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Ulf Soltau

Ulf Soltau ist studierter Biologe, arbeitete u.a. im Podocarpus-Nationalpark in Ecuador und setzt sich mittlerweile intensiv mit den Eigenheiten der Gartenkultur auseinander. Mit Wortwitz und hintergründiger Gesellschaftskritik erreichte seine Facebook-Seite Gärten des Grauens große Popularität und erfuhr ein riesiges Medienecho. Längst ist Soltaus Projekt die erste Adresse, wenn es um die Dokumentation erschreckender Gartentrends geht.

Interview

"Es sind die trostlosen Gärten selbst, die mich inspirieren, ihnen etwas tröstendes entgegenzustellen." Ulf Soltau | 28.06.2019

Es scheint immer mehr Menschen zu geben, die ihre Gärten zubetonieren oder den Rasen einer Schotterschicht opfern. Warum nur?Dahinter steckt zum einen das leere Versprechen der Baummärkte und Garten- und Landschaftsbauer, dass solche Gärten pflegeleicht seien, was sie allenfalls die ersten zwei Jahr...

Es scheint immer mehr Menschen zu geben, die ihre Gärten zubetonieren oder den Rasen einer Schotterschicht opfern. Warum nur?
Dahinter steckt zum einen das leere Versprechen der Baummärkte und Garten- und Landschaftsbauer, dass solche Gärten pflegeleicht seien, was sie allenfalls die ersten zwei Jahre sind. Zum anderen fallen unsere Gärten einem pervertierten Ordnungswahn zum Opfer, der unsere Wohnzimmer nie hätte verlassen dürfen.
Warum sind diese Schottergärten so gefährlich?
In Zeiten eines apokalyptischen Insektensterbens und einer offenbar hirnerweichenden Klimaerwärmung sind baumlose, versiegelte Steinflächen das Gegenteil dessen, was wir im Garten brauchen. Zudem gefährdet der Mangel an Grün nachweislich unsere psychische Gesundheit, wie eine dänische Studie unlängst belegte.
Sie haben eine ganze Sammlung von Fotos solcher entsetzlichen Gärten, die jetzt in Ihrem Buch DIE GÄRTEN DES GRAUENS erscheint – wie sind Sie zu den vielen Fotos gekommen?
Die Fotos werden mir massenhaft von meinen Abonnenten*innen zugeschickt. Ich erhalte momentan ca. 50-100 Fotos täglich.
Wieso haben Sie Ihre Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ gestartet?
In Gartengruppen sozialer Medien sind mir vor 2017 regelmäßig Fotos solch vermaledeiter Gärten aufgefallen. Diese Fotos wurden von anderen Nutzern nicht nur in großer Zahl goutiert und gelikt, sondern auch damals schon satirisch von mir kommentiert, was regelmäßig zu meinem Rauswurf aus entsprechenden Gruppen führte. Das Bewusstsein, für eine gute Sache zu kämpfen und nicht zuletzt mein diebischer Spaß an der Satire, führten dann dazu, dass ich meine eigene Seite „Gärten des Grauens“ startete.
Was inspiriert Sie zu den Texten? Wie finden Sie passende Texte zu den Bildern?
Es sind die trostlosen Gärten selbst, die mich inspirieren, ihnen etwas tröstendes entgegenzustellen.
Welche Seite im Buch ist Ihre Lieblingsseite und welches ist Ihr Lieblingstext?
Besonders beeindruckend sind die beiden nebeneinander liegenden Gärten zweier Doppelhaushälften, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten.
Meike H., die mit einem Sex on the Beach in der Hand und Sun-Lotion auf der Haut von ihrer Sonnenbank im Souterrain aus, auf die hanfpalmenbestandenen Gestaden Ihres Vorgartens bei +5°C und Nieselregen schaut, finde ich besonders komisch.
Haben Sie einen König unter den Gärten des Grauens in Ihrem Buch? Welcher ist der grauenhafteste?
Nein, tatsächlich ist jeder im Buch abgebildete Garten auf ganz individuelle Weise anders grauenhaft. Jeder Einzelne bedarf einer gesonderten Würdigung.
Sie haben so viele grauenhafte Gärten entdeckt und zugeschickt bekommen: Wie haben Sie sich für die Motive in Ihrem Buch entschieden?
Zum einen galt es buchdrucktechnische Prämissen einzuhalten – die Bilddatei darf eine Mindestgröße nicht unterschreiten – zum anderen spielten sowohl Garten selbst, als auch der dazugehöriger Begleittext eine entscheidende Rolle bei meiner Wahl. Je abstruser, desto besser.
Wie sieht Ihr idealer Garten – Ihr Garten des Glücks sozusagen – aus? Und wie sieht Ihr eigener Garten aus (so Sie denn einen haben)?
Ich selbst bin seit 2015 glücklicher Besitzer eines Kleingartens in Berlin Charlottenburg. Er ist nur 250 Quadratmeter klein, doch mit einfachen Mitteln lassen sich vielfältige Strukturen schaffen, die zum einen der Natur unterschiedliche und dankbar angenommene Lebensräume bieten und zum zweiten den Garten deutlich größer erscheinen lassen. Ein schöner Garten geht Hand in Hand mit Mutter Natur.
Wem würden Sie Ihr Buch gern überreichen – und welche Widmung stünde drin?
Ich würde das Buch gerne meinem Jugendidol und Vorkämpfer in Gartenfragen Dieter Wieland überreichen. Nur habe ich große Sorge, dass ihm die Lektüre gesundheitlich nicht bekommt. Denn seit seiner Dokumentation „Grün kaputt“ ist alles noch viel schlimmer geworden.
Gewidmet ist das Buch natürlich allen Schottergärtnern, denn ohne deren fleißige und nicht selten kostenintensive Vorarbeit wäre das Buch nicht denkbar gewesen.
Haben Sie ein letztes Wort für Schottergärtner und die, die es in Erwägung ziehen?
Wer einen pflegeleichten Garten wünscht, der ist mit einer Baubrache weit besser beraten, als mit einem Schottergarten. Im Gegensatz zum Schottergarten ist die Baubrache günstiger, ökologischer, wird über die Jahre immer schöner und interessanter und ist an Pflegeleichtigkeit absolut nicht zu toppen.
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