Die Hungrigen und die Satten
 - Timur Vermes - Hörbuch

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15,99

inkl. MwSt.

Lübbe Audio
Hörbuch (Download)
Sonstige Belletristik
555 Minuten
ISBN: 978-3-8387-8970-5
Ersterscheinung: 27.08.2018

Die Hungrigen und die Satten

Gelesen von Christoph Maria Herbst

(23)

»Wenn Timur Vermes‘ Erstlingswerk ER IST WIEDER DA böse, realistisch und komisch ist, so ist sein zweiter Geniestreich böser, realistischer und komischer.« - CHRISTOPH MARIA HERBST

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod.

Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert. Und desto dringlicher stellen sich ihm und den Deutschen zwei Fragen: Was kann man tun? Und in was für einem Land wollen wir eigentlich leben?

Timur Vermes‘ neuer Roman ist eine Gesellschaftssatire, aktuell, radikal, beklemmend und komisch zugleich. DIE HUNGRIGEN UND DIE SATTEN fängt dort an, wo der Spaß aufhört.

Rezensionen aus der Lesejury (23)

Weinlachgummi Weinlachgummi

Veröffentlicht am 03.08.2020

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Ich weiß gar nicht so recht was ich zu diesem Buch sagen soll. Er ist wieder da von Timur Vermes habe ich schon gehört und so habe ich mich auch hier wieder für das Medium Hörbuch entschieden. Ich muss ... …mehr

Ich weiß gar nicht so recht was ich zu diesem Buch sagen soll. Er ist wieder da von Timur Vermes habe ich schon gehört und so habe ich mich auch hier wieder für das Medium Hörbuch entschieden. Ich muss dazu sagen, es war die gekürzte Version und der Sprecher, der zu meinen Lieblichen gehört hat ganz tolle Arbeit geleistet. Ich würde deswegen hier auch eher das Hörbuch empfehlen, da ich glaube manches kommt durch das Hören besser raus.

Nun zur Geschichte, ich wusste, dass es um Flüchtlinge bzw. die Politik dazu gehen wird. Aber mit so einer Geschichte habe ich dann doch nicht gerechnet. Am Anfang schmunzelt man noch, da es durchaus humorvolle Szenen gibt, besonders in Bezug auf die Moderatorin. Aber das änderte sich bei mir bald. Nach ein paar Stunden hing ich nur so an der Stimme und war gespannt was als nächstes passiert.

Und dann kam das Ende, keine Angst ich werde nichts verraten. Nur so viel, es hängt mir immer noch nach Ich glaube gerade durch den Ausgang, wirkt die ganze Geschichte nochmal anders und geht auch tiefer, auch wenn es weh tut.

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nicigirl85 nicigirl85

Veröffentlicht am 25.05.2019

So real, dass es weh tut...

Der Autor dürfte jedem ein Begriff sein aufgrund des Buches "Er ist wieder da", das ich damals verschlungen habe. So kam ich nicht umhin auch sein neustes Werk zu lesen, welches komplett anders als sein ... …mehr

Der Autor dürfte jedem ein Begriff sein aufgrund des Buches "Er ist wieder da", das ich damals verschlungen habe. So kam ich nicht umhin auch sein neustes Werk zu lesen, welches komplett anders als sein Erstling, aber in meinen Augen noch besser ist.

In der Geschichte geht es um die Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch, die für eine Reality- Show ein Flüchtlingscamp besucht. Ihr geht das Elend der Menschen dort zu Herzen. Kann man diese armen Menschen nicht nach Deutschland holen? Die Idee ist geboren, doch lässt sie sich tatsächlich umsetzen?

Habe ich zu Beginn der Handlung noch lauthalt lachen können, selbst Freudentränen sind mir dabei gelaufen, so wird der Roman im Verlauf immer ernster und gleicht zum Schluss einem Thriller, der niemals gut enden kann.

Nadeche Hackenbusch darf man sich als eine Art Daniela Katzenberger vorstellen, die nicht nur Leute unterhalten will, sondern auch gut Kasse machen möchte. Ihre Starallüren und ihre ganze Art haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Gerade ihre Wortverwechslungen waren einfach nur herrlich zu lesen. Bedrückend war jedoch wie sehr sie sich von ihrem Arbeitgeber, dem TV- Sender missbrauchen lässt.

Ebenfalls sehr im Gedächtnis geblieben sind mir die Artikel und die Handlung rund um Astrid von Roell. Mit ihr habe ich ehrlich gesagt am meisten gelitten, denn sie rackert sich wirklich ab für ihren Job. Die Darstellung der Frauenzeitschriftsthemen sind Herrn Vermes hervorragend gelungen, denn leider sind diese oft inhaltslos und fernab der Realität.

Die Ausführungen zu Politikern und ihrem Verhalten fühlten sich beim Lesen die ganze Zeit echt an. Hier hatte ich nie Zweifel, dass es genauso ablaufen könnte.

Die Blicke hinter die Kulissen eines TV- Senders haben bei mir Gänsehautmomente hervorgerufen. Wie berechnend manche Menschen doch für die Quote sein können. Wenn es ums Geld geht, dann ist die Ethik bald vergessen.

Das Erstaunlichste an dem Buch ist jedoch, dass man sich die ganze Zeit fragt, warum noch niemand im realen Leben auf diese Idee gekommen ist und man hofft innerlich, dass es nie dazu kommen wird.

Der Showdown am Ende hat mich sprachlos zurückgelassen, denn nie im Leben hatte ich gedacht, dass das anfangs so lustige Buch so enden würde.

Fazit: Dieser Roman hat alles, was ein perfektes Buch braucht. Ich bin noch völlig baff und kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Das darf man sich nicht entgehen lassen. Klasse!

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Sadie Sadie

Veröffentlicht am 14.05.2019

Eine schier unglaubliche Geschichte

Eine schier unglaubliche Geschichte, die mich - ich kann es nicht besser beschreiben - ziemlich mitgenommen hat. Im Sinne von: gepackt, abgeholt, beeindruckt. Ganz kurz umschrieben geht es vordergründig ... …mehr

Eine schier unglaubliche Geschichte, die mich - ich kann es nicht besser beschreiben - ziemlich mitgenommen hat. Im Sinne von: gepackt, abgeholt, beeindruckt. Ganz kurz umschrieben geht es vordergründig um die nahe, leider nur allzu vorstellbare Zukunft, in der Europa seine Grenzen abgeschottet hat und Millionen Menschen in Riesenflüchtlingslagern in Afrika vor sich hin vegetieren. Ohne Perspektive oder Hoffnung auf irgendwas nutzen 150.000 von ihnen die Anwesenheit eines deutschen Fernsehstars, um medienwirksam in Richtung Europa zu marschieren.

Ich hatte von Beginn an 1.000 Fragen, die sich, neben dem ganz allgemeinen wieso, weshalb, warum, so ziemlich alle mit der Logistik dieses Unterfangens beschäftigten. Und fast alle Fragen wurden im Laufe dieses Buches mehr oder weniger ausführlich beantwortet oder zumindest soweit erklärt, dass ich zufrieden war. Allein das hat mich schon sehr beeindruckt.

Das Buch wird oft als Satire beschrieben, doch das trifft es für mich nicht ganz. Auch würde ich es nicht in erster Linie als "Humor" einsortieren. Natürlich sind fast alle Charaktere sehr überspitzt gezeichnet, an der Grenze zum Albernen, und ich kann durchaus nachvollziehen, dass das vielen Lesenden auf die Nerven gegangen ist - hatte ich in anderen Büchern auch schon so. Hier nicht, aus zwei Gründen: Zum einen finde ich, als medieninteressierter Mensch, die grotesken Zeichnungen der Medienschaffenden herrlich absurd. (Allein die Gedankengänge einer Astrid von Roëll sind so verbogen, abgedreht und treffsicher neben allem, was guten Geschmack oder gesunden Menschenverstand ausmacht, dass es fast zu schön ist, um wahr zu sein - und dann surft man ein wenig auf www.topfvollgold.de und denkt sich "ach ne, geht noch schlimmer". Die Passagen der von Roëll gehören übrigens für mich auch für die am besten gelesenen Kapitel von Christoph Maria Herbst, wie er das vorträgt, ist allergrößtes Kino.)

Der zweite Grund, warum ich auch nach 300+ Seiten das gruselige Englisch und die grenzenlose Naivität von Nadeche Hackenbusch ertragen konnte: Sie ist dadurch auch ein bisschen mein "Engel im Elend" geworden, mein kleiner Lichtblick, der zum leicht genervten Augenrollen, aber eben auch leicht verschmitzen Grinsen inmitten all dieses Trübsals animiert. Denn das große Ganze, das eigentliche Thema dieses Buches, ist alles andere als lustig. Deshalb konnte ich auch nicht wirklich laut lachen, an keiner Stelle - was allerdings nicht als negative Kritik zu verstehen ist! Ein paar amüsante Running Gags haben mir durchaus Freude bereitet (die Ergüsse der von Roëll, oder die "eigentlich zuverlässige Anke"...), aber "Lol"? Dafür war es mir zu ernst, zu "real", zu bedrohlich, zu "wie soll das ausgehen"? Dafür brauchte ich Nerv-Nadeche und Co., zur Auflockerung von meinen düsteren Gedanken, die diese Thematik, diese Idee, diese Beschreibung in mir ausgelöst hat. So gesehen empfand ich das absurd-alberne hier sehr willkommen.

Oben habe ich geschrieben, dass es vordergründig um den Zug geht. Der Zug als Symbol für Menschen, die so wenig Perspektiven haben, dass sie sich auf dieses schier unmögliche Unterfangen einlassen. Und wie gehen wir, die reichen Nationen damit um, außer, es als TV-Highlight des Jahres zu begaffen und gaaanz viele Werbeeinnahmen zu generieren? Ja, hier wird ein ganz großer Spiegel aufgefahren. Hier wird die Flüchtlingspolitik zynisch-böse kommentiert. Der kluge Innenminister Leubl bringt es auf den Punkt, wenn er (in etwa) sagt: Die Flüchtlinge kommen, und sie werden das Land verändern, so oder so. Entweder, weil sie dann irgendwann da sind, oder, weil die durch den Treck noch mehr erstarkten Rechten sie irgendwie daran hindern. Der Zug wird Deutschland also auf jeden Fall zu einem anderen Land machen, die Frage ist nur, zu welchem... Das hat gesessen. Wie auch einige der großen Plotpoints [achtung inhaltlicher SPOILER: (view spoiler)] und natürlich das Ende.

Ein sehr beeindruckendes, kluges, goteskes, aber auch böses und zynisches Buch, das mich sehr nachdenklich gemacht hat, nicht zuletzt, weil es so real scheint. In Er ist wieder da hat Timur Vermes 2012 durchgesponnen, wie "leicht" ein wiederauferstandener Hitler in der heutigen Zeit erneut aufsteigen könnte. 2012 schien das noch sehr überspitzt und grotesk, wie schnell er Medien und Menschen für sich gewinnen konnte. 2018 schaue ich mir rechte Politiker und Parteien und die mediale Aufmerksamkeit, die sie erhalten, an, und es schüttelt mich. Und jetzt dieses Buch, auch wieder so nah dran, so "was wäre wenn...". Schauen wir mal, was die nächsten fünf Jahre passiert und treffen uns dann hier wieder. Mir ist jetzt schon ein bisschen mulmig.

Um mit positiven Vibes zu enden: Christoph Maria Herbst, yeah! Super gelesen, und da war einiges gefordert: Sehr viele Sprechrollen, Stimmungen, Dialekte. Und er hat sie alle gut geliefert, das war eine Freude, da zuzuhören.

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Tipperin Tipperin

Veröffentlicht am 21.11.2018

Scheisse, das könnte passieren!

Deutschland, in eventuell ein paar Jahren: Deutschland hat die Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt und Europa hat sich komplett abgeschottet, um keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu müssen. Nur noch sehr ... …mehr

Deutschland, in eventuell ein paar Jahren: Deutschland hat die Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt und Europa hat sich komplett abgeschottet, um keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu müssen. Nur noch sehr wenige können sich die wahnsinnig hohen Kosten für die Schlepper leisten, und so gibt es viele große, elende Flüchtlingslager und unzählige Menschen ohne Perspektive.  Einer dieser Flüchtlinge, er nennt sich Lionel, hat in einem der größten Lager eigentlich nichts außer Zeit, und so kommt ihm eine Idee. Was wäre, wenn man einfach zu Fuß nach Europa, genauer gesagt Deutschland, läuft?

Als dann ein Trash – TV – Fernsehteam mit einer vollkommen schrillen und überzeichneten Moderatorin, Nadeche Hackenbusch, in ebendieses Camp kommt, um dem deutschen Fernsehzuschauer das Elend vorzuführen, kommt Lionel durch ein Casting als ihr Begleiter ins Fernsehen und wird mit ihr Zusammen zum Publikumsliebling. Als die beiden dann, auch über sehr amüsant dargestellte Verständigungsprobleme hinweg, ein Paar werden, ist seine Chance gekommen. Er schlägt ihr seine Idee vor, und sie ist begeistert. So macht sich bald eine riesige Flüchtlingskaravane auf den Weg nach Deutschland, und schnell wird die gut geplante Reise zu einer Gelddruckmaschine für einige. Bald fragen sich auch die Politiker und Menschen in Deutschland, ob das nicht wirklich klappen kann. Und ob das so gut wäre. Und ob man etwas dagegen tun muss. Und während sich viele Leute viele Fragen stellen, kommt die Karavane immer näher. Ein dramatisches Ende kündigt sich an.

Stil, Machart, Meinung

Wer vielleicht schon „Er ist wieder da“ gelesen oder gesehen hat, der weiß: Bei Timur Vermes gibt es knallharte Satire, gleichzeitig böse, komisch, überspitzt, radikal und auch irgendwie aktuell. So ist es auch hier, denn dem Leser wird schnell klar: So komisch die Geschichte beginnt und so überspitzt die handelnden Personen auch sind – das alles ist von der Realität nicht so weit entfernt, wie man es gern hätte. Es könnte irgendwie tatsächlich passieren.

Durch viele Perspektiven erzählt der Autor seine Geschichte. Da wäre der Flüchtling Lionel, das extravagante TV – Sternchen Nadeche, die von sich sehr überzeugte Klatschreporterin Astrid, der clevere Innenminister, der schwule Staatssekretär und die Frau vom Innenminister. Zwischen den Perspektiven gibt es immer mal die Artikel in der Klatschpresse, die total überzogen das Geschehene auf typischem Niveau berichten.

Alle diese Perspektiven haben so ihre Eigenheiten, alle sind komisch aber auch mit diesem bekannten wahren Kern, der einem schnell bewusst wird. Als Leser wird man wohl fast keinen dieser Charaktere so richtig mögen. Die Sympathie gehörte in meinem Fall eher der Organisation dieser riesigen Sache und den realen Hintergründen, die man hinter der Satire ausmachen konnte.

Damit man so richtig den Überblick behält und die Satire erkennt, sollte man  in den Bereichen Politik und Allgemeinbildung einigermaßen fit sein. Ich denke, ohne dieses Hintergrundwissen sowie Interesse in diesen Bereichen wird man keinen Spaß an der Lektüre haben. Es dürfte auch etwas mehr Spaß machen, wenn man etwas Englisch kann (die Moderatorin spricht ein furchtbares Englisch, was ganz witzig ist). Es ist also gehobene Satire, die wohl nicht für jeden etwas sein wird. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei, wie man sich wohl schon denken kann, auf der Flüchtlingspolitik. Je näher man als Leser dem Ende kommt, desto mehr Gedanken macht man sich über die ganze Sache.

Ich will das Ende nicht spoilern, aber ich sage Folgendes: Es ist krass! Man weiß schon von Anfang an, dass am Ende eine Konfrontation steht. Die Spannung steigt. Ich habe jedoch niemals erwartet, was der Autor dann einfach getan hat. Und der Schock saß verhältnismäßig tief. Ich habe das Buch jetzt schon seit ein paar Wochen beendet, brauchte aber etwas Zeit, um den Inhalt vor einer Rezension erst einmal sacken zu lassen. Es ist nicht nur Unterhaltung und Satire, es macht etwas mit dem Leser und es ist irgendwie erschreckend nah an der Realität. In den letzten Tagen musste ich oft an dieses Buch denken, als ich von der Karavane der Mexikaner in Richtung der USA las.


Fazit

Ich musste lange überlegen, wie ich dieses Buch überhaupt finde. Heute gibt es nach dieser reiflichen Überlegung 5 Sterne von mir. Das Buch wird nicht für jeden so gut sein, viele werden sich vielleicht angegriffen fühlen oder mit dem Humor nicht zurechtkommen. Ich jedoch weiß, dass mir dieses Buch sehr lange in lebhafter Erinnerung bleiben wird. Beim Lesen habe ich einige Emotionen durchlebt, es war lustig, radikal, erschreckend und am Ende verflucht real. Die überspitzte Darstellung der verschiedenen Charaktere und das dramatische Ende, an dem dann der Humor auch versiegt, zeigt einem auch im Nachhinein noch vieles auf. Es ist ganz anderes und kann wohl auch mehreren Genres zugeordnet werden. Ungewöhnliche, gute Unterhaltung und (das habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben!) sogar der Mut, eine Lösung der Flüchtlingsproblematik vorzustellen!

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Galladan Galladan

Veröffentlicht am 14.11.2018

Was passiert, wenn nichts passiert?

Die Hungrigen und die Satten von Timur Vermes, erschienen im Bastei Entertainment Verlag am 27.08.2018.

Nach Einführung der Obergrenze für Asylsuchende endstehen unüberschaubare Lager in der Wüste, in ... …mehr

Die Hungrigen und die Satten von Timur Vermes, erschienen im Bastei Entertainment Verlag am 27.08.2018.

Nach Einführung der Obergrenze für Asylsuchende endstehen unüberschaubare Lager in der Wüste, in denen die Hoffnungslosen festsitzen. Die Preise für Schlepper sind so explodiert, dass man eigentlich keinen Weg mehr findet um ins Schlaraffenland Europa zu gelangen. Als das Trash-TV das Lagerleben als TV-Format entdeckt und Flüchtlingsfrauen als Modells entdeckt, wird aus ihrer Moderatorin Nadeche Hackenbusch schnell der „Engel des Elends“. In ihrer naiven Art versucht sie das Format für sich zu nutzen um ihren Platz in der Hackordnung des Senders zu sichern, unterstützt von einer selbstsüchtigen Journalistin, die sich selbst völlig überschätzt und glaubt für ihren Schmierenjournalismus Pulitzerpreis-verdächtig zu sein. Als sich Nadeche den sexy Vorzeigeflüchtling Lionel ins Bett holt sieht dieser seine Chance doch noch ins abgeschottete Deutschland zu kommen. Als der Sender die erste Staffel beendet und durch ein anderes Format ersetzen will sucht sich Lionel mit Hilfe von Schleppern einen Weg 150.000 Lagerinsassen auf den Weg Richtung Deutschland zu bringen und der Privatsender hält die Kamera drauf wie sich der Zug der Hoffnungslosen auf den weiten Fußmarsch Richtung Deutschland macht.

Timur Vermes ist ein kleiner Geniestreich gelungen. Er schreibt ernsthafte Satire ohne, dass es sich als Widerspruch anfühlt. Er lässt sich offensichtlich vom aktuellen TV Programm inspirieren und lässt eine naiv dumme, selbstverliebte Moderatorin deren Welt sich nur um sie selbst und ihre Luxuswünsche dreht, die extrem beliebt beim Publikum ist auf einen Höllentrip gehen. Eigentlich soll sie ja nur hübsche Flüchtlingsfrauen in Mode stecken um Programm zu machen ohne Programm machen und bezahlen zu müssen. Das der gewitzte Lionel ihr Assistent wird und alles dran setzt von ihr am Ende vom Dreh mit nach Deutschland genommen zu werden fällt ihr nicht mal auf. Die deutsche Regierung ist das was sie eigentlich in den letzten Jahren immer ist: überfordert und in abwartender Haltung.

Das Buch, in wechselden Perspektiven erzählt, blickt auf die Lage der Migranten, die Schlepper, das TV Gewerbe und was den Politikern dazu einfällt. So nebenbei werden die Reaktionen „der Deutschen“ eingeflochten die nicht alle grenzenlos begeistert sind vom wachsenden Flüchtlingsstrom der sich da aufgemacht hat.

Genervt bin ich etwas von den Passagen gewesen wo die Moderatorin ihrem Englisch freien Lauf geben durfte. Ja, hier wird vorausgesetzt, dass man wenigstens rudimentäres Englisch beherrscht. Das ist dann wirklich nicht „the yellow of the egg“.

Der Autor denkt die Flüchtlingskrise einfach mal weiter. Was passiert, wenn wir uns abschotten und entwurzelte Menschen über Jahren versuchen ein unerreichbares Ziel zu erreichen? Hier bekommt jeder sein Fett weg ohne dass die Würde angekratzt wird. Klare Leseempfehlung.

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Buchtrailer "Die Hungrigen und die Satten" von Timur Vermes

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Autor

Timur Vermes

Timur Vermes - Autor
© Cristopher Civitillo

Timur Vermes wurde 1967 in Nürnberg als Sohn einer Deutschen und eines Ungarn geboren. Er studierte in Erlangen Geschichte und Politik und arbeitete anschließend als Journalist und Ghostwriter. Er schrieb bis 2001 für die Abendzeitung und den Kölner Express und später für mehrere Magazine. Sein 2012 erschienener Roman Er ist wieder da ist eines der erfolgreichsten deutschen Debüts der letzten Jahrzehnte.

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Sprecher

Christoph Maria Herbst

Christoph Maria Herbst - Sprecher
© christianhartmann.com

Christoph Maria Herbsts Titelrolle als unerträglicher Abteilungsleiter einer Versicherung in der TV-Serie Stromberg bringt dem Schauspieler seinen größten Erfolg sowie Auszeichnungen, u.a. den Bayerischen Fernsehpreis, Adolf-Grimme-Preis, Deutschen Fernsehpreis und mehrere deutsche Comedy-Preise ein. Als Ausnahme-Hörbuchsprecher blickt er bereits auf zahlreiche Produktionen zurück, die allesamt Hörbuch-Bestseller wurden.

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