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Schönherz & Fleer

Richard Schönherz und Angelica Fleer sind ein Komponisten- und Produzententeam. Ihre musikalische Zusammenarbeit zeichnet sich vor allem durch ihre gemeinsam entwickelten Lyrikprojekte aus, in denen ausgewählte Texte verschiedener Dichter mit eigens dafür komponierter Musik untermalt und von bekannten Persönlichkeiten interpretiert werden. Die beiden Komponisten sind Initiatoren und Schöpfer des erfolgreichsten deutschsprachigen Lyrikprojekts, dem „Schönherz & Fleer Rilke Projekt". Das Projekt tourt seit vielen Jahren mit großem Erfolg durch Deutschland. Renommierte Schauspieler und Musiker interpretieren live unter der Regie der beiden Produzenten ausgewählte Texte Rilkes im Zusammenspiel der Musik aus den Rilke Projekt-CDs.
Schönherz & Fleer haben wichtige nationale und internationale Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten. Für ihr Rilke Projekt erhielten sie den Internationalen Buchpreis Corine in der Kategorie „Hörbuch." In der Kategorie „Innovation" wurden sie für den deutschen Hörbuchpreis nominiert.
Die beiden Komponisten sind verheiratet und leben mit ihrem gemeinsamen Sohn in Frankfurt am Main.

Interview

Im Interview sprechen Richard Schönherz und Angelica Fleer über ihr neues Hörbuch "Rilke Projekt. Wunderweiße Nächte" | 23.09.2018

Am 28. September 2018 erscheint bei Lübbe Audio das inzwischen fünfte „Rilke Projekt“-Hörbuch. In neuen Kompositionen nähert es sich in einer Collage aus Texten, Briefen und Gedichten dem einfühlsamen Werk Rainer Maria Rilkes. Was war der Grund, sich erneut mit Rilke zu befassen?Rilke ist ein Teil u...

Am 28. September 2018 erscheint bei Lübbe Audio das inzwischen fünfte „Rilke Projekt“-Hörbuch. In neuen Kompositionen nähert es sich in einer Collage aus Texten, Briefen und Gedichten dem einfühlsamen Werk Rainer Maria Rilkes. Was war der Grund, sich erneut mit Rilke zu befassen?
Rilke ist ein Teil unseres Lebens geworden. Die Intensität seiner Sprache ist fast unerschöpflich, und wir sind davon genauso fasziniert wie beim ersten Projekt. Er gibt uns so viel, weil die Worte und Bilder, die er formt, gerade in Zeiten von verrohender Sprache und Schwarz-Weiß-Malerei immer wieder deutlich machen, dass unser Sein empfindsam und vielschichtig ist. Es bleibt uns eine Freude, mit Sprache zu bewegen und zu berühren. Anders als in den vorangegangenen Rilke-Projekten haben wir uns diesmal mit „wunderweißen Nächten“ einem bestimmten Thema gewidmet: der Schönheit, der Anmut und der Dramatik von Herbst und Winter.
Das Rilke Projekt gilt als das erfolgreichste deutsche Lyrikprojekt des Jahrhunderts. Es wurde mit mehreren Goldenen Schallplatten sowie dem internationalen Buchpreis CORINE in der Kategorie Hörbuch ausgezeichnet und hat sowohl Publikum als auch Kritiker begeistert. Wie erklären Sie sich den unglaublichen Erfolg?
Wir spüren immer wieder bei unseren HörerInnen und ZuschauerInnen diese Sehnsucht und Freude, sich berühren zu lassen, von Worten und Musik. Unser Anliegen ist es, die Herzen und Gedanken zu öffnen. Wenn uns das gelingt, wenn Menschen Tränen der Freude in den Augen haben oder in unseren Konzerten einfach nur die Augen schließen, dann fühlt es sich „richtig" an.
Wie sind Sie bei der Textauswahl zu „wunderweiße Nächte“ vorgegangen?
Es gibt so viele Texte und Briefe von Rilke. Vieles, was gar nicht so bekannt ist. Sich darin einzuarbeiten, tage- und nächtelang zu lesen und zu suchen, herauszufinden, was für die lange Reise vom goldenen Herbst in den weißen Winter am besten passt, das hat uns angetrieben. Und immer mit der Frage verbunden, wie können wir diese Reise der Worte und Bilder musikalisch gestalten, ihr unsere Begleitung geben. So sind wir Teil der wunderweißen Nächte geworden.
Die Schauspieler Matthias Koeberlin und Julia Koschitz sowie die Sänger und Songschreiber Nicolas Müller, Klaus Hoffmann und Cäthe leihen den Rilke-Texten ihre Stimme. Wie ist es zu dieser Sprecherauswahl gekommen?
Seit vielen Jahren arbeiten wir in unseren Projekten eng mit wunderbaren Schauspielern, Sängern und Musikern zusammen. Und häufig ist es so, dass wir bei einem Text sofort ein Gefühl dafür entwickeln, wie er klingt, wenn er von einer bestimmten Person „performed“ wird. In „Wunderweiße Nächte“ war uns besonders wichtig, die Transformation von großer sprachlicher Sensibilität ins Moderne zu vollziehen. Mit der Auswahl dieser Künstler schien uns das der richtige Weg dafür zu sein.
Haben Sie immer gleich gewusst, welcher Sprecher, welchen Texte liest. Oder äußern die Sprecher ihre Wünsche?
Wir haben Ideen, die Künstler auch. Das Schöne ist: meist liegen wir gar nicht weit auseinander.
Von welchen anderen Lyrikern haben Sie bereits die Gedichte vertont?
Mit dem Hesse-Projekt und mit AMO waren wir bereits sehr erfolgreich. Lyrik ist ein weites Feld, und wir lassen uns immer wieder von ganz unterschiedlichen Autoren inspirieren. Dass wir uns am häufigsten mit Rilke beschäftigt haben, liegt an der besonderen Verbindung, die wir durch seine Sprache und unserer Musik schaffen konnten.
Ist die Rilke Projekt-Band ein festes Ensemble, oder holen Sie sich immer wechselnde Musiker hinzu?
Mit vielen Musikern arbeiten wir bereits seit Jahren zusammen. Ihr Können begeistert uns immer aufs Neue. Aber wir bleiben auch auf der Suche nach neuen, einzigartigen Musikern, die zu unserem Projekt passen.
Wie kann man sich Ihre Arbeit mit den Sprechern bzw. Sängern im Studio vorstellen?
Konzentriert und fröhlich, intensiv und stundenlang. Wie oft ging es uns im Studio so, dass die Texte gesprochen wurden, dass dann die Musik dazu entstand und dass beides nach dem Pizza-Service mitten in der Nacht nochmal ganz neu zusammengesetzt wurde.
Wie ist es Rilke live zu performen?
Natürlich spüren wir bei den Live-Gigs die Reaktion des Publikums. Im Studio können wir nur hoffen, dass unsere Arbeit Seelen berührt. Bisher war es bei Rilke live immer so, dass wir spätestens dann wussten, all die Stunden, Tage, Wochen und Monate der Entstehung, die haben sich gelohnt. Dafür sind wir dankbar.

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