Laura Karasek - Autor
© Gaby Gerster

Autorin

Laura Karasek

Laura Karasek wurde 1982 in Hamburg geboren. Die Tochter Hellmuth Karaseks und seiner zweiten Ehefrau, der Journalistin Armgard Seegers, ist Moderatorin und Autorin. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete Laura Karasek in einer großen Kanzlei in Frankfurt am Main, wo sie zurzeit mit ihrem Mann und ihren Zwillingen lebt.
2012 erschien ihr erster Roman „Verspielte Jahre“. Ihr zweites Buch "Ja, die sind echt. Geschichten über Frauen und Männer" handelt von Selbstzweifeln, Größenwahn, Dates und Peinlichkeiten.

Interview

Laura Karasek spricht im Interview über ihr neues Buch "Ja, die sind echt" | 12.02.2019

Sie sind nicht nur als Anwältin und Moderatorin tätig, Sie schreiben auch Bücher und sind Mutter von Zwillingen. Wie bringen Sie die vielfältigen beruflichen und privaten Herausforderungen unter einen Hut?Es heißt immer, das sei alles eine Herausforderung. Es ist ja nicht nur das! Es ist auch e...

Sie sind nicht nur als Anwältin und Moderatorin tätig, Sie schreiben auch Bücher und sind Mutter von Zwillingen. Wie bringen Sie die vielfältigen beruflichen und privaten Herausforderungen unter einen Hut?
Es heißt immer, das sei alles eine Herausforderung. Es ist ja nicht nur das! Es ist auch ein großes Glück, Kinder zu haben und dabei noch arbeiten zu dürfen. Es ist ein Riesenglück, Schreiben zu dürfen. Etwas zu tun, was man liebt und ein bisschen davon leben zu können. Man muss aber lernen, mit Schuldgefühlen zu leben. Gegenüber allen. Weil man niemandem mehr gerecht wird. Aber man versucht es immerhin!
Sie haben auf Stern.de eine regelmäßige Kolumne. In Ihrem neuen Buch „Ja, die sind echt“ sind nun erstmals Ihre besten Kolumnen zusammengefasst. Seit wann sind Sie für stern.de als Kolumnistin tätig?
Ich schreibe die Kolumnen seit Januar 2017 und finde so eine wöchentliche Chance wirklich wunderbar. Man kann schnell was raushauen, emotional werden, politisch, gesellschaftskritisch, kurzweilig. Und die Leute lesen es, weil es Stern ist und Reichweite hat. Das hat mich total geflasht. Dass man etwas bewegen kann. Dass man Reaktionen bekommt. Dass man Menschen erreicht.
Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Kolumnentexte?
Ich nehme immer das, was mir begegnet. Was mich aufregt. Was meine Freundinnen erzählen, was ich in der Zeitung lese. Da geht es viel um Liebe, Frauen, Männer, Kinder, Karriere, Peinlichkeiten, Niederlagen, Abstürze. Gedanken, die sich jeder macht. Von Selfies über Kinderwunsch. Von Tinder bis zu Deadlines.
In Ihren Kolumnen schreiben Sie über die kleinen Dinge des Alltags ebenso wie über die großen Themen des Lebens. Haben Sie das, worüber Sie schreiben, auch selbst erlebt?
Natürlich habe ich alles hundertfach selbst erlebt! Vor allem all das, was schiefgeht. Flugangst, Rosinen in der Tastatur, die Urteile über Mütter, Selbstzweifel, Kitsch…
Welche Kolumne beschreibt Ihr Leben am besten?
„Warum der Mensch ein soziales Wesen – aber auch ein asoziales ist.“
Welches ist Ihre Lieblingskolumne?
„Die besten Tipps, wie Sie selbst gute Freunde vergraulen.“ Und „Ups, wie mein laszives Selfie bei einer russischen Diplomatin landete.“
Glauben Sie, dass Frauen es früher leichter hatten?
Einerseits war Manches klarer. Ich fürchte aber, Frauen hatten es immer auf unterschiedliche Weise schwer. Früher waren sie in ihrer Freiheit und Selbstbestimmung beschränkt. Heute unterliegen sie all diesen Zwängen der Selbstoptimierung, sie müssen in so vielen Bereichen „performen“. Das ist auch anstrengend.
Frau Karasek, was denken Sie über die #metoo-Debatte? Hat sich was bewegt?
Ich habe dazu eine Kolumne geschrieben „Sagt was!“, aber ebenso „Von gewissen Kerlen möchte man ja sogar bedrängt werden“ – ich bin eine Feministin. Auch wenn viele denken, Feministinnen müssten anders aussehen, sich anders geben. Ich trage keinen BH. Ich trage aber gern Lippenstift und mag lieber Prosecco als Whisky. Es gibt nur leider immer noch sehr viel Unterdrückung, dieses Kleinmachen, das Unterbrechen, die dummen Sprüche im Büro, wenn man als Frau mal laut wird „Ooh, sie hat wohl ihre Tage!“ Als Frau bist du schnell „untervögelt“ oder „übervögelt, aka Schlampe“. Wie du’s machst, machst du es falsch. Das gilt für Mütter leider genauso. Ich habe diese Bewertungen satt. Und ich finde das Argument, Männer wüssten gar nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen, auch so dämlich. Man hat doch eine gewisse Sozialkompetenz, kann das Gegenüber einschätzen. Ist ein Kompliment angebracht, passend, freut es das Gegenüber? Das ist doch gar nicht so kompliziert. Man muss nur auf sein Gegenüber eingehen. Und ganz ehrlich: Ich liebe Charme und Komplimente! Ich liebe es auch, eine Frau zu sein!
Sehen Sie Social Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter als Segen oder Fluch an?
Oh, ich nutze das alles leider zu viel. Natürlich machen diese Netzwerke etwas mit dir. Sie klauen dir nicht nur Zeit, sie können dir auch dein Selbstwertgefühl rauben. Ich finde aber, besonders Instagram hat sich gewandelt. Früher gab es da nur Beautys, die sich im Bikini am Infinity Pool von Mykonos geräkelt haben. Inzwischen hat Instagram mehr „content“, mehr Botschaften. Wenn man den richtigen Leuten folgt, ist es unterhaltsam, sogar richtig politisch, intellektuell, kurzweilig. Es gibt viel Ironie und ich werde sogar oft dort für meine Kolumnenthemen inspiriert.
In Ihrem Buch schreiben Sie über die Anforderungen an Frauen von heute. Wie gehen Sie damit um?
Man sollte vor allem über sich selbst lachen können. Sich nicht zu ernst nehmen. Männer übrigens auch!
Sie plädieren in Ihren Kolumnen häufig dafür, dass Frauen sich selbst so annehmen, wie sie sind, sich nicht verbiegen lassen, nicht perfekt sein sollen. Setzen Sie dieses Motto in Ihrem eigenen Leben auch um? Und falls ja, wie gelingt es Ihnen?
Und wie! Ich stolpere, kleckere, habe einen Hang zur Tollpatschigkeit und zum Chaos. Das macht mich manchmal wütend und dann schreie ich sehr laut meine Handtasche an oder mein Fahrrad, weil ich das Schloss nicht aufgeschlossen kriege. Aber man muss seine Schwächen irgendwie mit Liebe und Ironie sehen. Ich bin mein eigener chronischer Versicherungsfall.
Was und wen wollen Sie mit Ihrem Buch bewegen?
Alle Menschen! Alle! Aber natürlich vor allem Menschen meiner Generation, die sich auch über diese Themen Gedanken machen. Was ist mit Romantik, wie ist das mit dem Älterwerden, was ist mit der Karriere – bin ich vielleicht eine Mogelpackung? Ich schreibe über Selbstzweifel und Sehnsucht, aber auch über Stärke und Humor.
Wie können wir uns Ihre Arbeitsweise vorstellen, schreiben Sie einfach drauflos oder gehören Sie zu den akribischen Planern?
Sowas von drauflos. Manchmal kommen mir nachts Gedanken. Die tippe ich dann wie wild in mein Handy und schicke sie mir selbst als Nachricht. Am nächsten Morgen steht da oft was ganz Belangloses drin oder total pathetischer Kitsch. Aber manche Geistesblitze sind immerhin die Grundlage für einen Text.
Welche Bücher lesen Sie privat gerne?
Ich habe ein paar Lieblingsbücher. Kürzlich gefiel mir sehr „Die Gierigen“ von Karine Tuil. Ich mag auch sehr Antonia Baum „Stillleben“, Kathrin Weßling „Super, und dir?“, Jackie Thomae „Momente der Klarheit“, Melissa Broder „Fische“, Jill Alexander Essbaum „Hausfrau“ und Katrin Bauerfeind, Johanna Adorjan, Ronja von Rönne und Margarete Stokowski … Ich lese gern Bücher über die heutige Zeit, über menschliche Abgründe. Für Liebeskummer empfiehlt sich „Wider die Natur“ von Tomas Espedal oder Karl Ove Knausgård. Für große Sprache: Nino Haratischwili.
Haben Sie schon Pläne für ein weiteres Buch?
Natürlich, der nächste Roman kommt bald!
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft, stehen weitere berufliche Projekte an?
Ich moderiere ein paar TV-Formate, das genieße ich sehr. Schreiben ist einsam. Das ist auch wunderbar. Aber die Rampensau in mir muss auch mal raus und braucht Applaus. Ich bin ja auch bedürftig und gesellig. Ich brauche den Austausch, ich liebe das Adrenalin. Ich bin vor jedem Auftritt furchtbar aufgeregt, aber auch furchtbar glücklich. Ich moderiere einen Podcast, diese Formate finde ich großartig. Hoffentlich wird eines meiner Bücher mal verfilmt – das wäre ein Traum von mir!
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