Die Unschuldigen
 - Michael Crummey - eBook

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16,99

inkl. MwSt.

Eichborn Verlag
Gegenwartsliteratur
352 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7325-9505-1
Ersterscheinung: 28.08.2020

Die Unschuldigen

Roman

(8)

Der elfjährige Evered und seine zwei Jahre jüngere Schwester Ada wachsen unter kargen Bedingungen auf. Sie sind die Kinder von Fischern, die allein inmitten der kanadischen Wildnis leben.
Als ihre Eltern sterben, sind die Geschwister auf sich allein gestellt; sie wissen nur das von der Welt, was sie von Mutter und Vater gelernt haben. Also führen sie deren hartes Leben nach Kräften weiter. Bis die Loyalität der Geschwister auf die Probe gestellt wird und sie für ihre Zukunft kämpfen müssen.

Rezensionen aus der Lesejury (8)

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Veröffentlicht am 14.04.2021

Der Mensch muss ertragen, was er nicht ändern kann

„Inzwischen wusste sie, dass sie allein sich selbst belogen hatte. Doch das machte es am Ende noch schlimmer. Freude und Scham. Scham und Freude. Das waren die Währungen der Welt. Und beide wurden gleichermaßen ... …mehr

„Inzwischen wusste sie, dass sie allein sich selbst belogen hatte. Doch das machte es am Ende noch schlimmer. Freude und Scham. Scham und Freude. Das waren die Währungen der Welt. Und beide wurden gleichermaßen ausgezahlt.“

Inhalt

Everett und Ada Best sind noch Kinder als ihre Eltern kurz nacheinander sterben und die beiden als Waisen an der einsamen Küste Neufundlands zurücklassen. Bisher führten sie schon ein bescheidenes Leben, mit klaren Strukturen, viel Arbeit und allerhand Entbehrungen, doch nun stellt sich bald heraus, wie behütet sie doch waren, als Everett noch der Handlanger seines Vaters war, während er nun allein mit seiner jüngeren Schwester zusehen muss, wie sie überleben können. Nur zweimal im Jahr hält die Hope, der einzige Handelspartner seiner Eltern an der zerklüfteten Küste und tauscht Grundnahrungsmittel aller Art gegen den gefangenen Fisch der Saison. Everett und Ada bemühen sich aus Leibeskräften, irgendwie in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten und das Abkommen weiterzuführen. Und so trotzen sie in den folgenden Jahren allen Widrigkeiten, entkommen manchmal nur knapp dem Verhungern, und bekommen mehr zufällig und kurzfristig Unterstützung von Fremden, die an ihrer Küste Halt machen. Doch als Everett und Ada immer älter werden, beide mittlerweile zu Jugendlichen gereift sind, wird ihr Verhältnis zueinander bedeutsamer, schamvoller und stiller – längst können sie nicht mehr so frei miteinander kommunizieren und ohne Hintergedanken im gleichen Bett schlafen …

Meinung

Der kanadische Autor Michael Crummey stammt selbst aus Neufundland und entwirft in diesem Roman ein beeindruckendes Porträt über das entbehrungsreiche Leben zweier Kinder, bestimmt von Naturgewalten. In der Einöde wird menschlicher Kontakt einerseits so dringend benötigt und andererseits bleibt kaum Zeit dafür, denn jeder Tag ist ein erbarmungsloser Kampf gegen die Natur, um die elementarsten menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Doch hier bekommt die Dramatik der Stunde noch eine weitere Dimension, wenn man bedenkt, in welcher erbärmlichen Lage die Kinder tatsächlich feststecken. Sie können niemanden um Hilfe bitten, sie müssen sich ihr komplettes Wissen selbst aneignen und können nur durch unzählige Versuche einen Erfolg erreichen, weil ihnen für alles die Anleitung fehlt. Der Leser begleitet die beiden dabei über viele Jahre hinweg und erfährt, wie sie es dennoch schaffen, sich ganz ohne Eltern durchzuschlagen. Der ständig gleichbleibende Faktor ist dabei nur die Wiederkehr der Hope und damit vielleicht eines fernen Tages die Möglichkeit in zivilisiertere Gebiete überzusiedeln.

Der Handlungsverlauf des Romans gestaltet sich absolut spannend und nervenaufreibend, gerade weil die mühevollen Arbeiten detailliert beschrieben werden, ebenso wie die neu gewonnenen Fähigkeiten der Kinder, die im Laufe der Zeit tatsächlich nicht nur körperlich reifen, sondern durch diverse Besucher ihrer Küste auf andere Dinge aufmerksam gemacht werden. Everett lernt das Fallenstellen und Schießen und dadurch sind sie wesentlich unabhängiger vom Fischfang und gefährlichen Manövern auf hoher See. Sehr feinfühlig wird auch die Gefühlsebene der beiden betrachtet, die anfangs nur einander hatten und alles für den anderen getan hätten und letztlich feststellen müssen, welche Bürde tatsächlich auf ihnen liegt, wenn sie die einzigen Menschen auf diesem Fleckchen Erde sind. Keinem darf etwas zustoßen, keiner darf krank werden und die Nähe, die sie einst so unbefangen teilen konnten, gerät ins Wanken, nachdem Everett immer größeres körperliches Verlangen nach seiner Schwester verspürt, ohne genau zu wissen, woher diese emotionale Achterbahnfahrt kommt.

Dieser Roman besticht in erster Linie durch die unglaublichen Bedingungen, unter denen Everett und Ada sich beweisen müssen, dadurch kommt ein sehr hohes Tempo und ein fesselnder Plot zustande. Als Leser schaut man einerseits voller Bewunderung zu den Kindern andererseits aber auch voller Mitleid und Sorge, stets in der Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren wird, etwas Lebensbedrohliches, Unabwendbares und sei es nur in Form von Unwettern oder wilden Tieren. Sehr gut dazu passt auch die Gliederung des Textes, in längere Kapitel, die aber ihrerseits in kleinere Abschnitte unterteilt sind – die Sprache selbst ist klar, sachlich und präzise, mehr beschreibend als erzählend und vollkommen wertungsfrei.

Dennoch hat mir beim Lesen irgendetwas gefehlt und ich glaube zu wissen was es ist, nachdem ich das Buch durchaus zufrieden zugeklappt habe. Diese so emotionale Ausnahmestory wird durch den auktorialen Erzähler durch eine Art Glasscheibe betrachtet: man sieht alles, weiß worauf es hinausläuft und nimmt jedes Ereignis unmittelbar wahr, was man aber nicht zu greifen bekommt ist die tatsächliche Gefühlsebene der Protagonisten. Und das ist eigentlich mein einziger Kritikpunkt, der die Gesamtwertung um einen Lesestern schmälert. Wäre diese Geschichte aus zwei Erzählperspektiven in wechselnder Abfolge erzählt wurden, dann hätte ich sowohl Ada als auch Everett erleben können, wäre ihnen und ihrer emotionalen Sicht sicherlich ganz schnell nahegekommen, so ist mir die Distanz einfach zu groß geblieben.

Fazit

Ich vergebe gute 4 Lesesterne und eine unbedingte Leseempfehlung für diese Ausnahmegeschichte, die alle Vorzüge einer Gesellschaft fast nebenbei erwähnt, gerade weil sie das Leben in der Einsamkeit so ungeschönt präsentiert. Beim Lesen des Textes wird deutlich, wie komfortabel und sicher das Leben sein kann, wenn man entsprechend aufwächst und wie unberechenbar und schwer, wenn Kinder weder eine Anleitung bekommen noch die Möglichkeit mehr zu entdecken, weil sie der Härte des Alltags ausgeliefert sind. Dieser Roman lässt die Zeit wie Flug vergehen und eröffnet interessante Perspektiven auf das harte Dasein in der Einöde, mit dem Vorsatz alles zu ertragen, was man nicht ändern kann.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Bookworm_BW Bookworm_BW

Veröffentlicht am 07.01.2021

Leben und Überleben. Aufwachsen unter extremen Umständen.

Was für ein eindringlicher und besonderer Roman, der um das Jahr 1800 in einer kleinen, abgelegenen Bucht in Neufundland spielt!

Es geht um den 11-jährigen Evered und seine um zwei Jahre jüngere Schwester ... …mehr

Was für ein eindringlicher und besonderer Roman, der um das Jahr 1800 in einer kleinen, abgelegenen Bucht in Neufundland spielt!

Es geht um den 11-jährigen Evered und seine um zwei Jahre jüngere Schwester Ada.
Die beiden Kinder von Fischern wachsen in ärmlichen Verhältnissen in der kanadischen Wildnis auf.
Die Familie lebt vom Kabeljaufang im eiskalten Atlantik und vom Tauschhandel des gesalzenen Fisches in lebensnotwendige Waren, der alljährlich im Frühjahr mit dem ankommenden Versorgungsschiff getätigt wird. Trotz mühevoller Arbeit und großem Fleiß wachsen die Schulden an.

Als kurz nacheinander erst die Mutter und dann der Vater stirbt, müssen sich die Geschwister fernab jeglicher Zivilisation alleine durchschlagen.
Das Versorgungsschiff „Hope“ ist erst in einigen Monaten zu erwarten.
Ihr eiserner Überlebenswille verleiht ihnen Kräfte und sie führen das harte Leben ihrer Eltern weiter und kommen mit dem, was sie von ihren Eltern gelernt haben in der erbarmungslosen Einöde ganz gut klar. Lesen und Schreiben können sie nicht, ist aber in dem herausfordernden Alltag und täglichen Überlebenskampf auch kein Defizit.
Sie haben keinerlei Luxus, von Telefon, Strom oder fließend Wasser können sie nur träumen, und können sich nur auf sich selbst und den Bruder bzw. die Schwester verlassen.
Sie werden älter, haben keine Zeit, Kind zu sein und bewahren sich dennoch ihre „kindliche Unschuld“.

Obwohl das Versorgungsschiff in regelmäßigen, aber sehr großen Abständen vor Anker geht und es Alternativen wie Dorfleben, Schulbildung und Familiengründung gäbe, beschließen die Geschwister, weiterhin als Fischer in der Bucht zu bleiben, vom Fischfang zu leben und mit eiserner Disziplin die Schulden des Vaters abzutragen.

Mit dem Schiff kommen lebensnotwendige Vorräte, es triggert aber auch Bedürfnisse, Hoffnungen, Wünsche und Träume, die nicht nur mit dem Leben in dieser unwirtlichen Gegend und in der Zweisamkeit mit dem Geschwister zu tun haben.
Fremde und Seefahrer öffnen ihre Augen und erweitern ihren geistigen Radius, können aber das eintönige und isolierte Leben in der Bucht auch aufwühlen und in Unruhe bringen.

Aber eines Tages ereignet sich ein einschneidendes Erlebnis und werden basale Werte wie Zusammenhalt, Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen in Frage gestellt.

Michael Crummey verwendet kein Wort zu viel und keines zu wenig.
Er schreibt intensiv, präzise, atmosphärisch und bildgewaltig, so dass man die Protagonisten, deren Handlungen und die rauhe, majestätische Natur vor sich sieht.
Der Gegensatz zwischen der elenden Plackerei, dem kargen Alltag und der Schönheit der Natur wird dem Leser anschaulich vor Augen geführt.

„Die Unschuldigen“ ist ein faszinierender, nachdenklich stimmender und nachhallender Roman, den ich sehr gerne weiterempfehle!
Man könnte ihn einen beklemmenden und beeindruckenden Survival- und Coming-of-Age-Roman nennen, wollte man ihn einordnen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Dajobama Dajobama

Veröffentlicht am 20.11.2020

Die Unschuldigen

Die Unschuldigen – Michael Crummey
Das war mal wieder ein herausragendes, ganz besonderes Leseerlebnis – auf gewisse Weise ein Highlight!
Neufundland, um 1800. Nach dem Tod der Eltern bleiben zwei Kinder, ... …mehr

Die Unschuldigen – Michael Crummey
Das war mal wieder ein herausragendes, ganz besonderes Leseerlebnis – auf gewisse Weise ein Highlight!
Neufundland, um 1800. Nach dem Tod der Eltern bleiben zwei Kinder, Ada und Evered, alleine in einer kleinen Hütte in einer Bucht zurück. Beinahe komplett von der Zivilisation abgeschlossen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten führen sie das harte, entbehrungsreiche Leben ihrer Eltern weiter, um ihr Überleben zu sichern.
Mit einer starken, eindringlichen Erzählstimme führt Crummey seine Leser durch mehrere Jahre im Leben der Geschwister. Sie kämpfen ums Überleben, leiden Not und sind doch mit ihrem armseligen Dasein zufrieden. Es darüber hinaus eine bedeutende Zeit in ihrem Leben, denn sie werden erwachsen. Sie wissen nur das, über das Leben, über Liebe und alles was dazugehört, was die Eltern ihnen darüber erzählt haben – und diese waren sehr schweigsam. Ada und Evered sind so überzeugend unschuldig dargestellt, in ihrer geschwisterlichen Liebe zueinander. Unschuldig und menschlich.
Diese fundamentalen Themen vor der Kulisse des wilden Kanadas machen den Roman zu einem kraftvollen, außerordentlich berührenden Leseerlebnis. Mich konnte es vollkommen überzeugen. Mit Sicherheit ein Buch, das länger im Gedächtnis bleibt. 5 Sterne.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

gagamaus gagamaus

Veröffentlicht am 12.10.2020

Überlebenskampf zweier KInder

Eine Geschichte, wie sie sich bei uns in Europa nicht mehr zutragen könnte. Zu dicht ist das Land besiedelt, zu nah sind sich die Menschen. Aber in den Weiten Kanadas schaut das ganz anders aus. Da kann ... …mehr

Eine Geschichte, wie sie sich bei uns in Europa nicht mehr zutragen könnte. Zu dicht ist das Land besiedelt, zu nah sind sich die Menschen. Aber in den Weiten Kanadas schaut das ganz anders aus. Da kann es geschehen, dass zwei Geschwisterkinder miterleben, wie kurz nacheinander erst die Mutter und dann der Vater stirbt. Und obwohl sie noch nicht mal Teenager sind und weit ab von jeder Zivilistation schaffen sie es zu überleben und sich in der harten Einöde zu behaupten. Und niemand holt sie von dort weg oder denkt sich viel dabei, dass die Kinder jahrelang in ihrer Hütte leben und langsam erwachsen werden.

Anfangs fand ich es unsagbar traurig, dass die Kinder die volle Härte des Lebens abbekommen. Und die Natur ist unbarmherzig und verzeiht keine Fehler. Aber nach und nach hat es mich fasziniert, dass die Kinder von ihren Eltern durchaus viele Dinge gelernt haben und trotz ihrer Jugend einen unbändigen Überlebenswillen und eine angeborere Klugheit an den Tag legen. Hier gibt es keine Telefone, kein fließendes Wasser, keinen Strom. Die beiden haben keine Zeit zu spielen und Kind zu sein und dennoch bewahren sie sich eine Unschuld, wie unsere Kinder sie in der modernen Welt schon sehr früh verlieren. Und diese Unschuld macht sie zu Menschen, die ihr Glück in den kleinen lebenswichtigen Dingen finden und im Vertrauen aufeinander und auf die eigene Stärke.

Eine Geschichte, die sich unglaublich gut liest. Auch dank der reduzierten und punktgenauen Sprache des Autors.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

kupfis_buecherkiste kupfis_buecherkiste

Veröffentlicht am 19.09.2020

Ein Buch, das nachhallt

Mitten in der kanadischen Wildnis lebt ein Ehepaar mit seinen zwei Kindern Evered und Ada. Geprägt von Wechsel der Jahreszeiten, passt sich die Familie der Natur an. Was sie nicht selbst an Nahrung fangen ... …mehr

Mitten in der kanadischen Wildnis lebt ein Ehepaar mit seinen zwei Kindern Evered und Ada. Geprägt von Wechsel der Jahreszeiten, passt sich die Familie der Natur an. Was sie nicht selbst an Nahrung fangen oder anpflanzen können, wird einmal im Jahr gegen gefangen Fisch eingetauscht. Ansonsten ist das Leben autark und fern von anderer Zivilisation.

Als beide Elternteile innerhalb kurzer Zeit sterben, sind die beiden Geschwister auf sich allein gestellt. Mit dem kläglichen Wissen, dass ihre Eltern ihnen vermittelt haben, bzw. mit dem, was sie aufgeschnappt haben, müssen sie Tag für Tag ums Überleben kämpfen. Zwar wäre es ein Einfaches, mit dem Versorgungsschiff in das nächstgelegene Dorf zu kommen, um dort zur Schule zu gehen, oder eine eigene Familie zu gründen. Doch das lehnen die Geschwister ab. Erst als Ada schwanger ist, ändert sich die Situation grundlegend.

Dieses Buch hat mich durchaus fasziniert. Wie schafft es eine Familie, die einerseits Schulden abbezahlen muss, gleichermaßen mit dem nötigsten, was die Natur bietet, das eigene Überleben zu sichern und zusätzlich die Schulden abzubezahlen? Es ist ein Weg, der sehr start mit der Natur verknüpft ist. Die Gezeiten ändern sich, jede Jahreszeit bietet Vor- und Nachteile, und kann ganz besondere Schätze freilegen. Für manchen Schatz bedarf es viel Mut, über das Eis zu gehen, um ein gestrandetes Schiff zu plündern.

So schwebt über dieser Geschichte immer wieder die Frage, ob dieser Lebensweg der richtige ist. Denn die Einsamkeit ist ein gewichtiger Faktor, der nicht ausser acht zu lassen ist. Zwar freuen sich die Geschwister über den Besuch verschiedener Seefahrer, und doch ist ihnen klar, dass dies auch den Frieden in der Bucht zerstören kann.

Beide Geschwister müssen aufgrund ihres Wissensstandes ihre eigenen Erfahrungen machen. Bis zum eigenen Tod konnten die Eltern trotz des einfachen Lebens ein gewisses Maß an behütetem Schutz aufrecht erhalten. Und doch hat es die Geschwister in Gefahr gebracht: der Winter ist streng, und wer nicht weiß, wie damit umzugehen, stößt schnell an die Grenzen der Witterung.

Aber beide Geschwister gehen ihren eigenen Weg, arbeiten mal mehr, mal weniger gut zusammen. Es sind die Erfahrungen, die sie trotz der eigenen Gefühle und Widerstände teilen müssen. Grenzen müssen überwunden werden, neue Wege entdeckt, und Gewohnheiten geändert werden.

„Die Unschuldigen“ ist ein düsteres Buch, aber auch ein Buch, das nachdenklich stimmt. Zwischendurch habe ich mich schon gefragt, ob man so naiv sein kann, dass man manche Situationen nicht so kombinieren kann, dass man gewisse Zusammenhänge nicht erkennt. Und doch musste ich mich genauso fragen, ob es mir in der im Buch beschriebenen Situation so viel anders gegangen wäre?

Das Cover spiegelt die Stimmung im Buch übrigens sehr gut wieder. Es gefällt mir sehr gut.

Es ist eins dieser Bücher, die man zur Seite legt, wenn sie fertig sind, und noch lange nachwirken.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autor

Michael Crummey

Michael Crummey - Autor
© Chris Miner

Michael Crummey stammt aus Buchans, einer Bergarbeiterstadt in Neufundland. Er hat mehrere Gedichtbände und Romane verfasst, die oft in Neufundland und Labrador spielen. Er lebt mit seiner Familie in St. John’s, Neufundland.

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