Der Fall Alice im Wunderland
 - Guillermo Martínez - PB

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16,00

inkl. MwSt.

Eichborn Verlag
Paperback
Krimis
315 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8479-0046-7
Ersterscheinung: 29.05.2020

Der Fall Alice im Wunderland

Kriminalroman
Übersetzt von Angelica Ammar

(31)

Die ehrwürdige Oxforder Lewis-Carroll-Bruderschaft ist einer Sensation auf der Spur: Aus dem Tagebuch des weltberühmten Schöpfers von Alice im Wunderland ist eine bis dato verschollene Seite aufgetaucht, die Brisantes offenbart. Doch bevor die Bruderschaft den Fund veröffentlichen kann, geschehen mehrere Morde, die durch das literarische Universum von Lewis Carroll inspiriert zu sein scheinen. Auch in ihrem zweiten Fall müssen Logik-Professor Arthur Seldom und sein junger argentinischer Mathematik-Doktorand scharf kombinieren, um den rätselhaften Fall zu lösen.

Rezensionen aus der Lesejury (31)

FroileinWonder FroileinWonder

Veröffentlicht am 18.03.2021

Ein spannender Krimi der zum mitraten einlädt.

Beschreibung:

Der junge argentinische Mathematik-Student G. und Logik Professor Arthur Seldom werden zu Rate gezogen, als ein brisantes Fundstück für die Lewis-Carroll-Bruderschaft entdeckt wird. Die ... …mehr

Beschreibung:

Der junge argentinische Mathematik-Student G. und Logik Professor Arthur Seldom werden zu Rate gezogen, als ein brisantes Fundstück für die Lewis-Carroll-Bruderschaft entdeckt wird. Die Tagebücher des weltberühmten Autors von »Alice im Wunderland« sind nicht vollständig, und nun ist eine bisher verschollen geglaubte Seite aufgetaucht, deren Inhalt ein neues Licht auf die Gerüchte um den Autor werfen könnte.

Bevor etwas über den Inhalt des Fundes veröffentlicht werden kann, ereignen sich jedoch Mordfälle die im direkten Bezug zu der Person von Carroll, seinem literarischen Werk und der Lewis-Carroll-Bruderschaft stehen. Professor Seldom, der selbst Mitglied der Bruderschaft ist, und sein argentinischer Freund stehen erneut vor einem rätselhaften Fall…

Meine Meinung:

Der argentinische Schriftsteller Guillermo Martínez kehrt siebzehn Jahre nach Veröffentlichung seines ersten weltweit erfolgreichen Kriminalfalles »Die Pythagoras-Morde«, welcher 2008 mit Elijah Wood und John Hurt verfilmt und nun unter dem Titel »Die Oxford-Morde« neu aufgelegt wurde, in »Der Fall Alice im Wunderland« zurück.

Die Handlung des neuen Romanes trägt sich 1994, ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Falles, für Logik Professor Arthur Seldom und Guillermos alter Ego, dem Mathematik Student mit dem für die Briten unaussprechlichen Namen, daher von allen nur G. genannt, zu. Auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band lässt sich dieser unglaublich britische Romanstoff, der durch sein »Ermittler-Trio« Assoziationen zu Sherlock Holmes weckt, genießen. Trotz oder auch gerade aufgrund dieser Ähnlichkeit verfügt Guillermos Roman über unglaublich viel Charme. Denn während die intelligenten Schlussfolgerungen Seldoms die gewonnenen Erkenntnisse des Erzählers G. noch zu überflügeln scheinen, tappt Polizeiinspektor Peterson noch völlig im Dunkeln.

Alles beginnt mit dem unglaublichen Fund einer Doktorandin, die auf ein verschollenes Stück aus den Tagebüchern des berühmten Autors von »Alice im Wunderland« stößt und die ersten verheißungsvollen Worte Seldom und G. anvertraut. Noch bevor der wichtige Fund in der Lewis-Carroll-Bruderschaft, die vom Autor nach dem Vorbild der Lewis Carroll Society erschaffen wurde, publik gemacht wird, ereignet sich ein schrecklicher Unfall und eine Mord-Reihe, die in klarem Bezug zu Lewis Carrolls Persönlichkeit und seinem Kinderbuchklassiker stehen.

»L.C. erfährt von Mrs. Liddell, dass…«

Dieser Satz könnte ein völlig neues Licht auf das Wissen um Charles Lutwidge Dodgson, bekannt als Lewis Carroll, der Professor für Mathematik war und sich für die frühe Fotographie interessierte, werfen. Seine Vorliebe für junge Mädchen und seine Fotographien, die diese leicht bekleidet und in aufreizenden Posen zeigen, führten erst Jahre später zu Vermutungen, dass seine Beziehung zu den Mädchen pädophiler Natur gewesen sein könnte. Guiellermo stellt auf fundierte Weise die Unterschiede von der damaligen Zeit zur heutigen Sichtweise gegenüber. Denn damals erregten Carrolls Bilder in keinster Weise dieses skandalöse Aufsehen.

Die wohl bekannteste seiner Fotographien zeigt Alice Liddell in einem zerrissenen Gewand als Bettlerin, und nur den wenigsten dürfte bekannt sein, dass dieses Foto nur ein Teil seiner Darstellung zeigt, denn Dodgson hat auch noch eine weitere Fotographie angefertigt, in der Alice ein feines Kleid trägt, um damit die Gegensätze von Arm zu Reich aufzuzeigen. Zwischen Dodgson und Mrs. Liddell gab es ein Zerwürfnis unbekannter Natur, welches jedoch dazu führte, dass ihm der Umgang mit Alice untersagt wurde. Ein paar Jahre später wurde diese jedoch widerrufen.

Doch wer hat ein Interesse daran, die Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse zu torpedieren? Wer mordet sogar deshalb?

Dieser Krimi beginnt zwar etwas verhalten und gemächlich, denn die Mordserie und die damit aufkommende Spannung beginnt sich erst recht spät zu entfalten. Umso besser hat mir die Auseinandersetzung mit Lewis Carroll, um dessen Persönlichkeit sich der gesamte Fall entspinnt, gefallen. Obwohl es sich um eine erdachte Geschichte handelt, steckt nämlich ein Körnchen Wahrheit dahinter. Die im Roman vorkommende Lewis-Carroll-Bruderschaft ist fiktiver Natur, aber den Zettel gab es wirklich – dieser wurde in den Neunzigerjahren von Karoline Leach in einem Archiv gefunden.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Rätselkrimi, der gekonnt zwischen Logik und Moral jongliert.

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kayla kayla

Veröffentlicht am 15.03.2021

Abwärts im Kaninchenbau

„Bitte bewahren sie äußerstes Stillschweigen über die Fotos.“

England 1994:
Der Logik – Professor Arthur Seldom und sein argentinischer Doktorand G. (der Ich-Erzähler) stehen vor einem Rätsel. Mysteriöse ... …mehr

„Bitte bewahren sie äußerstes Stillschweigen über die Fotos.“

England 1994:
Der Logik – Professor Arthur Seldom und sein argentinischer Doktorand G. (der Ich-Erzähler) stehen vor einem Rätsel. Mysteriöse Morde erschüttern das altehrwürdige Oxford. Da Arthur Seldom ein Mitglied der illustren Lewis-Carroll-Bruderschaft ist, erfährt er bald, dass aus dem Tagebuch des Schriftstellers (er war unter anderem auch Mathematiker) eine bislang verschollene Seite aufgetaucht ist – für die (literaturwissenschaftliche) Forschung eine Sensation! Die Morde scheinen alle von Carrolls literarischem Schaffen inspiriert worden zu sein, scheinbar sind auch die Mitglieder des Zirkels in akuter Gefahr, da sie geplant hatten, eine kommentierte Gesamtausgabe der Carrol’schen Tagebücher zu veröffentlichen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…
„Der Fall Alice im Wunderland“ ist ein klassisches Whodunit. En passant kann man sehr viel über Lewis Carroll lernen, daher hat mir die Lektüre großen Spaß gemacht und mich zur Eigenrecherche animiert. So wird etwa die (Forschungs)Kontroverse rund um Lewis Carroll angesprochen, auch die Regeln der viktorianischen Ästhetik werden gestreift. Martinez enthält sich aber einer klaren Bewertung, man muss als Leser oder Leserin eigene Schlüsse ziehen. Im Krimi gibt es durchaus schockierende Szenen, der Autor verzichtet jedoch auf tumbe Splatter-Momente, was ich sehr angenehm fand. Martinez präsentiert einen Krimi nicht ohne Tiefgang, er nimmt den Leser/ die Leserin ernst.
Neben der Krimihandlung gibt es auch Einblicke in die akademische Welt, wobei Martinez das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Untergebenen und denjenigen, die in der Hierarchie weiter oben stehen, gut abbildet. Gewisse Zwänge sind sicherlich kein Merkmal von Ivy-League-Universitäten oder Oxford allein. Der Autor betont jedoch im Nachwort, dass manche Phänomene (wie die Bruderschaft) rein fiktiv seien, ebenso wie bestimmte „Bootsstege“.
Spannend fand ich auch die Einblicke in die Wissenschaftsgeschichte, sie sind auch für nicht-Mathematiker interessant. Geisteswissenschaftler werden von den metatextuellen Elementen begeistert sein.
Die Figuren sind originell, auch wenn sie teilweise dem Stereotyp des britischen Exzentrikers entsprechen. Obwohl sie nicht immer sympathisch sind, haben sie doch Ecken und Kanten, das macht sie glaubwürdig.
Auch wenn sich Guillermo Martinez Zeit lässt, um seine Geschichte zu entfalten, fand ich den Roman absolut fesselnd. Ich konnte das Buch nach Beginn der Lektüre nicht mehr aus der Hand legen; es gab absolut überraschende Wendungen. Unterhaltung auf höchstem Niveau! Ich vergebe die volle Punktzahl.

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littlesparrow littlesparrow

Veröffentlicht am 28.02.2021

Ausgetüftelter Kriminalroman rund um das Leben des Lewis Carroll

Der Fall Alice im Wunderland handelt von einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte mit einer fiktiven Bruderschaft und fiktiven Personen. Guillermo Martinez hat hier die Tatsache, dass 1994 eine zuvor ... …mehr

Der Fall Alice im Wunderland handelt von einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte mit einer fiktiven Bruderschaft und fiktiven Personen. Guillermo Martinez hat hier die Tatsache, dass 1994 eine zuvor verschollene Seite aus den Notizen von Lewis Carroll auftauchte zum Anlass der Geschichte genommen und - angelehnt an seine Person - sich selbst als Logik-Student und Doktorand in die Geschichte geschrieben.

Die Handlung in Der Fall Alice im Wunderland spielt zur Zeit des Fundes jener Original-Seite, im Jahr 1994, in Oxford. Guillermo Martinez hatte in Oxford Mathematik studiert und daher fiel es ihm leicht, die Begebenheiten der Geschichte dorthin zu verlegen, zumal Lewis Carroll dort seinerzeit selbst studierte. In Oxford war Lewis Caroll besser unter seinem Namen Charles Lutwidge Dodgson bekannt.

Somit schreibt diese Geschichte ein Mathematiker und Schriftsteller (Guillermo Martinez) über einen Mathematiker und Schriftsteller (Lewis Carroll).



In der Geschichte begegne ich unterschiedlichen Charakteren. Faszinierend an ihnen ist, dass sie alle ein öffentliches als auch ein privates, geheimes Leben haben. Über die junge Studentin Kristen Hill, der es gelungen ist eine bis dahin verschollene Seite aus den Aufzeichnungen von Lewis Carroll zu entdecken und als echtes Fundstück, das neue Erkenntnisse über den Schriftsteller ans Tageslicht bringen soll, lerne ich die Lewis-Carroll-Bruderschaft und peu á peu deren Mitglieder kennen.



Doch bevor sie das wertvolle Schriftstück den Mitgliedern in einer extra dafür einberufenen Sitzung zeigen und erläutern kann, wird sie von einem Auto erfasst und schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

Arthur Seldom, Mitglied der Lewis-Carroll-Bruderschaft, ist beunruhigt. Er stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Unfall handelte oder ob gar eine böse Absicht dahinter steckte und Kristen womöglich ihr Leben lassen sollte. In seine Überlegungen bezieht er seinen jungen aufmerksamen Doktoranden mit ein und sorgt dafür, dass Kristen im Krankenhaus polizeilichen Schutz erhält.

Dem wissenschaftlichen Detektiv Seldom wird während seiner eigenen Ermittlungen bewusst, dass Ereignisse durch Vermutungen verändert werden. Wem darf er vertrauen?

Der argentinische Doktorand an seiner Seite ist seine Verbindung zu Kristen. So hofft er jedenfalls, dass - sobald Kristen sich wieder an alles vor dem Unfall erinnern kann - diese genug Vertrauen zu diesem haben werde. Eine Anziehung zwischen den beiden etwa Gleichaltrigen ist jedenfalls spürbar.

Während Kristen noch im Krankenhaus liegt und sich von den Folgen des Unfalls erholt, geschieht allerdings ein Mord. Somit gilt für Seldom die Vermutung als bestätigt: es handelte sich im Fall von Kristen nicht um einen Unfall. Das argentinische - eher ironisch gemeinte - Sprichwort "Wenn sie die Polizei rufen, wird es ein Verbrechen geben" scheint damit erfüllt zu sein.



So gibt die Geschichte zwei Rätsel auf. Zum einen gilt es die Morde aufzuklären und die polizeilichen Ermittlungen zu begleiten. Zum anderen gibt es die literarischen Ermittlungen um die fehlenden Tagebucheinträge von Lewis Carroll.

Und so werde ich in die Ermittlungen mit einbezogen. Was war Lewis Carroll für ein Mensch? Was hat es mit den fehlenden Notizen auf sich? Und hat sich Lewis Carroll schuldig gemacht im Sinne der damaligen Gesetzgebung oder der heutigen?

In dem Magazin La Nacion sagte Guillermo Martinez in einem Interview am 3. März 2019





"Es gibt Theorien, die nicht wegen ihres Grades an Wahrheit geglaubt werden, sondern weil es eine Genugtuung ist, ihnen zu glauben. Oder weil es attraktiver oder faszinierender ist."



Die Ermittlungen und einzelnen Aufklärungspuzzlestücke sind wohldosiert und mit Spannung verfolge ich, wie sich schlussendlich der Fall aufklärt. Ich bin überrascht und gleichzeitig fasziniert von der logischen Aufklärung dieser klug inszenierten Geschichte.

Überraschend für mich ist auch der Erzählstil. Die Geschichte wird very british erzählt und zudem eher antiquiert, als spiele die Handlung zur Zeit von Lewis Carroll und nicht etwa im Jahr 1994. Dann wiederum ist von E-Mails und einem Mobiltelefon die Rede. Das war mir - angelehnt an den Erzählstil - schon zu modern.

Die Übersetzung von Angelica Ammar jedenfalls ist gelungen. Im Verlauf der Geschichte Der Fall Alice im Wunderland konnte ich keinerlei Ungereimtheiten feststellen. Die Worte und Ausdrucksweisen waren perfekt gewählt.

Die Stimme des Sprechers Sascha Tschorn konnte mich ebenfalls überzeugen. Die unterschiedliche Betonung bei den verschiedenen Charakteren kam sehr gut zur Geltung und ich konnte sie mir in ihren Gebärden und ihrer Körpersprache und Mimik gut vorstellen. - Auch, wenn es in der Geschichte Szenen gab, die ich mir lieber nicht so bildlich vor Augen geführt hätte.



Fazit

Diese Geschichte ist für alle, die Spaß am Mitermitteln haben und die auch vor gemutmaßten unliebsamen Hintergründen zur Person des Schriftstellers nicht zurückschrecken.

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JZipperling JZipperling

Veröffentlicht am 27.01.2021

Hochinteressantes Hörbuch und hervorragend gelesen

In „Der Fall Alice im Wunderland“ entdeckt eine Studentin eine bis dato verschollene Tagebuchseite von Lewis Carroll. Diese Seite soll neue Informationen zum Leben des Alice im Wunderland-Autors beinhalten. ... …mehr

In „Der Fall Alice im Wunderland“ entdeckt eine Studentin eine bis dato verschollene Tagebuchseite von Lewis Carroll. Diese Seite soll neue Informationen zum Leben des Alice im Wunderland-Autors beinhalten. Bevor die Finderin der Lewis Carroll-Bruderschaft ihre Entdeckung unter ihren Bedingungen vorführen kann (sie verlangt, dass ihr alleine der Fund zugeschrieben wird), wird sie das Opfer eines Verkehrsunfalls, der Ähnlichkeit zu einer Stelle aus „Alice im Wunderland“ aufweist. Schon bald liegt der Verdacht nahe, dass es sich um keinen Unfall, sondern um Absicht gehandelt haben könnte. Und das ist erst der erste Vorfall mit Verbindung zum berühmten Kinderbuch …

*Meine Erwartungen:*
Eigentlich sind Krimis nicht mein Genre, aber ich fand den Gedanken spannend, dass es tatsächlich einen Mörder geben könnte, der seine Taten nach Motiven aus dem Kinderbuch planen und durchführen könnte. Was könnte dahinterstecken, wenn jemand so etwas macht? Der Verlauf der Geschichte hat allerdings gezeigt, dass alles ganz anders war, als ich das erwartet hatte – was ja schon mal nicht schlecht ist. Wer will bei einem Krimi schon direkt wissen, wie alles abgelaufen ist?

*Meine Meinung:*
Der Sprecher des Hörbuchs ist Sascha Tschorn und er hatte hier wirklich keine leichte Aufgabe. Die beiden Hauptfiguren sind nämlich ein Logik-Professor und sein Mathematik-Doktorand. Yay … Das sind nicht gerade die Themengebiete, mit denen ich auf einer Party Smalltalk betreibe. Zeitweise kommt es auch zu der einen oder anderen wissenschaftlich formulierten Stelle, aber mich hat Sascha Tschorn da immer abholen können. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht mehr hinterherkomme und dem Plot nicht mehr folgen kann.

In der Geschichte geht es unter anderem auch darum, dass Lewis Carroll gerne Zeit mit Mädchen verbracht und sie dabei auch gerne fotografiert hat. Vor allem die Lewis Carroll-Bruderschaft im Buch diskutiert darüber, dass das zu Lebzeiten des Autors nichts Verwerfliches gewesen sei. Ich finde, dass es hier ein Leichtes gewesen wäre, Missbilligung oder Ekel in die Stimme zu legen. Einfach so ein „Eeewwww!“ Sascha Tschorn liest diese Stellen aber ganz unaufgeregt und ich finde das goldrichtig. Obwohl ich das Hörbuch bereits vor Wochen gehört habe, überlege ich immer noch, wie ich durch die für mich neuen Erkenntnisse über Lewis Carroll denke. Einerseits empfinde ich es als Mensch des 21. Jahrhunderts mehr als bedenklich, dass ein erwachsener Mann Fotos von kleinen Mädchen gemacht hat. Gleichzeitig verstehe ich auch, dass man manche Dinge im historischen Kontext betrachten muss. Der Autor hat diese Fotografien nie heimlich angefertigt. Die Eltern der Kinder waren im Bilde. Damals hat man nackte Kinder offenbar als etwas Reines und Engelsgleiches betrachtet. Das war hochinteressant zu verfolgen und durch den Sprecher sehr gut überliefert. Er hat mir dadurch den Raum für meine eigenen Gedanken gelassen.

Eines muss ich unbedingt betonen: Die Sätze in „Der Fall Alice im Wunderland“ sind teilweise wirklich seeehr lang. Sie so zu transportieren, dass ich in der Lage bin, alles ohne visuelle Unterstützung zu erfassen, ist nicht leicht. Dennoch ist es Sascha Tschorn geglückt. Er hat das richtig gut und unterhaltsam gemacht. Ich konnte alle Figuren von einander unterscheiden, weil er jeder einen eigenen Klang gegeben hat. Besonders an der vergnügten Josephine bei ihrer Tee-Prüfung hatte ich meinen Spaß.

*Fazit:*
Für mich war das Hörbuch zu „Der Fall Alice im Wunderland“ ein hochinteressantes Hörvergnügen, dem ich aufmerksam gefolgt bin … allerdings besteht die Möglichkeit, dass ich beim Zuhören alles andere vergessen habe: die Arbeit, den Haushalt, meine E-Mails … Na ja, bisschen Schwund ist immer. Ich bereue nichts und würde es jederzeit wieder tun!

PS: Wenn ich hier noch mal extra Sterne für den Sprecher geben könnte, bekäme er natürlich die volle Ladung!

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Akoontour Akoontour

Veröffentlicht am 24.01.2021

Für einen entspannten Hörbuchabend zu komplex

"Der Fall Alice im Wunderland" - für mich ist es das erste Werk von Guillermo Martínez, das ich gelesen haben - ein solcher Titel hat bei mir die Erwartung geweckt einmal mehr in die fantastische Welt ... …mehr

"Der Fall Alice im Wunderland" - für mich ist es das erste Werk von Guillermo Martínez, das ich gelesen haben - ein solcher Titel hat bei mir die Erwartung geweckt einmal mehr in die fantastische Welt von Alice im Wunderland abzutauchen. Diese Erwartung wurde enttäuscht, wenn gleich auch mir dadurch nicht das Vergnügen an der Handlung genommen wurde. Es geht viel mehr um die Kontroverse über die vermeintlich pädophile Neigung Lewis Carrols. Der Krimi orientiert sich hier sehr getreu an den Biografien des Autors von Alice im Wunderland.


In ihrem zweiten Fall müssen Logik-Professor Arthur Seldom und sein junger argentinischer Mathematik-Doktorand, der Ich-Erzähler der Handlung, müssen mehrere Morde, die inspiriert sind aus Carrols literarischem Universum, innerhalb der Lewis-Carrol-Bruderschaft aufklären. Die Handlung ist insgesamt sehr interessant, obwohl der ein oder anderen Passage eine Kürzung durchaus nicht geschadet hätte. Der Krimi ist, wenn auch einer Reihe angehörend, in seiner Geschichte unabhängig. Es ist also unproblematisch, wenn man das erste Werk nicht gelesen oder gehört hat.


Gelesen von Sascha Tschorn wird eine sehr stimmige nüchterne und wenig emotionsgeladene Atmosphäre erzeugt, die die Handlung sehr gut transportiert. Dennoch ist mir das Zuhören stetig schwer gefallen, was jedoch viel mehr dem komplexen Satzbau, wie auch der ein oder anderen lang gezogenen Szene, geschuldet.

Aufgrund der Komplexität der Sprache und der mathematischen Bezüge käme mir in diesem Fall tatsächlich ein Buch als Medium deutlich mehr entgegen und ich werde das Buch sowie den vorherigen Band der Reihe definitiv auf meine Wunschliste setzen. Für einen entspannten Hörbuchabend oder während einer langen Autofahrt wäre mir das Zuhören zu anstrengend.

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Autor

Guillermo Martínez

Guillermo Martínez - Autor
© Alejandra Lopez

Guillermo Martínez, geboren 1962, lebt in Buenos Aires und ist promovierter Mathematiker. Zwei Jahre seiner Doktorandenzeit verbrachte er an der Universität Oxford. Für seinen Krimi "Die Oxford-Morde" erhielt er 2003 den Premio Planeta; der Roman wurde in über 40 Sprachen übersetzt und 2008 fürs Kino verfilmt. Der Nachfolgeband "Der Fall Alice im Wunderland" wurde mit dem Premio Nadal 2019 ausgezeichnet.

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