The Doll Factory
 - Elizabeth Macneal - Taschenbuch

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12,00

inkl. MwSt.

Eichborn Verlag
Taschenbuch
Sonstige Belletristik
415 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8479-0073-3
Ersterscheinung: 30.04.2021

The Doll Factory

Roman
Übersetzt von Eva Bonné

(51)

London, 1850. Iris schuftet unter harten Bedingungen in einer Puppenmanufaktur, doch heimlich malt sie Bilder und träumt von einem Dasein als Künstlerin. Als sie für den Maler Louis Frost Modell stehen soll und von ihm unterrichtet wird, eröffnet sich ihr eine neue Welt: Künstlerische Meisterschaft, persönliche Entfaltung und die Liebe zu Louis stellen ihr Leben auf den Kopf. Sie ahnt jedoch nicht, dass sie einen Verehrer hat. Einen Verehrer, der seinen ganz eigenen, dunklen Plan verfolgt.

Rezensionen aus der Lesejury (51)

EllasWorlfofbooks EllasWorlfofbooks

Veröffentlicht am 04.06.2020

Surril, grausam und grandios

Beim Hörbuch handelt es sich um eine ungekürzte Version des Buches. Die 416 Seiten des Buches bieten knapp 11 Stunden puren Hörspaß.
Klappentext: London, 1850. Iris schuftet unter harten Bedingungen ... …mehr

Beim Hörbuch handelt es sich um eine ungekürzte Version des Buches. Die 416 Seiten des Buches bieten knapp 11 Stunden puren Hörspaß.
Klappentext: London, 1850. Iris schuftet unter harten Bedingungen in einer Puppenmanufaktur, doch heimlich malt sie Bilder und träumt von einem Dasein als Künstlerin. Als sie für den Maler Louis Frost Modell stehen soll und von ihm unterrichtet wird, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Künstlerische Meisterschaft, persönliche Entfaltung und die Liebe zu Louis stellen ihr Leben auf den Kopf. Sie ahnt jedoch nicht, dass sie einen heimlichen Verehrer hat. Einen Verehrer, der seinen ganz eigenen, dunklen Plan verfolgt.
Das Cover gefällt mir unglaublich gut. Ich mag es, wie einzelnen Elemente der Geschichte ins Cover eingearbeitet wurden.
Diese Geschichte hat mehrere Handlungsstränge, die immer wieder zueinander führen. Zum einen begleitet man die junge Iris Whittle, die in einer kleinen Puppenmanufraktur, zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Rose, arbeitet. Trotz der gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts träumt sie davon, sich ihre Freiheit zu erkämpfen und als Malerin zu arbeiten. Zum anderen begleitet man Silas Reed, einen Kuriositätensammler, der in seinem Leben oft Ausgrenzung und Demütigung erleben musste. Aufgrund seiner Vergangenheit und der Gegenwart, in der er immer noch nicht akzeptiert wird, entwickelte er sich zu einem sehr speziellen Charakter. Außerdem begleitet man Albie, einen kleinen Straßenjungen, der mit seiner großen Schwester kein leichter Leben führt. Die beiden sind Weisen und müssen sehr niederen Arbeiten nachgehen. Des Weiteren begleitet man den jungen Maler Louis Frost. Im Verlauf führen die Handlungsstränge immer wieder zusammen und die Charaktere aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten treffen aufeinander, wodurch die Story von Anfang an sehr spannend ist.
Mich konnte die Story rund um Iris und die anderen Protas von Beginn an fesseln. Der Schreibstil ist sehr außergewöhnlich, düster, an manchen Stellen detailliert grausam, aber auf der anderen Seite auch wieder erstaunlich schön. Ich hatte das Gefühl, dass sich in meinem Kopf immer wieder ein sehr genaues Bild des Geschehens geformt hat, wodurch ich die Geschichte als sehr lebendig empfunden habe. Die Charaktere sind so vielschichtig, geprägt von ihrer Vergangenheit oder ihrer jetzigen Situation. Einige Stellen des Buches konnten mich zu Tränen rühren, bei anderen musste ich schmunzeln und bei wieder anderen war ich einfach nur angeekelt. Das Ende des Buches bietet nochmal ordentlich Spannung und man kann nicht einschätzen, ob es ein Happy End gibt oder ob die Geschichte doch ein bitter böses Ende nimmt. Dieses Buch bietet so so viel und konnte mich von Anfang an begeistern.

Fazit: Eine skurrile zum Teil grausame aber auf jeden Fall grandiose Geschichte des 19. Jahrhunderts mit komplex ausgestalteten Charakteren. Eine absolute Leseempfehlung (Hörempfehlung) von mir!

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FroileinWonder FroileinWonder

Veröffentlicht am 04.06.2020

Ein packendes Roman-Highlight

Beschreibung

London, 1850. Die Schwestern Iris und Rose arbeiten unter schlechten Bedingungen in einer Puppenfabrik und haben keine schöne Aussicht auf ihr weiteres Leben. Doch Iris träumt von der Arbeit ... …mehr

Beschreibung

London, 1850. Die Schwestern Iris und Rose arbeiten unter schlechten Bedingungen in einer Puppenfabrik und haben keine schöne Aussicht auf ihr weiteres Leben. Doch Iris träumt von der Arbeit als Künstlerin und so schleicht sie des Nachts in den Keller der Fabrik um zu zeichnen. Eines Tages begegnet Iris dem Maler Louis Frost und als er mit ihr übereinkommt, ihr im Gegenzug zum Modellstehen Unterricht zu erteilen, ergreift Iris die Chance ihres Lebens beim Schopf. Während Iris Träume wahr werden und die Gefühle für Louis immer stärker werden, verfolgt ein ungeahnter Verehrer sie auf Schritt und Tritt und fasst bald einen düsteren Plan.

Meine Meinung

Auf den ersten Blick war klar: Elizabeth Macneals Debütroman »The Doll Factory« ist genau MEINS. Die junge Autorin ist mit ihrer Geschichte, die im London des 19. Jahrhundert verortet ist und sich nicht so leicht in nur ein Genre einordnen lässt, gleich auf der britischen Bestsellerliste gelandet.

Macneal entführt die Leser*innen in die düsteren und stinkenden Gassen der viktorianischen Stadt, zum Kuriositätenladen des Sammlers und Präparators Silas Reed und der Puppenfabrik, in der die Schwestern Iris und Rose hart für ihren Lebensunterhalt schuften müssen. Mit einer einnehmenden Art und Weise verwebt die Autorin die Ingredienzen für einen historischen Roman mit denen für einen Schauerroman und denen eines Psychothrillers zu einem grandiosen Geflecht, das vollkommen gefangen nimmt.

Mit mindestens ebenso feinen Pinselstrichen, wie Macneal das Setting arrangiert, zeichnet sie nun auch die einzelnen Charaktere und erfüllt diese mit einer Leibhaftigkeit, die mich zwischendurch vergessen ließen, dass es sich nur um fiktive Personen handelt, mit Ausnahme einiger Randfiguren der »Präraffaelitische Bruderschaft« (PRB).

Iris Whittle, ist die Heldin des Romans und scheint mit ihrem modernen und selbstbewussten Gemüt nicht ihrer Zeit entsprungen zu sein. Im starken Kontrast zu ihrer Schwester Rose und der damaligen gesellschaftlichen Sitten, ringt sich Iris dazu durch ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ihrem Traum, eine angesehene Malerin zu werden, zu folgen. Mit ihrem Mut und ihre Unerschrockenheit, sich gegenüber der patriarchalischen Domäne der Männer zu behaupten, avanciert sie zu meiner liebsten Romanheldin neben Lizzy Bennet.

Durch diese starke Protagonistin und plakative Szenen über den damaligen Wert und die Stellung der Frau vermittelt die Geschichte eine durchaus feministische Botschaft. Aber dies ist nur eine Nuance im Gesamtkunstwerk, das durch die dunklen Machenschaften und der düsteren Vergangenheit des Tierpräparators Silas Reed mit subtilem Horror angereichert wird und eine kribbelige Schauerroman-Atmosphäre erzeugt.

Elizabeth Macneal hat sich mit ihrem wundervollen Roman »The Doll Factory« in mein Leserherz geschrieben, denn die Mischung aus perfekter Sprache, einem dynamischen Spiel der ausgefeilten Charaktere und der authentischen Konstruktion des Plots harmonieren superb miteinander. Besonders gut gefällt mir die Leidenschaft und Liebe zur Kunst, welche eine tragende Rolle des Romans ausmacht.

Fazit

Ein brillant erzählter Roman auf der sich die Waage zwischen Drama und Horror hält und alles von der Liebe und Leidenschaft zur Kunst durchdrungen wird. Unbedingt lesen – dieses Buch hat Suchtpotenzial und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen!

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Svanvithe Svanvithe

Veröffentlicht am 02.06.2020

The Doll Factory

Wir schreiben das Jahr 1850. In London wird die Große Weltausstellung vorbereitet. Währenddessen arbeiten die einundzwanzigjährigen Schwestern Rose und Iris Whittle bei Mrs Salter in ihrer Puppenfabrik. ... …mehr

Wir schreiben das Jahr 1850. In London wird die Große Weltausstellung vorbereitet. Währenddessen arbeiten die einundzwanzigjährigen Schwestern Rose und Iris Whittle bei Mrs Salter in ihrer Puppenfabrik. Einst waren die eineiigen Zwillinge ein Herz und eine Seele. Sie träumten von einem eigenen Laden mit Regalen voller Blumenschmuck und Vasen mit Iris und Rosen. Doch dann erkrankte Rose – sechzehnjährig – an den Blattern und wäre fast gestorben. Heute wünscht sie sich, es wäre so gekommen. Denn ihr Gesicht ist verunstaltet, ihr linkes Auge erblindet. Inzwischen träumt Iris allein: Sie möchte Leinwände bemalen und nicht nur dumme Puppenaugen, Lippen und Wangen. Tatsächlich könnte sich dieser Wunsch erfüllen: Der Maler Louis Frost von der Präraffalitische Bruderschaft, kurz PRB genannt, ist begeistert von Iris' außergewöhnlichem Aussehen, ihren langen roten Haaren, ihrer majestätischen Erscheinung. Seiner Bitte, ihm für sein Gemälde für die Weltausstellung Modell zu stehen, folgt sie erst, als er ihr im Gegenzug Zeichenunterricht verspricht.

Mit ihrem ehrlichen Talent überrascht sie ihn. Und Iris, die sich so lange nach Anerkennung gesehnt hat, ist zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich. Louis erweist sich als großzügig, und bald verbinden beide mehr als freundschaftliche Gefühle. Iris ahnt nicht, dass noch jemand eine Besessenheit entwickelt und seinen eigenen Plänen folgen sie zu der Seinen machen willl. Nur der kleine Albie, ein Straßenjunge, der Botendienste erledigt, bemerkt die drohende Gefahr...


Elizabeth Macneals „The Doll Factory“, ein historisches Romandebüt erster Güte, beginnt wie ein Märchen, entfaltet sich zu einer zarten Romanze und wird in seinem letzte Drittel zu einem extravaganten Thriller mit hohem Gruselfaktor, in dem die Autorin nicht vor Elend und Brutalität zurückschreckt. Sie bietet eine gespenstig realistische und beachtenswerte Nachbildung des London des viktorianischen Zeitalters und taucht ein in die brodelnde Energie, die Pracht und den Alltag der Stadt. Dabei vermittelt sie Unbehagen und Widerlichkeiten, die ihresgleichen suchen und raffiniert dargestellt werden. Atmosphärisch formt Elizbeth Macneal eine ungreifbare Angst voller Dunkelheit. Zeitweise wild und unruhig, aber immer überzeugend.

Schonungslos eindringlich und mit leidenschaftlicher Kritik beleuchtet Elizabeth Macneal detaillreich das damalige Gesellschaftsbild, vor allem die (Not)Situation der Frauen. Daneben gewährt sie Einblick in die Schönheit und den Schrecken der Künste. Auf der einen Seite die Maler der PRB, der Präraffaelischen Bruderschaft, zu denen Holman Hunt, John Millais, Gabriel Rossetti und der fiktive Louis Frost gehören, die sich der Wiederentdeckung der Natur verschrieben haben und vor Eifer und Selbstbewusstsein strotzen. Auf der anderen Seite der aufstrebende Präparator Silas Reed, der die Grenze zwischen Zerstörung und Schöpfung überschreitet. Mit Silas hat die Autorin einen komplexer Charakter geschaffen, der einen zwischen Mitleid, Bedauern und Abscheu schwanken lässt.

In „The Doll Factory“ agieren neben den erdachten Persönlichkeiten einige historische und füllen die Seiten mit ihrer Begeisterung, Faszination und Exzentrik. Hierbei darf natürlich ein Wombat namens Guinevere nicht vergessen werden, zumal das Tier die Geschichte mit manchen heiteren Momenten auflockert.

Iris mit ihrem deformiertes Schlüsselbein – ein Geburtsfehler, durch den sich ihre linke Schulter nach vorn wölbt – ist den Zwängen ihrer Zeit, die ihre soziale Freiheit stark einschränken, unterworfen, findet sich allerdings nicht damit ab und versucht, den symbolischen und tatsächlichen Beschränkungen und Konventionen zu entkommen, auch wenn der Preis hoch ist. Sie muss ihre Schwester verlassen und mit der Ablehnung ihrer Eltern leben, als sie das Angebot von Louis annimmt. Die neuen Eindrücke und ebenso die erblühende Liebe zu dem Maler entschädigen Iris jedoch für den Verlust, dennoch bleibt sie stets sie selbst. Und obwohl Louis' Absichten nicht immer deutlich werden, nimmt er sie ernst und sieht sie an, als wäre sie es wert, studiert, geschätzt und bewundert zu werden.

Der zehnjährige Straßenjunge Albie, der nur einen Zahn besitzt und für den ein Gebiss unerschwinglich ist, ist eine Schlüsselfigur und wächst einem ans Herz. Er kümmert sich um seine Schwester, die als Prostituierte arbeitet, ist mit Iris befreundet und gleicht in seiner Verkörperung von Unschuld und dem Gefühl der Hoffnung sehr einer Gestalt aus einem Roman von Charles Dickens.

Auch durch ihn wird „The Doll Factory“ eine unvergessliche Erfahrung voller Freude, Farbe, Leben, Klugheit und Triumph und verweilt im Gedächtnis.

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MeisterYoda MeisterYoda

Veröffentlicht am 01.05.2020

Highlight


Das Cover hat mich sofort angesprochen, und obwohl historisches sonst nicht so meine Sparte ist, wollte ich der Story eine Chance geben. Tatsächlich mauserte sich die Story zu meinem bisherigen Jahreshighlight ... …mehr


Das Cover hat mich sofort angesprochen, und obwohl historisches sonst nicht so meine Sparte ist, wollte ich der Story eine Chance geben. Tatsächlich mauserte sich die Story zu meinem bisherigen Jahreshighlight und ich gehe nicht davon aus, dass sich das noch ändern wird. Das liegt unter anderem an dem Schreibstil von Elizabeth Macneal und ein großes Lob geht an die Übersetzerin Eva Bonné. Sie hat es geschafft, die Detailverliebtheit und die blumige Sprache einzufangen und der Geschichte den Spirit einzuhauchen, die sie so einzigartig macht.

Die Sprache ist trotz ihrer Einfachheit intensiv und emotional aufgeladen, was noch mehr dazu beiträgt, dass man sich direkt in die dreckigen Straßen Londons hineinversetzt fühlt. Gelebt wird die Handlung von skurrilen Charakteren in der Atmosphäre der viktorianischen Zeit. Iris, eine Frau mit scheinbar unerreichbaren Träumen und einer körperlichen Deformation, die schließlich doch dazu führt, dass sie ihnen ein Stück näher kommt. Ihre Zwillingsschwester Rose, die nur das beste für ihre Schwester will. Albie, zahnloser Held dieser Geschichte. Und Silas, ein Kuriositätensammler, bei dem die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Lasst euch entführen, wandelt zwischen den ungewaschenen Menschen und lasst euch von den Kutschen mit Schlamm vollspritzen.

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Buecherseele79 Buecherseele79

Veröffentlicht am 25.04.2020

Düster aber sehr fesselnd

London 1850. Die Zwillingsschwestern Rose und Iris arbeiten bei der strengen Mrs. Salters im Haus der Puppen. Jeden Tag stellen sie verschiedene Puppen her und sind ihrer Arbeit müde. Doch Iris hat andere ... …mehr

London 1850. Die Zwillingsschwestern Rose und Iris arbeiten bei der strengen Mrs. Salters im Haus der Puppen. Jeden Tag stellen sie verschiedene Puppen her und sind ihrer Arbeit müde. Doch Iris hat andere Pläne – sie möchte unbedingt malen, was erleben, was erreichen. Ihre Schwester Rose hingegen möchte lieber bei Mrs. Salters bleiben. Doch Iris erhält durch den jungen Künstler Louis ihre Chance die sie nutzt, sehr zum Missverständnis ihrer Eltern und Rose… und ihrem heimlichen Verehrer der sie unbedingt besitzen möchte…
Was mich in diesem Buch erwartet war mir nicht ganz klar, aber jetzt muss ich sagen dass mich diese Geschichte absolut gepackt hat, ein gekonntes Highlight im Lesejahr 2020.
Natürlich fällt das Cover sofort ins Auge, es ist nobel, sehr schön anzusehen und zu berühren, spielt hier auch, für mich, gekonnt auf die Geschichte an.
Der Schreibstil ist zu Beginn etwas ruhig, man findet sich in London 1850 ein und ist erstmal an der Seite von den Zwillingsschwestern Rose und Iris. Nach gut 100 Seiten zieht die Geschichte aber an und ab da war es fast unmöglich das Buch auf die Seite zu legen!
Eine sehr bildhafte Beschreibung lässt uns durch das London von 1850 streifen. Wir riechen Schmutz, Dreck, die versifften Gossen, die ungewaschenen Leute. Wir sehen den Reichtum hier und da hervor blitzen, wir sind mit armen Kindern auf der Straße um wenigstens etwas Geld zu verdienen, man hat beim Lesen immer das Gefühl man hat selbst den ganzen Schmutz am Körper. Hier ein großes Lob.
Rose und Iris, Zwillinge und doch in ihrem Wesen so unterschiedlich. Rose, die früher begehrt und die Schönere von beiden war, ist nach einer Krankheit eher „entstellt“ und hat sich komplett zurückgezogen. Iris hingegen möchte leben und malen, ist immer im Zwist mit ihren Gefühlen zu ihrer Schwester Rose. Diese Zerrissenheit bringt die Autorin sehr gekonnt an den Leser heran.
Aber auch der Junge Albie erhält seinen Platz, der kämpft mit allen Mitteln gegen die Armut, dass er mit seiner Schwester ein besseres Leben aufbauen kann und beim Lesen merkt man doch sehr schnell wie tief unten beide angekommen sind. Dies ging mir beim Lesen oft sehr ans Herz und ich bewunderte Albie für seinen Mut und seinen Optimismus. Beide Kinder stellen hier die Armut und das harte Leben in London vor.
Mit dem Silas, der nach Kundenwunsch, Präparate anfertigt, kommt ein düsterer und oft sehr verabscheuender Protagonist ins Spiel. Bei ihm hatte ich des öfteren Gänsehaut und auch sein Beruf macht ihn nicht unbedingt sympathischer. Er ist verbissen, in seinen Launen sehr schwierig und man weiss nicht was man von ihm halten soll.
Louis als Künstler möchte mit seiner neuen Gilde „Die Fabrik. PRB“ im Kunstbereich neue Wege gehen, die nicht immer leicht sind. Er ist eher der Lebemann in diesem Buch, unbekümmert, aber beherzt und von seinem Tun überzeugt, hat aber ebenso das ein oder andere Geheimnis welches auch mit Iris in Berührung kommen wird.
Das Buch war nicht immer leicht zu lesen denn die Autorin packt, wie schon gesagt, die Umstände von 1850 mit den Protagonisten in eine sehr spannende, aufregend neue Zeit, die aber auch düster, verkümmert und dreckig ist. Mit Silas werden viele ihre Probleme haben, für mich passt er trotzdem oder gerade deswegen sehr gut ins Bild.
Ein Buch welches aufzeigt wie schwer es damals Frauen fiel einen eigenen Weg gehen zu dürfen, schon gar nicht unverheiratet und kinderlos. Dass es Mut braucht um für seine Träume einzustehen und man hier und da auch gewissen Leuten und Dingen entsagen muss.
Mich konnte The Doll Factory absolut in seinen Bann ziehen und ich spreche daher eine Leseempfehlung auf jeden Fall aus!

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Autorin

Elizabeth Macneal

Elizabeth Macneal - Autor
© Mat Smith

Elizabeth Macneal stammt aus Schottland und lebt in London. Sie ist Autorin und Töpferin. THE DOLL FACTORY ist ihr erster Roman und sprang direkt nach Erscheinen auf Platz 1 der britischen Bestsellerliste. Die Übersetzungsrechte wurden in über 30 Länder verkauft.

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