Der Palast der Meere
 - Rebecca Gablé - Hörbuch
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inkl. MwSt.

Lübbe Audio
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Historische Romane
910 Minuten
12 CDs
ISBN: 978-3-8387-7732-0
Ersterscheinung: 10.09.2015

Der Palast der Meere

Historischer Roman
Teil 5 der Serie "Waringham Saga"
Gelesen von Detlef Bierstedt

(31)

Rezensionen aus der Lesejury (31)

Fornika Fornika

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zeitenwandel

England, 1560. Isaac of Waringham ist entsetzt: sein Bruder Francis eröffnet ihm, dass wohl ER der nächste Earl werden soll, da der eigene Sohn eher nicht in Frage kommt. Doch ein Leben mit so viel Verantwortung ... …mehr

England, 1560. Isaac of Waringham ist entsetzt: sein Bruder Francis eröffnet ihm, dass wohl ER der nächste Earl werden soll, da der eigene Sohn eher nicht in Frage kommt. Doch ein Leben mit so viel Verantwortung ist nichts für Isaac und so sucht er sein Heil in der Flucht. Er landet auf einem Schiff, und entdeckt, dass die Welt noch viel mehr zu bieten hat als das kleine idyllische Kent.

Ganz anders da seine Halbschwester Eleanor. Seite an Seite ist sie mit Königin Elisabeth aufgewachsen, hat mit ihr die schwierige Kindheit verbracht, die dunkelsten Stunden durchlebt. Jetzt steht sie ihr mit Rat und Tat zur Seite, ist ihr „Auge“ am Hof, eine der engsten Vertrauten und Weggefährten.

Endlich wieder Waringham! Über den Mönchskopf wandern, den Rosengarten bewundern, im Gestüt herumstrolchen. Doch diesmal befinden wir uns oft weit weg von altbekannten Gefilden; zu Anfang etwas ungewohnt, doch dann umso packender, wenn man sich einmal „eingewöhnt“ hat. Ein Waringhamband, der anders ist als seine Vorgänger.

Die Geschehnisse um El und Isaac könnten unterschiedlicher nicht sein, sodass man zwischenzeitlich fast das Gefühl hat zwei Bücher gleichzeitig zu lesen. Das ist einerseits sehr spannend, abwechslungsreich und informativ, andererseits kommen so manche Aspekte etwas kurz. Eben weil zwei so unterschiedliche Lebenswege zwischen zwei Buchdeckel passen müssen. Obwohl El der Königin so nahe steht, hatte ich so zuweilen das Gefühl, dass die politischen Entscheidungen Elisabeths an mir vorbei gingen. Oder zumindest hätte ich mir manches einfach ausführlicher erzählt gewünscht, wie etwa die Geschehnisse um Maria Stewart. Isaacs Weg fand ich recht abenteuerlich, ab und an jedoch etwas uninteressant. Die großen Freibeuterromane waren noch nie so meins.

Die Charaktere – allen voran natürlich die der beiden Hauptfiguren - sind (wie immer möchte ich fast sagen) sehr schön herausgearbeitet, selbst die kleinsten Nebenrollen sind mit viel Leben gefüllt. Man trifft auf allerlei historische Personen, denen mit Anekdoten und Anekdötchen wunderbar Leben eingehaucht wird. Das Elisabethanische Zeitalter ist auch ein Zeitalter des Aufbruchs, man merkt wie klein die Welt auf einmal geworden ist. Gablé versteht es sehr gut, diese Aufbruchsstimmung rüberzubringen, die Renaissance ist definitiv auch in Waringham angekommen.

Die Autorin erzählt auf gewohnt hohem Niveau, geschichtliche Fakten sind ansprechend verpackt, Zusammenhänge verständlich erklärt, die fiktive Handlung sehr schön entwickelt. Mir hat bei diesem Buch einfach das berühmte Tüpfelchen auf dem I gefehlt. Und vielleicht ein Schuss mehr Waringham.

Fazit: ohne Zweifel wieder ein hervorragendes Buch. Auch Band 5 kann sich also sehen lassen. (4,5/5 Sternen)

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Siobhan Siobhan

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wiedersehen mit Waringham

Mit dem 5. Band der Waringham-Saga, der zeitlich zwischen 1560 und 1588 situiert ist, führt uns Rebecca Gablé weit in die Zeit der Renaissance hinein. Bereits der 4. Band spielte nicht mehr im Mittelalter, ... …mehr

Mit dem 5. Band der Waringham-Saga, der zeitlich zwischen 1560 und 1588 situiert ist, führt uns Rebecca Gablé weit in die Zeit der Renaissance hinein. Bereits der 4. Band spielte nicht mehr im Mittelalter, aber erst in „Der Palast der Meere“ kommt das freiere Denken der Renaissance so richtig deutlich zum Tragen.
Eleanor of Waringham, die mit der Königin Elizabeth ihre Kindheit verbrachte, lebt als engste Vertraute der Königin am Hof. Als „Auge“ der Königin, wie die Spionin gerne genannt wird, ist sie stets über Intrigen und politische Schachzüge informiert.

Ihr Bruder Isaac of Waringham beschließt, dass ein beschauliches Leben auf dem Gestüt von Waringham nichts ist für ihn und er begibt sich als blinder Passagier auf ein Schiff, das Richtung Teneriffa unterwegs ist. Er verbringt eine harte Zeit als Sklave auf einer Zuckerrohrplantage bevor er sich zu einem richtigen Seebären mausert und als gefürchteter Freibeuter die Weltmeere besegelt und die Spanier bekämpft.

Lappidot, der jüngste Spross des Hauses Waringham erkrankt an den Pocken als er 6 Jahre alt ist und erblindet als Folge der Krankheit. Er verfügt über ein erstaunliches musikalisches Talent und wird von Königin Elizabeth an den Hof geholt, wo er in der königlichen Kapelle große Erfolge feiert.

Die Beschaulichkeit von Waringham, wie man es vor allem aus den ersten drei Bänden kennt und liebt, spielt in diesem Band keine so große Rolle. Die Handlung orientiert sich an Figuren aus der fiktiven Familie Waringham, findet aber zum Großteil bei Hofe, in London und in der Welt der Seefahrt statt.
Der Roman wird durch zwei Handlungsstränge dominiert. Einmal wird die Geschichte von Isaac erzählt. Dabei erfährt man viel über den Handel zwischen England und der Neuen Welt, aber auch vom Leben der Sklaven auf Zuckerrohrplantagen und der Entwicklung des Sklavenhandels.

In einem anderen Handlungsstrang, in dem Eleanor die Hauptfigur ist, sind wir in London am Puls der Politik. Eleanor verliebt sich in den König der Diebe und führt ein höchst spannendes Leben hart an der Grenze zwischen ihrem Dasein als treue Dienerin der Königin und der Illegalität der Londoner Unterwelt.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Der historische Hintergrund ist sehr interessant dargestellt. Die Landschaften, der Prunk in den Schlössern, aber auch das Leben auf den Schiffen lädt zum Tagträumen ein. Besonders gut konnte ich eintauchen in die Abenteuer, die Isaac erlebte. Aber auch die Geschehnisse und Charaktere um Königin Elizabeth haben mich sehr gut unterhalten.
Von mir erhält dieser Roman eine Leseempfehlung mit 5 Sternen.

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Klusi Klusi

Veröffentlicht am 15.09.2016

Endlich ein Wiedersehen mit dem Waringhams!

Der aktuelle Roman und zugleich fünfte Band der Waringham-Saga spielt zur Regierungszeit Elizabeths I., und die Handlung beginnt im Jahr 1560, also genau 200 Jahre nach 'Das Lächeln der Fortuna', wo alles ... …mehr

Der aktuelle Roman und zugleich fünfte Band der Waringham-Saga spielt zur Regierungszeit Elizabeths I., und die Handlung beginnt im Jahr 1560, also genau 200 Jahre nach 'Das Lächeln der Fortuna', wo alles begann.
Diesmal dreht sich die Handlung in der Hauptsache um die Kinder und Enkelkinder von Nicholas of Waringham, dem Hauptcharakter des letzten Bandes 'Der dunkle Thron'. Francis, sein ältester Sohn, der jetzige Earl of Waringham, führt die familieneigene Pferdezucht mit Erfolg und außerdem das Internat in Waringham. Einen besonders großen und wichtigen Part des Romans nehmen jeweils Isaac und Eleanor, Francis' jüngere Geschwister, ein.

Eleanor lebt am Hof Elizabeths I. und wird überall nur 'Das Auge der Königin' genannt. Als ihre Milchschwester und enge Vertraute ist sie eine Meisterin darin, brisante Informationen für Elizabeth in Erfahrung zu bringen und geheime Machenschaften auszuspionieren. Sie hat sich voll und ganz der Königin verschrieben, und ihr Privatleben ist gleich Null, bis sie Gabriel Durham kennenlernt und sich in ihn verliebt. Diese Liaison ist völlig unmöglich und ganz und gar nicht standesgemäß, denn Gabriel ist der König der Diebe. Um nicht bei ihrer Königin in Ungnade zu fallen, trifft sich Eleanor heimlich mit ihm.

Isaac lebt bei einem Onkel in London, bis Francis' Sohn Lappidot an den Pocken erkrankt und sein Augenlicht verliert. Daraufhin wird Isaac nach Hause beordert, da er nun eines Tages Francis' Nachfolge antreten soll, aber seine Erinnerungen an den Familiensitz Waringham sind nicht die besten. Dorthin zurückzukehren erfüllt ihn mit Unbehagen, und so macht er sich aus dem Staub. Als blinder Passagier schleicht er sich auf ein Schiff im Hafen. Dass ihn diese Reise jedoch so weit von zuhause wegführt, hat er sich nicht träumen lassen. Als er entdeckt wird, arbeitet er eine Zeitlang für den Kapitän und Freibeuter Hawkins als Schiffsjunge, aber Hawkins ist skrupellos und verkauft den Fünfzehnjährigen auf der Insel Teneriffa als Sklaven. Damit beginnt eine Leidenszeit für den jungen Mann, denn es dauert lange, bis er seine Freiheit zurück erlangt und die Heimat wiedersieht.

Isaac ist ein waschechter Waringham und hat die gleichen Eigenschaften, die ich schon an seinen Vorfahren so mochte, denn auch wenn er in noch so verzwickten, ausweglosen und gefährlichen Situationen steckt, also in Zeiten höchster Not, hat er noch einen trockenen Spruch auf den Lippen.
Diesen schlagfertigen Humor, gepaart mit einer draufgängerischen, aber zugleich herzlichen, sympathischen Art, haben die meisten Helden von Rebecca Gablés Romanen.
Eigentlich ist es verwunderlich, dass Isaac und Eleanor sich nicht leiden können, denn im Verlauf der Handlung entdeckt man, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben.

Wie eigentlich schon der vierte Band, so ist auch dieser neue Roman ganz anders als die drei Vorgänger, die im Mittelalter spielten. Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Lebensart. Die Ära der tapferen, edelmütigen Ritter, die ihr Leben in so mancher Schlacht aufs Spiel setzten und auch oft verloren, gehört der Vergangenheit an. Dafür ist die Welt für die Menschen größer geworden, denn mit dem Schiff erreichen sie auch entfernteste Winkel der Erde. Die Seefahrt in fremde Länder und die Freibeuterei bringen neue Gefahren und Abenteuer mit sich, und Isaac muss für seine Ideale und damit gegen die Sklaverei kämpfen, die er so bitter am eigenen Leib erfahren hat.

Häufige Szenenwechsel im Roman, die an den englischen Königshof und dann wieder auf die raue See bzw. in ferne Länder führen, machen das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Da die Überschriften der einzelnen Kapitel immer den jeweiligen Ort und das Datum verraten, wo man sich gerade befindet, fallen die Sprünge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen leicht.
Der Ort Waringham spielt diesmal eher eine untergeordnete Rolle, da sich das Leben der Familie mehr und mehr an Elizabeths Hof abspielt, denn auch Lappidot geht seinen Weg, der ihn von seinem Zuhause weg und an den Königshof führt.

Hier erfährt man mehr über Elizabeths Probleme mit ihrer papistischen Cousine Mary Stewart, die ihr nach dem Thron trachtet und sich ein katholisches England zurück wünscht. Wie man es von der Autorin gewohnt ist, fließt sehr viel Wahres, historisch Verbürgtes, in die Handlung ein. Wenn man die englische Geschichte der damaligen Zeit kennt, merkt man, wie aufmerksam und gründlich Frau Gablé hier recherchiert hat und wie authentisch sie ihre fiktiven Charaktere um die wahren historischen Persönlichkeiten herum arrangiert und so eine glaubhafte und spannende Geschichte daraus macht. Gerade die aufreibenden Machtkämpfe zwischen der protestantischen Elizabeth und ihren katholischen Gegnern ist ein großes Thema des Romans. Eine weitere Besonderheit ist die neue Rolle der Frauen. Diese sind nicht mehr länger nur schmückendes Beiwerk, sondern stehen mit beiden Beinen im Leben und sind die aktuellen Heldenfiguren.

Interessant finde ich an Rebecca Gablés Romanen, dass sie die historischen Personen, wie eben hier Elizabeth I., Mary Stewart, Robert Dudley und einige andere, immer aus dem Blickwinkel ihrer Protagonisten, eben der Waringhams, sieht und darstellt. Das bringt oft ganz andere Wesenszüge zutage als man von den entsprechenden Personen aus Geschichtsbüchern kennt, aber es macht die Geschichte und die Menschen dieser Zeit lebendig und vorstellbar.
Ich könnte hier noch ewig so weiterschreiben, denn bei einem Wälzer von über 950 Seiten gibt es so viele Eindrücke, dass mir nachträglich gar nicht mehr alles einfällt, was mir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist und ich mit wenigen Sätzen gar nicht allem gerecht werden kann. Aber Tatsache ist, dass mich auch dieser fünfte Band wieder begeistern und mitreißen konnte. Ich habe jede Seite sehr genossen.

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brauchnix brauchnix

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Schmuckstück

London 1560: Die Waringhams sind wie immer nah dran am Zentrum der Macht. Eleonor of Waringham ist mit Königin Elizabeth I. aufgewachsen, von Jugend an mit ihr durch dick und dünn gegangen. Jetzt ist sie ... …mehr

London 1560: Die Waringhams sind wie immer nah dran am Zentrum der Macht. Eleonor of Waringham ist mit Königin Elizabeth I. aufgewachsen, von Jugend an mit ihr durch dick und dünn gegangen. Jetzt ist sie nicht nur deren engste Vertraute sondern wird auch als Spionin der Krone eingesetzt und beweist stets aufs Neue ihre unabdingbare Treue und Loyalität zur englischen Monarchin. Elizabeth I. hat indessen einen nicht ganz leichten Stand. Denn unverheiratete Frau auf dem englischen Thron ist "wider die Natur, anmaßend gegen Gott... und schließlich eine Untergrabung jeder guten Ordnung und Gerechtigkeit." Aber sie weigert sich hartnäckig, einen der vielen Bewerber als ihren Ehemann zu erwählen. Weder das französische noch das spanische Königshaus, auch nicht die Deutschen oder ein nordischer König sind ihr gut genug. Die Krone bräuchte natürlich dringend einen Erben, denn auch die schottische Königin Mary und deren Kinder wollen an die Macht.

Eleanors Halbbruder Isaak of Waringham ist noch ein Teenager, als er sich seinen Pflichten der Familie gegenüber dadurch entzieht, dass er sich der Seefahrt verschreibt und auf den Weltmeeren - auch an der Seite des königstreuen Piraten Francis Drake - viele gefährliche und erstaunliche Abenteuer besteht, die ihn oft monatelang fort aus seiner Heimat fortführen.

Zwei starke Hauptdarsteller bestimmen also diesmal zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge des neuen Gablé-Romans. Während in England Ränke und Intrigen gesponnen werden und man einiges über das englische Königshaus, die große Elizabeth I. und ihren Zwist mit der schottischen Mary erfährt, spielen die exotischen Abenteuer von Isaak meist ind er Ferne auf den schwankenden Schiffsplanken so manchen Seglers und im gefährlichen Dschungel ferner Länder. Er kämpft mutig gegen die Spanier, später auch aus tiefstem Herzen gegen die Sklaverei, gegen Stürme auf See, Hunger und wilde Tiere.

Vor allem Isaaks Geschichte hat mich begeistert. Dies lag zum einem an dem jungen Mann selber, der mein Herz im Sturm erobert hat mit seiner ehrlichen, ungestümen Art und seiner Empathie für die Schwachen und Unterdrückten ein Held ganz nach meinem Geschmack war. Eleonor hingegen die meist etwas unterkühlt und spröde rüberkommt und mehr mit ihrer Klugheit als mit einem liebenswerten Wesen besticht, hat sich meine Sympathien erst Stück für Stück erarbeitet. Aber mit der Zeit näherten die beiden Geschwister sich persönlich an und auch mir machte es zusehends Spaß, dass die Geschichte fortwährend zwischen den beiden hin- und herspringt.

Gablés Fähigkeit über fast 1000 Seiten all die vielzähligen Handlungsstänge souverän in Händen zu halten, diverse Knoten zu entwirren, nie den Faden zu verlieren, hat mich als Leser wieder sehr fasziniert und immer wieder schafft sie es mit überraschenden Wendungen und unvorhergesehen wieder auftauchenden Personen kleine und große Highlights zu setzen und den Spannungsbogen hoch zu halten. Ihre intensiven Recherchen leuchten aus jeder Szene, vermitteln Wissen auf so unterhaltsame und unaufdringliche Art und Weise, dass man mühelos in die elizabethanische Zeit eintaucht.

Ein pralles Stück historische Geschichte und wie immer ein großer Lesegenuss. Ein Muss für jeden Leser, mein Jahreshighlight im Histo-Bereich und dank der wunderschönen Aufmachung in jedem Bücherregal ein Schmuckstück.

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nirak03 nirak03

Veröffentlicht am 15.09.2016

Freibeuter, Diebe und die Waringhams zur Zeit Elisabeth I.

Lady Eleanor of Waringham lebt schon seit ihrer Kindheit bei Königin Elisabeth I. Sie ist mit ihr aufgewachsen und ihre Freundin geworden. Nun unterstützt sie die Königin, indem sie alles sieht und hört ... …mehr

Lady Eleanor of Waringham lebt schon seit ihrer Kindheit bei Königin Elisabeth I. Sie ist mit ihr aufgewachsen und ihre Freundin geworden. Nun unterstützt sie die Königin, indem sie alles sieht und hört was dieser sonst entgehen würde. Eleanor ist das „Auge der Königin“. Gleichzeitig erlebt der Leser die Seite des Hofes und bekommt hautnah die politischen Einzelheiten der Epoche mit. Aber auch Intrigen gegen die Königin werden aufgedeckt und dann hat El auch noch ihr eigenes Leben, welches sie vom Hof wieder fortführt direkt in die Unterwelt Londons, denn ihr Geliebter ist ein Meisterdieb.

Der zweite Handlungsstrang entführt den Leser gemeinsam mit Isaac of Waringham quer über die Weltmeere und zurück. Isaac ist der Bruder von El und mindestens genauso verwegen. Er macht als Freibeuter Kariere und sorgt dafür, dass man sich ein bisschen wie in einem Piratenfilm beim Lesen dieses Buches fühlt. Isaac ist verwegen und mutig und dabei stehst darauf bedacht auch den Schwächeren zu helfen. Er selbst gerät von einem Abenteuer ins nächste und zwischendurch auch mal in Schwierigkeiten, aus denen er aber nach Piratenmanier wieder herausfinden kann.

Die fiktiven Charaktere der Familie Waringham sind hier wunderbar eingearbeitet in historische Fakten und umgeben von historischen Persönlichkeiten. Man könnte direkt vergessen, dass es sich hier um einen Roman handelt und nicht um eine historische Abhandlung. Die Handlung hat die Autorin jedenfalls glaubhaft geschildert. Es macht einfach Spaß mit El und Isaac ins 16. Jahrhundert einzutauchen und ihnen dabei zuzusehen wie sie ihr Leben und ihre Herausforderungen meistern. Das Leben am Hofe von Elisabeth I. wirkt lebendig und echt. Aber genauso wie die Abenteuer der fiktiven Charaktere geschildert werden, werden auch historisch belegte Charaktere mit eingebunden. Da ist zum Beispiel Francis Drake, der ja wohl jedem ein Begriff ist, die Autorin hat hier einmal ein ganz anderes Bild des Freibeuters gezeichnet. Die Wege von ihm und Isaac kreuzen sich immer wieder, ihre Karrieren sind ähnlich gestaltet. Es macht einfach Spaß zusehen wie die Zwei immer mal wieder aufeinandertreffen und Drake dabei nicht immer, als der strahlende Held hervorgeht, wie man ihn sonst aus alten Filmen kennt. Auch die Beziehung zu Mary Stewart, der Königin von Schottland ist wunderbar wiedergegeben. Der Autorin ist es gelungen, ein glaubhaftes Bildnis dieser beiden so wichtigen Frauen dieser Epoche zu gestalten.

„Der Palast Der Meere“ ist bereits der fünfte Band um die fiktive Familie Waringham, aber man könnte ihn auch problemlos einzeln lesen, da jedes Buch für sich von einer neuen Generation erzählt. Allerdings gibt es immer wieder Querverweise über die Familie oder über andere Protagonisten, die der Familie nahestehen. Es macht also eindeutig mehr Spaß hier zu lesen, wenn man die Vorgänger bereits kennt. Gerade bei „Der Palast der Meere“ handelt es sich um die Kinder von Nick of Waringham aus dem Vorgänger, „Der Dunkle Thron“ und damit schließt diese Geschichte direkt an den Vorgänger an. Dies ist auch gut so, da die politischen Ereignisse so weitererzählt werden. Zwei unterschiedliche Handlungsstränge sorgen zudem für Spannung. Während Eleanor am Hof lebt, fährt Isaac zur See, nur hin und wieder treffen sich die Beiden auf der Burg deren von Waringham. Tauschen ihre Erlebnisse aus und lassen die Leser teilhaben an ihrem Leben. Mir haben beide Handlungsstränge gut gefallen, egal ob mit El am Hof oder mit Isaac zur See, beides war aufregend. Ein bisschen zum Durchatmen dann die Szenen im Kreise der Familie, aber genauso wunderbar zu lesen. Auch wenn es hier eine Vielzahl von Protagonisten gibt und die Handlungsschauplätze immer wieder wechseln hat mir das Lesen hier sehr viel Spaß gemacht und die knapp 1000 Seiten waren mir persönlich viel zu knapp.

Wie immer ist diese Ausgabe mit allem ausgestattet, was das Leserherz begehrt. So ist am Anfang ein Personenregister vorhanden, welches historische Protagonisten kennzeichnet und von den fiktiven Charakteren trennt. Kleine Zeichnungen sorgen für die richtige Stimmung beim Lesen und ein ausführliches Nachwort am Ende klärt Fiktion und Wahrheit. „Der Palast Der Meere“ ist ein gelungenes Buch, welches alles beinhaltet was ich von einem guten historischen Roman erwarte. Er sorgt für Lesespannung und Lesegenuss und sollte in keinem Bücherregal fehlen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Rebecca Gablé

Rebecca Gablé - Autor
© Olivier Favre

Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin und lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden allesamt Bestseller und in viele Sprachen übersetzt. Besonders die Romane um das Schicksal der Familie Waringham genießen …

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Sprecher

Detlef Bierstedt

Detlef Bierstedt - Sprecher
© Andreas Biesenbach

Detlef Bierstedt, 1952 geboren, ist einer der gefragtesten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht u.a. George Clooney, Jonathan Frakes (Star Trek) und Bill Pullman (Independence Day) seine Stimme. Insgesamt wirkte er in mehr als 1000 Film- und Fernsehproduktionen mit. Für Lübbe Audio saß er schon für eine Vielzahl von Hörbüchern am Mikrofon.

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