Mara Andeck - Autor
© Olivier Favre

Autorin

Mara Andeck

 
Mara Andeck wurde 1967 geboren. Sie hat Journalismus und Biologie studiert, volontierte beim WDR und arbeitet heute als Wissenschaftsjournalistin. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern und ihrem Hund in einem kleinen Dorf bei Stuttgart. Wen küss ich und wenn ja, wie viele? ist ihr erstes Jugendbuch, in dem sie die Erfahrungen mit ihren Teenagertöchtern, ihre Begeisterung für Biologie und ihren Spaß an guten und lustigen Geschichten zusammenbringt. Die Fortsetzung ist bereits in Vorbereitung.

Interview

Im Interview: Mara Andeck über ihre neue Buchreihe "Lilo auf Löwenstein" | 06.03.2017

Frau Andeck, mit "Lilo auf Löwenstein" ist eine neue Buchreihe für Mädchen ab neun Jahren gestartet. Können Sie kurz etwas zum Inhalt vom ersten Band erzählen?Gern! Lilo ist elf, und sie liebt Abenteuer über alles. Als die ganze Familie in eine Wohnung in einem richtigen, echten Schloss zieht, ist s...

Frau Andeck, mit "Lilo auf Löwenstein" ist eine neue Buchreihe für Mädchen ab neun Jahren gestartet. Können Sie kurz etwas zum Inhalt vom ersten Band erzählen?
Gern! Lilo ist elf, und sie liebt Abenteuer über alles. Als die ganze Familie in eine Wohnung in einem richtigen, echten Schloss zieht, ist sie natürlich total begeistert. Doch auf Schloss Löwenstein treffen drei skurrile Familien mit insgesamt sieben Kindern aufeinander, und erst mal ist alles ganz schön kompliziert. Dann findet Lilo aber tolle Freunde, rettet ein Tierbaby und entdeckt ein uraltes Geheimnis. Das ist die äußere Handlung. Eigentlich geht es in den Lilo-Büchern aber um diese ganz speziellen Momente, die jeder kennt, der mal Kind war: Die Momente, in denen eine größere Gruppe von Eltern und Kindern zusammen Zeit verbringt, in denen Große und Kleine spielen, reden und lachen, und in denen sich das Leben leichter anfühlt als sonst. Man erinnere sich nur an Straßenfeste, Grillabende und Ferientage. Natürlich ist auch in dieser Kindersommerwelt nicht immer alles lustig und leicht, solche Momente wechseln sich ja auch im echten Leben immer mit schwereren ab. Aber es gibt sie, und sie machen Kinder stark.
Und wie geht es mit Lilo auf Löwenstein weiter? Stehen Sie schon in den Startlöchern für den zweiten Band?
Oh ja, der zweite Band ist sogar schon fertig. Darin spielt ein rabenschwarzes Pony eine wichtige Rolle. Mehr wird aber noch nicht verraten.
Was ist besonders an der Figur Lilo? Ist sie eine typische Identifikationsfigur für Mädchen in jungen Jahren?
Sie ist eine Identifikationsfigur für abenteuerlustige Kinder. Ich glaube, dass Jungs und Mädchen sich gleichermaßen mit ihren Gedanken und Gefühlen identifizieren können.
Wie lautet Lilos Lebensmotto?
Lebe wild und gefährlich!
Welche Figur im Buch gefällt Ihnen am besten und warum?
Ich mag Lilo, weil sie abenteuerlustig und gleichzeitig feinfühlig und fair ist. Und Anni, weil sie so direkt ist und die Dinge knochentrocken beim Namen nennt. Außerdem liebe ich den lustigen und frechen Ben. Und den ruhigen, klugen David. Und … ach, ich mag sie alle! Aber am besten gefällt mir Mini, das Siebenschläferbaby. Ich habe selbst schon mal einen kleinen Siebenschläfer gefunden und aufgepäppelt, das war sowas von niedlich!
Wem empfehlen Sie die Bücher über Lilo besonders?
Allen Kindern, die gern etwas über echte Abenteuer in der richtigen Welt lesen wollen, eine Welt, in der niemand zaubern kann und in der Tiere nicht sprechen, die aber trotzdem spannend ist. Und lustig. Und schön.
Die Buchreihe bietet den „Bullerbü-Faktor“ und erzählt von Kindern, die auch aus der Feder von Astrid Lindgren stammen könnten. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?
Bullerbü? Ja und Nein. Eigentlich sind das ja ganz moderne Kinder, die Handys benutzen und gern am Tablet „daddeln“. Aber diese Kinder spielen trotzdem draußen und erleben die Natur mit allen Sinnen, insofern ist da auch „Bullerbü-Feeling“ drin, das stimmt. Zur Idee: Als ich in Lilos Alter war, haben wir die Ferien oft bei Verwandten auf einem Rittergut in der Lüneburger Heide verbracht. Und später waren mein Mann und ich dort mit unseren Töchtern. Da spielt man als Kind von morgens bis abends mit anderen Kindern draußen. Es gibt einen Wald, einen Fluss und viele Tiere, man darf alles und muss nichts. Abends kommt man mit schmutzigen Füßen hungrig nach Hause, fällt erst übers Essen her und dann ins Bett. Und am nächsten Morgen strampelt man die Decke weg und zieht wieder los. Dieses Lebensgefühl wollte ich einfangen.
Wie sah Ihre Kindheit aus?
Ich war das mittlere von drei Kindern. Man sagt, dass solche „Sandwich-Kinder“ es schwer haben, aber so habe ich das nie empfunden. Ich hatte zu beiden Geschwistern nur einen geringen Altersabstand, konnte also mit den Spielsachen und Büchern meines Bruders und meiner Schwester etwas anfangen und hatte immer jemanden zum Spielen und Streiten. Mir war nie langweilig. In unseren Schulalltag haben sich unsere Eltern kaum eingemischt. Wir mussten pünktlich und höflich sein und uns Mühe geben, Schlamperei war nicht okay, aber die Noten waren nicht so wichtig. Wenn wir die Hausaufgaben fertig hatten, sind wir verschwunden und keiner konnte uns anrufen, Handys gab es ja noch nicht. Wir mussten um 19.00 Uhr nach Hause kommen, und wenn wir im Wald oder auf den Feldern waren, mussten wir mindestens zu dritt sein. Das war alles an Vorschriften, mehr Kontrolle hatten unsere Eltern nicht. Was wir bis abends gemacht haben, wissen sie zum Teil heute noch nicht. Ist auch besser so. Wir haben zum Beispiel unsere Ohren an Eisenbahnschienen gelegt, um herauszufinden, ob wir wie Winnetou hören können, wenn ein Zug kommt. Wir haben trotzdem alle überlebt.
Und, wie haben Sie die Kindheit Ihrer Töchter mitgestaltet? Was war Ihnen besonders wichtig?
Wir sind aufs Land gezogen, damit sie auch viel draußen spielen konnten. Und wir haben möglichst alle Abenteuerideen unterstützt. So haben wir zum Beispiel oft in Schlössern und Burgen übernachtet. Einmal sind wir mit Pferd und Planwagen eine Woche lang durch blühende Wiesen gefahren, und das war auch für uns Eltern ein Abenteuer. Das Pferd war nämlich ein kräftiger Kaltblüter und hatte einen echt starken Willen.
Was möchten Sie Ihren jungen Leserinnen mitgeben?
Ich möchte, dass sie ganz viel Spaß beim Lesen haben und anschließend vielleicht sogar neue Ideen für eigene Abenteuer finden.

Interview

„Ich habe schon selbst als Testperson an einer psychologischen Studie mitgewirkt […] Und vieles an der Studie fand ich im Nachhinein seltsam, genau wie Moya.“ | 11.02.2016

Frau Andeck, Ihr Buch „Wolke 7 ist auch nur Nebel – Moyas Liebesexperiment“ ist Ihr sechstes Buch im Kinder- und Jugendprogramm von Bastei Lübbe. Der Roman erscheint im All-Age-Verlag ONE. Können Sie die Geschichte mit wenigen Worten zusammenfassen?Gern! Die 18-jährige Abiturientin Moya glaubt nicht...

Frau Andeck, Ihr Buch „Wolke 7 ist auch nur Nebel – Moyas Liebesexperiment“ ist Ihr sechstes Buch im Kinder- und Jugendprogramm von Bastei Lübbe. Der Roman erscheint im All-Age-Verlag ONE. Können Sie die Geschichte mit wenigen Worten zusammenfassen?
Gern! Die 18-jährige Abiturientin Moya glaubt nicht an die große Liebe. Sie hält das ganze Gerede darüber für romantischen Quatsch. Als ihre beste Freundin Lena sie für ein wissenschaftliches Liebesexperiment anmeldet, macht sie trotzdem mit. Als Versuchskaninchen kann ihr schließlich nichts passieren, oder? Und das Geld kann sie für ihren Neuseeland-Trip nach dem Abi gut gebrauchen. Doch dann wird ausgerechnet Moya zur Hauptfigur im großen Love Test, der neuen Datingshow im Fernsehen, eben weil sie so skeptisch ist. Dabei trifft sie auf drei Kandidaten, die nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien als perfekte Partner für sie ausgesucht wurden. Wie die Geschichte ausgeht, verrate ich natürlich nicht.
Was unterscheidet die Geschichte von Moya von Ihren bisherigen Büchern?
Man kann und soll auch bei diesem Buch an vielen Stellen lachen. Aber Liebe tut manchmal wirklich richtig weh. Und diese Erfahrung macht Lena in diesem Buch, es gibt also auch traurige Stellen.
Wie sind Sie an das Thema „All-Age“ herangegangen? Wie glauben Sie, kann man diese als schwierig erreichbar bekannte Zielgruppe begeistern?
Ich hoffe, dass man sie genau auf dieselbe Weise erreichen kann wie mich selbst. Deswegen habe ich ein Buch geschrieben, wie ich es selbst gern lesen würde. So erzähle ich die Geschichte zum Beispiel aus mehreren Perspektiven. Und ich habe Textsplitter wie fiktive Interviews, wissenschaftliche Dokumente und Zeitungsartikel eingebaut. Ich liebe nämlich solche Handlungsmosaike, bei denen ich als Leserin mitdenken und miträtseln kann.
Moya glaubt in Ihrem Buch nicht an die Liebe. Wie war das bei Ihnen als junge Frau? Waren Sie eher romantisch oder doch pragmatisch veranlagt, was den Glauben an die große Liebe betrifft?
Ich war ein wandelndes Fragezeichen. Einen Menschen, mit dem ich mein Leben teilen und gute und schlechte Zeiten durchstehen kann, habe ich mir schon immer gewünscht. Aber ich hatte große Zweifel, ob so etwas überhaupt möglich ist. Und wenn ja – wo findet man die große Liebe? Wie erkennt man sie? Darüber habe ich viel nachgedacht. Zum Glück hat das dann ja geklappt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Sie schildern in Ihrem Buch sehr detailliert, wie Moya für die Show „Love Test“ ausgesucht wird, wie sie drei von Wissenschaftlern ausgesuchte potenzielle Traummänner datet und kennenlernt und wie sie letztlich in einer Live-Show vor die Herausforderung gestellt wird, einen der Männer als ihren Zukünftigen auszuwählen. Wie sind Sie bei der Recherche für den Blick hinter die TV-Kulissen vorgegangen? Man könnte meinen, Sie hätten das Filmset von DER BACHELOR besucht…“
Das hätte ich gern getan, denn da ist es sicher traumhaft schön. Aber notwendig war es nicht. Hinter die TV-Kulissen habe ich bei meiner Arbeit als Journalistin oft geblickt. Außerdem habe ich wochenlang Datingshows aller Art gesehen, die es ja wie Sand am Meer gibt. Ich habe Fachliteratur zu diesem Thema gelesen und sogar psychologische Studien darüber. Zum Beispiel gibt es eine Studie zu der Frage, ob die Teilnahme psychische Schäden hinterlassen kann. Das kann sie offenbar wirklich, zum Beispiel, wenn die Kandidaten anschließend einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Bei fernsehtechnischen Details konnte ich außerdem eine Kollegin fragen, die als Regisseurin arbeitet.
Apropos, was halten Sie von Dating Shows im Fernsehen? Glauben Sie, man kann dort die große Liebe finden?
Es gibt natürlich nichts, was es nicht gibt. Aber ich glaube, vor laufenden Kameras ist das sehr schwer. Liebe braucht Zweisamkeit. Wie soll man denn ganz man selbst sein, wenn vor einem ein Fernsehteam steht und wenn man weiß, dass Tausende von Menschen zuhören und zusehen?
Welcher der drei Kandidaten Ole, Jaro und Maximilian wäre Ihr Favorit gewesen, und warum?
Maximilian. Weil er klug, einfühlsam und witzig ist und sehr in sich selbst ruht.
Wissenschaftliche Fakten spielen in all Ihren Büchern immer eine große Rolle. Woher nehmen Sie Ihr Wissen über den menschlichen Körper und die Psyche?
Aus Fachbüchern, wissenschaftlichen Studien und Gesprächen mit Experten. Ich habe auch schon selbst als Testperson an einer psychologischen Studie mitgewirkt. Dabei ging es allerdings nicht um Liebe, sondern um Musikalität. Trotzdem war einiges übertragbar. Damals wurde zum Beispiel auch der Hormonstatus der Testpersonen überprüft. Und vieles an der Studie fand ich im Nachhinein seltsam, genau wie Moya.
Ihre Töchter haben bei der Entstehung dieses Buches eine große Rolle gespielt. Wie genau haben die beiden Ihnen geholfen und wie schwer ist es, Kritik von den eigenen Töchtern anzunehmen?
Wir haben viele Kapitel intensiv diskutiert und sogar gemeinsam getextet. Manchmal habe ich abends den Laptop zugeklappt und wenn ich ihn morgens geöffnet habe, standen da ein paar neue Zeilen, die ich nicht selbst geschrieben hatte. Das hat Spaß gemacht. Wir haben dabei alle drei gelernt, mit Kritik umzugehen. Ich musste manchmal schon schlucken, wenn die beiden mir knallhart gesagt haben, was ihnen nicht gefiel. Und die beiden mussten lernen, damit umzugehen, dass ich ihre Passagen immer umschreiben musste, auch wenn sie toll waren. Denn jeder, der schreibt, hat nun mal einen anderen Satzbau und Wortschatz, aber ein Text muss aus einem Guss sein. Wir mussten daher beim Überarbeiten Kriterien dafür entwickeln, wer wann das letzte Wort hat. Aber das hat gut geklappt. Schließlich lesen und kritisieren die beiden meine Texte schon seit Jahren und sind darin richtig gut. Beide sind im Alter meiner Protagonistinnen, deswegen hatten sie immer Recht, wenn sie sagen: Das würden wir so nie sagen, denken oder fühlen und wir kennen auch niemanden, der das so sieht. Aber ich als Autorin hatte immer das letzte Wort, wenn es um die Handlung ging.
Welchen Rat würden Sie einer jungen Frau geben, die ihre große Liebe sucht und bisher noch nicht finden konnte?
Weitersuchen! Studien zufolge klappt´s meistens sowieso erst nach dem siebten Versuch. Hilfreich ist es, wenn man die Trefferchancen erhöht, indem man viele Leute kennenlernt. Wer sich nicht trifft, kann schließlich auch kein Paar werden. Man muss dafür aber kein Partymensch sein. Die meisten Paare lernen sich im Freundes- und Bekanntenkreis oder in der Ausbildung beziehungsweise im Berufsleben kennen. Oder bei Hobbys.
Haben Sie einen rein wissenschaftlichen Tipp für den Umgang mit Liebeskummer auf Lager?
Reden hilft. Das sagt nicht nur die Erfahrung, das sagt tatsächlich auch die Wissenschaft. Man muss sich den Kummer wirklich von der Seele reden. Am besten spricht man mit Freunden, die sich mit Ratschlägen zurückhalten und einfach nur zuhören.
Was wünschen Sie sich für Ihr Buch „Wolke 7 ist auch nur Nebel“?
Leserinnen und Leser, die so viel Spaß beim Lesen haben, wie ich es beim Schreiben hatte.
Arbeiten Sie bereits an einem neuen Projekt oder machen Sie nach den vielen Büchern eine Pause?
Ich habe gerade eine Pause gemacht, einfach, weil andere Dinge erledigt werden mussten. Da hat mir aber richtig was gefehlt. Jetzt arbeite ich an einem neuen Buch, in dem es um Freundschaft geht. (Ein bisschen natürlich auch um Liebe. Geht es darum nicht immer?) Mehr kann ich leider noch nicht verraten.

Interview

„Ohne meine Töchter könnte ich keine Jugendbücher schreiben.“ | 30.09.2015

Frau Andeck, worum geht es in Ihrem neuen Buch „Wenn das Leben dich nervt, streu Glitzer drauf“?Es geht um die „Igel-Frage“, also darum, wie viel Abstand man zu anderen Menschen braucht, um sich gegenseitig nicht zu piksen. Gerade in Jugendjahren hätte man oft gern mehr Abstand zur Familie, aber daf...


Frau Andeck, worum geht es in Ihrem neuen Buch „Wenn das Leben dich nervt, streu Glitzer drauf“?
Es geht um die „Igel-Frage“, also darum, wie viel Abstand man zu anderen Menschen braucht, um sich gegenseitig nicht zu piksen. Gerade in Jugendjahren hätte man oft gern mehr Abstand zur Familie, aber dafür weniger zu ganz bestimmten anderen Personen. Und genau so geht es auch Tess, der Protagonistin im Buch. Doch dann kommt es genau umgekehrt: Sie zieht mit ihrer eigentlich sehr liebenswerten Großfamilie zusammen, aber die stört ihr Liebesleben ganz empfindlich, und das nervt.
Wie ist Ihnen die Idee zum Buch gekommen?
Ich habe als Kind immer gern die „Waltons“ gesehen, eine altmodische Fernsehserie über eine amerikanische Großfamilie. Und irgendwann dachte ich: Was würde eigentlich passieren, wenn man heutzutage eine lebendige, quirlige Großfamilie in einem einzigen Haus unterbringen würde. Und ich kam zu dem Schluss: Für die kleinen Kinder wäre es herrlich, für die Jugendlichen und die Erwachsenen teilweise ganz schön hart.
Welche Gruppe Mädchen wollen Sie mit dem Buch ansprechen?
Alle, die ihre Familie eigentlich sehr gern haben, sie aber trotzdem oft ganz weit weg wünschen. Und auch alle, die für ihren Geschmack zu wenig Familie haben. Die können die Stille im Haus nach dem Lesen dann wieder richtig genießen.
Sie selbst haben zwei Töchter. Wie kamen Sie da auf die Idee, dass Ihre Protagonistin ein Einzelkind sein sollte?

Ich wollte auch ein bisschen mit einem Klischee aufräumen. Man behauptet ja immer, dass Einzelkinder Defizite haben, dass sie nicht teilen können oder Streit nicht so gut aushalten. Dabei stimmt das gar nicht. Ich kenne viele Gegenbeispiele, und Studien beweisen das auch.

Haben Sie als Autorin Gemeinsamkeiten mit Tess?
Wie sie neige auch ich dazu, Dinge, die mich ärgern, ändern zu wollen, indem ich Verantwortliche anspreche oder anschreibe.
Was sollten junge Leser(innen) aus Ihrem Roman mitnehmen?
Fröhlichkeit, Gelassenheit, kreative Ideen, wie man die Welt auch mal betrachten kann – mit Selbstironie.
Sie haben selbst eine große Familie. Ist die auch so chaotisch, wie die Großfamilie im Buch?
Ähm. Nö. Gar nicht.
(Anmerkung der Red.: Die Autorin starrt an dieser Stelle auf ihre Fingernägel. Dann springt sie auf, weil sie angeblich irgendetwas holen muss. Und zuletzt versucht sie krampfhaft, das Thema zu wechseln. Wir haken nicht nach, denn schließlich besteht ihre Großfamilie aus insgesamt vier Hunden, acht Kindern und neun Erwachsenen, alle leben in der Nähe. Was soll sie da schon anderes sagen?)
Welche Vor- bzw. Nachteile hat es Ihrer Meinung nach, eine große Familie zu haben?
Es hat nur Vorteile: Man wird davon flexibel, belastbar und genügsam. Und es kann einem im Leben nicht viel Böses passieren, denn eine solche Großfamilie dürfen Außenstehende nicht ungestraft reizen. Man hilft sich gegenseitig.
Kinder sind bekanntlich die besten Kritiker. Sind Ihre beiden Töchter sowas wie Ihre ganz persönliche Lesejury? Wenn ja, was haben sie zu Ihrem neuen Buch gesagt?
Ohne meine Töchter könnte ich keine Jugendbücher schreiben. Sie wecken meine eigenen Jugenderinnerungen, sie lassen mich an vielen ihrer Erlebnisse teilhaben, sie lesen und kommentieren meine Texte und manchmal nehmen sie mir die Tastatur weg, sagen „das geht ja wohl gar nicht“ und schreiben ganze Passagen um. Über Tess und ihre Familie haben sie sehr gekichert. Manches kam ihnen wohl bekannt vor.
Sie haben in wenigen Jahren eine große Anzahl Bücher veröffentlicht. Hatten Sie schon einmal eine Art Schreibblockade? Müssen Sie sich schon mal zum Schreiben motivieren?

Das Wort Schreibblockade verwende ich bewusst nicht. Oft starre ich wochenlang auf einen leeren Bildschirm, aber diese Phasen müssen sein, in ihnen brütet das Gehirn die Geschichten aus. Es ist manchmal schwierig, dann nicht nervös zu werden und darauf zu vertrauen, dass die Wörter bestimmt irgendwann sprudeln werden. Zum Schreiben motivieren muss ich mich täglich. Oft sogar zwingen. Alles andere wäre gelogen. Die Welt glitzert überall so schön, man könnte auch tausend andere Sachen machen. Disziplin muss da einfach sein.

Interview

Interview | 30.01.2014

Mara Andeck hat Journalismus und Biologie studiert und arbeitet heute als Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Mit ihrer witzigen Tagebuch-Reihe um Lilia und Tom feiert sie große Erfolge. Die Autorin weiß, was Jugendliche interessiert, und nimmt sie ernst. Sprüche wie „Du weißt doch gar nicht, was...

Mara Andeck hat Journalismus und Biologie studiert und arbeitet heute als Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Mit ihrer witzigen Tagebuch-Reihe um Lilia und Tom feiert sie große Erfolge. Die Autorin weiß, was Jugendliche interessiert, und nimmt sie ernst. Sprüche wie „Du weißt doch gar nicht, was Liebe eigentlich ist!“ hat Mara Andeck als Teenager oft genug gehört. Ihr Sachbuch »Liebe in echt« erklärt Jugendlichen auf unterhaltsame Art, was Liebe eigentlich ist. Im folgenden Interview erklärt uns die Autorin, warum die Pubertät eigentlich ein Mythos ist und welche Fehler Erwachsene im Umgang mit jungen Erwachsenen oft machen.
Frau Andeck, wie haben Sie Ihre eigene Pubertät erlebt?
„Erlebt“ im Sinne von „selbst gefühlt“ habe ich diese Phase gar nicht. Ab meinem 13. Geburtstag wurde ich zwar von anderen ständig darauf hingewiesen, dass ich mich in der Pubertät befinde. Aber ich hatte selbst nicht das Gefühl, dass ich mich in dieser Phase stärker verändert habe als in den Jahren zuvor. Klar gab es in dieser Zeit körperliche Veränderungen, aber die gab es schließlich, seitdem ich auf der Welt war. Und natürlich hatte ich in dieser Zeit auch Probleme, Stimmungsschwankungen, Liebeskummer und Auseinandersetzungen mit Eltern und Lehrern. Aber auch nicht öfter als vorher oder nachher.
Ich halte die Pubertät seitdem für einen Mythos, eine künstlich herbeigeredete Phase, eine Art Hilfskonstruktion für Erwachsene, um mit Menschen in der Zeit zwischen Kindheit und Volljährigkeit besser klarzukommen.
Was war das schlimmste Erlebnis in dieser Zeit?
Ein bestimmtes Erlebnis kann ich da gar nicht nennen, aber zwei immer wiederkehrende Situationen. Ich habe es immer gehasst, wenn jemand meine Meinung mit dem Hinweis auf mein angeblich pubertäres Denken einfach vom Tisch gefegt hat, statt inhaltlich darauf zu reagieren. Und noch schlimmer fand ich es, wenn meine Gefühle nicht ernstgenommen wurden. Das war vor allem beim Thema Liebe der Fall. Mir wurde signalisiert: Lieben kann man in diesem Alter noch gar nicht. „Du hast ja nur noch Jungs im Kopf“, solche Sätze habe ich gehört, wenn ich verliebt war. Und bei Liebeskummer kam dann „Das geht vorüber“, oder „In deinem Alter sollte man so etwas noch nicht so ernst nehmen.“ Das war demütigend. Es gibt doch keine Altersgrenze, ab der man ernstzunehmende Gefühle hat, und vorher ist alles nur ein Hormonrausch, in den man sich hineinsteigert.
Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Mitgenommen habe ich erste Zweifel an dem gesellschaftlichen Phänomen Pubertät. Natürlich gibt es im Leben jedes Menschen eine Zeit, in der er oder sie geschlechtsreif wird, und die kann man von mir aus ruhig Pubertät nennen. Aber was damit angeblich alles zusammenhängen soll, das wird meiner Meinung nach bedenklich überbewertet! In diesen Zweifeln wurde ich dann bestärkt, als meine Kinder in dieses Alter kamen. Sie haben sich in den Teenagerjahren nicht in hormongesteuerte, launische Monster verwandelt, sie sind immer noch ganz sie selbst. Ihre eigene Persönlichkeit zieht sich durch alles durch, was sie tun, sie sind Individuen und keine „Pubertäter“.
Gibt es mit Ihren Töchtern denn keinen Streit um Dinge wie unordentliche Zimmer, Mithilfe im Haushalt oder die Einhaltung von Regeln und Grenzen?
Doch, natürlich, oft! Aber solche Konflikte gab es auch schon, als meine Kinder kleiner waren.
Warum halten Sie die Überbetonung dieser Lebensphase für bedenklich?
Man redet damit Probleme herbei, statt sie zu entschärfen, man verstärkt also das Phänomen, das man zu beobachten glaubt.
Welche Themen beschäftigen heutige Teenager? Können Sie Unterschiede zwischen sich selbst und Ihren Töchtern entdecken?
Die meisten Unterschiede sind individuell. Damals wie heute gab und gibt es nicht „den“ typischen Teenager. Aber natürlich wachsen meine Töchter in einer anderen Zeit heran und ihr Alltag sieht anders aus als meiner früher. Ein ganz wichtiger Unterschied: Sie müssen ihr Abitur in zwölf Schuljahren absolvieren und haben deswegen viel weniger Freizeit als ich in ihrem Alter. Sie haben also auch weniger Zeit, sich über das Leben, die Liebe und alles, was damit zusammenhängt, Gedanken zu machen.
Sie sind Wissenschaftsjournalistin und haben sich auch mit Forschungsergebnissen zum Mythos Pubertät befasst. Was haben Sie da gefunden?
Verhaltensforscher haben weltweit 186 Kulturen untersucht und dabei festgestellt, dass dieses angeblich rein biologisch verursachte Pubertätsverhalten nur in der westlichen modernen Welt auftritt. Es kann also kein unvermeidliches Schicksal sein. In anderen Kulturen hängen Jugendliche in den Entwicklungsjahren nicht mit Gleichaltrigen ab und ziehen sich auch nicht in eine eigene Welt zurück. Stattdessen sind sie fast ausschließlich mit Erwachsenen zusammen und übernehmen schon feste Aufgaben in der Gemeinschaft. Und dabei geht es ihnen offenbar gut.
Warum binden wir hier bei uns Jugendliche nicht auch stärker ein?
Das ist schon rein strukturell schwer möglich. Durch die Schule unterscheidet sich der Alltag Jugendlicher beispielsweise kaum von dem zehnjähriger Kinder. Dabei kann und will man mit 16 doch viel mehr als mit zehn. Manche Psychologen glauben deswegen: Jugendliche in westlichen Industrienationen sind nicht rebellisch oder pubertär, sie sind schlicht und ergreifend depressiv. Weil sie keiner für voll nimmt, weil man sie in der Familie und in der Schule noch immer behandelt wie Kinder, weil sie niemals echte Verantwortung übernehmen dürfen, nicht einmal für ihr eigenes Leben. Ich halte das für eine sehr nachvollziehbare Theorie. Und weil wir Erwachsenen das nicht leicht ändern können, nennen wir die ganze Problematik einfach „Pubertät“, erklären sie damit für naturgegeben und trösten uns mit dem Gedanken, dass all das vorübergeht.
Aber tatsächlich verändern sich in dieser Zeit doch die Hormone und das Gehirn der Jugendlichen.
Ja, aber auch das geschieht von Geburt an. Dass kleine Kinder nachts trocken werden, ist genauso hormongesteuert wie zum Beispiel der Zahnwechsel oder das Körperwachstum. Und das menschliche Gehirn verändert seine Funktionsweise zum Beispiel auch bei Depressionen.
Warum werden dann ausgerechnet Teenager so oft als Pubertäter mit hormonell außer Kraft gesetzten Gehirnen beschrieben?
Da kann ich nur spekulieren. Vielleicht werden die Hormonveränderungen in den Jugendjahren überbewertet, weil es sich dabei um Sexualhormone handelt und Erwachsene oft immer noch ein Problem mit Sexualität haben.
Was können Erwachsene tun, um das durch den Mythos „Pubertät“ gestörte Verhältnis wieder zu verbessern?
Ich sag´s mal so: Eine Familie mit kleineren Kindern und eine Grundschulklasse bestehen quasi aus Häuptlingen und Indianern. Die Rollen sind klar verteilt. Aber in den Jugendjahren gibt es in solchen Gruppen dann plötzlich nur noch Häuptlinge. Man ist nämlich nicht 18 Jahre lang „klein“ und dann von einem Tag auf den anderen volljährig. Und das müssen Eltern und Lehrer akzeptieren. Anderen Häuptlingen kann man nicht einfach Regeln überstülpen, man muss sie aushandeln. Jugendliche sollten mit fortschreitender Lebenserfahrung zunehmend ernst genommen werden, sie sollten in jedem Lebensjahr mehr selbst entscheiden dürfen und mehr selbst verantworten müssen. Zum Beispiel, wen sie lieben und wie.
Und können Jugendliche auch etwas zu einem besseren Verhältnis beitragen?
Überraschende Erfolge erzielen sie, wenn sie einfach mal ruhig und sachlich mit Eltern oder Lehrern sprechen. Wer das tut, passt man nämlich nicht mehr in die „Kinderschublade“ rein. Toben, Wüten, Nörgeln, Weglaufen, das kennen Eltern schon aus Kleinkindzeiten und darauf reagieren sie ganz automatisch ähnlich wie beim Kleinkind.
Mit Ihrem Buch »Liebe in echt« möchten Sie vor allem Mädchen durch den schwierigen Prozess des Erwachsenwerdens begleiten. Worum geht es genau in Ihrem Buch?
Es geht in diesem Buch nicht um Aufklärung und es handelt sich hier auch nicht um einen Sexualratgeber. In dem Buch geht es um die Frage: Was ist Liebe? Was ist das für ein Gefühl? Was kennzeichnet eine Liebesbeziehung? Das ist natürlich nicht leicht zu beantworten. Gibt es sie überhaupt, die wahre Liebe? Und wenn ja, wie findet man sie? Und wenn man sie dann gefunden hat: Kann sie ein Leben lang halten? Kann man ihr mit Liebestränken auf die Sprünge helfen? Wie wichtig ist Treue? Und, hat man einen Fehler gemacht, wenn Liebe zerbricht? Wissenschaftler haben schon einiges über die romantische Liebe herausgefunden und auch ein Blick auf unsere Geschichte gibt interessante Antworten.
Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?
Beim Schreiben von „Lilias Tagebüchern[1]“ ist mir aufgefallen, dass es zwar für Erwachsene Bücher über die Liebe gibt, aber nicht für Jugendliche. Die wissenshungrige Lilia, meine Romanheldin, hätte ein solches Buch geliebt, und ich dachte, dass andere Mädchen vielleicht auch gern mehr über die Liebe wüssten.
Was möchten Sie Mädchen mit Ihrem Buch »Liebe in echt« mitgeben?
Ich fände es schön, wenn das Buch Jugendlichen dabei hilft, eigene Vorstellungen von Liebe klarer zu sehen. Je genauer man weiß, was man sich im Leben wünscht, desto höher ist meiner Meinung nach die Chance, dass man es auch erreicht. Und das Thema Liebe ist so wichtig! Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, darüber nachzudenken.
[1] „Wen küsse ich und wenn ja, wie viele?“ (Boje Verlag, 2013) / „Wer liebt mich und wenn nicht, warum?“ (Boje Verlag, 2013) / „Wenn Liebe de Antwort ist, wie lautet die Frage? (Boje Verlag, 2014)
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