Karl Bartos - Autor
© Patrick Beerhorst

Autor

Karl Bartos

Karl Bartos, geboren 1952 in Berchtesgaden, ist klassisch ausgebildeter Orchestermusiker und war von 1975 bis 1990 Mitglied der Gruppe Kraftwerk. Seit den Neunzigerjahren hat er mit zahlreichen anderen Musikern und Gruppen zusammengearbeitet (u. a. Bernard Sumner/New Order, Johnny Marr/The Smiths oder Andy McCluskey/OMD). Darüberhinaus hatte er eine Gastprofessur »Auditive Mediengestaltung« an der Universität der Künste Berlin inne. Er tourt regelmäßig mit seiner audiovisuellen Live-Show. Über sein letztes Soloalbum konstatierte Die Zeit: »Karl Bartos hat mit Off The Record das beste Kraftwerk-Album seit 25 Jahren aufgenommen.«

Interview

Im Interview erzählt Karl Bartos über seine Autobiografie "Der Klang der Maschine" | 25.07.2017

Was hat Sie bewogen, das Buch zu schreiben und warum jetzt?Für mich gehört mein Leben und Musik untrennbar zusammen. Musiker zu sein ist kein Beruf sondern eine Lebensform. Und eigentlich wollte ich schon lange ein Buch über mein Leben im Klang der Musik schreiben, nicht nur als Kraftwerker. Aber wi...

Was hat Sie bewogen, das Buch zu schreiben und warum jetzt?
Für mich gehört mein Leben und Musik untrennbar zusammen. Musiker zu sein ist kein Beruf sondern eine Lebensform. Und eigentlich wollte ich schon lange ein Buch über mein Leben im Klang der Musik schreiben, nicht nur als Kraftwerker. Aber wie es immer so ist: Ich hatte einfach anderes im Kopf. Jetzt aber, nach diesen vielen Jahren, hatte ich den Eindruck, vieles sei in Vergessenheit geraten oder einfach auch nicht bekannt, was in dieser so produktiven Phase dieser Musikgruppe passiert ist. Zum Beispiel wurde noch nie über die Schöpfung unserer Musik ausführlich und nachvollziehbar gesprochen. Aber zu meiner Klangbiografie gehört ja nicht nur die Musik von Kraftwerk. Welche Musik hat mich in meinem Leben begleitet, geleitet oder mich inspiriert? Auch das ist Thema meines Buches.
Ist die Arbeit als Buchautor in irgendeiner Weise vergleichbar mit der als Komponist?
Nein, überhaupt nicht. Musik ist abstrakt und Worte drücken meistens etwas konkret aus. Aber ich habe tatsächlich die Mittel der musikalischen Formgestaltung angewendet, um einen Überblick über die Ereignisse und Zeitabläufe zu bekommen. Mir kam die Idee, mein Leben als die Zeitachse einer Partitur aufzufassen und mich dem Schreiben über die musikalische Form anzunähern. Dafür habe ich tatsächlich eine Timeline angefertigt, die ähnlich einer Musiksoftware verschiedene Spuren abbildete – nur enthielten die darauf dargestellten Regionen keine musikalischen Inhalte, sondern Wochen, Monate und Jahre meines Lebens. So war es mir möglich, die Ereignisse unabhängig vom Kalender polyphon verfolgen zu können.
Welchen Anspruch stellen Sie selbst an Ihr Buch? Was war Ihnen besonders wichtig?
Von der Musik habe ich viel über das Leben gelernt. Das Zusammenspiel, das Aufeinander-Hören, der Wechsel von der Hauptstimme zur Begleitung, die Entwicklung eines Themas, ein Teil eines Ganzen zu sein – das ist im Leben nicht anders als in der Musik. Vielleicht schaffe ich es, mit meinem Buch die Leser zu begeistern, überhaupt einmal über Musik nachzudenken. Vielleicht gelingt es mir auch, der Musik von Kraftwerk eine neue Perspektive zu geben. Ich denke, dass mein Buch viele, verschiedene Menschen ansprechen kann. Denn Musik ist doch ein bedeutsamer Teil unserer Kultur.

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