die so wenig Perspektiven haben, dass sie sich auf dieses schier unmögliche Unterfangen einlassen. Und wie gehen wir, die reichen Nationen damit um, außer, es als TV-Highlight des Jahres zu begaffen und gaaanz viele Werbeeinnahmen zu generieren? Ja, hier wird ein ganz großer Spiegel aufgefahren. Hier wird die Flüchtlingspolitik zynisch-böse kommentiert. Der kluge Innenminister Leubl bringt es auf den Punkt, wenn er (in etwa) sagt: Die Flüchtlinge kommen, und sie werden das Land verändern, so oder so. Entweder, weil sie dann irgendwann da sind, oder, weil die durch den Treck noch mehr erstarkten Rechten sie irgendwie daran hindern. Der Zug wird Deutschland also auf jeden Fall zu einem anderen Land machen, die Frage ist nur, zu welchem... Das hat gesessen. Wie auch einige der großen Plotpoints [achtung inhaltlicher SPOILER: (view spoiler)] und natürlich das Ende.

Ein sehr beeindruckendes, kluges, goteskes, aber auch böses und zynisches Buch, das mich sehr nachdenklich gemacht hat, nicht zuletzt, weil es so real scheint. In Er ist wieder da hat Timur Vermes 2012 durchgesponnen, wie "leicht" ein wiederauferstandener Hitler in der heutigen Zeit erneut aufsteigen könnte. 2012 schien das noch sehr überspitzt und grotesk, wie schnell er Medien und Menschen für sich gewinnen konnte. 2018 schaue ich mir rechte Politiker und Parteien und die mediale Aufmerksamkeit, die sie erhalten, an, und es schüttelt mich. Und jetzt dieses Buch, auch wieder so nah dran, so "was wäre wenn...". Schauen wir mal, was die nächsten fünf Jahre passiert und treffen uns dann hier wieder. Mir ist jetzt schon ein bisschen mulmig.

Um mit positiven Vibes zu enden: Christoph Maria Herbst, yeah! Super gelesen, und da war einiges gefordert: Sehr viele Sprechrollen, Stimmungen, Dialekte. Und er hat sie alle gut geliefert, das war eine Freude, da zuzuhören.

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Gavroche Gavroche

Veröffentlicht am 20.01.2019

Böse Satire

Satire vom Feinsten
Wer ein Problem mit bösem, satirischen Humor hat, der sollte nicht zu diesem Buch greifen, denn hier werden beinahe sämtliche Tabus gebrochen. Doch wer genau so etwas erwartet und sich ... …mehr

Satire vom Feinsten
Wer ein Problem mit bösem, satirischen Humor hat, der sollte nicht zu diesem Buch greifen, denn hier werden beinahe sämtliche Tabus gebrochen. Doch wer genau so etwas erwartet und sich darauf einlässt, der kann sich auf eine bissige, böse Satire gefasst machen, hinter der sich so manch eine Wahrheit versteckt. Ganz aktuell geht es hier um die Flüchtlingskrise und hier wird richtig abgerechnet. Erzählt wird immer wieder aus unterschiedilchen Perspektiven und so gelingt die Satire umso besser.

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philipp philipp

Veröffentlicht am 01.01.2019

Sehr schönes Gedankenexperiment.

Europa hat mit Frontex die Grenzen endgültig dicht gemacht. Es gäbe für Flüchtlinge aus dem afrikanischen Raum zwar noch die altbewährte Schlauchbootmöglichkeit - die aber SO unsicher geworden ist, dass ... …mehr

Europa hat mit Frontex die Grenzen endgültig dicht gemacht. Es gäbe für Flüchtlinge aus dem afrikanischen Raum zwar noch die altbewährte Schlauchbootmöglichkeit - die aber SO unsicher geworden ist, dass sie unbezahlbar ist. So werden die Flüchtlingslager im nördlichen Afrika voller und voller.

Der Privatsender MyTV will in einem der Lager eine Reportage drehen, um ein IT-Girl als "Engel im Elend" zu inszenieren. Nach ein paar Wochen soll nun alles vorbei sein - aber der Flüchtling, der dem "Engel" vor Ort alles gezeigt hat, will um jeden Preis mit nach Deutschland - und als der Plan zu scheitern droht, zieht er andere Register.

Das Buch ist ein sehr spannendes Gedankenexperiment - an vielen Stellen ist schwarzer Humor zu finden, allerdings ist mir wirklich schleierhaft, wieso das Buch als "Satire" beworben wird...

Zum Ende::SPOILER:



[ Das Ende ist schlecht, wirklich. Es ergibt nicht einmal Sinn - und bei aller Detailverliebtheit vorher finde ich es mies, wie sich Vermes hier aus der Verantwortung ziehen möchte.]

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Caro_ Caro_

Veröffentlicht am 23.12.2018

Rezension zu "Die Hungrigen und die Satten"

Erster Satz:
"Der Flüchtling versucht betont normal zu gehen, was nicht leicht ist, weil es sich nicht normal anfühlt."

Meine Rezension:
Bekannterweise bin ich in diesem Genre nicht zuhause, aber dennoch ... …mehr

Erster Satz:
"Der Flüchtling versucht betont normal zu gehen, was nicht leicht ist, weil es sich nicht normal anfühlt."

Meine Rezension:
Bekannterweise bin ich in diesem Genre nicht zuhause, aber dennoch greife ich ganz selten mal dazu. Bekannt ist der Autor durch sein Debütroman "Er ist wieder da", deshalb wollte ich sein zweites Werk auch lesen.
Die Gestaltung des Covers hat mir sehr zugesagt, es gibt einen Einblick auf den Inhalt des Buches. Hervorzuheben ist, dass man, wenn man über das Cover streicht, das Muster erfühlen kann.

Thematisch befasst sich das Buch mit der Flüchtlingspolitik, ein Thema, was heutzutage in aller Munde ist. Wir haben es hier mit einer Vielzahl von Charakteren zu tun, jeder auf seine Art gut ausgearbeitet, manche mit Namen, manche gänzlich ohne Namen wie der Staatssektretär oder der Flüchtling. Zunächst ist unklar, wie die einzelnen Charaktere zusammengehören und was ihre genaue Rolle ist, doch mit dem Voranschreiten der Geschichte erfährt man mehr.

Die Handlung behandelt ein ernstes Thema, aber auf satirische Weise. Das Geschehen und die Charaktere sind auf ihre Weise eigentartig und verdreht.
Dass man eine Satire nicht wirklich ernst nehmen kann, versteht sich von selbst. Dennoch bleibt immer ein gewisser wahrer Kern zurück, der zum Nachdenken anregen kann.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven der verschiedenen Charaktere, sodass man einen Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge bekommt. Anfangs recht verwirrend, mit der Zeit konnte man sich besser einfinden.

Fazit:
Auch wenn die Geschichte thematisch aktuell ist, konnte mich das Buch nicht überzeugen. Es hat lange gedauert, bis man einen Zusammenhang erkennt. Und selbst dann viel es mir immer noch schwer, einen richtigen Lesefluss zu bekommen.
Thematisch aktuelle Lektüre, satirisch dargestellt, dennoch ist man des Themas gesättigt.

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Bookstar Bookstar

Veröffentlicht am 26.11.2018

Ein Flüchtlingsroman der anderen Art

Schon vorweg, an den Vorgänger kann dieses Buch nicht ran. Kann auch sein, mir war es zu politisch, zu kompliziert oder zu lang.
Witzig war es auf jeden Fall, hatte ich auch erwartet. Natürlich gab´s auch ... …mehr

Schon vorweg, an den Vorgänger kann dieses Buch nicht ran. Kann auch sein, mir war es zu politisch, zu kompliziert oder zu lang.
Witzig war es auf jeden Fall, hatte ich auch erwartet. Natürlich gab´s auch Kopfschütteln von meiner Seite und spannende Diskussionen mit meinem jeweiligen Gegenüber. Dafür war die Lektüre gut geeignet. Das große Thema Flüchtlingshilfe ganz anders umgesetzt als man denken könnte.
Gut gemacht war hier, dass aus verschiedenen Perspektiven geschrieben wurde und gute Dialoge eingebaut sind. Trotzdem leider nur eine mittelmäßige Bewertung. Doch ein Bild sollte sich jeder selbst machen können.

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Autor

Timur Vermes

Timur Vermes - Autor
© Cristopher Civitillo

Timur Vermes wurde 1967 in Nürnberg als Sohn einer Deutschen und eines Ungarn geboren. Er studierte in Erlangen Geschichte und Politik und arbeitete anschließend als Journalist und Ghostwriter. Er schrieb bis 2001 für die Abendzeitung und den Kölner Express und später für mehrere Magazine. Sein 2012 erschienener Roman Er ist wieder da ist eines der erfolgreichsten deutschen Debüts der letzten Jahrzehnte.

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