Laura Kneidl - Autor
© Nicole Böhm

Autorin

Laura Kneidl

Laura Kneidl schreibt Romane über alltägliche Herausforderungen, phantastische Welten und die Liebe. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement in Stuttgart. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten. Nach einem längeren Aufenthalt in Schottland lebt die Autorin heute in Leipzig, wo ihre Wohnung einer Bibliothek ähnelt. Sie ist auf Instagram (@laurakneidl) aktiv und tauscht sich dort gerne mit ihren Lesern aus. Weitere Informationen unter: www.laura-kneidl.de

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Interview

Laura Kneidl und Gabriella Bujdosó im Interview zu der Graphic Novel "Berühre mich. Nicht." | 27.01.2023

Die Geschichte um Sage und Luca begeistert unzählige Leser:innen, nun erscheint sie als Graphic Novel. Wie würdet ihr die Graphic Novel in drei Worten beschreiben?Laura: Traumhaft. Wunderschön. Besonders.Gabriella: Emotional. Herzzerreißend. Romantisch.Was war für euch die größte Herausforderung an ...

Die Geschichte um Sage und Luca begeistert unzählige Leser:innen, nun erscheint sie als Graphic Novel. Wie würdet ihr die Graphic Novel in drei Worten beschreiben?
Laura: Traumhaft. Wunderschön. Besonders.
Gabriella: Emotional. Herzzerreißend. Romantisch.
Was war für euch die größte Herausforderung an der Umsetzung der Graphic Novel?
Laura: Mich von meiner Romanvorlage zu lösen, da nicht jede Szene und jeder Dialog in die Graphic Novel übernommen werden konnte, weil das den Umfang gesprengt hätte.
Gabriella: Es war für mich wichtig, dass ich bei jeder Szene die richtige Mimik und die richtigen Emotionen oder Bewegungen darstelle, so dass die Bilder auch ohne Wörter „erzählen“. Während man bei einem Buch die Möglichkeit hat, das Geschehen, die Gefühle und die Gedanken detailliert zu beschreiben, hat man in einer Graphic Novel manchmal nur ein oder zwei Panels, um alles darzustellen.
Laura, eröffnet die Graphic Novel neue Möglichkeiten, Gefühle oder Gedanken der Protagonist:innen auszudrücken?
Ich würde nicht sagen, dass sie neue Gefühle und Gedanken ausdrückt, da wir uns in der Umsetzung sehr an die Romanvorlage gehalten haben. In der Graphic Novel finden sich ausschließlich Szenen und Momente wie es sie auch im Buch gibt, wenn auch manchmal etwas anders arrangiert. Was die Graphic Novel allerdings ermöglicht, ist die Gefühle der Charaktere bildhafter und sehr lebendig dazustellen. Es braucht keinen ganzen Absatz, um Sages Panik zu beschreiben, sondern es reicht ein einziger Blick.
Gabriella, eine zentrale Rolle in „Berühre mich. Nicht.“ spielen Sages Ängste und Panikattacken. Wie war es für dich, diese Ängste in deinen Illustrationen darzustellen?
Ich fand diese Szenen am einfachsten zu illustrieren. Sie sind sehr intensiv, daher konnte ich mehr mit Sages Mimik, Körperhaltung und auch mit starken Farben spielen, um ihre Panik besser darstellen zu können.
Was hat euch an der Zusammenarbeit und dem Abstimmungsprozess am meisten Spaß gemacht?
Laura: Der komplette Prozess hat mir viel Spaß gemacht. Es war schön, noch einmal so tief in die Geschichte von Sage und Luca eintauchen zu können, und noch einmal alle Szenen so intensiv erleben zu können. Das hat mir beim Schreiben von »Vergiss uns. Nicht«, dem dritten Band der Reihe, sehr geholfen. Und mit Gabriella zusammen zu arbeiten ist immer fantastisch. Die Graphic Novel ist nicht das erste Projekt, das wir zusammen verwirklichen. Sie hat ein gutes Auge für Details und trifft genau meinen Geschmack. Ich habe mich jedes Mal gefreut und alles stehen und liegen lassen, wenn ich neue Zeichnungen von ihr bekommen habe.
Gabriella: Wir konnten von der ersten Minute an ganz ohne Schwierigkeiten zusammenarbeiten. Wenn ich irgendwo steckenblieb, dann hatte Laura eine Idee, die perfekt gepasst hat und umgekehrt.
Laura, nimmst du deine Geschichte und Figuren durch die Graphic Novel nochmal anders wahr?
Ich würde nicht sagen, dass ich sie anders wahrnehme, aber es war schön, sie noch einmal so intensiv wahrzunehmen. Ich habe die Geschichte von Sage und Luca damals 2015-2017 geschrieben und in der Zwischenzeit viele andere Geschichten erzählt. Zwar war »Berühre mich. Nicht.« dank meiner Leser:innen immer sehr präsent in meinem Leben, aber mit der Graphic Novel konnte ich noch einmal sehr tief in die einzelnen Szenen und Kapitel eintauchen.
Gibt es für euch eine Lieblingsszene? Und eine Szene, die besonders schwer zu schreiben bzw. zu illustrieren war?
Laura: Ich liebe die Szene, die an Lucas Geburtstag spielt, als er gemeinsam mit Sage auf dem Balkon sitzt. Die hat mir nicht nur beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht, sondern war auch in der Graphic Novel ein absolutes Highlight für mich. Was mir ebenfalls überraschend gut gefallen hat, waren die vielen kleinen Momente zwischen Luca und April. Ich finde, die Graphic Novel hebt diese geschwisterliche Verbundenheit der beiden noch einmal ganz besonders hervor.
Am schwersten zu schreiben waren wohl die ersten Begegnungen zwischen Sage und Luca, weil die Leser:innen Sages Angst fühlen, aber gleichzeitig Luca als potenziellen Loveinterest wahrnehmen sollen. Das durch Sages Brille aus Angst und Panik zu schreiben, war nicht ganz einfach.
Gabriella: Meine Lieblingsszene ist im Magazin, als Luca sich verletzt hat und Sage sich um ihn kümmert.
Gabriella, Gibt es einen Charakter, den du besonders gern illustriert hast?
Luca. Selbstverständlich.
Was schätzt ihr an Geschichten, die als Graphic Novel erzählt werden, besonders?
Laura: Die Illustrationen. Ich liebe Illustrationen, nicht grundlos gibt es zu (fast) all meinen Büchern Charakterkarten oder illustrierte Szenen.
Gabriella: Was ich an Graphic Novels großartig finde, ist dass sie alle wie kleine Filme sind, aber in Buchform. Jede Graphic Novel hat ihren eigenen Stil. Ich kann sehr viel Zeit mit einem Panel verbringen, um zu analysieren, wie der Künstler oder die Künstlerin eine bestimmte Szene abgebildet hat.
Am 27.09.2023 erscheint der zweite Teil von „Berühre mich. Nicht.: Die Graphic Novel“. Worauf freut ihr euch dabei am meisten?
Laura: Ich freue mich am meisten auf die Halloween-Szene und den ersten Kuss.
Gabriella: Darauf, dass Sages und Lucas Geschichte weitergeht und damit auch unsere Zusammenarbeit.

Interview

10 Fragen an Laura Kneidl zu ihrem neuen Roman „Someone New" | 14.01.2019

In deinen eigenen Worten: Worum geht es in „Someone New“? Wie würdest du deinen Roman beschreiben?In „Someone New“ begleiten die Leser*innen Micah, deren Leben auf dem Kopf steht, seit ihr Zwillingsbruder Adrian unfreiwillig als schwul geoutet wurde. Ihre gemeinsamen Eltern haben ihn verstoßen, wora...

In deinen eigenen Worten: Worum geht es in „Someone New“? Wie würdest du deinen Roman beschreiben?
In „Someone New“ begleiten die Leser*innen Micah, deren Leben auf dem Kopf steht, seit ihr Zwillingsbruder Adrian unfreiwillig als schwul geoutet wurde. Ihre gemeinsamen Eltern haben ihn verstoßen, woraufhin er untergetaucht ist. Micah macht sich große Sorgen und begibt sich auf die Suche nach ihm. Dafür gibt sie ihren Studienplatz in Yale auf und zieht aus ihrem Elternhaus aus. In ihrem neuen Wohnhaus angekommen, trifft Micah auf ihren Nachbarn: Julian. Die beiden kennen sich bereits, denn versehentlich ist Micah dafür verantwortlich, dass Julian Monate zuvor seinen Job als Kellner verloren hat. Sie möchte sich dafür gerne entschuldigen, aber er weist sie immer wieder ab. Doch Micah gibt nicht auf, denn sie mag Julian, sehr sogar, und spürt, dass zwischen ihnen eine ganz besondere Verbindung besteht. „Someone New“ ist in meinen Augen nicht nur ein Roman über die Liebe, sondern es ist auch eine Geschichte über Selbstfindung, Freundschaft und Akzeptanz.
„Someone New“ ist dein bereits dritter Roman im LYX-Verlag, wie fühlt es sich an die Möglichkeit zu haben, deine Ideen umzusetzen?
Ich bin sehr glücklich darüber von einem Verlag wie LYX unterstützt zu werden und ich bin dankbar für die Chance meine Geschichten so erzählen zu dürfen, wie ich es möchte. Denn gerade „Someone New“ ist ein für mich besonderer Roman, den ich in Kooperation mit einem anderen Verlag vermutlich nicht so hätte verwirklichen können.
Deine Protagonistin Micah ist ein sehr interessanter und vor allem kein gewöhnlicher Charakter. Sie hegt eine Vorliebe für Graphic Novels und Superhelden, trägt eine ausgefallene Frisur und benimmt sich manchmal mehr wie ein Kind, als eine erwachsene Frau. Gab es eine Inspirationsquelle zu dieser Figur?
Nein, eine Inspirationsquelle gab es nicht, sondern ganz viele, nämlich all meine Freunde und auch mich selbst. Micah wurde von mir so gestaltet, dass sie in meinen Augen meine perfekte, beste Freundin wäre. Sie ist witzig, nimmt das Leben nicht so ernst, aber entzieht sich auch nicht ihrer Verantwortung, wenn es um wichtige Dinge geht. Ihr moralischer Kompass ist meinem sehr ähnlich und auch viele meiner Freunde haben ähnliche Denkansätze. Außerdem lieben fast alle meine Freunde Bücher und/oder Comics und mögen Filme und Serien über Superhelden, daher ist Micah in meinen Augen gar nicht so ungewöhnlich.
In deinem Roman fällt sofort auf, dass die Figuren einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen. Da ist zum Beispiel Micahs beste Freundin Lilly, die früh schwanger geworden ist und sich seitdem in der Rolle als Mutter wiederfindet. Außerdem Micahs Bruder, der homosexuell ist oder Auri, der schwarz ist und zusammen mit seiner besten Freundin Cassie, die weiß ist, Cosplay als sein großes Hobby pflegt. Wie wichtig ist dir Diversity? Und findest du, dass das Thema in der Literatur generell zu wenig Beachtung findet?
Diversity ist mir in meinen Geschichten sehr wichtig, aber ich muss gestehen, dass war nicht immer so. Ich habe nicht bewusst exklusiv geschrieben, aber meine früheren Romane waren Abbildungen anderer Bücher, die ich gelesen habe, und Abbildungen meines Lebens, wie ich es kannte. Als weiße, cis* Frau, die in einem katholischen Dörfchen in Franken aufgewachsen ist, hatte ich in meiner Kindheit und Jugend nicht viele Berührungspunkte mit Menschen, die eben nicht christlich, weiß und cis waren und ich kannte vielleicht eine Handvoll Personen, die sich der LGBT+ Community zugehörig gefühlt haben; was teils auch daran lag, dass sie nicht geoutet waren. Das hat sich geändert, als ich nach Stuttgart gezogen bin und begonnen habe, mich online über Social Media auszutauschen. Dadurch habe ich sehr viele großartige und interessante Menschen kennengelernt, die mir erst vor Augen geführt haben, wie bunt diese Welt wirklich ist. Meine New Adult Romane sollen die Wirklichkeit abbilden, daher ist Diversity ein sehr wichtiges Thema für mich geworden. Und ja, ich bin der Meinung, dass es in der Literatur generell zu wenig Beachtung findet. Hätte mehr Repräsentation in den Büchern stattgefunden, die ich früher gelesen habe, hätte ich vielleicht schon früher erkannt, wie vielfältig und wunderbar unsere Welt ist. Inzwischen ist ein Umdenken bemerkbar, aber ich glaube, es ist auch noch immer sehr viel zu tun.
In deinem Roman geht es unter anderem um Micah, die Kunst studieren möchte, und um ihren Bruder Adrian, der Homosexuell ist. Beides wird von deren konservativen Familie nicht akzeptiert. Dabei glauben wir, dass wir in einer aufgeklärten, freien Gesellschaft leben. Hast du selbst Erfahrungen gemacht, dass unsere Gesellschaft doch längst noch nicht so weit ist, wie wir denken?
Ich persönlich habe diese Erfahrung noch nicht machen müssen, aber ich habe Freunde und Bekannte, die das leider nicht von sich behaupten können. Daher gibt es auf jeden Fall noch immer viel Aufklärungsarbeit zu leisten, sowohl im Großen, als auch im Kleinen. Denn selbst vermeintlich aufgeklärte Menschen (und da schließe ich mich nicht aus), haben oft noch Vorurteile oder Klischees im Kopf, denen sie sich womöglich noch nicht einmal bewusst sind, weil sie so alltäglich geworden sind, dass man sich überhaupt nicht mehr kritisch mit ihnen auseinandersetzt.
Aufmerksame Leser werden sofort bemerken, dass du einen Protagonisten aus „Berühre mich. Nicht.“ in deinem Buch eingeschleust hast. Siehst du deine Romane als eine große „Welt“, die zusammenhängt?
Absolut. Meine New-Adult-Romane spielen alle in unserer Zeit. „Berühre mich. Nicht.“ ist im Oktober 2017 und „Verliere mich. Nicht.“ im Januar 2018 erschienen, die Handlung der Bücher umspannt auch ziemlich genau diesen Zeitraum. Und die Erzählung von „Someone New“ setzt erstmalig im Juni 2018 ein. Dazu lass ich auch gerne aktuelle Weltgeschehen oder Pop-Kulturelle-Ereignisse einfließen, so dass sich meine Leser*innen mit den Protagonisten verbunden fühlen. Und wenn Micah aus „Someone New“ und Luca aus „Berühre mich. Nicht.“ beide „Iron Man“ mögen, muss diese Welt einfach zusammenhängen.
Micah ist ein großer Fan von Filmen und Serien, die dadurch natürlich eine große Rolle in deinem Roman spielen. Bist du selbst ein Serienjunkie? Und wenn ja, welche Serie hast du zuletzt gesehen?
Ich liebe vor allem Serien, aber leider fehlt mir oft die Zeit dafür. Außerdem neige ich immer zu extremen Binge-Watching, weshalb ich im Moment gerne Serien anschaue, die ich bereits früher gesehen habe, wie beispielsweise Friends, Veronica Mars oder Prison Break, damit ich den Ausgang der Handlung bereits kenne und es mir leichter fällt, auch mal wieder den „Aus“-Knopf zu drücken.
Es wird zu deinem Buch neben der Paperback-Ausgabe noch eine limitierte Sonderausgabe geben. Wie fühlt sich das an? Und was ist das Besondere an der Ausgabe?
Die Sonderausgabe wird als Hardcover mit Schutzumschlag erscheinen und alle Exemplare wurden von mir persönlich handsigniert. Zusätzlich gibt es in dieser Ausgabe Illustrationen, gezeichnet von Gabriella Bujdosó. Im Vor- und Nachsatz des Buches gibt es drei farbige Illustrationen zu den Charakteren und im Buch selbst gibt es mehrere Schwarz-Weiß-Illustrationen, welche Szenen aus der Geschichte zeigen. Ich bin sehr stolz auf diese Sonderausgabe und hoffe, sie gefällt den Lesern!
In deinem Buch geht es sehr viel um Identität und Identitätsfindung – wer man eigentlich ist und wie man sein sollte, um akzeptiert zu werden. Du baust starke Charaktere in diese Entwicklungsprozesse ein. Was möchtest du damit deinen Lesern vermitteln?
Dass sie ihr eigenes Glück nicht in den Erwartungen anderer Menschen suchen sollen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, wenn es um die eigene Identität und das eigene Leben geht, auch wenn uns die Gesellschaft das manchmal glauben lassen will. Versteckt euch nicht hinter irgendwelchen Idealen, sondern bleibt euch selbst treu. Das ist manchmal leichter gesagt, als getan, aber am Ende des Weges lohnt es sich immer, denn jeder Stolperer hat euch geholfen, die Person zu werden, die ihr sein wollt.
Wer oder was hat dir beim Schreiben von „Someone New“ am meisten geholfen?
Die größte Hilfe waren mir wohl meine Sensitivity Reader. Denn wie bereits erwähnt, spielt Diversity in „Someone New“ eine große Rolle, weshalb ich mich nicht nur auf meinen eigenen Erfahrungen stützen konnte, denn ich weiß einfach nicht, wie es ist ein schwarzer oder schwuler Mann in unserer Gesellschaft zu sein. Zwar nehme ich diese Perspektiven innerhalb von „Someone New“ nicht ein, aber auch der Blick von außen (durch Micah) sollte stimmig sein, damit die betroffenen Charaktere nicht wie leere Hüllen, sondern wie echte Menschen wirken, mit denen sich die Leser*innen identifizieren können.
*Als Cis-Mann/Cis-Frau werden diejenigen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Interview

Laura Kneidl über ihr Buch „Berühre mich.Nicht" | 06.10.2017

Liebe Laura, in Ihrem Buch „Berühre mich. Nicht." geht es um Sage, die ohne jegliches Hab und Gut – außer dem Auto, in dem sie schläft – nach Nevada zieht und dort ein völlig neues Leben am College beginnen will. Dort trifft sie auf Luca, der in der Bibliothek arbeitet und all das verkörpert, wovor ...

Liebe Laura, in Ihrem Buch „Berühre mich. Nicht." geht es um Sage, die ohne jegliches Hab und Gut – außer dem Auto, in dem sie schläft – nach Nevada zieht und dort ein völlig neues Leben am College beginnen will. Dort trifft sie auf Luca, der in der Bibliothek arbeitet und all das verkörpert, wovor sie Angst hat. Gibt es einen bestimmten Moment, in dem Sage ihre Ängste über Bord wirft?
Nein, diesen einen Moment gibt es nicht, denn Sage hat nicht einfach nur Angst, sie leidet an einer Angststörung. Könnte sie es, würde sie ihre Furcht sofort über Bord werfen, aber sie kann es nicht. Diese Angst ist in ihr verwurzelt und ein Teil von ihr, ob sie will oder nicht. Ihr Verstand begreift auch oft, dass diese Furcht, die sie verspürt, unlogisch ist, aber es ist, als wäre ihr Körper nicht ihr eigener. Er handelt gegen jegliche Vernunft. Mit dieser Angst umzugehen, sie zu akzeptieren und sie im Alltag zu bewältigen, ist ein stetiger Lernprozess für Sage. Und das zeigt sich auch in ihrer Beziehung zu Luca. Am Anfang hält sie es kaum aus mit ihm in einem Raum zu sein, aber mit der Zeit realisiert sie, dass ihre Furcht unbegründet ist. Dennoch finden sich die beiden immer wieder in Situationen wieder, die Sages Angst triggern und sie in eine Panikattacke treiben, auch wenn es das Letzte ist, was Sage für sich und Luca möchte.
Der Buchtitel „Berühre mich. Nicht“ deutet schon auf die Unentschlossenheit und die Ängste der Protagonistin hin. Einerseits will sie Luca, anderseits hat sie auch noch nicht verarbeitet, was ihr geschehen ist. Wie zeigt sich das in dem Roman?
Es zeigt sich vor allem durch Sages eigene Unentschlossenheit, ihre Zerrissenheit und teils auch durch ihre Wut auf sich selbst. Denn sie möchte auf Partys gehen, spontane Ausflüge unternehmen, mit Luca zusammen sein und eine normale, gesunde Beziehung führen können, aber ein Teil von ihr lässt dies nicht zu. Sie empfindet häufig Frust über ihre Situation und hinterfragt sich selbst, weil sie nicht versteht, womit sie dieses tragische Schicksal verdient hat. Deutlich wird diese Zerrissenheit in ihren Gedanken, aber auch durch ihre Panikattacken, die sie immer wieder überfallen, auch in Momenten, in denen sie eigentlich glücklich sein möchte.
Ihre Geschichte greift auch ein trauriges Thema auf: Missbrauchsfälle in der Familie. Was hat Sie zu diesem schwierigen, aber auch wichtigen Thema inspiriert?
Vor allem die Romantisierung in vielen anderen Büchern dieses Genres. In den meisten dieser Geschichten sind es ebenfalls Mädchen oder junge Frauen die Opfer häuslicher Gewalt werden. Diese Dinge werden dann als „dunkles Geheimnis“ verkauft und präsentiert. Es wird darum herumgetanzt und erst am Ende des Romans wird die Sache für das tragische Finale aufgelöst, obwohl die Leser sich eigentlich längst denken können, was da vorgefallen ist. Doch über die Konsequenzen dieses Missbrauchs wird nicht wirklich gesprochen. Auch Sage verbirgt ihre Vergangenheit vor Luca und ihren Freunden, weil sie nicht bemitleidet werden möchte, aber mit dem Leser ist sie von der ersten Seite an ehrlich. Durch sie will ich zeigen, was für Folgen ein solch traumatisches Erlebnis haben kann und das Liebe kein Heilmittel ist. Lieben kann helfen und eine Stütze sein, aber sie kann diese Dinge niemals ungeschehen machen, und löst Ängste und Zweifel, die sich über Jahre angesammelt haben, nicht in Luft auf. Aus diesem Grund war es mir auch wichtig, dass Sage sehr früh im Roman erkennt, dass sie professionelle Hilfe braucht und daher eine Psychologin aufsucht, die sie durch beide Bücher begleitet.
Sage hat den Mut, ein komplett neues Leben zu starten und sich von ihrem alten Leben loszureißen. Hatten Sie selber schon einmal das Verlangen, komplett neu zu starten?
Nein, das hatte ich noch nicht. Natürlich verspüre ich – wie vermutlich jeder – hin und wieder den Drang nach Veränderung, aber das Verlangen all meinen Besitz zu packen und mich irgendwo 5.000 Kilometer weit weg von zu Hause abzusetzen hatte ich noch nie. Ich glaube auch nicht, dass ich mutig genug dafür wäre, einen solch extremen Schritt zu wagen. Ich hätte Angst vor der Einsamkeit, aber Sages Angst vor ihrem Peiniger ist größer als die von dem Alleinsein, weshalb sie diese Entscheidung für sich treffen muss.
Sie sind auf den Social-Media-Kanälen sehr gut vernetzt. Wie wichtig ist Ihnen der regelmäßige Austausch mit den Lesern und auch mit Ihren Kollegen?
Unheimlich wichtig, denn ohne diesen Austausch wäre das Autorensein für mich ziemlich einsam. Tag ein Tag aus alleine an meinem Schreibtisch sitzen und Geschichten zu erzählen, ohne über sie zu reden und darüber diskutieren zu können, wäre nichts für mich. Ohne meine Kollegen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen oder mir in Momenten der Frustration ein offenes Ohr leihen, wäre ich wohl längst durchgedreht. Denn unser Beruf ist schon ein sehr spezieller, wir können nicht einfach ins Büro gehen und es nach acht Stunden wieder verlassen, wir sind ständig in unserem Kopf und in unseren eigenen Geschichten gefangen, und das ist ein Zustand der häufig nur von anderen Autoren richtig verstanden werden kann. Und mich mit Lesern auszutauschen zeigt mir einfach, dass es die Mühe und die Zweifel wert sind. Erst ihre Eindrücke machen meine Bücher wirklich lebendig. Denn jeder Mensch liest meine Geschichten anders, nimmt etwas Anderes daraus mit, findet Aspekte großartig oder womöglich ganz furchtbar, aber wie die Meinungen auch ausfallen, es gibt mir unheimlich viel mitzubekommen, wie meine Geschichten diese Leute berührt haben. Sie geben mir das Gefühl, gehört zu werden und darum geht es uns Autoren – uns Geschichtenerzählern – doch.
Ihr Buch spielt in Nevada. Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Geschichte nicht in Deutschland, sondern in den USA spielen zu lassen?
Für mich war das gar keine richtige Entscheidung, denn es gab immer nur diese eine Option. Ich persönlich lese einfach viel lieber Geschichten, die in „fremden Welten“ spielen, die mich entführen und meinen Alltag – zu dem auch Deutschland gehört – entreißen. Weit entfernte Länder gehören da einfach dazu und Amerika ist für das Genre in dem sich „Berühre mich. Nicht.“ bewegt einfach sehr typisch. Ich mag das!
Manche Autoren schreiben jahrelang an ihren Büchern, bei wiederum anderen entsteht das Buch quasi über Nacht. Wie war das bei Ihnen?
In gewisser Weise ist der Roman über Nacht, aber gleichzeitig über zwei Jahre entstanden. Die erste Fassung des Buches (damals war die Geschichte von Sage und Luca noch ein Einzelband) ist im Herbst 2015 innerhalb von gut zwei Monaten und während eines Schreibwettbewerbs entstanden. Anschließend wurde es von mir überarbeitet und war dann erst einmal fertig, bis es von LYX eingekauft worden ist und meine Lektorin den Vorschlag gemacht hat zwei Bände daraus zu machen. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Idee, da ich bereits in der Überarbeitung gespürt habe, dass die Geschichte nicht vollständig erzählt ist. Doch gleichzeitig ging damit die Arbeit von vorne los, da Inhalte und Erzählstränge neu arrangiert werden mussten, was im Herbst 2016 passiert ist, ein Jahr nachdem das Buch eigentlich schon fertig war.
Wer darf Ihre Bücher als erstes lesen? Und Hand aufs Herz: Vor welcher Rückmeldung haben Sie am meisten Respekt?
Bereits während des Schreibprozesses bekommen meine Schreib- und Autorenkollegen vereinzelt Auszüge aus dem Text zu lesen, wenn ich mir an bestimmten Stellen unsicher oder auf einen Absatz besonders stolz bin. Sobald der Roman fertig ist bekommen ihn in der Regel meine Betaleser zu lesen, manchmal kommen auch noch weitere Testleser dazu. Ihre Meinung ist mir schon besonders wichtig, vor allem mit meinen Betalesern arbeite ich inzwischen viele Jahre zusammen. Sie kennen meinen Stil und ich kenne ihren Geschmack, wodurch ich sehr gut abschätzen kann, welche Kritik wirklich wertvoll ist und was ich vielleicht verwerfen kann. Den meisten Respekt habe ich allerdings vor der Meinung meiner Lektoren. Sie sind die Profis und haben noch einmal ein ganz anderes Gefühl und Verständnis für Geschichten. Zudem sind sie diejenigen, die am intensivsten mit mir an meinen Texten arbeiten und sie vermutlich fast genauso oft lesen wie ich, wodurch sie vieles noch einmal genauer und deutlicher bewerten können.
Das Buch endet mit einem spannenden Cliffhanger! Können Sie uns schon etwas zu Band 2 „Verliere mich. Nicht.“ verraten?
Nein, das wäre doch irgendwie witzlos, oder?

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