Melmoth
 - Sarah Perry - Hörbuch

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20,00

inkl. MwSt.

Lübbe Audio
Hörbuch (CD)
Sonstige Belletristik
627 Minuten
8 CDs
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7857-8064-0
Ersterscheinung: 30.09.2019

Melmoth

Ungekürzt
Gelesen von Julia Nachtmann

(54)

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?

Rezensionen aus der Lesejury (54)

AnnKathrin04 AnnKathrin04

Veröffentlicht am 29.12.2019

Aufregende Literatur mit spannender Atmosphäre

Melmoth

Autor/in : Sarah Perry
Format : Ebook Epub
Seitenzahl : 336

Gliederung :
1. Darum geht es
2. Cover / Optischer Eindruck
3. Schreibstil
4. Charaktere
5. So hat es mir gefallen
6. Fazit ... …mehr

Melmoth

Autor/in : Sarah Perry
Format : Ebook Epub
Seitenzahl : 336

Gliederung :
1. Darum geht es
2. Cover / Optischer Eindruck
3. Schreibstil
4. Charaktere
5. So hat es mir gefallen
6. Fazit / Empfehlung?! / Sterne

1. Darum geht es :
Die 42 Jährige Helen Franklin bekommt von einem Bekannten ein altes Manuskript, welches sie unbedingt lesen soll und welches ihrem Bekannten solche Angst beschert.
In dem Manuskript geht es um Melmoth, die Zeugin, eine schwarze Frau, die über Leid und Schmerz wacht und immer dort ist, wo solches ausbricht. Menschen berichten über ihre Begegnungen mit Melmoth, die zwar nie richtig da ist, deren Anwesenheit aber deutlich spürbar zu sein scheint. Und auch Helen fühlt sich immer mehr beobachtet und ihr wird bewusst, dass hinter dieser biblischen Gestalt mehr steckt, als nur Sagen und Geschichten...

2. Cover / Optischer Eindruck :
Das gesamte Titelbild ist voller Blätter in Dunkelblau und Dunkelgrün. Der wenige Hintergrund, der zu sehen ist, ist schwarz und auf diesem sind Vögel zu sehen. Wahrscheinlich sollen dies die Vögel sein, die auch im Buch beschrieben werden. ( Dort sind es Dohlen ) .
Den Sinn der Blätter, die anscheinend sehr präsent sein sollen, habe ich im Bezug zur Handlung nicht verstanden. Die Vögel ergeben darauf bezogen mehr Sinn und hätten für meinen Geschmack eher im Vordergrund stehen sollen.
Das Cover erzählt nicht wirklich etwas über die Geschichte, weil die Vögel nicht die hauptsächliche Handlung darstellen. In diesem Fall finde ich das aber nicht schlimm, denn das sorgt für Spannung, da ich beim Anblick des Covers keine solche Handlung erwartet hätte.
Da heißt es wieder einmal :
Lass dich nicht vom Cover täuschen!

3. Schreibstil :
Das Buch ist definitiv keines für Zwischendurch, welches man mal kurz nebenbei lesen kann, denn der Schreibstil ist recht anspruchsvoll und die Sprache teilweise sehr gewählt.
Die Autorin schreibt aus Sicht eines Außenstehenden, der die gesamte Handlung unvoreingenommen überblickt und den Leser
oft persönlich anspricht. Beispielsweise „Wenn Sie genauer hinsehen, erkennen Sie...“ oder „Schauen Sie! Haben Sie dort auch den Schatten gesehen?“
Sie bindet durch diesen Erzählstil den Leser persönlich mit ein, was für mich eine komplett neue Atmosphäre dargestellt hat, diese aber gleichzeitig auch so spannend gestalten konnte.
Es wird nicht nur der Inhalt an sich beschrieben, sondern es gibt auch Briefe oder das Manuskript, in die der Leser Einblicke gewährt bekommt.
Teilweise fand ich den Schreibstil schwierig zu verstehen, weil ich derzeit wenige Bücher lese, bei denen ich einfach mal mitdenken muss. Das würde ich daher nicht als negativ auslegen, weil mir dafür einfach die Erfahrung fehlt.
Sonst ist mir die Spannung sehr positiv aufgefallen, die, obwohl nie wirklich etwas besonderes geschehen ist, von Anfang bis Ende präsent war. Durch den sehr düsteren Schreibstil hatte ich dauerhaft das Gefühl, als würde ich einen Horrorfilm sehen, in dem stetig Jumpscares passieren. Ich weiß zwar nicht, wie die Autorin diese Atmosphäre geschaffen hat, aber es funktioniert!

4. Charaktere :
*Hier sind nur die für mich präsentesten Charaktere gelistet. Es gibt weitaus mehr*

Helen Franklin - Protagonistin, deren Persönlichkeit ich nicht recht beschreiben kann. Sie mag Geheimnisse und geht ihnen gern auf den Grund. Außerdem scheint sie neugierig und wissbegierig zu sein.

Karel Prazan - Ist ein guter Bekannter und Freund von Helen. Er ist verängstigt und ziemlich verstört durch das Manuskript, das er von jemandem bekommen hat und gibt es an Helen weiter.

Thea - Die Frau von Karel. Sie sitzt im Rollstuhl. Ihre Persönlichkeit ist eher zurückhaltend, sie ist auf Karel angewiesen und man merkt, dass sie das stört. Außerdem hat sie Angst, dass ihr Mann sie nicht mehr liebt, weil sich ihr Leben so stark geändert hat.

Josef Hoffmann - Er hat das Manuskript angefertigt und an Karel weitergegeben. Seine Geschichte erfährt man nur anhand des Manuskripts.

Albina - Helens Mitbewohnerin. Sie ist über Neunzig und hat eine ziemlich grimmige Persönlichkeit, die allerdings nicht böse gemeint ist.

Adaya - Theas neue Hilfskraft. Sie lernen sich über Helen kennen.

5. So hat es mir gefallen :
Positiv :
Jetzt, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, muss ich gestehen, dass ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Die erste Hälfte des Buches hat mich, trotz des recht anspruchsvollen Schreibstils, in seinen Bann gezogen und es hat mir sehr gut gefallen, weil ein stetiger Wechsel der Perspektiven stattgefunden hat.
Obwohl nicht wirklich aufregende Situationen passiert sind, hatte ich dauerhaft das Gefühl, unter Spannung zu stehen, weil das Gefühl beim Lesen trotzdem so düster und mystisch war, dass die Spannung nicht verloren ging. Auch wenn einige Stellen recht trocken waren, besonders im Manuskript, hat die Autorin es geschafft, eine dauerhafte Spannung aufrecht zu erhalten, die nicht abgebaut hat. Das Gefühl, ich würde einen Horrorfilm sehen, mit ständigen Jumpscares, hatte ich so gut wie dauerhaft! Ich finde es wirklich faszinierend, wie Sarah Perry eine solche Atmosphäre schaffen konnte, ohne wirkliche Horror Elemente einzubauen!
Ebenfalls positiv ist mir der Einbau neuer Charaktere aufgefallen. Ich habe nie wirklich den Gedanken gehabt „Jetzt versucht die Autorin jemand neues ins Buch zu bringen und muss ihn erstmal vorstellen...“, denn sie schafft es sehr „hinterlistig“ die Charaktere in das Geschehen einzubinden und trotzdem super zu umschreiben, ohne die Geschichte an sich zu unterbrechen.

Negativ :
Leider fand ich die letzten 120 Seiten recht langatmig. Für meinen Geschmack wurde dort viel zu viel Wert auf die Gespräche unter den Charakteren gelegt und die eigentliche Handlung über Melmoth ging unter.
Auch die letzten Seiten des Manuskripts haben an Wissen verloren. Anfangs fand ich die Auszüge wirklich interessant und auch die Sprache hat mir sehr zugesagt, obwohl diese für mich neu war.
Meines Erachtens nach hätte das Manuskript abgekürzt sein sollen, sodass die Berichte einiger Personen nicht so langatmig geworden wären.
Ebenfalls negativ sind mir die sehr langen Kapitel aufgefallen, die ein dauerhaftes Lesen ziemlich schwer machen. So geht es mir persönlich zumindest.

Das Ende hat mir recht gut gefallen. Das hätte, im Gegensatz zu den 100 Seiten davor, ruhig etwas detaillierter ausfallen können.
Mit der Auflösung hätte ich niemals gerechnet, das hat das Buch für mich super abgerundet!
Leider wurde oft zu viel Sprache für den Hintergrund von den dortigen Personen verwendet ( Was natürlich auch wichtig für die Handlung ist ) und die Situationen, die für den Leser spannend sind, wurden recht kurz gehalten.
Gewünscht hätte ich mir, dass die Szenen, in denen Melmoth wirklich präsent ist, weiter ausgebaut worden wären.

6. Fazit / Empfehlung?! / Sterne

Fazit :
„Melmoth“ ist kein Buch für zwischendurch, denn die Sprache ist recht anspruchsvoll und erfordert stetiges Mitdenken. Trotzdem wird der Leser fast durchgängig unterhalten und spürt die Anwesenheit von Melmoth förmlich am eigenen Leibe.
Gewählte Sprache trifft auf spannende Lektüre voller Hintergrundwissen!

Empfehlung?
Ja, ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen! Die Atmosphäre, die die Autorin geschaffen hat, sollten viel mehr Leser erfahren. Das ist grandiose Literatur!
Über die minimalen negativen Aspekte kann ich gut hinweg sehen und daher einfach nur eine klare Empfehlung aussprechen!

Sterne :
4 Sterne für dieses Werk, das mir weiterhin im Kopf spuken wird!

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Marakkaram Marakkaram

Veröffentlicht am 25.12.2019

Düster, melancholisch, erdrückend

** "Brennen die Flammen weniger heiß, weil sie gerecht sind? Ist das Messer stumpf, nur weil der Stich zu Recht geschieht? Glaubst du, du würdest weniger leiden, nur weil du gesündigt hast?" **

Keine ... …mehr

** "Brennen die Flammen weniger heiß, weil sie gerecht sind? Ist das Messer stumpf, nur weil der Stich zu Recht geschieht? Glaubst du, du würdest weniger leiden, nur weil du gesündigt hast?" **

Keine leichte Kost, der neue Roman von Sarah Perry und auch kein Roman, den man in eins wegliest.

Es geht um Schuld und Sühne, Verrat, die Last des Gewissens und Vergebung. Dabei gibt es nicht nur einen Handlungsort und eine Geschichte, die Briefe und Tagebuchauszüge entführen ins England des 17. Jahrhunderts, ins Tschechien der Nazizeit, nach Manila und Kairo. Und immer geht es um ungeheuerliche Vergehen, Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben.

Diese Geschichten gingen mir zum Teil dermaßen unter die Haut... da zeigt sich das ganze Können der Autorin. Sie erzeugt eine wahnsinng beklemmende, aber auch emotionale Atmosphäre, die Gänsehaut durch eigentlich schlichte, oftmals sehr distanzierte Erzählungen erreicht.

Das funktionierte für mich in der Gegenwart nicht immer. Helens Passagen vermochten mich anfangs nicht unbedingt zu fesseln. Prag ist düster, melancholisch und erdrückend. Es gibt keinen Hoffnungsfunken, keinen Lichtschimmer jedweder Art, selbst im Momenten der "Heilung", nahm die Schwere keinen Jota ab.

Und Sarah Perry`s Schreibstil ist gemächlich. Er hat seine eigene Form und wechselnden Takt. Die Charaktere sind vom Leben gebrochene Personen, sehr individuell, menschlich, aber auch selten sympathisch. Es ist schon oft ein sehr schmaler Grad, der sehr zum Nachdenken über den Abgrund in jedem von uns anregt.

"Melmoth" ist ein Roman, der mich lange beschäftigt hat. Nicht nur, weil ich ein paar Tage länger zum Lesen brauchte. Es gab kurze Strecken, durch die ich mich fast quälen musste, andere Passagen wiederum haben mich dermaßen beeindruckt und mitgenommen.... Und je länger ich es sacken lasse, desto intensiver wirkt er nach.

Fazit: Kein Mainstream und mit Sicherheit auch nicht jedermanns Geschmack. Man sollte bereit sein, sich auf die melancholische, düstere Grundstimmung, den gemächlichen Schreibstil und seine Personen einzulassen. Ein atmospärisch dichter Roman für lange, dunkle Winterabende....

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Meine-Magische-Buchwelt Meine-Magische-Buchwelt

Veröffentlicht am 22.12.2019

Leider nicht so ganz meins

Klappentext: Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth - einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, ... …mehr

Klappentext: Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth - einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern - und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?

Meine Meinung:

Der Schreibstil der Autorin ist leicht verständlich und doch für meinen Geschmack etwas zu trocken. Ich habe mich damit ein wenig schwer getan und bin dadurch auch nur schwerfällig durch die Seiten gekommen.

Die Charaktere wurden soweit ganz gut herausgearbeitet, auch wenn ich mich mit ihnen weder anfreunden noch Nähe zu ihnen aufbauen konnte.

Die Grundidee an sich fand ich durchaus interessant, nur konnte ich mich mit der Umsetzung auch nicht so richtig anfreunden. Ich denke, dass es teilweise an dem Erzählstil lag, der einfach nicht so ganz meins war. Die Handlung an sich ist nicht schlecht und recht schaurig, die Kulisse passt ebenfalls zur Thematik. Ich hatte allerdings andere Erwartungen an das Buch.

Das Cover möchte ich an dieser Stelle auch noch kurz erwähnen, dass eher schlicht gehalten ist und vor allem in dunklen Farben daher kommt. Aber wiederum auch gerade dadurch perfekt zum Inhalt des Buches passt. Es verrät nichts und mag vielleicht nicht unbedingt ins Auge fallen und doch gefällt es mir irgendwie auf eine ganz eigene Art und Weise.

Fazit:

Eine durchaus interessante Grundidee, doch leider war der für meinen Geschmack etwas zu trockene Erzählstil nicht so ganz meins. Anhand des Klappentextes hatte ich auch irgendwie ganz andere Erwartungen an das Buch. Von mir gibt es daher leider nur 3 Sterne.

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Books_of_Tigerlily Books_of_Tigerlily

Veröffentlicht am 15.12.2019

Ungewöhnliches Buch

Genau wie die Titelfigur Melmoth hat mich das Buch so lange auf diversen Seiten verfolgt, bis ich all meine Lesejury-Punkte dafür geopfert habe.

Ist doch bereits allein das Opfer ein wahrer Augenschmaus ... …mehr

Genau wie die Titelfigur Melmoth hat mich das Buch so lange auf diversen Seiten verfolgt, bis ich all meine Lesejury-Punkte dafür geopfert habe.

Ist doch bereits allein das Opfer ein wahrer Augenschmaus im Regal und die hat doch die Autorin mit der „Schlange von Essex“ für ordentlich Furore in der Literaturwelt gesorgt.

Melmoth verspricht also ein schaurig schönes Lesevergnügen, passend zur dunklen Jahreszeit. Prag als Setting passt hierfür schon mal perfekt, ist es doch perfekte Kulisse mit seinem historischem Flair und seinen ganz eigenen Schauergeschichten wie dem Golem von Prag. Ich bin großer Fan von Prag als Spielort eines Romans und so greife ich gern zu Büchern, die in dieser wundervollen Stadt spielen.

Auch der Beginn des Buches ist vielversprehend, wird man doch direkt mit den myteriösen Umständen um die Figur Melmoth konfrontiert. Dies übt schon einen gewissen Reiz aus, da man ebenso wie die Protagonistin Helen herausfinden will, was es mit ihr auf sich hat. Allerdings ist Melmoth kein reiner Mysteryroman, sondern er behandelt für mich eher zwischenmenschliches. So werden immer wieder Rückblenden der Protagonisten oder weiterer Charaktere, die mit Melmoth in Berührung gekommen sind, in die Geschichte eingebaut. Hierdurch entsteht ein ganz eigener Erzählrhythmus, der eher wenig actionreich ist. Aber hierauf ist die Geschichte auch ganz klar nicht ausgelegt. Es geht vielmehr um das Hinterfragen und Besiegen der eigenen Dämonen, denen man sich irgendwann im Leben stellen muss.

So auch Helen, unsere Protagonistin. Nach und nach kommt einiges ihrer eigenen Vergangenheit ans Licht. Warum gibt es Momente der Selbstgeißelung und der Selbstkasteiung? Hat Helen vielleicht bereits seit längerem Besuch von Melmoth? Kann sie sich am Ende selbst verzeihen? Helens Geschichte nimmt insbesondere auf den letzten Seiten stark Fahrt auf und hat mich berührt. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und habe gemeinsam mit ihr gehadert und gehofft.

Gut gefallen haben mir die diversen historischen Momente des Buchs, das einiges an menschlichem Grauen aufzeigt. Hier kann es stark mit Hintergrundwissen und Kontext glänzen, das in kürzere Erzählepisoden geschickt eingebunden ist. Hierdurch gewinnt das Buch an Tiefe, aber auch an Schwere.

Vor diesem Hintergrund war Melmoth ein recht kurzweiliger Read, der vielleicht nicht ganz so meine Erwartungen erfüllt hat. Mir haben hier eindeutig so manche Aha-Momente gefehlt. Wenn man dies weiß und weiß, worauf man sich einlässt, kann man aber auch mit diesem Buch vergnügliche Lesestunden verbringen.

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Weltenwanderer Weltenwanderer

Veröffentlicht am 13.12.2019

Bedrückende und berührende Geschichte

Die vielen negativen Meinungen zu dem Buch haben mich erstmal zögern lassen - und auch wenn mir selber "Nach mir die Flut" von Sarah Perry gar nicht gefallen hatte, war ich sehr begeistert von "Die Schlage ... …mehr

Die vielen negativen Meinungen zu dem Buch haben mich erstmal zögern lassen - und auch wenn mir selber "Nach mir die Flut" von Sarah Perry gar nicht gefallen hatte, war ich sehr begeistert von "Die Schlage von Essex"; deshalb wollte ich ihrer neuen Geschichte eine Chance geben.

Die meisten haben moniert, dass sie nach dem Klappentext einen Schauerroman erwartet hätten und die mysteriöse Frau in Schwarz, Melmoth, viel zu sehr an den Rand gedrängt war. Das hab ich nicht so empfunden. Ich war zwar auch eher auf eine gruselige Geschichte eingestellt und die bekommt man eigentlich auch, aber völlig anders als erwartet.

Melmoth durchzieht das ganze Buch mit ihrer Präsenz. Sie taucht immer wieder auf in Manuskripten und Berichten, die Helen Franklin in die Hände fallen. Sie lebt seit vielen Jahren in Prag - ein bescheidenes, kasteiendes Leben, mit dem sie für eine Schuld büßt, die sie nicht mehr loslassen kann.

Das ist auch eins der Grundthemen: Schuld, aber auch die Scham, die mit dem Schuldgefühl einhergeht, genauso wie die Verzweiflung, die aus der Einsamkeit erwächst. Einer Einsamkeit, die von schlechtem Gewissen herrührt, von Dingen, die man niemandem sagen traut, von Entscheidungen, die eigennützig, bösartig oder einfach nur unbedacht waren.
Jeder von uns trägt wohl etwas davon mit sich herum und wir müssen alleine damit fertig werden, was wir tun oder getan haben - aber hier ist Melmoth, die Zeugin. Melmoth, die alles sieht und in ihrer eigenen einsamen Verzweiflung jedem die Hand gibt, um nicht mehr allein zu sein.

Obwohl nicht übermäßig viel passiert fand ich es sehr fesselnd.

Zum einen wegen dem wirklich grandiosen Schreibstil, der mir sehr gut gefällt und der eine ganz besondere, intensive Atmosphäre schafft. Nicht zu detailliert, aber sehr anschaulich und sinnbildlich beschrieben. Auch das Mittel, den Leser zwischendurch direkt anzusprechen, ihn zum hinsehen aufzufordern, fand ich klasse - ich mag es, wenn ich so in die Geschichte mit reingezogen werde und ich hatte das Gefühl, tatsächlich zu sehen, was Sarah Perry mir zeigen wollte.

Zum anderen waren es die Lebensgeschichten der verschiedenen Menschen, die jetzt nicht unbedingt aufregend waren, aber auf konzentrierte Weise eindringlich, teilweise berührend, teilweise verstörend. Menschliche Abgründe auf vielfältige Art, wie es überall auf der Welt geschehen ist und immer noch geschieht, mit dem Tenor, nicht wegzuschauen, sondern wahrzunehmen, um zu helfen.

Interessant fand ich auch die gleichzeitige Angst und Sehnsucht, Melmoth tatsächlich zu begegnen bzw. ihr ins Gesicht zu sehen - zeigt es doch die Furcht, seinen Taten bzw. seinem Gewissen in die Augen zu schauen, andererseits aber auch den Wunsch, Frieden zu schließen und die Schuld anzuerkennen, die man vielleicht auf sich geladen hat.

Es ist schwierig zu sagen, was ich mir aus diesem ungewöhnlichen Buch "mitnehme" und ich bin nicht sicher, alles so verstanden zu haben, wie es die Autorin erkenntlich machen wollte, und vielleicht ist mir deshalb auch das Ende etwas zu bitter ... trotzdem war ich positiv überrascht von dem feinen Gespür, das Sarah Perry an den Tag legt, um ihren Figuren Authentizität einzuhauchen und der Schreibstil an sich ist wirklich ganz was besonderes.

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Autorin

Sarah Perry

Sarah Perry - Autor
© Jamie Drew

Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den …

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Sprecherin

Julia Nachtmann

Julia Nachtmann wurde 1981 in Stuttgart geboren. Schon während ihres Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg war sie mehrfach am Thalia Theater zu sehen. Von 2005 bis 2013 war sie am Schauspielhaus Hamburg engagiert, wo sie 2006 mit dem Boy-Gobert-Preis ausgezeichnet wurde. Derzeit ist sie als freischaffende Schauspielerin u. a. am Deutschen Theater in Berlin zu sehen. Sie wirkte außerdem in diversen Fernsehproduktionen und in der schwäbischen Kinokomödie "Die Kirche bleibt …

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