Marianengraben
 - Jasmin Schreiber - Hörbuch

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18,00

inkl. MwSt.

Lübbe Audio
Hörbuch (MP3-CD)
Sonstige Belletristik
395 Minuten
1 CD
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-8078-7
Ersterscheinung: 28.02.2020

Marianengraben

Ungekürzt
Gelesen von Maximiliane Häcke

(37)

Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Rezensionen aus der Lesejury (37)

Dark_Rose Dark_Rose

Veröffentlicht am 10.04.2020

Ein sehr langsames Buch, es hat seine Längen, es steckt aber auch viel Philosophie drin

Paula trauert noch immer sehr um ihren kleinen Bruder Tim. Sein Tod mit gerade einmal 10 Jahren hat sie komplett aus der Bahn geworfen. Ihr Therapeut rät ihr, sein Grab zu besuchen, doch ihr sind es zu ... …mehr

Paula trauert noch immer sehr um ihren kleinen Bruder Tim. Sein Tod mit gerade einmal 10 Jahren hat sie komplett aus der Bahn geworfen. Ihr Therapeut rät ihr, sein Grab zu besuchen, doch ihr sind es zu viele Menschen. Also geht sie nachts. Dabei trifft sie auf Helmut, einen 83-jährigen Mann, der dabei ist, eine Urne auszugraben. Er will seine Freundin Helga mitnehmen. Paula hilft ihm notgedrungen und plötzlich stolpert sie mitten in ein Abenteuer hinein, ganz wie Tim es sich immer gewünscht hat. Sie macht mit Helmut einen Roadtrip, um ihm bei der Erfüllung seines Vorhabens mit Helga zu helfen.


Das Buch ist seltsam. Einerseits behandelt es ein ernstes Thema und Paula tut einem durchaus leid. Andererseits ist die Situation auf dem Friedhof so merkwürdig und auch witzig, dass man einfach nicht weiß, was man davon halten soll. Dann lernt man Helmuts Hündin Judy kennen und weiß endgültig nicht mehr, was man noch denken soll. Eine seltsame Situation reiht sich an die nächste. Ich sage nur: Lutz! (wer das Buch liest, weiß, was ich meine)

Die Autorin fängt die Trauer, die sowohl Paula als auch Helmut fest im Griff hat gekonnt ein. Die Depression, die Paula zu schaffen macht und ihr Leben auf Eis gelegt hat. Die Schuldgefühle – ob angebracht oder eingebildet – mit denen sich die meisten Hinterbliebenen herumschlagen und die Gedanken über das Leben und den Tod.

Das Buch ist etwas ganz anderes. Es ist schrullig, skurril, philosophisch, witzig, traurig und einfach etwas ganz Eigenes. Ich persönlich muss sagen, dass ich Helmut von Anfang an deutlich sympathischer fand als Paula. Ich finde ihn einfach cool. Er ist alt und schrullig, grummelig aber sehr sensibel. Dann noch seine Hündin Judy, die auch so ihre Marotten hat, wie ihr Herrchen.

Das Buch ist aus Paulas Sicht geschrieben. Sie führt darin immer wieder Gespräche mit ihrem Bruder. Schwelgt in Erinnerungen. Oder sie stellt ihm Fragen, woran er gedacht hat als er starb, ob er sich an dieses oder jenes erinnert.
Wenn Helmut im Gespräch mit Paula zu Wort kommt, zeigt er aber, dass auch er zu philosophischen Gedanken und treffenden Feststellungen in der Lage ist. Er weiß, wie es in Paulas Innerem aussieht, weil es ihm ähnlich geht.
Helmut hat in seinen 83 Jahren sehr viel erlebt und gesehen und auch schon einige Menschen verloren.

Die Wendung habe ich von Anfang an vorhergesehen. Ich fand sie gut und passend, aber sie hätte in meinen Augen auch deutlich später erst angedeutet werden können. Das Ende fand ich dafür sehr gut!


Fazit: Ich fand das Buch nicht schlecht. Es ist etwas ganz anderes. Es geht um zwei Menschen, die sich unter den seltsamsten Umständen kennenlernen. Diese Umstände sorgen dafür, dass sie zusammenhalten müssen und es dauert nicht lang, bis sie erkennen, dass sie einander bei ihrer Trauer helfen können.
Helmut fand ich direkt richtig cool und sympathisch. Er ist einerseits einfach ein alter Mann – er braucht dauernd Pinkelpausen und alles muss so gemacht werden, wie er sagt – und andererseits ist er ein unglaublich interessanter Mensch. Er hat viel erlebt, viel gesehen und viel gelitten. Ich finde es so toll, wie er versucht Paula zu helfen.
Paula tat mir leid, war mir aber nicht so sympathisch wie Helmut. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht woran das genau lag nur, dass es so ist.

Das Buch hat definitiv seine Längen. Es ist ein langsames Buch, dass behutsam seine Geschichte erzählt, immer wieder unterbrochen durch Paulas Erinnerungen an Tim. Diese sind es, die für Längen sorgen. Ich musste da oft aufpassen, um nicht abzudriften. Mich hat die Haupt-Handlung mit Helmut mehr interessiert.

Allerdings hat mich das Buch, bei aller Trauerbewältigung und traurigen Erinnerungen, nicht zum Weinen gebracht.

Wer ruhige Bücher mag, nichts gegen gelegentliche Längen einzuwenden hat und bereit ist sich auf das Thema Tod, Verlust und Trauerbewältigung einzulassen, der wird an diesem Buch viel Freude haben, ebenso wie die Liebhaber von Büchern, die aus der Reihe fallen.

Von mir bekommt das Buch 3 Sterne.

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Naraya Naraya

Veröffentlicht am 06.04.2020

Auftauchen aus der Depression

Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Tim stürzt Protagonistin Paula in die Depression. Wie im 11.000 Meter tiefen Marianengraben, so fühlt sie sich, wo jeder Kubikzentimeter unter enormem Druck steht. Und ... …mehr

Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Tim stürzt Protagonistin Paula in die Depression. Wie im 11.000 Meter tiefen Marianengraben, so fühlt sie sich, wo jeder Kubikzentimeter unter enormem Druck steht. Und so besucht sie, auf Anraten ihres Therapeuten, zum ersten Mal Tims Grab - nachts, um sich vor all den Blicken zu schützen. In dieser seltsamen Situation trifft sie auf Rentner Herbert, der auf ganz eigener Mission im Schutze der Dunkelheit auf dem Friedhof unterwegs ist. Und so starten die beiden ungleichen Charaktere auf einen skurrilen Roadtrip, begleitet von einem Hund, einem Huhn und mit jeder Menge seelischem Balast im Gepäck.

"Marianengraben" wird aus Paulas Sicht erzählt. Oft wendet sie sich dabei direkt an Tim oder denkt an gemeinsame Erlebnisse. Die Geschwister verband vor allem die Liebe zur Unterwasserwelt - umso bitterer ist es, dass Paulas kleiner Bruder ausgerechnet ertrinken musste. Sie fragt sich immer wieder, woran er wohl gedacht haben mag in seinen letzten Augenblicken und hofft, dass es nicht sie selbst war. Denn wie grausam wäre das bitte, wo sie doch nicht da war, um ihn zu retten?

Die Kapitel sind mit Zahlen überschrieben und starten bei 11000, der Tiefe des Marianengrabens - ein kleines, aber wirkungsvolles schriftstellerisches Detail. Von dort unten wird Paula im Laufe des Romans auftauchen, um wieder ins Leben zurückzufinden: ein anderes Leben, ohne Tim, aber immerhin eines, das sich zu leben lohnt. Wer nun aber glaubt, Jasmin Schreibers Roman sei einfach nur ein Buch übers Sterben, der irrt sich. Denn viel mehr ist es eine Ode an Beziehungen, vor allem eine an Bruder und Schwester. Tim, sehr aufgeweckt, neugierig und achtsam, Paula eher still, grüblerisch, tollpatschig - und dennoch beide ein Herz und eine Seele. Auf ihrer Reise mit Herbert wird Paula lernen, dass so viel Trauer in ihr auch gleichzeitig bedeutet, dass unglaublich viel Liebe vorhanden ist.

Für einen Roman, in dem oft über den Tod gesprochen wird, ist "Marianengraben" an vielen Stellen sehr witzig. Paulas tollpatschige Art, Herberts trockener Humor, Erlebnisse mit Hund und Huhn - das alles lädt zum Schmunzeln und Lachen ein. Damit ist der Autorin der Spagat zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit wunderbar gelungen. Ein Buch, das schon jetzt zu meinen Jahreshighlights gehört und mich sicher lange nicht loslassen wird.

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DerMedienblogger DerMedienblogger

Veröffentlicht am 02.04.2020

Dieses Buch ist etwas Außergewöhnliches, Ergreifendes, noch nicht Dagewesenes – unbedingt lesen!

Die deutsche Autorin Jasmin Schreiber ist, wie man ihrer Autorenbeschreibung im Schutzumschlag entnehmen kann, nicht nur studierte Biologin, sondern auch als leidenschaftliche Bloggerin unter dem Namen ... …mehr

Die deutsche Autorin Jasmin Schreiber ist, wie man ihrer Autorenbeschreibung im Schutzumschlag entnehmen kann, nicht nur studierte Biologin, sondern auch als leidenschaftliche Bloggerin unter dem Namen "LaVieVagabonde" und ehrenamtlich als Sterbebegleiterin tätig. Mit "Marianengraben" präsentiert sie uns ihren erst kürzlich erschienenen Debütroman. Welche Erwartungen an die geübte Schreiberin kann er erfüllen?


Bereits die wunderschöne Aufmachung und der überzeugende Klappentext konnten in mir starkes Interesse wecken. Dass die Autorin einige biographische Elemente in ihr Werk mit einfließen lässt, steigert den Authenzitätsgrad deutlich. "Marinengraben" setzt sich schonungslos mit emotional brutalen Thematiken wie dem Tod, Ansprüche an das eigene Leben und die den Menschen nach einem Verlust verfolgende Schuldfrage auseinander; zudem ist die Protagonistin eine promovierende Biologin.

Das vorliegende Buch ist, und das möchte ich hier bereits vorwegnehmen, bereits jetzt ein würdiges Jahreshighlight für mich – und dies liegt an vielen Aspekten, die "Marianengraben" für mich außergewöhnlich machen. Diese Geschichte fühlt sich an wie etwas Besonderes, das in dieser Kombination außergewöhnlich und neu ist.

Die Ausarbeitung der Figuren ist Jasmin Schreiber wunderbar gelungen. Paula und Helmut sind zwei authentische Personen, die mitsamt ihren Eigen- und Besonderheiten geschildert und durch ihre bewegenden Hintergrundgeschichten ausgeleuchtet werden. Sie fügen sich nicht in das Konstrukt austauschbarer, blass bleibender Charaktere ein (wie es in heutiger Literatur immer öfter der Fall ist), sondern etablieren sich als liebenswerte, erfrischend unterschiedliche Figuren.

Der Roman ist eine abstruse Mixtur aus skurrilen Zusammenkünften und kuriosen Zufällen, die in eine handlungstechnische Entwicklung münden, die ich so noch nicht erlebt habe und in jeder Hinsicht progressiv und originell ist. Die zwei unterschiedlichen aufeinanderprallenden Zeitebenen und weltanschaulichen Geisteshaltungen von Helmut und Paula fügen sich zu einem oftmals ungewollt komischen und zugleich tiefgründigen Ganzen, das zu keiner Zeit langatmig wird, sondern die Leser*innen ab der ersten Seite auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitreißt.

Der Umgang mit den bereits genannten, ernsten Thematiken wirkt zwischen all den lustigen, entlastenden Elementen behutsam und ehrlich. Die Autorin schenkt Kraft und Mut zum Wiederaufrappeln, Weitermachen, Weiterleben, lässt aber genügend Raum für eine klare Daseinsberechtigung von Trauer und Schmerz.

"Marianengraben" ist ein abwechslungsreicher, unvorhersehbarer Roadtrip mit knuffigen Wendungen und traumhaften Kulissen. Jasmin Schreiber zeigt, was für eine fabelhafte Erzählerin sie ist, indem sie teils amüsant, teils poetisch anmutend und berührend schreibt, dass die Leser*in einen wahren, zuschnürenden Kloß im Hals bekommt und den Tränen nah ist.

Aber ist es doch die aufopfernde, alles aufbrauchende Liebe und der Umgang mit dem eigenen Verlust der Hauptfiguren, was mich am meisten ergriffen hat. Die eingeschobenen Szenen, in denen Paula in Erinnerungen an ihren Bruder schwelgt, setzen sich collagenartig zu einem erfüllenden Person über eine Person zusammen, die "nur" noch im Herzen existiert und dort nach Fischen und Krabben sucht. Helmut und seiner ungeheuren emotionalen Stärke, die er nicht nur selbst aufzubringen, sondern auch an Paula weiterzuschenken weiß, erweise ich größten Respekt.


"Marianengraben"
ist etwas Außergewöhnliches, Ergreifendes, noch nicht Dagewesenes – unbedingt lesen!

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Lina2130 Lina2130

Veröffentlicht am 31.03.2020

Sehr ergreifend...

Mit diesem Roman wagt Jasmin Schreiber ein literarisches Debüt zu einem sehr ergreifenden Thema, nämlich Trauer und Depression. Mit einer leicht verständlichen und präzise eingesetzten Sprache erzählt ... …mehr

Mit diesem Roman wagt Jasmin Schreiber ein literarisches Debüt zu einem sehr ergreifenden Thema, nämlich Trauer und Depression. Mit einer leicht verständlichen und präzise eingesetzten Sprache erzählt Jasmin Schreiber die Geschichte einer jungen Frau, deren Trauer um ihren jüngeren Bruder sie in eine dunkle Depression befördert hat. Man wird knallhart mit dem ganzen Schmerz und der Verzweiflung der Protagonistin Paula konfrontiert.
Ich fand es an einigen Stellen sehr erschreckend, doch ich denke mal, dass die Autorin genau das erreichen wollte: Sie wollte die Leser zum Nachdenken bringen, und dass hat sie bei mir definitiv erreicht.

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yellowdog yellowdog

Veröffentlicht am 30.03.2020

Trauer und Hoffnung

Obwohl es im Buch um Verlust und Trauer geht, gibt es auch eine gewisse Situationskomik und es gibt Hoffnung durch die Begegnung der zwei Protagonisten, der 83jährige Helmut und die Studentin Paula, die ... …mehr

Obwohl es im Buch um Verlust und Trauer geht, gibt es auch eine gewisse Situationskomik und es gibt Hoffnung durch die Begegnung der zwei Protagonisten, der 83jährige Helmut und die Studentin Paula, die Icherzählerin ist.
Sie begegnen sich Nachts auf einem Friedhof, auf dem sie ihren verstorbenen kleinen Bruder besucht und wo Helmut die Urne seiner Freundin ausgräbt. Eine skurrile Begegnung, die dann auch zu einer gemeinsamen Reise zusammen mit Hund und Huhn führt. Die Dialoge zwischen ihnen geben dem Buch den besonderen Touch, manchmal ist Paula aber gedanklich bei den Erinnerungen an ihren Bruder Tim.
Tragisch, das Helmut krank ist und vermutlich nicht mehr lange leben wird, aber für die junge Paula geht es darum, ob sie wieder richtig leben kann. Dazu muss sie ein Stück mit der Trauer abschließen. Wie Helmut und Paula sich gegenseitig helfen, besonders durch die Gespräche ist berührend.
Die Autorin Jasmin Schreiber hat sich gut in den Stoff eingefühlt.

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Autorin

Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber - Autor
© Jasmin Schreiber

Jasmin Schreiber, geboren 1988, ist studierte Biologin und arbeitet als Kommunikationsexpertin und Autorin. 2018 gewann sie den Digital Female Leader Award und wurde als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Sternenkinder-Fotografin. Das Internet macht sie auf Twitter unter @LaVieVagabonde unsicher. Jasmin Schreiber lebt in Frankfurt am Main.

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Sprecherin

Maximiliane Häcke

Maximiliane Häcke - Sprecher
© Urban Ruths

Maximiliane Häcke wurde 1988 geboren und spricht und schauspielert seitdem sie sechs Jahre alt ist. Sie spielte z. B. im Kölner Tatort und leiht dem KIKAninchen bei KIKA ihre Stimme. Sie synchronisierte außerdem u. a. die Hauptrolle der Adèle in Blau ist eine warme Farbe (Goldene Palme 2013).

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