Vergesst unsere Namen nicht
 - Simon Stranger - Hardcover

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22,00

inkl. MwSt.

Eichborn Verlag
Hardcover
Sonstige Belletristik
350 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8479-0666-7
Ersterscheinung: 30.08.2019

Vergesst unsere Namen nicht

Roman
Übersetzt von Thorsten Alms

(28)

Eine wahre Familiengeschichte, die zeigt, wie nah Dunkelheit und Hoffnung beieinanderliegen können
In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch zwei Mal stirbt. Das erste Mal, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Synapsen im Gehirn erlöschen wie das Licht in einer Stadt, in der der Strom ausfällt. Das zweite Mal, wenn der Name des Toten zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird, fünfzig oder hundert oder vierhundert Jahre später. Erst dann ist der Betroffene wirklich verschwunden, aus dem irdischen Leben gestrichen. 
Ein auf wahren Begebenheiten basierender Roman, der achtzig Jahre Geschichte und vier Generationen umfasst. Eine Erzählung über den Holocaust, über Familiengeheimnisse und über die Geschichten, die wir an unsere Kinder weitergeben.
»Eine mitreißende Geschichte, erzählt in eindrucksvoller Sprache« DAGBLADET
»Meisterlich und beängstigend zugleich« ADRESSEAVISEN

Pressestimmen

»Eine mitreißende Geschichte, erzählt in eindrucksvoller Sprache« DAGBLADET
»Meisterlich und beängstigend zugleich« ADRESSEAVISEN
»Fesselnd und schön« BOK 365
»Außerordentlich gut geschrieben« VG

Rezensionen aus der Lesejury (28)

MissNorge MissNorge

Veröffentlicht am 20.11.2019

Jonsvannsveien 46, Trondheim

✿ Meine Meinung ✿
Der Autor Simon Stranger erzählt hier die Familiengeschichte seiner Frau Rikke nach und dadurch bekommt der Roman eine Intensität und Realität, die mich sehr betroffen gemacht hat. Wir ... …mehr

✿ Meine Meinung ✿
Der Autor Simon Stranger erzählt hier die Familiengeschichte seiner Frau Rikke nach und dadurch bekommt der Roman eine Intensität und Realität, die mich sehr betroffen gemacht hat. Wir alle kennen ja die "Stolpersteine", die in den Boden eingelassenen kleinen Mahnmale. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet und deportiert wurden. In Trondheim gibt es die Tafel mit dem Namen "Hirsch Komissar" und dies ist der Urgroßvater von Rikke gewesen. Es werden Einblicke in sein Leben gewährt und der Werdegang der Familie wird weitererzählt. Als Gegenpart zur Familie bringt der Autor Henry Oliver Rinnan ins Spiel. Der Lebenslauf von Rinnan nimmt einen Großteil der Geschichte ein und hier kann man geteilter Meinung sein, entweder empfindet man das ihm zu viel Raum gegeben wird, oder man ist erschrocken darüber, wie aus einem kleinen, in der Jugend nicht ernst genommen Jungen, solche ein Monster werden konnte. Im Jonsvannsveien 46, ließ er damals Gefangene foltern und quälen, zudem fungierte er als "Agent" der deutschen Sicherheitspolizei und hat sich heuchlerisch, freundschaftlich und nett an die Menschen rangemacht, um ihre Meinung zur politischen Lage zu erfahren. Hatte er jemanden ausgemacht der sich engagierte und aufmuckte, hat er diese Leute verraten. Was denen dann blühte, kann man sich vorstellen. Rinnan, der Mann mit den zwei Gesichtern. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und haut dem Leser die damalige brutale Realität um die Ohren. Ich musst das Buch, an einigen Stellen, mehrmals zur Seite legen. Simon Stranger erzählt beeindrucken, manchmal sehr intensiv, manchmal aber auch etwas distanziert, eine wundervolle Mischung die seinen Schreibstil sehr lesenswert macht. Klasse recherchiert und sehr beeindrucken umgesetzt. Ein Roman, den man gelesen haben muss.
✿ Mein Fazit ✿
Eine wahre Familiengeschichte die mir Gänsehaut beschert hat und die mich nachträglich noch länger beschäftigen wird. Ein Roman gegen das Vergessen, einfach grandios geschrieben.

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uli123 uli123

Veröffentlicht am 24.10.2019

Mischung aus fiktivem Roman und historischen Fakten zum Nationalsozialismus in Norwegen

Dieses Buch hat mir ein düsteres Kapitel vor Augen geführt, das mir bislang nicht geläufig war – die Facetten des Nationalsozialismus während des zweiten Weltkriegs in Norwegen. Der Autor arbeitet die ... …mehr

Dieses Buch hat mir ein düsteres Kapitel vor Augen geführt, das mir bislang nicht geläufig war – die Facetten des Nationalsozialismus während des zweiten Weltkriegs in Norwegen. Der Autor arbeitet die Geschichte der Familie seiner Ehefrau auf. Deren jüdische Großeltern sind Jahrzehnte zuvor vor Pogromen in Russland nach Norwegen geflüchtet. Stranger stellt eine Verbindung her zu der real existierenden Trondheimer Rinnan-Bande unter ihrem gleichnamigen Anführer, unter dem norwegische Juden und Widerstandskämpfer auf grausamste Weise litten.
Dem Werdegang und Wirken des Kollaborateurs Rinnan, der in Deutschland eher unbekannt ist, gibt Stranger sehr viel, m.E. fast zu viel Raum. Der Grund hierfür ist wohl, dass über ihn sehr viele Quellen existieren, die Recherchematerial geliefert haben. Leider herrschen in den diesbezüglichen Passagen vor Gewalt strotzende Szenen und die krankhaften Fantasien des Rinnan vor, was ich in solch epischer Breite überhaupt nicht gerne lesen mag. Daher auch meine Bewertung des Buchs im Mittelfeld. Gerne hätte ich über die Familiengeschichte mehr gelesen.
In formaler Hinsicht besteht die interessante Besonderheit, dass das Buch so viele Kapitel hat wie das Alphabet Buchstaben und jede Kapitelüberschrift ein Buchstabe ist, der nachfolgend in mehreren mit ihm beginnenden Stichworten aufgenommen wird. Allerdings erkenne ich nicht immer einen Zusammenhang, so dass diese Formalität letztlich etwas konfus wirkt.
Auf jeden Fall ist das Buch ein guter Beitrag, die Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus wachzuhalten.

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Barbara62 Barbara62

Veröffentlicht am 24.10.2019

O wie Offenbarung des Bösen, V wie Vergebung

Während der norwegische Literaturzug mit dem Kronprinzenpaar und zahlreichen Autoren, unter ihnen auch Simon Stranger, seinem Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse entgegenrollte, habe ich mit ... …mehr

Während der norwegische Literaturzug mit dem Kronprinzenpaar und zahlreichen Autoren, unter ihnen auch Simon Stranger, seinem Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse entgegenrollte, habe ich mit großer Anteilnahme Strangers Holocaust-Roman "Vergesst unsere Namen nicht" gelesen. Inspiriert vom Stolperstein für den Urgroßvater seiner Frau in Trondheim, hat er mit Familienangehörigen gesprochen, Handlungsorte aufgesucht und in Archiven recherchiert. Trotzdem ist sein Buch ein Roman, denn nicht alles ließ sich rekonstruieren und Lücken galt es mit Fantasie zu füllen.

Einer jüdischen Tradition gemäß stirbt ein Mensch zwei Mal: wenn das Herz aufhört zu schlagen und wenn sein Name zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird. Genau wie der Künstler Gunter Demnig mit den von ihm erdachten Stolpersteinen möchte auch Stranger diesen zweiten Tod hinausschieben. „A“ bis „Z“ sind die 26 Kapitel überschrieben, jeder Buchstabe liefert Stichwörter, die sich zuletzt wie ein Puzzle zur ganzen Geschichte zusammenfügen.

Die Familie von Hirsch Komissar, dessen Stolperstein in Trondheim liegt, kam nach den Judenprogromen in den 1880er-Jahren aus Russland nach Norwegen. In Trondheim führte er ein Bekleidungsgeschäft. Am Tag der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht floh Hirsch Komissar mit seiner Frau und den drei Kindern nach Schweden, kehrte aber kurz darauf wieder zurück. Am 12.01.1942 wurde er verhaftet, zeitweise im Lager Falstad gefangen gehalten und am 07.10.1942 hingerichtet. Dass sein Sohn Gerson später zusammen mit seiner Frau Ellen und den beiden Töchtern, eine davon Strangers Schwiegermutter, ausgerechnet in das Haus zog, in dem so viele Gefangene der norwegischen Gestapo gefoltert und ermordet wurden, mutet angesichts dieser Familiengeschichte unglaublich an.

Noch mehr als dem Opfer widmet sich Simon Stranger einem Täter, dem norwegischen Gestapo-Vertrauten Henry Oliver Rinnan (1915 – 1947), 1945 einer der meistgesuchten norwegischen Kriegsverbrecher. Beim Prozess gegen die sogenannte „Bande“ trug er die Nummer eins am Revers und ein Gutachten bescheinigte ihm große Intelligenz, Anomalien im Gefühlsleben und eine eigentümliche Macht über seine Mitmenschen. Erstaunt war ich, dass Rinnan, so wie Stranger ihn beschreibt, keinerlei politische Überzeugungen hatte. Triebfeder für seinen Verrat an Widerstandskämpfern und Juden sowie für erbarmungslose Folterungen, Gewaltexzesse und Tötungen im sogenannten „Bandenkloster“ waren Machtstreben und Eitelkeit dieses ob seiner geringen Körpergröße mit tiefen Minderwertigkeitskomplexen behafteten Mannes.

Ganz besonders interessant fand ich Strangers Gedanken zum Entzug der Menschlichkeit durch die Täter: „Allen, die ermordet werden, muss die Menschlichkeit genommen werden… Alles, was an Persönlichkeit erinnert, muss verschwinden, um zu verhindern, dass die Henker sich in den Gesichtern ihrer Opfer selbst wiedererkennen. Diese notwendige Distanz ist die Voraussetzung. Ohne sie ist der nächste Schritt unmöglich, er wäre wie ein Angriff auf das eigene Spiegelbild.“

Warum wurde in der Familie von Strangers Frau Rikke zu den Ereignissen des Krieges meist geschwiegen? „Es war der Wunsch zu vergeben und weiterzugehen… Dass wir etwas ändern können, das ist der Weg in die Zukunft.“ Und doch ist es wichtig, diesen Teil der Geschichte lebendig zu halten, nicht nur, um den zweiten Tod der Opfer hinauszuzögern, sondern auch, um der neuen Rechten entgegenzutreten und Außenseiter nicht zu Tätern werden lassen. Das Buch von Simon Stranger ist ein wertvoller Beitrag dazu.

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leseratte1310 leseratte1310

Veröffentlicht am 23.10.2019

Vergesst unsere Namen nicht

Der zehnjährige Sohn von Simon Stranger bemerkt einen Stolperstein in den Straßen von Trondheim, der Hirsch Komissar gewidmet ist. Er erfährt, dass er der Ururenkel jenes Mannes ist, der als Jude von den ... …mehr

Der zehnjährige Sohn von Simon Stranger bemerkt einen Stolperstein in den Straßen von Trondheim, der Hirsch Komissar gewidmet ist. Er erfährt, dass er der Ururenkel jenes Mannes ist, der als Jude von den Nazis ermordet wurde. Dieser Moment ist der Beginn einer Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Frau und deren Familie.
Dieses Buch umfasst 26 Kapitel, die mit den Buchstaben des Alphabets überschrieben sind. In diesen 26 Kapiteln wird die Familiengeschichte über 80 Jahre erzählt und es gibt eine sehr dunkle Zeit innerhalb dieser 80 Jahre, die durch die Gräueltaten der Nazis bestimmt wurden. In diesem Buch geht es nicht um eine deutsche, sondern um eine norwegische jüdische Familie, die aber auch nicht sicher war vor der Verfolgung der Deutschen, die während des Krieges Norwegen besetzt hatten.
Die Besatzer nutzten Spitzel, die Widerständler und Juden an die Deutschen verrieten. Ein solcher Zuträger war der kleinwüchsige Henry Oliver Rinnan. Er war ein unangenehmer Mensch, der früher immer gehänselt wurde und sich nun plötzlich bedeutsam fühlte. So zog er Gleichgesinnte an, die genauso skrupellos waren. Diese Bande trieb ihr Unwesen vom „Bandenkloster“ aus, wo sie feierten, folterten und töteten. Auch Hirsch Komissar wird ein Opfer von Rinnan. Weil er englische Nachrichten hörte, wurde er verhaftet und später im Konzentrationslager erschossen. Seinen Söhnen gelingt die Flucht nach Schweden.
Der Autor Simon Stranger stellt bei seinen Recherchen fest, dass seine Schwiegermutter Grete Komissar später in dem berüchtigten Haus aufgewachsen ist.
Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die der Autor hier erzählt. Dadurch dass man so nahe an den Personen ist, verspürt man das Schreckliche umso mehr. Es ist unbegreiflich und schockierend, dass ein Mensch wie Rinnan so grausam und kaltblütig handelt.
Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

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kati-katharinenhof kati-katharinenhof

Veröffentlicht am 17.10.2019

Dieses Buch geht garantiert nicht vergessen

Simon Stranger lässt in seinem Roman "Vergesst unsere Namen nicht" einen tiefen Einblick in sein ganz persönliches Familienalbum zu, denn er hat mit diesem Buch die Familiengeschichte seiner Frau für die ... …mehr

Simon Stranger lässt in seinem Roman "Vergesst unsere Namen nicht" einen tiefen Einblick in sein ganz persönliches Familienalbum zu, denn er hat mit diesem Buch die Familiengeschichte seiner Frau für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ermöglicht so Einblicke in das Leben einer jüdischen Familie, die sich über 5 Generationen erstreckt und die ich in einer solchen Intensität noch nicht erlebt hat.
Es fällt mir schwer, dieses Buch überhaupt in Worte zu fassen, um damit annähernd zu beschreiben, was der Autor geleistet hat und mit einfühlsamen, eindringlichen Worten zum Ausdruck bringt und erzählt. All meine Worte würden nämlich nicht dem gerecht werden, was Stranger preisgibt, welche Gefühle er beim Lesen in mir geweckt hat und dieses Buch somit zu dem wohl persönlichsten Leseerlebnis macht, das ich je von einem Autor erleben durfte.
Der Beginn der Kapitel alleine ist schon ungewöhnlich, sind diese nicht nummeriert, sondern nach dem Alphabet strukturiert. Beginnend bei A wie Anklage, Arrest, Aussage....wenn man mit solchen Schlagwörtern in das jeweilige Kapitel eingeführt wird, beginnt dieses Buch etwas mit einem zu machen - man wird unweigerlich ein Teil der Geschichte und erlebt all die Gräuel mit, die der Familie Komissar widerfahren. Schonungslos und ehrlich werden hier die Frevel geschildert, die die Bande um Henry Rinnan begeht und mir geht das Gelesene so unter die Haut, sodass ich mehr als einmal das Buch zur Seite legen muss, innehalte und an die Menschen denke, denen all das angetan wurde. So viel Leid, so viel Hassen, so viel Schrecken...unfassbar.
Man erhält einen sehr detaillierten Einblick in das Leben und Wirken von Henry Rinnan, erfährt, warum er zu dem Menschen wurde, der er war und alleine das ist schon sehr nervenaufreibend. Doch erst in Verbindung mit der Geschichte der Familie Komissar bekommt seine Grausamkeit eine ganz hässliche Fratze, die den Leser erschreckt und noch mehr schockiert. Mehr als einmal habe ich Tränen in den Augen, bin fassungslos über das, was ich gelesen habe und weiß nicht, wie ich das Gelesene verarbeiten soll.
Dem Autor ist es zudem gelungen, beide Seiten der Geschichte so zu beleuchten, dass man sowohl Täter als auch Opfer des dunkelsten Kapitels der jüngeren Vergangenheit kennenlernt und das macht dieses Buch für mich so einzigartig.
Dieser Roman gehört für mich so den Büchern, die dazu beitragen, dass die Gräueltaten der braunen Schergen niemals vergessen gehen. Er gibt den vielen Menschen, die unschuldig für eine hirnverbrannte Ideologie ihr Leben lassen mussten, ein würdiges Andenken und appelliert an jeden einzelnen von uns, zu vergeben und zu verzeihen. Diese Buch geht garantiert nicht vergessen !
Bitte lasst nie zu, dass sich so etwas wie damals nicht noch einmal wieder holt !

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Autor

Simon Stranger

Simon Stranger - Autor
© Anne Valeur

Simon Stranger wurde 1976 geboren und lebt mit seiner Familie in Oslo.

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