NSA - Nationales Sicherheits-Amt
 - Andreas Eschbach - Hardcover

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

22,90

inkl. MwSt.

Bastei Lübbe
Hardcover
Sonstige Belletristik
796 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-2625-9
Ersterscheinung: 28.09.2018

NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Roman

(77)

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werdenErst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet ...
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien - und deren totale Überwachung?
Erscheint Oktober 2018

Pressestimmen

„Er versteht es auch brandheiße Themen aufzugreifen. Dieses Mal zeigt sich das schon beim Titel“ Waiting on wednesday, 13/06/2018

Rezensionen aus der Lesejury (77)

Weltenwanderer Weltenwanderer

Veröffentlicht am 09.12.2018

Beängstigendes Gedankenspiel, packend erzählt

Ich mag ja die Bücher von Andreas Eschbach immer sehr und mache können mich so richtig begeistern - und mit diesem hier ist ihm mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen!

Es beginnt in Weimar im ... …mehr

Ich mag ja die Bücher von Andreas Eschbach immer sehr und mache können mich so richtig begeistern - und mit diesem hier ist ihm mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen!

Es beginnt in Weimar im Jahr 1942. Die NSA ist an sich eine eher kleine, wenig beachtete Anlage im Deutschen Reich, die sich auf die Programmierung und Auswertung von Daten per Komputer spezialisiert hat. Ja, Komputer. Denn der Autor hat hier das Konstrukt gezeigt wie es hätte sein können, wenn es damals schon dieses Medium gegeben hätte. Und verbindet damit unsere aktuellen Bedenken der Datensammlung in Bezug auf die Auswirkungen, die das ganze in Kriegszeiten gegeben haben - und eben auch in Zukunft geben könnte!

Denn natürlich kann man mit den Daten der Menschen eine Menge herausfinden und welche schlimmen Folgen das hat zeigt er gleich zu Beginn mit einem ganz einfachen Experiment.

Danach geht es aber erstmal zurück in die Vergangenheit von Helene Bodenkamp. Sie wird später eine große Rolle spielen in der NSA als eigentlich "kleine" Programmstrickerin, denn die Programmierungen sind in dieser Zeit den Frauen vorbehalten - warum das so ist erklärt er übrigens sehr anschaulich und mit amüsanter Überzeugung.

"Die Frau, deren naturgegebene Aufgabe die Sorge für die Familie ist,
muss hierzu eine Vielzahl von sich immer wiederholenden Arbeiten verrichten,
und je besser es ihr gelingt, diese in zweckdienlicher Weise zu organisieren,
desto mehr erleichtert sie sich den Alltag.
Daher ist jede Hausfrau und Familienmutter von Natur aus eine Programmierin,
sie weiß es meist nur nicht, denn es ist nicht ein Komputer, den sie programmiert,
vielmehr programmiert sie sich selbst." S. 157

Ebenfalls zeigt er das Leben von Eugen Lettke, der auch eine wichtige Stellung im Nationalen Sicherheits-Amt haben wird und der Lebensweg von ihm sind machen sehr deutlich, wie sich in diesen Zeiten negative Auswirkungen entwickeln können.

"Stärke war sein eigener Beweis und seine Rechtfertigung, denn stark war er,
der sich nehmen konnte, was er begehrte, und es schaffte,
der Welt seinen Willen aufzuzwingen ..." S. 106

Diese beiden Gegensätze ergeben ein sehr gutes Bild von der mitfühlenden Helene, die sich immer wieder sträubt, den Judenhass zu unterstützen und dem machtbesessenen Eugen, der seinen Kontrolltrieb mit allen möglichen perfiden Mitteln auslebt. Sie stehen auch im Mittelpunkt der Geschichte, die natürlich auch den Aufstieg Hitlers und die vielen großen wie kleinen Konsequenzen aufzeigt, die damals den Lauf der Dinge beeinflusst haben.
Es gibt viele bekannte Details im Rahmen von Namen, prägnanten Ereignissen und Erfindungen die man kennt und einen Bezug dazu schaffen; eben mit der Besonderheit der fortschrittlichen Technik, die er perfekt mit eingebaut hat. Wie eben die Komputer, Elektrobriefe (Emails), bewegliche Telephonie (Handys), Parolen (Passwörter) oder das Weltnetz (Internet).

Die Sammlung von Daten und was damit gemacht wird und werden kann ist ja schon lange ein aktuelles Thema - und auf welche Ideen Eschbach hier kommt lassen einem wirklich die Haare zu Berge stehen vor allem wenn man daran denkt, dass diese Möglichkeiten mit Sicherheit schon irgendwo genutzt werden! Ich frage mich dann wirklich welche kranken Köpfe tatsächlich Gebrauch davon machen und den Menschen an sich auf diese Informationsquellen reduzieren, denn Helene hat hier eine ganz eigene, wichtige Einsicht dazu:

"Wahrscheinlich, dachte sie, liegt es daran, dass man einen Menschen, egal,
wie viele Daten man über ihn sammelt, doch niemals wirklich erfasst,
sodass immer Unklarheiten und Widersprüche bleiben, ja, womöglich sogar erst
durch den Umstand der Zergliederung in Daten entstehen." S. 364

Man trifft ja tagtäglich unzählige Entscheidungen, die meist nur kleine Auswirkungen haben, manche aber dann plötzlich ungeahnte Dimensionen annehmen. Auch ein Punkt der hier sehr klar hinterfragt wird und die beiden Charaktere, wie auch die Nebenfiguren, sind sehr klar strukturiert aber auch in ihren Feinheiten sehr gut gezeichnet. Ängste, Hoffnungen, Ohnmacht und Tatendrang, das alles im Wechselspiel der Gefühle macht sehr deutlich, wie schwierig es oft ist, sich für "das Richtige" zu entscheiden.

"Wenn es um wichtige Dinge geht, wählt man nicht <frei>, sondern man wählt die Option,
die man für die bessere hält - und das Problem ist, dass man das meistens nicht weiß." S. 552

Insgesamt war es immer flüssig zu lesen und es wechselte zwischen den Perspektiven von Helene und Eugen, so dass man beide Werdegänge und die Zusammenhänge sehr gut verfolgen konnte. Es entstand eine große Intensität zur Handlung und eine ununterbrochene Spannung ohne große Dramatik, aber mit einer fesselnden Anspannung, die mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Minijane Minijane

Veröffentlicht am 08.12.2018

Die Macht der Daten- Beklemmende Dystopie im Nazideutschland

Bewertet mit 3.5 Sternen

Schon das Cover dieses Wälzers von Andreas Eschbach ist richtig gut gemacht. Auf rotem Hintergrund sieht man ein Auge und die klobigen Buchstaben NSA, die für das Nationale Sicherheitsamt ... …mehr

Bewertet mit 3.5 Sternen

Schon das Cover dieses Wälzers von Andreas Eschbach ist richtig gut gemacht. Auf rotem Hintergrund sieht man ein Auge und die klobigen Buchstaben NSA, die für das Nationale Sicherheitsamt stehen, ein Amt, das es im Nazideutschland vielleicht gegeben hätte, wenn es die Computertechnik von heute schon damals gegeben hätte. Auf knapp 800 Seiten lässt Eschbach seine Leser an der Vision dieses Alptraums teilhaben und verliert sich am Ende leider darin.

Im Weimar des Jahres 1942 begleiten wir die junge Helene, die sich in der Schule so gar nicht für die hauswirtschaftlichen Fächer begeistern kann und deshalb den Beruf der Programmstrickerin erwählt, ein durch und durch weiblicher Beruf in der damaligen Zeit. Schon in der Schule ist sie in diesem Fach so gut, dass man ihr nach ihrem Abschluss eine Stelle beim NSA anbietet, wo sie Komputerprogramme entwickeln soll, mit deren Hilfe die Bürger überwacht werden.
Helene, jung und naiv liebt ihre Arbeit und ist zunächst sehr unbedarft was die Folgen ihres Programmierens angeht.
Eugen Lettke, der 2. Protagonist in diesem Buch ist Analyst beim NSA. Er bildet sich sehr viel darauf ein Sohn eines Kriegshelden zu sein und verfolgt beim NSA grundsätzlich nur eigene Interessen. Da er nicht eingezogen werden möchte, tut er Alles dafür unabkömmlich zu sein. Zudem verfolgt er einen privaten Rachefeldzug und benimmt sich psychisch völlig gestört.
Auf diesen beiden Charakteren baut sich die Geschichte auf ,was durchaus interessant ist, denn so unterschiedlich diese beiden Personen auch sind, beide versuchen das System irgendwie zu ihrem Vorteil auszunutzen, der Eine aus Rache, der Andere aus Liebe.
Am Ende schlägt das System zurück, denn die totale Überwachung überwacht auch die Bewacher.

Leider wird das Buch zum Ende etwas grotesk. Die Botschaft ist klar:”Leute schützt Eure Daten sonst haben wir irgendwann den totalen Überwachungsstaat!” Dies wird mir persönlich aber zu sehr mit dem Holzhammer vermittelt und dadurch wieder unglaubwürdig.
Die Idee dieses Romans fand ich wirklich großartig, die Umsetzung ist leider nicht so ganz gelungen. Trotzdem hat mir das Buch in großen Teilen durchaus gefallen.
Die Eindeutschung der technischen Begriffe wie Komputer, Elektropost und Weltnetz fand ich z.B sehr unterhaltsam.
Ich bewerte das Buch mit 3,5 Sternen

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

streifi streifi

Veröffentlicht am 06.12.2018

erschreckende Paralellen

Weimar im Jahre 1942. Der Krieg ist auf seinem Höhepunkt und vieles wird auf seine Kriegswichtigkeit überprüft. So auch das Tun im NSA, dem nationalen Sicherheitsamt. Schon seit der Kaiserzeit werden hier ... …mehr

Weimar im Jahre 1942. Der Krieg ist auf seinem Höhepunkt und vieles wird auf seine Kriegswichtigkeit überprüft. So auch das Tun im NSA, dem nationalen Sicherheitsamt. Schon seit der Kaiserzeit werden hier Programme gestrickt und Daten ausgewertet. Und nun ist es an der Zeit zu beweisen, dass diese Dienste auch weiterhin außergewöhnlich sind und dem Regime von Nutzen sein können. Eugen Lettke und Helene Bodenkamp arbeiten beide für das NSA, er als Analytiker, sie als Programstrickerin. Lettke nutzt die Daten des Amts vor allem, um seine privaten Ziele zu erreichen, wohingegen Helene eigentlich nur ihrer Leidenschaft fürs Programm stricken nachgeht, ohne groß darüber nachzudenken, wofür genau diese Programme genutzt werden. Als eines Tages Himmler das Amt besucht und ihm vorgeführt wird, wie mit Hilfe ihrer Programme versteckte Juden entdeckt werden können, wird Helene klar, zu was sie da Mithilfe leistet. Und stellt fest, dass sie damit nicht ihr Gewissen belastet, sondern auch ihre Freunde und ihre große Liebe in Gefahr bringt.

Andreas Eschbach spinnt in NSA den Gedanken fort, was gewesen wäre, hätte das Regime unter Hitler bereits die Möglichkeit gehabt auf Computer zuzugreifen und sich soziale Medien zu Nutzen zu machen. Er betreibt sozusagen "spekulative Geschichte" So wie seine Figur Arthur in seiner Abschlussarbeit, nur unter anderen Vorzeichen.
Es ist schon erschreckend was man so alles aus den Daten, die tagtäglich über uns gesammelt werden, lesen kann. Wir haben heute das Glück, dass diese Daten im Normalfall dazu genutzt werden, um uns mit gezielter Werbung zum Kaufen zu animieren.
Im dritten Reich hätte das ganze wohl deutlich andere Schwerpunkte gehabt. Und die Vernichtungs- und Verfolgungsmaschinerie wäre wohl noch deutlich effizienter gewesen.
Eschbach gelingt es dieses Szenario glaubwürdig darzustellen. Nicht nur in dem er die Bezeichnungen eindeutscht, sondern auch in dem er uns Helene über die Schulter kucken lässt, wenn sie die Programme "strickt". Da ist im ersten Moment nichts Dramatisches dabei, das wird erst klar, als die Programme dazu eingesetzt werden, um Regimekritiker aufzuspüren und zu überwachen.
Auch Dinge, die für uns heute noch in der vermutlich nahen Zukunft liegen, wie Gesichtserkennung und neuronale, selbstlernende Netze, werden thematisiert.

Ich war sehr angetan von diesem Buch, auch wenn es mir manchmal schwergefallen ist weiterzulesen. Mit Lettke und Helene schafft Eschbach zwei Charaktere, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Während Lettke nur mit sich selbst und seinem Vorteil beschäftigt ist, entwickelt Helene nach und nach ein Gewissen und den Blick über die Grenzen des eigenen Ichs.
Und auch wenn Lettke eindeutig die Hassfigur des Buches ist, fand ich auch seine Entwicklung höchst interessant.
Die Entwicklung der Programme und das ganze technische Drum Rum sind gut erklärt und machen deutlich, dass Eschbach sich mit der Materie auskennt. Für nicht-IT-affine Menschen mögen die Teile in denen Helene und Lettke über die Programme diskutieren nicht so interessant sein, aber für mich als ITler war es sehr interessant und gut nachvollziehbar. Und auch erschreckend wie einfach doch manche Dinge sind.
Mich hat dieses Buch sehr nachdenklich zurückgelassen. Wieviel Freiheit und Selbstbestimmung sind wir bereit für ein bisschen Bequemlichkeit aufzugeben? Den meisten Bürgern im deutschen Reich ist ja nicht einmal klar, welche Daten über sie gesammelt werden, sie freuen sich nur über das schnelle bargeldlose Zahlen und die einfache Erreichbarkeit über die tragbaren Telephone. Dass sie sich damit zum gläsernen Bürger machen ist ihnen nicht einmal bewusst.

Viele Dinge, die im Buch angesprochen werden, sind heute schon Realität. Alleine die Beeinflussung in den sozialen Netzwerken ist ja auch heute immer wieder Thema.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es bietet spannende Lesestunden und viele Denkanstöße.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Sassenach123 Sassenach123

Veröffentlicht am 03.12.2018

Erschreckend modern

Erschreckend modern

NSA -Nationales Sicherheitsamt von Andreas Eschbach

Weimar 1942
Die Programmiererin Helene Bodenkamp arbeitet im NSA. Ein Amt, dass im Auftrag der Regierung, welches das Weltnetz ... …mehr

Erschreckend modern

NSA -Nationales Sicherheitsamt von Andreas Eschbach

Weimar 1942
Die Programmiererin Helene Bodenkamp arbeitet im NSA. Ein Amt, dass im Auftrag der Regierung, welches das Weltnetz und das Deutsche Netz überwacht. Helene stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen und kam bereits in ihrer Schulzeit mit dem programmieren in Kontakt.
Eugen Lettke, ist Analytiker im NSA und Vorgesetzter von Helene und Sohn eines gefallenen Weltkriegshelden.
Die Arbeit führt Helene und Eugen zusammen und durch die Auswertung der erfassten Daten werden Verfolgte und andere Dinge die im deutschen Reich vermeintlich falsch laufen, entdeckt. Helene gerät aber zwischen die Fronten, weil sie moralisch nicht alles gutheißen kann, im Gegensatz zu Eugen, der seine eigenen Interessen verfolgt und dem die Menschen egal sind.

Der Roman erschreckt durch seine auch auf die heutige Zeit anwendbare Realität. Erschreckend ist, dass es eine staatliche Institution gibt, die alle Daten überwacht und auswertet. Wirklich gut in eine Zeit hinein gesetzt, in der dies schon ohne Computer Realität war. Interessante Zusammenhänge, gut recherchierte Hintergründe, passende Namen und ein historisch gutes Bild der Zeit.
Das System der totalen Überwachung funktioniert perfekt, und das ohne das jemand aufbegehrt, fast alle nehmen es einfach hin. Die, die sich auflehnen, werden selbst verfolgt und in Lager gesteckt. Die Parallelen zu der damaligen Zeit sind erschreckend.

Das Buch wird durch die Hauptpersonen super getragen. Der Schreibstil ist gut leicht verständlich. Trotz der Länge von 800 Seiten wird es nie langweilig, man ist von der Handlung gefangen. Der Inhalt hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Andreas Eschbach hat mit NSA ein beeindruckendes Werk geschrieben. Jeder sollte sich mit der Thematik auseinander setzten, da uns einiges bereits eingeholt zu haben scheint.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

franzi303 franzi303

Veröffentlicht am 02.12.2018

Nicht das, was ich erwartet habe - sondern besser! Schockierend und zum Nachdenken anregend ...

Wissen ist Macht - und so etwas wie unwichtige Daten gibt es nicht!

Das Cover:
Das Cover ist hauptsächlich in Rot gehalten, wie es zur NS-Zeit sehr gut passt. In der Mitte prangt das Logo des Nationalen ... …mehr

Wissen ist Macht - und so etwas wie unwichtige Daten gibt es nicht!

Das Cover:
Das Cover ist hauptsächlich in Rot gehalten, wie es zur NS-Zeit sehr gut passt. In der Mitte prangt das Logo des Nationalen Sicherheits-Amtes mit dem sehenden Auge, da drunter in altdeutscher Schrift der Titel NSA. Ich finde das Cover passend und vor allem hat es mich neugierig auf die Geschichte gemacht.

Die Geschichte:
Die Welt ab 1917 ist eine andere. Der I. Weltkrieg wurde beendet, Deutschland hat verloren, rüstet jedoch an technischen Errungenschaften auf. So gibt es kein Bargeld mehr, dafür aber tragbare Telephone und ein Weltnetz, über das sich die Menschen auf der ganzen Welt verbinden und miteinander kommunizieren können. Adolf Hitler gelangt 1933 an die Macht und beginnt am 1. September 1939 den II. Weltkrieg gegen Polen. Im Jahr 1942 besucht der Reichsführer SS Heinrich Himmler das Nationale Sicherheits-Amt in Weimar. Dort arbeiten u.a. der Sohn eines gefallenen Kriegshelden, Eugen Lettke, und die junge Programmstrickerin Helene Bodenkamp. Sie müssen Himmler davon überzeugen, dass das Nationale Sicherheits-Amt für das Reich wichtig ist, sodass es nicht vom Reichssicherheitshauptamt übernommen wird und die männlichen Mitarbeiter an die Front müssen. Dank verschiedenster Tabellen, die u.a. Helene gestrickt hat, werden in Amsterdam Juden entdeckt und festgenommen, so auch Familie Frank. Die Möglichkeiten sind schier überwältigend, doch Helene überkommen Zweifel, als sie sich in Arthur verliebt, der an der Front Fahnenflucht begannen hat und sich nun verstecken muss. Doch ist das mit der Technik, die Helene für das NSA benutzt, überhaupt noch möglich?

Meine Meinung:
Die fiktive Welt, die Andreas Eschbach mit 'NSA - Nationales Sicherheits-Amt' erschaffen hat, ist anders als wir es kennen, ist der I. Weltkrieg bereits 1917 beendet worden. Davor, bereits im Jahr 1851, wurde jedoch schon die erste 'Analytische Maschine' erfunden, der Vorläufer des Komputers. Und nein, ich habe mich nicht verschrieben: In diesem Buch gibt es nur Komputer mit K, ebenso Telephone, Elektrobriefe, Bureaus, Bürgernummern und Parolen. Ich finde diese Idee einfach echt total gut und einfallsreich, denn es wurde so nicht eingedeutscht, sondern gleich mit einem deutschen Wort benannt; für mich ist das absolut genial! Die Geschichte beginnt mit Himmlers Besuch im NSA, als Leser lernt man die Technik und die Möglichkeiten kennen, die das NSA hat, um verborgen Personen aufzuspüren. So gibt es Parallelen zu realen Personen, die ich sehr gut fand, z.B. wurde Familie Frank zwei Jahre früher, also 1942 und nicht 1944 entdeckt und verhaftet. Alles dank der Technik des Komputers. Es folgt die totale Überwachung.

Nun zu den beiden Hauptfiguren, um die sich die Geschichte dreht. Ladys first: Helene Bodenkamp möchte nach ihrem Schulabschluss arbeiten und wird Programmstrickerin, was sie sehr erfüllt und glücklich macht. Sie liebt das Programmstricken und möchte nicht schon früh verheiratet und Mutter werden. Schon in der Schule bekommt sie die schleichende Ausgrenzung der Juden, zu den auch eine Freundin von ihr gehört, und den Umschwung mit, den Hitler mit sich bringt. Helene erfährt mit Arthur die erste große Liebe, was sich schön liest, jedoch muss dieser sich verstecken, da er Fahnenflucht begangen hat, und nun gesucht wird. Das macht ihre Liebe und ihre Arbeit schwer, denn mit Helenes Programmstrickerei können Komputer genau solche Verstecke finden! Ihre Eltern, die mit Hitler sympathisieren, wissen nichts von ihrer Liebe und bemühen sich, einen Mann für ihre Tochter zu finden. Das führt zur Bekanntschaft eines Mannes, der mir Gänsehaut beschert hat, der aber im Verlauf der Geschichte noch nützlich sein wird. Helene ist sehr schlau, aber manchmal auch ziemlich naiv, doch sie ist eine sympathische Figur, deren Handlung ich meist nachvollziehen konnte.

Als weitere Hauptfigur geht es um Eugen Lettke, Sohn eines Kriegshelden mit der Arierstufe AAA, ein 'reiner Arier' also, der zusammen mit seiner Mutter lebt, die ihm häufig ziemlich auf die Nerven geht. Als Sohn eines Kriegshelden scheint das Volke (oder auch nur Eugens Mutter) hohe Ansprüche zu haben. Während der Schulzeit wurde er kriminell, und als er dann von Mitschülern ziemlich fies gelinkt wird, schmiedet er seinen Plan, sich an den Personen zu rächen. Dabei hilft ihm seine Anstellung im Nationales Sicherheits-Amt sehr, und so rächt er sich an den nunmehr erwachsenen Frauen auf eine echt miese Weise. Seine Entwicklung ist sehr von der nationalsozialistischen Regierung geprägt. Er will nicht in den Krieg ziehen, wie es sein Vater tat und dabei gestorben ist, weshalb er alles tut, um das zu verhindern. Wirklich alles. Seinen Charakter kann ich beim besten Willen nicht mögen, er ist einfach ein Ekelpaket, sehr von sich eingenommen, selbstsicher und arrogant.

Eugen und Helene arbeiten also zusammen im NSA an mehreren Projekten, wobei Eugen Helene aufgrund eines Vergehens in der Hand hat. Sie machen gute Arbeit, doch im Laufe der Zeit meldet sich ihr Gewissen auf unterschiedliche Weise. Beide nutzen das Nationale Sicherheits-Amt zu ihrem Vorteil. Und so entdeckt Eugen bald etwas, das ihn zum Führer persönlich schickt. Mehr möchte ich nicht verraten. Andreas Eschbachs Schreibstil ist gut zu lesen, immer aus der Erzählperspektive geschrieben. Am Anfang kam ich nicht ganz rein in die Geschichte, was aber eher an der noch nicht erklärten Technik lag. Später habe ich das Buch verschlungen, weil es mich so mitgerissen hat. Die Geschichte nimmt für mich einen sehr interessanten Verlauf, und das Ende ... das Ende ist irgendwie ziemlich crazy und abgedreht, anders kann ich es nicht beschreiben. Es gibt kein Happy End, was hoffentlich niemand erwartet, der das Buch zur Hand nimmt.

Ob und was genau Andreas Eschbach mit diesem Buch bezwecken/ausdrücken will, weiß ich nicht, aber es ist eine schockierende Vision, wie es hätte sein können, wenn vieles in der Geschichte anders gelaufen wäre. Es hat mich zum Nachdenken angeregt, denn wer weiß, was bestimmte Organisationen über uns wissen? Wir schleppen das Smartphone überall mit hin, zahlen häufig mit Bank- oder Kreditkarte, haben Treuekarten wie z.B. bei Payback, wo bestimmt irgendwo die Daten gespeichert und ausgewertet werden, was wir kaufen und was unsere Bedürfnisse sind. So kommt es dann zu personalisierter Werbung, wie es bei Facebook der Fall ist, und so weiter, und so fort. Wie kurz davor stehen wir vor einer totalen Überwachung? Zumal man auch sagen muss, dass Herr Eschbach nicht umsonst den Titel 'NSA' benutzt hat - gab es doch im Jahr 2013 die Enthüllung, dass die National Security Agency als größte Auslandsgeheimdienst der USA das Internet und sowie Telefone wichtiger Personen überwacht hat, und somit in eine globalen Überwachungs- und Spionageaffäre verwickelt ist ...

Meine Bewertung:
Für mich war 'NSA - Nationales Sicherheits-Amt' ein sehr gutes Buch, das mich begeistert, aber auch schockiert hat. Eine andere Welt, in der es Komputer bereits zur Zeit des Nationalsozialismus gibt. Alles geht schneller, besser, effektiver. Die totale Überwachung, in der es keine unwichtigen Daten gibt. Zwei Hauptfiguren, die ihre eigenen Erlebnisse mit der Technik machen, die ihre eigenen Ziele verfolgen und Opfer bringen müssen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn es manchmal ein paar kleinere Dinge gab, die etwas zu übertrieben/ausschweifend beschrieben wurden. Die Geschichte war für mich persönlich nicht das, was ich erwartet habe - sie war besser. Deshalb vergebe ich fünf Sterne.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Video

Buchtrailer "NSA" von Andreas Eschbach

Abspielen

Autor

Andreas Eschbach

Andreas Eschbach - Autor
© Olivier Favre

Andreas Eschbach, geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma. Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung "für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs" schrieb er seinen ersten Roman "Die Haarteppichknüpfer", der 1995 erschien und für den er 1996 den …

Mehr erfahren
Alle Verlage