Katharina Reschke - Autor
© Gerhard Kassner

Autor

Katharina Reschke

Katharina Reschke studierte Germanistik und Romanistik in Köln und ließ sich danach in den USA für das Drehbuchschreiben begeistern. Seit 1999 arbeitet sie als freie Autorin für Buch und Film in Berlin und hat u. a. Kinofilme wie »Hanni und Nanni« geschrieben. Für ihre Drehbücher wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. 2012 erschien ihr Debütroman »Roxy Sauerteig«.
Mehr unter www.katharinareschke.de.

Interview

Im Interview zu „Morlot“ | 08.12.2014

„Ich mag den Charakter des ‚hardboiled detectives‘ sehr, denn hinter dem augenscheinlich rauen wie zynischen Ermittler steckt eigentlich eine sehr nachdenkliche, tiefsinnige Persönlichkeit.“1. Worum geht es in Ihrem neuesten Buch „Morlot – Detektive schlafen nie“?Es erzählt von dem 12jährigen Jonath...

„Ich mag den Charakter des ‚hardboiled detectives‘ sehr, denn hinter dem augenscheinlich rauen wie zynischen Ermittler steckt eigentlich eine sehr nachdenkliche, tiefsinnige Persönlichkeit.“

1. Worum geht es in Ihrem neuesten Buch „Morlot – Detektive schlafen nie“?
Es erzählt von dem 12jährigen Jonathan, der von Fantasie nicht viel hält. Kein Wunder, denn seine Mutter ist Krimiautorin und in ihrem gemeinsamen Leben dreht sich alles nur um den von ihr erfundenen Detektiv Morlot. Der ist nicht nur ein extrem unbequemer Zeitgenosse, sondern Jonathans Mutter behauptet auch, dass sie mehr und mehr die Kontrolle über ihn verliert. Absoluter Blödsinn!, meint Jonathan dazu. Immerhin ist der Detektiv nichts weiter als ein Hirngespinst. Doch da verschwindet seine Mutter plötzlich und alle Spuren deuten daraufhin, dass sie von den Gangstern aus ihrem Roman gekidnappt wurde. Wie kann das sein?, fragt sich Jonathan und weiß im gleichen Atemzug, dass es nur einen gibt, der ihm in diesem mysteriösen Fall helfen kann: Detektiv Morlot.
2.Was unterscheidet Ihre Detektiv-Geschichte von anderen?
Mein Roman spielt in zwei Welten, die zunächst voneinander getrennt sind und sich dann immer mehr ineinander verweben. Jonathans Realität heute trifft auf die von seiner Mutter Erfundene. Die ist eine raue Schwarz-weiß-Welt, die sich an die amerikanischen Detektivromane der 20er bis 50er Jahre anlehnt. Für Jonathan eine echte Herausforderung, denn er will mit dieser Welt eigentlich nichts zutun haben.

3. Sie greifen mit Morlot das berühmte Motiv des hardboiled detectives - also des hartgesottenen Ermittlers – auf. Wie kam Ihnen diese Idee?
Ich mag den Charakter des hardboiled detectives sehr, denn hinter dem augenscheinlich rauen wie zynischen Ermittler steckt eigentlich eine sehr nachdenkliche, tiefsinnige Persönlichkeit. Ich wollte diesen amerikanischen Detektiv-Typus für die jungen Leser von heute wieder aufleben lassen, da sich damit nicht nur eine spannende wie faszinierende Krimiwelt verbindet, sondern auch, weil ich durch den Kontrast zu unserer Welt dabei vieles über unsere heutige Welt erzählen kann.

4. Was denken Sie, fasziniert Kinder an Detektiven und deren Abenteuern?
In Detektiv-Geschichten geht es meist um das Aufdecken von Fehlverhalten und kriminellen Machenschaften sowie den Kampf für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit. Das ist ein Thema, das für Kinder im Zuge des Erwachsenwerdens extrem wichtig ist. Es geht um das stete Abwägen, was gut und was schlecht ist und wie man sich selbst dazu positioniert. Ein Held, der einem vormacht, wie es gelingt, gegen alle Widerstände am Ende doch zu gewinnen, ist nicht nur spannend, sondern macht auch Mut.
5. Jonathans Mutter Wanda behauptet, dass die Fantasie wie eine Parallelwelt zur Realität existiert. Denken Sie das auch?
Ich kann nur so viel sagen, dass mir immer wieder lauter merkwürdige Dinge passieren. Neulich zum Beispiel, da saß ich mit einer befreundeten Kollegin im Café und erzählte ihr von dem Fuchs, der in meinen Roxy-Sauerteig-Büchern eine Rolle spielt. In der nächsten Sekunde begannen die Leute um uns rum plötzlich aufgeregt zu rufen und zeigten in unsere Richtung. Warum? Weil ein Fuchs nur einen Meter an uns vorbei den Bürgersteig entlanglief.

Interview

Interview | 19.11.2012

»Ich finde Kinder einfach klasse! Sie sind gnadenlos ehrlich und pur..« Katharina Reschke»Beim Drehbuchschreiben kämpft man mehr mit der Außenwelt, beim Buch mehr mit sich selbst«, sagt Katharina Reschke. Die in Berlin lebende Drehbuchautorin, die u.v.a. für den Kinofilm Hanni und Nanni und Das Sand...

»Ich finde Kinder einfach klasse! Sie sind gnadenlos ehrlich und pur..« Katharina Reschke
»Beim Drehbuchschreiben kämpft man mehr mit der Außenwelt, beim Buch mehr mit sich selbst«, sagt Katharina Reschke. Die in Berlin lebende Drehbuchautorin, die u.v.a. für den Kinofilm Hanni und Nanni und Das Sandmännchen gearbeitet hat, bringt mit Roxy Sauerteig. Das vierte Obergeheimnis links ihr erstes Kinderbuch auf den Markt: eine turbulente und tiefsinnige Detektivgeschichte ab 8 Jahren mit der frechen – und ganz besonderen – Roxy Sauerteig als Hauptfigur.
Roxy ist ein eigenwilliges Mädchen, das mit ihrer Familie in ein Berliner Mietshaus zieht. Dort wohnt ein merkwürdiger Sammler direkt unter ihnen, um den alle einen Bogen machen. Als Roxy ihm heimlich einen Besuch abstattet, findet sie seine Wohnung mit Bergen von Dingen vollgestopft. Roxy ist sofort klar: Herr Grindelmann ist ein Detektiv, der einem spannenden Geheimnis auf der Spur ist …
Im folgenden Interview erzählt Katharina Reschke über sich, das Drehbuchschreiben – und natürlich über ihr Kinderbuch Roxy Sauerteig. Das vierte Obergeheimnis links.
Ist Drehbuchschreiben anders als ein Buch zu schreiben?
Meine Drehbucharbeit besteht aus zahlreichen Karteikarten, vielen Zetteln, einer riesigen Pinnwand, bunten Stiften, meinem Computer und – wenn im Kopf nichts mehr geht – einem ausgiebigen Mittagsschlaf. Drehbuchschreiben ist ein langer Prozess, in dem Fassungen geändert und Gelder gesammelt werden, und sehr viele Leute reden einem überall rein. Als Buchautor ist man doch ziemlich autark und es geht insgesamt ein wenig ruhiger zu.
Welches Drehbuch haben Sie bisher am liebsten geschrieben?
Das kann ich gar nicht so genau sagen, weil jedes Drehbuch eine ganz besondere Erfahrung ist. Bei Hanni und Nanni 1 hat es mir riesigen Spaß gemacht, in ein Internat zu gehen, um zu recherchieren. Ich bin dort mit den Mädchen in die Schule gegangen und habe wie früher in der letzten Reihe gesessen. Leider sind meine heutigen Mathe- und Lateinkenntnisse ebenso bescheiden wie damals …
Bei einem meiner letzten Spielfilme war ich in einer Uhrenmanufaktur. Die Geschichte basiert nicht auf einem bereits existierenden Buch, was natürlich auch spannend ist. Letztlich kommt es aber bei allen Projekten immer darauf an, was die Regie aus dem Drehbuch macht. Da kann aus einem Lieblingsbuch durchaus eine Enttäuschung werden.
Jetzt haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben. Warum ein Kinderbuch?
Ich finde Kinder einfach klasse. Sowohl als Protagonisten als auch als Publikum. Sie sind so gnadenlos ehrlich und pur! Da ist noch nichts wegkonditioniert, das mag ich. Und da Kinder noch keine eigene Lobby haben, sind sie auf starke Partner angewiesen, die ihren Sichtweisen und Bedürfnissen eine Stimme verleihen. Ich wollte schon immer Bücher schreiben, aber ich habe erst eine starke Persönlichkeit wie Roxy gebraucht, um es wirklich zu tun.
Meinen Sie, dass Ihre filmische Denkweise das Schreiben Ihres Kinderbuchs beeinflusst hat?
Ja, auf jeden Fall. Drehbuchautoren denken in Bildern, das geht gar nicht anders. Zudem werden sie sehr stark in der Dramaturgie des Geschichtenerzählens geschult.
Wie kamen Sie auf die Figuren in Roxy Sauerteig?
Herr Grindelmann war zuerst da. Ich habe selbst einmal in einem Haus mit einem Sammler gewohnt. Ich fand es interessant, wie die Mitbewohner auf ihn reagiert haben: mit Abneigung und Angst. Ich fand ihn eher spannend und es kamen mir lauter komische Geschichten in den Sinn. Jeden Tag eine neue. Die hab ich dann meinem Mann beim Treppensteigen erzählt, denn wir wohnten wie Roxy ganz oben. Jedes Mal, wenn wir im Dach ankamen, sagte mein Mann: »Jetzt schreib sie doch endlich mal auf! «
Wer ist Ihre Lieblingsfigur?
Keine Frage, neben Roxy ist mir Herr Grindelmann extrem ans Herz gewachsen. Ich mag seine Verschrobenheit und Andersartigkeit, sein großes Herz und seine unglaubliche Schüchternheit. In seiner Art, die Dinge voller Sorge zu zergrübeln, hat er etwas Urkomisches. Am liebsten mag ich die Momente, in denen Roxy in ihrer vollkommen selbstverständlichen Art einfach in seine Wohnung stapft und Dinge von ihm fordert, die er sich selbst nie zutrauen würde.
Ist Herr Grindelmann eigentlich ein Messie?
Nein. Er ist ein Sammler, der heimatlosen Dingen bei sich ein neues Zuhause gibt. Immer wieder trifft er in der Stadt auf Gegenstände, die noch funktionieren und damit für ihn eine Seele haben. Aber die Menschen haben sie einfach achtlos weggeschmissen. Das findet Herr Grindelmann herzlos und gemein – und nimmt sie eben mit.
Was hat es mit Roxys Lexikon auf sich?
Wir alle kennen das Phänomen: Insbesondere Kinder verstehen manche Worte oft so, wie sie für sie einen Sinn ergeben, und nicht nach ihrer allgemeinen Bedeutung. Mir selbst ging es auch so. Ich habe zum Beispiel früher immer gedacht, es hieße Landspielplatte, weil auf den Plattencovern die Leute immer vor irgendwelchen schönen Landschaften standen. Als ich dann viel später beim Lesen eines Buches herausfand, dass es eigentlich Langspielplatte heißt, war das für mich eine zwiespältige Erkenntnis. Ich fände es schön, wenn man sich im wahrsten Sinne des Wortes ein eigensinniges Sprachverständnis bewahren könnte.
Wie wird es mit Roxy weitergehen?
Aufregend! Es gibt nämlich noch jede Menge weiterer Bewohner in der Ferdinand-Otto-Straße 3, die ebenso geheimnisvoll und interessant wie Herr Grindelmann sind und von Roxy entdeckt werden wollen. Aber keine Sorge: Herr Grindelmann spielt auch in Zukunft eine zentrale Rolle. Immerhin hat er ja auch noch ein gewaltiges Problem zu lösen, das er in den nächsten Band mitnimmt.
Der zweite Band von Roxy Sauerteig erscheint im Herbst 2013.

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