Anna Basener - Autor
© Jens Oellermann

Autorin/Sprecherin

Anna Basener

Anna Basener hat ihr Studium in Hildesheim mit Romanheften finanziert. Sie hat Dutzende Fürstenheftchen geschrieben und war laut ZEIT die »erfolgreichste deutsche Groschenromanautorin«. Sie ist die Adelsexpertin der Podcast-Welt und Moderatorin der GALA Royals. Ihr Debütroman ALS DIE OMMA MIT DEN HUREN NOCH TAUBENSUPPE KOCHTE gewann den Putlitzer Preis, ist im Schauspiel Dortmund auf der Bühne zu sehen und wird fürs Kino verfilmt.

Steckbrief

Autorensteckbrief: Anna Basener "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte"

Lieblingssatz aus dem Buch:Datt war eh keine gute Idee, mit die Kettensäge an die Wohnwand ranzugehen.Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war:Die Kapitel vorm Finale, wo alles zusammenläuft und sich auflöst. Das hat ein paar Anläufe gebraucht.Der optimale Song zum Buch:Element of C...

Lieblingssatz aus dem Buch:
Datt war eh keine gute Idee, mit die Kettensäge an die Wohnwand ranzugehen.
Die Stelle im Buch, die am schwierigsten zu schreiben war:
Die Kapitel vorm Finale, wo alles zusammenläuft und sich auflöst. Das hat ein paar Anläufe gebraucht.
Der optimale Song zum Buch:
Element of Crime Mehr als sie erlaubt
Der perfekte Ort, um das Buch zu lesen:
Eine Pommesbude.
Welchem Prominenten würden Sie Ihr Buch gern überreichen und welche Widmung stünde drin?
Tana Schanzara. „Bitte steh auf, ich hab die Rolle deines Lebens geschrieben.“
Was darf beim Schreiben auf keinen Fall fehlen – abgesehen von Rechner, Schreibmaschine oder Stift?
Nagellack. Hübsche Finger schreiben hübsche Worte. Ich tippe und lackiere abwechselnd, dann kann der Lack Wort für Wort trocknen. Sehr praktisch.
Was ist schöner: den letzten Satz zu Ende gebracht zu haben oder das fertige Buch in Händen zu halten?
Zwei sehr unterschiedliche Sachen, aber beide toll.
Wer oder was hilft, wenn es mal schwierig ist, weiterzuschreiben?
Einfach irgendetwas schreiben. Text kann man immer überarbeiten, ein weißes Blatt nicht. Sport geht auch.
Was war zuerst da: die Story oder eine Figur aus dem Buch?
Erst war die Figur da, dann der Tonfall, dann die Story.
Lieber akkurat durchplanen oder erstmal drauflosschreiben?
Erst mal schreiben.
Wie wichtig sind Freunde, Familie, Berater beim Schreiben?
Sehr wichtig. Schreiben ohne Lektorat ist wie Schminken ohne Spiegel. Kann man machen, ist dann aber halt scheiße. Allerdings arbeite ich wirklich nur mit meinem Lektor (eventuell noch meiner Agentin), sonst habe ich keine Erstleser.
Welche Farbe hätte das Cover auf keinen Fall haben dürfen und warum?
Dunkelblau. Ich hasse blau.
Wer das Buch liest, fühlt sich nach der letzten Seite…?
Stark und unzerstörbar.

Interview

Anna Basener spricht im Interview über ihren neuen Roman "Schund und Sühne" | 14.01.2019

Sie gelten laut ZEIT als „erfolgreichste deutsche Groschenromanautorin“. Diese Tätigkeit übt auch Ihre Protagonistin in Ihrem neuen Roman „Schund und Sühne“ aus. Wie viel von Kat steckt in Ihnen selbst?Kat ist ein bisschen allein in ihrer Minimalismus-Welt, sie lebt in Mitte und trägt immer nur schw...

Sie gelten laut ZEIT als „erfolgreichste deutsche Groschenromanautorin“. Diese Tätigkeit übt auch Ihre Protagonistin in Ihrem neuen Roman „Schund und Sühne“ aus. Wie viel von Kat steckt in Ihnen selbst?
Kat ist ein bisschen allein in ihrer Minimalismus-Welt, sie lebt in Mitte und trägt immer nur schwarz. Ich lebe in Prenzlauer Berg und trage nie schwarz … Aber sonst hat sie schon viel von mir. Sie ist nicht umsonst die einzige Ich-Erzählerin des Romans, obwohl es auch noch auktoriale Perspektiven gibt. Sie ist eine Art popliterarisches Alter-Ego von mir, durch sie kann ich die Popliteratur mit dem Groschenroman mischen. Zwei Dinge, von denen man eher nicht denkt, dass sie zusammen passen.
Wann haben Sie Ihre Vorliebe für Heftromane entdeckt? Was ist für Sie das Faszinierende daran?
Das war an der Uni, als ich für mein Vordiplom einen Cut-up-Text nach dem Vorbild der Beatpoeten gemacht habe. Ich habe „geschrieben“, in dem ich bestehende Texte zerschnitten und neu zusammengeklebt habe. Dafür hab ich Groschenromane benutzt und beim Schneiden immer mal wieder reingelesen. Ich hatte vorher noch nie so Heftchen in der Hand gehabt und an der Uni eher mit Gegenwartsliteratur zu tun. Aber dann bin ich hängengeblieben und hab weiter gelesen. Und dann dachte ich: Das kann ich auch, das ist leicht. War es nicht, aber ich wollte das unbedingt machen. Diese Mischung aus Kitsch und Regelwerk hat mich total fasziniert.
Ihr Roman betrachtet Adelsklischees mit einem Augenzwinkern. Wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichte in der Adelswelt anzusiedeln?
Der Adel existiert in Deutschland offiziell nicht mehr. Gleichzeitig sind die Boulevard-Blätter ständig voll von Royals und auch deutschen „Adligen“. Es gibt kaum einen größeren Märchen-Mythos, als den der Prinzessin. Die Sissi-Filme werden jedes Jahr an Weihnachten von Millionen Menschen angeschaut. Ich finde die Diskrepanz zwischen der politischen Situation in Deutschland und den Boulevard-Träumen spannend, oder auch den Unterschied vom Bild der Prinzessin einerseits und der Realität der weiblichen Adligen (die übrigens historisch meistens beschissen war) andererseits. Man sagt über den Groschenroman gern, dass er die Unterschicht der Literatur ist – und dann beschäftigt er sich aber mit einer Oberschicht und gönnt sich ganz selbstbewusst so ein goldenes Cover. Das ist doch toll. Mir war immer klar, wenn ich über eine Groschenromanautorin schreibe, dann schreibe ich auch über eine Prinzessin. Das gehört einfach zusammen.
Im Buch erzählt Kat von strikten Vorgaben im Groschen- bzw. Heftroman: keine explizite Darstellung von Sex, Themen wie Drogen, Gewalt oder Politik sind stark reglementiert. Existieren diese Tabus wirklich?
Ja, die und viele mehr. Wer viele Leser erreichen will, darf so wenige von ihnen vor den Kopf stoßen wie möglich. Themen wie Religion oder die explizite Darstellung von Sexualität provozieren, und Provokation ist hinderlich, wenn man die Massen erreichen will. Wenn wir den Liebes-Groschenroman nehmen, gibt es zum Beispiel auch Regeln für das Alter oder die sexuelle Orientierung der Protagonisten, den Konflikt oder die Konfliktlösung – und es muss ein Happy End geben. Heteronormativer Mainstream eben.
In Ihrem Roman werden all diese Gebote gebrochen: Es geht um Sex, Politik, Drogen und Gewalt. Wollten Sie sich auch ein wenig freischreiben von Groschenromanklischees?
Ich hatte schon bei „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ das Gefühl, ich schreib mich frei von meiner Vergangenheit. Jetzt wollte ich vor allem eine Geschichte erzählen und mit Klischees spielen. Was mich eher interessiert hat, war die Frage: Was, wenn jetzt die echte Welt in so eine Kitschidylle einbricht? Wie realistisch kann ich werden und trotzdem Glamour und Leichtigkeit behalten?
Die Liebesgeschichte im Buch ist eher untypisch: Der Prinz Valu entpuppt sich als schwul, Kat flirtet zwischendurch mit Moritz und dieser verführt sowohl Valu als auch die Prinzessin Seph. Wie haben Sie diese Liebesgeschichte entwickelt?
Ach, das war einfach. Ich wusste von Anfang an, hier muss jetzt jeder mit jedem. Also hab ich Moritz zu einer Art Sex-Joker gemacht. Er ist die Karte, die man immer ziehen kann. So eine Figur macht großen Spaß.
Die Figur der Seph ist zunächst die einer ‚typischen‘ Prinzessin, bis sich herausstellt, dass es sich bei ihr um eine jagdlustige Frau mit einem schweren Schicksal handelt. Was hat Sie zu dieser Figur inspiriert?
In meinen Recherchen ist schnell klar geworden: der deutsche Adel und die Jagd, das ist hier die eigentliche Liebesgeschichte. Die Jagd war mal das Privileg des Adels, und daran halten die bis heute fest. Vorwiegend die Männer, und da ist eine klassische Reaktion von mir nun mal: Nicht in meinem Text, gebt der Frau ein Gewehr! Diese Prinzessin geht nicht in den Wald und singt mit den Tieren, bis die ihr beim Putzen helfen. Sie erlegt den Hirsch und nimmt ihn aus, während sie ein Unternehmen gründet. Aber natürlich kämpft sie auch mit dem Bild, dem sie entsprechen soll. Jemand hat ihr das Herz gebrochen. Sie will lieben, und findet niemanden, der sie zurückliebt. Ich wollte eine Frau zeichnen, die gleichzeitig stärker und weicher ist als Kat.
Haben Sie für Ihren Roman, ähnlich wie Kat, in deutschen Adelshäusern recherchiert?
Der Adel hat sich 1919 nicht so recht abschaffen lassen. Es gibt ihn politisch nicht mehr, aber als Gesellschaftsschicht durchaus. Circa 80.000 Adlige leben in Deutschland und jagen – und bleiben gern unter sich. Deshalb sind sie auch schwieriger zu recherchieren als Huren. Es war sehr viel leichter, an Prostituierte für mein letztes Buch ranzukommen, als an jemanden aus einem hochadligen Haus. Aber zum Glück arbeite ich für meinen Podcast „GALA Royals“ mit einer Adelsexpertin zusammen, die alles weiß, was man sich vorstellen kann. Und noch mehr.
Ihr Roman ist trotz aller Komik und Spannung auch sehr politisch und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Welche Wirkung erhoffen Sie sich bei Ihren Leserinnen und Lesern?
Ich hoffe natürlich, dass ihnen der Roman gefällt. Die leichten politischen Einschläge in der Geschichte sind notwendig für Handlung und Figuren oder auch als Gegenwartsmarkierung, aber ich will keine Message senden. Ich will mit einer Liebesgeschichte berühren, die es so noch nicht gab.
Am Ende kommen dann doch ein paar Klischees: Es endet mit einem Familiendrama und einer Verlobung. Letztlich doch eine Liebeserklärung an den Groschenroman?
Auf jeden Fall! Es ist eine Verneigung vorm Kitsch, dem Klischee und dem Groschenroman. Alle unterschätzt!
Worauf legen Sie beim Schreiben wert?
Meinen Schreibtisch. Er ist der perfekte Ort zum Schreiben, und ich kann nur ganz schwer woanders arbeiten. Auch wenn es immer heißt, wir Freiberufler wären ja auch örtlich ungebunden. Ich bin das nicht. Komplette Abhängigkeit.
Wird aus jeder Ihrer Ideen ein Buch oder verwerfen Sie manche auch wieder?
Ich verwerfe selten ganz bewusst. Ich lasse Sachen irgendwann einfach „in der Schublade“, aber da könnte man ja theoretisch auch immer noch mal wieder bei … Ich steh auch oft vor der Frage, ob die Idee wirklich ein Roman ist oder nicht eher ein Hörspiel. Oder ein Drehbuch? Oder ein Theaterstück? Oder eine Podcastfolge? Oder ein Tweet?
Welche Bücher lesen Sie privat gerne?
Biographien von KönigInnen oder FürstInnen, Sachbücher über Mode und natürlich auch Romane. Aber dieses Jahr bin ich quasi nicht zum Lesen gekommen, wenn das Buch nicht unmittelbar mit einem Projekt von mir zu tun hatte.

Interview

Im Interview: Anna Basener über ihren Debütroman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" | 10.03.2017

Ihr Roman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" ist eine feine Ruhrpottkomödie mit einer umwerfenden Omma aus Essen Rellinghausen in der Hauptrolle. Wann stand für Sie fest, dass die Omma die Hauptfigur sein wird?Das war von Anfang an klar. Ich wusste nicht, dass der Text ein Roman wird, ...

Ihr Roman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" ist eine feine Ruhrpottkomödie mit einer umwerfenden Omma aus Essen Rellinghausen in der Hauptrolle. Wann stand für Sie fest, dass die Omma die Hauptfigur sein wird?
Das war von Anfang an klar. Ich wusste nicht, dass der Text ein Roman wird, eigentlich habe ich nur eine Kurzgeschichte geschrieben, und in der sollte es um eine promiske und unerschütterliche Kämpferin im Putzkittel gehen. Und um Huren. Aber dann hatte ich eine zehnseitige Geschichte und wollte mehr erzählen. Da kam Bianca ins Spiel, denn eine Figur wie die Omma funktioniert natürlich besser, wenn jemand sie von außen beschreibt, jemand, auf dessen Leben diese etwas andere Großmutter einen Einfluss hat.
Das Buch ist eine Liebeserklärung an Ihre Heimat. Was macht für Sie den Charme des Ruhrgebiets aus?
Watt ist datt denn für eine Frage? Hömma, datt is doch wohl eine Offensichtlichkeit. Den Pott mit seine schönen Wörters, die Zechen, watt heute schickobello Kulturdenkmäler sind, und erst die Ruhr … Eine blaue Oase ist datt (ok, die ist meistens schwatt und war auch schon mal sauberer, aber getz von Prinzip her), einfach astrein, datt sach ich aber für Sie. Müssen Sie mal gucken kommen, da kommen Sie richtig am staunen.
Sie haben eine durchaus ungewöhnliche Schriftstellerkarriere vorzuweisen: Sie begannen als Heftromanautorin und legen nun Ihren Debütroman vor. Wann haben Sie Ihre Vorliebe für Heftromane entdeckt? Was ist bzw. war für Sie das Faszinierende an Heftromanen? Wann ist der Wunsch entstanden, einen Roman zu schreiben?
Ich bin in der Uni mit Groschenromanen in Berührung gekommen. Ich hab mich mit den Beatpoeten und ihrer Cut-up-Technik beschäftigt. Bei uns in Hildesheim muss man sich dann immer auch praktisch mit seinem Gegenstand auseinandersetzen, und ich habe eben Groschenromane auseinandergeschnitten und neu zusammengeklebt, um Texte entstehen zu lassen. Und dann verfiel ich auf die größenwahnsinnige Idee, dass ich „so was“ bestimmt auch kann. Ist ja nur triviales Erzählen von der großen Liebe. Ja, von wegen. Man muss das natürlich lernen, aber es hat mich genug fasziniert, um nicht loszulassen. Ich mag Trash, und wenn andere die Augen verdrehen, weil etwas zu pink, zu glitzernd oder zu romantisch ist, dann finde ich das extra spannend. Das gilt aber auch für die andere Seite des Trashs, die, wo es sehr blutig und gewalttätig ist.
Sie gelten laut ZEIT als „erfolgreichste Groschenromanautorin Deutschlands“. Wie kommen Sie zu dieser Ehre?
Das ist eine sehr gute Frage, denn ich war in den Genres Romantik und (Sex)-Western sicher eine Weile die jüngste Groschenromanautorin, aber nie die erfolgreichste. Da gibt es ganz andere Kaliber, die im Monat vier Romane schreiben, und das seit Jahrzehnten. Die ZEIT hat das damals einfach geschrieben. Vielleicht, weil ich die sichtbarste war. Ich habe relativ viele Interviews gegeben, war im Radio und im Fernsehen. Unter dem Aspekt, dass PR auch eine Erfolgskategorie ist, kann man das also eventuell gelten lassen.
Sie haben an einer der wichtigsten Literaturschmieden Deutschlands, in Hildesheim, Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis studiert. Wie muss man sich diesen Mikrokosmos der angehenden Schriftsteller vorstellen?
Toll. Und schrecklich. Das ist eine Welt voller talentierter Narzissten, Hoffnung und Konkurrenz. Alle schreiben und dann reden alle über ihre Texte. Es wird kritisiert und gefeilt und vorgelesen. Manchmal entsteht ein Druck, dass man nie genug lesen oder schreiben kann, um mit den anderen mitzuhalten. Am Ende hat das wenig mit der echten Welt draußen zu tun, aber man kann viel ausprobieren. Tatsächlich habe ich persönlich mehr über das Schreiben gelernt, als ich in Drehbuchseminaren war, die gar nicht dem Literaturinstitut angegliedert waren, sondern bei den Medienwissenschaften. Und natürlich von meinen Groschenroman-„Lehrern“, aber das war dann größtenteils nicht mehr im Unikontext. Ein Grund dafür, dass ich mich während des Studiums den Groschenromanen zugewandt habe, war, dass ich mich unterscheiden wollte. Ich wollte nicht noch eine sogenannte Schreiberin sein, die beim Poetry Slam verdichtete Texte über sich selbst vorliest. Ich wollte meine eigene Nische haben. Dieser Wunsch wäre an einer anderen Uni vielleicht gar nicht entstanden.
Frank Goosen schreibt über Ihren Roman, er sei „rotzig und respektlos, sexy und sentimental, spannend und politisch unkorrekt.“ Das kommt fast einem Ritterschlag gleich. Was bedeutet Ihnen dies?
Es ist natürlich eine große Ehre. Diesen Satz zu lesen, macht mich stolz, klar. Ich kannte Frank gar nicht persönlich, aber als er auf einer Lesung in Berlin war, musste ich als Kind des Ruhrpotts natürlich hin. Nachher habe ich ihn einfach angesprochen und erzählt, dass ich demnächst im gleichen Verlag debütiere wie er. Eichborn war ja auch sein erster Verlag. Und als wir im Gespräch dann auch noch herausfanden, dass er quasi im Bochumer Rotlichtviertel aufgewachsen ist, wo ich für Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte recherchiert und Huren interviewt habe, war klar, dass er das Buch lesen will.
Eine Frage liegt natürlich auf der Hand: Gibt es eine reale Vorlage für die Omma aus Ihrem Roman?
Ja. Meine Omma. Sie war auch sehr stark, liberal und promisk, was ich erst spät wirklich begriffen und schätzen gelernt habe. Sie war eine bemerkenswerte Frau mit einem harten Leben, sie war sogar mal im Knast. Sie war der Auslöser für den Roman, ich habe die Geschichte um sie und Anekdoten aus ihrem Leben gestrickt. Sie hatte fünf Kinder von drei Männern, diverse Liebhaber und noch mehr unterschiedliche Jobs. Aber es ist natürlich ein Roman mit einer gehörigen Portion Fiktion. Meine Omma hat zum Beispiel nie Eve geraucht. Immer nur Kim. Da sieht man schon, wie viel ich erfunden habe ;-)
Sie schreiben nicht nur Heftromane und Romane, sondern sind auch Hörspielautorin bei Audible. Welche anderen Talente schlummern noch in Ihnen?
Netflix. Ich will nicht angeben, aber in Sachen Serien gucken, betrachte ich mich als ganz weit vorn. Vierzehn Folgen Modern Family am Stück? Also, ich kenne keinen, der das sonst noch geschafft hat. (Ich habe wirklich keine weiteren Talente, ich bin ganz gut mit Dialogen und Cliffhangern, was sowohl beim Prosa- als auch beim szenischen Schreiben hilft.)
Die zweite Hauptfigur in Ihrem Roman ist die Enkelin Bianca, die in Berlin lebt und ihre eigene Schlüppi-Kollektion entwirft. Nach einem Schicksalsschlag zieht die Omma aus Essen zu ihr in die WG ins wilde Berlin-Kreuzberg. Wie genau kann man sich das Zusammenleben der beiden vorstellen?
Herausfordernd. Sie haben noch nie zusammengelebt und Biancas ganzes Leben eigentlich aneinander vorbeigeredet. Und während Bianca möchte, dass ihre Omma wieder auszieht, weil sie ihre Ruhe haben will, hat die Omma ganz andere Sorgen. Ihre zwielichtige Vergangenheit holt sie ein und wird bald auch zu Biancas Problem. Ab dem Moment, wo diese Vergangenheit quasi vor der Tür steht, rückt die Frage, ob sie eine harmonische WG sind, sehr weit in den Hintergrund. Aber andererseits ist die Omma eine 1A-Versorgerin. Es ist immer genug Eierlikör da, und das weiß ein Zuckerjunkie wie Bianca durchaus zu schätzen.
Die Omma hat eine Schwäche für Eierlikör. Haben Sie ebenfalls geheime Schwächen und Vorlieben?
Eierlikör, aber das ist nicht geheim. Das steht auf meiner Twitterseite, auf meiner Homepage … ich schreibe das überall hin, wo Platz ist. Es hat den Vorteil, dass man dann hin und wieder Likör geschenkt bekommt. Genau genommen ist das auch keine Schwäche, ich sehe das eher als Stärke – besonders, wenn man den Likör noch selber machen kann. Was mich daran erinnert, dass ich das wirklich mal ausprobieren muss. Jetzt, wo meine Omma gestorben ist, pflegt niemand in der Familie mehr diese Tradition. So kann das nicht weitergehen!

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