Krone der Welt
 - Sabine Weiß - Hörbuch

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11,99

inkl. MwSt.

Lübbe Audio
Hörbuch (Download)
Historische Romane
1019 Minuten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8387-9610-9
Ersterscheinung: 21.12.2020

Krone der Welt

Gelesen von Detlef Bierstedt
Mit Illustrationen von Markus Weber

(36)

Ein großer Historischer Roman über den Ausbau Amsterdams zur Weltmetropole, über Liebe und Hass und den Drang, die Welt zu einem besseren Ort zu machen

Vincent will als Architekt prächtige Stadthäuser bauen. Ruben sehnt sich nach Abenteuern auf hoher See. Betje ist eine begnadete Köchin. Zusammen sind die Geschwister in Amsterdam gestrandet, einem Ort der märchenhaften Möglichkeiten. Doch es ist auch die Zeit der großen Auseinandersetzungen. Katholiken und Calvinisten streiten um den rechten Glauben, Engländer und Spanier um den Einfluss auf das Land am Meer, Kaufleute um die wirtschaftliche Macht. Können sich die Geschwister in dieser schwierigen Situation behaupten?

Folgen Sie Sabine Weiß’ Helden ins spannende 16. Jahrhundert, und erleben Sie Amsterdam, wie Sie es noch nie gesehen haben!

Rezensionen aus der Lesejury (36)

Darkangelsammy Darkangelsammy

Veröffentlicht am 15.01.2021

Keine Tulpen in Amsterdam

Emotional packend, superb recheriert, plastische Handlung, dreidimensionale Protagonisten! Bewegend und mitreißend! Toller Lesestoff!

Heutzutage motzen und meckern Menschen über angeblich unzumutbare ... …mehr

Emotional packend, superb recheriert, plastische Handlung, dreidimensionale Protagonisten! Bewegend und mitreißend! Toller Lesestoff!

Heutzutage motzen und meckern Menschen über angeblich unzumutbare Zustände eines temporären Lockdowns. Aber immerhin sind die meisten so oder so zumindest lukullisch bestens versorgt. Also Jammern auf hohem Niveau! 

Aber was sollten die Leute im Jahre 1585 sagen, als das Leben immerzu für viele schwer bis untragbar, bis hin zum verfrühten Tode? Deswegen sind Historienbücher so wichtig, damit die Zeitgenossen von heute sich daran erinnern, wie gut sie es im Vergleich zu anderen Epochen haben. Natürlich ist auch die heutige Zeit alles andere als perfekt, aber immerhin weitaus erträglicher und lebenswerter. 

Wim Aardzoon hat drei Kinder. Vincent, Betje und Ruben im Jahre 1585. Sie leben in Antwerpen. Wims Frau und Mutter der Kinder ist gestorben. 

Die Spanier nehmen die Stadt ein und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich nach Amsterdam davonzumachen.

Allerdings kommt es noch schlimmer, als Wim durch meuchelnde Hand das Zeitliche segnet. Vincent schafft es zumindest zunächst als einziger dem Waisenhaus zu entgehen, weil er arbeiten gehen kann. Aber hat er deswegen ein leichteres Los? 

Im Waisenhaus herrschen ebenso gnadenlose, menschenverachtende Zustände. 

Bei Vincent liegt der eigentliche Schwerpunkt des Buches. Er will Architekt und Baumeister werden, dem Design Amsterdams quasi seine steinerne "Tulpe" aufstempeln. 

Doch es werden ihm viele Steine, ja Felsbrocken in den Weg geworfen, denn ein Waisenkind hat ja keine "astreine Herkunft".

Ruben mutiert zum tollkühnen Seemann und Abenteurer. Und Betje? Wird sie als Frau in Zeiten, als feminine Wesen wie drittklassige Untermenschen oftmals behandelt wurden, ihr Glück finden? Ebenso Vincent als auch Ruben? Und was ist mit der Sühne den Mord an Wim betreffend? 

Der Epilog des Buches schließt geschickt den Circulus zum Prologium. 

Zwischendrin breitet sich eine epische Geschichte aus, die nicht nur exzellent recheriert wurde und ist, sondern Plastizität, Emotionalität und Tiefgründigkeit in seinem galant aufgefächerten Tableau aufweist. 

Des öfteren kann man sich empören und man wird richtig am Schlafittchen der Seele gepackt. Man fühlt sich in die drei Hauptprotagonisten ein und fiebert mit ihnen mit.

Die politischen Wirren der damaligen Zeit mit Spanien und daß Menschen zwangsläufig unter die Räder kamen ist eindrücklich sowie intensiv wiedergegeben. 

Verbürgte historische Personen spielen eine Rolle, aber die fiktiven Charaktere besitzen eine derartige Dreidimensionalität, daß sie lebendig vor dem inneren Auge agieren - Kopfkino pur!

Selbst wenn man schon etwas über diesen Abschnitt der Historie sowie diese speziellen Breiten - und Längengrade weiß, lernt man noch immens viel dazu und sieht Amsterdam dann mit ganz neuen Augen. 

Fesselnd und vital - so sollen exquisite Historienromane sein - mit Verve und Esprit! Karte, Namensverzeichnis und Glossar sind enthalten! 

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Magnolia Magnolia

Veröffentlicht am 13.01.2021

Amsterdam im ausgehenden 16. Jahrhundert

In ihrem großartigen Historischen Roman „Krone der Welt“ entführt uns Sabine Weiß ins Amsterdam des ausgehenden 16. Jahrhunderts.

Wir erleben hier das aufstrebende Handelszentrum Amsterdam, in dem sowohl ... …mehr

In ihrem großartigen Historischen Roman „Krone der Welt“ entführt uns Sabine Weiß ins Amsterdam des ausgehenden 16. Jahrhunderts.

Wir erleben hier das aufstrebende Handelszentrum Amsterdam, in dem sowohl die Spanier als auch die Engländer das Sagen haben wollen neben dem allgegenwärtigen Glaubenskrieg der Katholiken gegen die Calvinisten, eingebettet in die Geschichte um die drei Geschwister Vincent, Ruben und Betje Aardzoon.
Antwerpen ist gefallen, tausende sind auf der Flucht. Wim Aardzoon muss weg mit seinen Kindern, hier findet er keine Anstellung. Es zieht sie nach Norden und sie müssen sich beeilen, bevor alle anderen die guten Anstellungen ergattern. Zunächst sind sie wenig begeistert – der erste Eindruck von Amsterdam ist enttäuschend. Sie geben nicht auf, Wim findet Arbeit und Vincent - schon immer fasziniert von den großartigen Bauwerken - eifert seinem Vater nach, will Architekt werden. Allerdings brauchte er das Bürgerrecht, musste einen Eid leisten und 6 Gulden berappen, um arbeiten zu können. Wohlgelitten waren Zugezogene nicht, das war auch damals schon so. Ruben ist und bleibt der Abenteurer, ihn zieht es hinaus aufs Meer. Betje hingegen zaubert die besten Gerichte, kochen ist ihre große Leidenschaft. So zieht sich das Leben der drei durch das Buch voller Kriege und Glaubensfanatismus, voller Hinterhältigkeit und Hass, Lügen und Intrigen, Neider und Widersacher aber auch voller Liebe, Zuneigung und gegenseitiger Hilfe.

Sabine Weiß beschreibt die einzelnen Szenen sehr lebendig. So werden Brander, diese Höllenschiffe auf- und ausgerüstet, um Schiffbrücken zu zerstören. Natürlich habe ich nachgelesen, was es mit diesen Brandschiffen auf sich hat, habe ich doch vorher nichts darüber gewusst, konnte mir dieses Fiasko danach aber gut vorstellen.

Hauptsächlich begleite ich Vincent. Er ist sehr zielstrebig und mit ihm als ideenreicher Architekt erfahre ich so einiges über die Erweiterung der Stadt, den Ausbau der Grachten und all der prunkvollen Häuser. Den Bewohnern geht es gut, sie können sich diese begehrten Dinge leisten, die Ruben auf seinen Handelsreisen heran schippert. Von reichen Kaufleuten wird schließlich die Companie van Verre gegründet, der Vorläufer der Niederländischen Ostindien-Kompanie.

Die Entwicklung Amsterdams wird anhand der fiktiven Geschichte um die Geschwister anschaulich dargestellt und geschickt verwoben mit historischen Persönlichkeiten. Die niederländischen Namen und Bezeichnungen geben dem Roman eine ganz besondere Atmosphäre. Im Glossar werden viele Begriffe nochmal dargestellt, jedoch erklärt sich vieles beim Lesen von selbst.

Gerne habe ich Vincent, Ruben und Betje begleitet, bin zurück ins ausgehende 16. Jahrhundert und habe mich meistens gut aufgehoben gefühlt im aufstrebenden Amsterdam. Unbedingt empfehlenswert für all jene, die historische Romane gerne lesen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

cybergirl cybergirl

Veröffentlicht am 12.01.2021

Ein historischer Roman der begeistert

Nachdem die Spanier Antwerpen nach langer Belagerung 1585 eingenommen haben bricht eine Fluchtwelle aus.
Auch der Zimmermann und Festungsbauer Wim Ardzoon flüchtet mit seinen 3 Kindern Vincent, Ruben und ... …mehr

Nachdem die Spanier Antwerpen nach langer Belagerung 1585 eingenommen haben bricht eine Fluchtwelle aus.
Auch der Zimmermann und Festungsbauer Wim Ardzoon flüchtet mit seinen 3 Kindern Vincent, Ruben und Betje nach Amsterdam.
Schon kurz darauf wird Wim ermordet und die 3 Kinder müssen in das Waisenhaus.
Vincent der seinem Vater immer über die Schulter geschaut hat verdingt sich bei Messere Giambelli als Lehrjunge. Er möchte sich seinen Traum erfüllen und eines Tages Architekt sein.
Mit dem Historische Roman „Krone der Welt“ ist Sabine Weiß ein wahres Meisterwerk gelungen.
Das Buch besticht durch seine vielen Facetten und durch seine gut konzipierten Charaktere die zum Teil historisch überliefert sind.
Die Geschichte erzählt den Wertegang der 3 Geschwister Vincent, Ruben und Betje.
Es sind noch Kinder als sie ihren Vater verlieren, die Mutter ist schon gestorben.
Vincent beginnt eine Lehre und träumt davon eines Tages Baumeister und Architekt zu werden.
Es macht Freude seine Entwicklung und sein Schaffen mitzuerleben. Zu erleben wie er alles dransetzt um seinen Ideen zu verwirklichen.
Oft vergisst man beim Lesen wie jung Vincent eigentlich ist.
Ruben der immer schon der kleine Rebell war hält es nicht lange im Waisenhaus.
Auch wenn Ruben schon als Kind keinem Ärger aus dem Weg gegangen ist, ist er ein toller und interessanter Charakter.
Seine Reisen auf hoher See sind abenteuerlich und spannend beschrieben.
Heute ahnt man gar nicht mehr welche Gefahren solche Seefahrten damals mit sich brachten.
Die kleine und zarte Betje macht in der Geschichte auch eine enorme Entwicklung durch. Aus ihr wird eine liebevolle und immer hilfsbereite junge Frau.
Sie hat sich dem Leben im Waisenhaus gefügt, was hätte sie auch anderes machen sollen.
Irgendwie habe ich sie besonders ins Herz geschlossen.
Der Leser erfährt auch eine Menge über die damalige Geschichte.
Mir war nicht bewusst, dass zu dieser Zeit ein solcher Glaubenskrieg zwischen Spanien und den Niederlanden geherrscht hat, der zum Teil auch Frankreich und England mit einbezog.
So versuchten die Spanier immer wieder Teile der Niederlande zu erobern, auch von den unterdrückten Katholiken im Land unterstützt.
Auch der Bau der Höllenbrander die, die spanischen Schiffe aufhalten und vernichten sollten war interessant.
Genau wie das Wachsen von Amsterdam das aus allen Nähten platzte, das Bauen künstlicher Inseln und der Bau des Grachtengürtels.
Die Autorin muss Unmenge von Recherchearbeit geleistet haben. Sie beschreibt nicht nur das Leben im 17. Jahrhundert, den Glaubenskrieg der geherrscht hat, sondern bringt dem Leser auch die Erkundung von Handelswegen auf hoher See mit allen Gefahren näher, genauso wie die verschiedenen Baustile mit dem Amsterdam immer mehr gewachsen ist.
„Krone der Welt“ ist ein historischer Roman der mich begeistert hat.
Eine ganz klare Leseempfehlung für alle die sich für Geschichte interessieren, gerne historische Romane lesen oder einfach nur einen interessanten und gleichzeitig spannenden Roman lesen möchten.

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nirak03 nirak03

Veröffentlicht am 12.01.2021

Geschichte einer Stadt

Vincent, Ruben und Betje Aardzoon wachsen sicher im Antwerpen des 16. Jahrhunderts auf, doch dann dringt der Krieg auch zu ihnen. Sie werden zur Flucht gezwungen. Ihr Vater sieht ihre Zukunft nun in Amsterdam, ... …mehr

Vincent, Ruben und Betje Aardzoon wachsen sicher im Antwerpen des 16. Jahrhunderts auf, doch dann dringt der Krieg auch zu ihnen. Sie werden zur Flucht gezwungen. Ihr Vater sieht ihre Zukunft nun in Amsterdam, dort will er weiter als Architekt arbeiten und leben, auch Vincent will diesen Beruf um jeden Preis erlernen. Ruben ist abenteuerlustig und die Sehnsucht nach der Ferne groß. Betje, als Mädchen hat nicht viele Chancen im Leben zu erwarten und fügt sich ihrem Schicksal. Gemeinsam macht sich die Familie auf den Weg und nimmt die Herausforderungen ihres Lebens an. Die Jahre des ausgehenden 16. Jahrhunderts sind rund um Amsterdam geprägt vom Krieg um die Freiheit Hollands aus der Oberherrschaft Spaniens. Der Kampf um das eigene Überleben überlagert alles.

Der vorliegende Roman „Krone der Welt“ erzählt die Geschichte einer Familie im 16. Jahrhundert in Amsterdam und Europa. Allerdings sind die Protagonisten eher nur der Rahmen, denn eigentlich wird die Geschichte Amsterdams erzählt, wie aus einer kleinen Stadt eine große Metropole wird.

Die Auseinandersetzungen dieser Zeit zwischen dem damals noch spanischen Holland und Spanien wird anschaulich geschildert. Die Frage nach dem rechten Glauben überschattet alles. Ich habe noch nicht viel aus dieser Epoche gelesen, jedenfalls nicht mit dem Hintergrund Holland und habe so eine ganze Menge neuer Details aus dieser Zeit erfahren.
Mir hat gut gefallen, wie Sabine Weiß die historischen Ereignisse in ihre fiktive Geschichte rund um die Familie Aardzoon gepackt hat. Die Autorin hat es geschickt verstanden, die Verbindungen der einzelnen Regierungen und vor allem die Einmischung Englands mit ihrer fiktiven Handlung in Einklang zu bringen. Sie hat damit ein imposantes Bild dieser Epoche erschaffen.

Die Charaktere der einzelnen Handlungsstränge sind bunt gemischt. Sabine Weiß hat sich die Zeit genommen, diese Lebenswege ausführlich zu schildern. Die Geschwister haben so einiges zu erleben und durchzustehen. Dadurch, dass sie immer wieder die Handlungsstränge wechselt, steigt natürlich auch die Spannung. Mit Vincents Hilfe erzählt Sabine Weiß aber auch davon, wie Amsterdam gewachsen ist. Die Strukturen der einzelnen Handwerksgewerke erläutert sie und macht verständlich, wie schwer es war, in einer neuen Stadt überhaupt Fuß zu fassen. Intrigen, Mord und Verrat scheinen an der Tagesordnung gewesen zu sein.

Natürlich gibt es auch hier die eine oder andere Liebelei, aber diese steht hier nicht im Vordergrund, sondern umrahmt nur die gesamte Geschichte. Mir hat gut gefallen, dass hier vor allem die historische Entwicklung der Stadt vordergründig ist. Die einzelnen Verbindungen zu den Herrscherhäusern und ihr Zusammenhang wird gut beschrieben. Auch der Einfluss der Armee hat seinen kleinen eigenen Handlungsstrang und erzählt davon, wie brutal teilweise agiert wurde. In diesem Handlungsstrang hat sozusagen das böse Gegengewicht seine Auftritte.

Der Erzählstil von Sabine Weiß ist zudem flüssig zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin. Deutlich spürbar ist, wie intensiv die Autorin im Vorfeld recherchiert haben muss, um so ein genaues Bild dieser Epoche wiedergeben zu können. Zudem hat sie ihre Protagonisten facettenreich gestaltet und sie ihre Höhen und Tiefen erleben lassen. Die Guten genauso wie die Bösen. Nicht nur die fiktiven Charaktere fügen sich wunderbar in die Geschichte, auch die historisch belegten, wirken lebendig und echt.

Ein Personenregister zu Beginn sorgt für den nötigen Überblick über die Protagonisten. Schon wenn man dieses Register am Anfang liest, stellt man fest, hier geht es um Historisches. Viele historisch belegte Charaktere haben ihren Weg in dieses Buch gefunden. Ein Glossar am Ende klärt auch noch die zahlreichen fremden Begriffe, was hier durchaus nötig ist, da einige Begriffe eben auch aus dem holländischen oder spanischen kommen. Ein kurzes Nachwort klärt zum Schluss noch Fiktion und Wahrheit.

Fazit:

„Krone der Welt“ ist ein umfangreicher historischer Roman, der eine einzigartige Geschichte aus dem 16. Jahrhundert erzählt. Viele historische Details und eine umfangreiche Familiengeschichte haben aus diesem Roman etwas Besonderes gemacht. Ich habe schon ein paar Bücher von Sabine Weiß gelesen, aber dieses neue Buch von ihr ist wohl das Beste, was sie je geschrieben hat. Die historistischen Details, gekonnt verpackt in einer fiktiven Geschichte haben mich nicht nur gut unterhalten, sondern mir auch einen schönen Einblick in das Leben Amsterdam und des spanischen Hollands dieser Epoche gewährt.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

ulysses ulysses

Veröffentlicht am 10.01.2021

Atmosphärischer, detailreicher, gut recherchierter historischer Roman über den Aufstieg Amsterdams zur Krone der Welt

Im August des Jahres 1585 leiden Vincent Aardzoon, sein Vater - der Zimmermann Wim - sowie seine jüngeren Geschwister Ruben und Betje unter der Belagerung von Antwerpen durch die Spanier. Die Bevölkerung ... …mehr

Im August des Jahres 1585 leiden Vincent Aardzoon, sein Vater - der Zimmermann Wim - sowie seine jüngeren Geschwister Ruben und Betje unter der Belagerung von Antwerpen durch die Spanier. Die Bevölkerung Antwerpens quält schlimmen Hunger, Vincents Mutter ist bereits verstorben, seine kleine Schwester Betje krank. Der italienische Ingenieur und Sprengstoffexperte Federigo Giambelli versucht gemeinsam mit Vincents Vater Wim die Seebrücke der Spanier mittels eines Brandschiffes zu durchbrechen, da sie auf Hilfe von Königin Elisabeth von England hoffen. Als Aldegonde - der Bürgermeister von Antwerpen - mit Generalísmo Alessandro Farnese - dem Prinzen von Parma, der im Auftrag des spanischen Königs Philipp Antwerpen belagert hat, ein Abkommen schließt, fliehen Federigo Giambelli und Familie Aardzoon nach Vlissingen zu Giambellis Frau und von dort zieht Familie Aardzoon weiter bis nach Amsterdam.

In vier Teilen, die die Zeiträume 1585 - 1588, 1588 - 1591, 1594 - 1604 und 1609 - 1617 behandeln, ergänzt um einen Prolog und Epilog, die im Amsterdam des Jahres 1617 angesiedelt sind, erzählt Sabine Weiß vom Aufstieg Amsterdams zur "Krone der Welt". Mit jedem neuen Teil ist ein Zeitsprung von mehreren Jahren verbunden, wobei Sabine Weiß zu Beginn jedes Teils in gelungener Weise knapp die Geschehnisse der Zwischenzeit erläutert, so dass ich mich gut in jeden neuen Teil hineingefunden habe.

An der "Krone der Welt" haben mir besonders gut die detaillierten, gut recherchierten Beschreibungen von Sabine Weiß gefallen, die etwa im Prolog das Amsterdam des Jahres 1617 lebendig werden lassen, wenn man dem Architekten Vincent Aardzoon während des Ausbaus dieser Stadt zur Weltmetropole von den Grachten, entlang der Kanalstraße, bis hin zu den Schützenhäusern folgt. Auch der Bau von Brandschiffen und Festungsanlagen, von Packhäusern und Stadtvillen oder wenn Wim seinem Sohn Vincent erklärt, warum ein Haus mit geneigter Fassade erbaut wurde, scheinen mir sehr gut recherchiert zu sein, so weit ich dies beurteilen kann.
Zudem schildert Sabine Weiß im ersten Kapitel, das in Antwerpen im Jahre 1585 angesiedelt ist, eindringlich in düsteren, beklemmenden Beschreibungen, wie Vincents ganze Familie unter dem Elend der Hungersnot leidet, die die ganze Stadt während der Belagerung fest im Griff hat. Es geht einem nahe, wenn die kleine ausgemergelte Betje vor lauter Hunger eine Waffel aus Matsch isst, und wenn Vincents Familie droht obdachlos zu werden.

Darüber hinaus hat mich an der Erzählweise von Sabine Weiß die Einbindung historischer Persönlichkeiten - wie etwa des italienischen Ingenieurs und Sprengstoffexperten Federigo Giambelli - sehr angesprochen. In diesem Zusammenhang habe ich das dem Roman voran gestellte übersichtliche Personenverzeichnis als praktisch empfunden, in dem sich insbesondere vermerkt findet, welche Figuren tatsächlich historische Persönlichkeiten sind.

Meiner Ansicht nach stellt die "Krone der Welt" auch ohne entsprechendes historisches Vorwissen ein großes Lesevergnügen dar, da man diesem Roman auch ohne solche Kenntnisse gut folgen kann. So wird beispielsweise die spanische Furie, die zeitlich vor den Geschehnissen dieses Romans angesiedelt ist, dem jungen Ruben von seinem älteren Bruder Vincent erklärt, da Vincent schon ein paar Jahre länger zur Schule geht. Dabei ist auch das Glossar am Ende des Romans hilfreich, das Begriffe von "Antwerpener Feuer" bis "Willkomm" verständlich und kompakt erklärt.

An den Charakteren haben mir neben den historischen Persönlichkeiten besonders Vincents Blick für die Schönheit gefallen. Im Prolog wird geschildert, wie Vincent als Architekt im Ausbau von Amsterdam im Jahre 1617 unter dem Falschen, dem Hässlichen der Baustellen anderer Baumeister leidet, jedoch die Schönheit in den säuberlich gestapelten Holzstämmen seiner eigenen Baustelle sieht. Aber schon als Elfjähriger hat Vincent diesen Blick, wenn er mit seinem Vater Wim über Perspektive und geometrischen Formen seiner Skizze der Festungsruine - der ehemaligen Zitadelle von Antwerpen - sowie der Stadtmauer diskutiert und sogar die Antwerpen belagernde Schiffbrücke mit ihren Fackeln des nachts von oben betrachtet mit einem mit Juwelen bestückten Geschmeide vergleicht.

Auch der Abwechslungsreichtum, den der Schreibstil von Sabine Weiß in zahlreichen Perspektivwechseln und mit verschiedenen Ortswechseln bietet, spricht mich sehr an. So wird die Belagerung von Antwerpen im Jahre 1585 nicht nur aus Sicht der Antwerpener um Familie Aardzoon, sondern auch aus Sicht der Spanier im Umfeld des Prinzen von Parma geschildert. Und neben Antwerpen, Vlissingen und Amsterdam, spielt die "Krone der Welt" auch in London u.a. im Nonsuch Palace am englischen Hof von Königin Elisabeth sowie nahe Madrid in Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial im Umfeld König Philipps und an so vielen weiteren Orten.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für die "Krone der Welt" von Sabine Weiß, die mich mit ihren atmosphärischen, detailverliebten, genau recherchierten Beschreibungen begeistert hat.

Dass der Antagonist Lazarus van de Hedecop nicht nur ein verlogener, manipulativer, auf seinen eigenen Vorteil bedachter Mörder ist, sondern zudem von Brandnarben entstellt wird und sich an unschuldigen Kindern vergeht, hat ihn auf mich leider zu überzeichnet und einseitig wirken lassen. Auf mich persönlich hätte Lazarus mit ein paar negativen Charaktereigenschaften weniger überzeugender gewirkt.

Auch der Prolog, der im Amsterdam des Jahres 1617 spielt, hat für mich leider nicht den großen Mehrwert dargestellt. Am Ende des Prologs hatte ich mich gefragt, ob es dem Widersacher Antonie gelingen würde, den Architekten Vincent in den bankrott zu treiben, wenn er seine Baustelle plündern und verwüsten lassen würde. Auch hatte ich gehofft, dass dabei Gerrit - dem alten liebenswürdigen Wächter der Baustelle - nichts zustoßen würde. Die Auflösung dazu ist wohl eher mau und kaum relevant.
Das eigentliche Finale der "Krone der Welt" hat mir hingegen sehr gut gefallen und war für mich ein würdiger Abschluss eines großartigen historischen Romans. Vermutlich hätte mir die "Krone der Welt" ohne den vorangestellten Prolog besser gefallen. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, die das Lesevergnügen, das dieser tolle historische Roman von Sabine Weiß bietet, nicht schmälern.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Sabine Weiß

Sabine Weiß - Autor
© André Poling

Sabine Weiß, Jahrgang 1968, arbeitet nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium als Journalistin. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Historischen Roman, der zu einem großen Erfolg wurde und dem viele weitere folgten. Im Sommer 2017 erscheint ihr erster Kriminalroman, „Schwarze Brandung“. Unabhängig davon, ob sie gerade einen Krimi oder einen Historischen Roman schreibt: Sabine Weiß liebt es, im Camper auf den Spuren ihrer Figuren zu reisen und direkt an den Schauplätzen zu …

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Sprecher

Detlef Bierstedt

Detlef Bierstedt - Sprecher
© Andreas Biesenbach

Detlef Bierstedt, 1952 geboren, ist einer der gefragtesten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht u.a. George Clooney, Jonathan Frakes (Star Trek) und Bill Pullman (Independence Day) seine Stimme. Insgesamt wirkte er in mehr als 1000 Film- und Fernsehproduktionen mit. Für Lübbe Audio saß er schon für eine Vielzahl von Hörbüchern am Mikrofon.

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