Endling
 - Jasmin Schreiber - Hardcover
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23,00

inkl. MwSt.

Eichborn Verlag
Hardcover
Literarische Unterhaltung
334 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0145-7
Ersterscheinung: 24.11.2023

Endling

Roman

(31)

Artensterben. Abtreibungs- und Verhütungsverbote. Repressalien. Die Welt, in der sich die Frauen dieses Romans zurechtfinden müssen, ist eine andere im Jahr 2041. Zoe ist Biologin und forscht fern der Heimat an Käfern. Als ihre Mutter in Reha muss, kehrt sie nach Hause zurück, um sich um ihre Teenager-Schwester Hanna und ihre schrullige Tante Auguste zu kümmern, die seit Jahren das Haus nicht mehr verlässt. Doch dann verschwindet Augustes Freundin Sophie, und während sich die Ereignisse überschlagen, lauert in Schweden ein dunkler Wald auf sie.

Pressestimmen

»Ein Roman, der schön ist, verstörend ist – und so vielschichtig feministisch, dass ich nicht wollte, dass er vorbei ist.« Tara Wittwer

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Rezensionen aus der Lesejury (31)

sunplantsky sunplantsky

Veröffentlicht am 25.11.2023

Über starke, individuelle Frauen und ihre Liebe zur Natur

Sowohl Cover als auch die Gestaltung unter dem Schutzumschlag finde ich als sehr gelungen, da sie einprägsam sind und passend zum Endling aus der Geschichte, also der letzten Weinbergschnecke, gewählt ... …mehr

Sowohl Cover als auch die Gestaltung unter dem Schutzumschlag finde ich als sehr gelungen, da sie einprägsam sind und passend zum Endling aus der Geschichte, also der letzten Weinbergschnecke, gewählt wurden. Ich muss zugeben, dass ich die ersten 50 Seiten etwas gebraucht habe, um in die Geschichte reinzufinden. Zoe ist ein sehr spezieller Charakter mit ihrer nerdigen Art, aber immerhin nicht ein 0815 Abklatsch. Weiterzulesen lohnt sich aber zu 100 %, denn dadurch wird die Entwicklung dieses Charakters im Verlauf der Geschichte umso deutlicher. Alle drei Frauen (Zoe, ihre Schwester und ihre Tante), die hier im Fokus stehen, durchlaufen einen Wandel, indem sie Ihre Isolation und Einsamkeit verlassen. Sie kommen quasi aus ihrem Schneckenhaus heraus und wachsen als Familie wieder zusammen. Zudem begeben sie sich von den theoretischen Fakten zurück in die reale Natur. Diese Veränderungen kommen schleichend und sind sehr angenehm zu beobachten. Alle drei Frauen stehen auf ihre Art und Weise für Stärke. Rund um das Verschwinden von Sophie deuten sich viele Geheimnisse und Ungereimtheiten an. Es kommt zu richtigen Gefahrensituationen. Das hat die Handlung nicht nur vorangetrieben, sondern auch einige Spannung erzeugt. Die Welt in 'Endling‘ ist total beeindruckend, weil sie so möglich für unsere reale Welt erscheint. Wir sollten davon lernen. So wie die Themen Umweltschutz und Gleichberechtigung hier verpackt werden, so etwas friedlich verpacktes habe ich noch nicht gelesen.
'Endling' zeigt, wie die Natur in einer schwächelnden Welt drei individuelle, starke Frauen als Familie wieder vereint. Ich kann das Buch weiterempfehlen.

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SleepingButterfly SleepingButterfly

Veröffentlicht am 06.02.2024

Zukunftsvisionen

Zukunftsvisionen

Ich habe von Jasmin Schreiber bisher nur ein Sachbuch gelesen und viel von ihrem Buch "Marianengraben" gehört. Vom Sachbuch war ich begeistert und Marianengraben wollte ich mir holen, ... …mehr

Zukunftsvisionen

Ich habe von Jasmin Schreiber bisher nur ein Sachbuch gelesen und viel von ihrem Buch "Marianengraben" gehört. Vom Sachbuch war ich begeistert und Marianengraben wollte ich mir holen, doch dann hat sie “Endling” veröffentlicht und ich wollte es vorher lesen. Romane, in denen Frauen starke Hauptfiguren sind, gibt es zwar mittlerweile einige, doch für mich immer noch nicht genug.

Doch nicht nur Frauen haben hier ihren Auftritt. Es geht zudem um Artensterben, Abtreibungs- und Verhütungsverbote und ein Verbrechen? Und das in einer gar nicht so fernen Zukunft. Nehmen Autor*innen oft Jahreszahlen, die weit weg erscheinen, um dem Leser das Gefühl zu geben, es betrifft ihn selbst vermutlich eh nie, hat Schreiber das Jahr 2041 für ihre Geschichte gewählt. Gedanklich noch fern, aber für die meisten von uns sicher gut erlebbar.
Wir begleiten Zoe. Sie ist Biologin und forscht fern der Heimat an Käfern. Durch familiäre Umstände kehrt sie nach Hause zurück. Doch dann verschwindet Tante Augustes Freundin Sophie, und während sich die Ereignisse überschlagen, lauert in Schweden ein dunkler Wald auf sie.

Der Roman beginnt direkt damit, dass das Taubenschwänzchen scheinbar so gut wie ausgestorben scheint. Was ist passiert? Nicht nur der Frage wird nachgegangen. Der Schreibstil ist einnehmend und ich war direkt in der Geschichte drin. Ich konnte mir erste Gedanken rund um die Protagonisten und das Setting machen. In meinem Kopf war direkt ein Bild und das mag ich immer sehr. Es wurde zuerst nicht zu viel eingeführt, doch das änderte sich mit der Zeit. Ab und an hatte ich das Gefühl, dass die Autorin mehr unterbringen wollte, als der Geschichte an sich gut tut. Dennoch war es für mich ok, denn ich konnte den Sinn dahinter sehen und habe die Ereignisse einfach wirken lassen. Auch wurde dem Leser immer etwas "beigebracht": Beim lesen wurden Fakten eingestreut und man konnte noch einiges lernen. Das jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern in einer recht natürlichen, in den Text einfließenden Art und Weise, die ich mochte. Fakten und Daten in einen Roman einfließen zu lassen, ohne dass es zu sehr nach Sachbuch klingt, ist oft schwierig. Aber Jasmin Schreiber hat es geschafft, mir etwas beizubringen, während ich eigentlich einen Roman lese.

Zum Schluss möchte ich gern noch eine Sache zum Buch selbst sagen. Unter dem Schutzumschlag versteckt sich eine wunderschöne Prägung, die es verdient hat gesehen zu werden. Wer sich also das Buch holt (macht es!), dem empfehle ich, den Umschlag abzunehmen und es vielleicht sogar auch so in den Schrank zu stellen. Zu schön, um versteckt zu werden.

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Mila_Milnesium Mila_Milnesium

Veröffentlicht am 15.01.2024

Bittersüßer Roadtrip mit Hund und Schnecke in eine ungewisse Zukunft…

In dieser nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Tragikomödie macht sich Biologin Zoe zusammen mit ihrer kleinen Schwester Hannah und ihrer an Angststörungen leidenden Tante Auguste auf, die verschollene ... …mehr

In dieser nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Tragikomödie macht sich Biologin Zoe zusammen mit ihrer kleinen Schwester Hannah und ihrer an Angststörungen leidenden Tante Auguste auf, die verschollene Freundin der Tante aufzuspüren und macht dabei eine buchstäblich fantastische Entdeckung.

Dieser eine Satz, der die Handlung möglichst spoilerfrei zusammenfassen soll, gibt nicht annährend die Schwere der Themen wieder, mit denen Jasmin Schreiber ihre Lesenden konfrontiert: Noch nicht einmal 20 Jahre in der Zukunft sind Arten wie das Rotkehlchen ausgerottet und täglich folgen weitere (so hütet Auguste das letzte Exemplar der Spezies Weinbergschnecke _Helix pomatia_, der titelgebende Endling), Deutschland hat sich in einen faschistoiden Staat zurückentwickelt, der die Frauenrechte um mehr als 50 Jahre (von heute gesehen) zurückgedreht hat, Menschen mit Migrationshintergrund diskriminiert (leider kein Zukunftsthema) und eine Pandemie die nächste jagt. Zusätzlich zu diesen globalen Problemen hat jede der Protagonistinnen ihr eigenes Trauma zu verarbeiten, das durch den Verlust des Vaters bzw. des Bruders in einer der unzähligen Pandemien ausgelöst wurde: Auguste schließt die Welt aus und zieht sich wie ihr Schützling in ein Schneckenhaus zurück, das sie akribisch keimfrei hält, Zoe stürzt sich in ihre Arbeit als Dokumentarin des Artenschwundes und Hannah navigiert als alleingelassenes Nesthäkchen gefährlich am Rande des Alkoholismus, hat sie sich diesen doch als (fragwürdigen) Bewältigungsmechanismus bei ihrer Mutter abgeguckt.

Wie schon bei ihren Vorgängerromanen „Marianengraben“ und „Der Mauersegler“ oder dem sehr persönlichen Sachbuch „Abschied von Hermine“ gelingt es Jasmin Schreiber diese sehr traurigen Themen mit einer überraschenden Leichtigkeit zu erzählen. Sie findet in aller Trauer immer Situationen, die mit etwas Abstand (für uns als Lesende sofort, für die Protagonisten hoffentlich mit der Zeit) auch eine gewisse Komik beinhalten und arbeitet sie heraus. Wenn Angstpatientin und Keimphobikerin Auguste sich zum Beispiel endlich ins Auto wagt und dann auf der Reise mit dem Konzept „Raststättenklo“ konfrontiert wird.

Für eine reine „Roadtrip“- Erzählung werden dem Reiseantritt und den einzelnen Etappen sehr viel Platz eingeräumt, unterwegs wird ein Mysterium aufgebaut, das nach einer zufriedenstellenden Auflösung am Ende der Reise verlangt…und hier liegt für mich persönlich leider der Schwachpunkt der Geschichte: Die ganze Auflösung um Sophies Verschwinden ließ zumindest mich ratlos zurück, dafür dass die Geschichte viel Zeit in den Aufbau und die Reise gesteckt hat, fühlte sich für mich persönlich der Schluss leider etwas überhastet an. Ich bleibe aber neugierig, ob „Endling“ nicht vielleicht der Auftakt zu einer weiteren Geschichte sein könnte, zumal weitere Teilnehmende der Leserunde der Bastei Lesejury, an der ich teilnehmen durfte, bemerkt hatten, dass Figuren aus „Marianengraben“ und „Der Mauersegler“ auftauchen, alle drei Romane im „gleichen Universum“ spielen (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir das beim ersten Lesen nicht aufgefallen war, vielen lieben Dank an meine Mitlesenden!). Kurze Anmerkung: Die Romane bauen nicht aufeinander auf und können vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden, es ist nur ein kleiner Benefit für jene, die alle drei gelesen haben.

Fazit: „Endling“ ist eine literarische Aufarbeitung der akuten Probleme unserer Zeit, entsprechend sollte man keinen Feel good- Roman erwarten, auch wenn sich oft tragikomische Szenen ergeben, die dem Ganzen zwischendurch die Schwere nehmen. Wie man das Ende empfindet, ist sicher sehr Geschmacksache und von Erwartungen abhängig, aber da wie bei allem Roadtrip-Geschichten der Weg als eigentliches Ziel zählt, ist „Endling“ eine weitere bittersüße Perle in Jasmin Schreibers unbedingt lesenswerter Bibliographie.

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herr_stiller herr_stiller

Veröffentlicht am 19.01.2024

Ein Fall für Scully (nicht für Mulder)

Damals, in den 90ern, gab es einen netten kleinen Indie-Hit der walisischen Band Catatonia mit der Zeile „This could be a case for Mulder and Scully“. Ein Lied, das ich beim Lesen von „Endling“ mehrfach ... …mehr

Damals, in den 90ern, gab es einen netten kleinen Indie-Hit der walisischen Band Catatonia mit der Zeile „This could be a case for Mulder and Scully“. Ein Lied, das ich beim Lesen von „Endling“ mehrfach im Ohr hatte, denn irgendwann driftet Jasmin Schreibers neuer Roman unterschwellig in eine Akte X-Folge ab – und vermutlich stört mich das mehr als es sollte. Auf hohem Niveau. Und ohne Mulder. Aus Gründen.

„Endling“ spielt in einer nahen Zukunft, 2041, und dennoch hat die Welt sich verändert. Die Klimakatastrophe hat sich verschlimmert. Und mit den Arten sind auch Demokratie und Frauenrechte gestorben, faschistische Regierungen sind nicht nur in Deutschland an der Macht, ganz Europa scheint den Bach runtergegangen zu sein. Im Gegensatz zu vielen Zukunftsroman und Dystopien liest sich das Szenario in „Endling“ bedauerlicherweise viel zu realistisch und nachvollziehbar, um wirklich leicht verdaulich zu sein.

Und auch persönliche Probleme spielen eine Rolle. So zieht es Zoe, Wissenschaftlerin in München, nach Jahren zurück in ihre Frankfurter Heimat. Sie soll auf ihre Schwester aufpassen, während ihre Mutter einen Alkoholentzug macht – und merkt schnell, dass auch Hannah ihr Leben, ihren Alltag mit Wein und Schnaps betäubt. Nachvollziehbar ist es: Der Vater ist in einer vergangenen Pandemie verstorben, die Mutter häufig berauscht, die Schwester weggezogen und die Tante, die über ihnen im Haus wohnt, hat ihre Wohnung seit Jahren nicht verlassen. Doch ein Aufbruch naht – als eine Freundin der Tante in Südtirol verschollen ist, wagt sich Auguste zusammen mit ihrer Schnecke in die Außenwelt.

Eigentlich ein spannendes Szenario. Eine sterbende Welt, eine Gesellschaft am Abgrund, interessante Figuren und ein Roadtrip quer durch Europa – nach Italien geht es wenig später nach Schweden. Und dank Jasmin Schreibers persönlichen Background als Biologin erfährt man einiges über lebende und bedrohte Arten, ihre Verhaltensweisen und wie der Klimawandel Flora und Fauna bedroht. Genau wie das politische Klima Frauen bedroht und Dörfer entstehen, in denen es keine Männer gibt. Genau zu so einem reisen Zoe, Hannah und Auguste samt Schnecke. Und genau da kippt das Buch in eine Art, die es, für mich persönlich, nicht gebraucht hätte.

Ohne zu viel vorwegzugreifen, hätte mir hier ein realistischer Ansatz, eine wissenschaftlich belegbarere Welt besser gefallen. Die Idee und ihre Visualisierung ist faszinierend, total gut hergeleitet und gleichzeitig offen genug gehalten, um nicht als komplette Science Fiction durchzugehen. Trotzdem sperrte sich da in mir etwas gegen diese Akte X-Aufmachung – und das, obwohl ich zumindest die ersten drei Staffeln ein Riesenfan der Serie war. Vielleicht, weil in Schreibers Zukunft alles so schlüssig, so bedrohlich erschien und das durch diese Sci-Fi-Elemente zu stark gebrochen wird.

Trotzdem: „Endling“ ist ein spannendes, gut geschriebenes Buch, das gleichzeitig eine düster-realistische Zukunft zeigt, aber auch Hoffnung macht. Und Hannahs Idee, den patriarchalischen Faschismus zu beenden, ist gleichzeitig großartig wie amüsant. Nicht ganz so gut wie die Vorgänger „Marianengraben“ und „Der Mauersegler“, aber dennoch ein toller Roman für alle, die den Klimawandel und das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien mit Angst und Sorge betrachten – und auch für die, die das noch nicht tun.

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Lisa_Lein Lisa_Lein

Veröffentlicht am 17.01.2024

Dystopie mit magischen Momenten

Der Roman "Endling" spielt im Jahr 2041 und zeigt uns eine sehr dystopische Zukunft. Zoe ist Biologin und erforscht das Artensterben.
Als sich einige persönliche Probleme auftun, reist sie in ihre Heimat ... …mehr

Der Roman "Endling" spielt im Jahr 2041 und zeigt uns eine sehr dystopische Zukunft. Zoe ist Biologin und erforscht das Artensterben.
Als sich einige persönliche Probleme auftun, reist sie in ihre Heimat und zieht übergangsweise bei ihrer Teenager Schwester und Tante ein, um sich um die beiden zu kümmern, während ihre Mutter auf Reha ist.
Doch dann verschwindet eine gute Freundin von ihrer Tante und die Drei machen sich auf eine spannende Reise durch Europa.

Das Cover täuscht etwas, denn das Buch ist deutlich düsterer, als es den Anschein hat.
Auf der einen Seite werden viele gesellschaftliche Missstände aufgezeigt. Die sehr frauenfeindliche Politik, der Klimawandel, das Artensterben und wiederkehrende Pandemien. Dabei werden die einzelnen Themen aber immer nur als Nebengeräusche in der Handlung untergebracht.
Es verleiht der Handlung einen düsteren Unterton und verursacht auch beim lesen Beklemmungen.
Dazu kommen noch große persönliche Themen, die den Protagonisten begegnen: Depression, Alkoholismus, Verluste von nahen Angehörigen und Angstzustände.
Mir gingen diese Themen, in dieser Menge, in dieser Kulisse wirklich nahe.

Aber ich mag es auch, wenn Literatur erschüttert und wichtige, auch unangenehme Themen, aufgreift. So bekommt man automatisch Denkanstöße, weil man sich mit der Handlung und der Denkweise auseinandersetzen muss.

Den Fluss der Handlung fand ich etwas unausgeglichen. Der Anfang war sehr langsam, ab einem gewissen Punkt wurde dann Fahrt aufgenommen und plötzlich ging alles sehr schnell.
Wer nicht gespoilert werden möchte, bitte nicht mehr weiterlesen.

:SPOILER:
Das Setting des Road-Trips mochte ich nicht so gerne, aber das ich nur eine persönliche Meinung.
Als das Gespann aus Zoe, Hannah und Auguste in Südtirol dann das erste Frauendorf in den Wäldern findet und gefühlt dieses komplett neue Setting in ein paar Seiten abgehandelt wird, war ich schon etwas enttäuscht und hätte mir mehr von der Handlung an dieser Stelle gehofft.
Insbesondere die ganzen mystisch angehauchten Situationen, die nicht aufgeklärt werden, haben mich sehr erwartungsvoll zurückgelassen. Zum Beispiel, dass Männer sterben, wenn sie sich in den Wäldern aufhalten. Ich hatte sehr gehofft, dass die weitere Handlung darauf aufbaut.
Dann der erneute Road-Trip mit der Ankunft im nächsten Frauendorf. Hier kommt dann zusätzlich noch Cem mit, der natürlich sehr krank wird, wie schon aus dem Besuch des ersten Dorfes zu erwarten war, aber die Protagonistinnen überhaupt nicht verstehen. Das konnte ich nicht wirklich nachvollziehen.
Auch hier gab es mehrere Situationen, die sehr mystische Züge hatten.
An und für sich mag ich das Stilmittel des magischen Realismus sehr gerne. Ich würde auch nicht sagen, dass es zwingend erforderlich ist, alles aufzulösen und alle Fragen final zu beantworten.
Was mir aber nicht wirklich gefallen hat, war dass dieser Themenkomplex um diese Dörfer, in denen nur Frauen leben, die sehr abgelegen sind und nicht einfach gefunden werden können, so kurz abgehandelt wurde. Das war so eine originelle und interessante Idee, die aber irgendwie verpufft ist.
Für mein Empfinden war in dieser Idee so viel Potenzial, was irgendwie nicht ausgeschöpft wurde.

Insgesamt hat der Schreibstil beim Lesen viel Spaß gemacht. Es war leicht und lustig geschrieben und die Charaktere fand ich trotz einiger Schwächen sympathisch.

Das Buch war im Gesamteindruck schön zu lesen, die Themen waren sehr stark, aber sind in der Handlung leider etwas verpufft.

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Autorin

Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber - Autor
© Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber, 1988 in Frankfurt/Main geboren, ist Biologin, Schriftstellerin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie nicht gerade Expeditionen zu Farn und Gliederfüßern macht, schreibt sie sich auf die Bestsellerliste und erzählt Geschichten aus Wissenschaft und Natur im Podcast Bugtales.fm. Bei Eichborn erschienen die Romane MARIANENGRABEN und DER MAUERSEGLER. Auf Instagram findet man sie unter @lavievagabonde, ihre Natur-Kolumne gibt es per Mail auf schreibersnaturarium.de.

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