Marianengraben
 - Jasmin Schreiber - Hörbuch

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18,00

inkl. MwSt.

Lübbe Audio
Hörbuch (MP3-CD)
Sonstige Belletristik
395 Minuten
1 CD
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-8078-7
Ersterscheinung: 28.02.2020

Marianengraben

Ungekürzt
Gelesen von Maximiliane Häcke

(22)

Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Rezensionen aus der Lesejury (22)

lesekatha65 lesekatha65

Veröffentlicht am 27.02.2020

Bezaubernder Tiefgang

Ansprechend an diesem Buch fand ich vor allem das interessante Cover. Es hat mich auf die Geschichte dahinter neugierig gemacht, so dass ich gar nicht anders konnte als dieses Buch zu lesen!
Die ganze ... …mehr

Ansprechend an diesem Buch fand ich vor allem das interessante Cover. Es hat mich auf die Geschichte dahinter neugierig gemacht, so dass ich gar nicht anders konnte als dieses Buch zu lesen!
Die ganze Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig und wunderschön, der Preis ist also gerechtfertigt und in Ordnung, obwohl das Buch gerade mal 254 Seiten umfasst und in einem Rutsch durchgelesen werden kann.

Die Protagonistin Paula ist gerade mitten in ihrem Studium, als ihr kleiner und über alles geliebter Bruder Tim ertrinkt. Sie macht sich schwere Vorwürfe und verfällt in eine tiefe Depression.
Eines Tages beschließt sie, dass sie das Grab von Tim besuchen muss. Das will sie aber nicht tagsüber tun, sondern nachts, wenn niemand sie sieht. Als sie nachts auf den Friedhof einbricht ist sie jedoch nicht allein, sie trifft auf Helmut, der die Asche einer verstorbenen Freundin ausgräbt und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Die beiden begeben sich auf eine abenteuerliche Reise.

Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen. Ich konnte mich gut in Paula reinfühlen und sie verstehen. Auch der schrullige Helmut war mir auf seine ganz eigene Art sehr sympathisch.
Die Geschichte hat eine unglaubliche Tiefe, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erwarten würde und sie lehrt uns eins "Man muss immer weiter machen". Eine ganz klare Leseempfehlung für den wunderbar bezaubernden Marianengraben!

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

dear_fearn dear_fearn

Veröffentlicht am 24.02.2020

Langsames Auftauchen

Paula beginnt gerade ihre Doktorarbeit, als ihr kleiner Bruder Tim im Meer ertrinkt. Er, der eigentlich ein kleiner Meeresforscher voller Neugier war, geht einfach unter und lässt seine große Schwester ... …mehr

Paula beginnt gerade ihre Doktorarbeit, als ihr kleiner Bruder Tim im Meer ertrinkt. Er, der eigentlich ein kleiner Meeresforscher voller Neugier war, geht einfach unter und lässt seine große Schwester mit Trauer und Schuldgefühlen zurück.

Die ersten Seiten haben mich gleich mit in Paulas Abgrund gerissen. Ich weiß wie das ist, im Marianengraben zu hocken, denn ich war dort selbst schon. Das ist echt beschissen, kann ich niemandem empfehlen. Aber wie sie ihre Geschichte ihrem toten Bruder Tim erzählt, ist einfach schön.

Therapiesitzungen helfen Paula nur bedingt. Sie will sich nicht öffnen, aber wenigstens animiert sie der Therapeut dazu, Tims Grab zu besuchen. Auch wenn es nachts ist, quasi ein Einbruch auf dem Friedhof. An diesem Abend hat noch jemand diese Idee und sie lernt den alten Helmut kennen, der gerade seine Frau Helga ausbuddelt. Paula und Helmut bleiben bis zum Ende des Buchs zusammen und erleben eine absurde Reise miteinander, sodass Paula Stück für Stück aus dem Marianengraben auftauchen kann.

Mir persönlich hat das Buch sehr viel Herzschmerz bereitet. Jasmin Schreiber hat damit Erfahrung, das merkt man, denn sie weiß genau, wie man die schlimmen Gefühle in Worte fasst. Das tut weh! Aber ihr flapsig-lockerer Schreibstil und die frechen Dialoge zwischen Paula und Helmut sind ein wohltuender Gegenpart. Beides zusammen hat mich während des Lesens ständig traurig vor mich hin schmunzeln lassen. Ein fabelhaftes Gefühl!

Paula hat auf den letzten Seiten nochmal eine Menge Verantwortung übergeholfen bekommen und auch wenn das Buch dann doch vorbei war, wünsche ich ihr als fiktivem Charakter trotzdem eine Menge Stärke. Das war toll! Ein verrückter Roadtrip, der sehr viel Herzwärme bereithält.

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Corsicana Corsicana

Veröffentlicht am 23.02.2020

Wunderschön traurig und wunderschön humorvoll

Paula ist in tiefer Trauer versunken. Sehr tief. So tief wie der Marianengraben (11.000 Meter - man achte auf die Kapitelüberschriften!). Ihr kleiner Bruder wollte immer in den Marianengraben ... …mehr

Paula ist in tiefer Trauer versunken. Sehr tief. So tief wie der Marianengraben (11.000 Meter - man achte auf die Kapitelüberschriften!). Ihr kleiner Bruder wollte immer in den Marianengraben - einen neuen Fisch finden. Aber jetzt ist der kleine Bruder tot - ertrunken. Und Paula findet nicht aus ihrer Trauer und Depression heraus. Aber als sie bei einem nächtlichen Besuch am Grab ihres Bruders Helmut kennen lernt - einen älteren Herrn, der ebenfalls viele Verluste in seinem Leben verkraften musste- - ändert sich etwas. Die beiden gehen auf eine Reise in die Alpen - mit Hund und Huhn (was es mit dem Huhn so auf sich hat ist irgendwie witzig - und irgendwie traurig - genau wie das gesamte Buch).

Und so langsam steigt Paula hoch aus ihrer Trauer (man achte wieder auf die Kapitelüberschriften).

Ich hatte das Glück, mir schnell eine der raren Karten für eine neue Art von Leserunde zu kaufen beim Lesefestival NRW in Köln. Das Buch erhielt ich schon Ende Dezember vorab - Ende Januar war dann eine Diskussionsrunde. Moderiert und mit Autorin. Alle hatten das Buch gelesen - es war daher eine sehr interessante Gesprächsrunde.

Die Autorin erzählte, dass sie Depressionen selbst sehr gut kennt - aber ihr kleiner Bruder lebt. Sie erzählte auch, dass sie keine Roadmovies mag - aber sie hat einen geschrieben. Und zwar einen guten. In einer sehr bildhaften Sprache mit sehr lebensechten Dialogen (die Autorin erzählte, dass sie zwar auf einer alten Schreibmaschine schreibt - aber die Dialoge diktiert). Als Leser sieht man quasi einen Film vor sich ablaufen. Es war übrigens auch ein Filmemacher in der Diskussionsrunde - und der meinte auch, dass das Drehbuch quasi schon fertig wäre.

Bei allem Hype und aller Kritik, die es derzeit um dieses Buch herum und um die Social-Media-Aktivitäten der Autorin gibt (die erste Auflage des Buches im Eichborn-Verlag war schon vor Erscheinungstermin ausverkauft) sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei diesem Buch um ein bemerkenswertes Debüt handelt.
Diese Balance aus einer tieftraurigen Geschichte gepaart mit schönen und humorvollen Szenen hinzubekommen - das gelingt nur wenigen. Jasmin Schreiber kann das.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

gaensebluemche gaensebluemche

Veröffentlicht am 21.02.2020

Anders als erwartet

Die ersten beiden Kapitel des Buches haben mich wahnsinnig tief berührt. Der intensive Stil der Autorin hat mich sofort für sich eingenommen. Sie verwendet wundervolle Metaphern, formt Wörter zu fast schon ... …mehr

Die ersten beiden Kapitel des Buches haben mich wahnsinnig tief berührt. Der intensive Stil der Autorin hat mich sofort für sich eingenommen. Sie verwendet wundervolle Metaphern, formt Wörter zu fast schon poetischen Sätzen und reißt mit ihrer Intensität und Feinfühligkeit mit. Ab dem dritten Kapitel kommt die Handlung des Buches so richtig in Gang, als die beiden Protagonisten aufeinander treffen. Das Buch wird nun lebendiger, lebhafter, etwas verrückt, situations-komisch und abenteuerlustig, gleichzeitig melancholisch und auch ein bisschen traurig. Wahrhaftig ein Wechselbad der Gefühle. Teilweise war mir die Handlung etwas zu skurril. Und ich hätte gern noch mehr berührende und intensive Sätze gelesen, das hat mir ab Kapitel 3 etwas gefehlt. Insgesamt hat mich das Buch aber sehr berührt und eine Geschichte wie diese habe ich vorher nicht gelesen.

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LaCalaveraCatrina LaCalaveraCatrina

Veröffentlicht am 18.02.2020

Trauerblind - Vom Todlachen in den Bergen

„Marianengraben“ ist ein Debütroman von Jasmin Schreiber und erschien Februar 2020 im Eichborn Verlag.

Die Protagonisten Paula und Helmut werden in diesem herzerfrischenden Roadtrip zu Trauergefährten, ... …mehr

„Marianengraben“ ist ein Debütroman von Jasmin Schreiber und erschien Februar 2020 im Eichborn Verlag.

Die Protagonisten Paula und Helmut werden in diesem herzerfrischenden Roadtrip zu Trauergefährten, die das Beste ineinander zum Vorschein bringen.

Nach zwei Jahren Trauer über den Ertrinkungstod ihres Bruder, ist die Biologin Paula immer noch ein bisschen zu traurig. Geplagt von Schuldgefühlen, immer wiederkehrenden Grübelmonstern und schwermütiger Unbedeutsamkeit sucht sie schließlich einen Therapeuten auf, deren Impulse in Paula eine megakrasse Idee entfachen. Bei der Umsetzung ihrer gut geplanten Idee trifft sie auf den alten, mürrischen und unsensiblen Ex-Förster Helmut. Durch ein tragendes Missgeschick begleitet Paula Helmut auf seiner Wohnmobil-Tour nach Tirol, lernt Helmuts Hündin Judy kennen und erfährt nach und nach, worauf sie sich da eigentlich eingelassen hat. Zahlreiche Pinkelpausen, unausgesprochene Worte, brüllende Rapsfelder, Helmut in Plauderlaune bei einem Glas Wein, Penisattaken, „die langsamste Verfolgungsjagd in der Geschichte“ und einem Machtwort von Helmut später, ist Paula nicht mehr die, die sie einmal war.

Zu Beginn des Buches taucht man mit Paula noch im 11000 Meter tiefen Marianengraben, voller Schmerz und Dunkelheit. Bewaffnet mit einer Suppenkelle macht sich Paula auf den Weg an die Oberfläche. Von Kapitel zu Kapitel taucht sie immer weiter auf. Auch wenn der Heilungsprozess sie mal zurück wirft, bleibt sie kontinuierlich auf Kurs, ohne zu wissen, wo es eigentlich hingehen soll. Nach 7590 Metern lichtet sich die Dunkelheit allmählich. Paula und Helmut auf ihrer Reise der zahlreichen Abenteuern zu begleiten, ist eine purer Lesegenuss und geht viel zu schnell zu Ende. Am Ende löst ein Huhn namens Lutz eine Katastrophe aus, aber manchmal braucht es Schmerz, um den guten Schmerz auszugraben. Und sehr oft braucht es mutige Antihelden, die Vorbilder sind, obwohl sie keine sein wollen. Die Geschichte ist rund und ein echtes Statement an die Gesellschaft, für einen gesunden Umgang mit den Themen Tod und Trauer, die jeden von uns betreffen.

Es geht zentral um die Trauerbewältigung und den Verlust geliebter Menschen. Paula, die sich für den Tod ihres kleinen Bruders Tim verantwortlich fühlt und als „müffelnde Vollkatastrophe“ in übermächtigen Gefühlen gefangen ist und Helmut, der bereits viele Tragödien in seinem Leben ertragen musste, aber seine ganz eigenen Art entwickelt hat, damit umzugehen. Die beiden stellen schnell fest, dass sie mehr gemeinsam haben, als die Liebe zu Birkengewächsen und das Hilfe leisten auch Überwindung kostet. Der harmonische Schreibstil, die Situationskomik, die erinnerungswürdigen Philosophien vom kleinen Timi, wahre Wortschätze und spannenden Fakten, vom lautlosen Ertrinken, über Pflanzenblindheit bis zum Unterschied zwischen Friedhöfen und Kirchhöfen, ergeben einen besonderen Lesespaß mit mit Gefühl, Herz, Verstand und Hoffnung.

Mir ist es noch nie passiert, das ich beim Lesen einer Seite tieftraurig um Fassung ringen musste und mich auf der nächsten Seite vor Lachen nicht mehr eingekriegt habe. Und wie kann man am Ende eines Buches eigentlich gleichzeitig tief traurig und sehr glücklich sein? Der Tod gehört zum Leben dazu und dieses Buch ist „ein echter Rettungsanker (…), wenn die See des Lebens zu rau ist.“ Lest unbedingt dieses tolle Buch!

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Autorin

Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber - Autor
© Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber, geboren 1988, ist studierte Biologin und arbeitet als Kommunikationsexpertin und Autorin. 2018 gewann sie den Digital Female Leader Award und wurde als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Sternenkinder-Fotografin. Das Internet macht sie auf Twitter unter @LaVieVagabonde unsicher. Jasmin Schreiber lebt in Frankfurt am Main.

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Sprecherin

Maximiliane Häcke

Maximiliane Häcke - Sprecher
© Urban Ruths

Maximiliane Häcke wurde 1988 geboren und spricht und schauspielert seitdem sie sechs Jahre alt ist. Sie spielte z. B. im Kölner Tatort und leiht dem KIKAninchen bei KIKA ihre Stimme. Sie synchronisierte außerdem u. a. die Hauptrolle der Adèle in Blau ist eine warme Farbe (Goldene Palme 2013).

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