Auf dieser Insel ist nicht nur die Natur mörderisch

Eine einsame Insel. Ein Experiment, das aus dem Ruder läuft. 8 Menschen im Kampf gegen einen tödlichen Feind

Stranded - Die Insel Sarah Goodwin (Autor), Dr. Holger Hanowell (Übersetzer)

Auf dieser Insel ist nicht nur die Natur mörderisch
Für Maddy wird ein Traum wahr: Sie nimmt an einem neuartigen Fernsehexperiment teil, in dem acht Fremde auf einer einsamen schottischen Insel überleben müssen, ein Jahr lang, mit nur minimaler Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt.
18 Monate später ist Maddys Traum zum Albtraum geworden. Die Behörden greifen die junge Frau in einem Fischerdorf auf dem Festland auf. Verzweifelt berichtet sie, wie das Boot, das die Teilnehmer nach einem Jahr abholen sollte, nicht kam. Und davon, wie in den folgenden Wochen einer nach dem anderen starb, nicht durch Hunger oder Krankheit, sondern durch menschliche Hand. Doch was verschweigt Maddy? Und wie schaffte sie es, die Insel lebend zu verlassen?

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Stranded - Die Insel Sarah Goodwin (Autor), Dr. Holger Hanowell (Übersetzer), Demet Fey (Sprecher)

Auf dieser Insel ist nicht nur die Natur mörderisch
Für Maddy wird ein Traum wahr: Sie nimmt an einem neuartigen Fernsehexperiment teil, in dem acht Fremde auf einer einsamen schottischen Insel überleben müssen, ein Jahr lang, mit nur minimaler Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt.
18 Monate später ist Maddys Traum zum Albtraum geworden. Die Behörden greifen die junge Frau in einem Fischerdorf auf dem Festland auf. Verzweifelt berichtet sie, wie das Boot, das die Teilnehmer nach einem Jahr abholen sollte, nicht kam. Und davon, wie in den folgenden Wochen einer nach dem anderen starb, nicht durch Hunger oder Krankheit, sondern durch menschliche Hand. Doch was verschweigt Maddy? Und wie schaffte sie es, die Insel lebend zu verlassen?

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Interview mit Sarah Goodwin

»WIR LEBEN IN EINER ZEIT, IN DER EXPERTEN VERSCHMÄHT WERDEN UND DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG REGIERT«

Ihr Roman wurde erstmals im September 2021 in England veröffentlicht, mitten in der weltweiten Pandemie. Wie hat die Pandemie Ihren Schreibprozess und Ihr Buch beeinflusst? Hatten Sie währenddessen Probleme mit dem Schreiben oder hat die Situation geholfen, sich auf das Schreiben zu konzentrieren?

Die Pandemie hatte einen großen Einfluss auf das Buch. Im ersten Entwurf wurden die Inselbewohner wegen einer Pandemie auf dem Festland im Stich gelassen. Aber als ich das Buch fertig hatte, ist das tatsächlich passiert, was ziemlich surreal war. Also änderten wir die Stellen, um dem Buch einen Hauch von Eskapismus zu verleihen, anstatt die schreckliche Realität widerzuspiegeln.

Ich konnte mich viel mehr auf das Schreiben konzentrieren, weil ich nicht mehr als Aushilfe in Büros arbeiten konnte. Außerdem schirmten wir uns die meiste Zeit während des Lektorats ab, weil es in der Familie gesundheitliche Probleme gab. Es gab also nicht viel zu tun, außer zu schreiben.

Haben Sie bestimmte Schreibrituale? Wo schreiben Sie normalerweise?

Ich schreibe an meinem Schreibtisch in meinem Schlafzimmer. Ich habe Playlists mit Naturgeräuschen, die ich beim Schreiben höre. Bei diesem Buch war es eine achtstündige Schleife mit Regen in einem Kiefernwald. Ich hatte auch Weihrauch und ein Duftspray, das nach Zedern und Kiefern roch, um mich in die Situation zu versetzen. Ich habe einige 'New Age'-Glaubenssätze und auf meinem Schreibtisch liegen Kristalle, die einem helfen sollen, sich zu konzentrieren – ich bin aber nicht überzeugt, dass sie immer funktionieren.

Wie und warum sind Sie Schriftstellerin geworden?

Ich wollte Schriftstellerin werden, seit ich ungefähr dreizehn Jahre alt war. Davor wollte ich Gerichtsmedizinerin werden. Als Teenager habe ich ein paar ‚Romane‘ geschrieben, aber ich habe nie gedacht, dass ich eine Chance hätte. Das ist wie der Wunsch berühmt zu werden, es fühlt sich einfach wie eine Fantasie an. An der Universität studierte ich dann Englische Literatur, vermisste aber die kreativeren Aspekte des Fachs. Also wechselte ich zu Kreativem Schreiben und fing an zu glauben, dass ich in diesem Bereich vielleicht tatsächlich Karriere machen könnte.

Sind Sie ein Fan von Thrillern? Wer ist Ihr Lieblingsautor?

Ich habe Thriller schon immer gemocht, obwohl ich erst vor kurzem versucht habe, selbst welche zu schreiben. Die Monkeewrench-Reihe von P.J. Tracy ist seit langem einer meiner Favoriten. Ich habe aber gar nicht so wirklich Lieblingsautoren, sondern eher Lieblingsthemen. Wenn ich einen Klappentext über eine unheimliche Hütte, eine Kommune oder etwas mit Giften und Hexerei sehe, setze ich das Buch auf meine Wunschliste.

Was gefällt Ihnen am Schreiben eines Thrillers? Warum haben Sie gerade dieses Genre für Ihren Debütroman gewählt?

"Stranded" war eigentlich schon mein zweiter Versuch, einen Thriller zu schreiben. Der erste war allerdings eher ein polizeilicher Kriminalroman. Was mich an diesem Genre wirklich gereizt hat, war die Möglichkeit, dunkle und verdrehte Aspekte der Gesellschaft und des menschlichen Verhaltens zu behandeln. Man kann seine Figuren in schreckliche Situationen mit scheinbar unüberwindbaren Hindernissen bringen und dann zusehen, wie sie sich auf eine Art und Weise wehren, die wirklich kathartisch ist. Es ist ein Genre, in dem Frauen nicht nur die Freundin oder das Opfer sind, sie dürfen stark sein. Sie dürfen siegen.

Was machen Sie außer Lesen und Schreiben noch gerne?

Ich interessiere mich sehr für Horrorfilme, die mich auf viele sehr grausame Ideen bringen. Ich bin ein Body-Horror-Fan, daher gehören die Soska Sisters und Cronenberg zu meinen Lieblingsregisseuren. Ich liebe auch Horror-Elemente in Science-Fiction und würde tatsächlich gerne etwas schreiben, das ein bisschen ausgefallener ist, wo es um medizinische Experimente oder futuristische Technologie geht.

Ich liebe auch Computer-Spiele, denn es gibt viele starke Geschichten in diesen Spielen. Man kann sie als Charakter in einer Erzählung erleben, was unglaublich ist. Vor kurzem habe ich mich sehr für die Dishonored-Reihe interessiert, und zwar so sehr, dass ich einen 15.000 Wörter umfassenden Leitfaden für die dazugehörigen Tarotkarten geschrieben habe.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Maddy erzählt. Ihre Protagonistin scheint auf den ersten Blick eher zurückhaltend und ruhig zu sein, eine Beobachterin, die sehr behütet aufgewachsen ist. Wie würden Sie Maddys Charakter in drei Worten beschreiben?

Insular. Intelligent. Kämpferisch.

Finden Sie sich selbst in Maddy wieder?

Maddy basiert bis zu einem gewissen Grad auf mir. Ich war immer die Stille, die gehänselt wurde. Wir sind beide Menschenbeobachter, die sich beim Beobachten wohler fühlen als beim Mitmachen. Ich glaube, wir haben beide ein starkes Bedürfnis, dass Gerechtigkeit Genüge getan wird. Sie hat aber auch viele Eigenschaften, die ich gerne hätte, wie ihre Stärke und ihre wissenschaftlichen Kenntnisse.

Wie würden Sie Maddys Rolle innerhalb der Gruppe auf der Insel beschreiben?

Maddy ist der geborene Sündenbock. Sie passt nicht dazu und versucht es auch nicht wirklich, weil sie aus Erfahrung weiß, dass sie es nicht kann. In einer perfekten Welt wäre sie die Anführerin auf der Insel, eine Fundgrube an Informationen über Pflanzen für Medizin und Nahrung. Die Person, die ihnen hilft, zu überleben. Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt. Wir leben in einer Zeit, in der Experten verschmäht werden und die öffentliche Meinung regiert.

In Ihrem Buch beschreiben Sie das Überleben in der Wildnis mit begrenztem Zugang zu Nahrung und Materialien sehr detailliert. Woher stammt Ihr Wissen?

Als Teenager habe ich mich für das Leben unabhängig von öffentlichen Einrichtungen interessiert und ein ganzes Buch über den Bau eines Rundhauses gelesen, weil ich überzeugt war, dass ich das selbst machen könnte. Lange Zeit interessierte ich mich auch sehr für Kräutermedizin und Pflanzenkunde sowie für die Nahrungssuche. Ich hatte eine Phase, in der ich tonnenweise wilde Früchte und Kräuter sammelte und daraus Marmeladen und Gelees herstellte. Ich bin bestimmt kilometerweit um Bristol herumgelaufen, um die Sachen zu pflücken und sie in meine Wohnung zu schleppen. Was die gefährlicheren Pflanzen anbelangt, so habe ich die meisten Details durch einfaches Googeln herausgefunden. Sobald ich einen interessanten Fakt fand, musste ich ihn in die Handlung aufnehmen, wie etwa die Debatte über die Essbarkeit von Fliegenpilzen.

Der eigentliche Kampf ums Überleben beginnt erst, als das Boot, das die Teilnehmer zurückbringen sollte, nicht kommt. Wie verändert sich die Atmosphäre auf der Insel danach?

Die Veränderung ist ziemlich plötzlich, denn es geht nicht mehr darum, bis zum Ende durchzuhalten, sondern um das Überleben auf unbestimmte Zeit. Plötzlich steht hundertmal mehr auf dem Spiel. Es gibt keinen Rettungsanker, wenn das Essen ausgeht oder sie verletzt werden – es gibt niemanden am Ende eines Telefons. Sie befinden sich plötzlich in einer realen Überlebenssituation, die nicht nur erfunden ist.

Wussten Sie schon immer, wie die Geschichte endet? Planen Sie normalerweise das gesamte Buch vor dem Schreiben oder entwickeln Sie die Geschichte währenddessen?

Normalerweise plane ich nicht die ganze Geschichte, aber ich habe einen Punkt in der Mitte, auf den ich zusteuere. In diesem Fall war es das Schiff, das nicht kommt. Das war der Punkt, an dem die zweite Hälfte des Buches beginnen sollte. Der Rest der Handlung entwickelte sich mehr oder weniger organisch, je nachdem, in welcher Jahreszeit sie sich befanden und welche Probleme sich daraus ergeben würden. Oder wie die Figuren auf Rationierung, schlechte Nachrichten und Verletzungen reagieren würden. Ich habe mich auch mit Themen beschäftigt, die mir sehr am Herzen liegen – wie Schwangerschaft und die Gefahren, die sie mit sich bringt, wenn es keine medizinische Versorgung und keine Möglichkeit für einen Schwangerschaftsabbruch gibt.

Wären Sie bereit, an einem solchen TV-Projekt mitzuwirken? Oder wäre das eher Ihr persönlicher Albtraum? Für wie realistisch halten Sie die Idee Ihrer Sendung?

Ich liebe die Idee ... im Prinzip! In der Realität bin ich wahrscheinlich zu schwach, um das durchzuziehen. Wie Maddy bin ich auch nicht die Beste darin mit Gruppendynamiken umzugehen, also würde ich wahrscheinlich bei Gruppenbildungen auf der Strecke bleiben. Ich bin jedoch wirklich fasziniert von alternativen Wohnformen. Im Moment überlege ich, einen Van fürs Campen und Reisen umzubauen.

Shows wie diese hier gibt es wirklich, aber sie haben mehr Sicherheitsnetze und mehr Personal von außen. Ich habe die Show auf Dinge wie Castaway 2000 und Eden aufgebaut, die beide aufgrund der Erfahrungen der Teilnehmer:innen umstritten sind. Würde eine Show jemals so weit gehen wie in dem Buch? Ich würde gerne nein sagen, aber Reality-TV wird immer extremer. Menschen haben sich aufgrund von Talkshows das Leben genommen, und Teilnehmer sind während der Dreharbeiten zu Survival-Shows aufgrund von Hitze, Dehydrierung und anderen Komplikationen gestorben. Es ist ein sehr schockierendes Thema, über das man mehr lesen sollte.

Fernsehsendungen wie die Amazon-Serie „The Wilds“ sind derzeit sehr beliebt. Was, glauben Sie, fasziniert die Menschen am Thema Überleben in der Wildnis?

Ich glaube, für manche ist es wie eine Flucht. Eine Situation, die ganz anders ist als das Leben, das wir führen. Es ist aufregend, es gibt immer einen Hauch von Gefahr. Aber für manche liegt der Reiz auch darin, dass Überlebenssituationen das Beste und das Schlimmste im Menschen zum Vorschein bringen. Sie erzeugen Dramatik und bringen die Dinge auf eine Weise auf den Punkt, wie es komplexere, zivilisierte Settings nicht können, weil es zu viele Regeln und zu viele Konsequenzen für die Figuren gibt.

Wo ist der perfekte Ort, um Ihr Buch zu lesen? Auf einer verlassenen Insel?

Das wäre sehr gruselig! Wenn Sie eine Insel finden können, nur zu, aber ich würde vielleicht eine Hütte im Wald vorschlagen. Irgendwo, wo es nachts sehr dunkel und still wird.

Arbeiten Sie bereits an etwas Neuem? Können Sie uns etwas darüber erzählen?

Ich arbeite gerade bereits an meinem dritten Roman für Avon Books. Der Titel lautet 'The Resort' und es geht um ein Paar, das auf dem Weg zu einer Hochzeit in einem Skigebiet ist. Auf dem Weg dorthin hat ihr Auto eine Panne und sie suchen Zuflucht in einer verlassenen Hütte – nur am nächsten Morgen wacht unsere Hauptfigur auf und ihr Mann ist spurlos verschwunden. Das Buch soll Anfang 2023 erscheinen.

Haben Sie einen Rat für angehende Schriftsteller:innen?

Mein bester Tipp ist, mit einem neuen Buch weiterzumachen, wenn man mal nicht weiterkommt. Ich habe über zwanzig Romane geschrieben, die nicht veröffentlicht wurden, und sie waren alle eine gute Übung, aber schließlich musste ich etwas Neues ausprobieren.

Ich empfehle auch, das Buch nicht durchzulesen, bevor es beendet ist. Abgesehen von der Überprüfung von Namen und Daten gehe ich nicht noch einmal durch die Story, bevor das Buch fertig ist. Ich würde sonst endlos an den ersten paar Kapiteln herumfeilen, anstatt am Rest zu arbeiten. Seien Sie wie ein Hai – bewegen Sie sich weiter, oder Sie werden sterben.

Über Sarah Goodwin

Sarah Goodwin
© Sarah Goodwin

Sarah Goodwin ist Engländerin. „Stranded – Die Insel“ ist ihr erstes Buch. Neben der Schreiberei liebt sie es, sich mit Büchern kritisch auseinanderzusetzen, und betreibt einen Podcast. Sie lebt im ländlichen Hertfordshire.

Ein Riss im ewigen Eis bedroht die ganze Welt

Ein Thriller vom spannendsten Schauplatz der Welt

Der Riss Thilo Winter

Die Vulkanologin Antonia Rauwolf wird mit einem ungewöhnlichen Auftrag zu einer Forschungsstation im bedrohten ewigen Eis der Antarktis geschickt: Sie soll herausfinden, ob die kürzlich entdeckten knapp hundert Vulkane aktiv werden könnten, denn ein Ausbruch hätte katastrophale Folgen für das Weltklima. Was keiner weiß: Sie ist auch gekommen, um nach ihrem Bruder Emilio zu suchen, der nach einer verhängnisvollen Expedition in die eisige Wüste als vermisst gilt. Bei ihren Nachforschungen kommt Antonia gefährlichen Machenschaften auf die Spur. Durch illegale Bohrungen geraten Eisplatten in Bewegung, die seit dreißig Millionen Jahren den Lebensraum vieler Arten beschützt haben. Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt …
Ein rasanter Thriller vom eisigsten Schauplatz der Welt
Thilo Winter schreibt erschreckend nah an der Realität

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Der Riss Demet Fey (Sprecher), Thilo Winter (Autor)

Die Vulkanologin Antonia Rauwolf wird mit einem ungewöhnlichen Auftrag zu einer Forschungsstation im bedrohten ewigen Eis der Antarktis geschickt: Sie soll herausfinden, ob die kürzlich entdeckten knapp hundert Vulkane aktiv werden könnten, denn ein Ausbruch hätte katastrophale Folgen für das Weltklima. Was keiner weiß: Sie ist auch gekommen, um nach ihrem Bruder Emilio zu suchen, der nach einer verhängnisvollen Expedition in die eisige Wüste als vermisst gilt. Bei ihren Nachforschungen kommt Antonia gefährlichen Machenschaften auf die Spur. Durch illegale Bohrungen geraten Eisplatten in Bewegung, die seit dreißig Millionen Jahren den Lebensraum vieler Arten beschützt haben. Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt …
Ein rasanter Thriller vom eisigsten Schauplatz der Welt
Thilo Winter schreibt erschreckend nah an der Realität

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Interview: Christiane von Korff

»Die Antarktis – der letzte weiße Fleck auf der Weltkarte«

Journalist Thilo Winter vermischt in seinem Thriller geschickt Fakten mit Fiktion

Sie berichten als Wissenschaftsjournalist für renommierte Magazine und haben sich mit dem Klimawandel als Ursache für den Untergang früher Kulturen und mit der Zukunft der Polargebiete beschäftigt. Was hat Sie daran gereizt, in das fiktive Feld zu wechseln und einen Thriller zu schreiben?

Das Thema Antarktis ist mir häufig bei der Recherche zu wissenschaftlichen Reportagen begegnet. Je öfter ich darüber las, desto mehr Fragen hatte ich: Was geschieht, wenn das Eis der Antarktis weiter rasant schwindet? Was liegt seit Jahrmillionen unter den vier Kilometer hohen Eismassen verborgen und kommt dann zum Vorschein? Das ist praller Stoff für einen Wissenschaftsthriller. Die Geschichte war praktisch schon in meinem Kopf.

DER RISS führt an einen der letzten unberührten Orte der Welt, die Antarktis. Was hat Sie an diesem Schauplatz fasziniert?

Alles. Dieser Kontinent ist so riesig und zugleich so unbekannt, dass er auf einem anderen Planeten zu liegen scheint. Er ist der letzte weiße Fleck auf der Weltkarte. Dort gibt es nichts als Eis, Schnee und Stürme bei Temperaturen von bis zu minus 80 Grad Celsius. Obwohl dieses Land lebensfeindlich erscheint, ist es doch ein Biotop. Dort haben sich über Jahrmillionen einzigartige Lebensformen entwickelt. Die meisten sind der Wissenschaft noch unbekannt. Und: Die Antarktis ist der Maschinenraum der Weltmeere. Durch den Zirkumpolarstrom, die stärkste Meeresströmung der Welt, die um den Südkontinent herumwirbelt, werden alle anderen Meeresströmungen auf der Erde angetrieben. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn dieser Motor der Ozeane durch die Erwärmung der Meere schwächer werden würde.

Inwieweit hat Ihre Arbeit als Journalist das Schreiben Ihres Buches beeinflusst? Waren Sie selbst schon einmal vor Ort oder auf der Forschungsstation Neumayer III?

Die Recherche vor Ort in der Antarktis lässt sich leider nicht ohne Weiteres realisieren. Die touristischen Routen führen meist nur bis zu den vorgelagerten Inseln. Der Kontinent selbst ist ein in sich geschlossenes, empfindliches Ökosystem, das menschliche Besucher nicht gut verträgt. Jeder Stiefel, der dort in den Schnee gesetzt wird, hinterlässt einen schädlichen ökologischen Fußabdruck, im schlimmsten Fall Keime, die das biologische Gleichgewicht stören können. Deshalb habe ich mich gegen einen Besuch vor Ort entschieden. Doch ich konnte auf das Wissen und die Erfahrung derjenigen zurückgreifen, die dort Wissenschaft betreiben: Darunter Dr. Klaus Guba, der die Neumayer III-Station 2019/2020 leitete, und meine Fragen geduldig beantwortete. Auch Dr. Nicole Richter, die die Vulkane der Antarktis untersucht, hat mir sehr geholfen.

Wer an die Antarktis denkt, denkt an ein riesiges Eisfeld und nicht an lavaspuckende Vulkane. In Ihrem Thriller wird die Geologin Antonia Rauwolf mit einem ungewöhnlichen Auftrag ins nicht mehr ganz so ewige Eis geschickt: Sie soll herausfinden, ob die kürzlich entdeckten knapp 100 Vulkane aktiv werden könnten.

Tatsächlich gibt es recht viele Vulkane in der Antarktis. Etwa 50 waren schon bekannt. 2017 sind weitere 91 hinzugekommen – eine enorme Anzahl. Die meisten liegen unter dem Eis. Aber das heißt nicht, dass sie nicht aktiv sein können. Ob sie das sind, ist bislang nicht sicher.

Welche Auswirkungen hätte es auf den Klimawandel, wenn Vulkane in der Arktis ausbrechen?

Das hängt davon ab, wie stark diese Ausbrüche sind und wie viele Vulkane betroffen wären. Forschende schauen derzeit mit Sorge auf das neu entdeckte Vulkanfeld in der Westantarktis, das auch in meinem Roman eine entscheidende Rolle spielt. Das schlimmste Szenario wäre eine Eruption, durch die die Eisschelfe vom Rand der Antarktis abbrechen. Ohne diese natürlichen Barrieren würden die Gletscher aus dem Landesinnern ins Meer fließen. Die unmittelbare Folge wäre ein abrupter Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter.

Ihr spannender Thriller ist actionreich und voller überraschender Wendungen. Legen Sie, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, das Handlungsgerüst fest?

Die Planung der Geschichte und der spontane Einfall sind beim Schreiben wichtig. Ich entwickle Geschichten von oben nach unten. Zunächst schaue ich aus der Vogelperspektive auf die Story. Dann sind nur der zentrale Konflikt und zwei oder drei Hauptfiguren sichtbar. Je tiefer ich in die Geschichte einsteige, umso mehr Konturen schälen sich heraus: Wendepunkte, Örtlichkeiten, falsche Fährten. Irgendwann bin ich mittendrin und beginne mit dem Schreiben. Dann kann sich durchaus noch etwas ändern, weil die Figuren ein Eigenleben führen und an bestimmten Punkten anderer Ansicht sein können als der Autor. Wenn man sie dann laufen lässt, entwickelt sich die Geschichte auf organische Weise wie von selbst. Das sind die schönsten Momente beim Schreiben.

Eine zentrale Rolle in Ihrem Buch spielt der Forscher Malatesta, der auch Morde nicht scheut, um privaten Profit aus einem Diamant-Vorkommen zu ziehen. Können Sie uns erklären, wieso es dazu kommen kann, dass unter dem Eispanzer der Antarktis Diamanten vermutet werden?

Die Antarktis war vor 250 Millionen Jahren Teil eines Superkontinents, einer riesigen Landmasse namens Gondwana. Damals hing die Antarktis mit Südafrika zusammen, das heute für seine Diamantvorkommen bekannt ist. Es ist möglich, dass diese Diamantlager auch auf jenem Teil des Superkontinents entstanden sind, der von Südafrika abgebrochen ist und heute zur Antarktis gehört.

Umweltschützer befürchten bereits die zukünftige Ausbeutung des Erdteils. Könnte die Antarktis zu einem neuen Schauplatz von Verteilungskämpfen um Rohstoffe werden?

In der Antarktis werden gewaltige Rohstoffvorkommen vermutet, und das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts drohte ein internationaler Konflikt um den Besitz von Land im ewigen Eis. Viele Länder stellten einfach Ansprüche auf Teile des Kontinents und zogen Grenzen auf der Landkarte, wie es ihnen gefiel. Bevor die Antarktis aber Schaden nehmen konnte, riefen 12 Staaten den Antarktischen Vertrag ins Leben, der die wirtschaftliche Ausbeutung des Eislands verbietet. Heute ist der Vertrag von 55 Staaten anerkannt. Seine Laufzeit ist zeitlich unbegrenzt.

Ein Teil der Spannung erzeugt Ihr Thriller damit, dass Sie geschickt Fakten mit Fiktion vermischen. Im Laufe der Handlung kommt Ihre Heldin Antonia Rauwolf einer sensationellen Entdeckung auf die Spur, lebende Organismen verbergen sich hunderte Meter unter dem Eisschelf. Können Sie uns aus wissenschaftlicher Sicht erklären, wie dieser überraschende Fund zu erklären ist?

Unter dem Eis der Antarktis liegt festes Land. Und dort, das weiß man heute, haben sich Süßwasserseen und -flüsse gebildet. Sie bilden seit vielen Millionen Jahren geschlossene Ökosysteme. Dort hat sich Leben auf bislang unbekannte Art entwickelt – das ist ein Spielplatz der Evolution. Bislang kommt man nicht tief genug hinunter, um diese Biotope zu untersuchen. Aber im Januar 2022 haben Forscher unter dem Filchner-Ronne-Schelfeis merkwürdige Lebensformen auf einem Felsen entdeckt, die aus einem dieser Ökosysteme stammen könnten. Die Untersuchungen dauern noch an.

Die Forscherin geht davon aus, dass die Zellkulturen dieser Lebewesen aus Schwämmen das Potential für die Entwicklung der Medizin haben, die sogar die Entdeckung des Penicillins in den Schatten stellt. Entspringt das der reinen Phantasie des Autors?

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Aber auch die medizinische Hintergrundgeschichte aus DER RISS hat ein reales Vorbild, auf das ich während meiner journalistischen Arbeit gestoßen bin.

Nach der Antarktis bleiben wenig unentdeckte Gegenden auf der Erde. Können Sie uns verraten, wo Ihr neues Buch spielt?

Dort, wo es deutlich wärmer ist: auf den Florida Keys.

Über Thilo Winter

Thilo Winter
© Jutta Wieloch

Thilo Winter ist ein deutscher Schriftsteller und Wissenschaftsjournalist. In seinen Reportagen berichtet er über Unterwasserforschung mit Tauchrobotern, archäologische Funde in abtauenden Gletschern, den Klimawandel als Ursache für den Untergang früher Kulturen und die Zukunft der Polargebiete. Winter arbeitet u.a. für die Zeitschriften Spiegel Geschichte, bild der wissenschaft und Spektrum der Wissenschaft. Er studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie. Er ist ein versierter Romanautor, mit "Der Riss" legt er seinen ersten Wissenschaftsthriller vor.

Die Chancen stehen 50:50 – wirst du dich richtig entscheiden?

Ein abgelegenes Hotel in Schottland. Eine unmögliche Entscheidung. Ein Kampf auf Leben und Tod

Zwei Fremde Martin Griffin (Autor), Angela Koonen (Übersetzer)

Die Chancen stehen 50:50 – wirst du dich richtig entscheiden?
Das Hotel in den Highlands, in dem Remie Yorke als Managerin arbeitet, wird ausgerechnet am letzten Tag der Saison von einem frühen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Telefon mehr, kein Internet. Zum Glück verfügt das Hotel wenigstens über ein Notstromaggregat. Dann stehen mitten im Sturm nacheinander zwei Fremde vor der Tür. Jeder der beiden behauptet von sich, ein Polizist zu sein, der einen geflohenen Mörder sucht und Remie und die Gäste schützen will. Remie weiß genau: Einer der beiden ist wirklich Polizist. Der andere aber ist ein brutaler Mörder. Doch wer von den beiden lügt, und wer sagt die Wahrheit? Remie hat eine Fifty-fifty-Chance, sich richtig zu entscheiden – oder zu sterben …

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Zwei Fremde Vera Teltz (Sprecher), Martin Griffin (Autor), Angela Koonen (Übersetzer)

Das Hotel in den Highlands, in dem Remie Yorke als Managerin arbeitet, wird ausgerechnet am letzten Tag der Saison von einem frühen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Telefon mehr, kein Internet. Zum Glück verfügt das Hotel über ein Notstromaggregat. Dann stehen mitten im Sturm nacheinander zwei Fremde vor der Tür. Jeder der beiden behauptet von sich, ein Polizist zu sein, der einen geflohenen Mörder sucht und Remie und die Gäste schützen will. Remie weiß genau: Einer der beiden ist wirklich Polizist. Der andere aber ist ein brutaler Mörder. Doch wer von den beiden lügt, und wer sagt die Wahrheit? Remie hat eine 50:50-Chance, sich richtig zu entscheiden – oder zu sterben …

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Über Martin Griffin

Bevor Martin Griffin Schriftsteller wurde, war er stellvertretender Schulleiter und ein dem Untergang geweihter Sänger, der einmal sogar die britische Rockband THE FALL auf ihrer Tour begleiten sollte - einen Gig, den er absagen musste, weil er nur zwei gute Songs geschrieben hatte. Griffin lebt mit seiner Frau und Tochter in Manchester. Zwei Fremde ist sein Debüt.

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