Bill Mockridge - Autor
© Boris Breuer

Autor

Bill Mockridge

Bill Mockridge, Jahrgang 1947, ist Comedian, Schauspieler und Autor. Den meisten ist er als Erich Schiller aus der Lindenstraße bekannt. Außerdem ist er Gründer des Springmaus-Improvisationstheaters in Bonn und tourt seit vielen Jahren mit Soloprogrammen wie „Leise rieselt der Kalk“ oder „Ihr Zipperlein kommet“ erfolgreich durch Deutschland. 2012 veröffentlichte er den Bestseller Je oller, je doller.

 

Interview

„Mein Motto lautet: Schön, stark und sexy mit 100!“ | 03.09.2015

Was ist Ihr Geheimrezept, um über all die Jahre so erfolgreich zu sein?Mir macht mein Beruf unglaublich viel Spaß und ich lerne immer weiter dazu. Früher war ein Schauspieler fest am Theater engagiert und stand halt immer nur auf der Bühne. Heute gibt es so viele Möglichkeiten, sich als Künstler ber...


Was ist Ihr Geheimrezept, um über all die Jahre so erfolgreich zu sein?
Mir macht mein Beruf unglaublich viel Spaß und ich lerne immer weiter dazu. Früher war ein Schauspieler fest am Theater engagiert und stand halt immer nur auf der Bühne. Heute gibt es so viele Möglichkeiten, sich als Künstler beruflich weiter zu entwickeln und ich finde das unendlich spannend.
Entertainer, Kabarettist, Schauspieler, Autor… Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Ich mache alles gerne, aber wenn ich wählen müsste, dann stehe ich am liebsten auf der Bühne als Kabarettist, erzähle meine Geschichten und bringe die Leute zum Lachen, und wenn ich Glück habe auch ein wenig zum Nachdenken. Das ist anders als im Fernsehen, denn auf der Bühne ist der Kontakt zum Publikum sehr unmittelbar und man kriegt jede Reaktion sofort mit. Man kann auch spontan auf die Zuschauer reagieren, und so wird jede Aufführung immer ein bisschen anders.
Ihr erstes Buch "Je oller, je doller" war ein großer Erfolg. Auch in Ihrem neuen Titel In alter Frische beschäftigen Sie sich auf eine humorvolle und sehr unterhaltsame Art und Weise mit dem Älterwerden. Warum ist dieses Thema so wichtig für Sie?
Ich hatte früher Angst vor dem Älterwerden und habe versucht, das Alter mit allen Mitteln zu verdrängen. Als ich begriff, dass das natürlich nichts bringt, weil das Alter sich nicht aufhalten lässt, habe ich eine Kehrtwendung gemacht und mich dann mit meinem „Feind“ angefreundet. Und siehe da, wir sind inzwischen richtig gute Kumpels geworden. Ich begreife das Alter als eine zweite Chance, sich völlig neu zu erfinden. Nichts im Leben ist in Stein gemeißelt. Alles ist möglich.
Wie kamen Sie dazu, ein zweites Buch zum Thema Alter zu verfassen?
Mein erstes Buch war voll mit witzigen Geschichten und Anekdoten aus meinem Leben und war eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Alter. Mein zweites Buch „In alter Frische“ geht bedeutend weiter und stellt die Frage, ob sich ein Mensch mit 67 mit dem Los abfinden muss, dass seine Lebenszeit abläuft. Baue ich, einmal im Rentenalter angekommen, immer weiter ab, bis ich den statistischen Todeszeitpunkt von 82 Jahren erreicht habe? Oder kann ich im Alter noch mal ganz neu durchstarten? Im Buch gehe ich eine Wette mit mir selbst ein. Ich gebe mir genau die Zeit von meinem 67. Geburtstag bis zu meinem 68. Geburtstag, also ein Jahr, um aus mir einen neuen, jungen und frischen Menschen zu machen. Statt Stillstand und Abbau zu akzeptieren, versuche ich meinen ganz persönlichen Jungbrunnen zu finden. Beim Versuch des "Durchstartens" gibt es natürlich anfangs jede Menge witziger Fehlstarts, die manchem Leser bekannt vorkommen werden. Aber dann geb‘ ich irgendwann richtig Gas!
Sie betrachten das Alter aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, sowohl biologisch, als auch aus den Augen eines Kindergartenkindes. Wie hat sich die Recherche für so eine kunterbunte Mischung gestaltet?
Mein Mitautor Helge May und ich haben uns erstmal ein halbes Jahr lang hingesetzt und alles über die moderne Altersforschung gelesen. Wir wollten wissen, was sich im Körper tatsächlich abspielt und ob man den „Abbau“ einfach so als „Gott gegeben“ hinnehmen muss. Wie wirkt sich das Alter auf unsere Sinne aus? Auf unsere Muskulatur? Auf unsere Psyche und unsere Rolle in der Gesellschaft? Ich habe mit Ärzten, Sportlern, Forschern und einer Sexologin gesprochen, die sich mit Sex im Alter auseinandersetzt. Es war unglaublich faszinierend, sich in die unterschiedlichsten Wissensgebiete hineinzuarbeiten. Und ein Riesenspaß, dieses Wissen dann frisch und witzig zu verpacken und zu einem Teil des Buches zu machen.
Planen Sie auch zu "In alter Frische" ein eigenes Bühnenprogramm?
Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Buches in September kommt begleitend die Bühnenshow „Alles frisch!?“ heraus und beschreibt sozusagen mein witziges und turbulentes Jahr im Jungbrunnen. Die offizielle Premiere ist am 29. September im Haus der Springmaus in Bonn, und danach gehe ich mit der Show zwei Jahre lang auf Deutschland-Tournee.
Neben Ihrer Karriere haben Sie auch eine große Familie. Wie schaffen Sie es, die Arbeit und Ihre Familie – Ihre Frau und die sechs Söhne - unter einen Hut zu bringen?

Die Zeiten sind vorbei, in der die Jungs klein waren und alle noch zu Hause gelebt haben. Das war eine wirklich tolle und wilde Zeit für mich, die ich auf keinen Fall missen möchte. Aber jetzt sind alle sechs Jungs aus dem Haus, und meine Frau und ich haben endlich wieder eine „sturmfreie Bude!“ Das genieße ich sehr. Alles zu seiner Zeit.

Im Buch verweisen Sie auf Ihr Rezept zum Jungbleiben: die 5 L?
Ja. Mein Jungbrunnen besteht aus 5 Ls. Laufen, laben, lieben, lachen und lernen. Wer sie täglich absolviert, hat die besten Chancen alt zu werden und gesund zu sterben.
Wie haben Sie sich das Älterwerden in jungen Jahren vorgestellt? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Als junger Mensch sah ich meinen Vater und Großvater alt werden und war entsetzt. Mein Großvater war schon mit Anfang 70 ein alter Mann, der immer nur im Sessel saß und Zeitung las. Mein Vater war im Alter übergewichtig und unbeweglich und starb leider schon mit 82 an Lungenkrebs. Ich habe mir vorgenommen, mein Alter mit Leben zu füllen. Ich möchte noch mit 90 wandern, segeln, Skilaufen und Tennis spielen. Mein Motto lautet: Schön, stark und sexy mit 100!
Sie nehmen das Alter sehr gelassen. War das schon immer so oder mussten Sie lernen mit dem Älterwerden umzugehen?
Ich nehme das Alter überhaupt nicht gelassen, sondern kämpfe jeden Tag darum, mich immer wieder fit, frisch und fröhlich zu fühlen. Es ist ein aktiver Prozess, verankert in dem Bewusstsein, dass jeder Tag eine neue Chance ist, sich neu zu erfinden.
Wie empfinden Sie die Sicht der Gesellschaft auf das Alter?
Wenn die Menschen an das Alter denken, dann haben sie immer noch das alte Schwarz/weiß-Bild ihrer Eltern und Großeltern vor Augen. Das ist nicht schön! Die waren damals schon mit 60 alt und müde! Aber die Zeiten haben sich geändert. Früher hat Mann/Frau sich ab dem Rentenalter einen Stock gekauft und ging damit spazieren. Heute kauft Mann sich einen zweiten dazu und macht Nordic Walking! Den klassischen Oberschenkelhalsbruch holt Mann/Frau sich heute nicht mehr auf der Kellertreppe. Nein! Beim Skateboard fahren mit dem Enkelchen!

Ich gehe mit meiner Frau immer noch gerne auf Rock-Konzerte. Open air! Gut, jetzt nehme ich allerdings eine Heizdecke mit. Aber das ist egal. Hauptsache, man ist dabei und kann „abrocken!“ Neulich stand eine kleine Notiz im Hamburger Abendblatt. Es gab eine Razzia in einer Alters WG in Hamburg. Die hatten auf dem Balkon büschelweise Cannabis angebaut. Die Älteste war 83 Jahre alt. Beim Verhör hat sie gesagt: „Bevor ich ins Gras beiße, rauch‘ ich es lieber“! Diesen Spruch finde ich klasse!!!!
Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Wir Schauspieler genießen das Privileg, noch bis ins hohe Alter arbeiten zu dürfen. Meine Kollegin aus der Lindenstraße, Annemarie Wendl, hat ihre Rolle als Else Kling noch mit 92 hervorragend gespielt. Dieter Hallervorden, Mario Adorf und Götz George sind glänzende Schauspieler, die mich in ihren Rollen als „reife Männer“ immer wieder begeistern. Es gibt eine ganze Menge fantastischer Rollen, die ich im Alter noch spielen möchte. Ich werde auf jeden Fall noch so lange spielen, bis meine Frau sagt: „Bill, es reicht.“

In Rente gehen ist also (noch nicht) in Sicht?
Ich bin schon seit drei Jahren Rentner und genieße den Status. Ich komme überall billiger rein, esse günstiger und kriege wunderbare Gratisprospekte für Treppenlifte ins Haus. Und ganz nebenbei nehme ich mir die Freiheit, neben der Arbeit eben auch mal öfter frei zu machen. Ohne schlechtes Gewissen. Ich kann, muss aber nicht - das ist doch ein paradiesischer Zustand!
Was können wir in Zukunft noch von Ihnen erwarten?
Das nächste Buch ist schon in Planung und wird voraussichtlich im Herbst 2017 erscheinen. Dazu wird es eine neue Bühnenshow geben. Ich spiele zurzeit mit meiner Frau und meinen Söhnen zusammen in einer neuen Comedy TV-Serie über unser verrücktes Leben im Neun-Personen-Haushalt. Die Serie heißt „Die Mockridges – eine Knallerfamilie“ und wird seit August 2015 Freitagabend im WDR Fernsehen gesendet. Und ich werde bald wieder Theater spielen. Privat spiele ich wieder Tennis, mache Yoga und Step-Training, studiere Kunst, spiele Gitarre und schreibe Lieder. Ich habe mich neu in meine Frau verliebt und genieße die Zeit mit ihr und freue mich sehr auf die Enkel, die bald kommen werden. Das Leben ist schön und ich fühle mich frisch!
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