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Jens Baumeister

Jens Baumeister, geboren 1975, absolvierte ein Drehbuchstudium und schreibt seit 2005  für TV-Serien und Internet-Formate. Sein erstes Kinderbuch Jonas' großes Comic-Chaos entstand im Rahmen der Erfurter »Akademie für Kindermedien« und wurde 2013 mit dem Baumhaus/Boje-Medienpreis ausgezeichnet.
 

Interview

„ Ich halte nicht viel davon, den Lesern die Moral direkt aufs Brot zu schmieren – wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, erschließt sie sich beim Lesen von selbst“ | 24.11.2015

Herr Baumeister, ihr erstes eigenes Kinderbuch „Jonas‘ großes Comic-Chaos“ erscheint die Tage, wie fühlt sich das an?Wahnsinnig spannend. Ich habe zwar vorher schon Sachbücher veröffentlicht, aber ein Roman ist doch etwas ganz anderes – da packt man viel mehr von sich selbst hinein. Darum hängt mein...

Herr Baumeister, ihr erstes eigenes Kinderbuch „Jonas‘ großes Comic-Chaos“ erscheint die Tage, wie fühlt sich das an?
Wahnsinnig spannend. Ich habe zwar vorher schon Sachbücher veröffentlicht, aber ein Roman ist doch etwas ganz anderes – da packt man viel mehr von sich selbst hinein. Darum hängt mein Herz schon sehr an diesem Buch.
Können Sie den Inhalt des Buches in wenigen Sätzen zusammenfassen?
Jonas ist 12 Jahre alt, und er zeichnet für sein Leben gern Comicfiguren. Eines Tages werden diese Figuren plötzlich lebendig und geraten außer Kontrolle: Sie springen in seine Bücher und Comics und machen sich sogar in der Schule selbständig, wo sie ein wahnsinniges Chaos anrichten. Um sie wieder einzufangen, braucht Jonas Hilfe – und zwar ausgerechnet von Tülay, der Klassen-Außenseiterin, die gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist.
Sie haben mit dem Buchprojekt 2013 den Baumhaus/Boje-Medienpreis gewonnen. Konnten Sie sich da schon vorstellen, dass ihr Buch wirklich gedruckt wird?
Ich war völlig baff, als ich den Preis bekam – und natürlich habe ich dann auch gehofft, dass sich danach ein Verlag ernsthaft für die Geschichte interessieren würde. Aber dass es dann so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Besonders weil ich es dem Verlag ja nicht ganz einfach gemacht habe: In dem Buch gibt es Comic-Seiten, Kreuzworträtsel, Auszüge aus Wörter- und Sprachlehrbüchern und ein Lied. Ein paar kurze Passagen sind sogar auf Türkisch. Ich hätte gut verstehen können, wenn der Verlag da irgendwann gesagt hätte: „Entschuldigung, aber das ist uns zu durchgeknallt.“
Wie viel tragen Sie von Jonas in sich?
Jonas fühlt sich am Anfang einsam und ausgeschlossen auf einer neuen Schule. Das ist ein Gefühl, das ich aus meiner eigenen Kindheit kenne, und das wohl jedes Kind und jeder Erwachsene nachvollziehen kann. Beim Versuch, etwas daran zu ändern, trifft er dann ein paar reichlich dumme Entscheidungen, deren Folgen er hinterher ausbügeln muss. Auch das dürfte für die meisten von uns vertraut klingen – auch wenn dabei in der Regel keine lebenden Comicfiguren mit ihm Spiel sind.
Welche Comic-Figur aus dem Buch mögen Sie persönlich am liebsten und warum?
Das ist ganz schwer zu sagen, weil sie alle so unterschiedlich sind und mir jede auf ihre Art ans Herz gewachsen ist. Aber ich glaube, wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wohl Sir Iron, der Ritter, der so feige ist, dass er gar nicht merkt, zu welchen Heldentaten er imstande ist, wenn er nur will. Denn gegen das Gefühl, lieber aufgeben zu wollen als etwas zu wagen, muss man beim Schreiben auch immer wieder ankämpfen.
Wie hat die Zusammenarbeit mit der Illustratorin Mareikje Kersting ausgesehen?
Das Buch ist ungewöhnlich, weil die Bilder die Handlung nicht nur illustrieren, sondern Teil der Geschichte sind. Das heißt Mareikje konnte nicht frei entscheiden, welche Stellen sie illustrieren wollte, sondern musste sich genau nach meinen Vorgaben richten. Dafür habe ich ihr im Gegenzug bei der Ausgestaltung der Bilder so viele Freiheiten wie möglich gelassen, und die hat sie ganz toll genutzt. Einige ihrer Ideen waren so schön, dass ich nachträglich den Text umgeschrieben habe, um sie einbauen zu können.
Wem würden Sie ihr Buch besonders empfehlen?
Besonders geeignet ist es vielleicht für Jungen und Mädchen, die kurz vor einem Schulwechsel stehen, gerade die Schule gewechselt haben oder allgemein ein bisschen introvertierter sind.
Steckt in „Jonas‘ großes Comic-Chaos“ eine tiefere Botschaft für die Leser?
Nicht nur eine – sogar mehrere. Ich finde, dass man als Kinderbuchautor eine große Verantwortung hat, was für Geschichten man erzählt und wie man sie erzählt. Gleichzeitig halte ich aber nicht viel davon, den Lesern die Moral direkt aufs Brot zu schmieren – wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, erschließt sie sich beim Lesen ganz von selbst.
Sie waren lange Zeit Drehbuchautor für bekannte deutsche Soaps. Konnten Sie aus dieser Zeit etwas für das Schreiben eines Kinderbuches mitnehmen?
Soaps schulen das Handwerk. Man hat nicht so viele individuellen Freiheiten, weil man sich an den großen Gesamtplan halten muss, aber dafür sehr viele Gelegenheiten, an Szenen und Figuren zu feilen und die Geschichten möglichst spannend und ansprechend zu gestalten. Im Laufe der letzten zehn Jahre habe ich so als Autor an mehreren hundert Stunden Fernsehen mitgearbeitet. Das gibt natürlich Übung.
Was war die große Herausforderung beim Entwickeln von Jonas’ Geschichte und beim Schreiben?

Da gab es mehrere Sachen: Das Buch ist ja aus Jonas’ Perspektive geschrieben, und am Anfang war ich mir nicht sicher, wie gut ich mich in die Erlebniswelt eines 12-jährigen einfühlen kann. Aber zum Glück konnte ich eine frühe Fassung des Textes vor Schülern dieses Alters lesen, und dabei habe ich gemerkt, dass ich den richtigen Tonfall getroffen habe. Handwerklich habe ich, glaube ich, eher Illustratorin und Setzer vor Herausforderungen gestellt: Es gibt in dem Buch mehrere Passagen, die so wirken sollen, als kämen sie aus anderen Büchern, darum mussten Zeichenstil und Layout auch entsprechend anders aussehen. Zum Glück haben die das aber toll hinbekommen.

Ist Jonas‘ großes Comic-Chaos besonders „filmisch“ geschrieben?
Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht, aber ein bisschen wohl schon. Ich habe ja Drehbuchschreiben studiert, und auch in meiner Prosa gibt es viele Dialoge und viel Action und kaum ausufernde Beschreibungen. Und auch der Aufbau einzelner Szenen und Kapitel hat oft etwas Filmisches – mit spannenden „Cliffhangern“ am Ende, die die Leserinnen und Leser hoffentlich neugierig machen, weiterzulesen.
Dürfen wir uns in Zukunft auf weitere Kinderbücher von Ihnen freuen?

Auf jeden Fall. Ich habe noch ganz viele Ideen, die ich umsetzen möchte. Unter anderem auch eine Fortsetzung für Jonas’ Geschichte. Aber im Moment arbeite ich am ersten Band einer Kinderbuch-Reihe, die ein ganz anderes Thema hat; und wenn alles gut geht, steht dieses Buch hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft in den Regalen der Buchhändler.

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