Marthas Widerstand
 - Kerry Drewery - Hardcover

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16,00

One
Hardcover
Junge Erwachsene
447 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-8466-0043-6
Ersterscheinung: 16.03.2017

Marthas Widerstand

(14)

Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in die nächste Zelle verlegt wird. Die Zellen werden dabei immer kleiner, genauso wie Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert?
Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem es um viel mehr als ein einzelnes Menschenleben geht …

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Pressestimmen

„Ein spannendes Konstrukt, das den Leser sofort gefangen nimmt.“
„Drewerys Roman ist ein lohnenswertes Gedankenexperiment“

Rezensionen aus der Lesejury (14)

Ascari0 Ascari0

Veröffentlicht am 18.07.2017

Recht sprechen mittels Televoting ...



"Marthas Widerstand" entdeckte ich irgendwann dieses Jahr bei einer der Vorschauen, die ein anderer Buchblogger gepostet hatte. Und das Thema des Buchs sprang mich sofort an, da ich solche Geschichten ... …mehr



"Marthas Widerstand" entdeckte ich irgendwann dieses Jahr bei einer der Vorschauen, die ein anderer Buchblogger gepostet hatte. Und das Thema des Buchs sprang mich sofort an, da ich solche Geschichten einfach nur liebe.

Zum Inhalt:

Die 16jährige Martha wird mit der Waffe in der Hand vor der Leiche von Jackson Paige verhaftet. Sie legt ein umfassendes Geständis ab und wird - dem Rechtssystem entsprechend - eine Woche lang in eine Zelle gesteckt. Jeden Tag kommt sie in eine andere kleinere Zelle, bis sie am Ende in der letzten, der Zelle 7, hingerichtet werden soll.

Über ihren Tod entscheidet allerdings kein Richter und auch kein Geschworener, sondern ein Televoting! Wer es sich leisten kann, darf darüber abstimmen, ob Martha leben oder sterben soll. Doch Martha hat ein Geheimnis - und sind die Dinge tatsächlich immer so, wie sie zu sein scheinen?

Meine Meinung:

Grundsätzlich mag ich Dystopien sehr. Aus dem einfachen Grund, weil es mich immer wieder fasziniert, was ein Autor sich ausdenkt, wie sich eine Welt entwickeln könnte. Seit "Die Tribute von Panem" ist das Genre aber so klischeebeladen, dass man langsam, aber sicher das Gefühl bekommt, dass hier nichts mehr Neues drinsteckt. Dass es aber auch anders geht, beweist Kerry Drewery in "Marthas Widerstand" sehr eindrucksvoll.

Denn Martha ist nicht die einzige Heldin dieser Geschichte. Neben ihr werden andere Figuren wie beispielsweise die psychologische Betreuerin Eve Stanton eingeführt, die schon bald Verdacht schöpfen, dass bei diesem Mord nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auf der anderen Seite steht die Öffentlichkeit, die durch eine show-ähnliche Sendung namens "Death of Justice" gezielt manipuliert wird, das Mädchen zum Tod auf dem elektrischen Stuhl zu verurteilen.

Der Schreibstil der Autorin wechselt immer wieder die Perspektive, denn mal wird aus der ersten, mal aus der dritten Person erzählt. Das führt dazu, dass sich die Blickwinkel immer wieder ändern. Am besten haben wir aber die Szenen bei der TV-Sendung gefallen, denn diese werden ähnlich einem Drehbuch erzählt. Die Dialoge der Moderatoren mit ihren Studiogästen werden nur durch Anweisungen und kurze Beschreibungen unterbrochen, damit bekommen diese Szenen fast den Charakter einer Live-Übertragung.

Gerade die Dialoge sind es auch, die meiner Meinung nach die ganz große Stärke dieses Buchs ausmachen. Denn gerade Martha stellt viele kluge Fragen, die es wert sind, dass man sich aus Leser Gedanken macht. Wie sieht es mit der Macht der Medien aus? Wie werden Menschen manipuliert? Warum hinterfragen so wenige dieses Rechtssystem? Denn dass auch dieses System Fehler hat, erschließt sich dem Leser schon ziemlich bald.

Dies ist meiner Meinung nach auch vielleicht das einzige, was man dieser Geschichte vielleicht negativ ankreiden kann. Denn ich hatte schon recht früh ein Gefühl dafür, was im Hintergrund abgelaufen ist. Da es allerdings ein Jugendbuch ist, denke ich nicht, dass man dies der Autorin wirklich zum Vorwurf machen kann.

Aber kommen wir zu den positiven Dingen zurück: Erfrischend anders ist auch die Liebesgeschichte, denn Martha hat bereits einen Freund zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte beginnt. In Rückblenden erfährt der Leser, wie es zum Kennenlernen kam und wer er ist. Wunderschön, aber auch traurig sind hier vor allem die Szenen im Gefängnis, wo sich Martha darüber Gedanken macht, ob sie ihn noch einmal sehen wird, noch einmal mit ihm reden wird, das trieb mir vor allem am Ende tatsächlich ein klein wenig die Tränen in die Augen ...

Der Schluss selbst rief ein paar zwiespältige Gefühle in mir hervor, denn einerseits ist die Geschichte abgeschlossen, andererseits auch wieder nicht. Als Cliffhanger würde ich das Ende nicht sehen, aber es bleiben einige Fragen offen. Ursprünglich war wohl gedacht, das Buch als Einzelroman zu veröffentlichen, in der Zwischenzeit ist aber eine Fortsetzung angekündigt worden.

Mein Fazit:

"Marthas Widerstand" ist für mich eine Dystopie, die sich wohltuend aus der Menge der übrigen Bücher in diesem Genre abhebt. Im Gegensatz zu vielen Autorinnen verlässt die Autorin die gewohnten Bahnen und schafft es gekonnt, eine spannende Geschichte zu erzählen UND viele Fragen zu stellen, die den Leser nachdenklich werden lassen.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Kitsune87 Kitsune87

Veröffentlicht am 20.06.2017

Marthas Widerstand

Rezension zu Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Durch eine bevorstehende Leserunde auf Lesejury.de wurde ich auf diesen Roman aufmerksam. Er erinnerte mich aufgrund des Titels sehr an „Die Rebellion ... …mehr

Rezension zu Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Durch eine bevorstehende Leserunde auf Lesejury.de wurde ich auf diesen Roman aufmerksam. Er erinnerte mich aufgrund des Titels sehr an „Die Rebellion der Maddie Freeman“, auch wenn sich die Thematik unterscheidet. Da ich jedoch nicht bis zum Beginn der Runde warten wollte, hatte ich mir abends spontan das ebook gekauft. Aufgrund einer recht unruhigen Nacht war das Buch auch bis zum nächsten Tag beendet. Dies lag allerdings leider nicht an dem Unterhaltungswert von „Marthas Widerstand“.

Daten:

Titel: Marthas Widerstand
Autor: Kerry Drewery
Übersetzer: Sabine Bhose
Verlag: ONE (Bastei Lübbe)
Genre: Dystopie | Jugendbuch
Preis: Gebunden 16,00 € | ebook 11,99 €
Erscheinungsdatum: 16.03.2017
Isbn: 978-3846600436

Marthas Widerstand ist der erste Teil einer Reihe. Band 2 wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 bei ONE erscheinen.

Klappentext:

Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in eine kleinere Zelle verlegt wird. Die siebte und letzte Zelle ist klaustrophobisch klein, und genauso klein sind Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert. Um dem Volk zu zeigen, dass es nicht in einer perfekten Demokratie lebt, sondern von den Machthabern perfide manipuliert wird? Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem viel mehr als ein einzelnes Menschenleben auf dem Spiel steht. (ONE)

Meinung:

„Guten Abend, meine Damen und Herren, und willkommen bei unserer heutigen Ausgabe von Death to Justice!“

Die Idee eines gesellschaftskritischen Romans, der sich mit dem „Auge um Auge“ Prinzip befasst ist nicht neu, versprach durch den Klappentext und den kurzen Blick in die Leseprobe jedoch ein thrillerartiges Lesevergnügen. Das Buch und die Idee dahinter hatten dabei sehr viel Potenzial, das jedoch kaum genutzt wurde.

Mir fehlte es vor allem an der Strukturiertheit. Verschiedene Erzählweisen trafen aufeinander und ich wusste oft nicht so recht, was ich davon halten sollte. Aus Marthas Sicht wurde entweder in der 1. Person aus dem Präsens erzählt, wenn sie gerade in ihrer Zelle saß und der Leser Einblick in ihren Alltag in Todestrakt bekam. Dazu kamen eine Art Selbstgespräche, die jedoch an eine Person aus ihrem näheren Umfeld gerichtet waren. Dieser, in der Vergangenheitsform verfasste, innerliche Dia- bzw. Monolog diente dazu, Marthas Situation zu erklären und wie sie dorthin geraten konnte. Generell beschränkte sich ein großer Teil der Erzählung der Geschichte aus Dialogen. Durch den Einsatz von Rückblenden wäre es nicht zu den Längen gekommen, die den Lesefluss erheblich gestört haben. Zusätzlich wurden Kapitel aus Sicht der Psychologin Eve eingeführt. Durch den Einsatz dieser Figur wurde die Atmosphäre in Richtung Thriller gelenkt, was wirklich spannend gewesen wäre, hätte mich auch nicht der Schreibstil so abgeschreckt. Die dritte Erzählweise wäre vielleicht noch die interessanteste gewesen. In der TV-Sendung „Death is Justice“ der „Auge um Auge Productions“ wurden die TV-Zuschauer jeden Tag mit den neusten Informationen über die aktuellen Kriminalfälle gefüttert. Eingebaut wurde dies ähnlich eines Skripts eines Theaterstückes. An sich eine spannende Erzählweise, gäbe es nicht ebenfalls all die bereits erwähnten. Alles in allem hatte ich mehr das Gefühl, einem Schulaufsatz zu folgen, denn einem fertigen Roman. Das Gefühl, ein unfertiges Manuskript vor Augen zu halten, ließ sich leider nicht abschalten.

Durch dieses Durcheinander an Erzählsträngen blieben mir die zuvor genannten Figuren auch nahezu fern. Es ergab sich einfach keine Möglichkeit, ihnen näher zu kommen und hinter den Charakter blicken zu können. Auch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es ist so viel im Vorfeld vorgefallen, das nur am Rande Erwähnung findet und nicht ausreichend rekonstruiert wird, dass es den Anschein hatte, mitten in eine Geschichte gestolpert zu sein. In einem Roman ins kalte Wasser geworfen zu werden führt oft zu einem gewissen Spannungsaufbau, hier allerdings wirkte es doch sehr fehlplatziert. Die eingebaute Liebesgeschichte, die natürlich nicht fehlen durfte, litt ebenfalls an den fehlenden Informationen und wurde aus diesem Grund auch einfach nur noch von mir hingenommen.

Am meisten zusagen konnte mir der moralische Appell an die Leserschaft, der deutlich zu spüren war. Ein kompletter Abbau des Rechtssystems hin zu fragwürdigen Gesetzesentscheidungen, die per Fernsehabtimmung gefällt werden, sind, wenn man sich die aktuelle weltpolitische Lage ansieht, nicht unbedingt ein fernes Romankonstrukt. Leider wurde diese potenziell interessante Idee durch nicht ganz ausgedachte Thrillerelemente ausgebremst. Die vermeintlich ermittelten Person wurde von allein Seiten durch ein ständiges Wiederholen von „Das kann ich Ihnen nicht sagen“ bzw. „Das kann ich Ihnen noch nicht sagen“ Sätzen künstlich hingehalten.

Insgesamt soll die Reihe, so weit ich das in Erfahrung bringen konnte, drei Bände umfassen. Das Ende ist hierdurch offen gehalten, was mich insoweit enttäuscht zurück lässt, da ich mir Band 2 nicht kaufen werde. Auch wenn in den letzten Kapitel das Tempo deutlich angezogen wurde, hatte mich das Buch bis zu diesem Punkt leider so enttäuscht, dass sich an dieser Entscheidung nichts ändern wird.

Fazit:

„Marthas Widerstand“ hätte ein spannender Auftakt zu einer neuen dystopischen Jugendbuchreihe werden können. Leider überwiegen seine Schwächen, die größtenteils der wirren Erzählweisen geschuldet sind. Leider kann ich für diesen Roman keine Leseempfehlung aussprechen, da er sich nicht von anderen Jugendbüchern dieser Art abzuheben weiß.

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kaeferchen kaeferchen

Veröffentlicht am 05.06.2017

schockierend und faszinierend zugleich

Martha wird des Mordes beschuldigt. Nachdem sie die Tat gestanden hat, sitzt sie im Todestrakt und wird die folgenden 7 Tagen auf ihre Verurteilung warten. Die Gesellschaft entscheidet über schuldig oder ... …mehr

Martha wird des Mordes beschuldigt. Nachdem sie die Tat gestanden hat, sitzt sie im Todestrakt und wird die folgenden 7 Tagen auf ihre Verurteilung warten. Die Gesellschaft entscheidet über schuldig oder unschuldig.
Doch Martha versucht gar nicht, die Tat von sich zu weisen, denn mit ihrem Geständnis verfolgt sie einen Plan. Sie möchte das Rechtssystem verändern. Kann dem Teenager dies wirklich gelingen?

Das Setting des Buches ist ziemlich erschreckend. Gerichte und Richter gibt es nicht mehr. Beweise werden nicht gesucht. Keine Zeugenaussagen, keine Verhandlung. Stattdessen wird der Beschuldigte sieben Tage im Todestrakt gefangen gehalten. Eine Woche lang haben die Zuschauer Zeit, abzustimmen, ob die Personen sterben soll (=schuldig) oder weiterleben darf (=unschuldig). Dabei kostet jedes Voting Geld und Mehrfachabstimmungen sind möglich. In einer Gesellschaft mit einer starken Kluft zwischen arm und reich wird schnell klar, wer dort eigentlich regiert. Dabei gibt es eine tägliche Fernsehsendung, die über die Angeklagten, den Vorfall sowie die Angehörigen berichtet. Objektive Berichterstattung sieht aber anders aus...

Der Erzählstil des Buches ist ungewöhnlich, hat aber auf jeden Fall seinen Reiz. Es gibt schnelle Wechsel aus verschiedenen Perspektiven. Neben einigen Passagen aus der Ich-Perspektive von Martha gibt es Einblicke in das Geschehen rund um ihre psychologische Betreuerin sowie Berichte über die Fernsehsendung, die über die Gefangenen bis zu ihrer Verurteilung berichtet.
Unterteilt ist das Buch zusätzlich in sieben Abschnitte – die sieben Tage, die Martha in den sieben verschiedenen Zellen verbringt, während ihr Urteil stetig näher kommt.

Während der Gespräche mit ihrer psychologischen Betreuerin sowie in den Stunden, die Martha allein verbringt und über ihr Leben und ihre Vergangenheit nachdenkt, kann der Leser einen Einblick erhalten, was sich am Tattag zugetragen haben könnte. Doch lange bleibt das Bild unvollständig und die Spannung steigt, ob Marthas Plan aufgehen wird.
Wird es für Martha rechtzeitig einen Ausweg geben oder wird sie als erste Minderjährige hingerichtet werden? Martha hofft, mit ihrem Opfer das System zu verändern, doch kann ihr dies in einer Welt, in der Korruption und Ungleichheit vorherrschen, gelingen?

Ich musste mich erst ins Buch einfinden. Da Martha nur wenig von sich preisgibt, ist es zunächst schwer, sie einzuschätzen. Bis zuletzt schildert sie dem Leser nicht alles, was vorgefallen ist. Doch eins ist klar – der Mord ist anders abgelaufen, als er in den Medien dargestellt wird. Und so habe ich spätestens ab der Hälfte des Buches mit Martha mitgefiebert.

Die Geschichte hat spannende und dramatische, aber auch ein paar langwierige Passagen. Gerade die Fernsehshowpassagen empfand ich teilweise als etwas zäh. Zwar ist die ganze Maschinerie, wie das Publikum gesteuert wird, sehr faszinierend, ich hätte aber beispielsweise keine mehrfache Wiederholung des Abstimmungsprozederes benötigt...

Das Ende ist ziemlich dramatisch – aber auch ziemlich ernüchternd. Denn obwohl zum Schluss nahezu alle Details über den Tathergang offenliegen, bleibt doch offen, inwiefern Marthas Aktion Folgen haben wird... Ich hoffe daher zügig auf einen zweiten Band.

Schockierende Gesellschaft, ungewöhnlicher Erzählstil. Marthas Widerstand konnte mich schnell packen und ich habe mit dem Schicksal des Teenagers mitgefiebert. Das Ende ist allerdings etwas unbefriedigend, da wichtige Fragen offen bleiben.

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thebookpassion thebookpassion

Veröffentlicht am 31.05.2017

Realistisch

Martha soll mitten auf der Straße einen Mann umgebracht haben und wird deswegen angeklagt. Das Volk hat ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit telefonisch abzustimmen, ob sie schuldig oder unschuldig ist. ... …mehr

Martha soll mitten auf der Straße einen Mann umgebracht haben und wird deswegen angeklagt. Das Volk hat ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit telefonisch abzustimmen, ob sie schuldig oder unschuldig ist. Schnell zeigen die Umfragen, dass das Volk sie für schuldig hält. Bei einer Verurteilung wartet der sichere Tod auf Martha. Ist Martha wirklich schuldig oder verfolgt sie noch einen ganz anderen Plan?

Die Idee, die hinter der Dystopie steckt, ist absolut kreativ und auch aktuell. In Zeiten von DSDS oder das Dschungelcamp erscheint das abstimmten via Telefon über die Schuld oder Unschuld gar nicht so abwegig, sodass der Roman auf mich schrecklich realistisch wirkt. Mittlerweile kann man in unserem Fernsehprogramm verfolgen, wie andere Menschen Heiraten, ihre Kinder bekommen oder ihre große Liebe suchen. In Marthas Welt treiben die Meiden die Unterhaltung auf die Spitzte, indem sie die Verurteilung eines Menschen und die Hinrichtung zu einem „unterhaltsamen“ Spektakel verwandeln. Dabei beeinflusst der Sender geschickt, was gezeigt wird, sodass die Zuschauer stark beeinflusst werden und ein völlig unschuldiger Mensch auf einmal absolut schuldig wirkt, sodass eine „Volksabstimmung“ keineswegs gerechter als ein Gericht ist, denn auf aussagekräftige Beweise, wie z. B. Fingerabdrücke, wird vollkommen verzichtet und nur die überzogenen Darstellungen des Senders dienen als Entscheidungshilfe und so steht eher der Spaß im Vordergrund und tatsächliche Gerechtigkeit zählt nicht. Auch wird die Schere zwischen reich und arm aufgrund dessen wesentlich größer, da die Reichen wesentlich mehr Möglichkeiten zum Abstimmen haben.

Kerry Drewery hält sich nicht mit einer langen Einführung auf und so ist man schon im ersten Kapitel mittendrin. Schon auf den ersten Seiten erlebt man Marthas Verhaftung hautnah mit. Die Story wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass man auch weiß, was außerhalb des Gefängnisses passiert und die Geschichte durchaus abwechslungsreich ist, da nicht nur die Gefangenschaft thematisiert wird. So wird verdeutlicht, was die Verhaftung von Martha für Auswirkungen aus verschiedenen Personen hat.
Der sparsame Umgang mit Informationen bezüglich der Absichten von Martha hat mich etwas gestört. Natürlich möchte ich nicht schon nach den ersten zehn Seiten alle Pläne und Absichten kennen aber viele Informationen wurden erst zum Ende des Romans durch Rückblenden wirklich offen gelegte. Ich habe mich daher die ganze Zeit gefragt, was Martha damit wirklich bezwecken will und warum.

Der Schreibstil der Autorin passt perfekt zu der düsteren und ernsten Stimmung des Romans und ist daher eher gradlinige und nicht als verschnörkelt oder blumig zu beschreiben. Die Fernsehshow wird als Drehbuch dargestellt, sodass immer schnell klar wird, wo man sich gerade befindet und es wieder Zeit für die perverse Show ist.

Insgesamt konnte mich die kreative und realistische Idee des Romans absolut überzeugen. Wer also auf eine Dystopie Lust hat, die sich deutlich vom Rest des Genres abhebt wird bei „Marthas Widerstand“ definitiv fündig.

(c) Thebookpassion- thebookpassion.blogspot.de

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Freakajules Freakajules

Veröffentlicht am 16.05.2017

Rezension | "Marthas Widerstand" von Kerry Drewery

Auf "Marthas Widerstand" war ich sehr gespannt, denn die Plotidee hat mich schon beim Lesen des Klappentextes überzeugen können (dazu noch der erste Teil einer Reihe: perfekt für mich). Die Idee an sich ... …mehr

Auf "Marthas Widerstand" war ich sehr gespannt, denn die Plotidee hat mich schon beim Lesen des Klappentextes überzeugen können (dazu noch der erste Teil einer Reihe: perfekt für mich). Die Idee an sich birgt viel Potenzial, was die Autorin meiner Meinung nach sehr gut ausgeschöpft hat und was eine sehr gute Überleitung zum zweiten Band bietet. Ich habe schon im Vorhinein viel über dieses Buch gehört und gelesen, viel Kritik, einige schlechte Meinungen und enttäuschte Stimmen. Was ich letztlich nicht so ganz verstehen konnte, denn "Marthas Widerstand" hat nicht nur eine tolle Botschaft, sondern auch zwei sehr taffe Hauptprotagonistinnen, einen abwechslungsreichen Kapitelaufbau und ein wirkliches emotionales und spannendes Ende.

Die Plotbotschaft an sich steht sehr dominant im Vordergrund und kann einfach nicht überlesen werden. Normalerweise bin ich ein Fan von subtileren Nachrichten und meist brauche ich auch kein leuchtendes Neonschild, das eben genau darauf hinweist, andererseits ist die Moral der Geschichte äußerst wichtig, äußerst aktuell und äußerst anregend zum Nachdenken. Über uns selbst, welchen Teil wir in der Gesellschaft einnehmen, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, aber schließlich auch wie leicht wir uns manipulieren und beeinflussen lassen. Von den Menschen um uns herum, von den Meinungen anderer, von unseren Freunden und unserer Familie und letztlich vor allem von den Medien. Natürlich ist die Botschaft noch viel weitschweifender als das, weswegen sie mich trotz ihrer sehr starken Dominanz doch überzeugt hat. Ein großer Indikator dafür ist, dass ich weit länger darüber nachdenke, als nur während des Buch-Lesens. Auch Tage, nachdem ich die Geschichte beendet habe, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie leicht es uns doch fällt, andere zu be- und zu verurteilen, wie schnell wir unsere Meinung bilden und wie leicht wir doch glauben, was man uns erzählt. "Marthas Widerstand" weißt genau auf diesen Misstand hin und trifft damit aktuell absolut ins Schwarze.

Auch die Charaktere haben mir gut gefallen. Die Balance zwischen arm und reich, zwischen Gerechtigkeit und Sensationsgeilheit, sowie die Suche nach der Wahrheit und das Aufdecken von Lügen haben die Figuren dem Leser mehr als nahe gebracht. Schade fand ich an dieser Stelle, dass mir Eve als die psychologische Gefangenenbetreuerin um einiges besser gefiel, als Martha selbst. Vor allem, da der Titel des Buches Martha in den Vordgerund stellt. Sie ist zwar ganz klar die Märtyrerin, die Rebellin und die Heldin, die die Zukunft verändern will, wirkt aber leider durch ihre Passivität im Plot, eher als Nebendarstellerin. Eve hat mir dagegen wahnsinnig gut gefallen: ihr Engagement, ihre Sensibilität und ihre Feinfühligkeit, dazu noch ihr Kampfgeist fand ich einfach toll und ließ mich über ihre Defizite als Mutter hinwegsehen. Aber auch andere Charaktere, die die Geschichte beeinflusst haben, wie Richter Cicero, Isaac und der Reporter Joshua sind mir sehr positiv aufgefallen (an dieser Stelle liste ich nur die Personen auf, die in der Geschichte ihren natürlichen Menschenverstand benutzen, weil ich mich mit ihnen einfach besser identifzieren konnte – auch die "bösen" Charaktere haben mir gut gefallen und haben eine perfekte Mischung und Vielfalt in die Geschichte gebracht!).

Als besonders empfunden habe ich den abwechslungsreichen Kapitelaufbau, der zwischen Marthas und Eves Sicht, sowie der Fernseh- und Votingshow "Death is Justice" hin und her wechselt. Am besten gefallen hat mir die Fernsehshow (auch wenn ich die Moderatorin wirklich widerwärtig fand), denn bei diesen Kapiteln sah man deutlich die Defizite und den Mangel an Eigeninitiative/Selbstbewusstsein der Gesellschaft, die Manipulation der Zuschauer und die Darstellung einer gezielten und sehr deutlichen Beeinflussung. Damit hat mich die Autorin auf jeden Fall packen können – auch wenn ich mich an vielen Stellen gefragt habe, ob es wirklich so leicht ist, eine ganze Masse so leicht zu formen und in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Über das Ende an sich mag ich eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren, um nicht zu spoilern oder etwas vorwegzunehmen. Besonders überraschend war es für mich persönlich nicht, aber, obwohl ich mir lange eine Fortführung der Geschichte nicht vorstellen konnte, zeigt das Ende dann doch, dass sie auf jeden Fall dringend notwendig ist. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht, welche Botschaft im zweiten Teil thematisiert wird und ob es den Figuren noch gelingt, einen Umschwung und ein Umdenken zu erwirken.

Neben den anderen überzeugenden Aspekten des Buches hat mir auch der Schreibstil gut gefallen. Er ist zwar nicht besonders oder anspruchsvoll, konnte mir aber die Geschichte und die Emotionen der verschiedenen Charaktere nahe bringen (vor allen Dingen am Ende, was mich doch sehr mitgenommen hat). Mir ist es beim Lesen immer wichtig, dass ich Mitfühlen kann, das Handeln der Figuren verstehe und auch eine gewisse Entwicklung sehe.

Fazit
"Marthas Widerstand" ist ein tolles und spannendes Buch und dadurch meiner Meinung nach ein gelungener Reihenauftakt. Das Werk hat aufgrund der tollen Botschaft, einnehmender Charaktere, der steigenden Spannungen und des abwechslungsreichen Aufbaus meiner Meinung nach eine 5-Sterne Bewertung und die dazu ausgesprochene Leseempfehlung mehr als verdient.

Diese Rezension stammt aus unserer Community Lesejury, in der lesebegeisterte Menschen Bücher vor allen anderen lesen und rezensieren können. Hier kannst du dich kostenlos registrieren.

Autorin

Kerry Drewery

  Kerry Drewery ist Autorin für Kinder- und Jugendbücher. Zelle 7 ist der erste ihrer Titel, der auf Deutsch übersetzt wird. Die Geschichte über ein Justizsystem, das ad absurdum geführt wurde und eine Gesellschaft, in der eine Fernsehshow über die Urteile für Straftäter entscheidet, wird in einem zweiten Band (Seven Days) fortgesetzt, der voraussichtlich 2018 ebenfalls im ONE-Programm erscheint.

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