Marthas Widerstand
 - Kerry Drewery - Hardcover

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16,00

inkl. MwSt.

One
Hardcover
Junge Erwachsene
447 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-8466-0043-6
Ersterscheinung: 16.03.2017

Marthas Widerstand

(62)

Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in die nächste Zelle verlegt wird. Die Zellen werden dabei immer kleiner, genauso wie Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert?
Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem es um viel mehr als ein einzelnes Menschenleben geht …

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Pressestimmen

„Ein spannendes Konstrukt, das den Leser sofort gefangen nimmt.“
„Drewerys Roman ist ein lohnenswertes Gedankenexperiment“
„Beklemmend, unfassbar spannend und nicht nur für Jugendliche absolut lesenswert!“
„Spannende Mischung aus Thriller und Dystopie rund um ein packendes Gedankenspiel: Was wäre, wenn nur noch über Fernsehvotings Recht gesprochen würde?“

Rezensionen aus der Lesejury (62)

Weltenwanderer Weltenwanderer

Veröffentlicht am 17.02.2018

Polarisierende Version über ein Rechtssystem, das viele Fragen aufwirft

Es ist ein Jugendbuch, und das merkt man auch in manchen kleinen Details und die Logik hinter dem "System", dass sich die Regierung hier ausgedacht hat, wäre nicht in allen Punkten händelbar - aber darum ... …mehr

Es ist ein Jugendbuch, und das merkt man auch in manchen kleinen Details und die Logik hinter dem "System", dass sich die Regierung hier ausgedacht hat, wäre nicht in allen Punkten händelbar - aber darum geht es hier bei der Geschichte auch nicht.

Es geht um die zunehmende Vermarktung von Schicksalen, von Menschen, in der Presse und es geht um die Frage des "Auge um Auge" Prinzips: inwieweit soll die Bestrafung an der Schuld gemessen werden und wie viel Menschlichkeit hat ein Täter am Ende noch verdient.
Die Autorin zeigt hier ein System, das vielen im ersten Moment vielleicht sogar gar nicht so abwegig erscheint: streichen wir die Gerichte und lassen das Volk entscheiden. Jeder Mensch darf abstimmen, ob jemand schuldig ist oder nicht.
Allerdings: was ist mit Beweisen, Gründen, Motiven für die Tat? Ist es richtig, Mörder gleichzustellen, die aus Habgier und andere, die aus Notwehr getötet haben?
Dazu kommt: jeder darf so oft anrufen wie er möchte bzw., wie oft er es sich leisten kann. Denn die Abstimmung ist nicht billig und wie schnell herrschen hier Willkür und Korruption, wenn es um Macht und Einfluss geht?

"Die Regierung kontrolliert die Medien, und die Medien manipulieren die Menschen!" S. 92

Martha ist 16 und die Hauptprotagonistin. Als sie festgenommen wurde hat sie gesagt, dass sie Jackson Paige erschossen hat. Das Opfer und die Tatwaffe lagen direkt neben ihr - doch kann man ihr glauben? Weshalb sollte sie den Mord gestehen, wenn sie es nicht war? Und wenn sie es war, warum hat sie es getan?

Die Medien interessiert es nicht, denn das ganze wird durch die Show "Death is Justice" täglich an ein Millionenpublikum vermarktet, Propaganda geschürt und in eine Richtung gelenkt, die den Zuschauerzahlen dient. Vor allem die Vorurteil gegenüber Menschen, die nicht mit dem goldenen Löffel in der Hand geboren wurden, werden hier regelrecht vorgeführt und es ist erschreckend, wie nah diese Geschichte an der Realität ist.
Der Aufbau der Handlung ist sehr ungewöhnlich - zum einen begleitet man Martha, die sieben Tage auf das Ergebnis ihrer Abstimmung warten muss und wird von Zelle 7, nach Zelle 6, bis schließlich zur Zelle 1 geführt. Ihre Gedanken erlebt man aus der Ich-Perspektive und ist damit immer ganz nah ihren Erlebnissen.
Gleichzeitig gibt es Kapitel, die aus der Sicht ihrer Betreuerin geschrieben sind, Eve Stanton, die ein ganz persönliches Interesse daran hat, mit den Todgeweihten zu sprechen und sie in ihren letzten Tagen zu begleiten.
Die Abschnitte aus der Fernsehsendung sind in einem ungewohnten Stil erzählt, der aber die Atmosphäre des ganzen super eingefangen hat, vor allem, da alles was momentan passiert im Präsens erzählt wird. Wirkt dadurch aber extrem echt und anschaulich!

Es gibt auch Rückblicke aus Marthas Sicht, die in der Vergangenheitsform geschrieben wurden, dass es mir als Leser leicht gemacht hat, den Überblick zu behalten. Überhaupt wird alles sehr definiert beschrieben und ich fühlte mich immer nah am Geschehen. Obwohl man ahnt wie es ausgehen wird weiß man bis zum Ende nicht, wie sich das alles tatsächlich auflösen wird; die Ahnung verdichtet sich zwar immer mehr, aber das Ende empfand ich sehr dramatisch und hat mich gefühlsmäßig sehr mitgerissen.

Insgesamt ein sehr aufwühlendes Thema, das wirklich gut und vor allem fesselnd umgesetzt wurde. Man gerät richtig in einen Sog weil man wissen will, was dahintersteckt, und ich war mehrmals richtig wütend auf die Propaganda der Medien, bei der die Menschen und Gefühle nur als Spielbälle für die Quoten genutzt wurden.

Einzig ein Zitat hat mich etwas irritiert

"Hast du dich je gefragt, was das Mächtigste auf der Welt ist?"
"Irgendeine Person?", antwortete ich. "Jemand, der die Interessen des Volkes vertritt.
Oder zumindest sollte es so sein." S. 219

Sollte das tatsächlich so sein?

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SillyT SillyT

Veröffentlicht am 18.01.2018

Unerwartetes Highlight

Gerade einmal sechzehn Jahre alt ist Martha Honeydew, als sie einen Mann auf offener Straße erschossen haben soll. Nun sitzt sie den ersten von sieben Tagen in Zelle eins von sieben, denn genau sieben ... …mehr

Gerade einmal sechzehn Jahre alt ist Martha Honeydew, als sie einen Mann auf offener Straße erschossen haben soll. Nun sitzt sie den ersten von sieben Tagen in Zelle eins von sieben, denn genau sieben Tage lang darf die Bevölkerung Englands per Telefonvoting darüber abstimmen, ob Martha Leben darf oder hingerichtet werden soll. Schon die Umfragewerte zeigen, dass Martha sehr schlechte Chancen auf ein Überleben hat und doch plädiert sie noch nicht einmal auf unschuldig. Aber auch das hat seine Gründe, denn Martha möchte dem Völk die Augen öffnen, vor den Ungerechtigkeiten einer solchen Abstimmung.
Meine Meinung:
Der Klappentext und auch das Cover dieses Buches machten mich sehr neugierig, trotzdem hatte ich zu Beginn des Buches gar keine großen Erwartungen, doch schon nach kurzer Zeit war ich wie gebannt von Martha und ihrer Geschichte. Der Schreibstil der Autorin ist sehr schmucklos, die Sätze sind knapp und hämmern sich dabei aber während des Lesens regelrecht in den Kopf. Mir kam die Sprache hier genau richtig vor, denn das Thema, das die Autorin hier aufgreift ist leider nur allzu gut vorstellbar und dadurch noch um einiges erschreckender. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und durchlebte während des Lesens eine wahre Gefühlsachterbahn, mal war ich einfach nur wütend, auf Grund der geradezu schreienden Ungerechtigkeit, dann spürte ich Marthas Trotz, aber auch ihre Angst und ihre Liebe zu den Menschen, die ihr nahe standen und im nächsten Moment wurde es so spannend, dass der Adrenalinspiegel nur so nach oben schoß. Von Hoffnung über Angst, über Wut und Fassungslosigkeit, wirklich alles an Gefühlen war dabei.
Das Thema der Geschichte klingt sehr abgeschmackt, doch dabei absolut aktuell, denn es ist für uns doch gar nichts besonderes mehr, wenn man z. B. über Z-Promis "Abendessen" per Telefonvoting abstimmen darf. Wie weit ist es dann hergeholt, dass das Volk über die Todesstrafe abstimmen darf? Natürlich ist das noch kein richtiger Vergleich und doch kann ich mir vorstellen, wie sehr solch eine Sendung anziehen kann, die Sensationslüsternheit ist doch heutzutage nichts ungewöhnliches und dem Leiden eines anderen zuzusehen unterhaltsam. Die Einschaltquoten eines solchen TV-Spektakels dürften gigantisch hoch sein, doch wo ist da noch die Gerechtigkeit? Genau darum geht es hier in dieser Geschichte.
Die Spannung steigt hier mit dem Fortschreiten der Geschichte, so wie Martha täglich die Zelle wechseln muss, um ihrem Urteil näher zu kommen, wechseln auch die Abschnitte im Buch. Dabei hängt das Urteil wie ein Damoklesschwert über dem Leser und auch wenn es hoffnungslos scheint, spürt man doch permanent, wie sehr man Martha einen guten Ausgang wünscht. Die Frage nach Marthas Schuld oder Unschuld ist dabei noch nicht einmal ausschlaggebend, denn diese Frage kann man sich selber sehr schnell beantworten.
Die Perspektiven des Buches sind vielseitig, denn man bekommt hier einen kompletten Rundumblick. Wir erleben manches Geschehen aus Marthas Sicht und die Erzählform schwankt dabei zwichen der Ich-Erzählung und Momenten, in denen sich Martha in Gedanken an andere Personen wendet. Dabei erfährt man, was bisher überhaupt geschehen ist, wer der Mann war, den Martha getötet hat und wie sie bisher aufgewachsen ist. Aber wir erleben hier auch noch andere Sichtweisen, zum einen kommt Eve, Marthas psychologische Betreuerin während der Haft, zur Sprache, mal Marthas Nachbarin, mal ein ausgemusterter Richter. Dann gibt es Szenen der Fernsehshow, die so richtig realistisch herüber kamen und bei denen ich beinahe platzen konnte vor Ärger über die Moderatorin, die ihre Rolle hier perfekt spielt.
Die Charaktere der Geschichte sind relativ überschaubar, dabei wird hier eines sehr schnell glasklar: die Kluft zwischen arm und reich, zwischen denen, die den Ton angeben und die, die nichts dagegen machen können. Diese Kluft ist auch heute schon gegeben und dementsprechend ist dieses Zukunftsbild, das Kerry Drewery hier entwirft, absolut vorstellbar. Die Vielschichtigkeit der Charaktere ist hier sehr gut gelungen und greifbar. Man entwickelt schnell Sympathien oder Antipathien und Martha, aber auch die Psychologin Eve und noch einige weitere Charaktere sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Daneben gibt es aber auch Personen, die geradezu Überheblichkeit, Ignoranz und Arroganz aus jeder Pore ausstrahlen und mich beinahe vor Ärger über ihre Art schreien ließen.
Ich könnte hier noch Ewigkeiten über mein Gefühlsspektrum beim Lesen schreiben, aber ich würde dann einfach viel zu viel über diese Geschichte, deren Ende übrigens offen ist, verraten. Ich hoffe sehr, dass die Geschichte eine Fortsetzung erhält, wobei ich mir dann durchaus die Handlung vorstellen kann, aber äußerst gespannt auf deren Umsetzung bin.
Mein Fazit:
Ein Buch, das mich mit auf eine regelrechte Reise durch die Gefühlswelt mitnahm und mich kaum zur Ruhe kommen ließ. Ein durchaus vorstellbares Szenario und überzeugende Charaktere ließen mich regelrecht durchs Geschehen fliegen und konnten mich fesseln. Der Schreibstil mag für manch einen gewöhnungsbedürftig erscheinen, aber ich fand ihn hier perfekt,kurz, knapp, beinahe kalt und dadurch realistisch. Ein offenes Ende lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen. Ich habe mit Marthas Widerstand ein unerwartetes Highlight erhalten, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

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Emmy29_4 Emmy29_4

Veröffentlicht am 12.01.2018

Spannendes Buch, welches auch zum Nachdenken anregt

Titel: Marthas Widerstand
Autorin: Kerry Drewery
Verlag: One
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 16.03 2017
Seitenzahl: 426 Seiten
Preis: 16,00 Euro

Martha liegt wegen einem Mord in einer von sieben Zellen. ... …mehr

Titel: Marthas Widerstand
Autorin: Kerry Drewery
Verlag: One
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 16.03 2017
Seitenzahl: 426 Seiten
Preis: 16,00 Euro

Martha liegt wegen einem Mord in einer von sieben Zellen. Sieben Tage stimmt das Volk darüber ab, ob sie sterben, oder leben soll. Wenn sie durch alle Zellen gewandert ist, steht die Todesstrafe an. Und bei jeder neuen Zelle, wird auch der Raum kleiner.
Es stellt sich heraus, dass die Mehrheit des Volkes sie sterben sehen will. Doch was ist, wenn sie genau darauf spekuliert und einen Stein ins Rollen bringen möchte?

Bereits, als ich den Klappentext gelesen habe, fand ich die Geschichte sehr ansprechend und hätte sie am liebsten sofort gelesen. Und was soll ich sagen? Ich war vollends begeistert.

Obwohl ich von Gesichtern auf Covern nicht so begeistert bin, sprach es mich dennoch an. Denn in ihrem Blick spiegelt sich die Stärke und Unnachgiebigkeit. Insgesamt sind die Cover vom One Verlag ja immer wunderschön.

Auch die Charaktere waren mir anfangs sofort sympathisch. Martha ist eine sehr interessante Person und man hat bei ihr viele Gefühle auf einmal verspürt. Sie hat aber auch einen starken Charakter, was man auch daran erkennen kann, dass sie sich ein Ziel gesetzt hat, welches sie auch umsetzten will. Beim Klappentext war ich mir noch etwas unsicher, ob sie einfach nur naiv ist, oder doch schlau und klug. Sie ist so eine kleine Mischung aus beidem. Und genau das mochte ich auch sehr an ihr. Denn es ist nicht so, dass sie total unnachgiebig ist, sondern auch viele Zweifel und Trauer spielen auch eine große Rolle in ihrer Geschichte.

In dieser Geschichte wurden die Richter abgeschafft und durch ein Voting System wird endschieden, ob die Menschen, die in den Zellen landen, leben würfen. Dazu gibt es auch eine Show "Death is Justice", wo Familienmitglieder, ehemalige Richter, oder ähnliche Menschen auftreten dürfen, um die Person zu unterstützen. In der Zelle wiederum bekommt Martha die Psychologin Eve zur Seite gestellt, welche mit ihr ein Gespräch führen soll. Eve spielt in der Geschichte auch noch eine sehr entscheidende Rolle.

Man kann sehr wohl sagen, dass diese Geschichte auch zum Nachdenken anregt. Was beispielsweise überhaupt in unserer Gesellschaft passiert und ob möglicherweise auch unsere Demokratie an solch eine Grenze langen wird. Obwohl Martha größtenteils nur in der Zelle ihre Zeit verbringt, gibt es immer wieder Rückblenden, die näherbringen, warum Martha überhaupt bei den Zellen gelandet ist. Auch die Fernsehsendung "Death ist Justice" kommt regelmäßig in den Kapiteln vor, wo die unaussprechlich schreckliche Moderatorin die neusten Neuigkeiten über Martha und andere Gefangene preis gibt. Bei ihr habe ich das ein oder andere Mal fast die Nerven verloren. Ich denke, diejenigen die dieses Buch gelesen haben, werden dies nachvollziehen können.

Den Schreibstil von Kerry Drewery mochte ich sehr gerne, denn es ließ sich sehr flüssig lesen. Auch durch die Rückblenden und der Show hatte man etwas Abwechslung, was mir gut gefiel.

Fazit: Das Buch beinhaltet eine Geschichte voller Gefühle. Es ist nicht nur eine wunderbare Handlung, sondern hat auch etwas Nachdenkliches, was aber trotzdem Spannend und interessant ist.

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Cora Cora

Veröffentlicht am 06.01.2018

Bist du bereit, für ein Versprechen dein Leben zu geben?

Dystopie Marthas Widerstand von Kerry Drewery erschienen am 16.03.2017 im One Verlag, geb. Ausgabe 448 Seiten

Martha hat einen Mann umgebracht. Das Volk darf darüber entscheiden, ob sie hingerichtet ... …mehr

Dystopie Marthas Widerstand von Kerry Drewery erschienen am 16.03.2017 im One Verlag, geb. Ausgabe 448 Seiten

Martha hat einen Mann umgebracht. Das Volk darf darüber entscheiden, ob sie hingerichtet wird oder nicht. Sieben Tage lang durchläuft sie verschiedene Zellen. Jede Zelle beinhaltet individuelle psychologische Foltermethoden. Ein voyeuristischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Die Autorin erzählt den Plot flüssig aus abwechselnder Sicht der verschiedenen Protagonisten. Dies lässt gerade zum Ende hin den Spannungsbogen enorm ansteigen. Martha ist ein sechzehnjähriger Teenager, Waise und lebt in den sog. Kratzern der niederen Schicht. Seit dem Tod ihrer Mutter muss sie sich alleine durchkämpfen, was sie auch gut bewerkstelligt. Lediglich zu ihrer Nachbarin unterhält sie ein sehr enges Verhältnis. Nach ihrem Schuldeingeständnis muss sie ihre Stärke enorm unter Beweis stellen. Psychologischen Beistand erhält sie von Eve Stanton, die ihrerseits gleichermaßen etwas zu verarbeiten hat. Geschickt werden Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft und zum Ende erfährt der Leser, was es mit dem wahren Grund des Mordes auf sich hat.

Fazit: Eine partiell überaus glaubwürdige Dystopie. Die Autorin verdeutlicht sehr stark den Klassenunterschied der Menschen und wie wichtig es ist, Geld und die richtigen Verbindungen zu haben, um ein sorgloses Leben zu führen. Weiterhin wird der Voyeurismus der Menschheit gut herausgearbeitet. Wenn man für eine Hinrichtung bezahlt, möchte man sie auch sehen, selbst wenn der Beteiligte unschuldig ist. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung mit fünf Sternen.

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Traumwelten Traumwelten

Veröffentlicht am 18.12.2017

Lesenswerter Auftakt

“Marthas Widerstand” von der britischen Autorin Kerry Drewery ist der erste Teil einer dystopischen Trilogie. Ein richtig gut geschriebenes Buch über den Kampf um Gerechtigkeit, ein neues Rechtssystem, ... …mehr

“Marthas Widerstand” von der britischen Autorin Kerry Drewery ist der erste Teil einer dystopischen Trilogie. Ein richtig gut geschriebenes Buch über den Kampf um Gerechtigkeit, ein neues Rechtssystem, das auf Volksabstimmung beruht, Manipulation und die Rebellion eines tapferen, jungen Mädchens. Dramatisch und packend erzählt. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.

Die 16-jährige Martha stammt aus den “Kratzern”, “der unterprivilegierten Gegend, die allgemein, als >die Wolkenkratzer< bekannt ist, benannt nach den Hochhäusern, die dort errichtet wurden, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken…” (Zitat S.32 aus “Marthas Widerstand”) Seit dem Tod ihrer Mutter ist sie ein Waisenkind und muss selbst Geld verdienen, um in der Wohnung bleiben zu können und nicht in ein Pflegeheim abgeschoben zu werden. Doch jetzt sitzt Martha hinter Gittern. Weil sie den Mord an Paige Jackson gestanden hat, einer Berühmtheit aus Realityshows und von Wohltätigkeitsveranstaltungen. Und weil sie in einem Rechtsstaat lebt, der keiner mehr ist, weil sämtliche Gerichte abgeschafft wurden, stimmt nun das Volk über ihre Freilassung oder über ihre Hinrichtung ab. Sieben Tage lange. Während dieser Zeit wird sie entweder für unschuldig erklärt und freigelassen oder wandert von Gefängniszelle 1 bei Sonnenaufgang zu jeweils nächsten, bis hin zur letzten der insgesamt sieben Zellen. Nach Zelle 7 wartet nur noch der elektrische Stuhl auf sie. In einer Fernsehsendung namens “Death is Justice” wird über die Hintergründe berichtet, es werden Interviews geführt und eine Moderatorin ruft das Publikum zur Abstimmung auf: “Nun, die Gerechtigkeit, liebe Zuschauer, liegt wie immer in Ihrer Hand. […] Wählen Sie 0909 87 97 77 und fügen dann bitte die 7 für >schuldig< hinzu oder eine 0 für >nicht schuldig<. Sie können natürlich auch per SMS abstimmen. Senden Sie STERBEN oder LEBEN an 7997.” (Zitat S.44). Doch hat Martha den Mann wirklich umgebracht? Und welchen Plan scheint sie zu haben?

“Marthas Widerstand” hat ein auffälliges, gelungen gestaltetes Cover, mit einem Blick aus zwei Augen, die einen zu fixieren scheinen. Widerstand leisten gegen einen unfassbar großen Gegner — gegen ein System, das von Manipulation und Korruption geprägt ist — genau tut Martha. “Außerdem bin ich jetzt fest entschlossen. Ich kann eine Woche Einsamkeit aushalten. Und ich kann tot sein. Die Leute werden sehen und hören, was ich zu sagen habe, und vielleicht, ganz vielleicht, werden sie es begreifen. Vielleicht werden sie es endlich kapieren und vollkommen schockiert sein. Und dann habe ich meinen Teil getan. Dann liegt es an dir, diese Schockwelle zu nutzen und die Dinge für immer zu verändern.” (Zitat S.74)

In ihrer Ich-Perspektive spricht sie immer wieder eine zu Beginn noch unbekannte Person mit “Du” an. Isaac, ihre große Liebe, mit dem sie keine Zukunft hat. Mit dem sie gemeinsam kämpfen wollte. Wer ist Isaac? Welche Aufgabe kommt ihm zuteil? “Wir haben alle unsere Rollen zu spielen, du und ich, dadurch bestimmt, wo wir aufgewachsen sind. Du kannst den Kämpfer geben, während ich die Märtyrerin bin. Schließlich ist das alles, was ein Mädchen wie ich aus den Kratzern tun kann. Ich bin nicht schlau genug oder selbstbewusst genug, habe nicht genügend Geld und hatte nicht einmal eine Zukunft, ehe ich hier gelandet bin.” (Zitat S.29) A

ber vor allem: was ist wirklich passiert in jener Nacht, in der Paige Jackson starb? Ist Martha tatsächlich die Täterin? Und was hat sie vor? Diese Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Ergänzt werden die nicht allzu langen Kapitel aus Marthas Sicht, die nur die Überschrift “Martha” tragen, durch einige andere, interessante Perspektiven: “1.) Psychologische Betreuung”, in der aus allwissender Sicht und personaler Erzählweise von den Treffen der Protagonistin mit Eve, der Psychologin, berichtet werden. 2.) “Eve”, in der diese aus ihrem Alltag und Erleben außerhalb des Gefängnisses erzählt; was sie alles unternimmt, um Martha zu helfen, aber auch um hinter ihr Geheimnis zu kommen. 3.) “Death is Justice”: der Fernsehsendung, die wie ein Drehbuch widergegeben wird. Gerade Kerry Drewery Marthas Widerstanddiese Sendung mit zu verfolgen — die offensichtlichen Manipulationen der Moderatorin, die oberflächliche, einseitige Berichterstattung — macht einen großen Teil des Buches aus und liest sich erschreckend realistisch. Kerry Drewery ist es gelungen ein katastrophales Szenario in Worte zu fassen, dessen Absurdität dem Leser erst nach und nach bewusst wird. “Big brother” meets “Deutschland sucht den Superstar”, gemischt mit nichts anderem als einem Spiel um Leben und Tod. Dazu jede Menge Spannung, ein außergewöhnlicher, abwechslungsreicher Erzählstil und die Wahrheit, die man wie ein Puzzle erst langsam zusammensetzen muss. Das Ende: buchstäblich nervenzerreißend!!

Fazit: Ein sehr lesenswerter Auftakt einer ganz besonderen Reihe.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Kerry Drewery

  Kerry Drewery ist Autorin für Kinder- und Jugendbücher. Zelle 7 ist der erste ihrer Titel, der auf Deutsch übersetzt wird. Die Geschichte über ein Justizsystem, das ad absurdum geführt wurde und eine Gesellschaft, in der eine Fernsehshow über die Urteile für Straftäter entscheidet, wird in einem zweiten Band (Seven Days) fortgesetzt, der voraussichtlich 2018 ebenfalls im ONE-Programm erscheint.

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